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enmctm «gllch mit flusnebme 6er Sonn- und Feiertage, viertel. I - - Wochen-Veilage: s s f s - Monakr-VeNage: 5 s

I Sonntagsreifung | ZutSaer Seschichf-btüffer

e r SMtboer fictienbrudterel in Sulöa. Zernsprecher Nr. S. - - s Ziehungslisten der preußisch-Mdeutschen Ktaflen-Cotterie. — tzoldjährlich Laschenfahrplan. c

Nr. 297. Crstes Blatt. Mittwoch den 24. Dezember 1913.

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40. Zahrgang.

DE" Wegen bei hl. WeihnachtsfesteS wird die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Samstag ausgsgeben.

f Das göttliche Stint»

unv wir Erdeukinder.

Höh' und heuchlerisch war das moderne Schlag­wort vom „Jahrhundert des Kindes". Die Zeit- strömung, die sich dieses Etikett anhä.igen wollte, entbehrte durchaus des kindlichen Sinnes und der Kinderliebe. Aber wo das C h r i st e n t u m gilt und wirkt, da kann man mit Recht vom Jahrhundert des Kindes sprechen. Deren sind nun schon 19 ver­flossen, seit das göttliche Kind zu Bethlehem auf die Welt kam. An der Krippe lernen alle treuen Christen den Wert und die Würde des Kindes empfinden, und aus der heiligen Kinderstube von Bethlehem und Nazareth schallt immerfort das Wort in die Welt: Lasset die Kindlein zu mir komnien . . . Wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein. ....

Wenn das Wort Fleisch werden sollte, so hätte der Allmächtige zur Verwirklichung seines erlösenden Rat­schlusses auch einen Weg wählen können, der dem Gottmenschen die Schwächen und Mängel der zarten Kindheit, die Geduldprobe des langsamen Wachstums erspart hätte. Aber der Ewige wollte das größte Wunder seiner Liebe, die Menschwerdung seines Soh­nes zur vollständigen und rückhaltlosen Durchführung bringen. Nichts menschliches sollte ihm fremd bleiben außer der Sünde. Er wurde als hilfwses Kind ge­boren, wie wir alle geboren worden sind, und dem Tode, der Wiedertrennung der Seele vom geschwäch­ten Körper, ging er ebenso entgegen, wie wir alle. Zwischen der Krippe und dem Kreuzesholz hat er den gemischten Becher des menschlichen Wachsens, Wirkens und Ringens ausgekostet, wie es uns gewöhnlichen Adamskindern beschieden ist.

Unserm natürlichen Gefühl würde etwas abaehen, wenn wir nicht den Erlöser als zartes Kind beschauen und lieben könnten. Den erhabenen Lehrer und Wohltäter begleiten wir mit Bewunderung durch die Gauen Israels; in der Karwoche erfüllen uns Schauer des Mitleids, zu Ostern blicken wir in geudiger Verehrung empor zu dem Sieger über ünde und Tod. Zu Weihnachten aber beseelt unS das Gefühl einer reinen Zärtlichkeit, einer ver­traulichen Annäherung, als ob die hemmenden Schranken der Erhabenheit gefallen wären _ Als ob uns der Himmel ein Brüderchen geschenkt hätte, das wir betreuen sollen. Wie mancher denkt da an das Bild vom hl. Antonius, der das Christkindchen in seinen Armen hält! Und wer das Bild nicht kennt, der spürt doch in seinem einfältigen Herzen den Wunsch- Ach, wenn ich das liebe Kind auf meinen Arm nehmen und an mein Herz drücken könnte!

Da Weihnachten das Fest des Kindes ist, so müßte sich natürlich die häusliche Feier reich und schön entwickeln. Die Krippe von Bethlehem gehört nicht bloß in die Kirche, sondern auch in das Familienheim. Um das Christkind scharen sich die Kinder des Hauses, -die Großen sehen freudig darein, denn sie sich'er. sich getröstet in ihren Mühen und Sorgen, gehoben in ehren Hofsnungen, geehrt und geheiligt in ihrem elter­lichen Beruf, den sie mit der Mutter und -dem Pflege­vater des Herrn teilen. Das weltliche Beiwerk will manchmal die häusliche Feier überwuchern; doch wo der Glaube nicht ganz erstorben ist, da bleibt doch der erbauliche Kern. Erbaulich für die Kleinen, die im Hinblick auf das göttliche Kind ahnen, warum und wozu sie in das menschliche Leben hineinwachsen. Erbaulich für die Eltern, die wieder erkennen, daß die beste Himmelsgabe das Kind ist und das seligste Erdenglück der Kindesliebe, mag sie auch mit Schweiß und Leid durchtränkt sein. Welch' ein Heil wäre es, gerade unter den Irrungen und Wirren der modernen

Das Verlorene Kind.

9] Roman von Marie Lescot.

Am folgenden Sonntag kehrte der Pfarrer denn auch zu seiner Gemeinde zurück. Kaum hatte er das Dorf betreten, als sich auch schon die verschiedenen Weiber um ihn versammelten, ihm die ganze Neuig­keit mitzuteilen. Er lieh sich nack dem Hause des Waldhüter! führen, Kino und Hund wurden ihm gezeigt. Der Pfarrer gab in merklicher Bewegung seine Meinung kund.

„Die Eltern suchen? Wo findet man dieselben? Hat irgend jemand von euch auch nur die entfern­teste Ahnung, aus welcher Weltgeaen das Kind ge­kommen? Die Straße, welche an Nennh vorbeiführt, zweigt sich zwei Kilometer von hier in dreierlei Rich­tungen ab; in welcher derselben soll man der Spur des Kindes folgen? Zu dieser herbstlichen Jahres- zeit sind die Heerstraßen oftmals von Zigeunern und Wegelagerern aller Art übervölkert. Sie ziehen hinauf in die Berge, wo sich keine anderen Menschen aufhalten. Fast unmöglich erscheint es mir, die richtige Fährte zu finden. lleberdieS wißt ihr, daß jene Leute, welche gleich Heiden leben, für Familienbande kein Verständnis haben. Die Männer besitzen mehrere Frauen, die Frauen mehrere Männer. Die Kinder, welche geboren werden, gehören dem König und der Königin des Stammes; es würde sich vielleicht nie­mand finden, der sagen würde, wer der Vater oder die Mutter des Kindes sei; alle diese Wegelagerer könnten das Kind möglicherweise als da§ ihre tn An- spruch nehmen wollen, haben sie ja doch nie genug solcher Kinder, welche ihnen zum Broterwerb dienen, indem sie zum Betteln abgerichtet oder an Seiltänzer verkauft werden. Nebstbei," fuhr der Priester fort- „ist noch ein Punkt in Erwägung zu ziehen. Der atme Kleine ist sicherlich der Wohltat der heiligen Taufe nicht teilhaftig geworden; sollen wir die Seele, wcklche die Vorsehung unS zugeführt, wieder dem Verderben anhenngeben? Sollen wir es schlechten Beispielen überlaflen, während eS hier im Dorfe,

Zeit, wenn von der Krippe des Chriftkindchens aus sich wieder der echte, rechte christliche Familiensinn mit der opferfreudigen Kindesliebe neu belebte! —

Daß der Heiand der Welt als hilfloses Kind auf die Erde gekommen und erst im Laufe langer Jahre durch alle Schwächen und Fährnisse der Jugend hin­durch zum wirkenden Mann emporgewachsen ist, gibt uns auch Klärung und Trost bei dem Hinblick auf die Geschicke der Kirche. Der Allmächtige hätte Mittel und Wege gehabt, um die Kirche Christi alsbald in weltbeschattender Größe entstehen zu lassen. Aber er wählte den Weg des allmächtigen Wachsens und klei­nen Keime. Auch die Kirche auf Erden begann ihr Dasein als zartes Kind. Und wie der Erlöser von der Flucht nach Aegypten bis zum Kreuzeswde hin fort­während der Unverstand und die Bosheit der Welt verfolgt har, so hat. auch die Kirche in ihrem An­wachsen fortwährend zu leiden und zu ringen. Hem­mungen, Störungen und Rückschläge finden sich auch bei dem Werdeprozeß der Weltkirche, die zwar unter übernatürlichem Schutz steht, aber doch von den na­türlichen. vielfach sich widerstrebenden und verwirren­den Kräften der Menschengehirne und Menschenhände beeinflußt wird. Es währte dreißig Jahre, bis das Kind von Bethlehem zum Lehrer seines Volkes heran­gewachsen war. Wer weiß, wieviel Jahrhunderte oder Jahrtausende im Weltenplane vorgesehen sind, bis die Kirche Gottes so weit gewachsen und erstarkt ist, daß sie überall auf der ganzen Erde als Lehre- rin und Hirttn das Erlöserwerk vollenden kann, das mit der Geburt des Christkindchens -int Stalle zu Bethlehem seinen Anfang nahm? Wir können nicht in die Zukunft blicken, aber wir sollen in der G e g e n- w art unfern Mann stellen. Die Kirche Gottes ist auch ein heranwachsendes, vielgefährdetes und der- folgtes Kind, dem Sorge und Hilfe not tut. Jeder brave Christ kann da mitwirken, vor allem die Eltern durch eine gute Erziehung des Nachwuchses.

Weihnachten macht die Herzen warm und liebevoll. Die rechte Liebe ist tatkräftig, geduldig, opferwillig.

= Die deutsche Militärmifsion.

Stach Ansicht gewisier Leute ist es eine unverzeih­liche Unverschämtheit von Deutschland, daß- es den Türken auf deren Ersuchen eine Mrlitärmis- ion gestellt hat, und zwar unter Bedingungen, die den Erfolg dieser Mission sichern müsien. Darum ein großer Lärm. Ten Zweck, die deutsche Militär­mission wieder zu beseitigen, wird er aber nicht er reichen.

Selbst der stolzeste Osmane hatte emgesehen, daß es in der Türkei mit dem alten Schlendrian nicht weitergehen konnte. Den deutschen Instrukteuren mußten ganz andere Befugnisse eingeraumt werden als sie unter dem verrotteten Absolutismus eines Abdul Hamid und dann auch in der Blütezeit der jungtürkischen Herrschaft gehabt hatten, Nach den Lchren des Balkankrieges war man in der Türkei --- durch Schaden wird man klug — einsichtig genug, den deutschen Reformern unbeschränkte Befugniffe, vor allem eine umfassende Kommandogewalt zu er­teilen. Nur unter dieser Voraussetzung waren die Deutschen überhaupt zu bekommen.

Dem Vernehmen nach handelt es sich im ganzen um 32 deutsche Offiziere, Militärärzte und Jnten- danturbeamte, die in türkische Dienste treten. Davon sind 21 bereits von früher her im türkischen Heer tätig, 8 sind am 14. Dezember mit dem General- leutnant Liman v. Sanders an der Spitze in Kon- stanttnopel eingetroffen. Liman v. Sanders erhielt oen Rang eines türkischen Generalleutnants erster Klasse und das tatsächliche Kommando des ersten Ar­meekorps in Konstantinopel mit unbeschräntten Machtbefugnissen eines Korpskommandeurs.

Kaum war auch nur die Absicht der Türket ruch­bar geworden, die Armeereform von Deutschen be­

von braven Leuten umgeben, ein ehrlicher Mensch und ein guter Christ werden kann?"

Die Glocken, welche zur Mesie riefen, unterbrachen die Rede des Priesters, welche er übrigens kurze Zeit darauf auf der Kanzel fortsetzte, indem et zum Text seiner Predigt die Worte Christi wählte: „Was Ihr I dem Geringsten unter Euch tut, das habt Ihr mir getan."

Er fügte hinzu, daß es nicht großmütig wäre, das biedere Ehepaar mit der ganzen Last der Berantwor- tung zu überbürden, und daß im Falle der Not er, der Pfarrer selbst, bereit fei, Almosen für da- ver­lassene Waisenkind zu erbitten.

Als er die Kanzel verließ, hatte er den Sieg über die Herzen davongetragen. Die endgülttge Adoption von Tinttn und Tantan durch die gesamte Bewohner- schäft von Nennh lei bois wurde zur Tatsache.

V.

Eine ernste Frage blieb noch in der Schwebe — die Taufe. Allem Anscheine nach hatte das Kind, der Findling, dieses erste der Sakramente nicht emp- fangen: aber der Name „Tinttn" > bem Priester doch zu denken; er hielt denselben für eine katholische Bezeichnung, für eine Abkürzung des Namens Augu­stin. Er wollte seinen Bischof bezüglich einer zweiten Taufe zu Rate ziehen und bemühte sich inzwischen, eine red}t gute Patin für daS Kind ausfindig zu machen. *

Das Schloß Nennh les bois lag etwa einen Kilo­meter außerhalb des Dorfes; es war von einer jun­gen, schönen Frau bewohnt, welche die Leute nur „unsere Frau Gräfin", ihre Freunde aber „die kleine Berta" nannten, während ihr Gatte sie stets „mein liebes Kind" rief; diese letztere Bezeichnung paßte eigentlich am allerbesten für sie, denn ein Kind war sie immer gewesen, blieb sie auch jetzt noch, obschon sie nahe an ihrem dreißigsten Lebensjahr stand

Don Geburt Pariserin, in Geschmack und Gewöhn, heit nicht minder, hatte die Gräfin Berta von Nennh, stets in einer Atmosphäre des LuxuS, der Freude und Eleganz lebend, kaum gewußt, "daß eS auf Erden auch Menschen geben timne, die weder glücklich noch reich waren.

I sorgen zu lasten, da ging der Lärm loS. In geradezu unglaublicher Weise wurde in der französischen und russischen Presse gegen Deutschland gehetzt und ge­schimpft. Blätter wie „Matin", „Temps" und „No- tooje Dremja" überkollerten sich förmlich in ihrem Deutschenhaß. Das genannte russische Blatt leistete sich sogar den großartigen Satz, Deutschland wolle die Türkei zu einer deutschen Provinz machen. Es ist zum Lachen, unb man hätte auch mit Lachen diese Skribifaxe ihre Wut austoben lasten können, wenn man nicht wüßte, daß leider diese Verleumdun­gen Deutschlands auf fruchtbaren Boden fallen und wenn nicht leider ein diplomatischer Schritt des Drei­verbandes sich an diesen Verleumdungsfeldziig ange­knüpft hätte. Bekanntlich machte am 13. Dezember, einen Tag vor der Ankunft der deutschen Militär- mission, der englische, russische und französische Bot­schafter dem Großwesir einen offiziellen Pesuch und fragten wegen der Befugnisse der deutschen Offiziere an. Ter Großwesir beantwortete die erste Anfrage, ob die Dardanellen und der Bosporus unter das | Kommando des Chefs der deutschen Mission gestellt ' würden, mit einem glatten Nein. Die zweite An­frage, ob durch die Anstellung der deutschen Mili­tärmission die polittsche Unabhängigkeit der Türkei nicht in irgendeiner Weise beeinträchtigt würde, wurde vom Großwesir ernst und würdig dahin be- antwortet, er könne, da dieser Teil der "Frage eine innere Angelegenheit der Türkei berühre, deren Un­abhängigkeit über jede Erwägung erhaben fei, au: diesen Punkt keine Antwort erteilen.

Keine Antwort ist mitunter auch eine, und die Herren Botschafter des Dreiverbandes zogen mit lan­gen Gesichtern ab. Das Echo des türkischen Bescheides war eine verstärkte Hetze in der französischen und russischen Presse, während die englische sich an­erkennenswerter Weise diesmal durchaus zurückge- Sten hat. Daß Rußland keine militärische Er- :htng der Türkei wünscht, kann nicht überraschen, ebensowenig, daß man in Frankreich aus Liebe­dienerei gegen Rußland und au8 Haß gegen Deutsch­land die Türkei unfteundlich behandelt. Aber allen russischen Wünschen kann Frankreich doch nicht nach­kommen. Rußland verlangte von Frankreich einmal, zweimal und noch einmal die finanzielle Bo h- fottierung der Türkei. Frankreich redete sich den Rnsien gegenüber, damit aus, daß die Erfüllung des rusttschen Wunsches unmöglich wäre, da deutsche Banken der Türkei Gelder jur Verfügung stellen würden, wenn Frankreich die Taschen zuhielte. Man hat Gründe für die Annahme, daß das nur ein Vor­wand war Jetzt fällt die Maske. Frankreich hat für sich einige wertvolle Zuge st änd niffe politischer und wirtschaftlicher Nattir von der Türkei erwirkt, wofür die Türkei als Gegenleistung von Frankreich Geld' bekommt und die französische Re­gierung die Zulastung eitler neuen großen Türken­anleihe an der Pariser Börse genehmigt. Herr Cail- laux hat halbamtlich mitteilen lasten, daß die russische unb bie serbische Anleihe schon von dem Kabinett seines Vorgängers, beS Herrn Barthou, zugestanben worden sei. und ba? jetzige Kabinett die von Barthou übernommene Verpflichtung einhalten wolle. Damit rechtfertigte er sich vor den Politikern seines eigenen Landes, bie bis auf weiteres überhaupt von ber Ge­währung neuer AuSlanbsanleihen warnen. Wie aber wird er bie Abmachungen mit der Türkei den Rusten plausibel zu machen suchen?

Rußland hat einmal toieber falsch spekuliert, es allein geht leer auS. Wie Frankreich hat auch E n g- l a n b fein Schäfchen ins Trockene gebracht. Wie für bie Reform des Landheeres eine deutsche Mission wirken soll, so wirkt nämlich für die Reform der tür­kischen Flotte bereits eine englische Marine- Mission mit dem Admiral Lympus an der Spitze, dem gleichfalls unbeschränkte Kommandogewalt über- tragen worden ist. Die Flotte ist doch wohl für Bosporus und Dardanellen, diese Gegenstände zar-

Erzählte man ihr von irgendeinem Unglück, von irgendeinem Elend, so öffnete sie ihre Börse, aber ohne sonderliches Mitleid zu empfinden, auch ohne an die Wirklichkeit ber Schmerzen zu glauben, benen sie abzuhelfen bestrebt war. Zuweilen rebete sie ba» von, wie man ber Sklaverei ober dem Proletariat hätte abhelfen können, aber etwa so, wie sie vom Abhacken eines Baume», ber bie Aussicht störte, ge- sprochen haben würde, und rat nächsten Augenblicke dachte sie nicht mehr daran.

Berta von Nennh übte daS Gute, wie so viele andere Dinge mit der Leichtigkeit eines flatterhaften BögelchenS; sie verzichtete auf Bewunderung unb Dankbarkeit, denn sie legte nur geringen Wert auf Wohltaten.

Sie unterhielt sich köstlich bei allen gehaltlosen, aber gerade modernen Spielen der höchsten Pariser Kreise unb wußte auch in Sommerfrischen unb Bä­dern sich die Zett zu vertreiben; nur drei Monate des Jahres langweilte sie sich in Nennh, wo der Graf durchaus bte Jagdzeit zubringen wollte. Wenn eS ihr gestattet gewesen wäre, das Schloß mit Gästen anzufüllen, fo würde die Sache ja noch erträglich ge­wesen fein, aber ihr Gatte wehrte ihr dies eigen­sinnig, indem er behauptete, mit feiner Frau, mit den Jägern und der Tteut allein fein zu woll'n, ohne Zwang und gesellschaftliche Rücksicht. Sie litt zwar darunter, aber sie gab nach, denn sie wußte, daß ber eiferne Wille ihres Gatten sich nicht beugen lieh, unb fo tat sie denn ihr Möglichstes, biefe lang, weilige Zett totzufchlagen, besuchte die Meierhöfe, plauderte mtt den Bauern, wurde sogar ein wenig fromm, um den alten Priester in ihr HauS zu locken. Freilich, sehr unterhaltend waren ihr bie Gespräche mit ihm nicht; aber wenn man keinen andern hat, mit dem man reben kann, so begnügt man sich auch mit einem, alten Pfarrer. Ja, sie würben ihr lang, bie drei Monate, welche sie in Nennh jubtingen mußte

Eines TageS, da sie sich mehr noch als gewöhn­lich langweilte, kam ihr ber alte Pfarrer mit feinem Anliegen gerabe bequem.

fester Besorgnis ber Russen und Franzosen, wichtiger als bas Landheer, und zum Ueberfluß ist auch noch am 5. Dezember vom türkischen Marineministerium mit Vertretern der englischen Firma Armstrong, Maxim unb Wickers, ein Vertrag abgeschlossen wor­ben wonach diese Firma das Marinearsenal am Gol­denen Horn reorganisieren sowie die Neubauten von Werften und Docks in Jsmi übernehmen soll.

• Dagegen kommt die deutsche Militärmission doch kaum auf, so ehrenvoll sie für Deutschland und fo ärgerlich sie für Frankreich und Rußland auch fei» mag.

:: Ter vorlaute Polizeipräsident.

Die bereits mitgeteilte Erklärung des Ber­liner Polizeipräsidenten v. Jagow gegen daS Urteil im Prozeß Forstner hat in der Presse das größte Aufsehen erregt. Man glaubt vielfach, daß sein Vorgehen noch einige Wirkungen nach sich ziehen wird. Einige Blätter verlangen sogar die sofortige Entfernung des Herrn v. Jagow.

Die juristischen Darlegungen des Polizeipräsidenten gehen bekanntlich dahin, daß Strafverfolgung wegen eines Aktes der Staatshoheit unzulässig sei und ein solcher Fall liege in Dettweiler vor. Dagegen wird betont, daß diese Bestimmung selbstverständlich nicht gelte, wenn eine Ueberschreitung der Amtsbefugnifse vorliege. Leutnant v. Forstner handelte aber nicht in Notwehr, denn der von vier Bewaffneten gehaltene lahme Schuster bildete keine Bedrohung für ihn. Den Bewegungen der Truppe stellte sich kein „Hinder- niS* entgegen, denn bie Menschenmenge war in alle Winde zerstieut, unb nur der lahme Schuster war übrig geblieben. Das alles hat das militärische Gericht in sorg­fältiger Prüfung des Tatbestandes ausdrücklich festgi, stellt.

Herr v. Jagow glaubt auch einen Ausflug auf politisches Gebiet machen zu mäffen. Er spricht davon, daß Offiziere wie Herr v. Forstner „fast in Feindesland stehen". Was der Reichskanzler zu dieser Kennzeichnung Elsaß-Lothringens sagt, wird man vermutlich spätestens erfahren, roennjber Reichs­tag wieder beisammen ist. Hat doch Herr von Beth- mann-Hollweg diesem Lande, das „faft Feindesland* ist, eine Verfassung und ein freies Wahlrecht gegeben, wie. es Preußen noch immer vorenthalten wird! Wenn Offiziere „bie Gezahr einer Gefängnisstrafe laufen, weil ste für Ausübung des königlichen Dienstes freie Bahn schaffen, dann erwächst Dem vornehmsten Berufe Schande* — sagt der Polizeipräsident. Mit nichten, niemals ist ein Offizier von Offizieren ange­klagt unb von Offizieren verurteilt worden, weil er für bie Ausübung des königlichen Dienstes freie Bahn schaffte. Auch Herr v. Forstner ist nicht deshalb verurteilt worden, sondern weil er einen lahmen Schuster, der gar nichts verbrochen hatte, mit dem Säbel niederschlug. Glaubt Herr v. Jagow, daß eS dem jüngsten Leutnant gestaltet fein müsse, einem harmlosen Bürger blutige Wunden in den Schädel zu schlagen? Glaubt er, derlei gehöre zum „könig­lichen Dienst"? Das Kriegsgericht hat darüber anders gedacht; es hat nicht gedacht, daß dem „vor­nehmsten Berufe Schande erwachse", wenn ein Offi­zier, der sich solcher Ausschreitungen schuldig macht, ins Gefängnis wandert.

Aber auch davon abgesehen, weit bedenk­licher ist die Mahnung des Polizeipräsidenten an das Berufungsgericht. Seine Kritik an Dem Verfahren des erstinstanzlichen Gerichts und seine unberechtigten Mahnungen an die zweite Instanz stellen eine Durch­brechung des Grundsatzes dar, der bisher in der Oeffentlichkeit Deutschlands ohne Unterschied der Par­teien genau beobachtet wurde und seine Berechtigung in dem unerschütterlichen Vertrauen zu der Objek­tivität unserer Gerichte sand, daß sich nämlich eine Kritik an einem gerichtlichen Verfahren so lange

Er sprach die Bitte aus, ob Gräfin Berta nicht dem kleinen Findelknaben Taufpatin fein wollte.

Sie unterbrach die Geschichte, welche er ihr er­zählte, mit Rufen der Ueberraschmig.

„Das ist doch wirklich einmal ein Abenteuer! Ein Kind, welches man auf der Straße findet! Daß derlei wirklich vorkommen tarnt! Ich habe bisher Semeint, man könne solches nur in Büchern lesen. !in Kind aus Fleisch und Blut, lebendig und nicht getauft! Gewiß will ich Pattn fein! Da man es auf ber Straße von Nemiy gefunden, gehört es ja getoiffermafjen uns an. Warum sollte ich es nicht adoptieren!" — Sie hatte keine Kinder, das war ein wunder Puntt ihres Lebens. Schloß sie heute bie Augen, so weinte niemanb um sie, als höchstens ein Gatte, ber sich leicht trösten ließ. Das halte sie schon schmerzlich enipfunben, in dieser Stunde mehr denn je! Ein Kind — das wäre ein Äusiveg gewe­sen. Ein Geschöpf, für bas man sich opfern" das man nach eigenem Gutdünken und Ermessen heran, ziehen kann!

„Ter Graf ist in seinem Arbeitskabinett, er hat heute nicht gejagt. Ich werde ihn gleich zu Rate ziehen! Warten Sie einen Augenblick, Herr Pfarrer, ich tarnt diese Adoption reicht ohne seinen Rat durch­führen."

Einen Augenblick später kehrte sie mit gesenktem Haupte aus dem Arbeitszimmer ihres Gatten zurück.

„Er will nicht, er tritt mir immer entgegen. Er gibt eine Menge unzutreffender Gründe an. daß die Katze das Mausen nicht läßt, daß ein Zigeuner nie­mals ein Edelmann werden kann, daß bie niedrige Gesinnung immer im Blute steckt, möge die Er­ziehung noch so sorgfältig fein, daß man seinen Na­men nicht auf den Sohn irgend eines dahergelaufe­nen Paares vererbt. Ich habe alles gesagt, um ihn u rühren, aber er ist unerbittlich! Die Patin des leinen Jnugen zu werden, das wehrt er mir nicht. Wie sollen wir ihn denn neunen, Herr Pfarrer? Carmen? Ach ja, es ist ja fein Mädchen!"

„Nein, Frau Gräfin, es ist ein Knabe! Auch gibt es ferne heilige Carmen, und ich habe Grund