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2. Blatt.

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<*e* Zuldaer Zeitung. -

Dienstag 23. Dezember (91$.

Zta-tveror-neten-versammlung.

(!) Fulda, 23. Dezember 1913.

An der gestrigen Sitzung nahmen 26 Mitglieder teil. Born Magistrat waren anwesend Oberbürgermeister Dr. Antoni und 2. Beigeordneter Arnd. Den Vorsitz führte Stadtverordnetenvorsteher Rang.

1. Mitteilung von Eingängen. In einem an den 1. Beigeordneten Halbleib gerichteten Schreiben, das zur Kenntnis gebracht wird, hat Oberbürgermeister Dr. Antoni mitgeteilt, datz er die auf ihn gefallene Wahl zum Oberbürgermeister für weitere 12 Jahre annehme. (Bravo!)

2. Festsetzung der Rechnung der Kanalisationskasse für das Jahr 1912. Der Berichterstatter Stv. Kapp bringt die Rechnung in ihrem wesentlichen Inhalt zum Vortrag. (Wir haben die hauptsächlichsten Ergebnisse bereits vor einiger Zeit veröffentlicht. D. Red.) Au; Antrag des Berichterstatters wird die Rechnung geneh­migt und dem Rechnungsführer Entlastung erteilt.

3. Desgl. der Gencralarmcnlasse. Die Rechnung (deren wesentliche Posten von uns bereits mitgeteilt sind. D. Red.) wird genehmigt.

4. Desgl. der Stadtsaalkafsc. Es ist ein Kassen­bestand von 86,27 Mk. vorhanden. Wesentliche Abwei­chungen vom Voranschlag sind nicht vorgekommen. Die erzielte Saalmiete, mit 900 Mk. in den Voranschlag eingesetzt, belief sich auf etwa 880 Mk. Die Rechnung wird genehmigt.

5. Desgl. der WasserwerkSkasse. Die Einnahmen beliefen sich auf 320 845 Mk., die Ausgaben auf 308 030 Mark. ES blieb ein Kasscnbestand von 12 815 Mk. Die Einnahmen aus dem Wasserverbrauch teuren int Jahre 1912 gegen die des Jahres 1911 zurückgegangen, was auf den kühlen Sommer und den damals noch herr­schenden Wassermangel zurückgeführt wird. Mit dem im vierten Quartal in Benutzung genommenen 2. Rohr­strang tritt eine Zunahme des Wasserverbrauchs ein. Durch diese Anlage ist der Gesamtschuldenstand von etwa 746 000 Mk. zu Ende des Rechnungsjahres 1911 trotz eins Abtrages von 14191 Mk. auf 922 370 Mk. angcwachsen. Der Reingewinn des Wasserwerks beträgt 55 030 Mk. Zu einem Fonds für ein Pumpwerk, das späteren Wasserneubcdarf decken soll, sind 5000 ML obgeführt worden. Stv. Kapp fragt an, was die Ge. rüchte auf sich haben, in der Nähe der Stadt feien graste Wassermengen angetroffen worden. Der Oberbür­germeister : ES haben auf dem Neuenberg durch den Zivilingenieur Köhl Bohrungen nach Trinkwasser stattgesunden. Diese Bohrungen haben eine sehr große Wassermenge festgestellt, obwohl die Pumpen noch gar nickt tief genug gegangen sind. Das Wasser hat aber eine sehr große Härte. 39 Grad gegenüber 4 Grad des heutigen LeitungSwassers. Eine Zuleitung des jetzt angeschnittenen Wassers würde eine nicht wün­schenswerte Verhärtung unseres Wassers herbeifiihren. Es ist aber möglich, daß das Wasser allmählich an Härte verliert. Dann kann es. wenn vielleicht auch nur zum Teil, benutzt werden. Die Rechnung wird genehmigt.

6. Beschlussfassung über die Gültigkeit der Stadt- oerordneten-ErgünzungSwahlen 1913. Die in der ersten Novemberwoche vorgenommenen Stadtverordneten-Er- gänzungswahlen, urch welche außer den wiedergewähl- ten Stadtverordneten die Herren Weingroßhändler Eduard Schmitt, Metzgermeister Franz Kramer und Oberpöstasirstent Kuhn gewählt worden find, haben ord- nungsgemäß stattgefunden, Einwendungen sind nicht erhoben worden, die Gewählten haben sich zur Annahme bereit erklärt. Die Versammlung stellt die Gültigkeit der Wahlen fest.

7. Abänderung der Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen. Der Regierungspräsident beanstandet einige Bestimmungen des jüngst beschlossenen -Verun- staltungsstotuts". (Diese abgekürzte Bezeichnung, die jedem Sprachgefühl widerspricht, wird mit Recht vom st6. K, rcher der Lächerlichkeit preisgegeben.) Die von ihm borgeschlagenen Aenderungen mildern die Be­stimmungen, die in § 7 und 8 des Statuts für die land­hausmäßige und offene Bebauung getroffen sind. Die :n den §§ 11 und 12 geschaffenen Baubeschränkungen 'm Stadtinnern müssen ganz in Wegfall kommen. Der Berichterstatter Stv. Adam glaubt, man könne die For- berungen in einem Nachtrag zur Bauordnung geltend nacken. Im übrigen beantragt er, die vom RegierungS- Präsidenten vorgeschlagenen Aenderungen zu bewilligen. Das geschieht.

8. Neubau her Oberrealschule. Nach den Ausfüh­rungen des Berichterstatters Stv. Fritz hat sich das Provinzialschulkollegium zu dem von der Stadt auf Anraten des Prof. Vonderau einaereichten Schulneubau- Entwurf Nr. 91 von Prof. Weiß-Frankfurt unter dem Datum des 21. August geäußert. Der Entwurf w'rd als gelungen bezeichnet. Jedoch wird eine Ab- cmderung der Abortanlage angeregt, außerdem der Wunsch ausgesprochen, es möge, wenn irgend möglich, eine Aula, ein Festsaal, geschaffen werden. Wie Stv. Fritz weiterhin mitteilt, hat Prof. Weiß, dem Bei AuS- fiißrung des Entwurfes die Bauleitung übertragen wer. den mußte, die Kosten des Neubaues auf 267 000 Mk. und die des Umbaues auf 40 000 Mk. geschätzt. Auf Grund dieser Schätzung hat er das ihm zu kom­mende Honorar, einschließlich der örtlichen Bauleitung, auf 17 000 Mk. berechnet. Der Magistrat hat nun die Anträge gestellt: 1. Daß der Entwurf 91 zur Ausführung kommt unter Berücksich.

tigung der Wünsche des Provinzialschul. kollegiums ; d i e Aula nicht gebaut wird (die Stadtsäle stehen jederzeit der Oberrealschule zur Verfügung); 2. Prof. Weiß mit der Baulei­tung betraut wird und eine geeignete Persönlichkeit mit der örtlichen Baulei­tung beauftragt wird; 3. mit dem Neubau im Frühjahr 1914 begonnen wird. Der Berichterstatter Stv. Fritz ist gegenüber diesen Anträgen auf Grund des Studiums einschlägiger Schriften zu der Ueberzeugung gelangt, daß die hygienischen Forde­rungen der Regierung nicht in jeder Hinsicht berechtigt sind. Bei der Bedeutung bet ganzen Sache beantragt er Verweisung der Vorlage an die Baukommission, zu der Oberrealschuldirektor Mockens und Prof. Vollmer hinzugezogen werden sollen. Stv. Vollmer glaubt, daß eine solche weitere Vorberatung nicht mehr nötig und infolge räumlicher Unzulänglichkeiten in der jetzigen Schule wenig wünschenswert ist. Er befürwortet, auch mit Rücksicht auf die Sage des Bauhandwerkes die Be. schleunigung des Baues. Oberbürgermeister Dr. An­toni gibt seiner Verwunderung über den Antrag Fritz Ausdruck. Die Honorarforderung des Herrn Prof. Weiß fei allerdings hoch, jedoch keineswegs übersetzt, sondern völlig normgcmäß. Allerdings hätte für diese Summe ein Stadl bau rat zwei Jahre in den Dienst der Stadt gestellt werden können. Es fei aber nicht Schuld des Magistrats, daß, nicht wieder ein städtischer Baurat angestellt worden fei. Durch eine Aenderung des Planes werde es nicht gelingen, auf die Heran­ziehung des Prof. Weiß zu verzichten. Deshalb sei eine weitere Kommissionsberatung zwecklos. Der Red­ner macht auf den drohenden Wegfall des Zuschusses von 13 000 Mk. aufmerksam. Schon 7 Jahre sei die Angelegenheit in der Schwebe und es sei verständlich, wenn der Minister die Geduld zu verlieren scheine. Stv. Eicke nscheidt ist für Kommissionsberatung. In Kassel werde unsere Selbständigkeit allem Anschein nach wenig berücksichtigt. Wenn die jetzigen Räume der Oberrealschule nicht mehr genügten, was solle man denn dann von dem Gymnasium sagen? Aber da hat es die Regierung nicht so eilig. In der Oberrealschule solle demnächst in den Oberklassen eine starke Abwanderung stattfinden. Deshalb ist es, ehe wir einen Palast zum Leerstehen bauen, reiflich zu überlegen, ob wir nicht lieber auf den Zuschuß verzichten sollen. In dem Stadtschloß sind genügend Räume vorhanden, die benutzt werden können. Der Druck, den die Regie­rung ausübt, ist übrigens' nicht schön und im geschäft­lichen Leben würde man dies Verhalten anders bezeich­nen. Der Oberbürgermeister: Vor 6 Jahren Bat ein Regierungsvertreter selbst zugegeben, daß die Räume der Gymnasiums nicht im geringsten besser sind «IS diejenigen der Oberrealschule. Aber er könne nickte machen, da der Finanzminister kein Geld bewillige. Er schlug vor, die Stadt möge das Gymnasialgebäude für die Oberrealschule kaufen. Dann würden für die nächste Zeit keine Einwendungen gemacht werden. Auf eine Aeußeruna des Sw. Vollmer, daß bei Eingehen auf die Wünsche der Regierung eine Erhöhung des Zuschusses möglich fei, trägt Oberbürgermeister Dr. Antoni nach, daß eine solche Erhöhung in der Tat nach Steuerungen einer zuverlässigen Stelle zu erwarten sei. Stv. K i r° cher macht für die Verzögerung die Königl. Regierung verantwortlich, die durch ihre Ausstände wirklich nicht zur Beschleunigung beitrage. Nach weiterer Debatte wird der Antrag Fritz, sämtliche Punkte des Magistrats- an träges der erweiterten Baukommiffion z u überweisen, mit größerer Mehrheit angenom. men.

9. Legung eines GashauptrohrstrangeS in her Jo- hanniSstraße und Bewilligung bet Kosten. Die Bewoh­ner am Pröbel, etwa 93 Personen, möchten gern eine Beleuchtung der Hornungsbrücke haben. Ein Kosten, nnschlag des Elektrizitätswerkes für die jähr­liche Unterhaltung von 4 Laternen belief sich auf 274,49 Mark, bei gleichwertiger Ga S Beleuchtung entstehen jähr, lich nur 197,40 Mk. Kosten. Es ist deshalb Gasbeleuch­tung geplant. Die Zuleitung kostet 2000 Mk. Stv. Sunkel betont, daß auch eine Neupflasterung der Brücke wünschenswert fei. Die Mittel für Ausdeh­nung des Gasnetzes sind erscköpft. Stv. Modest will noch Oellaternen auf der Straße jenseits der Brücke aufgestellt wissen. Das wird abgelehnt, der Magistrats, antrag angenommen.

Schluß der öffentlichen Sitzung 11 Uhr,

Lokales.

Fulda, 23. Dezember 1913.

* Personalien. Der Charakter als Geheimer Justizrat wurde dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Eduard Harnier in Kassel verliehen. — Der Titel RechnungSrat ist dem Inspektor Hermann Kuß an der Chirurgilchen Klinik in Marburg verliehen worden.

X JnnuugSpflichtigkeit gewerblicher Nebenbeschäs- tiguna. Der Regierungspräsident von Düsseldorf hat an die Handwerkskammer von Düsseldorf alle Zwangsinnungen interessierende und für ähnliche Falle anzuwende Entscheidung (sie ist, so viel uns bekannt, seitens der hiesigen Schuhmacherzwangsin­nung auch bereits mehrfach mit Erfolg angewendet worden) veröffentlicht: In der JnnungSstreitsache

Kleines Feuilleton.

— Wie man sich das Rauchen abgewöhnt. Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte, es aber aus eigener Willenskraft nicht kann, wird aus einer ameri­kanischen Erfindung Nutzen ziehen können, die die ^Antizigarettengesellschaft" in Chicago jüngst in ihren Dienst gestellt hat und die, wie der „Kontinent" be­richtet, unbedingt sicher wirken soll. Es handelt sich um die Ausnützung einer Beobachtung, die ein Dr. D. H. Kreß an einem seiner Kranken gemacht hatte- der Arzt hatte dem Patienten einen Teil der Mund­höhle mit Höllenstein zu ätzen: der Behandelte merkte nun nach einiger Z<st, daß der Höllensteingeschmack mit Tabaksqualm zulammen einen ganz abscheulichen Geschmack im Mund hervorrief Dr. Kreß stellte feft, daß es fick um eine Reaktion des Silbernitrates mit dem Nikosia handelt. Man kann di- gleiche Wirkung erreichen, wenn man den Mund nur mit etner schwachen Höllensteinlösung ausspült und hin­terher raucht: nach einem Zuge wird man schon auf- horen. Die „Antizigarettengesellschaft" in Illinois Bat sich nun diese Beobachtung zunutze gemacht und behandelt auf diese Weise alle Rancher, die sich das Rauchen gern abgewöhnen möchten. Besonders hciu- ftg werden ihr halbwüchsige Jungen zugeführt, die dem Zrgarettenteufel zum Opfer gefallen sind Die Geiellschaft bekämpft nämlich nicht etwa den Tabak an sich, sondern nur das schädliche Zigaretten rauchen Jugendlicher: sie arbeitet dabei in Uebereinftimmung mit den Gesetzen de? Staates, denn in Illinois ist Personen unter 18 Jahren daS Rauchen verboten, und die Mitglieder der Gesellschaft sind befugt, jeden festznnehmen, der jünger als achtzehn ist und beim öffentlichen Rauchen ertappt wird. Merkwürdiger­weise hat diese Behandlung mit Höllensteinlösung eine Dauerwirkung. Männer und Frauen, die mit Höl­lensteinlösung behandelt worden sind, sollen dauernd »en Geschmack am Rauchen verloren haben.

— Ter gefährdete Harras-Felsen. Der Felssturz, der sich am Harras-Felsen ereignete, und so vielen heitern vom Sonntagsausflug Heimkehrenden Tod

oder doch schweres Leiden brachte, einen Eisenbahn­zug unter sich begrabend, dürfte, so fürchtet man, wohl die Folge haben, daß ein beträchtlicher Teil des Felsens der Einsturzgefahr wegen abgetragen werden muß. Vielleicht muß dann auch das Eisenkreuz, das von der Höhe dem Spaziergänger im Zichopantal winkt, von seinem Platz auf des Berges höchstem Gipfel weichen. Ein interessantes Wahrzeichen in­mitten einer durch Sage, Geschichte und Dichtung gleich ausgezeichneten Umgegend würde damit schwin- den. Ein waldiger Felsberg, oben darauf ein Kreuz, unten herum em breiter Fluß, durch den Fels ein Eisenbahntunnel, daneben ein Bahnwärterhäuschen — wie ein Kinderspielzeug mutet das Ganze jetzt die Wanderer im Zschopautal an. Der berühmteste dieser Wanderer war bekanntlich Theodor Körner, der als Bergstudent aus dem nahen Freiberg gar oft hier am Flutzufer hin nach dem Städtchen Frankenberg zog. Da hat er wohl manchesmal zwischen den beiden uralten, längst vom Blitz gespaltenen und ausge- mauerten Eichen am Ufer gesessen — da, wo jetzt ein einfacher Denkstein die Worte „Harras, der kühne Springer" zeigt —, dstn Blick gerichtet nach der ragenden Felswand und denkend der Geschichte vom mutigen Ritter, der von der Höhe dieses dräuenden, jäh ins Wasser abfallenden Felshanges, „wohl 50 Klafter tief", mit seinem braven Streitroß hinab- sprang, auf der Flucht vor übermächtigem Feind, im Angesicht seiner „schimmernden Feste" am rettenden anderen Ufer. Auch die „schimmernde Feste", von der Körner in seinem dem kühnen Springer gewidmeten Gedicht spricht, steht noch. Es ist das früher im Be­sitz der Ritter von Harras befindliche große Schloß Lichtenwalde, jetzt der herrlichste Herrensitz des SachsenlandeS, der mit seinem imposanten Bau, sei­nen prachtvollen Parkanlagen, seinen springenden Wassern, feinem terrassenförmig angelegten Garten, einem wetthin sich erstreckenden Blick über Wald und Feld und Flur hin bis zur Burgfeste Augustusburg, allsonntaglich das Ziel unzähliger Ausflügler ist. Un­weit des Schlosses aber, im Dorfe Ebersdorf, ruht jener Dietrich von Harras, der 1499 den kühnen Sprung in die Zschopau getan haben soll, in demselben

des Straßenbahnwagenführers Johann Braun und des Bergmanns Daniel Schüler, beide zu Borbeck, wird auf die gegen die Entscheidung der Aufsichts­behörde vom 23. Mai 1913 und vom 19. Juni 1913 von der obenbezeichneien Zwangsinnung rechtzeitig erhobenen Beschwerden vom 10. Juni und 1. Juli er. dahin Entscheidung getroffen, daß Braun und Schüler der Schuhmacherzwangsinnung als Mitglieder anzu- gehöreu haben. Gründe: Es ist festgestellt und un­bestritten, daß Braun und Schüler neben ihrer Haupt­tätigkeit als Straßenbahnwagenführer bezw. als Berg­mann in ihrer freien Zeit Schuhmacherarbeiten gegen Bezahlung für Dritte anfertigen. Diese Tätigkeit wird von Genannten zugegeben. Sic sind jedoch der Ansicht, der Zwangsinnung brauchten sie nicht beizu­treten, weil sie das Schuhmacherhandwerk nur in ge­ringem Umfange ausüben. Sie stützen sich hierbei auf § 4 der Satzungen. Tiefe Ansicht ist irrig. Der zweite Absatz im § 4 bestimmt: Gewerbebetriebe, welche neben Schuhmacher-, Sattler- und Polsterer­handwerk noch andere Gewerbe betreiben, für welche im Jnnungsbezirk eine Zwangsinnung besteht, sind Mitglieder der Schuhmacher-, Sattler- und Polsterer­innung dann, wenn sie das Schuhmacher- u. s. w. Handwerk hauptsächlich betreiben." — In Borbeck besteht u.un weder für Straßenbahnwagenführer, noch für Bergleute eine Zwangsinnung, wie eine solche auch nicht bestehen kann, und haben Brann und Schüler der vorbezeichneten Innung als Mitglieder anzugehören. Tie Entscheidungen der Aufsichtsbehörde vom 23. Mai und 19. Juni er. unterliegen daher der Aushebung. Diese Entscheidung ist endgültig.

A Weihnachtsbäume und Feuersgefahr. Der Ver­band öffentlicher Feuerversicherungs-Anstalten in Kiel schreibt uns: Um die Weihnachtszeit findet man in dem lokalen Teil der Zeitungen regelmäßig wieder­kehrend die Berichterstattung darüber, wie oft eine Feuerwehr zur Bekämpfung von Weihnachts- baumbr finden in Tätigkeit treten mutzte. Sind diese Fälle schon zahlreich genug, so bilden sie doch nur einen geringen Teil der tatsächlich durch unvor­sichtiges Umgehen mit Weihnachtsbäumen entstehen­den Brände. Denn häufig findet eine Inanspruch­nahme der Feuerwehr nicht statt und der Vorfall kommt garnicht zur allgemeinen Kenntnis, wohl aber — und zwar in Gestalt von Schadenanzeigen — zur Kenntnis der Feuerversicherungs-Anstalten. Es er­gibt sich bann eine erschreckend grofje Zahl von Bränden dieser Art, die ganz abgesehen von dem materiellen, zum Teil eine bedeutsame Höhe er­reichenden Schaden auch Leben und Gesundheit zahl­reicher Personen in ernstliche Gefahr bringen. Es ist daher dringend geboten, zu Beginn der Weihnachtszeit die Aufmerksamkeit auf die Gefahr der Verursachung von Bränden durch Weihnachtsbäume zu lenken und einige einfache und doch wirksame Vorsichtsmaß­regeln in Erinnerung zu bringen. Besonders ist daraus zu achten, daß die Weihnachtsbäume nicht in der Nähe von Vorhängen, Portieren und dergleichen aufgestellt werden. Der geringste Luftzug, der durch Oesfnen einer Tür, eines Fensters, durch rasches Vorbeigehen und dgl. verursacht wird, genügt, um die Vorhänge usw. in die brennenden Kerzen hineinzu- wehen. Als Baumschmuck sollen 'nur solche Sachen Verwendung finden, die schwer entzündlich sind. Auch die insbesondere von Straßenhändlern verkauften sog. Wunderkerzen sind durchaus nicht ungefährlich. Die Kerzen am Baume selbst müssen so angebracht werden, daß sie senkrecht stehen und über ihnen lie- genbe Zweige nicht anzünden können; sie dürfen auch nicht so dicht übereinander angebracht werden, daß die unteren die oberen erwärmen, zum Verbiegen und zum Herausfallen aus dem Lichthalter bringen können. Kindern sollte das Anzünden ober Auslöschen von Kerzen nie gestattet werden. Werden diese weni­gen Vorsichtsmaßregeln befolgt, so lassen sich zahl­reiche Brände um die Weihnachtszeit mit Leichtigkeit vermeiden.

L- EiSbahn. Im Schloßgarten, wo auf dem Hinteren Weiher bereits eine Eisbahn vorhanden ist, wurde vorgestern bei einer Temperatur von 7 Grad Kälte der Versuch gemacht, auf dem vorderen Rasen­rondell eine Eisbahn herzustellen. Zu diesem Zwecke ließ man aus der Wasserleitung mittelst Schlauch in feinem Strahl das Wasser auf den Rasen nieder­fallen. Das Ergebnis befriedigte aber keineswegs. ES gehören schon große Wassermassen dazu, den ganzen Rasenplatz unter Wasser zu setzen. Vielleicht wird auf andere Weise versucht, die weite Fläche in eine Eisbahn zu verwandeln.

-x- Zngverfpatnngen sind bei dem eingesetzten starken Reiseverkehr an bet Tagesordnung. Es ist daher die Benutzung der Vorzüge sehr zu empfehlen, da diese die Anschlüsse auf Uebergangs- stalionen sicheret erreichen alS die Hauptzüge.

uralten Kwchlein, in dem vierzig Jahre vorher die Kurfürstin Margarethe die Nachtkleider der von Kunz von Kaufungen geraubten Kinder und ihres wackeren Retters, des Köhlers, grobe Kappe aufhing, weil sie boMt am Gnadenort die Kunde erhielt von der glück­lichen Befreiung der kleinen Prinzen.

— „Sieben und gehorchen." Man schreibt uns aus Newyork: So paradox es auch in einem frauenbeherrschten Lande wie Amerika scheinen mag, bei der kirchlichen Trauung in den Vereinigten Staa­ten muß die errötende Braut immer noch wie in der „guten alten Zeit" feierlich geloben, ihren Eheherrn nicht nur zu lieben, sondern auch ihm zu „gehorchen". Bei dem emanzipierten Sinn der meisten amerika­nischen Evastöchter führt diese traditionelle Formel manchmal zu tragikomischen Konflikten. Auch Fräu­lein Elisabeth Blauvelt, dje Braut des reichsten Bo­stoner Bankiers, ist eine zu aufrichtige Natur, um wie die meisten heiratslustigen jungen Damen gedan­kenlos einen Schwur zu leisten, den sie nicht zu halten gebeult. Als der Geistliche sich am Traualtar an­schickte, ihr bi» schicksalsschweren Worte vorzusprechen, unterbrach sie ihn beherzt vor den versammelten Gä­sten und bat ihn, das ominöse Wort „gehorchen" forte zulasten. Wer weiß, ob der gute Pfarrer sich nicht hätte vielleicht erweichen lassen, aber die Braut hatte die Rechnung ohne ihren zukünftigen Gemahl gemacht, der sich in dieser Krise als ein Amerikaner von durch­aus europäischen Grundsätzen offenbarte und sich wei­gerte, ihr ein Wort der Formel zu schenken. Al? auch sie hartnäckig blieb, erklärte Herr Holmes stand­haft, daß er eine Frau, die ihm nicht gehorchen wolle, auch nicht heiraten werde, und fügte mit lauter Stim­me hinzu: „Ich bestehe daraus, daß meine Frau mir aufs Wort gehorcht." Das gab, wie man sich's denken kann, eine hochdramatische Sensationsszene in dem festlich geschmückten vornehmen Gotteshaus: die Braut brach samt ihren vier Brautjungfern in heftiges Schluchzen aus, und der geladenen Gaste bemächtigte sich eine große Aufregung. Aber alle Bitten und Tränen vermochten weder die Braut zu bewegen, ihrem Verlobten Gehorsam zu geloben, noch den

= Ein buntes Bild zeigen jetzt die Straßen unserer Stadt. Die .farbige Note" bewirken die zahlreichen während des Festes „zu Muttern" beurlaubten MarS- jünger von den verschiedenen Waffengattungen. Viele von den Urlaubern sind erst seit Herbst eingezogen und stellten sich zum erstenmale in des Königs Rock zu Hause vor. .

rz. Ein Schuhmachermeister als Heiratsvermittler. Die Strafkammer beim Amtsgerichte Fulda hat am 4. Juli den Schuhmachermeister Konrad Hart­mann aus Wiesbaden wegen versuchter Erpressung mit Beleidigung sowie wegen einer weiteren Beleidi­gung zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Ange­klagte hatte die Heirat eines in einer rheinischen Stadt wohnenden Arztes mit einer wohlhabenden Witwe vermittelt und sollte dafür durch Wechsel im Betrage von 7000 Mark bezahlt werden. Da der Schwager des Arztes, ein gewisser S., mit Erfolg Gegenforde­rungen geltend machte, wodurch der Angeklagte sich benachteiligt sah, so schrieb dieser an S. zwei Briese, in denen die ihm zur Last gelegten Handlungen er­blickt sind. Die versuchte Erpressung wurde darin er­blickt, daß er dem S. mit der Anzeige wegen einer angeblich von diesem begangenen Straftat drohte. Die Revision des Angeklagten wurde gestern vom Reichsgericht verworfen.

-o- Drei Betrunkene gerieten gestern mittag ge­gen 3 Uhr i.i der Rhabanusstratze hart aneinander. Da fix nicht mehr fest auf den Beinen waren, so wälzten sie sich gar bald auf der Straße. Ein hinzuge­kommener Schutzmann brachte sie schließlich ausein­ander. Der eine Raufbold stürzte sich aber sofort, noch in Gegenwart des Schutzmanns, von neuem auf den Gegner. Schließlich wurden die drei Helden durch zwei weitere inzwischen eingetroffene Schutz­leute zur Wache gebracht.

V Einbruch. In der Nacht zum Montag wurde in die Büroräume der Fuldaer Stuckfabrik von Brühler & Nüchler eingebrochen. Der Dieb ließ nur die Portokasse im Betrage von 4.80 Mark mitgehen. Seinen Eingang verschaffte er sich, indem er eine Fensterscheibe eindrückte und dann in die Büroräume einstieg. Der Dieb muß Über die örtlichen Verhältnisse sehr gut orientiert gewesen sein.

•o» Um den WeihuachtSbraten gebracht haben in bet Nacht vom Sonntag auf Montag Spitzbuben einen Bewohner der Tränke, indem sie ihm zwei fette Hasen entwendeten. ^5 I

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Ans -em ttachbargebiete.

? Hünfeld, 22. Dez. 1913. Herr cand. phil. August Weber von hier, Sohn des Herrn Hauptlehrers Weber, hat vor der Prüfungskommission der Univer­sität Halle a. S. sein Examen für das höhere Lehramt bestanden. Er erwarb die fac. doc. für alle Klassen in Latein, Griechisch und Geschichte.

4- Schotten, 22. Dez. 1913. Nach dem Vorbild der übrigen oberhessischen Kreise veranstaltet der hiesige landwirtschaftlichi. Kreis verein im September 1914 hier zum erstenmal eine dreitägige landwirt­schaftliche Kreisschau.

A Thalau, 22. Dez. 1913. Der hiesige Kirchen-, chor gibt auch in diesem Jahre wieder Theaterstücke und

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„Das verlorene Ktnfc“

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Bräutigam, auf die Formel zu verzichten, und so trennte sich das liebende Paar am Traualtar und fuhr einzeln in verschiedenen Kutschen nach Hause. In Newyork erregt die also in allerletzter Minute ausge­löste Verlobung gewaltiges Aufsehen, und während die einen die Braut als tapfere Vorkämpferin weib­licher Eherechte feiern, sehen die andern in dem mann­haften Herrn Holms einen furchtlosen Helden, wie es ihrer nicht viele im gelobten Lande der Freiheit und der Frauen gibt.

— Sprechende Wände. Passagiere, die den riesi­gen Zenttlabahnhof in Newyork benutzen ffallen von einer Ueberraschung in die andere. Am überraschend­sten jedoch erscheint ihnen die Tatsache, daß die Wände zwar keine Ohren haben, aber sprechen können. In aller Bequemlichkeit sitzt man in den Empfangs- und Warteräumen und hört das Ausrufen der ankommen, den und ausfahrenden Züge tn klaren Worten, ohne zu wissen, woher die Ankündigung kommt. Das „Ge­heimnis", das nicht wenige in Erstaunen setzte, ist ein komplizierter elektrischer?! pparat, derd en menschlichen Ausrufer vollständig ersetzt. Der Apparats ist weiter nichts als ein Telephon mit einem Empfänger, das durch einen elektrischen Strom von ungewöhnlich hoher Spannung tn Betrieb gesetzt wird. Sechsund­dreißig megaphonische Uebermittler sind in den Wän­den der verschiedenen Wartesäle verborgen. Gemein­sam werden sie durch einen Beamten in Betrieb ge» setzt, bet in der Zentralstelle in gewöhnlichem Tone in einen Uebermittler hineinspricht. Dieser Ueber­mittler enthält jedoch keine Induktionsspule, sondern ist von einem Wassermantel umgeben, durch den ein dünner Strahl pon kaltem Wasser läuft, der bestän­dig die Kohlenstäbe kühlt, die sonst von der großen Wärme, die der Strom von 110 Bolt entwickelt, außer Betrieb gesetzt würden. Die Spannung und der Strom sind derart nach dem Wheatstone-Prmstp ausgeglichen, daß die menschliche Stimme um m-les verstärkt in den einzelnen Räumen wiedergegeben wird.

— Wie Cleveland die Wette gewann. Der frühere Präsident der Vereinigten Staaten. Cleveland, war