Zuldaer Zeitung
M 294e
Samstag 20 Dezember 1913.
2. Blatt.
»rack Itt $e!6«tr HttitnbnH mi in r»!da.
) Kreistag.
Fulda, 21. Dezember 1913.
An der heutigen Sitzung des Kreistages beteiligten fich unter dem Vorsitz des Landrats Freiherrn von Doernberg 22 Mitglieder. Zunächst wurden mehrere Wahlen vorgenommen.
Dcr Kreis»Ersatzkommission gehören als bürgerliche Mitglieder an: Rentner Äbam Schultheis, Rentner Gottfried Wegner, Bürgermeister MeDler- Neuenberg, Bürgermeister Müller.Harmerz; als Stet'» Vertreter: Rentner Adalbert Fuchs, Rentner Jod. Ludwig Reinhardt, Bürgermeister Vieth-Langenbieber und Bürgermeister Herr-Petersberg. Die ausjcheiden- ben Herren wurden wiedergewZhlt mit Ausnahme des Rentners Fuchs, an dessen Stelle Rentner Joseph tzahner-FuIda tritt.
Die Bullenkörungskommission seht sich zusammen aus: Bürgermeister Jonas-Rex, Bürgen, meister Reinhardt-Haimbach und Bürgermeister Meß« Buchenrod als 'Mitglieder i und Hotelbesitzer Linnen« kohi . Bad Salzschlirk, Rentner Jcppe - Fulda und Gutsb.sitzer Souchay-Künzell als SteUoetneletn. Die ausschetdenden Herren wurden hier ebenialls wieder- gewählt, anstelle des Hotelbesitz rs Lmnenkohl wurde Anton Seuring-Wisselsrod gewählt.
Sodann nahm die Versammlung die Wahl zweier Mitglieder der Kreisvermittelungsbedörde anstelle des Rentners Bernhard Linnenkohl-Bad Salzschlirf und des Bürgermeisters Comuti-Böckels vor. Aus der Wahl gingen hervor Bürgermeister Jonas-R' x und Bürgermeister MichebHilders.
Die Rechnung der Kreis kommun al lasse für 1912 verzeichnet 288523,45 'Mark ordentliche und 50384.53 'Mark außerordentliche Einnahmen, sow.e 236 283.79 'Mark ordentliche und 69194,01 Mark außerordentliche Ausgaben, somit einen Bestand von 33 480,18 Mark.
Bei der Kreisbaumschule sind 1768 Marl Ueberzahlung gegen 500 Mk. im Vorjahre vorhanden, was die Herren Richard 'Dlüller, H^lbleib und Arno veranlaßt, Detidiiebcne Mißstände in der Baumschule zur Spra 1 e zu bringen. Auf Antrag des Oberbürgermeisters Dr. Antoni wurde eine viergliedrige Kommiision, bestehend aus dem Landrat, Kreis- depulierter Halbleib, Bürgermeister Herberi-Z>rkenbach und Gutsbesitzer Btepinck»Trätzhof, eingesetzt, welche die Zustände in der Suaumfdjule prüfen und der nächsten Kreistagssitzung Bericht erstatten soll. Ferner wurde ein Antrag des Herrn Arnd angenommen, der dahingeht, um alle 'Möglichkeiten offen zu lassen, die auf die Verwaltung der Kreisbaumschule bezüglichen Vertrage zum 1. April nächsten Jahres zu kündigen.
Bei der Rechnung deS Kreis spritzenverband es beträgt die Einnahme 6104 06 Mark, die Ausgabe 5363,83 'Mark, der Bestand 740,23 Mark. Die Rechnung des Siechenhauses fchließt in Einnahme und Ausgabe gleichlautend mit 73911,03 Mark ab. Auf Anregung des Herrn Arnd jagt der Herr Landrat eine Aenderung der Satzungen des Siechenhauies, die veraltet sino, zu. Auch soll auf Anregung des Herrn Haibleib in Erwägung gezogen werden, ob nicht dem Schutzoorstand Dattel zur Verfügung zu sie en find, damit auch die ärmsten der Armen Autnahme in das Siechenhaus finden können.
Der Fonds zur Hebung der Rindoieh- gliebt schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 1128.30 'Mark. Die Rechnungen wurden aut Antrag der Reierenten festgestellt und dem Rechnungsfuhrer Entlastung erteilt.
(Schluß im Hauptblatt.)
totales.
Fulda, 20. Dezember 1913.
# Personalien. Dem Werkmeister Krieger zu Eschivege wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. — Ter Bahnmeister I. Klosse Peter Heidt von hier ist zum 1. Januar 1914 in den Ruhestand versetzt worden.
--- Bor der PrüfnngS-Kommisiion deS liefiischen StädtetageS in Kassel bestand Herr Slanoesbea i ter Baier hier die Setretär-Prüiung m.t der Rote „gut"
** Eine ordentliche Sitzung der Stavlv loivneirn- Versammtuiig findet am Montag, 22. Lez. 1913, abends 7h» U tr statt mit folgender Taoesordnunu: 1. Mitteilung von Eingängen. 2. FeNletzung bei Rechnung der Kanalstationslasse lür das Jahr 1912 (Kapp). 3. Desgl. der Generalarmenkasse (Kapp . 4. Desgl. der SladtsaaTasse (Singer). 5. Desgl der Wasser Merkstoffe ((Singet). 6. Freigabeurkunde (Singer'. 7. Beschiußiasfung über die Gültigkeit der
Das verlorene Kind.
6] Roman von Marie Lescot.
„Weiß man denn, was sie tun?" wiederholte sie mit der eigensinnigen Beharrlichkeit beschrankter Leute. „Nimm Du immerhin Dein Gewehr. Du brauchst ja nicht zu schießen. Tu kannst damit aber Furcht einslößen. Es ist doch geladen, nicht wahr?"
„Gewiß, mit schwerem Schrot obendrein. Ich würde es nicht nehmen, aber wenn Dir damit ein Gefallen geschieht, meinetwegen. Tu bist doch ein gutes Weib, meine arme Muhurette!"
Seine Schritte klangen dröhnend durch die stille Dorfstraste, in welcher alles noch schlief. Der alte Zuave sah sich plötzlich durch das Gewehr an seiner Schulter im Geiste in die blutige Kriegszeit zurückversetzt und dann dachte er wieder lächelnd daran, wie länge schon die Feuerwaffe dem wuchtigen Stocke gewichen sei.
Was hatte er doch in Afrika alles miterlebt, wenn sie den Feind aus irgend einem Hinterhalt überfielen! Tie Erinnerung an Kampf und Gefahr erwachte von neuem in seiner Seele und rief ein behagliches Prickeln hervor, denn Baler Mahuret gehörte nicht zu den Naturen, die nur den Worten nach Mut besitzen. In martial;fd)er Haltung schritt er seines Weges dahin, indem er fast laut sprach:
„Sie sollen nur kommen, ich werde schon mit ihnen fertig werden!"
Er war bis an die Umfriedungsmauer des Wein- gurtens gekommen; nun bog er das Buschwerk auseinander, um ein Versteck zu finden, in welchem er sich auf die Lauer legen konnte. Noch gab es ja immer 2rauben zu holen im Weingarten des Herrn Bürgermeisters; vielleicht kamen sie heute, um das Derk zu vollenden, welches sie neulich begonnen.
„Sie sollen nur kommen in des Teufels Namen!" sagte er sich, aber er erreichte fein anderes Resultat, als daß ihm das Kreuz fürchterlich weh tat von der unbequemen, gebückten Stellung. Der Tag begann
Stadtverordneten-Ergänzungswahlen 1913 (Rübfaml 8. Abänderung der Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verichiedenen Stadtteilen (Adam und Kircher'. 9. Neubau der Oberrealfd)ule (Fritz und Vollmer). 10. Legung eines Gashauptrohrst, anges in der Jodannisstraße und Bewilligung der Kosten (Modest). In geheimer Sitzung: 11. Veräußerung eines Gelündestreisens in Der Markistlaß» (Keil). 12. Führung eines Rechtsstreites wegen Gasgeld (Weber).
(!) Ter goldene Sonntag, bet beste Gesckälstag des Jahres, lieht vor der Tür. lliwezäbite Hoffnungen knüpfen sich an ihn in der Geichäftswelt. Für thre Erfüllung ist es von Wichtigkeit, daß unsere städliiche und ländliche Bevölkerung untere hiesige Gefchä'ts- roelt nach Möglichkeit mit ihren Emkäulen beöentt. Nochmals fei der Ruf erhoben- Kaufet am Platze! Wie sehr weite Kieije zu diesem Kerniay Der Heimatliche noch erzogen werden mässen, gehl daraus hervor, daß es sogar sogenannie Heimat- vereine gibt, die mit ihren Aufträgen sich lieber nach Berlin wenden, als daß sie die heimitche Industrie, leistungsfähig wie jede andere, berück- sichtige!. Echte HeimaNren De, denen das 'Nachdenken nicht eine ganz fremde Sa i.-e ist, werden allerdings die Bedeutung jenes RuteS verstehen und ihm gemäß handeln. 'Möge der morgige Sonntag, von Harem Winterwetter begleitet, das Füllhorn leines goldenen Segens über unsere Geichäftswelt ergießen und sie für ihre 'Mühe und Aufwendungen reichlich ent« schädigen. Wie bekannt, sind die Ladengeschäfte an diesem Tage bis 8 Uhr abends geöffnet. Hoffentlich hält das jetzt eingeire ene klare Frostwetter auch weiterhin an.
Beim hiesigen Postamt werden morgen, Sonntag, ul. Dezember, Pakete von 8 bis 1 Uhr vormittags und von 5 bis 6 Uhr nachmiltags angenommen
△ Arbeiter-Legitimationskarten. Amtlich schreibt man uns: Mit Ablauf des Kalenderjahres 1913 verlieren die in diesem Jahre den ausländischen Arbeitern ausgestellten Arbeiter-Legitimationskarten ihre Gültigkeit und müssen daher von den ausländischen Personen, die auch im Jahre 1914 in Deutschland wohnen und arbeiten wollen, erneuert werden. Die nicht in das Ausland zurückgekehrten, sondern im Inland verbliebenen ausländischen Arheiter haben den Antrag auf Erneuerung unter Vorlage der alten Karten und ausreichender Heimatspapiere bei der Ortspolizeibehörde der Arbeitsststätte zu stellen. Die Anträge sind hier bei der Königl. Polizei- Direktion, Lindenstraße 2, Zimmer 5, unter Rückgabe der Karte für 1913 und Einreichung der Ausweispapiere zu stellen. Eine Ausfertigungsge- büln h'irb in diesen Fällen nicht erhoben, wenn die neuen Karten vor dem 1. Februar des neuen Jahres ausgestellt werden. Die in das Ausland zu rückgekehrt en ausländischen Arbeiter müssen dagegen den Antrag auf Erneuerung der Karten gleich bei der Rückkehr in das Inland auf einem der an den Haupt übeigangspunkten der Grenze eingerichteten Grmz- ämter der deutschen Feldarbeiter-Zrntralstelle persönlich stellen und für die Erneuerung eine Ausfer- tigungsqebühr von 2 Mark zahlen. Diejenigen Arbeiter, die unter Umgehung der Grenzämter weiter im Inland in Arbeit treten, können zwar im allgemeinen noch nachträglich durch Vermittlung der Polizeibehörde ihrer Arbeitsstätte die Ausstellung der Legitimationskarte beantragen, jedoch haben sie alsdann mit Nachteilen und Unannehml'chkeiten zu rechnen. Insbesondere haben die übet die Ostgrenze zn- rückkehrenden Arbeiter zu beachten, daß sie nach dem 1. Mai nächsten Jahres in landwirtschaftlichen Betrieben an der Arbeitsstätte überhaupt nicht mehr legitimiert werden, in jedem Falle der Legitimation an der Arbeitsstätte aber 5 Mark statt 2 Mark an Gebühren zu zahlen haben. Wer den Vorschrifen über die Jnlandslegitimierung nicht nachkommt, hat Ausweisung zu gewärtigen. Die Arbeitgeber sind ersucht, die bei ihnen beschäftigten ausländischen Arbeiter zur Beachtung der Vorschrift über die In landslegitimierung anzuhalten 11.1b insbesondere daraus hinmwirken. daß die im nächsten Jak're in d->s Inland zurückkehrenden Arbeiter sich die neue Legi- timationskarte akeich beim Ueberfchreiten der Grenze auf einem der Grenzämter persönlich beschaffen.
(!) Zu der Schießübung nu* der ho' en Rhön waren am üönnerstaa die aus „allen Leuten" zuiamnen- aesetzien Batterien des Fu'daer Friaarliller'e-Regi- ments mit 4 Kanonen und 4 Haubitzen in Gersfeld emnetroffen Gestern vormittag cr'olalc der Au'marlck nach Obernhaufen-Fuldaquelle. Von 1/*12—12 Uhr Donnerten Die Kanonen und dröhnten die Haubitzen in raset er Reihenfolge zum 'ritenmat über unsere Höchsten Rhönt erge Hin. Die Batteriestellung war unweit der Fiildaguelle, das Ziel auf den Heidel«
zu grauen, ohne daß sich irgend etwas gezeigt hätte und endlich richtete er sich auf.
„Sie müßten schon da fein, denn am hellichte.i Tag stiehlt man keine Trauhen; wenn sie am Ende gar nicht kämen, was dann?"
Es wurde immer lichter, bald würde die Sonne die Landschaft erhellen.
Vater Mahuret griff nach dem Gewehr, Welches er nachlässig geschultert hatte u.id sprach in verächtlichem Tone:
„Elend-s Gesindel, sie haben Furcht gehabt, sie errieten wohl, daß ich in der Nähe sei."
Da er aber die geballte Faust in der Richtung gegen das Dors zu erhob, vernahm er plötzlich ein seltsames, ungewohntes Geräusch. Ein etwas kam über den Weg gelaufen, es schien ein Vierfüßler zu sein, sicherlich ein Wolf.
Mit fast unwillkürlicher Geberde legte er das Gewehr ai und feuerte den Schuß ab. Das Tier wurde von rückwärts getroffen, schwankte und stürzte, indem es ein Schmerzensgeheul ausstieß, zur Erde.
Stb-r was war das? Dieses Geheul erinnerte ganz und gar nicht an das des Wolfes, sondern west eher an das klägliche Gejammer eines Hundes. Der Laut hatte beim Dämmerlicht des grauenden Tag"- etwas so Unheimliches, daß der Waldhüter Die Empfindung hegte, es schnüre ihm das Herz zusamine.i; er war ein mitleidsvoller Mensch, dem es weh tat, Leid und Schmerz zu verursachen.
„Teufel noch einmal, das ist ein Hund! Da tu’ ich besser, gleich den zweiten Schuß abzuseuern, der im Lauf ist damit das arme Tier nicht unnütz le.^et, nur muß ich mir Mühe geben, es nicht zu verfehlen."
Mit kleinen Schritten, das Gewehr schußbereit haltend, trat er näher, entschlossen, den Hund zu töten, um seinen Selben ein Enbe zu machen.
„Weiß ber Teufel, vielleicht ist er toll! Ein verlorener Hund — man »-am nie wissen!"
Trotzdem war es ihm bang ums Herz, tat ihm das Tier leid und gleich Adam im Paradiese, mühte er sich feige, die Seranttoortung*für das, was geschehen, seiner armen Ehehälfte auszubürden.
stein. Nach taaelangem Regen und Nebel hatte sich Das Wetier amgebeUt. Bei lei.ttem Frost war ein ionrig tlaier Wintertaa, so recht geschaffen für den ersten Sctueßoerfuch aut bis 950 'Dieter hohen Rhön- bergen, wo schon vor vielen Jaaren einmal ein Schießplatz projektiert gcroeien fein loQ. Tie Manmchaften kochten nach Dem Schießen ab und feinten noch nachmittags direkt in ihre Garnifon zurück. Zu der Hebung war, rote wir gestern tck on meldeten. Der neue wtsionskomminDeur, Generalteutn ant Frcy'aa von Lobrinahoven und De- KommavDeur Der 22. Artillerie-BrigaDe, Generalmajor von Kluge hier ein. getroffen.
(!) Jagdbestände und Pfadfinder. Tie Jagdpäch- ter sind in verschiedenen Bezirken in Hessen- Nassau, dem Großherzogtum Hessen, in Unter- franken usw. über die Pfadfinder sehr ungehalten, da die jungen Leute mit Trommeln und Pfeifen die Waldungen durchstreifen und dadurch das Wild beunruhigen und verjagen. An einige Gemeindeverwaltungen sind nunmehr die Nimrode herangetreten, hiergegen einzuschreiten. Es hat sich nach angestellten Ermittelungen jedoch keine gesetzliche Handhabe gefunden, die ein Einschreiten der Gemeinden, die die fraglichen Jagden verpachtet, bietet. Tie Jagdbe- ftänber wurden daher angewiesen, ihren Beschwerden auf dem Zivilrechtswege Geltung zu verschaffen.
s Erbschaftsschwindel. Ein „Advokat" Ernesto Gumpel in Barcelona hat in letzter Zeit zahlreichen Personen in Deutschland eine inhaltlich übereinstimmende Mitteilung übersandt, wonach ihnen ein Verwandter ihres Namens, der im Jahre 1885 nach Mexiko aiisgewandert und kürz! ch in Barcelona verstorben sei, 35 000 Mark bar, sowie Grundstücke in Havanna und in Jamaika vermacht habe. Ter Bedachte solle zwecks Auszahlung des Barvermächtnisses bis zu einem bestimmten Tage einen beiliegenden Fragebogen ausgefüllt an ihn, als feinen Vertreter, nach Barcelona, poftkaaernd einsenden und zur Deckung der Gebühren und Stemvelkosten einen 50 Mark- sckiein beifügen. Die Auszahlung des Barvermächt- nisscs werde bann durch das Erbsckastsgericht seiner Kreisstadt erfolgen. Wegen des Verkaufs ober der Verwaltung ber Nachlaße,runbstücke ^verde er, ber Advokat, später ausführlich schreiben. Es liegt auf ber Hand, schreibt big „Nordd. Allg. Ztg.", baß die Geschichte von der Erbschaft erfunden ist, um loichtoläiibige Leute zur Einsendung des 50 Markscheins zu veranlassen, mit dem der Schwindler dann das Weite suchen würde. Ta sich aber immer wieder Unerfahrene finden, die auf einen solchen Plump angelegten Schwindel hereinsallen, so ist eine Warnung auch in diesem Falle nicht überflüssig.
E Tas Lesen von Schundliteratur hat dem erst 17jährigen Zimmermannslehrling I. B. aus der Nähe von Sargenzell auf eine schiefe Bahn gebracht und so vor die Strafkammer geführt. Voriges Jahr im Juli fingen feine Vergehen an. Zuerst stahl er ans einem Harise in Betzenrod 37 Mark an bar. Tann schoß er im Walde bei Hünfeld mit gestohlenem Revolver auf verschi"dene Personen, verletzte hierbei auch ein 18iäbriae§ Mädchen. Es hat heute noch ein Schrot im Rücken sitzen. Unter Drohung und mit Gewali 'entriß er weiterhin Kindern die gesuchten Maiblumen, in Großenbach und Neuwirtshans stall er je ein Fahrrad, einem Müller in Burghaun nahm er aus ber Tisckschublade 322 Mark in bar weg. Schließlich schoß er wiederholt in benachbarten Wäldern aus jugendliche Personen. Er hatte inzwischen einen größeren Betrag baren Geldes gesammelt, sich auch Revolver und Munition verschafft und fuhr nach Hamburg. Hier fiel er der Polizei in die Hände, die ihn vorläufig in Fürsorgeerziehung überwies. Er wurde aus der Anstalt Sannerz gestern voraeführt. Eine ganze Menge Pistolen zierten den Tisch des Hauses. Tetz Erste Staatsanwalt wollte das Bürschchen wegen seiner verbrecherischen Neigungen und den verursachten erheblichen Ausschreitungen insgesamt auf ein Jahr ins Gefängnis schicken. Tas Gericht billigte dem Jugendlichen mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu insgesamt 6 Monaten Gefängnis und 6 Tagen Haft.
§ Tas MictS-Quittungsbuch ist eine Urkunde; es dürfen darin keine fälschlichen Eintragungen gemacht werden, von denen nun Zwecke der Tänschu tg Gebrauch gemacht wird. Ties muß auch die 46jäh- rige Handarbeiterin Frau B. Sch., hier wohnhaft, lernen. Ihr war die frühere Wohnung zum 1. Oktober b. I. gefünbigt. Sie zog jeboch nicht ans, son- bern erst am 16. Oktober. Da ihr bas fällige Gelb zur Bezahlung der Miete fehlte, verpfänbete sie ba- für einer teuren Spiegel im Werte von 68 Mark. In ihr Mietbuch schrieb sie die betreffende Quittung vor und fälschte die Unterschrift der Empfängerin. Die rückständige Miete bezahlte sie aber erst am
„Die Mahurette trägt Schuld daran, warum hat sie gewollt, daß ich ein Gewehr nehme!" fügte, er sich; inzwischen winselte ber angeschossene Hunb jämmerlich, als er aber das Herannahen bes Mannes vernahm, toanbte er boch zähnefletschend den Kopf nach feiner Seite, bemühte sich aufzustehen, fiel aber alsbald mit einem zornigen Schmerzenslaut wieder auf die Erde zurück.
Längeres Zögern war unmöglich. Aus Barmherzigkeit ebenso sehr, wie aus Klugheit galt es, dem Leiden bes armen Tieres ein Enbe zu machen.
Langsam, überlegenb, bie richtige Stelle suchenb, legte ber Waldhüter das Gewehr an, aber nur, um es rasch mit einem Schreckensschrei zu Boden zu stellen.
„Mein Gott, ein Kind, ich möchte darauf wetten, daß ich es getötet habe!"
Er wagte gar nicht, sich zu rühren, er wollte nicht sehen, aber seine scharfen Jägeraugen zeigten ihm deutlich, zwischen den Vorderpfoten des Hundes zwei kleine, steife Kinderfüßchen und einen zierlichen Kopf mit dunklen Locken. Er fragte sich nicht, auf welche Art dieses Kind hierher komme; eine unsägliche Angst bemächtigte sich seiner; im Geiste sah er erschreckende Visionen, sah er Gendarmen, den Gerichtshof, sich selbst als Angeklagten, des Mordes geziehen.
Während der Hund ibn mit bösen Blicken anstarrte, flüsterte er unaufhörlich:
„Tas ist bas Gewehr, nichts als das tierbammte Gewehr!"
Und gleich jedem Mörder emvfand er das unwiderstehliche Verlauten, die Waffe, welche dazu gebient batte, die unheilvolle Tat zu vollführen, weit von sich zu werfen.
Wenige Schritte von ihm entfernt befand sich ein Steinhaufen. Er lief auf denselben zu, und -hne daß er den Mut gehabt hätte, das winselnde Tu c zu töten, verbarg er fein Gewehr in dem Steinhaufen und lief, so rasch ihn seine Füße nur tragen wollten, nach dem Torfe zurück.
Jetzt schritt er nicht m-hr bocherhobenen Hauptes daher, er sah vielmehr recht kläglich aus, gleich einem Uebeltätcr, welcher fürchtet, von irgend einem Dorf-
29. Oktober. Dem neuen Mietsherrn nebst Frau zeigte sie Dritte Oktober ihr Mietbuch vor. Ersterer erfunbtgte sich bei ber letzten Vermieterin unb da- burch kam ber Stein ins Rollen. Tie Angeklagte war gestern sehr aufgeregt und mußte wiederholt zur Ruhe ermahnt werben. Tas Gericht verurteilte sie bem Anträge des Ersten Staatsanwalts gemäß unter Bewilligung widernder Umstände wegen Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängnis.
r*7 Ein gefährlicher Ticb, der dritte in einer Sitzung, stand gestern in der Person des 24jährigen Sckuhmackergesellen Valentin Wensierski vor der hiesigen Strafkammer. Geboren zu Behreud bei Danzig ist er schon sechsmal wegen schweren Diebstahls vorbestraft, zuletzt mit 1 Jahr 7 Monaten Zuchthaus. Tiefe Strafe war am 9. August b. I. verbüßt. Doch lange wollte ihm die Arbeit bei Meistern nicht gefallen. In der 9lad)t vom 28.. zum 29. Oktober d. I. schlick er sich in das Haus seines früheren Meisters K in Hünfeld, und entwendete ein Portemonnaie mit zirka 50 Mark Inhalt, stahl noch Handwerkszeug, eine wertvolle Brosche, einen Ring und ein Paar rebarierte Schuhe, dem Kaufmann K. in Hünfeld gehörig. Letzterer ermittelte am folgenden Morgen zufällig im Zuge nach Fulda den Dieb und veranlaßt? seine Verhaftung. Der Erste Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf den gemeingefährlichen schweren Diebstahl eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren. Tas Gericht erkannte demgemäß.
§ 2'er uuchemander P. Muller, oei „eitern vor ber hiesigen Strafkammer einmal mit 6 Jahren unD oann nut 7 Jahren 8 Monaten Znckthaus bestraft wurde, tfi hcuie vormittag um */?9 Uhr Durch Unsere zrori Krimmalschutzleute nach Dem Zuchthaufe WehlhetDen bei Kaffe! überführt worben, um Dort (eine ©eiamtftrafe von 13 Jahren 8 Monaten zu verbüßen.
△ Tar Kriegsgericht der 22 Tivision verhandelte wegen mtlttättfdicn Diebstahls gegen Den Kanonier A K. von ber 6. Batterie AritU.-Regt. Nr. 47 zu FulDa. Er hatte Durch mehrere felbstcsi Dtge Handlungen en Der Batterie gehöriges Lieoerbuch unD 6 Huieffen aus bem Besitz bes Regiments sich wiberrechtlich angeeignet. Das Kriegsgericht verur« 1 eilte Den 'Ungefragten wegen milucilUchen Diebstahls in vierfach, n Straftaten zu 16 Tagen Mutetarrcit.
♦ •* Naturdcnkmalpflöge. In Der Abhandlung unter dieser Spitzinarke, eit. 291 bei ,Fulc>. Ztg ' mutz °s heißen: „Die (SeuumDe Biouerode tchützi zehn Hektar des eieuebergroatDcs durch P len le rb et ri e b" nicht durch Sl'räuieibcliub.
% Fußballsport. Zum letzten Spiel der ersten Serie tritt morgen Die eilte Mann|chatl des Saifeler AutzbciU- tluds „£>ertules" gegen Die gleiche S>ann|chirst Des Fuß« bantlut S «oruisia in FulDa au| den -porlplntz am Neue.,berg an. Um 1 Uhr spielt Die zweue Mannichnst Boruifias gegen Die erue Des FupbaUllubs „Biliar »“•- Herssetd.
Aus dem Ua.t)bargebiete.
△△ Tillofrod, 18. Dez. 1913. Der in Westfalen als Etuiateur arbeitende 21jährige Sohn des Joh. Gutmann von hier, ber auf heute fein Hettukoiniue» gemeldet haue, ist bei Ausübung feines Berufes durch Sturz tödlich verunglückt. Sein Vater begab sich zur Beerdigung dorthin. Der Fall erregt hier allgemeine Teilnahme.
♦ Vom Vogelsberg, 20. Dez. 1913. Der Groß- Herzog hat am 13. Dezember den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Höchst i. O. Albert Hoffmann zum Amts, richter bei dem Amtsgericht Herbstein mit Wir- kn tg vom 1. Januar 1914 ernannt. — Der langjährige Verwalter der Molkereigenossenschaft Sch l i tz, HerrH. Rabe, hat das der Firma Schützer Tertil- toerle gehörende „Hohe Haus" gemietet; er beabsichtigt, eine Molkerei mit elektrischem Betrieb auf eigene Rechnung zu errichten.
* Gemünden (Main), 20. Dez. 1913. Im Wege der Zwangsoersteigerung ging das Anwesen des „B ü r g e r b r ä u Gemünden, G. m. b. H." nm das Meistgebot von 68 100 Mk. an Rechtsanwalt Engert hier und Bankier Martin, Lohr, über.
♦ Hanau, 19. lez. 1« 13. In euer Liamant- arbettcroetiammlung wurde einstimmig bc« ichlosseri, jede TarUunterbn irnig zurückzuweisen und außerdem |üt das J.chr 1914 keine Lehrlinge aiiz>:« lernen. ,
* Offenbach, IN Tcjbr 1913. Plötzlich irrsinnig wurde der in Den 40er Jahren fteijenDe Zuichneider Lutz. Er ließ nch an einem Strick zum Fenn er erunter und blieb eine Weile in der Schwebe hängen. Auch durch die ©ducctidüffe Der Schutzleute ließ er sich nickt von jeinern Vorhaben abbringen. Als er herumerging, würbe er ergriffen unD Der Landes-Irrenanstalt emaeltefert.
bewohner entdeckt und mit Fragen gequält zu werden. Er zerbrach sich darüber den Kopf, wie er sein Alibi erbringen solle; er sagte sich, daß niemand sein Fortgehen gesehen und daß, wenn er die Behauptung durchführen könne, daß er sein Heim nicht verlassen, auf ihn sicherlich kein Verdacht fallen werde.
Dieser vor dem Feinde und in mannigfachen Gefahren so tapfere Mann sank bei dem Gedanken an die Gerichtsbarkeit seines Landes zum Feigling herab.
Nachdem ihr Gatte sich entfernt, hatte sich Frau Mahuret noch einmal umgedrcht und war wieder eingeschlafen. Sie schlief auch noch, als die Türe ihres Hauses leise geöffnet wurde und eine ängstliche Stimme rief:
„Du Frau!"
Was gab "es denn, was war geschehen? Darum stand ihr Gatte bleich, mit erschreckten Augen, mit zuckenden Lippen vor ihr? Warum stammelte er Worte, deren Sinn sie kaum verstehdn konnte?
„Ich habe auf den Wolf gezielt, da entdeckte ich plötzl'ch, daß es ein Hund sei — ich wollte ihm rasch den Garaus machen, weil er fo winselte, da sah ich daß zwiscken seinen Pratzen regungslos ein Kind liege. Ich habe es zweifelsohne getötet unb darum machte ich mich aus dem Staube." Vorwurfsvoll fügte er dann hinzu: „Es ist Deine Schuld! Weswegen hast Tu mir gesagt, daß ich das Gewehr nehmen solle!"
lleberroscht, wiederholte sie:
„Das Gewehr — wo ist es? Darum hast Du c3 nicht mehr?"
„Zum Teufel, hätte ich es etwa bringen sollen, damit man mir »anz aewiß den Kopf nbfdineibe, damit ein Beweis Di ist. der überzeugend gegen mich spricht?"
„Aber wo baff Tu es hingetan?"
„Verborgen."
„Verborgen! Und was dann, wenn man? findet? Welcke grenzenlose Torheit ist das doch?" .
S^ war klüger als er und begriff sofort die Folgen jenes Schrittes, welcher ihrem Gatten fo einfach und sclbstverratcrisch erschienen war!
(Fortsetzung folgt.)