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11. Beilage, Frankfurter Jntelligenz-Blatt Nr. 5, Lonntag, den 7. Januar 1877,

Ueber den Candidaten des hiesigen Wahlvereins äußert sich Professor Virchow im Iulihefte 1872 der „Bierteljahrsschrift für gerichtliche Medicin und öffentliches Samtätswesen", wie folgt:

„Nachdem cs Herrn Varrentrapp gelungen ist, die Behörden seiner Vaterstatt auf sonderbaren Um­wegen dahin zu bringen, Schwemm-Canäle zu bauen und diese in den Main zu leiten, glaubt er allen deut­schen Städten auf dem Wege des Reichsgesund- heitSamtes dieselbe Wohlthat octreyiren zu wüsten. Er weiß recht wohl, daß die städtischen Behörden Ber­lins aus eigener Initiative eine Deputation zum wis­senschaftlichen und praktischen Studium aller hier ein­schlagenden Fragen niedergesetzt haben, in der ihrer Wichtigkeit wegen auch die Gtaotsregierung sich hat vertreten lasten und zu deren Ausgaben fie materielle Mittel freiwillig angeboten hat. Er weiß wahrschein­lich, deß die Untersuchungen dieser Deputation fich ihrem Ende nähern und daß ihre Ergebnisse eine ent­scheidende Wichtigkeit haben werden, da schon jetzt ein­zelne ihrer Vorarbeiten, z. B. über die Desinfektion der Abwasser, über die Berieselung, einen großen Ein­fluß auf die öffentliche Meinung ausgeübt haben. Aber gerade der vorsichtige und durchaus wissenschaftliche Gang dieser Arbeiten scheint ihm zuwider zu sein. Man soll sich Hals über Kopf zu dem großen Sprunge ent­scheiden und für eine Bevölkerung von 800,OCO Ein­wohnern ohne weiteres ein Experiment unterneh­men, welches schon bei dem zehnten Theil die höchste Verantwortlichkeit mit sich bringt. Daß es Män­nern von so unruhiger und verworrener Denkungsart, wie Herr Varrentrapp sich darstellt, gelungen ist, den Reichskanzler so weit zu treiben, als es wirklich ge­schehen zu sein scheint, ist ein Zeichen dafür, daß die Organisation des Deutschen Reiches in ihrer gegenwärtigen autokratischen Zuspitzung in der That recht große Bedenken hat. Daß diese Bedenken sich nicht gegen das Reich als Reich richten, will ich Herrn Barrentrapp noch einmal wiederholen, da er auch jetzt wieder behauptet, es sei dies der Fall. WaS ich fürchte, ist die Gründung einer neuen unverantwortlichen Be­hörde, deren Thätigkeit der schon jetzt seinen vielen Auf­gaben gegenüber auf die Autorität untergeordneter Per­sonen angewiesene Reichskanzler zu überwachen und zu leiten kaum im Stande sein dürfte. Natürlich erwarte ich nicht, durch diese Bemerkungen die Ansichten und die Zünftigen Aeußerungen des Herrn Varrentrapp br- einfluffen zu können. Er wird fortfahren, mich als Reichs feind und als tadelsüchtigen Referenten zu schildern. Wie er jetzt findet, daß eS ein Widerspruch des Gutachtens der wissenschaftlichen Deputation war, von den Petenten genauere Angaben über daS Ein­zelne der geforderten Organisation zu verlangen, zu­gleich aber daS geforderte Maß von Befugnissen für die zu schaffenden Reichsbehörden, als auf zu vielerlei Einzeldinge gerichtet, nachzuweisen, so wird er auch künftig großen Staub aufwtrbeln lasten, um die Un­klarheit seiner OrgantsationS-Gedanken und die Zurückweisung der wesentlichen Theile derselben durch die Vorlage des

Rerâ SkanzlerS nach Möglichkeit zu ver­hüllen." 4020p

Wir führen diese Aeußerungen eines im öffent­lichen Leben immerhin doch etwas höher stehenden Mannes, als es Herr Varrentrapp ist, schondeßhalb an, um zu zeigen, welche Gefahr auch für die commmunalen Interessen Frankfurts darin liegen würde, wenn Herr Varrentrapp als Vertreter Frankfurts im Reichstage Gelegenheit finden sollte, einen noch größeren Einfluß auf die Entwickelung unserer vaterstädtischen Angelegenheiten zu gewinnen, als er ihn durch seine bisherige unruhevolle und verworrene Thätigkeit schon bisher zum großen Schaden der Stadt auSzuüben vermocht hat. Wie Herr Varrentrapp bei der von Professor Virchow berührten Angelegenheit sich in der geschilderten Weise an den Reichskanzler heranzudrängen verstand, so würde er es unzweifelhaft auch in Zukunft bei allen für Frankfurt wichtigen Gelegenheiten thun, und dann hätten wir unter veränderten Verhält­nissen wieder glücklich einen „Diplomaten", etwa wie ihn Frankfurt im Jahre 1866 an dem Bürger­meister und Syndicus Dr. Müller besaß!

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