4. Blatt.
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Samstag 20 vezemver i<H3.
Karl Tomanig.
|; Gestorben am 9. Dezember 1913.
Don Anton Dürrer - Innsbruck.
(Nachdruck nicht gestattet.)
,. . . Person und Stand und Heimat Gesinnung wie Geboren, Wie >ch irrt« und mebte,
Berlünden iiieö und Sprüchlein . . .*
Mit diesen Weiten stellt sich Karl Domanig, der Tiroler Lichter und Volksmann, in seinem „Wanderbüchlein" vor. Wer ist der Mann, der behauptet, sein ^ch »n wenigen Werken ganz und wahr wieder- gegeben zu haben?
Ter slawische Name weist uns in das seit Karl dem Großen germanisierte Mölltal in Kärnten, aus dem der Urgroßvater des Dichters anfangs des 18 Jahrhunderts ins tirolische Pustertal eingewaudert ist, wo er als „Ehrnvest und fürnember Herr" 1740 einen Wappenbrief erhielt. Sein Sohn Elias, Postmeister von Schönberg am Brenner, war ein Per- trauter Andreas Hosers. Tontanigs Bater sehen wir als wohlhabenden, angesehenen Kaujmann und Ratsherrn in Sterzi.rg am Eisak. Er vermahlte sich 1848 mit Juliana Oorist, Tochter des Slögerbaucru von Stans (Unierinmal), der in der Geschichte von 1809 ebenfalls rühmlichst bekannt ist, einer Schwester des in Tirol nachmals weitgeachteten Dichters Hans Obrist. Juliana, die der Sohn eine hochbegabte, ftarkmütige Frau nennt, stand trotz ihrer geringen ormalei, Schulbildung im späteren Leben mit Man- nern wie Pros. Schönach, Alois Feier, Hermann von Gilm, im Verkehr.
Am 3. April 1851 erblickte Karl Domanig in dem kleinen romantischen Städtchen, mitten im Herzen Tirols, das Licht der Welt. Er hatte eine schöne Heimat, war ein frischer Junge und trieb sich bald mit dem „homerischen" Bauernvolke der Umgebung ober auf der Jagd herum, wenn es vom Gymnasium in die Ferien ging Von Brixen, wo er die ersten drei Hahre das Gymnasium besuchte, mußte er infolge einiger „Streiche" nach Salzburg, wo ihn das Heimweh nach dem idyllischen Sterzing und seinem guten, bürgerlichen Vaterhaus übermannte. Aber diese Tage gingen vorüber und feine Vaterlandsliebe bekundete sich bald besser in begeisterten Versen auf den Sieg von Cusiozza.
Die 7. Klasse studierte Domanig daheim. Der Dichter nennt diese Zeit, in der er selbständig denken und arbeiten lernte, eine der schönsten seines Lebens, weil er nun auch Land und Leute kennen und schätzen lernte. Und in der Liebe für unser Tirol ist der Mensch und Dichter aufgegangen.
Nach der Matura in Meran wandte sich Karl dem Jus zu, vertauschte es aber bald gegen Philoso- phie. Tie Hochschulen von Innsbruck, Straßburg und die Gregoriaua zu Nom sahen den heißblütigen Idealisten in seinem Streben nach dem Hohen und Schonen.
Haue der Gymnasiast sich vorübergehend von der Kirche emanzipiert, um freiere Bahnen zu wandeln, fo fand er jetzt den besten Anschluß wieder. iDlit deutscher Treukraft hat er seitdem stets zur Kirche gestanden, als Mensch wie als Dichter. In Innsbruck schloß er sich gleichzeitig mit dem jetzigen Erzbischof Bellinger und dem leider schon verstorbenen Schriftleiter deS Görresschen Staatslexikons, Dr. Adolf Bruder, der katholischen deutschen Verbindung „Austria" an, deren Mitgründer Prof. Dr. I. L. Wolf, später sein Schwager, deren damaliger Senior, der jetzt als Lyriker bekannte Dr. Slug. Lieber, sein Leibbursch wurde. Damals entstand das noch heute wertvolle Echristchen: „Eine „katholische" Burschen- schäft", m der er die Bestrebungen des C. V. klar- legte. Die angeschlossenen „Scholarenlieder" entflammen zumteil eigenen Dichtungen, zurnteil denen Adolf Bruders, seines stetigen Begleiters auf feinen Wanderfahrten durch Tirol und anderer.
Nach der Rückkehr aus Rom, i. I. 1875, das aus dem stürmischen Studenten einen zielbewußten Mann, Dichter und Gelehrten gemacht und ihm den Blick fürs Große und Erhabene geschärft hatte, widmete sich der Neodoltor der Philosophie, dem Studium Wolframs von Eschenbach und Walthers v. d. Vogelweide, dessen Sk'fultate er im Laufe seines Lebens veröffentlichte. Sie boten ihm neue Nahrung zu seinen volkstümlichen Unternehmungen, den historischen „Tiroler Karten" und „Tiroler Kalendern", deren 3. Jahrgang in einer für das damalige Deutschtirol unerreichten Höhe von 20 000 Exemplaren erschienen.
1880 kam der junge Dichter und Kunstgelehrte nach Wien, wo er im Herzog Württembergischen, bann tm kaiserlichen Hause als Lehrer für Literatur- und Kunstgeschichte bis 1901 wirkte und neun kaiser- liehe Prinzen, u. a. auch den österreichischen Thronfolger unterrichtete. 1884 trat Domanig ins kaiserl. Kabinett für Münz- und Medaillenkunde, wurde 1900 Vorstand der numiSmat. Abteilung für Mittel- alter und Neuzeit, 1906 wirkl. RegierungSrat, 1910 Direktor am k. und k. Hosniuseum in Wien.
Am 25. Februar 1885 vermählte sich der junge Beamte mit Irmgard Müller, Tochter eines Wiener Rechtsanwaltes. Die Ehe gestaltete sich zu einem idealen Zusammenleben. Ter Dichter hat selbst er- zählt, wie seine Gattin bald einer Tirolerin zum Verwechseln ähnlich wurde und ihm und seinen 10 Kindern in Klosterneuburg bei Wien ein echt tirolisches Heim bereitete. Ihr verdankt Domanig fein Schönste^ im Leben und hi der Kunst.
In Italien war es ihm zum Bewußtsein gekommen: „Wenn ich meine Stellung als Poet recht verstehe, so bin ich als solcher zu allererst Tiroler und tirolischer VolkSmann." Man hat die Intention des Dichters oft verkannt.
Noch beschämender war die Interesselosigkeit, die man der bramaiischen Trilogie „Ter Tiroler Frei- heitSkampf" entgcqenbrarljte. Tas imposante Werk ist dem österreichischen Baterlande deS Dichters gewidmet und ist weitaus die bedeutsamste Verherrlichung der Erhebung Tirols.
Ein historisches EpoS, „Um Pulver und Blei", das uns von den zwei Tirolern erzählt, „die Anno neun zum Kaiser fuhren, um Pulver und Blei, und dann die schwere Heimkehr hatten", bildet die Ouvertüre zu deni monumentalen Trauerspiel von Tirol. Durch die lebenSsatte Charakteristik der Personen, die liebevolle Teilnahme am Schicksal der Braven, durch die schlichte Größe dieser Helden und die wirkungsvolle Abhebung der idyllischen Szenen von dem grandiosen Hintergrund weltgeschichtlicher Vorgänge erscheint diele tirolische Odyssee nicht nur als eine reife
Frucht Tomanigscher Kunst, sondern erhebt sich überhaupt zu den vollendeten Dichtungen dieser Art.
Tie Ausarbeitung der Trilogie umfaßte drei Jahrzehnte. Tomanig gehörte nicht zu den fingerfertigen Literaten, über die sich Anzengruber gelegentlich lustig macht, wenn er von jenen Akrobat m beS Schreibtisches spricht, deren Schweiß zu lecken baS Publikum nicht müde werde. Unserem Tiroler fehlte die berühmte „leichte Hand", von der unsere „bürgerlichen" Theaterdirektoren und „schöngeistig» i" Verleger schwärmen. Er konnte nicht auf Bestell, 'ng schreiben, das Sujet sich diktieren lassen, den nächf besten Stofs anpacken. Was er aber anhackte, was ihn selbst, den Menschen und Dichter ergriff, das hielt er fest, verarbeitete es in sich, bis ein Teil des Eignen, in langem Innenleben aus dem besten Ich heraus- geboren wurde. ES ging ihm wie feinen Tiroler Bauern, die auf Gott vertrauend, ihre Saaten fäen und den ganzen Sommer im Schweiß schützen, bis ein glücklicher Herbst ihnen in wenigen Tagen die ganze goldige Ernte unter die Sichel wirst. So können wir erleben, daß der Dichter in zwei, drei Wo- chen ein ganzes Drama oder Epos gebiert, freilich um erst noch jahrelang dasselbe zu pflegen, bis Künstlerwerk und Künstlerintention sich decken; und jede Neuauflage wird zur Neuausgabe.
Außerdem ist der Dichter auch gar zu viel in seinem Schaffen behindert worden, als Lehrer wie als Beamter. Und Tomanig war nicht der Mann, der seine Pflicht nur halb tat. Dennoch fielen zwischen Be- ginn unlk Vollendung der Trilogie einige bedeutende Dichtungen. „Der Äbt von Fiecht" (6. Ausl.), eine auS Klostergeschichte und -Tradition zusammenge- toobene Berserzählung, führt uns zurück. >n die Grün- dungszeit deS Tiroler Stiftes. Die Märe hat den Ruf DomanigS als Epiker begründet und hätte schon längst ebensoviele Auslagen wie Fr. W. Webers „Go- liath" verdienl. Kabinettstücke würz'ger Heimatkunst bieten die volkstümlichen „Kleinen Erzählungen" (3. Ausl.), einfache Tiroler Geschichten voll sonniger Gemütstiefe und psychologischer Entwicklungskunst, von denen wir nur mehr in dem Volksbuche „Das Tiroler Haiisgärtlein" (Auflage: 200 000), ähnliches wiederfinden.
Einen kurzen Ueberblick über sein eigenes kämpf- reiches Leben entwirft Domanig in feinem „Wander- büchlein". Die kraftvolle, männliche, ehrliche Tiroler Art schlägt deutlich durch Lied und Spruch und Bal- lade.
Domanig beabsichtigte noch, seine Werke zu sammeln, zu sichten und als Volksausgabe in etwa fünf Bänden berauSzugeben. Leider war seit 1903 seine Gesundheit erschüttert. Die Uebcranftrengungcn als Lehrer und Beamter, die niederdrückenden Lebenserfahrungen, nicht zuletzt als Dichter, vorab als Dramatiker, mögen beigetragen haben, daß Dr. Karl Do- manig bei Arterienverkalkung, Lungenblutungen, Anfällen von Schlag und Atemnot und zuletzt durch Gehirnblutungen fein Leben in den besten Jahren lasten mußte und bei Einbruch der Kälte in den ersten De- zembertagen die Katastrophe jäh eintrat.
Es schien gerade die Zeit angebrochen zu sein, in der auch das Verständnis für K. Domanigs Werke sich regte und die junge literarische Welt der Katholiken für den Tire'er Altmeister eintrat. Der Dichter hat das Morgenland geahnt und sich damit trösten müssen, daß die Enkel seinerzeit ihm Anerkennung und Dank zollen werden.
ac. Mit dem Stern von Bethlehem
bat sich in den letzten Jahren eine ganze Anzahl von Forschern befaßt. Wir sehen ganz ab von jenen, welche kurzerhand die ganze Erzählung von dem Erscheinen eines Sternes bei der Geburt Christi, welcher die „Weisen aus dem Morgenlande" an die Krippe des neugeborenen Heilandes geführt, als Sage oder Dichtung abweisen, ob sie das tun mit Hinweis auf die Gesetze der Geschichtskritik ober auf sonstige Bedenken, welche der Erzählung im Wege stehen sollen.
Aber auch jener Standpnnst, welcher den Doraana in seinem ganzen Verlaufe als Wunder betrachtet oder bei dem Stern an ein Meteor ober sonst eine wunberbare jebenfalls ungewöhnliche Lichterschei- nuna benft, bat mit dem nicht gerinnen Bebenken zu rechnen, wieso benn bie Magier beim Anblick eines plötzlich aufleiichtenben Gestirns auf ben Gedanken kommen, baß im Juden lande ein König geboren worden sei, warum gerade da und nicht in einem andern Lande. (Tillmann-Maier. Die Schriften des Neuen Testamentes s, 96 f.) Welche Gründe hatten sie für diese ihre Meinung, wegen der sie auch nicht der aerinafte Zweifel ankommt.
Doch zuvor, was hat man unter ben brei „Weisen" aus dem Morqenlanbe zu sehen? Um es kurz tu lagen, Astrologen unb Sterndeuter wie ia die Astrologie, d. b. die Deutung der Gestirne und ihrer Bewegung auf irdische Ereignisse der im ganzen alten Orient herrschenden Anschauung entsprach und von dort aus auch bas Abendlanb sich erobert bat: nicht nur, daß der Astronom Keppler sich mit diesen Dinaen abgeben mußte, auch beute noch macht astrologische Horofkavstellerei in Städten wie Berlin glätt« zende Geschäfte!!
Astroloaen also, unb zwar aus Mesopotgmien, auf dem allen babplonisch-astvrischen Boben batten wir in ben „Weisen" zu feben. Wenn wir bann nur etwas wüßten über ihre „Gesetze", nach benen sie bie Vor- kommnille am Himmel beuteten! Auch bariiber besitzen wir, dank der Ersorschuna der astyrisch-babvlo- nischen Welt ein ziemliches Material svgl. Stein- metzer, Tic Geschichte der Geburt und Kindbeit Christi und ibr Verhältnis zur babylonischen Mvthe, Mün- fter 1910, und von demselben Bersaster in der Sammlung „Biblische Zeitfraaen" das Heft „Der Stern von Betblebem", Verlag Aschenborff). Danach werden unter ben Planeten x. B. der besonders durch innen Lichtglanz auffallende Jupiter unb auch te’- Saturn als Sterne bes Königs betrachtet. Saturn ist der Stern der Sonne und bie Sonne der Stern des Königs, wie es ausdrücklich auf einer solchen astrologischen „Gebrauchsanweisung" heißt. MarS dagegen aalt als der Stern des TobeS. Die AuSdeu- tiing mancher Erscheinung am Himmel mag beleuchtet werden burch Erwähnung einiger solcher Zeichen- teutunaen. „Rädert sich Mars dem Skorpion, so MH es einmal so stirbt ein Fürst durch Skorpion- stich" ober „umgibt ben Mond ein Hof und ftebt Jupiter darin so wird der König eingeschlosfen." Hier ist die Beziehung beS Jupiter auf ben König ebne weiteres klar: ebenso in dem folgenden: „Siebt Juniter mitten im Monb" fb b. wirb er durch diesen verdeckt>, „so wird in diesem Jahre brr König sterben."
ES lag nabe, um toicber auf den Stern von Bethlehem zurückzukommen, auch bei diesem Bericht einmal zu fragen, ob denn um die Zeit der Geburt Christi nicht ein auffallendes Ereignis in der Gruppierung der Sterne eintrat, welches die Aufmerksamkeit bet orientalischen Astrologen auf sich ziehen unb
im höchsten Grabe fesseln mußte. Unb ba hat schon ber vorhin genannte Astronom Keppler auf bie Konjunktion (Annäherung) ber beiden Planeten Saturn und Jupiter im Jahre 7 vor unserer Zeitrechnung hingewiesen. In jenem Jahre traten nämlich die beiden Planeten, die wii bereits als Königs- Planeten kennen gelernt hoben, nicht weniger als dreimal in Konjunktion (Annäherung) und zwar am 28 Mai, 3 Oktober rib 4. Dezember <vgl. bie Berechnung von Hontheim S. J. im „Katholik" 1908 I, 188). Waren bie heilen Sterne im März jenes Jahres 7 wieber sichtbc r geworben und am Morgen vor Sonnenaufgang cm Osthimmrl zu beobachten, so begannen sie bald merkwürdige Bewegungen auSzri führen:
„Sie näherten sich einander rasch, indem der schneller nach Osten laufende Jupiter ben vor ihm gehenben Saturn einholte. Am 30. April war er nuT mehr 2 Grab, b. h. vier BollmondSbreiten hinter ihm. Am 28. Mai hatte er ihn erreicht. Beide standen jetzt im 21. Grad der F i s ch e. Jupiter eilte weitlr dem Saturn voraus, und war im Juli schon 2 Grad vor ihm. Dann aber begann Jupiter . . . stillzuftebeu unb umznkehren. Er eilte jetzt zwischen ben Firsternen nach Westen hinter Saturn her, ber gleichfalls schon vor Jupit-r rückläufig geworben war . . Jupiter ist wieber schneller unb kommt dem Saturn immer näher. Am 14. unb 15. September . . stauben beibe Gestirne in Opposition zur Sonne. Um Mitternacht sah man die beiben königlichen Gestirne nebeneinanber genau in ber Mitte des Himmels im Zeichen der F i f ch e . . . Jupiter nähert sich noch mehr dem Saturn und erreicht ihn am 3 Oktober zum zweitenmal . . ., er eilt weiter nach Westen über ibn hinaus anfangs November kehrt er um nach Osten, unb so ziehen beibe Gestirne nabe hiniereinanber wieder gen Osten. Der schnellere Jupiter erreichte den Saturn am 4. Dezember zum drittenmal. Ei eilt ibm doi aus und das Doppelgestirn löst sich auf" (Hontheim a. a. O. 191 f).
Es liegt auf der Hand, daß für Leute, welche stets den Sternenhimmel beobachteten, ein solch auffallendes Phänomen nicht nur nicht entgehen konnte, sondern vielmehr ihre Aufmerksamkeit tm höchsten Grade erregen und fesseln mußte. Deutete man ein- mal den Unteraong (den heltakiscken) eines Planeten, b. h wenn biefer auf einiae Zeit in ben Strahlen der Sonne verschwand, auf ben Tob eines Königs, (ag es umgekehrt nahe, ben heliakischen Aufgang, bas Wiedererscheinen nach einiger Zeit auf die Geburt zu deuten. , ,
Aus ein ganz besonderes EreiamS mußte bann bie trieberbolte Vereinigung der beiden Königsplaneten Hinweisen.
Dafür wie man in den astrologischen Erklärungen den heliakischen Anfaang bes Jupiter beutete, gibt Steinmetz er eine recht instruktive Inschrift: „Geht Jupiter hrliakisch auf so werben bie Götter Fricten halten; was verwirrt ist, wirb klar, was trübe ist, wirb hell werden. Regen unb (fruchtbare) lieber- schwemmungen werden kommen .... die Länder werden in Ruhe leben, feindliche Könige werden friedlich sein, bie Götter werden das Gebet annehmen, bas Flehen erhören unb bas Vorzeichen bem Seher fnnbtun" (S. 26). Unb er bemerkt dazu: „Wenn bie Astrologen Mesopotamiens den heliakischen Aufgang von Jupiter unb Saturn Enbe März 7 v. Chr. beobachtet haben, konnte ihre Deutung bieses himmlischen Ereianisies nur lauten: „Ein großer König ist im Destland geboren worden! Er bringt Friede mit Gott und den Menschen, Gerechtigkeit und Wohl- gebeiben hn Laube." Der Schluß auf baS W e st - lanb von Mesopotamien aus betrachtet — Palästina, war gegeben burch das Sternbild der Fische, welches in der astrologischen Deutung ber Tierkreis- zeichen das Westlanb bedeutete. Unb bas Wort: „Wir haben feinen Stern im Aufgang gesehen," das rwar oft übersetzt wird, wir haben feinen Stern im Cften, im Morgenlanbe gesehen, würbe richtiger ans den astroloaischen Fachem Zteuck bezogen unb mit bem heliakischen Anfaang erklärt.
DaS letzte Wort über jenen Bericht des Evan- geliiimS ist freilich damit noch nicht gesprochen, und Steinmetzer bat recht, wenn er auf den schwankenden Boden ber Astrologie hinweist. baß darauf niemals ein solides Gebäude cbronoloaifcber Berechnung auf« gebaut werden könne, unb auch auf den komplizierten verwickelten Charakter bc8 astrologischen Systems BabvlonienS so baß man zwar bie Hauptgrundsätze astrologischer Deutung erfennetf könnte, aber damit noch weit entfernt sei von einer unbedingt sichern Erklärung. .
Ueberflüssig zu bemerken, daß mit dieser Heranziehung der altorientalischen Astrologie ein neuer Zeuge für die geschichtliche Glaubwürdigkeit des Evan- aelisten Matthäus gewonnen ist, denn was er erzählen will, das ist nicht so sehr baS Wunder deS Erscheinens des Sternes, denn sonst hätte er sehr viel ausführlicher davon gehandelt, als vielmehr das der Magier aus bem Osten an ber Krippe beB Jesuskindes. M
A. Die Herkunft der Weihnachts» defcherung.
Die Weihnachtsbescherung in der heutigen Form mit dem lichtstrahlenden Christbaume im Mittelpunkte, die groß und klein heute alS etwas Selbstverständliches erscheint, wurde in früherer Zeit in ganz anderer Weise begangen; der Christbaum bürgerte sich erst im 18. Jahrhundert in Deutschland ein. Wohl war die Sitte des Beschenkens schon im ganzen römisch-gallischen-deutschen Sprachgebiete verbreitet, doch nur unter den Geschworenen. Den Glückwünsche darbringenden Lehnleuten unb Dienst- boten gab man Geschenke ober auch nur ein Festessen. Galt doch im Mittelalter ber Weihnachtstag als Jahresanfang. So läßt auch Viktor von Scheffel in seinem Ekkeharb die schöne Herzogin Hadwig als Spenderin von Gaben an ihre Burgsassen und als Gastgeberin eines Abendschmauses erscheinen, und daS in späteren Zeiten unb heutigen Tages am Silvesterabend geübte Bleigießen, als Orakel für das kommende Jahr, am Weihnachtsabend auSüben.
Dieses Beschenken nahm aber gegen baS 14. Jahrhundert eine solche Ueppigfeit an, daß die Behörden durch öffentliche Verbote Einhalt geboten. Von einer Bescherung der Kinder hört man merkwürdigerweise erst im 16. Jahrhundert, und sie war zu dieser Zeit mit dem St. Nikolaus- und St. Martin-Umzügen verbunden. Im Lause der Zeit wurden diese Umzüge stark eingedämpft. In katholischen Gegenden hat sich die Bescherung am St. Nikolaustage lange gehalten unb finbet sich jetzt wohl noch. Meist aber wurde baS Bescheren am heiligen Abenb ober am 1. Weih- nachtSseiertag eingeführt. Doch unterschieb sich dieses von dem heutigen noch ganz bedeutend. Die Geschenke wurden weder aufgebaut, noch fand eine festliche Be
leuchtung statt. Man fügte sie zu einem Bündel zusammen und beftedte dieses mit einem Tannenzweig ober einer Rute. Dieses Geschenkbündel sichrte den Namen „Christbürde"oder auch „Christrutte". Diese Christbürden erhielten sich mehrere Jahrhunderte lang, unb wenn in alten Weihnachtsliedern das Christkind von der schweren Bürde spricht, die eS bringen wird, wenn bie Kindlein brav sind unb fleißig fingen unb beten, fo ist eine solche Christburbe damit gemeint. ...
Erst im 18. Jahrhundert begann man Christ- bäitme zu schmücken unb bie Gaben teils daran zu hängen, teils darunter auf festlich gedeckte Tische zu breiten. Ter Christbaum sollte anfangs als Tina- bild beS Baumes ber Erkenntnis in dem durch Christi Geburt wieder erschlossenen Paradiese dienen. In Ermangelung eines Apfelbaumes (ein solcher war nach bem Glauben ber Väter ber Baum ber Erkenntnis gewesen) würbe die immergrüne, alS Symbol ber Treue geltende Tanne gewählt, bie, man von Anfang an mit Bezug auf bie oben erwähnte Deutung mit Aepfeln behinq unb mit vielen Lichtern schmückte.
Im letzten Jahrzehnt macht sich eine starke Strömung gegen baS Behängen bcS Christbaumes mit Naschwerk geltend», unb zwar aus hygienischen Grün- ben. ' Man sehe sich einmal ein Kofektstuckchen, baS tage-, ja mitunter wochenlang am Baume gehangen bat genauer an, unb man wird entsetzt sein über bie Menge von Staub unb Rußatomen, bie baran hasten unb den Genuß bieses Naschwerks mehr als zweifelhaft, ja fogar gesundheitsschädlich erscheinen lassen. Man wird dann gern auf den süßen Christbanm- bebang verzichten, wenn damit auch wieder ein ge- wisier poetischer Reiz verloren geht, der den Kindern das Naschwerk vom Christbaum doppelt fuß unb bt- gehrenswert erscheinen läßt.
Ma Schnapskonfekt!
Die mit Likör gefüllten PralineeS, Bonbons und Zuckerbohnen haben zuerst in Englanb und Amerika die Aufmerksamkeit ber Polizeibehörden erregt. In manchen Gegenden der Vereinigten Staaten ist ber Genuß von Alkohol bekanntlich bei ziemlich strenger Strafe verboten. Der Alkohol präsentiert sich batet unter ben merkwürbigsten Vcrkleibunaen unb erreicht gerate dadurch solche, denen er naturgemäß am ge. fährlichsten werden muß. So hat dort schon fett Jahren eine besondere Industrie Bonbons, die mit feinen Schnäpsen gefüllt sind, zu, einem äußerst de- liebten Artikel in den Konfitürenlaben zu machen gewußt. Ta in ben genannten Ländern besonders unter ben jungen Damen ber Verbrauch biefer Art von Süßigkeiten anßerorbentlich groß war, unb sich vielfach Erscheinungen von Delirien einstellten, bie nur auf ben bäufiaen Genuß biefer Konfitüren zurück- geführt werden konnten, stellte man umfassende Un- tersuchunoen an. welche die Vermutung bestätigten und es klar mochten, daß der dauernde Genuß teS Alkohols in kleinen Mengen die übelsten Folgen hat. Jedem wird es ja bekannt sein, daß ein Glas Wein, teelöffcltoeife genossen, schon bie unangenehmsten Er- Meinungen hervorruft. Bei ber Füllung der erwähnten Konfitüren hantelt eS sich aber meistenteils um einen sehr minderwertigen SchnapS.
Auch bei uns sind in neuerer Zeit vielfach Kon- feste Bonbons, Zuckerbohnen, PralineeS usw. tn den Handel gekommen, die mit Schnaps terfduicbenet Art, darunter oft'mit sehr minderwertigem, gefüllt sind. So sand der Leiter des städtischen Unter- fuchungSamtcS in Chemnitz ben Alkoholgehalt tn Kog- nakbohnen zu 0,82-5,74 Proz., tn Arrakbohnen zu 1,67—3,37 Proz., in Rumbohnen zu 1,69—5,08 Proz ES können also aanz beträchtliche Mengen Alkohol schon mit */« Pfunb solchen Konfekts getroffen werben. Ferner fand das chemische UnterfuAunaSamt bet Stobt Elberfelb in Likörvralinees 3,55, tn Kognak. PralineeS 5.06 bezw. 5,28, in ArrakpralrneeS 1,43, in MabeiraprolineeS 0,97, in Punschbohnen 2,97 in Likörbohnen 25 bezw. 3,33 bzw. 4,46 Gramm ahso- luten Alkohol auf 100 Gramm Substanz. Durch noch andere Unterfnchunoen ist festgestellt worben, baß 15 Stück Konfekt im Gewichte von etwa WO Gramm, bie für zirka 28 Pf. käuflich sinb, einen ganzen Eßlöffel voll Trinkbranntwein enthielten.
Vor bem Genuß derartiger Branntwein enthaltet^ ber Konfeste ist mit Recht bereits vor Jahren burch einen Erlaß des Kultusministers gewarnt Worten. Diese Warnung, deren Wiederholung durchaus nützlich wäre, erscheint um so angebrachter, als bereits Fälle vorqekommen sind, in denen sogar erwachsene Personen durch den Gem,ß eines solchen Konfekts berauscht worden sinb. Es liegt auf der Hand, daß solche Süßigkeiten, bie alkoholartige Flüssigkeiten enthalten, für bie teranwachsenbe Juaenb ganz beson- ters gefährlich sinb. Halberwachsenen unb Kindern, bei denen ber Genuß alkoholhaltiger Flüssigkeiten in jeber Form oesimbheitsschäbigend ist, sollte bater ber- artiges alkoholhaltiges Konfekt zum Ellen nicht gegeben werben. ES wird somit insbesondere Ausgabe ber Eltern unb Erzieher sein, ben ihrer Obhut anter- trauten Sintern unb Pfleglingen den Genuß solcher Konfekte zu verbieten. ,
* Praktische Winke zur musikalischen Erziehung.
Bon Leopold Schmidt, Berlin.
Soll das Kind eines der gangbaren unb beliebten Musikinstrumente zu erlernen beginnen, bann hat ber Pädagoge zumeist nicht ben geringsten Einfluß auf bie Wahl bes Instrumentes. Es ist vielmehr immer ter Fall, baß biefe Wahl schon vorher von ben Eltern getroffen würbe. Ter Pädagoge hat bloS noch zu entscheiden, ob baS Kinb auch musikalisch be- gabt sei. Auch hängt bie Wahl bcS zu erlernenden Instrumentes keineswegs davon ab, daß bas Kind ben Wunsch äußerte, Geige, Klavier., Cello usw. zu spielen. Vielmehr bestimmen rein äußerliche Umstände die Eltern. Lernt baS Töchterchen Klavier, bann muß der Junge Geige lernen. Ist ein Klavier im Hause, lernt baS Kinb eben Klavier, tote tenn auch eine zufällig im Hause befinblicbe Geige_ die Wahl beS Instrumentes gleichfalls beeinflußt. Räumliche und materielle Verhältnisse spielen keine kleine Rotte, unb wenn schon baS Kinb selten Gelegenheit finbet, durch Bevorzugung dieses oder ,er.e3 Instrumentes ben eitern einen kleinen Fingerzeig zu geben, so darf dies der Pädagoge schon gar nicht tun. ES ist vielmehr zur Regel geworden, daß er sich dem Witten der Eltern zu unterwerfen habe und er tut dies, obzwar feine Erfahrung ihn lehrt, daß kaum der vierte Teil aller ihm anvertrauten Kinder dem Jnstiumente und dem Unterrichte überhaupt treu bleiben Nicht etwa, daß das Kinb später zu einem anderen Instrumente greifen würde! Die Kinder fallen einfach vom Musikunterrichte gänzlich ab, und