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blatt. IttlCI* *** Mittw ) 2^. Dezember s9sZ.

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K. Wie muß man das Dienstmädchen versichern?

Anweisungen zur Zwangsversicherung am 1. Januar.

Tas soziale Werk der Dienstbotenversicherung tritt am 1. Januar in Kraft. Die Kosten der Versiche­rung hat mit zwei Drittel das Dienstmädchen, mit einem Drittel die Herrschaft zu tragen. Wir haben uns nun bemüht, aus den vielen Paragraphen des neuen Gesetzes das rein Praktische herauszuschälcn, also das, was jede Herrschaft und jeder Tienstbote unbedingt wissen mufc:

Die Anmeldung.

Jedes Dienstmädchen muh vom 1. Januar ab bei der Ortskrankenkasse versichert sein. Tie Anmel­dung geschieht auf dem Formular, das die Orts­krankenkasse ausgibt. Man muh sich also vor allem erst einmal ein solches Formular bei der Ortskranken­kasse holen.

Der ausgefüllte Anmeldeschein ist an die Kasse zurückzugeben, er kann auch durch die Post eingeschickt werden. Dabei ist jedoch zu be­merken, dah sich die Herrschaft strafbar macht, die drei Tage nach dem Eintritt des Dienstmädchens die An­meldung noch nicht vollzogen hat. Da das Gesetz am 1. Januar in Kraft tritt, muh also die Anmeldung bis zum 4. Januar erfolgt sein. Wenn die Kasse für den Anfang wohl auch nicht so genau aus den Tag sehen wird, kann doch schon sofort die Bestrafung eintreten. Sie beträgt bei vorsätzlicher Unterlassung der Anmeldung bis 300 Mark, bei fahrlässiger Un­terlassung bis 100 Mark Geldstrafe unter Nachzahlung sämtlicher Beiträge: dagegen tritt eine Haftbar- machung für den Schaden, wie das nach dem alten Gesetz der Fall war, nicht mehr ein.

Welche Beiträge sind zu zahlen?

Die Beiträge werden von der Krankenkasse bei der Herrschaft erhoben, und der Herrschaft bleibt cs überlassen, die pflichtmähigen zwei Drittel der Bei- iräge dem Dienstmädchen am Lohn abzusiehen. Der Berechnung der Beiträge liegen die Höhe des Lohnes und der Wert für Verköstigung und Wohnung zu­grunde. Der Magistrat der S t a d t F u l d a hat die „Durchschnittswerte der Naturalbezüge in der Ar­beiterversicherung" für diejenige Kategorie von Be­diensteten, die für die Dienstmädchen in Betracht kommen, wie folgt festgesetzt:

volle Tageskost tägl. 1,00 M., im Jahr 365 M. freie Wohnung 0,20 M., im Jahr 73 M.

1,20 M. 438 M.

Hierzu muh der Lohn geschlagen werden. Nimmt man den Lohn mit monatlich 16 Mark, dann beträgt die Tagesentlohnung des Dienstmädchens 1,72 Mk. Es sind zu zahlen bei einem Tageseinkommen bis 1,75 (Kl. I) ein Wochenbeitrag von 30 Pf., 1,76—2,25 Mark (Kl. II) ein Wochenbeitrag von 42 Pf. An Jnvalidenmarken, wovon das Dienstmädchen die Hälfte und die Herrschaft die Hälfte zu zahlen hat, sind zu kleben für Kl. I 24 Pf., für Kl. II 32 Pf. Auf die vorschristsmähige Verwendung der Marken ist genau zu achten, da sonst durch die Ergänzung der zu niedrig geklebten Marken unangenehme Schere­reien entstehen.

Während die Wirkung der Versicherung beim Dienstmädchen und der ständig bei derselben Herr­schaft tätigen Monatsfrau vom Tage des Dienst­antritts ohne weiteres in Kraft tritt, ist

die Versicherung der unständig Beschäftigten

anderen Bestimmungen unterworfen. Unständig Be­schäftigte sind solche Leute, die nicht nur bei einer Herrschaft .arbeiten; also Putzfrauen, Waschfrauen usw.. Sie müssen sich selbst zur Versicherung an­melden, die auch erst nach erfolgter Anmeldung wirk­sam wird; ihren Beitragsanteil haben sie selbst zu zahlen. Die Herrschaft ist also nur für ihre Dienst­mädchen zur Anmeldung verpflichtet, für unständig Beschäftigte dagegen nicht. Dafür soll die Po­lizei ein Auge auf sie haben, und sie eb ent. durch Mitteilung an die Orts­krankenkasse zur Anmeldung veran­lassen. Er wird also nicht von der Herrschaft er- hoben, da deren Anteil von der Gemeinde über­nommen wird.

Mehrere Herrschaften und ein Dienst­bote.

Es kommt nicht selten vor, dah eine Frau oder eilt Mädchen an mehreren Stellen tätig ist, z. B.

Der Sänger von Dreizehnlinden

Zu seinem 100. Geburtstag, 25. Dezember 1913. Von Therese Schwarze.

In dem kleinen Walddörfchen Ahlhausen wurde am 25 (nicht den 26., wie es öfters heißt) Dezember 1813 Friedrich Wilhelm Weber in der Sierfforfschen Försterei geboren. Wie ein junges Reis wuchs der kleine Friedel im Walde auf. Zu Hause, auf Vaters Knien sitzend, horchte der wißbe­gierige Knabe allerlei Erzählungen, die der Förster ihm, mit trockenem Humor gewürzt, an langen Win­terabenden erzählte. Die aber wohl am meisten die Lust zum Fabulieren in ihm weckte, war — wie auch beim jungen Goethe — seine Mutter. Webers Mut­ter hatte einen ausgesprochenen Sinn für Musik und Poesie und eine eigene Art, aus den lebhaften emp­fänglichen Geist des Knaben emzuwirken. In der Elementarschule holte er sich di; Grundlage des Wis­sens, mit 12 Jahren kam er nach Paderborn aufs Gymnasium, Er war bald einer der Besten. Die klassischen Sprachen und die deutsche Literatur be­schäftigten ihn ganz besonders. 1833 bestand Weber mit sehr gutem Erfolge die Reifeprüfung und bezog dann die Universität Greifswald. Vier Semester war er unschlüssig, ob et Medizin oder Philologie studieren sollte, doch dann entschloß er sich für Erstere. 1838 bestand er in Greisswalde die Doktor­prüfung. Tann lockte es ih.t, Schweden kennen zu lernen. Auf seinen Fußwanderungen lernte er Land, Leute und Sprache kennen und viele feinet „schwe­dischen Lieder" fanden dort ihre Entstehung. Im Winter 1839—40 bestand er in Berlin das Staats­examen. Nach einer Südlandreife ließ er sich dann 1842 in Driburg als Badearzt nieder. Dort war Weber fast 14 Jahre als Arzt tätig. Dieses Fleck­chen Erde war wohl danach angetan, einen Dichter zu begeistern. Eine reiche Praxis nannte er bald fein, und oft in feinem Berufsleben mußte der Dich­ter hinter Item Arzt zurückstehen. Nur hin und wieder fand er doch ein Ruheplätzchen, wo er sam­melte und ausschrieb. was ihn als Dichter bewegte. Weber war ein rechtes, echtes Kind seines Volkes. Treu blieb er sein Leben lang der Sitte und Art des Weftsalenlandes ergeben. Mit dem Volke redete er in seiner Mundart, »ruch das Derbe, das feinen Landsleuten anhaftete, war ihm eigen.

morgens als Monatsfrau bei der einen Herrfchast, am Nachmittag als Waschfrau bei einer anderen Fa­milie und abends zum Ladenpuhen in einer dritten Stelle. Hier fällt die Beitragspflicht der Herrschaft zur Last, bei der der Dienstbote überwiegend beschäf­tigt ist. Entstehen Zweifel, dann kommt das erste Beschästigungsverhältnis in Betracht. Auf Antrag de§ Arbeitgebers nimmt das Versicherungsamt die Verteilung der Beiträge vor; doch haften alle Arbeit­geber als Gesamtschuldner.

Befreiung von der Versicherungs­pflicht.

Auf Antrag des Arbeitgebers wird von der Ver- icherungSPflicht befreit, wer an ihn bei Erkrankung Rechtsanspruch auf eine Unterstützung hat, die den Leistungen der Kasse gleichwertig ist. Voraussetzung ist jedoch, daß 1) der Arbeitgeber die volle Unter« tühung auS eigenen Mitteln deckt, 2) seine LeistungS- ahigkeit sicher ist, 3) er den Antrag für seine sämt- lichen Dienstboten stellt, soweit sie durch Vertrag zur regelmäßigen Arbeit für mindestens zwei Wochen ver­pflichtet sind.

lieber den Antrag aus Befreiung entscheidet der Kassenvorstand. Die Befreiung wirft vom Eingang de§ Antrag? an. Wird der Antrag abgelehnt, so ent­scheidet auf Beschwerde da§ OherversicherungSamt endgültig.

Der Arbeitgeber muß also in diesem Falle alle Verpflichtungen, die die OrtSkraukenkasie den Dienst­boten gegenüber haben würde, übernehmen. Zn emp­fehlen ist aber eine derartige Maßnahme nicht, weil unter Umständen für die 26 Wochen lang, int Krank­heitsfälle alle Kosten von der Herrschaft zu bezahlen sind.

DaS sind so die wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes. Es ist dringend anzuraten, die An­meldung zur Kasse nicht zu vergesien und aus die Höbe deS Beitrag? zur Invalidenversicherung genau acht zu geben. Befolgt man alle? genau, dann ist die Arbeit nur gering, sonst aber wächst sie sich zu ärger­lichen Unannehmlichkeiten aus.

rm. Amottisation?- und Zins - 2. atlehen beide» h sskn.naffan.schkn Sparkassen. Auch Vie ^evtt-^nsti. tule, besonders die Sparkassen, können sehr vlel tun für die Tilgung der Schulden, die aut dem Grund- besitze ihres Täligkeitsbereiches lasten.^ Leidergibt e§ aber gerade bei den gemeinnützigen Sparkassen noch verhältnismäßig viele, d e fast ausschließlich das reine Zins.Tarlehkn pflegen, das Tilgungs-Darlehen aber ziemlich unbeachtet lasten, obschon sich. fler“öe eine Stelle böte, an der mit Ersolg daqin gearbeitet werden kann, die roirftchaftliche Lage des ost start verschuldeten Grund- und Hausbcsttzes zu Heden. Die Sparkassen sollten auch schon aus eigenem Interesse da? Amortisations-Darlehen bevorzugen, denn mtt jeder AmortstationZ - Rate verringert st^ doch auch da? Risiko, da? sie eingegangen sind. . ^ßte "otrocn. big die Mahnung an die Sparkassen ist, mehr da» Amortisations-Darlehen zu pflegen, zeigt eine Gegen Überstellung der Amortisatwns - Darlehen und reinen Zins-Darlehen bei einer Reihe deutscher sparfaffen. Für tue Sparkassen einer Reihe hessischer f^te er- oibt sich folgendes Bild: Es wurden gezahlt in Kastel 5 Amortisations-Darlehen und 17o Zins - Darlehen, Biebrich 104 Zins - Darlehen, Frank,urt o. > 161 Amortisation?- und 135 Zins.Darlehen, Fu da 6 und 615, Hanau 15 und 141, Marburg 2oO Amor- tisation?- und 392 Zins-Darlehen W'e man steht, sind in dieser Ausstellung nur zwei Sparkassen (Mar- bürg und Fianls.ut), die mit Bewutztsein das Amorlisalions - Darlehen pflegen, und es ivare zn wünschen, daß von den Sparkassen den Schuldnern in größerem Umfange nahegelegt wurde, mit der Ver­schuldung auch eine langsameEnlschuldungzu verbinden.

X Fahrgeld abgezählt entrichten ! Diese Menschen- freundliche Mahnung ist wohl nie so sehr im eigenen und fremden Interesse gelegen, als gerade um die Weihnachtszeit. Nichts kann an den Bagnho schaltern mehr aufhalten als das Geldwechseln bei Losung von Fahrkarten und mancher hat dabei schon r-en Zug versäumt. So lange nur wenige Leute am Schalter sind, aeht es noch, wenn sich's aber, rote eben an Weihnachten, an den Schaltern staut, dann ist es ost zum Verzweifeln, es hält einer den anderen auf und es kommt vor, daß in der Hast das ganze Geld am Boden liegt und verloren geht usw. Davor kann sich jeder schützen, wenn er in Ruhe fein Fahrgeld abzählt und bereithält, bevor er noch an den Schalter tritt. D.r Fahrpreis kann aus den Preistafeln, die iin Bahn- hofSvorraum angebracht sind ober aus dem Taschen­fahrplan der ,Fuldaer Zeitung, ersehen werden.

s. DaS ,Postblatt'. Zu Anfang Januar 1914 erscheint eine neue Nummer des /Postblattes, dcw eine Beilage zum.Reichsanzeiger' bildet, aber auch für sich bezogen werden kann. Im -Postblatt, das im ReichSpostamt zusammengestellt wird, sind d e wichtigsten Versendungsbedivgungen und Tarife sur Postsendungen aller Art sowie für Telegramme ent- ballen. Der Bezugspreis des ,Postvlattes betragt für bas ganze Jahr 40 Pfg., für dw einzelne Nummer 10 Pfg. Bestellungen werden von den Postanstalten entgegenqenoinmen. -. .

Vl Schöffengericht. Ein ko st s p i e l i g er St sc­hied war es, den der 21jährige Dienstknecht W. G. von Weikardshof dem Schreiner A. M. von Hof- bieber am 26. Sept, abends ipat versetzte. Die gefährliche Körperverletzung muß er mtt 15 Mark Geldstrafe büßen. - Der 28 jährige G-legeuhe ts- arbeitet A. D. von Kerzell, der schon viele Vorstrasen hat, stand wegen Betrug vor Gericht. Er sollte für 5 Mark Kleie einkaufen, behielt das Geld ,edoch ür sich, machte es feucht und verließ den Dienst. I Lange Zeit hielt er sich verborgen. Für den Betrug I wird D. zu einer Woche Gefängnis verurteilt.

Recht ungebührlich benahm sich ges^rn. die Ehefrau des Arbeiters P. R. hier vor dem Schöffen- I geeicht, in dem sie dem Gericht in ungezogen Worten I Larteilichkeit vorwarf. Dafür wurde sie mit «wer

Ordnungsstrafe von 5 Mark bestraft.

= Viel Geld gekostet hat den 25iahngen Fabrik- I arbeitet I. Sch. von hier die Autosahrt, die et I am 20. September in feuchtfröhlicher Stimmung unternahm. Nach dem gestrigen Schöffengerichl^urtett kann er sich jetzt den Schaden in fein t ganzen Große besehen. Das Fahr geld, um dessentroillen Sch. d^ matS dem Chauffeur dutchgegangen war, belief sich auf 15,50 Mark. Als er durch den Schutzmann £. I ermittelt und zur Zahlung ermahnt wurde, geriet I Sch. in die Hitze und beleidigte den Schutzmann auf bas Gröblichste. Später bedrohte Sch. nicht nur feinen I eigenen Vater, sondern auch den Beamten mtt einer Jrt, auch verübte er auf bet Straße noch großen Radau. Wegen letzterer Uebertretung hatte L-ch. ent I polizeiliches Strafmandat über 12 Mark er­halten. Gestern hatte sich der nette Fahrgast nun wegen Beleidigung und Bedrohung des Schutzmanns I T. zu verantworten. Mit Rücksicht darauf, daß der I Angeklagte noch nicht vorbestraft und an jenem Tage I stark bezecht war, wurde von einet Haftstrafe abge- I sehen und auf eine Geldstrafe von 18 Mark er» taUm Sprachliche Extrakt-Entwicklung. Aus einem I ..Statut gegen SB tunftattuna' h it man hier, rote in I eet letzten Ctadiocrordnetensitzung gerügt wurde, em I ..Verunstallungsstatut* gemacht. Das Streben "ach I Kürze Hal da zum mindesten ein komisches Plißver- ständniS in nächste Nähe gerückt. An solchen Ab- I türjungen auf Kosten einer klaren Wortbildung fehlt I es heutzutage auch sonst, nicht. In den Anzeigen I einer Berliner Zeitung stand küriltch: „Gesucht ein I Starkstromdirektor. . .* Ein Mitarbeiter des I „Türmer" macht dazu folgenbe Glosse: Wir hallen | ui den Physikoorlesungen einen Prolestor, der I nannte den jungen Mann, der ihm in den Cxperi- I menten, aus der Wärmelehre hals, ganz ernsthaft | seinen Wärme-Assistenten. Das steckte an: nur I «prachen von unserem elektrischen Kollegenheft uns eer magnetischen Prüfung. Soviel ich weiß, hat aus; oet alte GaSanstaltsbirektor schon lange dem konzei^ I Werterer GaSoireklor weichen müssen. Es sollte mich I -sicht wundern, wenn wir demnächst ® a sbu ck h a l ter I und Wassersekretäre dazu bekämen. Vielleicht I ^elst auch schon der Schroachllromdirektor vor der Türe. Unv wie lange wird es dauern, bis die Stadl- I oerroaltungen endlich ihren Schiieechei und ihren

Llchtreferendar ernennen?

(*) Ein Promenadenkonzert be§ Trompeierkorps I unseres Feldartillerie-RegimentS findet morgeri vor­mittags 1 »11 Uhr bet günstiger Witterung im >schlotz' «arten statt. ~ .

= «Inf da? Weihnachtskonzert b'5 Trompeterkorps I beS Felkarlillerie-Reüimenis Nr. 47, das unter Leitung I deS Herrn Odermusiliueisters Sanbou am 1. Lwihnachi-- teienage, aben68 8 Uhr, im Stactfaale staUsmoel, machen wir mich an dieser Stelle d'itrnttfiam.

= Im Jägerhaus Bronnzell hält am 2. Feiertag der Kraflsporilluv „Germania" feine Weihnachtsfeier, ve- stedend in Theater, Verlosung und Tanz. Wenn dav I schöne Winterweiter anhält, dürfte der Verein zahlre.qen I Besuch erhallen, zumal ein letzter Zug 9.06 Uhr ve- J antragt ist.

Feier. — Größeren Umfang hatte die nm 5 Uhr be» I ginnende Weihnachtsfeier nn städtischen Waifcn- hause und Hl. Geist-Hospilast, an der eben- falls der Herr Oberbürgermeister teilnahm. Ta? Christkind hatte hier besonders auf die Wunsche der einzelnen großen und kleinen Kinder Ruckswht gc- I nommen. Es wurde ein größeres WerhnachlSspicl aufgeiührt, Gedichte vorgetragen und schöne Weih- nachlSIiedcr beim Glanze des Weihnachtsbaumes auS I dankbarem Herzen gesungen. — Auch im neueingerich- teten Kinderhort war daS Christkind vor einigen Tagen bereits eingekehrt und vertnlte paffende Gaben.

*»* Akademischer Donifatiusverem. In der Aula des Priesterseminars.fanb gestern nachmittag eine außerordentliche Versammlung deS Akademischen BouifatiuSvcreinS Fulda statt, die den Zweck hatte, unter der hiesigen Laienstudentenschaft für die Ziele des Akademischen BoiiifatiuSvereins zu werben. Es I waren Einladungen an alle jetzt in Ferien weilenden katholischen aktiven Laien-Studenien Fuldas ergan­gen, soweit man bereit Namen kannte und soweit man I ein Jntereffe für die „reS Bonifatiana" bei ihnen Voraussehen konnte. Ein Gutleil der Geladenen war erfreulicherweise auch der Einladung gefolgt. Außer­dem halten sich eingefunben der Hochwürdigste Herr Bischof, zwei Herren vom Domkapitel, sämtliche Pro- tfforen des PriesterseminarS und eine stattliche Zahl von Geistlichen und Laien FuldaS und der Umgegend. Der Generalsekretär deS Akademischen Bonifatius- vereins, Herr Tr. theol. et rer. pol. Wetnand in Paderborn, hatte eS sich nicht nehmen lassen, zu dieser wichtigen Veranstaltung persönlich zu erscheinen und die Festrede zu übernehmen. Er sprach über die Lage der kath. Kirche in Deutschland und über die Ausgaben deS Akademi- chen Bonifatius Vereins ihr gegen- über An der Hand der neuesten reichsamtlichen wie privatwissenschastlichen Statistiken entrollte der Redner ein hochinteressantes Bild von der Eheswfte- ftungs- und Geburtenbewegung rm katholischen Deutschland, von den vielfach so betrübenden Ein- chuliingsverhältnissen der katholischen Kinder, von den wahrhaft erschreckenden Verlusten der katholischen Kirche in Deutschland, in der Diaspora und durch die Mischehen. Seine Worte, denen man die größte Zu­hörerschaft aus allen katholischen Kreisen hätte wün» chen mögen, klangen aus in eine warme Empfehlung des BonifatinSvereins überhaupt und des Akademr- chen BonifatinSvereins im besonderen, der durch Ge­bet und tatkräftige Arbeit diese höchst betrübenden Wunden am Körper der katholischen Kirche Deutsch­lands zu heilen sucht und auch der akademischen ka­tholischen Jugend ein Hort der Religion und Gefik- tung sein will. Der Hochwürdig st e Herr B i- s ch o f sprach seine große Freude auS über die erfreu­liche Teilnahme von katholischen Saienftubentcn an der heutigen Akademie und mahnte in warmen Wor­ten, auS den Darlegungen des Vorredners, die eine um so eindringlichere Sprache redeten, je zahlenmäßi­ger sie waren, die nötigen Folgerungen zu ziehen, insbesondere durch den Beitritt zum Akademischen BontfatiuSverein. Chor und Orchester haben ihr Bestes getan, um dieser bedeutsamen Versammlung auch äußerlich ein glanzvolles Gepräge zu geben. Das Orchester spielte den Räküezg-Marsch und daS Alle- gretto aus der Sonate Op. 27 von Beethoven, der Chor fang das Morgenlied von Rietz und den Festgesang von Franz Liszt. Die Begrüßungs­ansprache hielt der derzeitige Präsident des Akademi­schen BonifatinSvereins, Herr Diakon Martin Böhne.

-4- DaS ObrrverwaltungSgericht, die höchste In­stanz im Verwaliungssireitverfahren, beschäftigte ein Rechtsstreit, der sich um die Veranlagung deS Bischöflichen Stuhles zur Gemeindegebäude, steuer für das Bischöfliche Gymnasialkonvikt in Fulda drehte. Der Bischöfliche Stuhl beantragte Freistellung von der Steuer, weil unter Berück- sichtigung ‘bet jetzigen Hausordnung das Konvikt .kirchliche Zwecke' i. S. des § 24 des Kommunal- abgabengesetzes verfolge. Der Bezirksausschuß zu Kassel hielt den Nachweis nicht für erbracht, daß da? Konvikt kirchliche Zwecke verfolge. Der Bischöflich Stuhl legte gegen da« Urteil Revision ein, der jedosi der 8. Senat des OberverroaltungSgerichtS den Erfolo versagte. — Ruch in einem anderen Rechtsstreit, in dem die Bischöfliche Behörde ihre Freistellung von der GebSudesteuer anstrebte, zu der sie für die Dienst­wohnungen zweier Dechanten und dreier Kapitulare herongezogen war, erkannte der Senat zu ungunsten deS Bischöflichen Stuhles.

kskaler.

Fulda, 24. Dezember 1913.

# Perftnalie». Dem Bürgermeister Fischer zu Schlotzau im Kreise Hünfeld wurde das Allge- In eine Ehrenzeichen verliehen.

(!) Der Meih««chtr»Se>d ist wieder einmal heran- gekommen. Schneeflocken flattern in der Luft. Schon spitzen sich die Kinberohren auf jedes Geräusch, d«S vielleicht da» nahende Christkind verraten könnte. O, wie süß ist diese Ungetzuld! Wie freut sich da» Glternherz, wenn die Spannung sich dann unter dem Weihnachtsbaume in reines Entzücken verwandelt! Eine glückstrahlende Kinderschar am Weihnacht?- abend, — ja, da kann man's verstehen, daß Geben selig macht. Ein mürrisches, nut notgedrungenes Geben ist ein trübseliges Ding. Zum fröhlichen WeihnachtSseste stimmt nur ein fröhliches Schen­ken. Heilige Freude muß daS Zeichen fein, in dem die WeihnachtStage stehen. Diese Freude wünschen wir all' unseren Lesern von Herzen.

£< Christmetten. In der bevorstehenden Christnacht wird in unseren Kirchen die übliche feierliche Mette in althergebrachter Weise stattfinden. In der FranziS- kanerkirche aus dem Frauenberge wird die Christ, wette um 4 Uhr vor der große Krippe abgehalten, nachdem die feierliche Matutin um 1/t 3 Uhr voraus- gegangen ist. Jrn Dome, in der Stadtpfarr« tirche, der Michaelskirche ist die Christmette ebenfalls um 4 Uhr, in der Severikirche und Nonnenkirche um 5 Uhr und in der Pfarr. kitche zum hl. Geist früh um 6 Uhr.

V Tom. Morgen am hohen Weihnachtsfeste singt der Chor beim Bischöflichen Amte im Dom die Missa in honorem 8. Laurentii für vierstimmigen Mannerchor von Joh. Müller, daS Credo auS etr Missale Cruce von Mitterer.

Die Christbefcherung in der städtischen Kleinkinder-Bewahranstalt fand gestern nach- mittag um 4 Uhr im Mutterhause der Barmherzigen Schwestern statt. Hierzu hatte sich auch Oberbürger, meister Dr. Antoni eingefunden. Unter dem mäk­ligen Lichterbaume waren auf langen Tischen die Gaben des Christkindes aufgelegt, bei deren Vertei­lung die Kleinen in Freude und Jubel ausbrachen. Ueber 110 Kinder konnten, dank der reichen Spenden von Wohltätern, fast vollständig neu gekleidet werden. Mit einem WeihnachtSliedchen schloß die gemütvolle

Weber war eine hohe, imposante Erscheinung. Meist sah man ihn auf feinem historischen Schimmel in strammer Haltung auf die Landpraxis retten. Seine dunklen, großen Augen, von tfenen man nie wußte, ob sie grau, braun ober blau waren, schaute» meist grab aus in die Ferne. Unter seinem weißen Zylinder quollen tiefschwarze Haare hervor.

In Altenbeken lernte er die Tochter eines höhe­ren Bergbeamten kennen — A.ina GiPPerich, mit der er sich bald daraus, 1850, vermählte. Sie war ein Naturkind wie Weber selbst, sie hatte ihre Jugend in den sauerländischen Bergen in Brilon und Me­schede verlebt. Die junge, lebenslustige Frau machte ihm fein Heim traulich und behaglich. SDtit großer Liebe und Hingebung Paßte sie sich feiner Denkweise und seinen Gewohnheiten an. Sie schenfte ihm zwei Kinder, Liese und Friedemann. Der Sohn wählte später den Beruf des Vaters und ist zurzeit Militär­arzt in Hannover. 1850 wurde Weber als Badearzt nach Lippfpringe berufen, wo er bis 1865 alljährlich die Sommermonate verlebte.

Das reiche und volle Vertrauen feiner Lands­leute int Wahlkreise Warburg-Höxter Berief Weber im Jahre 1861 in das preußische Abgeordnetenhaus. Er trat der katholischen Fraktion bei. Als Redner trat er nie besonders hervor, die sttlle Tätigkeit in den Kommissionen sagte ihm mehr zu. 1865 gab er feine Stelle als Badearzt in Lippfpringe am und zog sich 1867 in die ländliche Einsamkeit auf Schloß Thieithausen bei Steinheim zurück, das der ihm be­freundete Freiherr ®uibo von Haxthausen ihm als Wohnsitz angeboten hatte. In dem dunklen Tnrm- zimmer brannte bis tief in die Nacht hinein die Lampe, bei der der Dichter seine vcrSftubien zu „Dreizehnlinden" machte. 1878 erschien das Werk endlich nach vieljäbriger Arbeit im Druck, und damit war Weber, der bisher als Dichter noch gar nicht an die Orffentlichkeit getreten war, über Nacht ein berühmter Mann. 1880 wurde Weber auf Vor­schlag deS Professors Stork hin, der „Dreizehnlinden" in seiner ganzen Bedeutung erkannt hatte, von der Akademie zu Münster zum' Dr. Phil, honoris causa ernannt. 1886 feierte er unter großer Beteiligung fein silbernes Abgeordneten-Jubiläum und 1888 feine goldene Jubelfeier als Doktor der Medizin. Bei dieser Gelegenhett wurde ihm dkr Charakter „Geheimer Sanitätsrat" beigelegt. Zugleich wurde

er vom Papst zum Ritter des Gregorinsordens er­nannt. Seine Wasserburg Thienhausen hatte er in­zwischen mit einem rosenumrankten Landsitz bei Nie­heim vertauscht. Noch jetzt wird das grünumtoobene «Dichterheim am Fuße des waldbekränzten Holster- bergeS von der Tochter des Dichters bewohnt.

1893 legte Weber feine Abgeordnetenwürde und -bürde nieder. Im Spätherbst wurde er von einer tückischen Influenza heimgesucht, so daß alles mit Sorge auf das Weihnachtsfest blickte, an dem der Greis feinen 80. Geburtstag feiern sollte. Doch blieb .feine alte Westsalennatur noch einmal Sieger, und zu feinem Wiegenfeste wurden ihm die innigsten und begeistertsten Huldigungen zu Füßen gelegt. Es war die letzte Ovation, die man dem lebenden Dichter darbrachte.

In den ersten Frühlingstagen, am 5. April 1894 schied Friedrich Weber still und friedlich aus dem Leben. In Nieheim fand er feine letzte Ruhestätte, an der eine zahlreiche Menschenmenge um den teuren Verschiedenen weinte.

Es ist eigentlich merkwürdig, daß Weber erst als fast ergrauter Mann mit' größeren Werken vor die große Welt trat. Sein reiches Arbeitsfeld als Arzt ließ ihm aber auch wohl kaum Zeit, seiner Dkuse zu leben. Reich und bewegt war fein Leben, reich an Würden und an Ehren, reich an Mühen, Sorgen und Arbeit, aber auch reich an unvergänglichen Dichtungen, die fein nimmermüder Geist geschaffen. Unter den letzteren seien noch erwähnt die Uebcr- fetznng von TenhsonS Enoch Arden, ferner Gedichte, Schwedische Lieder, Marienblumen. Goliath und Vater unser. Goliath war deS Dichters Schwanen- Äg; mit diesem Werke schloß seine poetische iahn ab. Auch in diesem Werke zeigte sich Weber als vollendeter Meister und Beherrscher der Sprache. Sein liederreicher Mund ist nun ver­stummt, aber in seinen Dichtungen wird ei toeiter fortleben, aus ihnen spricht der echte, treue Westfale. Die nachfolgenden Geschlechter werden,sich wieder erquicken und erfreuen an den vollen Klängen seiner herrlichen, herz-rfrifchenden, echt deutschen, sinnigen Weisen.