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2. Beilage zum „Frankfurter Jnteüigenzblatt" No. 165, Mittwoch 17. Juli 1878.

Die Fortschrittspartei beklagt in ihrem Weüen Wahl- flugblatt. daß ein gemeinsames Vorgehen der nationalliberalen und der Fortschrittspartei in Frankfurt nicht zu Stande gefom^

Nicht der Wahlverein trägt die Schuld dieser Uneinigkeit.

Wie bei allen früheren Wahlen, so haben wir auch diesmal ein Zusammengehen der liberalen Parteien angestrebt. Da bei der letzten Reichstagswahl auf unseren Candidaten 4648 Stimmen gegen 1491 der Fortschrittspartei fielen, und im zweiten Wahlgang gar M 1 für uns abgegeben wurden, so waren wir zu der Erwartung be­rechtigt, daß die Fortschrittspartei, wenn sie eine Vereinigung wünsche, und der Stimmung der Bürgerschaft mehr als dem Parteiinteiefie Rechnung tragen wolle, bereit sein werde, einen Mann aus unsrer Mitte oder doch einen zwischen den Parteien stehenden Candidaten zu unterstützen. Wir sind im Interesse einer Verständigung bereit gewesen,' auf die Wahl eines Mitglieds unsrer eignen Partei zu verzichten und haben der Fortschrittspartei vorgeschlagen, einen Caiididaten aufzustellen, welcher zwischen beiden Parteien stehe. Allein die Fortschrittspartei beharrte auf der Kandidatur eines Parteigenossen, des Herrn Dr. E b n er.

Der Wahlverein durfte sich nicht einen Candidaten aufdrängen lassen, dessen politisches Programm, wie jetzt auch seine Reden beweisen, weit schroffer als das Programm der Berliner Fortschrittspartei unseren Anschauungen entgegentritt.

Unsere Mitglieder erklärten sich außer Stand, die Candidatur des Hrn. Dr. Ebner zu unterstützen, weil er für die wirksame Bekämpfung der socialdemokratischen Ausschreitungen keine genügende Gewähr biete, weil seine Haltung in der Militärfrage, welche in dieser Reichstags- Session zur Berathung kommt, die nothwendige feste Organisation unsres Heerwesens gefährde, weil seine rein theoretischen Anschauungen in der Handelspolitik befürchten ließen, daß er auch berechtigten, er- fahrungs- und ziffermäßig festgestellten Bedürfnissen keine Rechnung tragen werde, weil er sich gegen jede Ausbildung des indirecten Steuersystems erkläre, durch welche doch die unvermeidlichen Lasten em elfe minder drückend gemacht und ausgeglichen werden können, beschloß der Wahlverein, und zwar sowohl der Vor- !a die General-Versammlung, einstimmig und ohne n versprach, die uns angesonnene Kandidatur des Herrn s f "^ zu unterstützen. Die Wahlen werden den Beweis âo die Hoffnung der Fortschrittspartei, aus dem Kreis unsrer ... 1 $ ,C " dimmen für Herrn Dr. Ebner zu gewinnen, auf Selbst­täuschung beruht.

1. Nachgiebigkeit unserer Mitglieder gegenüber der Fortschritts- ha ein rasches Ende gefunden, seitdem wir die Erfahrung

gemacht haben, wie der hiesige Fortschrittsverein das Zusammengehen mit der nationalliberalen Partei versteht. Der Fortschrittsverein ac- ceptirt nämlich mit Vergnügen die Unterstützung, welche die National­liberalen in Berlin, Dresden.u. a. O. der Fortschrittspartei, die dort dre stärkere ist, gewähren; er weigert sich aber, seinerseits die National- liberalen in den Wahlkreisen zu unterstützen, wo diese bisher daS Reichstagsmandat im Besitz hatten oder doch überwiegend stärker sind als die Fortschrittspartei. Der hiesige Fortschritts-Verein schickt viel­mehr seine Sendboten in die benachbarten Wahlkreise, um das müh­sam zu Stande gekommene Bündniß der Fortschrittler' und Nationalliberalen zu zerreißen; er stellt in Höchst dem Kandidaten der vereinigten Liberalen einen Gegner in der Person des ersten Vorsitzenden der hiesigen Fortschrittspartei entgegen rum offenbaren Schaden der liberalen Sache, zum Vortheil des aemein- samen Feindes', eines Ultramontanen!

Ja selbst in Offenbach, diesem von Socialdemokraten und Ultramontanen gefährdeten Kreise, in dem nur das feste Zusammen­halten aller Liberalen den Sieg über die Socialisten ermöglichen kann, tritt Herr Dr. Ebner als fortschrittlicher Agitator auf während er doch in erster Linie sich berufen fühlen mußte, eine Zersplitteruna her liberalen Stimmen, dort wo sie der Socialdemokratte zu Nuüen kommen würde, zu bekämpfen. ’ ' -

Diesen Kampf führt der Fortschrittsverein, oboleick er feinem Flugblatt offen anerkennt, daß „die mühevoll errun^J? Volksrechte zum größten Theil gerade durch Mitwirkung der nationalliberalen Partei erkämpft wurden'' und °bg,-!ch er â dch er « â «irnteg,„offen im S ., ' ” die extremen Parteien zur Linken und zur Rechten bettachte 9 9

Wir beklagen es, daß di- nationalliberale und die Fortschritt­partei - ohne unsre Schuld - bei dem bevorstehenden getrennt marschiren. Aber noch ist e§ WW

schlagen. Wenn der Wunsch der Fortschrittspart'einach^ sainmengehen der liberalen Parteien' mehr ist nKn - ”^u’

wenn sie in uns den natürlichen Bundesgenössen ° die Socialdemokratie und .deren heimliche Freunde und ^»" die hiesige sog. Demokratie, erkennt, so bekunde sie dies m i t d ,

forderung, zu erklären, daß sie im Fass einer Sti-dm m unsrem Kandidaten und einem der gemeinsamen Gean^ ^sschea und Socialdemokraten) für den nationalliberalen Kandidal^°^°^"

Herrn Dr. med. Darrentrapp

stimmen werde.

Frankfurt a. M., 15. Juli 1878.

Der Dorstand des Irankfurter