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2. Blatt

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«h Fuldaer Zeitung.

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Samstag 27. Dezember 191$.

- * Reue Steuern auf Berficherungeu

Am 1. Oktober 1913 ist das neue Reichsstempel­steuergesetz, das zu den Deckungsvorlagen der Heeres- verstärkung gehört, in Kraft getreten. Hierüber ist man in beteiligten Kreisen vielfach noch nicht infor­miert, so daß es wohl angebracht erscheint, in Kürze zur Kenntnis zu bringen, was das neue Reichs- pempelgesetz vom 3. Juli 1913 vom Versicherten eigentlich will. Nach den Bestimmungen dieses Ge­setzes beträgt der Reichsversicherungsstempel bei der Feuer sicherung beweglicher Gegen- stände 15 Pfg. und unbeweglicher Gegen­stände 5 Pfg. für jede 1000 Mark Versicherungs­summe und zwar für jedes Versicherungsjahr, bei der Einbruchdiebstahl- und Glasversicherung 10 Proz. der gezahlten Prämie, bei der Transportversicherung von Kasko (Schifssversicherung) und Baurisiken % Prozent, von anderen Gegenständen 1 Prozent der gezahlten Prämie, bei der Lebensversicherung % Prozent der gezahlten Prämie.

Nach der Vorschrift des § 100 des Reichsstempel­gesetzes ist Schuldner der Abgabe der Versicherte (Ver­sicherungsnehmer), von dem der Versicherer (Versiche­rungsgesellschaft) die Abgabe einzuziehen und an das Reich abzuliefern hat. Die Steuer wiederholt sich bei den mit jährlicher Prämienzahlung abgeschlossenen Versicherungen alljährlich mit dem Prämiensällig- keitstermin, während sie bei Vorauszahlungsversiche­rungen für die ganze Versicherunasdcmer — also auch für etwaige Freijahre — vom Versicherungsnehmer im Voraus einzuziehen ist.

Tie etwa in ber Zeit vom 1. April bis 30. Sep­tember 1913 abgeschlossenen Versicherungen mit Bor­auszahlungsprämie unterliegen der nachträglichen Besteuerung: die vor genanntem Termin abgeschlos­senen Versicherungen mit vorausgezahlter Prämie bleiben von dieser Steuer befreit.

Me von den Versicherungen in den einzelnen Bundesstaaten in verschiedener Höhe bis 1. Oktober 1913 erhobene Staatsgebühr kommt in Wegfall.

Befreit von der Stempelpflicht sind Versiche­rungen bis einschließlich mit einer Versicherungs­summe von 3000 Mark.

Obwohl die Einziehung des Stempels bei man- chem Mißfallen Hervorrufen wird, so dürfte doch der Hinweis darauf, daß es sich um eine unabwendbare, reichsgesetzlich voraesch riebene Ab­gabe bandelt/ die der Versicherte unter allen Um­ständen zu entrichten hat, allein genügen, um dem Versicherten etwa entstehende Ungelegenheiten zu be­seitigen und vor unnützen Kosten zu schützen.

Lokales.

Fulda, 27. Dezember 1913.

;; Dem Direktor bei kgl. Gymnasiums in Fulda, Herrn Dr. Wahle ist von Seiner Majestät der Charakter als Geheimer Studitnrat verliehen worden.

Uebertrage». Herrn Seminarlehrer RI em le hier ist vom 1. 1. 1914 an die Verwaltung der Seminaroberlehrerstelle in Rogasen in Posen über­tragen worden.

[•] Auszeichnung. Se. Mas. der Kaiser und König haben den Mitglieder des hiesigen Kriegervereins, den Herren Irivaliden Johann Georg Scholl, Kaufmann Heinrich Lion, Vorschmied am Bahnh. Joh. Bräu­tigam und Weichensteller a. D. Erbe wegen ihrer langjährigen Verdienste um das Kriegervereinswesen das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber zu verleihen geruht. Der Vorsitzende des Kreis«Kriegerverbandes hat um Mittwoch nachmittag den Dekorierten die Auszeichnung als Weihnachts-Geschenk überreicht.

I] Auszeichnung. Dem Spengler Johann Beu itner von hier wurde in Anerkennung feiner pflichtgelreuen 40jährigen Tätigkeit in der Weisensee'schen Fabrik das allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

4- Die Neuordnung des höheren Mädchenschnl- wesens hat dem Lyzeum höhere Ziele gesteckt, so daß nicht alle Schülerinnen den Anforderungen gewach­sen sind. Es hat sich daher das Bedürfnis fühlbar gemacht, daß eine Schule ins Leben gerufen wird, die einerseits über die Ziele der Volksschule hinaus- ?eht, anderseits aber auch keine s o hohen An­orderungen [teilt tote das LHzeum. Eine solche Schule soll zu Ostern 1914 am Insti­tut oer 6«gl. Fräulein dahier eingerichtet werden. Sie ist Massig gedacht, so daß also Schü­lerinnen, die die 3 Unterklassen durchgemacht haben, darin Aufnahme finden können. Zu Ostern ist die Errichtung der Klasse 6 und 5 (4. und 5. Schuljahr) in Aussicht aenommen. Das Zeugnis über den er­folgreichen Besuch dieser höheren Mädchenschule dient rls Nachweis der erforderlichen Schulbildung für die

Unpolitische Zeitläuse.

N. Berlin, 24. Dezember 1918.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Sind denn heutzutage die Jahre noch ebenso lang, tote früher? Die Sterngelehrten sagen, daß in absehbaren Zeiten keine merkliche Aenderung an der Zeitelle ein trete, und die Uhrmacher regulieren ihre künstlichen Zeitmesser immer noch in derselben Weise Aber mein innerliches Uhrwerk zeigt sehr erhebliche Abweichungen. Als ich noch jung war, kam mir das Jahr sehr lang vor. Ach, wie lange währte es, bis man wieder eine Stufe aufwärts gekommen war in der Schule und im Leben! Jetzt aber ruf ich: Was? Schon wieder ein Jahr um! Man sollte es nicht glauben, wie schnell einem so ein Stück Lebenszeit unter den Händen verrinnt. Ich hatte doch eigentlich noch manches vor, was im Jahre 1913 erledigt wer­den sollte. Ausgeschoben, sagt ihr, wäre nicht ausge­hoben. Ihr könnt gut reden. Da ich wahrscheinlich nicht Methusalem H. werden soll, so muß ich mit einem kleinen Rest von Lebensjahren rechnen. Und wenn die einem so flüchtig durch die Finger gleiten, wie das Geld in den Tagen vor Weihnachten, dann wird man trübselig gestimmt. Meinetwegen könnten die Jahre 500 Tage lang Jein, oder gar, um den ver­hätschelten Schulkindern die Rechnung zu erleichtern, 1000 Tage lang. Vorausgesetzt natürlich, daß die Zahl der Lebensjahre ungeschmälert bleibt.

Als ich dieser Tage Spielzeug für meinen Enkel einkaufte, traf ich einen weißhaarigen Herrn, vor dem ich stramm stehen mußte. Er hatte es natürlich schon auf Urenkel gebracht und sprach herablassend Den Wunsch aus. daß ich es auch noch so weit brin­gen möchte. Als bescheidener junger Mann wagte ich nicht, die Möglichkeit zu bezweifeln, warf aber die Bemerkung ein, daß mir die Jahre schon jetzt bedenklich kurz vorkämen. „O," sagte der erfahrene Urgroßvater, „das kommt vom Pulsschlag. ' Sehen Sie, bei den jungen Leuten geht der Puls sehr schnell; und die haben in einem Jahre viele Millionen von Pulsschlägen mehr als wir ausgereifte Leute. Der

Zulassung zur Prüfung für Lehrerinnen der weib­lichen Handarbeiten und der Hauswirtschaftskunde. Ebenso berechtigt cs zu einer Anwärterstelle im mitt­leren Post- und Tclegraphendienst und zur Einstel­lung als „Aushelferin im Eisenbahndienst unter Be­freiung von der sonst vorgeschriebenen Vorprüfung". (Vgl. Ministcrial-Erlaß vorn 14. Nov. 1912.) Es können somit auch Eltern, denen das Schulgeld des Lyzeums zu hoch ist, mit geringeren Kosten ihre Töch­ter einem Berufe zuführen, der dem weiblichen Ge­schlecht offen ist. Ausgeschlossen ist auch nicht, daß eine gut begabte Schülerin später von dieser Anstalt an das Lyzeum und von da an das Oberlyzeum übergehen könnte, während einer Volksschülerin in späteren Jahren jeder weitere Ausbildungsweg ver­schlossen ist.

(::) Tas Weihnachtssest 1913 gehört der Vergangen­heit an. Den einzelnen mag es gar mannigfaltiges gebracht haben; worunter alle gemeinsam zu leiden hatten, waren die Launen des Wettergottes. Hatte der Heiligabend im Winter-Gepräge feinen Einzug gehalten, so war der erste Feiertag bei ziemlich milder Temperatur noch erträglich, am zweiten Feiertag dagegen gab es „nasse Füße* und ein orkanartiger Wind pfiff unbarmherzig um die Nasen. Nun, Weih- nachten läßt sich am besten im traulichen Heime feiern. Daß man aber auch bei schlechtem Wetter nicht immer zu Hause sitzen muß, dafür sorgen die Vereine. Zahlreiche Weihnachtsfeiern wurden in Stadt und Land abgehalten. Wir können über ihren Ver­lauf nicht im einzelnen berichten. Schön war im besonderen die Feier im katho lischen Gesellen­verein am Abend des zweiten Feiertages, die u. a. die liebreizende Ausführung des' dramatischen Weih­nachtsmärchens „Weihnachten im Walde" brachte. Herr Kirchenmaler Wilh. Wehner stellte ein aller­liebstes lebendes Bild „Die Engelschar bei der Krippe", das immer wieder gezeigt werden mußte. Sehr gut dargestellt wurde das Weihnachtsspiel „Am Felsen­kreuz", das einen recht lehrreichen Inhalt bot. Fest­rede, gesangliche und turnerische Darbietungen gaben der Veranstaltung einen schönen Rahmen.

Die Weihnachtsfeier des Männergesangvereins „Winsrida" am Nachmittage ves ersten Feiertags verdient eine besondere Würdigung. Sie brachte als Kernpunkt nach einer Ansprache des Vorstands- mitgliedeslHerrn Jacob ein Weihuachts - Fest­spiel mit "MännerchöreU in 6 lebenden Bildern, dessen Leitung in bett Händen des Herrn Kunstmalers Pfister lag. Dieser hatte auf der Bühne prächtige Szenerien geschaffen, die sehr zur Hebung des Fest­spiels beitrugen. Die lebenden Bilder stellten dar: „Die Verkündigung der Geburt an die Hirten", „Geburt Christi", „Anbetung der Hirten", „Anbetung der hl. drei Könige", „Wiegenlied Mariens bei der Krippe" und „Verherrlichung der Gottesmutter". Die Bilder zeugten von großem Kunstsinn und erregten ungeteilten, stürmischen Beifall. Besonders dankbar wurden auch die Männerchöre der „Winsrida" auf­genommen. Wir hörten eine ganze Anzahl unserer so schönen, innigen, alten und neuen Weihnachtslieder: „O du fröhliche, o du selige", „Ehre fei Gott in der Höhe", „Stille Nacht", „Es ist ein Ros entsprungen", „Herbei, o ihr Gläubigen", „Marias Wiegenlied" und „Sankt« Maria". Besonderes Interesse erregte das Bariton - Solo des Herrn Leopold Hei» in „Marias Wiegenlied". Es entspräche einem viel­seitigen Wunsche, wenn die „Winfridia" das Festspiel wiederholte und wir sind sicher, daß sie starken Zu­spruch finden würde. Das ganze Spiel atmete Weih­nachtsfreude, WeihnachtSglück und Weihnachtssrieden. Nach Beendigung der offiziellen Feier erschien das Christkind und spendete den Kindern allerlei Gaben. Die Unterhaltungsmusik wurde von Militärmusikern gestellt. ES war wohl die schönste Weihnachtsfeier, die die „Winfridia" je abgehalten hat.

(△) Der Kirchenchor an der hiesigen Stadtpfarrkirche hat «NS am ersten Weihnachtstage köstliche perlen kirchlicher Musik dargeboten. So hörten wir in der Hirtenmeffe neben anderen Chören daS herrliche fünf- stimmige „Gottessohn, wir beten dich an" aus dem „Stern von Bethlehem" von Rheinberger, eine Kompo­sition, die schon mehrmals vorgetragen wurde und nun in jeder Weihnachtsnacht mit Spannung erwartet und mit Freude ausgenommen wird. Im Hochamt fang der Chor die fünfstimmige Messe in honorem beatae Mariae Virginia de Lourdes von Edgar Sinei, dem berühmten Komponisten des „FranziSstS". Tiefe Meffe, die manche technische Schwierigkeiten bietet, erhebt sich, bei Wahrung der streng kirchlichen Stiles doch hier und da an die neuere Kirchenmusik anklingend, zum achtstimmigen Satz von blendender Schönheit und gewaltiger Wucht. Die wohldurchdachte Stimmen­führung und der Glanz dieser Höhepunkte reißen jeden Musikkenner mit sich fort. Wir beglückwünschen den Kirchenchor und seinen rührigen Dirigenten, Herrn

Stadtkantor Scherer, zu diesem schönen Erfolg. Wie wir vernommen haben, hat der Chor in letzter Zeil eine Anzahl neuer musikkundiger Herren zur stärkeren Besetzung der Männerstimmen gewonnen, so daß er gegenwärtig ungefähr 80 Knaben und 35 Herren zählt.

§§ Hausbesitzer und Wehrbeitrqg. Die Haus­besitzer int Regierungsbezirk Kassel sind in großer Aufregung wegen der Heranziehung der Wehr­beitragssteuer durch die kommunal st kindische Hessische Brandversicherungsan st alt, die zwangsweise nach dem vom Kommunal­landtage festgesetzten Brandsteuer-Umlagen die Haus­besitzer in 7 größeren und 57 kleineren Städten, 41 stadtähnlich gebauten Ortschaften, 1285 Landgemein­den rund 162 Gutsbezirken mit einer Gesamtversiche­rungssumme von 1 626 498 300 Mk. zur Brandsteuer heranzieht, und zwar in fünf verschiedenen Bauart­klassen, die eine jährliche Einnahme aus den Umlagen in Höhe von 1 995 000 Mk. erbringen. Diese Brand­steuer hat mit anderen Feuerversicherungsbeiträgen nichts zu tun; tatsächlich ist auch jeder Hausbesitzer noch bei verschiedenen privaten Feuerversicherungen wegen Brandschaden versichert. Da die kommunal- ständische Hessische Brandversicherungsanstalt nun ein sehr großes Vermögen hat und außerdem sehr große Einnahmen durch die Brandsteuerumlagen erzielt, so tft sie mit dem Betrage von 80 000 Mk. seitens der Reichsrggierung zum Wehrbeitrag heran­gezogen worden. Diesen Betrug will die Hessische Ärandversicherungsanstatt nun kurzer Hand auf die Hausbesitzer abwälzen, und zwar auf die Weise, daß sie zu der Brandsteuerumlage für das Jahr 1914 einen Ausschlag von ein halb pro Mille ausschreibt, sodaß jeder Hausbesitzer diese Wehrsteuer für das kommunalständische selbst aufzubringen hätte. Hier­gegen haben nun die Kasseler Hausbesitzer energisch Protest eingelegt; denn sie halten diese Abwälzung des Wehrbeitrages für ungesetzlich, weisen außerdem darauf hin, daß ein so reiches und großes kommunal- ständisches Bersicherungsinstitut diesen Wehrbeitrag selbst aufbringen könnte. Um diese Sache zum Aus­trag zu Bringen, hat sich der Kasseler Hausbesitzer- Verein an den Zentralverband deutscher Hausbesitzer- Vereine nach Berlin um Unterstützung gewandt. Sollte die angegangene Stelle die Ansicht vertreten, daß die Hausbesitzer zur Zahlung dieses Mehrbetrages nicht verpflichtet werden können, so will man diese Ange­legenheit nn Wege des Verwaltungsstreitverfahrens ausfechten, und zwar im Interesse aller Versiche­rungspflichtigen in Stadt und Land.

er. Die Anmeldungen zur RekrutierilNgSstammrolle haben nach den jetzt in Kraft getretenen Aenderungen der Wehrordnung inderZeitvomL.—15. Januar — früher vom 15. Januar bis 1. Februar — jeden Jahres zu erfolgen. Jeder Militärpflichtige, dem über feine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehördr noch nicht erteilt ist, hat sich in der Zeit vorn 2.—15. Januar 1914 am hiesigen Ein- wohnerrneldearnte in den Nachmittagsdienststunden von 3—5 Uhr zu melden. Wir machen die Wehr­pflichtigen auf diese Verpflichtung aufmerksam. Amt­liche Aufforderung wird noch ergehen.

E Probefahrten. Heute vormittag fanden unter Benutzung von verschiedenen Lokomotiven, darunter auch solchen für Schnellzüge, Probefahrten auf den provisorisch tiefer gelegten Gleisen für die neue Haupt- strecke Fulda—Frankfurt a. M. und umgekehrt statt. Die neuen Gleise sollen von Januar k. I. ab dem Verkehr übergeben werden. Zü jener Zeit wird mit der Beseitigung der seitherigen Hauptgleise zum Zwecke der Tieserlegung begonnen.

Ans öem Nachbargebiete.

(-h-) Friesenhausen, 26. Dez. 1913. Zum Besten der hilf. St. Anna-Kjrchr veranstalten auch in diesem Jahre die Schulkinder unter Leitung bei Lehreri Schick eine Weihnachtsfeier im Saal« bei Herrn Gast­wirtes Breitung. Schon des guten Zweckes wegen ist ein zahlreicher Besuch der Veranstaltung zu wünschen, ganz abgesehen von der Vielseitigkeit der Aufführung. Die Feier findet statt am Sonntag, 28. Dezember, abends 7 Uhr; Wiederholungen sind geplant am 1. Januar 1914, ebenso am 4. Januar. Am 11. Januar, abends V»7 Uhr, findet ein Familienabend mit Weihnachtslotterie statt, an dem noch andere zahlreiche Ueberraschungen geboten werden sollen. Darum wird auch hierbei ein vollbesetzter Saal zu wünschen sein. Der Eintritt ist an diesem Abend frei.

♦ Sschwege, 26. Dez. 1618. Der neue Eschweger Bürgermeister Dr. Stolzenberg-Graudenz ist vom König bestätigt worden. Er wird sein neues Amt am 5. Januar antreten.

§§ Kassel, 26. Dez. 1913. Von einem Wilde­rer erschossen wurde am er ft en Weih- nachtsfeiertage in der Frühe in dem benach­

Pulsschlag ist aber das Pendel an unserer Leibesuhp; nach der Anzahl dieser Pendelschläge bemessen wir die Zeit. Also kommt der Jahreswechsel uns Alten schon über den Kopf, während wir erst verhältnismäßig wenig Pulsschläge aufsummiert haben, während die Jungen schon um Allerheiligen die normale JahreS- Sortion von Pulsschlägen hinter sich haben und den test als einen langweiligen Schwanz des Jahres empfinden." — Ob der weißhaarige Herr das ernst­haft meint, konnte ich nicht näher ergründen; denn wir mußten uns von der Philosophie in das praktische Leben wenden. Jedenfalls hatte er den Schalk hin­ter den alten Ohren, denn er kaufte eine Trompete, eine Trommel und einen Brummkreisel, indem er lächelnd bemerkte: „Das ist Homöopathie gegen die Nervenschwäche der modernen Eltern!" — Ans dem Heimwege dachte ich über die Sache nach und kam zu der Schlußfolgerung, die auf den ersten Blick etwas zweifelhaft aussieht: Je ruhiger die Nerven sind, desto schneller vergeht einem die Zeit.

Ob wir nun das Jahr für kurz oder lang halten, wir müssen doch acht Tage nach Weihnachten nn§ in das neue Jahr und auf die Ziffer 1914 stürzen. Daß sich an das Christfest das Neujahrsfest anschließt, halte ich für passend. Zu Weihnachten denken wir an ein Ereignis, das vor fast zweitausend Jahren eintrat und dessen toelterncuernben Wirkungen sich noch ungezählte Jahrtausende hindurch bis zum Ende des Weltalls geltend machen sollen, ja noch über den jüngsten Tag im ewigen Leben sich zeigen werden. Das ist ein Fest mit Ewigkeits inhalt und Ewigkeits gedanken. Acht Tage später kommt die Zeitlichkeit zu ihrem Rechte. Wir sind für die Ewigkeit bestimmt, aber wir haben die Probezeit durchzumachen in dem engen Rahmen, den uns der Erdkreis und feine Weltuhr ziehen. Wir sollen in die Unendlichkeit eingehen, wo Jahrtausende nur einen Augenblick bilden, aber wir leben und streben und schaffen vorläufig unter der irdischen Zeitord­nung, in der ein Jahr schon als großes Stück und siebzig Jahre als ein langes Menschenleben gelten. In der Tat, die Elle ist sehr kurz, mit der hier in dtt Zeitlichkeit gemessen wird. Einstens im Jen ff

sefts werden wir es kaum begreifen, daß wir hier unten aus einem Jährchen so viel Wesens gemacht haben. Aber daraus folgt nicht, daß wir das biß­chen Lebenszeit mißachten oder gar verschwenden sol­len. Im Gegenteil: je kürzer die zugemessene Zeit ist, desto besser muß sie ausgenutzt werden.

Mit den gegenseitigen Neujahrs wünsch en suchen wir uns die Lebensweise von einem Meilen­stein zum andern zu erleichtern. Haben denn die Nenjahrswünsche einen reellen Wert? Nun, wenn sie gut gemeint sind, so bilden sie eine Art Gebet, eilte Fürbitte für den Nächsten. Zugleich sind sie ein sinnfälliges Zeichen unserer Teilnahme und Freund­schaft, und so ein Liebesbeweis tut dem Mitmenschen wohl, er wirkt ermunternd. Also ist es ratsam, allen Angehörigen, Freunden und Bekannten, überhaupt der ganzen Menschheit die besten Wünsche zu wid­men, und zwar aus einem ehrlichen Herzen voll Nächstenliebe. ’

Auf den Neujahrstag folgen nun aber noch 364 Tage im Jahreskalender. Darum meine ich, man sollte nicht so schnell auf die menschenfreundlichen Regungen und Worte vergessen. Denen, die du zu Neujahr Glück gewünscht hast, solltest du doch im Laufe des Jahres kein Unglück wünschen oder brin­gen. Also laß gefälligst den Groll ober Zorn ober kränkenbes Gebaren beiseite. Am besten ist es, wenn bu bie Glückwünsche, die du zu Neujahr ausgeteilt hast, durch bie Tat verwirklichen hilfst, b. h. beinen Nächsten mit gutem Rat und freunblicher Unter­stützung zur Seite stehst, wenn bu ihm nützlich sein kannst.

WaS sollen wir nun ju Neujahr uns selbst wünschen? Vorsicht, hier liegen Fußangeln! Viel Wünsche, viel Enttäuschungen! Je begehrlicher bu wirst, oesto beschwerlicyer wirb dir das Leben. Hoffen soll der Mensch, aber er soll sich nichts einbilbcn. Die demütige Hoffnung ist wie ein Pilgerstab; man kann nicht auf ihm reiten, aber er erleichtert doch den Marsch. Wer sich aber in kühnen Glückträumen wiegt, der gleicht dem verwegenen Ikarus, der sich Flügel angeklebt hatte und so lange der Sonne zu- og, bis seine Flügel abrutschten und er ins Wasser

barten Kaufunger Walde unweit des Dorfes Esche-> rode, der 40jährige, erst im Februar d. I. aus dem Harz nach Forsthaus Nonnenholz versetzte Förster Knoche. Als Täter kommt der Zigarrenarbeiter Fuhr­mann aus Huberobe inbetracht, ber eine Stockflinte besitzt unb schon längst ber Wilbbieberei verbächtig war. Nach bem Befunb der Stelle, wo man den Leichnam des Försters fand, scheint Förster Knoche Fuhrmann beim Wilbern überrascht zu haben; jeden­falls ist nach bem Befund der Leiche aus ganz geringer Entfernung auf den Beamten geschossen worden, denn am Halse zeigten sich noch Versengungsspuren. Dem Förster drang eine volle Schrotladung in den Hals und zerriß die Schlagader. Fuhrmann ist flüch­tig. Der Beamte hinterläßt Frau und drei Kinder.'

* Kassel, 27. Dez. 1913. Für das hiesige Marien krankenhaus sind lOOMilligrammRadium beschafft worben. Bisher hatte die Stadt Kassel noch keine Radiumstation.

g Friedberg, 26. Dez. 1913. Der Kreistag des Kreises Friedberg beschloß die Einführung einer Steuer vom gewerbsmäßigen Handel mit länd­lichen Grundstücken. Die Steuer foll in bie Kasse ber Gemeinbe, in bereu Gemarkung die den Gegenstand des Handels bildenden Grundstücke liegen, fließen. ________________

Amt Geisa und Umgebung.

’ZJ Geisa, 27. Dez. 1913. Die Kass« des SBotj schuß- und Sparvereins Geisa, e. G. m. u. H., ist vom 1. bis einschl. 15. Januar 1614 wegen Jahresabschluß geschlossen.

f Buttlar, 24. Dez. 1913. Am 23. Dezember sand hier nochmals Bürgermeisterwahl statt. Die Beteiligung war sehr lebhaft. Es wurden 312 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt Anton Wintetz 195. Der seitherige Bürgermeister Manuel 115 Stimmen. 2 Stimmen waren ungiftig.

Aus Oberhessen u. öen Hess. Aemtern.

A Marburg, 25. Dez. 1913. Am Samstag den 3. Juli wird hier ber Abgeordneten tag des Kurhessischen Kriegerbundes abgehal­ten. Am folgenden Tage schließt sich bie Einweihung des Kteiskriegerbenkmals an. Mit den Vorarbeiten zu dem letzteren, welches auf dem Friedrichsplatze (früher bie „Scherzenwiese" genannt) Ausstellung finden soll, wurde in diesen Tagen begonnen. — Vor einiger Zeit wurden einem hiesigen Einwohner aller­hand Gegenstände, darunter auch ein Revolver, gestohlen. Als nun kürzlich ein Schneidergeselle, der bei dem Bestohlenen gearbeitet hatte, sich beim Hantieren mit einem Revolver durch bie Hand fd) o ß, kam es an den Tag, daß er der Dieb war. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu Z Monaten Gefängnis.

A Cappel (Kr. Marburg), 25. Dez. 1918. Der bekannte Tiefbauunternehmer Schneider begeht am Samstag mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit.

A Frankenberg, 25. Dez. 1913. Der Kreistag beschloß, zur Bestreitung der Grunderwerbskosten ber Bahnverbinbnng ©emünben-Fran­kenberg ein Darlehen von 350 000 Mark auf­zunehmen.

# Schönau (Kr. Ziegenhain), 27. Dez. 1913. Ihre goldene Hochzeit feierten heute Bürgermeister Kurtz und Ehefrau in voller geistiger und körper­licher Frische Dem Jubelpaare wurden von nah und fern viele Gratulationen und Aufmerksamkeiten zu, teil.

A Biedenkopf, 25. Dez. 1913. Vorgestern nacht wurden auf ber Grube „Storch u. Schoeneberg" bei Gosenbach im Siegerlanb durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengschusses ber Bergmann Windhagen aus Niederschelden getötet und ein anderer Bergmann namens llebach aus Freusburg lebensgefährlich bet#1 letzt. Beide sind verheiratet.

# Zwittern, 27. Dez. 1913. In den Monaten Januar uno Februar findet hier ber Kochkursus ber Kreiskvchschnle bes Kreises Fritzlar statt.

ffPJesberg, 27. Dez. 1913. Die hiesige Gemeinbe beabsichtigt tn Gemeinschaft mit bem Nachbarorte Densberg eine Krankenschwester anzustellen, die in beiden Orten die Krankenpflege üben soll.

A Homberg a. Ohm, 25. Dez. 1913. Der 18jäh- rige Arbeiter Heinrich Otto aus Niedergemünden, bet auf bem Sägewerk in Mücke beschäftigt wat, würbe vorgestern so unglücklich von dem Gatter ge­troffen, baß ber Tob sofort e i n t r a t.

fiel. In neuerer Zeit wollen ja die Luftflieger den Ikarus ber Vorzeit übertrumpfen; das Fliegen ist aber, wie bie Totenliste lehrt, noch immer ein sehr gefährlicher Sport. Die Leute sind froh, wenn sie nach dem Ausflug in die Wolken wieder heil auf bem gewöhnlichen Erdboden landen. Aehnlich stehts mit den Phantasten, die in kühnen Träumen in das Wölkenkuckucksheim des Glückes sich aufschwingen. Sie wüssen wieder herunter in das armselige Alltags­leben, unb sie bürfen froh sein, wenn sie ohne Scha­ben für ihre Arbeitskraft unb Arbeitslust wieder ht- dds alte Geleise sich hineinfinden.

Einen Neujahrswunsch dürfen wir ruhig an un­sere eigene Abreffe richten: wünschen Wit uns all­zumal ein gutes Gewissen für die Dauer des ganzen Jahres. Ist denn das ein so großes Glück? Freilich, denn wer sich ein gutes Gewissen wahrt, bet kommt zur Zufriebenheit, und die verbürgt uns allein glückliches Leben in diesem Erbentale. Ich habe einen Abscheu gegen die Sozialdemokratie be- sonbers deshalb, weil sie auf die Unzufriedenheit der Menschen ausgeht. Wer die Leute unzufrieden macht, der macht sie zugleich unglücklich. Elend und Not gibt es immer auf Erden; wir müssen sie ertragen und überwinden können. Das ist aber nur möglich, wenn wir den Frieden im Herzen haben. Friede den Menschen, heißt es ja auch zu Weihnachten. Ein gutes Gewissen sichert den Frieden mit Gott unb den Frieben mit bem Schicksal. Wer sich ehrlich sagen kann: Ich tue nach besten Kräften meine Pflicht und Schulbigkeit auf bem Posten, auf den ich gestellt bin! — ber barf den Kopf frei erheben und den Menschen wie beit Geschicken ruhig ins Auge sehen. Er braucht sich keine Vorwürfe zu machen, daß er sich ober an- beten bas Glück verdorben habe. Er hat bas {einige getan unb ist zufrieben mit bem, was ihm beschieben tft. Besseres kann man keinem zum Jahreswechsel wünschen, als daß ihm fortan beschieben sei, mit ruhigem Gewissen zu arbeiten und zu schaffen auf seinem Posten, bis ihm bie Feierabendglocke läutet unb bas ewige Neujahr ankündigt.