Fuldaer Leitung
monnts Beilage
Dienstag den 30. Dezember 1913
40. Zahrgang
Erstes Blatt
Nr. 300
Das verlorene Kind
Roman von Marie LeScot.
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cnaxim täglich mH Ausnahme Her Sonn- und $dertage. Oiertct j6brfld)cr Bezugspreis ohne Brtngerloljn and Bestellgeld In Zulda fowit auswärts 1.50 Mark. •— Rotatiensbru* und Verlag der t S Sulbear fltiienbrudterd In Zulda. Zemsprecher Nr. s. SS
,$a, jtnb eben deshalb bin ich gekommen, um ‘ ' m. Begleite mich, meine gute,
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Illustrierte Sonntagszettung
s Liehungslist« der preußisch-sLddeutschen Kleffen-Iotterie. — tzalbiShrllch Laschenfahrplan, s
„Aber mein Gott, was gibt es denn?" forschte die Gräfin ein wenig ungeduldig. „So sprich doch!"
„Wir sind zum Ball der Präfektur eingeladen, mein Mann will, daß ich gehe, und das ist doch geradezu entsetzlich!"
„Entsetzlich? Hm, das ist Ansichtssache und hängt wohl auch von den übrigen Gästen ab. Weißt Du, wer sich beteiligt?"
„Nein", entgegnete die arme Felizie mit gleichgültigem Achselzucken, „das ist mir auch einerlei! Wichtiger aber ist mir der Umstand, daß ich absolut nichts anzuziehen habe — absolut nichts, hörst Du wohl? Und wenn Du mir nicht zu Hilfe kommst —"
Berta fing an zu lachen.
„Tann bist Du gezwungen, bei dem Staatswürdenträger in dem Kostüm der Wahrheit zu erscheinen, welche aus dem Brunnen emporsteigt."
„Scherze nicht und spotte meiner nicht! Sage mir lieber, was Du an meiner Stelle tun würdest!"
„Ich ließe mir eine Toilette anfertigen und wäre deshalb nicht unglücklich!"
„Eine Toilette, das ist leicht gesagt, aber wo das Geld hernehmen, um sie zu bezahlen? Weißt Du nicht, daß die Zeiten hart sind für die Edelleute, welche ihren Boden selbst bebauen, gar nicht in Betracht ziehend, daß die Kinder auch viel Geld kosten!"
„Soll ich Dir welches leihen?"
„Nein, denn ich wäre nicht in der Zage, es Dir zurückzuzahlen."
„Mein Gott, was soll ich also tun? Wenn Du keine Toilette hast und Dir keine bestellen willst! — Wenn ich noch von Deiner Größe wäre, aber Du bist so schlank und hochgewachsen, ich hingegen so klein."
Felizie flüsterte ein wenig beschämt:
„Ich habe allerdings mein Brautkleid, aber ich hatte unserem vortrefflichen Pfarrer versprochen, einen Schn -ck für die Kirche daraus zu machen."
„Nun, der gute Pfarrer wird ja doch wohl warten können, bis Du das Kleid noch auf einem Balle getrog.it; ganz in Fetzen wird es ja nicht sein!"
wahr?"
„Mein Mann ist heute den ganzen Tag ans der Jagd; ich stehe Dir folglich ohne weiteres zu Diensten, nur gestatte, daß ich einige Befehle erteile."
Sie griff nach den zehn Briefen, welche sie geschrieben, und bemerkte zu der Freundin gewandt:
„Ein Versuch, arme Eltern zu trösten. Ah, richtig. Du warst ja gestern nicht bei dem Feste. Nun, ich werde Dir die Geschichte unterwegs erzählen! Hast Du Modejournale?"
„Dann tun wir besser daran, die Meinen mitzunehmen, damit wir Deiner Näherin doch einen Begriff von dem geben können, was wir wollen, oder heller noch, warte!"
Dich zu Rate zu ziehen. Begleite mich, meine gute, kleine Berta! Mein Wagen steht vor dem Hause, ich nehme Dich zum Gabelfrühstück mit; wir mustern das Kleid, Du erteilst mir Deine Ratschläge, und meine Jungfer wird, unterstützt von der Ortsschneiderin, die nötigen Aendernngen vornehmen. Dein Manu wird Dich doch mitkommen lassen, nicht
nachdem ihm am Sonntag eine Konferenz der Zen- trumsmitglieder der Magistrate und Gemeindekollegien vorausgegangen war — Montag vormittag mit den Beratungen des Zentralausschusses in München seinen Anfang genommen. Um 10% Uhr begannen die Beratungen der Delegierten, die am Dienstag vormittag fortgesetzt werden. Ter Besuch war überaus stark. Anwesend waren die meisten Reichstags- und Landtagsabgeordneten der bayerischen Zentrumspartei. Ebenso hatten sich mehrere Mitglieder der Reichsratskammer zu den Verhandlungen eingefunden. An Stelle des 1. Vorsitzenden der Zentrumsfraktion, Lerno, der durch Zugverspätung am rechtzeitigen Erscheinen verhindert war, eröffnete der 2. Vorsitzende, Oberregierungsrat Frank, die Verhandlungen. In wehmutsvollen Worten gedachte er sodann der seit dem letzten Parteitag verstorbenen Freunde, vor allem des unvergeßlichen „Papa" Daller und der Abgg. Dr. Schädler, Frhr. v. Malsen, Kohl, Thünefeld, Cadau, Wagner usw. Seiner besonderen Freude gab der Vorsitzende unter dem lebhaften Beifall der Versammlung darüber Ausdruck, daß der Kammerpräsident Dr. v. Orterer den Verhandlungen persönlich beiwohnt. Er wies sodann auf die schwierige politische Situation hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen des Parteitages vom Geiste der Einigkeit getragen sein möchten. Das Referat über die Fragen der Organisation und Agitation erstattete Abg. Dr. Schlitten, bauer. Der Referent gab eine Fülle von Anregungen und praktischen Vorschlägen für den Ausbau und die Tätigkeit der einzelnen Organisationen. Er bezeichnete es u. a. als eine der wichtigsten Aufgaben der Kreisorganisationen, nach großen gesetzgeberischen Werken für eine entsprechende Aufklärung der Wähler Sorge zu tragen. Der Referent gab auch dem Wunsche Ausdruck, daß bei Aufstellung der Kandidaten, besonders in zweimännigen Wahlkreisen, auch auf die Gewinnung von Arbeitskräften für die Fraktion Bedacht genommen werde. lieber wirtschaftliche und kulturelle Fragen sprach Abg. Regierungsrat Frank. Mit dem Parteitag ist eine große öffentliche Versammlung am Montag dbend verbunden. In derselben sprechen Reichstags- abg. Dr. Mayer- Kaufbeuren über Reichspolitik und Landtagsabg. Held über die politische Lage in Bayern.
♦ München, 28. Dez. 1913. Nürnberg hat bekanntlich trotz des Widerstandes 'bet liberalen Rathausmehrbeit nicht nur eine Franziskanerniederlassung erhalten, sondern es ist den Franziskanern auch gestattet worden, in den Schulen katholischen Kindern Religionsunterri cht zu erteilen. Gegen diese Genehmigung der Regierung sollen nun, wie liberale Blätter zu melden wissen, vom Magistrat neue Schritte unternommen werden, deren Erfolg man abwarten kann. Tie tole- rauten Liberalen mögen „sachliche" Gründe geltend machen, soviel sie immer wollen und können, sie werden nicht verhindern, daß man auf katholischer Seite in diesen Bemühungen einen Ausfluß der Abneigung nicht nur gegen die katholischen Orden, sondern auch gegen den Katholizismus überhaupt erblickt. Wie wenig sachlich ein Grund für die Haltung des Magistrats besteht, mag 'den Herren die liberale und gewiß nicht kathvlikenfreundliche M.-Agsb. Abendztg. sagen, die in Nr. 357 schreibt: „Nach unserer Kenntnis der bayerischen Franziskaner — und wir glauben sie ziemlich gut zu kennen — halten wir die Aufregung der Nürnberger wegen der Erteilung des Religionsunterrichtes durch Franziskaner für unbegründet oder mindestens übertrieben. Wir sind überzeugt, daß die Franziskaner ihren Religionsunterricht um kein Haar anders als Weltgeistliche erteilen." Wie hier die Abendztg. aus ihrer Kenntnis heraus über die Franziskaner urteilt, so würde bei wirklicher Kenntnis und ausreichender Ehrlichkeit so mancher über katho-
veutscher Reich.
** Berlin, 29. Dez. 1913. Der Kaiser nahm gestern vormittag an einer Jagd teil, welche beim Entenfang in der Nähe von Wildpark abgehalten wurde. — Tie Kaiserin stattete am Montag ihrer Tochter und deren Gemahl in Braunschweig einen Besuch ab. — Der Kronprinz wird im Generalstabsgebäude als Arbeitszimmer das Zimmer des Generalfeldmarschalls Grafen Helmuth Moltke erhalten, das dicht neben dem großen Vortragssaal liegt. An der Einrichtung des Zimmers, in dem der große Stratege zu arbeiten pflegte, wird nichts geändert werden. — Wegen seiner bekannten Zuschrift in die „Krcuzzeitung" betreffend die Verurteilung les Leutnants v. Forstner hat, wie der „Lokal- anzeiger" mitteilt, der Polizeipräsident von I a g o w aus eine Aufforderung des Ministeriums des Innern dem Staatsministerium eine eingehende schriftliche Darlegung zugehen lassen.
** Im preußischen Etat für 1914 ist auch eine Reihe neuer Beamten st ell en vorgesehen. Im Finanzministerium sind 4 neue Beamtenstellen geplant (Mehrausgabe 21530 Mk.), bei den Operpräsidien und Regierungen neue Stellen für 15 Negierungsräte, einen Regieru.tgskassen-Jn- spektor. 150 Regierungssekretäre usw. (Mehrausgabe 830 947 Mark) Bei der B a u v e r w a l t n n g erscheinen unter den Mehrausgaben 278 770 Mark für Besoldungen und Wohnungsgeldzuschüsse, insbefon- vere für 123 neue Beamtenstellen. Im Ordinarium des Ministeriums für Handel und Gewerbe werden gefordert 24 900 Mk. Mehrausgaben für zwei neue Beamtenstellen im Ministerium, 739 530 Mk. für neue Stellen der Handels- und Gewerbeverwaltung (Lotsen. Gewerbeinspektoren, Eichmeister usw.). Unter den Mehrausgaben int Ordinarium des I u- st i z m i n i st e r i u m s befinden sich 34 290 Mk. (vier neue Beamtenstellen int Ministerium), 231177 Mark für 58 neue Beamtenstellen der Oberlandesgerichte, darunter drei Senatspräsidenten, 15 Ober- landesgericktsräte und drei Staatsanwälte, 2941754 Mark für Land- und Amtsgerichtsräte, insbesondere für 763 neue Beamtenstellen, darunter 12 Landgerichtsdirektoren, 32 Landrichter, 80 Amtsrichter, 19 Staatsanwälte. Im Haushalt des M i n i st e r i u m s des Innern sind 8370 Mark für drei neue Beamtenstellen im Ministerium ausgeworfen. Unter den Mehrausgaben des Ordinariums beim Ministe- rium für Landwirtschaft usw. sind aufgeführt: 37 360 Mk. drei neue Beamtenstellen im Ministerium, 408 186 Mark Generalkommissionen, 23 neue Beamtenstellen. Das Ordinarium des Kultusministeriums sieht vor: Mehrausgaben 28 560 Mark Ministerium zwei neue Beamtenstellen, 8640 Mark Evangelischer Oberkirchenrat zwei neue Beam- tenstellen, 23 720 Mk. Evangelische Konsistorien drei neue Beamtenstellen, 70 675 Mk. Provinzialschulkol- leg'en sieben neue Beamtenstellen."
)( Deutschland und England gegen ein Ueberge- toicht der Union in Lateinamerika.' Die „Newyork Times" befassen sich in einem längeren Leitartikel mit den Gründen^ die Deutschland und England veranlassen, ihre offizielle Teilnahme an der Weltausstellung im Jahre 1915 in San Fra nzisko zu verweigern. Das Blatt behauptet, daß die für die Nichtbeteiliqung angeführten Gründe nicht die wesentlichen seien, sondern daß zwischen Deutschland und England eine Verständigung erzielt worden sei, der Ausstellung fernzubleiben, um auf diese Weise gegen das Bestreben 'der Vereinigten S t a a • ten, sich in Süd- und Mittelamerika ein finanzielles und kommerzielles Uebergewicht zu verschaffen, zu protestieren.
)( Eine deutsche Militärmission für Paraguay. Acht Difhiere treten demnächst nut Dreijährigem Kontrakt
„Nein, eg ist sogar intakt, aber es ist eine so schöne Erinnerung!" flüsterte sie mit sentimentaler Miene hinzu.
„Sage doch lieber eine Reliquie! Wie langt bist Du denn eigentlich schon verheiratet?"
„Seit fünfzehn Jahren, da mein ältester Sohn, mein großer Anatole, bereits vierzehn zählt."
„Fünfzehn Jahre, das ist eine hübsche Zahl! Während dieser ganzen Zeit hast Du, meine arme Felizie, keinen einzigen Ball besucht?"
„Zum Glück nein, ich war ganz froh. Jetzt muß sich mein Mann in den Kopf gesetzt haben, daß es ihm in politischer Hinsicht förderlich fein könne. Er .hat mit einem Male sehr viel politischen Ehrgeiz!"
„Und tote sieht denn dieses Brautkleid aus, welches Du vor fünfzehn Jahren getragen? Ist es weit ober eng, in Zwickel geschnitten ober nicht? Das alles müßte man wissen, um sehen zu können, was sich baraus machen ließe?"
Sie trat hastig in baS Nebenzimmer, in welchem in großen Schränken zahllose Kleiber hingen itttb gefüllte Kartons umherstanden. Auf einem dieser Kartons stand in großen Lettern gedruckt: „Ballkleid". Er war leicht, aber umfangreich, und um» ihn besser fassen zu können, mußte sie mit beiden. Händen danach greifen; dann kehrte sie triumphierend in das Boudoir zurück, in welchem die Freundin ihrer harrte, und rief fröhlich:
„Da hast Du meine letzte Balltoilette, bringe fte Deiner Näherin, sie soll dieselbe nachahmen. Das ist das Vernünftigste, was sich tun läßt."
Während die arme Felizie ihrem Dank in überschwenglichen Worten Ausdruck verlieh, setzte Berta einen großen, rosafarbenen Tüllhui auf, zog ihre Handschuhe an, griff nach Schirm und Fächer und schickte sich an, das Gemach zu verlassen. Jetzt hielt sie die Briefe nicht mehr in Händen; sie hatte dieselben auf einen Kasten gelegt und vergaß daß sie an dieser Stelle den Blicken Aller so völlig entschwunden waren, daß sie möglicher Weise bis zum Tage des jüngsten Gerichts unbeachtet da liegen bleiben konnten.
Abends sprach die kleine Gräfin zu ihrem Gatten:
„Stelle Dir vor, ich habe heute eine reiche FE guter Handlungen begangen! Gleich König Salomo- kann ich sagen daß ich' wahrlich meinen Tag nicht verloren habe!"
„Verzeih, mein Kind", erwiderte der Graf, langsam das Haupt emporhebend, „nicht König Salomon hat diesen Ausspruch getan, sondern Titus, der römische Kaiser."
„Die kleinlich Du doch bist. Herbert, Du widersprichst mir immer. Ein König oder ein Kaiser, das ist doch so ziemlich das Gleiche lind, da die Worte überhaupt von irgend jemand m auSguvrochen worden sind, bin ich ja auch im Rechte, wenn ich sie wiederhole."
„Gewiß, mein Kind!" erwiderte der Graf besänftigend. „Doch, laß hören, welche gute Handlungen sind es denn, die Du begangen?"
(Fortsetzung, folgt.)
Am nächsten Tage, gleich nach dem Erwachen, erinnerte sich die Gräfin Berta der Entschlüsse, welche sie gefaßt; und während sie ihre Schokolade schlürfte, rekapitulierte sie die ansehnliche Zahl der Tages- und Monatsschriften, auf welche bet Gras abonniert war. Sie hatte am Abend dem Grafen von ihrem Vorhaben Mitteilung gemacht, allen zu schreiben. Er zuckte zwar die Achseln und meinte, das wäre ganz überflüssig, aber sie wußte, daß er skeptisch war, leicht überall Hindernisse sah, und beschloß deshalb, sich durch seine Bemerkungen nicht rinschüchtern zu lassen. Sie schrieb also und erklärte sich bereit, alle etwaigen Auslagen zu decken. Denn • hatte sie einmal etwas beschlossen, und sah sie es ,als recht an, so brachte nichts und niemand sie "davon ab.
Nachdem sie ihre lange und sorgfältige Toilette beendet hatte, setzte sie sich an ihren Schreibtisch und machte sich ans Werk. Es war rasch erledigt, rascher als sie geglaubt. Sie erging sich nicht in überflüssigen Phrasen; was sie erzählte war schlicht, einfach, kurz gefaßt, wenn auch keine bedbutende Tatsache ausgelassen war. Sie siegelte die zehn Briefe gewohnheitsmäßig mit einem hübschen, von einer neunzackigen Krone überragten Wappen und war eben im Begriff, ihrer Kammerfrau zu klingeln, um die Briefe dem Boten übergeben zu lassen, als die Türe aufging und eine junge, elegant gekleidete Frau auf der Schwefle erschien.
„O. meine liebe -Berta, komme mir doch zu Hilfe, ich bin ratlos und verloren ohne Dich!"
Ein wenig erschreckt forschte die Gräfin.
„WaS in aller Welt ist Dir denn widerfahren, Feli'ie?"
Tie arme Felizie, eine entfernte Verwandte von Nennys, ließ sich in einen Fauteuil sinken.
„Ich hoffe, daß ich Dich nicht allzusehr störe? Ich bin so ärgerlich, so unglücklich. Was sollte auS mir werden, wenn Du nicht wärest!"
in die Dienste der südamerikanischen Republik Paraguay zwecks Heeresreorgamjation.
4- Weihnachtsvergütungen der ReichSpostvertoal- tung. Aus Anlaß der Verkehrssteigerung zu Weihnachten und Neujahr w den, wie in früheren Jahren, an mittlere Beamte, Beamtinnen und Unterbeamte der Reichspostvertoaltung Vergütungen bewilligt. Bei der Verteilung dieser Vergütungen sind nur solche Beamte usw. zu berücksichtigen, die eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Zahl von Dienststn.tden haben ableisten müssen.
)( Kein Attentat auf den Posten in Zabern. Die geheimnisvollen Schüsse sind durch die amtliche Untersuchung nunmehr aufgeklärt. Diese bat ergeben, daß die am Freitag abend in der Dunkelheit gefallenen Schüsse auf der andern Seite des Bassins gefallen sind, wie zuverlässig feststeht, von einem dort befindlichen Holzlager ans, welches etwa 125 Meter entfernt ist. Vier Leute haben ausgesagt, daß sie gegen 61/» Uhr abends von diesem Holzlager her zwei Schüsse gehört und auch den Feuerschein wohl gesehen haben. In Anbetracht der Entfernung und der Herr- schenden Dunkelheit war es also gar nicht möglich, den jenseits des Kanals an der Schloßmauer patrouil- lierenden Posten zu sehen, und es ist ganz ausge- schlossen, daß der Posten unter solchen Umständen von dem Holzlager aus hätte getötet werden können. Von einem Attentat auf den Posten kann somit keine Rede fein.
)( Fleisch aus Teutsch-Südtoestasrika. Nachdem in K a r i b i b vor einiger Zeit eine Fleischkonservenfabrik in Betrieb gesetzt worben war, ist nunmehr bie erste Probesendung Rmdfleischkonserve.t nach Deutschland abgegangen. Sowohl das Reichskolonial- amt wie das Reichsmarineamt ist hiervon benachrichtigt worden, und es steht zu hoffen, daß mit Der Marineverwaltung ein Abschluß erzielt wird. In der Konservenfabrik wird die Fleischbeschau genau nach den Vorschriften des deutschen Gesetzes ausgeübt, u.id der Betrieb steht unter der beständigen Kontrolle des Negierungsarztes und des Regierungstierarztes. Tas Rindfleischfabrikat wird aus erstklassigen deutsch- süd- westafrikanische.r Rindern hergestellt und entspricht in der Qualität dem von den deutschen Armee-Konservenfabriken hergestellten Büchsenfleisch. Der Schlachtviehüberschuß für Deutsch-Südwestafrika ist schon jetzt völlig ausreichend, um den Bedarf einer Konservenfabrik zu decken.
— Tic Reform des Fortbildungsschulwrsens in Bayern wird nunmehr zur Tatsache. Zwei königliche Verordnungen, welche Die Grundlagen schaffen und die von der Bayer. Staatszeitung am Sonntag veröffentlicht wurden, treten am 1. Januar 1914 in Kraft. In Zukunft wird es zwei Gattungen von Fortbilditngsschulen geben: die Volksfortbildnngs- schnlen und die Berufsforibildungsschulen. Die Dauer der Schulpflicht bleibt wie bisher 10 Jahre, wovon drei Jahre auf die Volksfortbildungsschule entfallen. Die Volksfortbildungsschule, welche an die Stelle der Sonntagsschule tritt, wird einen Teil der Volkshauptschule bilden und demgemäß unterliegt sie allen Vorschriften für bie Volksschule. Deshalb muß bie Volksfortbildungsschule regelmäßig nach Konfessionen getrennt sein und Den gleichen Schulaussichtsorganen unterstehen, wie bie Hauptschule. Der konfessionelle Charakter ber Volksfortbildungsschule ist also gewahrt. Tie Schulpflichtigen sind zum Besuche bes allgemeinen Religionsunterrichts ihres Bekenntnisses (Christenlehre usw.) ober eines besonderen Religionsunterrichts verpflichtet Ein besonderer Religionsunterricht soll für Volkssortbildungsschulen mit großer Schülerzahl tunlichst eingerichtet werden. Die einschneidendste Aenderung gegenüber ber bisherigen Sonntagsschule liegt in ber größeren Stundenzahl, die der Volksfortbildungsschule eingeräumt ist. Es ist nämlich eine Vermehrung auf mindestens 140
Stunden im Schuljahre gegenüber etwa 80 Stunden der Sonntagsschule vorgesehen. Als wichtigste Neuerung ist anzuführen, daß nach § 13 an den Volks« fortoildungsschulen ein spezieller Fachunterricht eingeführt werden kann, um den Schulpflichtigen wenigstens in beschränktem Maße Gelegenheit zu einer besseren Fachausbildung zu geben. In einet Gemeinde mit konfessionell gemischter Bevölkerung und konfessionell getrennten Volksschulen soll es dxn Schülern unter bestimmten Voraussetzungen gestattet sein, am Fachunterricht in der Volksfortbildungsschule der anderen Konfession teilzunehmen. Die B e ru f s - fortbildungsschnlen sind als selbständige Unterrichtsanstalten gedacht, für die demzufolge das Schulrecht der Volksschulen nicht gilt., Diese Schulen werden regelmäßig konfessionell gemischt sein müssen, da es undurchführbar wäre, die Schüler neben der noitoenbigen Gliederung nach Berufsgruppen ober Einzelberufen auch noch nach Konfessionen zu trennen.
** Höxter, 29. Dez. 1913. Bei ber heutigen Landtagsersatzwahl für Warburg-Höxter ist ber Gutsbesitzer Schönkäs- Altenheerse (Ztr.) mit sämtlichen 242 abgegebenen Stimmen gewählt worden.
11. Ulm, 29. Dez. 1913. Die politischen Parteien Württembergs halten in diesen Tagen und Wochen üb r ihre Getreuen Heerschau ab. Als erste tagte Sonntag, 28. Dezember d. I. die Landesverfamm- lung der roürttembergifdjen Zentrumspartei in Ulm, wo u. a. über die Errichtung eines Partei- fekretariats Beschluß gefaßt wurde. Die mit ber Landesversammlung verbundene große öffentliche Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Abg. Erzberger behandelte verschiedene Fragen der Reichspolitik. Zum Schluß führte er auS:
20 Jahre werden eS 1914 sein, seitdem die roflrttem« bergische Zentrumspartri gegründet wurde. Zwei Jahrzehnte erfolgreicher Arbeit hat sie geleistet für Volk und Vaterland. "Viel wurde erreicht, vieles ist noch zu erreichen. Im Jahre 1914 feiern wir auch ein Doppel- jubiläum unseres Führers Gröber: 25 Jahre ist er im württembergischrn Landtag und im Februar begeht er seinen 60. Geburtstag. Die Arbeitsjahre im Parlament sind Kriegsjahre — fte zählen doppelt! 50 Jahre Mannesarbeit im besten Ginne deS Wortes! Sein scharfes juristisches Denken und Wissen, sein diplomatisches Geschick, sein goldenes Herz gehören uns. Dos Schönste und Beste aber ist feine grenzenlose Uneigennützigkeit. »Was hätte der Mann werden können', so sagte mir vor kurtem erst ein Mitglied einer gegnerischen Fraktion, „wenn er nicht in die Politik gegangen wäre!" „WaS hätte der Mann werden können", antwortete ich ihm, „wenn er zu Ihnen gegangen wäre!" Möge der liebe Golt uns tbn noch lange, lange erhalten in voller körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische und ihm stets volle Gelundhett schenken! Treue gegen Treue, das soll unser Dank für ihn fein. Auf denn zum Kampf für Wahrheit, Recht und Freiheit I (Stürmischer, langandauernder Beifall.!
Aba. Gröber behandelte bann in einer packenden Rede Kulturfragen und Mittelstandsfragen. Zum Schluffe schilderte er in glänzenden Aus- sührungen die Bedeutung der Religion für den Einzelnen, wie fü; die Völker. U. a. sagte er:
„Nur ber Blick auf das Kreuz ermöglicht eS uns, unser Kreuz zu tragen!" Nur ein auf religiöser Grundlage gefestigtes Volk vermag die großen Schwierigkeiten zu überwinden, welche die moderne wirtschaftliche und soziale Entwickelung mit sich bringt. Und darum fordern wir volle, uneingeschränkte Freiheit ber Kirch», Freiheit auch für alle katholischen Orden! (Anhaltender Beifall.) Staatsmänner, welche btt Kirche knebeln, zeigen damit nur, daß sie die Seele beS Volkes so wenig kennen wie ihre eigene. Bürgerliche Freiheit ist ein hohes, köstliches Gut, aber ihr» Voraussetzung und Grundlage ist die religiöse Freiheit. Eine Verletzung der «inen Freiheit zieht die Verletzung der anderen nach sich. Und deshalb faßt das Zentrum sein Brozramm zusammen in die Worte: Für Wahrheit, Recht und Freiheit I (Stürmischer Beifall.)
cf München, 30. Dez. 1913. Der Parteitag der bayerischen Zentrumspartei hat —
An,eigen: Der Kaum einer etnfraingen Celenehdte, M M» *«u, tun« io Pta. Reklamen; Der Raum eine« Cotcneljelk, U m »reit, toflel 40 Pf» Bel Olc6ernolun»en Rabatt Sür Offert- und Auskunttenjelger. 20 pt atta. r, JUIvtlC» UJ1U)IsVIUllCC Konkursfällen wird Oer Oewiltlate Rabatt tjlnföllip. Crftllunusorf fOt Oos Ein» klagen aen Sortierungen in Sulba. Anzeigen-Annabme bis 10 Uhr earmtttags. s u 0räßere Anzeigen «bitten wir «ns tags narbet. B ■