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:: Das alte rmd das ueue Jahr.

Der die Hand am Pfluge hat, soll vorwärts blicken und nicht rückwärts. Aber wenn er eine Pause macht zum Pierdewechsel, so kann er mit Fug und Nutzen einen Rückblick werfen aus das Vollbrachte, um darnach zu ermessen, was und wie noch weiter zu schassen ist. — Auch die üblichen Jahres rückblicke dürfen die rastlos fortschreitende Arbeit am Webstuhl der Zeit nicht stören, sondern sollen sie vielmehr för­dern durch Nutzanwendung aus den Erfahrungen.

Tas „Jubeljahr" 1913 erinnxrt uns vor allem daran, daß aus frohe Feste sauere Wochen zu folgen pflegen. Glückliche Ereignisse, wie den Be» sreiuugskrieg von 1813, begehen wir in Jubiläen voll Glanz und Freuden. Das ist schön und gut, wenn wir bei der Feier nur nicht das Tichterwort vergessen: Was du ererbt von deinen Vätern hast, er­wirb es, um es zu besitzen! Sind wir in diesem Jubel, iahr eingedenk gewesen der Pflicht, das gute Beispiel der Vorfahren nachzuahmen und chre Hinterlassen, schäft zu wahren, zu pflegen, zu entwickeln?

In einem Punkte hat freilich das deutsche Volk sich der Ahnen würdig gezeigt: wir haben die größte Heeresvcrftärlung bewilligt, die jemals beantragt worden war, und dabei zugleich den Wehrbeitrag von einer Milliarde und die neuen fortlaufenden Lasten von 200 Millionen jährlich auf uns genommen. Glatt und gern! So wurde das Jubeljahr zu einem patrio­tischen Opferjahr. Recht so! E i n b i l d e n wol- len wir uns freilich nicht zu viel darauf; denn es war im Grunde doch unsere Pflicht und Schuldigkeit, daß wir alles einjetzten für unseren nationalen Bestand. Und ein Blick aus Frankreich zeigt uns, daß auch ein Volk, das nur ein Säkularjahr der Niederlage in stiller Wehmut zu begehen Hatte, opferwillig sein kann. Durch b:e Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit haben eigentlich die Franzosen ein noch schwereres Opfer auf den Altar chres Vaterlandes gebracht, als wir. Schließ­lich hat ja auch das Schicksal dafür gesorgt, daß wir nicht zu sehr der pharisäischen Selbstzufriedenheit ver- fielen. Aus das erbauliche Opferdrama des Sommers folgte das Satyrspiel von Zobern im Herbst, und plötzlich mußten wir erkennen, daß unser Ideal des deutschen VolksheereS noch längst nicht überall den Weg in die Wirklichkeit finden konnte. Recht und Gesetz schienen in Frage gestellt zu sein, und dieselbe Regierung, die soeben noch im Verein mit dem Reichs­tage so herrliches geschaffen hatte, geriet mit einem Male nicht bloß in scharfen Gegensatz zur Volks­vertretung und zum Bolksempfinden, sondern behüt» bete auch eine Unsicherheit nttb Unfähigkeit, bie nach dem Borangegangenen gerabezu verblüffend wirkte. Dornen am Rosenstrauch von 1913! Das Volk aber erkennt: Ich muß noch erwerben, was ich schon ererbt zu haben glaubte: bie Rechtssicherheit, da? stabile Gleichgewicht zwischen ben öffentlichen Gewal­ten, die Harmonie zwischen Wehr st and und N ä h r st o n d.

Des Lebens ungemischte Freude bringt kein irdi­sches Iahr. Bei den Jubel- und Opserfeflen war unseres Hoffens Ziel der Friede, der Friede nach außen und im i n n e r n. Darum freuten wir uns so herzlich über die glückliche Erledigung der braun­schweigischen Frage, bie endlich bie fast 50» jährige Spannung zwischen bem Welfenhause und dem Hohenzollernhause in Liebe und Frieden beilegte. Darum feierten wir begeistert baS ©i I b c r j u b i» läum der Regierung des FriedenSkoiserS. Dorum begrüßt ganz Deutschland mit frcubiger Teil­nahme bie Lösung ber bayerische» Königs- fra ge, die einen Stein des Anstoßes auSräumte und auch für das Bat teileben bessere Verhältnisie anbahnt. Doch leider wird unsere Friedenssehnsucht durch neue Rückschläge und alte Reste der Zwietracht immer wieder aus die Geduldsprobe gestellt. Der Unfriede ist wie eine Hvdra, ber über Nacht stets neue Gift­köpfe entwachsen. Der Zankapfel von Zaber» braucht uns wirklich nicht zu überraschen; wir hatten noch genug Streilstoff unb Aerger ht dem andauern- den H a k a t i S m u S und in dem Fortbestand des Jes nitenge sehe S, das trotz dem AufliebungS- beschlusie des Reichstages vom 19. Februar 1913 noch fonbesteht zur Schande der Gegenwart und zum Schaden für die Zukunft. Und wie bitter not tut doch gerade dem deutschen Volk der i n n e r e F r i e de, hn es zur Sicherung seiner nationalen und staatlichen iffristenz angewiesen ist auf die S a m m l u n a aller Abwebrkräfte einerseits gegen die auswärtigen Neider und Gegner, in die wir eingekeilt sitzen, andererseits gegen die Mächte des Umstürze s, die sich im eigenen Hanse immer ärger entwickeln.

Die Agitation des Umsturzes bedroht nicht nur den Thron, sondern auch den Altar. Daher die ernste Frage: Den religiösen Geist, der die Freiheits­kämpfer vor 100 Jahren beseelte, haben wir den

R „TaS Mirakel."

Frankfurt hat ht der diesjährigen Weihnachts­zeit fein großes Ereignis: DaS Deuts cheTheai er auS Berlin mit seinem genialen Leiter M a x Rein- Ha r d t gibt in der großen Festhalle eine Reihe von Aufführungen des „Mirakel". Das „Mirakel", zu deutsch „Tas Wunder" ist eine Pantomime <stummeS Theater) i.1 zwei Akten und einem Zwischenspiel.

Tem prunkvollen Spiel liegt ein liebliche Legende zugrunde, überaus schön zu lesen unter den Märchen von Gottfried Keller. Qn einem Nonnenkloster am Rhein lebt die jugendschöne Schwester MegildiS. Ihr ist der Dienst einer Sakristanin übertragen, und mit glühender Frömmigkeit und gar zärtlicher Sorg­falt versieht sie diesen Dienst in ber Klosterkirche. Ihre größte Liebe aber gilt ber wmtbertätigen Mabonna, bie in himmlischer Hohheit unb Milde auf ihrem Throne sitzt, umhüllt von golbenem Mantel, auf bem Haupte eine ebelsteinlcuchtenbe Krone, ihr göttliches Kinblein in ben Armen. Schier unzählige Pilger kom­men zu ihr gewollsobrt und gar vielen Kranken hat sie wundervoll geholfen. In der jungen Schwester Megilbi; Herz ober lebt eine große Sehnsucht nach der Welt unb ihren Freuden. Sie sieht bie Kinder tanzen im blühenden Mai unb hört des Spiel­man n S verführerische Weisen. Ta, noch ehe sie bas Tor geschlossen, steht ein R i t t e r vor ihr in der Kirche — ber Spielmann, ber bie Rolle bc8 Bösen darstellt wie Mephisto im „Faust", hat ihn herein» geführt — ein Ritter in sch-Herüber, klirrender Rüstung. TaS Erscheinen der Aebtiisin vcr- thaucht ihn, MegilidiS aber muß zur Strafe ie Nacht vor ber -Madonna beten. Und wie­der rufen des Spielmanns lockende Töne. Der Rit­ter pocht ans Tor. Sie will er öffnen. Dreimal »ersucht sie's. Dreimal vergebens. Ta reißt sie in ivilber Leidenschasi der Madonna das Kind au? den Armen. Das Kind verschwindet unter überirdischem iichtglanz, unb baS Tor öffnet sich von selbst. Der Ritter tritt herein, unb nach neuem innerem Kampfe legt sie Nonnengewand und Schleier zu Füßen des Gnadenbildes nieder Sie ver'-'sten die Kircke.

auch erworben, um ihn zu besitzen? Es ist wahrlich kein erfreuliches Zeichen, wenn in diesem Jubeljahr die Bewegung zum Austritt aus der Kirche so wild und wüst einsetzte, wie nie zuvor. Wenn man sag:, die Sozialdemokratie sei die treibende und leitende Hand in dieser Bewegung, so klingt das keineswegs tröstlich. Denn gerade deshalb muß man fürchten, daß die Sache zielbewußt und mit großen Mitteln weiter getrieben wird. Tie Agitatoren des Umsturzes haben ja überhaupt in neuerer Zeit sich mit besonderem Eifer auf die Untergrabung des Glaubens, die Erschütterung des religiösen Sinnes geworfen. Bebel stellte seinerzeit als Endziel hin: auf politischem Gebiete die Republik, auf wirtschaftlichem Gebiete den Sozialismus, auf religiösem Gebiete den Atheismus. Ten dritten Punkt schiebt man jetzt in den Vordergrund, und zwar in ber raffinierten Be­rechnung, daß ein glaubens- unb gottlos gemachtes Volk für ben politischen unb sozialen Umsturz reif sein wird. Wenn nur alle Anhänger der bestehenden Ord­nung die richtige Gegenrechnung aufstellen und für die Erhaltung von Glaube und Religion eintreten wollten! Zum mindesten sollten sie ben berufenen Pflegern ber christlichen Gesinnung unb Tugend keine Fesseln an« legen, also vor allem unfern Ordensleuten dieselbe Freiheit geben, welche bie Verbreiter des Unglaubens haben!

Die religiöse Frage gehört diesmal erst recht in das Jahreskapitel, weil 1913 für die ganze Welt ein Jubeljahr war im Andenken an die B cf r e i u n g derKirche durch daSKonstantintscheEdikt von 313. Leiber hat bie „Reformation" bie prote­stantischen Völker von dem lebendigen Zusammen­hang mit der christlichen Vorzeit so weit gelöst, daß die Erinnerung an die gewaltige Kulturwende von 313 fast nur bei ben Katholiken gebührend begangen worben ist. Das ist zu Bebauern, aber vorläufig nicht zu änbern. Um so mehr müssen alle Katholiken sich ihrer Pflicht bewußt fein, mitzuhelfen nach ihren besten Kräften, daß baS große Werk, zu dem Kon­stantin den Grund legte, gesichert unb seiner Vollen­dung zuqeführt werde Daß die Kirche Christi frei unb fruchtbar unter dem ganzen Menschen­geschlecht chre beseligende Wirksamkeit ausübe, daran fehlt noch sehr viel, unb wir würben uns selbst täu­schen, wenn wir dem verflossenen Jahre erhebliche Fortschritte auf btefem wichtigsten aller Gebiete nach­rühmen wollten. Sollen wir auf bie Fortdauer ber traurigen Zustände in Frankreich, in Portugal, in Spanien, in Italien u s. w. näher eingehen? Ober ist es nicht praktischer, daß wir bie Mängel unb Gefahren in Deutschlanb ins Auge faffen unb uns klar machen, was bei uns zu Hause noch zu heilen und abzuwehren, zu erringen unb zu schaffen ist.

Eine solche IahreSbetrachtung labet uns nicht zu behaglicher Ruhe ein, fonbern zu neuer Arbeit. Sie mahnt uns vor allem, die Kräfte zusammenzu- halten und nicht in inneren Zwistigkeiten wegen des vermeintlich Besieren zu vergeuden. Der Friede von Metz darf nicht mit bem Jahreswechsel auf» hören; wir brauchen unbedingt die Eintracht, um zu erwerben und zu besitzen, was unser Erbteil unb unser Recht unb zugleich das Heil für die Gesamtheit ist.

Frohe Feste, saure Wochen. Auf da? Opferjahr muß ein Arbeitsjahr folgen. Segen ist der M ü h * Preis!

Deutsches Reich.

'+ DtbelS Nachlaß. Nach Blättermeldungcn aus Züricb haben die Erben BebelS nunmehr die schweize­rische Erbichastssteuer bezahlt unb dabei hak eS sich dann beftäliqt, daß daS von bem deutschen Sozialisten- sührer hinterlassen.'Vermögen nicht 300000 Mk., wie der »Vorwärts behauptet hate, sondern 995000 Mark betrögt, allo nur etwas weniger als eine Million. Hiervon bat Bebel nur ganze 30 000 Mk. den Genossen rugewendet, also ungefähr 36 e seine? Vermögens. TaS ist der ,chreimde Widerspruch zwischen Theorie und Praxis: Bebel predigt den Kamps gegen den Kav tattsniuS unb zählt dabei selbst zu den größten Sapita iflen.

---- .Zeichen der Zett". Unter dieser Spchmarke schreibt die liberale ,Päd. Ztg.':

„Am Wiener Pädagogium, da? einfimalS Friedrich Ditte» leitete, unterrichten in btefem Schul, ihre: Nrtnr- p'ulo'epbte, Monsignore Dr. R.nl non ®tc>euit; Theo- retifche rävapogtt und ebeememe Divaklik, Dr. Rueot Horntch, Direktor be» Pädagog um« und O nimm des Kath. 6chuluetein$ ; Moralpädagonit, Geittltcher Rat Dr Heinrich Giese, Seminsrbitetior; Individua'- und Sojta!« Pädagogik, Diretior Ratl Halrbrunner, Obmann des Eynsttichen Pädagogenkluv»."

Man kann e» der ,Päd. Zig/ wohl nachsühlen, welchen Schmerz sie bariiber empfindet. Saß ui dem

Durchs Tor hindurch sehen wir sie in lieblicher Mailandschaft Vorüberreiten — fort ins Leben, dar freie, wilde Leben Nun wenden sich die Blicke wie­der dem Mabonncmbilbe zu. Wir sehen, daS Bild wird auf einmal lebendig. In majestätischer Würde er­bebt sich die Guadeurciche, schaut mitleidsvoll der Ent­flohenen nach, legt Stautet und Krone auf ihren Sitz nieder, steigt herab und legt der Schwester Megildis OrdenSgewand und Schleier an und tut ihren Dienst als Sakristanin. So kniet sie vor dem leeren Thron, als die Nonnen zur Frühmesie erscheinen. Wie sie das Verschwinden des Gnadenbildcz bemerken, durch­fährt sie ein jäher Schrecken, schreiend und hände­ringend rennen sie wirr durcheinander. Nun be­drohen sie die vermeintliche Megildis. Aber jetzt muß die Prophetische Alte ihnen das Mirakel geofsenbart haben. Die Madonna-Schwester ward über olle cr- baben in verklärendem Lichte. Spontan stimmen sie das „Großer Gott, wir loben Dich" an und geleiten in seliger Verzückung die Heilige ins Kloster.

Das nun folgende Zwischenspiel geht den Schick­salen der eutslohenen Nonne nach. Die schöne Me­gildis lagert mit ihrem Ritter an einer Ouelle im nächtlichen Walde und tanzt den FrühlingSreigcn. Ein roher Raubritter sprengt heran mit seinen wilden Scharen. Dcr ,.R a u b g r a f" schleppt Megildis als Beute mit sich fort. Jbren Ritter aber haben die Mannen erschlagen. An seiner Leiche spielt der Spiel mann seine traurige Sterbemelodie, — Im nächsten Bild muß Megildis bei einem Festgelage ihre? neuen Herrn vor der trunkenen (Gesellschaft tanzen. Tie Würfel rollen, und ein K ö n i g S s o h n hat sie ge­wonnen. Ter Raubgraf ersticht sich — an feiner Leiche der Spielmann mit seiner Totenmelodie. Tie Genosieu des KönigSsohnez führen bie Arme in gro­teskem Brautzug hinweg. — Inzwischen bereitet ber unheimlich geschäftige Svielmann auf ber KönigSburg ben alten König vor. Seinen Sohn weist btefer von sich, aber Slcailbi? soll kein Leib geschehen. Dütenb geht sein Sohn unb kehrt mit bewaffneter Schar zurück. Im Handgemenge drückt der unhe stiftende Spielmann dem alten König einen Dolch in die Hand. Ter sticht um sich und gibt seinem eianen Sohn den

katholischen Oesterreich und gar noch in der katholischen Reichrhauptstabt katholische Pädagogen unter­richten hülfen. Ta ist bie .Parität" bei uns in TeutWanh hoch .bester" gern hrt!

♦♦ Münster, 30. Tez. 1913 Der Ausbau der Universität Münstw zur Vollunversttät, der schon lange geplant ist, soll im nächsten Jadre energüch in Angrist genommen werben. Um bie Errichtung bet noch feblenben mevi,mischen Fakultät zu ermöglichen, sind in ben nächstjährigen Erat bereit» mehrere Forbe» rungen al» Anfangsraten zum Bau ber mebizinischcn unb chirurgischen Klinik sowie bet Spezialadteilungen eingestellt. Die gesamten Baukosten werden, da ganz neue unb moderne, allen Anforderungen der Wissen» schatt entsprechende klinische Anstalten geschaffen werben sollen, auf etwa 3—4 Millionen Mark »et- antchlagt.

• Würzburg, 28. Tez. 1913. Dem Protest beS Erzbischof» von München gegen bie Schmähung ber katholischen Moral bitt* bie ,Müvchenet Neuesten Nachrichtew bat stch fetzt auch baS Bischöfliche Ordinariat Würzburg angeichloffen. Es Heißt tu bet Kundmachung (Diözeiandlcitt Nr. 52':

Wir finö fest überzeugt, baß unser DiözekankleruS und bie gläubigen Diözesanen mit un» ßbereinflimmen in der schärfsten Verurteilung biese» schweren Angriffe» eaf bie SHre ber Kirche, bie ihr hl. Etttengesetz von TdriNue selbst erhallen hat. Diese» trautige Der- temmni» zeigt recht deutlich, wie notwendig btt väterliche Mahnung ber bayerischen Büch äse vom 12. Oktober 1910 unb beten oberhirtliche Warnung vor ben Au»- Ichreitungen einer Preise ist, „welche offen bie Leinen unserer hl. katholischen Kirche betämvst unb bie gute Sitte verletzt". Wir wiederholen biet das War- nunaSwort unterer Brichöfe: „Verwehrt ben Eingang in eiter HanS allen Blättern, allen Zertschritten, Kalendern, Drojchnren v s. t, bie es barauf abgelchen haben, Glaube unb Sitte, Achtung vor trrchlicher und staatticher Autorität zu untergraben."

Aurjand.

A Gilt HcchverrcrtSprozeg. Unter der Anklage d:s Verbrichens der Aufwiegelung und der Auf­reizung baden sich vor dem Budapester Gerichte der russische orthodoxe Pater Alexi mit 118 Getroffen zu verantworten. Die Anklage legt ihnen zur Last, auf Veranlassung hoher russischer Persönlichkeiten eine Aktion eingeleiter zu haben, um die von griechisch- katholischen Ruthrnen bewohnten Gebiete Ungarns zu veranlassen, sich dem russischen Reich« anzt'schlie- tzen und unter die Herrschaft des russischen Zaren zu treten. Der sehr umfangreiche Prozeß wird voraus­sichtlich vier bis fünf Monate dauern.

A AuS bet Republik Portugal. In den portu» giesiicheit Kerkern sollen heute „n u r" mehr 162 politische Verurteilte nntergebracht sein. Alle anderer sind infolge der unmenschlichen Be- hanvlmiq uniackommen öder sind deportiert werden. Neber die Zahl der noch nicht verurteilten Icifaffen der Gesängnisje. von denen manche nach Monaten noch nicht wrffen, warum man sie vcrhastct hat, schweigt sich der Bericht der Regierung wohlweislich aus 'Wie der Korrespondent der „Eroix" versichert, w'.trd? di? letzte monarchistische Bewegung von frei- maurcrischen und portugiesischen Politikern geleitet. Die Regierung sandte Spitzel ins Ausland zu den monarcki sj'sch.en Flüchtlingen, um sie zur Rückkehr und zu ei rem Handstreiche zu bereden. Wäre der Plan geglückt, hätte man an dcr Grenze alle „Auf­rührer" in die Kerker geworfen. Die Lage der ka­tholischen Kirche ist immer gleich traurig. Gegen die Einziehung von Kirche.rgütern wurden 612 Pro­teste, darunter 52 von Ausländern eingereicht; 251 wurden anerkannt, 34 abgclchntz 33 find unent« schieden und sollen dem Haager Schiedsgericht über­wiesen werden. — Durch die Flucht des Poli­zeispitzels Homero Lencastre wird nun der Schleier von ber Verschwörung gezogen, de-en sich die portugiesische Regierung bediente, um die Rtcht- republikaner in? GesängniS zu werscn. Leneasire war ein wirklicher Lockspitzel und Angebc", den die Regierung zetzt vergebens von sich abzuschüitcln sucht. Denn der „Mundo" nun mit frecher Stirn schreibt, Leneastre habe die Polizei und die Behörden getäuscht, er sei irnntcv Monarchist gewesen, so wird diese Be­hauptung schon dadurch Sugcn gestraft, daß Lencastre für seine Angebereien bedeutende Geldenrschädiaungen erhalten hat und daß er für jeden den Behörden überlieferten „Verschwörer' noch eigcnS bezahlt wurde, wic der „Jntransiaente" festftellt. Gestalten wie L-ucastre gibt eS in Portugal seit der Ao seich- tung der Logenrepublik Tausende und jeder dieser dunklen Ehrenmänner hat Freiheit, Gesundheit und Leben vieler Unschuldiger auf dem Gewissen, die von der Regierung nur allzu bereit ohne Urteil einge­kerkert wurden. _________

Tod. Und wieder ertönt klagend de? Spielmanns Toteulied. In seiner Verzweiflung ruft der König ein verhängnisvolles Wort in die Menge, daS Wort: Here. Ter Abfchcuruf schwillt an wie eine Flut, sie stürzen sich auf die Unglückliche und schleppen sie fort. — Wir finden sie im folgenden Bild als ange­klagte Hexe vor dem Hochgericht. Dcr Spielmann führt die fanatische Menge und vertritt die Anklage. Allein die Schönheit dcr Delinquentin entwaffnet ihre Richter, einer, nach dem andern. Ta will der Unhold von Svielmann selber die Situation noch retten. Mit teuflischer Stimme liest er ihre Verurter- luilg vor und zerbricht den Stab über sie. Wilder Tumult entsteht. Landsknechte erscheinen und ent­führen die „Hexe". Bald hat sie nun den Becher der Lust ausgctrunkei! und — das Maß der Sünden und Enttäuschungen gefüllt. Im letzten Bilde des Zwi- schenfpiels gebt sic als Dirne im Zuge der Lands­knechte, ihr rieugeboreneS Kind im Arm. Man stößt fie in den Schnee Mit rohen Zurufen ziehen sie an ihr vorüber. Da sie fort sind, kommt der Spielmann ’ttr Unglücklichen. Er reißt die halb Ohnmächtige empor uni) führt an ihren erschauernden Slugen, bie Schatten derer vorüber, die an ihr gestorben sind- den Ritter, ben IRavf-^raf, den Königssohn. Er will auch Megildis mir sich ziehen, da e--schcillen vom nahen Kloster die Glocken urb hallen durch die heilige Nacht.

Es schließt sich unmittelbar der zweite Akt an. In der Christnacht beten bie Nonnen vor bem leeren Thron. Die Krnder singen, frohe Weihnachtsfiedw. Arrnc Kinbcr werden beschenkt. Die Madonna- ^ofriftanin versieht nach der Feier den Schlußbienst. Sie legt baS Orbensaewand ab, schreitet hinaus zum Throne, nimmt wieber Mantel unb Krone. Nun kommt Mcqildi« zur Kirche herein al» abgehetzte, reuige Sünderin Sie legt ihr Kind zu Fußen der Gnadenvollen, nimmt ihr Nonne-nkleid wieder, da? da liegt, wie sie eS «inst verlaffen. Nun tut die Madonna ihr lcwteS Wunder: Sw freust sich herab rnm toten Kinde ber Reuevollen unb nimmt es in ihre Arme. Die Glocken läuten, die Nonnen stürmen herein, sie können sich nicht soffen in freudiger Erre- gutta beim Anblick des wieder Thronenden Dunder-

M 50b

Mittwoch 5b vezemder ML.

• Die serbische KabinettSkrisiS beendet. In ber vorigen Woche hatten infolge der Obstruktion d>e »er> einigten Oppositionsparteien während der Beratung des Bi-dzetprovisoriums die serbischen Miniestr ihren Rücktritt erklärt. Am Montag war indeffen die Vcr- hanbluitgsiähigkeil wieder erreicht; trotz dcr Abweseu. beit der Opposition nahm die Kammer bie Budget­vorlagen an, sodaß für bie Regierung bte Deratilas- fung zum Rücktritt enttällt.

** Hinctusfckuebimq bet russischen Rcscrvistcnent' Innungen. Rach ben bisherigen gesetzlichen Bcitim- mungen in Rußland können Soldaten, die das Recht haben, entlasten zu werden, nicht über den 1. Ianucn hinaus bei ben Fahnen zurückbehalten werden, wenn dcr Zar zu diesem Zwecke einen besonderen Ukai erläß't. Gewöhnlich erfolgten die Entlassungen bisher schon fünf bis jechs Wochen vor Neujahr. Auläyüch des Balkantireges mobilisierte Rußland bckaiinllich einen beträchtlichen Teil, seiner Truppen, was, du entsprechenden Geaenmaßreaeln aus östcrreichiscbci Seite bcrvorries. Tic Mobilisicrungcn wurden hüben wie drüben bei8 ganze vorletzte Jahr hinburch bt? Mitte -März 1913 ausrechtcrhalten. Als bas Iah, 1912 sich zur Rüste neigte, trat an bie russische Mi- litärverwalttiug bie Frage heran, wa? mit ben aliZ- gebienten Mcmnschaftet- su geschoben hätte. Zwar ver- künbete bie „PeterSb. Lel.-Ag." im amtheyen Stuf- trage, baß boS „Gerücht", Rußlonb wolle feine Reser­visten über ben 31. Dezember hinaus zurückbehalten, „ber Begrünbung entbehre", boch folgte, wie so ost, ber amtlichen Ableugnung in kurzer Frist bie ent­gegengesetzte Tatsache. Durch kaiserlichen Ukas, bei Mitte Dezember erschien, würbe bie Entlassung der -Reservisten v e r h i n d e r t. Es bedurstc erst der vielbesprochenen Reise des Prinzen Hohenlohe im Auftrage des Kaisers Franz Joseph nach Petersburg, damit eine Vereinbarung zwischen Oesterreich und Rußland über den Zeitpunkt und die Art der beiderseitigen Abrüstung erfolgte. Prinz Hohenlohe traf Anfang Februar diese? Jahres in der rufi-tot« Hauptstadt ein, unb am 11. März erschien bann in Petersburg unb Wien gleichzeitig die D e m o b i l i - sierungSorder. In Rußland gelangte vor allem die Altersklasse zur Entlastung, die gegen Ende 1912 hätte dienstfrei werden sollen, Der russischen Kriegsverwaltung war es, wie sich jetzt zeigte, ein besonderes Vcrgnüacn, daß ihr die besonderen Um­stände gestatteten, ichcr so viele Mannschaften zu vcr- fügen, und sic hat sich niinmehr entschlosten, die AuS- nähme, von der das russische Militärblatt sagt, daß sie sich „glänzend betrährt" habe, zu einer dauern» d e n E i n r i ch t u n a zu machen. Laut Ankündiguirg dcS amtlichen rustischen Militärblattes beabsichtigt der KriegSminister, die Bestimmung, wonach die AuS- gedienten um die Jahreswende zur Reserve zu ciitlaf- scn sind, auf bem Wege ber Gesetzgebung cmizuhebcn. Vorläufig hat er sich in bicsem Jahre wieber mit einem kaiserlichen Ufa? beholfen. Tie Reservisten bleiben also, wie im vorigen Jahre, so auch in biesem traft kaiserlichen BelchlS bei ben Fahne n. Ter russische KriegSminister bcrust sich in ber Veröffent­lichung seines Amtsblattes ntr Rechtfertigung feinet Maßregel auf bas „Anwachsen dcr Armeen wichtiger westeuroväischer Staaten" und gibt auf diese Weise dem Falle eine internationale Bedeutung. Die po­litische Lage ist jedoch augenblicklich nicht derart, daß man Anlaß batte, sich darüber tu beunruhigen.

- ♦♦ Wie man in Mexiko Krieg führt, davon zeugt bie Schilde-ung bie ein Augenzeuge, ein spanischer .Kaufmann, ton ber Eroberung von T o r r c o n gibt unb welche bas Pariser ,^Journal des J'ebats" zum Abdruck bringt. Die von 8000 Mann Regierung?, truppen verteidigte Stadt mußte sich der Uebermacht ber Rebcllne ergeben, die von General Billa be» fchlrgt w-.irdcn. Mit dem Rufe „Tod d e i. S p a» n i er n'" drangen sie in die Stadt ein. Die Sze» nen, bie nun folgten, spotten jeder Beschreibung. Alles, was Spaniern gehörte an Geschäften unb Laben, nebenbei auch zwei französische, wurde gründ» Ito geplündert unb am nächsten Morgen sah man die Soldaten der RcvolutionSannee in ben gestohle­nen Kleidungsstücken der feinsten Art umherstolzie- reit. Unter dem Vorwand, die Plünderung zu unterdrücken, wurde sie von dem Revolurionsgenera! organisiert, bie Offiziere mußten „requirieren", den Banken legte man eine Kriegsstcuer von drei Mil­lionen PesaS aus, erbrach die Baukdepots uub nahm alles, nur die geraubten Juwelen wurden nochnäg- sich juritrfgegeben. Dabei „rächte" nun sich an allen, die reaierungStreuer Gesinnung verdächtig waren. Man toloß' nicht nur die gcfangeicn feindlichen Offiziere nieder, auch mehr als 50 der vormhii'sten Bii-.ger To-meonS wurden aus ihren Häniern zur Rtotstatt gcfchleppt. Dabei benutzte man bie Ge­legenheit die Geschosse auf ihre Durchschlagskraft zu Problem« unb konstatierte mit Befriedigung, daß bie

bitbes. MegübiS will erschreckt fliehen. Aber wohin sie sich auch wendet, da erschallt ihr das grausige Zachen des Spielmann» entgegen. Sie wirft sich betend vor der barmherzigen Gnadenmutlcr nieder. Bor dem „Salve Regina, malet misericordiae" verstummt des Bösen Stimme. Im Triumphzug wird das Guadcw bild durch die Kirche getragen — und Rosen fallen vorn Himmel hernieder.

Mar Reinhardt hat in dieser Aufführung wieder- um eine Probe seiner unübertresslichen Regickunsi abgelegt. Man kennt die riesige Festhalle kaum wre» der, er hat sie in eine gotische Kirche umgeivanbclt mit großen bunten Fenstern, aus dem hohen Ehori scheinen die Zuschauer zu sitzen. Drunten in bei Arena, bem Schiff ber Kirche, spielen sich bie Szenen ob, beleuchtet von elektrischen Scheinwcrscril. Ein wunbervclleS Geläute ist eingebaut, es klingt wie bie Glocken von Maria Laach- 9iur einem Max Reim harbt ist es vergönnt, so spielend den Rniim unb bie Masten zu beherrschen. Nie hat man io koSziiucreube Massenszenen geschen, wie bei dcr Riesenprozcslw« der ersten AkieS. Knaben und Mädck)cu, Männer unb Frauen in bunten Trachten, nut wehenden F'"- tttn, ein endloser Zug. "itauihörl-ch erschallt das zartinuigc Marienlied „Moria, llR^ienkc-nig:n". bald von ber Kindern, bald von d-n uxo-ien, bald von den Männern gesungen, wahie>d ber Eyor ber Nonnen onbachtiq bas „Ave Maria' rezitiert. WaS der Leiter des Deutschen Theaters aus dcr Pantomime zu machen weiß, zeigt fick, bei der fpaw.eud-tl Szene ber wunbcrbaren Krankenheilung. ■— Mary Diet - r i ch spielt mit großer Vollendung die Rolle dec -Nonne Megild:S. Asta Flemming vom Hi» Majesty- Thcatre in London bringt da» Himmlisch-hchlc in bet Rolle ber Mabonna überraschend trefflich -um Aus­druck. Ter bewegliche Spielmann, ber Süiibe unb Tob in sich verkörpert, wirb -idrt minder me sterhast gespielt von Ernst M a t r a u. In einem Augen» blick versteht er den Sinn einer Situatwu klar vor die Seele zu zaubern. — Gar stimmungsvoll wirkt die gefällige Dlusik von Humperdinck mit ihren^ ge» schickt verwobenen Kirchenliedern, die von den Ehörcn rein unb edel gesungen werden. Wie ergreifend schön