wir sie ihre gierigen Hände ausstrecken, um des erschrockenen kranken Volke» sich zu bemächtigen. — Goll ich mich deutlicher erklären? Soll ich sie näher bezeichnen, jene dunkeln Gewöllen, die wie Gespenster durch die ganze Tragödie unserer Geschichte schleichen, jede Wunde vergiftend, jeden Augenblick bet Schwäche benützend? Für Irden, der die fünfziger Jahre mit Bewußtsein durchlebte, habe ich genug gesagt. Aber auch die Jüngeren werden mich verstehen, wenn ich daran erinnere, daß man bereit» keinen Geringere« al» Falk, den Vater der konfeffionslosen Schulen, den Beiseitiger der Regulative, nicht ganz ohne Erfolg für da» Hödel'sche Attentat verantwortlich gemacht hat. Diese Leute müssen glauben, daß wir keinen Kalender besitzen. Oder wäre er so schwer, auSzurechnen, daß die ganze Generation, zu der die Hödel, die Nobiling und — auch die Kullmann gehören, unter der Alleinherrschaft der Regulative heran- wuchS, in jenem Jahre, da die Religion al» Deckmantel für politische Zwecke diente und die Heuchelei alle» andere war, als eine bro blos e Kunst!
Meine Herren! Unsere Partei, die Partei der srlbstständi« gen, bewußten patriotischen Hingabe der gemäßigten Freiheit, oder wie andere meinen, die „Partei der ErsolgSanbetung", der „Sompro misse", bei „Rechnung-tragens", bei „Rational- servilismuS" hat sich recht» und links nicht vieler Sympa- thicen zu erfreuen. Wir sind nachgerade an hämische Ser« läumdung, an giftigen Hohn, an moralische Dolchstöße und Schmähungen sattsam gewöhnt und was die „Erfolgsanbetung" angeht, so werden wohl selbst die Gegner zugeben, daß derselben, soweit persönliche, klingende und klappernde Erfolge in Betracht kommen, durchaus die Objecte fehlen. DaS darf und wird unS aber nicht abhalten, in dem gegenwärtigen schicksalsschweren Augenblicke entschlossen „alle Mann an Deck" zu rufen, ohne weder recht« noch links zu schauen. Al« ich vor ein paar Monaten am Gelurtstage unseres großen Staatsmanne» die Ehre hatte vor Ihnen zu sprechen, schloß ich mit der Erinnerung, daß nun, da L i e b r sich nicht erzwingen läßt, auf alle Fälle nach der Achtung von Freund und Feind zu streben hätten. Wenn ich nicht sehr irre, wird die nahe Zukunft uni reichlich Gelegenheit bieten, in diesem Sinne zu handeln. Die Partei der besonnenen Mitte, der ehrlichen, aber selbstbewußten Hingabe an Fürst und Vaterland muß sich im Sturme der Leidenschaften bewähren all eine Säule der Ordnung aber auch als eine Säule der vernünftigen Freiheit. Treu unserm erhabenen Monarchen, treu dem Vaterlande, treu allen Grundlagen der gesellschaftlichen Ordnung, aber ebendarum auch treu unsern Idealen, treu dem Palladium b^e Fortschritt», dem Quell alles Lebens: dem freien, nur durch das Gewissen beschränkten Gedanken. So allein wird unser Volk die Kraft gewinnen, die Frechheit zu zerschmettern, ohne mit ihr die Freiheit zu treffen! Esun söll, mit unserm Zuthun, niemals sagen dürfen, daß da» wiedergeborene Deutschland in der Stunde der Prüfung feine Blöße mit abgelegten klumpen bei Metternichschen Systems und — bei Conapartilmul bedeckt hat! In diesem Sinne, so schloß der Redner unter dem leb« Wien Beifall der Versammlung seinen Bortrag, fordere ich auf, mit einzustimmen in den Ruf:
Es lebe Kaiser Wilhelm, der Siegreiche und Gerechte, der Zögling und Beschützer des m» "" Gedanken», der natürliche Freund und ck^erather seines, bei alledem und alledem, treuen und «^» a«i*»*i - —
Israelitischer Gottesdienst (Hauptsynagoge). Samstag, 22. Juni: Vorabendgottesdienst 7 U. 30 M. — Morgen- gotteSdienst 8 U. 30 M. Predigt. — Sabbathausgang 9 U. 1b M.
Westeud Union (Niedenau 21). Samstag, den 22, Juni: VorabendgotteSdienst 7 Uhr 30 M. MorgengotteSdienst
9 Uhr 30 M. Predigt.
Israelitische Religiousgesellschaft. SamStag, 22. Juni: VorabendgotteSdienst 7 Uhr 30 M. Sabbathausgang 9 Uhr 15 M._______________________________
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