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6. Blatt.

vruck ett Saibett Scticirtmmi in

--> Zukdaer Zeitung. - 2L

wochen-Nun-jchau.

[:| Fulda, 19. Dezember 1913.

Ter plötzliche Tod des Kardinals Ram- Polla, des ehemaligen Staatssekretärs Leos XHL, raubt dem Kollegium der Kardinale eines seiner her­vorragendsten und berühmtesten Mitglieder, dem hl. Stuhle und der Kirche eine Kraft von autzerordcnt- lid) reicher Begabung, Erfahrung und Willensstärke. Man Hai vielfach im Leben dieses hervorragenden Purpurrrägers ein tragisches Geschick erblickt. Kar­dinal Rarnpolla wäre nach menschlichem Ermessen der Nach; >tgcr Leos XIII. geworden, wenn er nicht auf d»en unberechtigten Einspruch Oesterreichs im letzten Konklave, aus dem Kardinal Sarto als Pius X- hervorging, gleich seinen Verzicht auf die Papst­würde ausgesprochen-hätte. Plan hat davon gespro­chen, fcrjj diese Verzichttelstung den Kardinal verbittert hätte, sodaß er den Rest seines Lebens von aller Wett zurückgezogen verbracht hat. Die ihn aber kannten, wußten, daß dieser edle und durch und durch vornehme Mann seinen Verzicht aus wirklicher Demut und aus Liebe zur heiligen Kirche, der er wie wenig andere sein ganzes Leben lang gedient hat, ausgesprochen hat. Kardinal Nampolla war kein verhärmter und ver­bitterter Kirchenfürst, er widmete sich ganz wissen­schaftlichen Forschungen und Arbeiten, besonders auf dem Gebiete der Archäologie und förderte nach Kräf- ten die Arbeiten gelehrter Priester und Laien, wie er auch seinen Reichtum für die Wiederherstellung und Instandsetzung römischer Kirchen, vor allem des Petersdoms, dessen Erzpriester er war, zur Ver­fügung stellte. Er ist zu früh geswrben, er hätte der Kirche noch manchen wertvollen Dienst erweisen können. Der Grundzug der Politik Rampollas unter Leos XIII. Pontifikat war die Forderung der Wie- derherftellung der weltlichen Herrschaft des Papstes und da er von Frankreich eine Förderung dieser Be­strebungen erwartete, verfolgte er diesem Lande gegenüber eine freundliche Politik. Er hat es nach seinem Ausscheiden aus dem Staatssekretariat erleben müssen, daß Frankreich sich von der Kirche gänzlich lossagte und das ist wohl die schwerste Enttäuschung getocfen, die Kardinal Nampolla hat erleben müssen. In der Geschichte der Kirche wird sein Name unver­geßlich bleiben und im Herzen des katholischen Volks wird sein Andenken noch lange fortleben.

Zu allerhand Deutungen gab in dieser Woche die unerwartete Berufung des K r o n p r i n g e n t.i den den großen General st ab Anlaß. Seit dem 15. September 1911 hat der Kronprinz beim ersten Leib­husarenregiment in Danzig gestanden und sollte noch bis zum Herbst 1914 dort bleiben. Jetzt ist er zum 1. Januar nächsten Jahres zur Dienstleistung im großen Generalstab überwiesen.

Mit hellem Jubel hat man in Bayern das deutsche Kaiscrpaar begrüßt, das als erstes in der Reihe der Regierenden dem frisch gekrönten Königs- Paar seine Aufwartung machte, und selbst die So­zialdemokraten haben sich nicht, wie cs sonst bei ihnen üblich, abseits gehalten, sondern miteingestimmt in die Huldigunaen, die bei Herrschern zuteil wurden. Die Süddeutschen sind eben aus anderem Holze ge­schnitzt wie die Männer des Nordens, und das hat auch wohl der Kaiser empfunden, als ihm die sozral- demokratischcn Mitglieder oes Münchener Magistrats und StadtverordnetenkolleaiumS vorgestellt und er von diesen mitMajestät" angeredet wurde. DaS Einigkcitsgefühl und der Stolz in deutscher Brust finb_ gottlob noch stark und mächtig genug, um den Geist des Umsturzes in die Schranken zu verweisen, und mit vollem Rechte konnte Bayerns Herrscher dar­auf Hinweisen, wie einig das Königshaus und daS Volk in Bayern sich in der Freudigkeit und Treue fühlen, mit der sie zu Kaiser und Reich stehen, und daß der Geist opferwilliger Hingabe an ein gemein­sames Vaterland im heutigen Geschlecht nicht min­der lebendig sei als in dem, das vor vier Jahr­zehnten das Deutsche Reich erstritten hat. Das mö­gen sich vor allem diejenigen merken, die über die Nachbarhecken in unseren wohlgepflegten Garten schielen und unsere Fortschritte auf allen Gebieten öffentlichen Lebens uns nicht gönnen. Das gibt auch Kraft und Ducht dem Auftreten unserer Verbündeten, die im Augenblick der Gefahr auf uns rechnen, wie männiqlich das aus der Rede des italienischen Mini­sters di San Giuliano heraushören konnte. Tie Zeiten der Temutspolitik seien für Italien ein für allemal überwunden, sagte der Minister, nachdem er ausgeführt hatte, daß der Dreibund mit Oesterreich und Deutschland sich bewährt und die Beziehungen zu unserem Kaiserreich an Intimität, Wärme und Herr­lichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Der Drei­bund ist es, der als mächtiger Fels dasteht inmitten

Unpolitische Zeitlaufe.

N. Berlin, 18. Dezember 1913.

<Nachdruck nicht gestattet.)

Fünfmal werden wir noch wach heissa, dann ist Weihnachtstag!" So singen die Kleinen, und in den Herzen der Großen klingt auch so eine Melodie der frohen Erwartung.

Das Wetter will freilich noch nicht recht zu der Stimmung Passen. Die Geschäftsleute möchten gar zu gern das Regenloch zustopfen und die Frostluke aufmachen. Es handelt sich nicht bloß um die Pelz- warcn und Wollenzeug, sondern um alle die unzäh­ligen Gebrauchs- und Luxuswaren, die zu Weihnach­tengebäumt" werden sollen. Mit dem Barometer steigt und fällt die Kauflust. Die ewigen Nieder­schläge machen uns niedergeschlagen: der Nebel legt sich auf die Brust und auf das Gehirn; der Sturm knickt unsere Unternehmungslust. Wird aber der Himmel klar und rein, die Welt voll Sonnenschein, dann geht uns das Leben wonnig ein, flotter läuft das Blut, wir kriegen wieder Wagemut.

Ja, wenn das schöne Wetter uns zum Kaufen reizen soll, wo bleibt dann die Sparsamkeit? Ta muß jeder sehen, daß er auf dem rechten Mittel­wege bleibe Keine Verschwendung, aber auch keine Knauserei. Wenn letzt mit einem Male alle Leute geizig würden, so lväre das ein nationales Unglück Es ist ja so wie so schon der wirtschaftliche Aufschwung zum Stillstand gekommen. Die Nachfrage nach Ar­beitskräften sinkt, die Zahl der Arbeitslosen wächst an. Sollte nun das Weihnachtsgeschäft schlecht aussallen, so würden zahlreiche Werkstätten ihre Erzeugung empfindlich einschränken auch im Handel würde eS Stockungen geben, und die Folge wäre, daß zahlrei­chen Arbeitern und Angestellten der Brotkorb hoher gehängt würde. Unser ganzes Wirtschaftsleben ist auf eine gehörige Portion Luxus eingerichtet. Wür­den plötzlich alle Menschen sich auf Da8 unbedingt Notwendige beschränken, so gäbe es einen heillosen Krach. Diese Erwägung soll nun keineswegs dich und mich veranlassen, daß wir alle Sparstrümpfe aus- schütte» und untere Rücklagen in Weihnachtsge-

der Brandung beS europäischen Völkerlebens, ein Fels, an dem alle Versuche, den Frieden zu stören, zerschellen muffen.

In Frankreich kann die Berufung des Mini­steriums Toumergue als ein vollkommener Sieg der Nadikal-Soz'.alisten bezeichnet werden, deren aus dem Parteitage zu Pau beschlossene und inzwischen durch­geführte straffere Organisation einen momentanen Erfolg errungen hat. Aus der programmatischen Er- klärnng des neuen Ministerprästdenten vor der Kam­mer geht aber trotzdem hervor, daß die radikalen Sieger von heute doch in manchen der wichtigiten Fragen die Bahnen der Regierung von gestern wan­deln müssen. Tas Gesetz über die dreijährige Dienst­zeit wird von der neuen Regierung durchgeführt werden müssen: auch in der auswärtigen Politik, bereit Leitung der Ministerpräsident selbst übernom­men hat, obwohl er gerab, aus biesem Gebiete nicht besonders kompetent zu sein scheint, wirb eine neue Richtung nicht eingeschlagen werden. Nur in der Behandlung des Finanzplanes werden umfassende Aenderungen vorgenommen werben. In einem Mi­nisterrate unter dem Vorsitz bes Präsidenten Poin- cars legte der Finanzmintster Caillaux, ber eigent­liche Führer der Opposition beim Sturze bes Mini­steriums Barthvu zwei Dekrete zur Unterzeichnung vor, burch bie der Auleihceiitwurf unb ber Erbschafts- steucrentwurf ber vorigen Regierung zurückgezogen werden. Caillaux erklärte, er werde ein vollständiges Finanzprogramm erst dann aufstellen können, wenn er bie Gesamtsumme der außerordentlichen Agsga- den für die nationale Verteidigung kenne. Caillaux beabsichtigt einen oder mehrere Gesetzentwürfe für eine Steuer auf erworbenes Vermögen einzubringen. Man sieht, daß Caillaux erste Tat war, die Forde­rung ber Republikaner Der Linken nach einer allge­meinen Einkommensteuer sofort durchzusetzen. Viel bekämpft wird jetzt schon die Stellungnahme des Herrn Caillaux in der Frage der Beleihung fremder Schatz­scheine, die sich gegen die gegenwärtigen türkischen Anleihcbestrebungen richtet. Der grollende Deputierte Briand, der erste Ministerpräsident unter Poin- carrös Regierung, gedenkt sich mit der Finanzpolitik seines Widersachers Caillaux zu befassen. Als Vor­aussicht dieses Angriffes ist die von Caillaux veröf­fentlichte Note anzusehen, welche ber Meinung ent- gegentrltt, baß er den französischen Großbanken grö­ßere Aktionsfreiheit bei Gewährung ausländischer An­leihen zu lassen gedenke als dies unter seinem Vor­gänger der Fall getocfen ist. Nach all diesen Vor­spielen ist es recht fraglich, ob dem Kabinett Dou- mergue eine längere Lebensdauer bcschieden sein wird.

In Rußland ist man zur Zeit wieder bemüht, dem Dreiverband eine Aktion aufzudrängen, die sich gegen die deutsche M i l i t ä r m i s s l o n in ber Türkei, insbesondere gegen bie Ernennung des deut­schen Generals Liman von Sanders zum Komman­deur des ersten türkischen Armeekorps in Konstantino­pel richtet. Es war dem Bemühen ber russischen Diplomatie gelungen, Frankreich unb schließlich auch Englanb zu einer Anfrage bei ber Pforte in dieser Angelegenheit zu überreden. Daß Rußland, das sich gerne als den zukünftigen Herrn Konstantinopels betrachtet, durch die Aussicht erschreckt ist, daß die Türkei soweit erstarken könnte, daß sie sich selbst zu verteidigen vermag, nimmt uns nicht Wunder. Eben­sowenig erstaunlich ist es, bah Frankreich burch Tick unb Dünn mit seinem russischen Freunde geht. Es ist aber schwer verständlich, wie England sich an einer solchen Aktion beteiligen konnte. Dem englischen Ad­miral Lympus ist das Kommando über die türkische Flotte aubertraut. Ausschließlich Engländer sind zur Reorganisaiton der türkischen Flotte herangezogen, ebenso sind die türkischen Werften, Arsenale, Werk­stätten und Docks am goldenen Horn unb in Jsmit für 25 Jahre englischen Firmen überlassen. Die Wirkung all biefer Uebereinkommen könnte doch je- benfalls mit bem gleichen Rechte, wie es bie russische Argumentation gegen bie deutsche Militärmission tut, dahingebeutet werben, daß bie Engländer, sich allmäh­lich zu Herren des Hafens von Konstantinopel machen können. Tic Engländer haben ohnedies in Bezug auf die heimische unb auslänbische Handelsmarine in den ottomanischen Gewässern den anderen Mächten ge­genüber einen Vorsprung, nunmehr haben sie auch auf alle Werften und damit zusammenhängenden Ein­richtungen des türkifchen Staates die Hand gelegt. Was rechtfertigt die m-ßtrauifche Anfrage, die Eng­land in Gemeinschaft mit Frankreich und Rußland an die Pforte über den Zweck unb Umfang ber brut­schen Militärmission richtet, um evenil. Maßnahmen zu treffen,bie geeignet sind, die Jnteresfen Ruß­lands, Frankreichs und Englands zu sichern". Wollte

schenken ober Weihnachtsfestlichkeiten drausgehen las­sen. Nein, wir wollen uns nach der Decke unserer Leistungsfähigkeit strecken und nicht mehr ausgebcn, als wir gut und gern entbehren können. Aber bie berechtigten Erwartungen ber Kinder, ber sonstigen Angehörigen, ber Hilfskräfte im Geschäft und in ber Hauswirtschaft verlangen ihre Befriebigung, und wenn da eine sparsame Hausfrau oder ein sorgen­voller Familienvater überLuxus" seufzt, {o kann er sich zum Tröste sagen: bas Geld wirb nicht ins Wasser geworfen; es wirkt nach zwei Seiten hin fruchtbar. Einerseits stützt unb belebt es ben ganzen Hanbcl unb Wandel, andererseits erregt es Freude und Behagen in der Familie unb an ber Familie.

Gerabe in der heutigen Zeit erscheint mit bie Hebung des Familiensinnes als eine bringende Notwendigkeit, ein wahres Rettungswerk. Denn darüber dürfen wir uns keiner Täuschung hingeben: die Familie, der Grund- und Eckstein ber sozialen, sittlichen und nationalen Ordnung, ist fürchterlich bedroht. Tie ganze Entwicklung ber Neuzeit begün­stigt die Einsiedelei. Die Verkehrsverhältnisse, das Zusammenballen der Leute in den Städten mit ihren außerhäuslichcn Zerstreuungen, bie Erwcrbsverhält- niffe, die sog. Frauenemanzipation mit ihren man­nigfachen Wirkungen alles schwächt ben Trieb zur Eheschließung, bie genügsame Behaglichkeit am Fa­milienleben und das ist besonders schlimm die Lust an der Nachkommenschaft. Der bedenkliche Gin« aber neuzeitlichen Verhältnisse wirb noch beben, verschlimmert durch die rücksichtslose Agitat'on, namentlich von den sozialdemokratischen Schreiern unb Schreibern, welche angeblich bie Leuteaufgeklärt unb glücklich" machen will, in Wirklichkeit sie verkehrt und unglücklich macht. Je höher bie sogen. Kultur in die- fern mobernen Treibhaus getrieben toirb, desto grö­ßer bie Unzufriebcnheit, besto toilber bie Jagd nach Zerstreuungen unb falschen Vergnüaungen außer­halb be5 HauseS, desto weiter bie Abkehr von ber besten Quelle ber Freube, von bem warmen häus­lichen Herd und von bem glückseligen Kinderzimmer.

Weihnachten als Familienfest bas sollen wir heutzutage noch viel mehr schätzen und Pflegen, als unsere Vorfahren. Zur Wahrung des Famisten-

man alle Anstellungen von Ausländern im öffentli­chen Dienste ber Türkei vom Stanbpunkte ber Eifer­sucht bet Mächte prüfen, so wären die Streitigkeiten unabsehbar.

In Mexiko tobt noch immer das greuelvolle Kriegsgelünimel, wo sich die feindlichen Brüder wut­entbrannt gegenseitig um Gut und Blut bringen und um die Wette ihr Vaterland zerfleischen.

4- Sonverbar

Man schreibt uns aus Berlin:

Als cs Den Anschein hatte, daß Recht und Gesetz, über die das Zaberncr Militär sich selbstherrlich hin- weggefetzt hatte, an berufener Stelle leinen Schutz und keine Verteidigung ftnde, da hat sich fast der ganze Reichstag und nahezu das gesamte deutsche Volk einmütig zum Schützer deutschen Rechts ausge- toorfen. Es wird in der Geschichte des deutschen Volks für seinen Rechtssinn und sein Solidaritäts­gefühl ein Ruhmesblatt bleiben, daß es für Recht und Gesetz und für ben wahren Begriff der Autorität sich eingesetzt unb aller Welt badurch den Beweis ge- liefert hat, daß oberste Norm des deutschen Volks das Recht ist und bas Volk selbst eifersüchtig über fein unantastbares Recht wacht. Was in ber glän­zenden Rede des Zentrumsabg. Fehrenbach am 3. Dezember zum Ausbruch kam und die Paneischran- ken nieberrifi, bas war das tourselfefte Rechtsbewußt- fein des deutschen Volks und feine unerschütterliche Liebe zum Recht.

Unb boch fonberbar! Seit 40 Jahren toirb in Deutschland ein Recht mit Füßen getreten, ohne daß bie breiten VolkSmaffen die Empörung durch­zuckte, die ob der Zaberner Vorgänge es blitzartig er­griff.

In Zabcrn ist gewiß Unrecht geschehen und darum war die Erregung des Volks gesund unb echt, bis bem gebrochenen Recht Genugtuung gegeben würbe. Ader eS war boch nur ein Einzel fall in Zädern, ein erstmaliges Emporlobem eines -allerdings gefähr­lichen Prands, aber ein wcitschreicnbercs Unrecht wirb in Deutschlanb seit 40 Jahren von ber Regie­rung unb bem brutschen Volk tagtäglich erbulbet unb immer wieder erneut. Seit 40 Jahren ver­langt ber katholische Volksteil Freiheit für seine Kir­che unb ihre Diener, Freiheit für bie Jesuiten, ein Stückchen Heimaterde für bie Stammesbrüder, bie aus ber Heimat nur barum verbannt sind, weil sie Priester ber katholischen Kirche im Orden der Ge­sellschaft Jesu sind. Daß das Ausnahmegesetz gegen bie Jesuiten ein weit größeres Unrecht, ein weit häßlicherer Fleck auf dem Gewand der deutschen Nation ist, als bie militärischen Uebergrtffe in Zo­bern, bas sträubt sich bis heutigen TagcS noch die Mehrheit bes deutschen Volkes einzusehen. Unb boch müßte bas rechtlich benfenbe unb gerecht cmpfinbenbc Volk jetzt, wo bie Erregung unb Entrüstung über bie Zaberner Angelegenheit noch in den Herzen nachzit­tern, Verständnis dafür gewinnen, was den deutschen Katholiken seit 40 Jahren dies Ausnahme­gesetz gegen die Jesuiten ist, wie es auf ihre Herzen brennen muß unb sic bcinahc baran verzweifeln macht, baß im beutschen Volk noch Rechtssinn unb Gerechtigkeitsgefühl (ebenbig unb stärker sind als konfessionelle Abneigung und kleinliche Antipathie.

Zabern hat gezeigt, baß bas ganze deutsche Volk gerecht denkt unb sich auch zum Schutze bes Rechts berufen fühlt, wenn bie berufenen Hüter bes Rechts zu versagen scheinen. Jetzt hat bas bcutsche Volk Gelegenheit, zu zeigen, daß seine Empörung über bie Zaberner Affäre echt unb aus einem gefunben Her­zen geboren war, indem es sich mit gleicher Leiden­schaft und gleichem Ernst für bas Recht verbann­ter Staatsbürger einsetzt, Denen nichts anberes nachgesagt werben kann, als baß sic Jesuiten sind. Hier wird feit 40 Jahren ein unbestreitbares Recht niedergetreten, wird aus konfessioneller Voreingenommenheit, die beute weniger Denn je am Platze ist, Männern ihre Heimatsrechte vorenthalten, die selbst dem größten Verbrecher im deutschen Reich nicht ver­wehrt werden.

Der Ungestüm, mit bem bei ber Erörterung ber Zaberner Vorkommnisse nach Sühne unb Wiederher­stellung des gebrochenen Rechts gerufen wurde, mag es denen, die bislang bem bringenben Verlangen der Katholiken nach Wieberzulassung ber Jesuiten fremd unb vcrstänbniSlos gegenüberftanben, begreiflich ma­chen, wie leidenschaftlich unb ehrlich bie Entrüstung des katholischen Volksteils über den berüchtigten Bundesratsbeschluß vom November vorigen Jchres und über die Ausweisungen deutscher Jesuiten ge­wesen ist: gleichzeitig müffen sie aber auch verstehen

sinns bffonbere Anstrengungen und Aufwendungen zu machen, mochte ihnen noch als ein hübscher Luxus erscheinen. Für unsere Zeit ist es eine dringende Notwendigkeit geworden. In trockenen Sommern sind die Gießkanne und der Dafferschlauch kein LuruS- artifel, sondern Nettungsmittcl. Die künstliche Be­wässerung kann nicht die ganze Ernte retten, aber doch manche kostbare Pflanze. Und wer zu Weihnachten unter seinen Hausgenossen und in seiner Verwandt­schaft den Familiensinn aufmuntern hilft, der tut ein gutes, segensvolles Werk, das bie Kosten wirklich lohnt.

Weise Reden über die Schönheit deS Familien­lebens machen den Kohl nicht fett. Tatsachen überzeugen, durch die Erfahrung wird der Äensch erzogen. Rede wenig und handle klug, indem du den Deinigen bas Familienleben möglichst behag­lich, gemütlich unb anziehend zu gestalten suchst. Alle Wochen beS JahrcS hindurch muß bort Friede und Liebe herrschen, und in'ber Weihnachtswoche soll man die Freude und die Herzlichkeit über daS alltägliche Maß hinaus steigern. Das geht auch ohne großen Aufwand.. Die Maste oder bie Kostbarkeit ber Ge­schenke bilden nicht die Hauptsache. Viel wesentlicher ist, auf w e l ch e W c i s e sie auSgewählt sind und überreicht werden. Die Auswahl muß das verständ­nisvolle Eingehen auf die besonderen Bedürfnisse unb Wünsche des" Empfängers erkennen lassen, unb bas Ucberrcichen muß nichts anderes als opferfreudige Liebe erkennen lassen. In letzterer Hinsicht toirb ost gefehlt: man glaubt ein übriges tun zu müffen, da­mit ber Empfänger doch ja recht merke, welch gioße Aufwenbungen man für ihn macht unb zu weichen Gegenleistungen er verpflichtet fei. Der Geber reckt sich in bie Höhe, protzt mit feiner Freigebigkeit und begleitet da; Geschenk mit gewichtigen Worten der BeleLrun^» ober Ermahnung, vielleicht sogar mit einer Strafprebigt über dieeigentliche" Unwürdigkeit deS Empfängers. Aus diese Weise gießt man in ben Freudenbecher bittere Tropfen, versieht bie Rosen mit stechenden Dornen. Die Dankbarkeit soll künstlich er- zwangen werden, unb gerade dadurch toirb sie geknickt und erdrückt. Wenn btr tatsächliche Beweis ber t Liebe und Fürsorge auf bas Gemüt bes Beschenkten

lernen, baß bie Katholiken ihr berechtigtes Verlange« bislang noch mit großer Selbstbeherrschung und M ä ß i g u n g erhoben haben, denn sie sind sich stets ihrer staatsbürgerlichen Pflichten unb der Sorge und Not de? Vaterlands wie auch ihrer Unterwürfig­keit gegen den Monarchen und die Obrigkeit bewußt geblieben, was in der Behandlung der Zaberner An. geleaenheit nicht von allen gesagt werden kann.

Aber auch die Geduld ber Katholiken hat ihre Grenzen. DaS mögen sich bie gesagt sein lassen, die aus Zabern gelernt haben.

ventsches Keich.

Ter TiSstplmbruch in der Armee. Im Anschluß an ben Fall Zabern schreibt em Leser Der .Frank-' surter Zeming': r ,

,(£s ist fdjLit lange ber elf ober ,!s Jahre alS die Bevölkerung durch einen Beucht in der lostal- aemokrat ichen .Piäizochen 'Boft' über soldalenmiß- handlungen m einem bayervchen Infanterie-Regiment bettnntht t wurde. Welch gewaltiger stnlertchies in der Auffassung über ,Di?m>linr>ruch" undmilitärisches Ge­heimnis" bet der damaligen bayerischen Mililärdenörde, Dem Hauplinunn auswärts bis zum Krieg-Min Ner Fcei- herrn n. Asch unb ben ZabernerGerechlen" bis zum p.eußvchen KnegSmm.fter ,'frettieirit o Fallenh lyn! Freiherr v Aich hat damals in der bayerischen Kämmer ftrenafie Ünleiiuchung und Bestruuna der Prüqelhelden Mai sicht rt und getreulich durchgrsühit. Stern Wort t.örte man damals oon einer Untersuchung gegen die Disiivlinbrecher", aea 'N dieseinnen. die die Vor- kommnisse derPfalz. Post" übermittelt halten. Aber auch bei der Untersuchung der Sache selbst wurde auf diese Seite der Ermittlung gar kein Gewicht gelegt. Nach erfolgter Voruntersuchung versammelte der Major des Bataillons die Mannschaften der betreffenden Kompag­nien im Exerzicrhause. Vor uns standen die Unter­offiziere der Kompagnien, die Prügel Helden ge­sondert für sich, in der Mitte des Kreises, den wir gebildet hatten, der Major mit den übrigen Offizieren vom Hauptmann bi? zum jüngsten Leutnant. Zunächst mußte der Adjutant den Artikel von Anfang bis zu Ende verlesen. Dann begann der Major eine grim. inige Rede gegen Soldatenmißhandlungen zu halten, wie sie besser noch in keinem Parlamente gehalten worden ist . . . Dann sagte er:AuS dem Zeitungs- artikel geht hervor, daß ihr eure Klagen in Briefen an eure Eltern und Angehorrge mitgeteilt habt. Hiergegen habe ich n l ch tS ein zuwenden. Eure Eltern und Angehörigen sollen wissen, wie es euch in der Kaserne ergeht. Hier soll eS nur rechtschaffen und ordentlich zugehcn. DaS ganze Volk soll wissen, wie es heim Militär zu geht. Von diesen bedauerlichen Vorgängen hatten, wir, eure Offi­ziere und Führer, nicht? gewußt. Hätlen wir es ge­wußt, wären diese lauf die Unteroffiziere deutend) schon längst nicht mehr eure Vorgesetzten."

Und die Disziplin bei dieser Truppe? Sie war die denkbar beste! Von nun ab schaute die Mannschaft mit Vertrauen und Hochachtung auf ihre Offiziere. Wer Soldat war, weiß, wie bei unserem Exerzierdrill auch nur einige Mißvergnügte ganze Be. sichtigungen, Vorstellungen usw. über b.cn Haufen wer­fen und den führenden Offizier blamieren können. Aber dieser Major konnte auf feine Mannschaft bauen. Jeder einzelne setzte seine Ehre drein, seinem Führer, der ihn vor Ungerechtigkeiten schützte, zu gefallen. Was die härtesten Strafen und Schikanen nicht vermocht hätten, vermochte hier der energische Schutz der Ehre und die Gerechtigkeit gegenüber jedem einzelnen.Das ganze Volk soll wissen, wie es Beim Militär zugeht!" Wie kläglich nehmen sich demgegenüber die Worte deS Kriegsministers aus, daß daS, waS in den Manern ber Kaserne passiert, in diesen Mauern bleiben müsse.

»W Proleftantlsche T-leianz. Der .Reichsbole», Nr. 276, bringt feinen Lesern das Lob, bas ber katholi cke Bvchof Felize den Protestanten Nor- wegen? auSsprlcht für ihre Duldsamkeit gegenüber ben Ratboliten in ihrem Lande. Diesem Lod des Bischof? fügt ber .Retchsbole' noch ein Eigenlob hin­zu. »Das ist ein schöne? Zeugnis über echt evange­lische Toleranz aus römischem Mun^e unb man wird gut tun, bei Gelegenhest Darauf bimuroeiien." Hoffentlich meint ber ,9*Ietd sbole' nicht, rote in Nor­wegen fei es auch in Preußen. In Preußen wollen bte Jntoleranznückchen gegen die Katholiken nicht veisckwtnben. Vor kurzem würbe in Otlpreaßen an evangelische Arbeitet- and Polksvereine ein S ch r e i b e n versandt, bas ben Zweck verfolgt, dieie Vereine von dem Anschluß an Die Deutsche Voltsver« sicherung A.-G. abzuhalten. Zur Wahrung Des «emeinnütztgen C ar alters Dieser Gesellschaft hat der Reichskanzler'etnen ReichSkomtmssar bestellt. Dieter Reichskommissar ist Der Geheime Obenegierung8rat Dr. Würmeling vom Reichsamt Des Innern. West ber Herr katholisch ist, Darum witD Den evange- hieben Arbeiter- und Dolksveremen geraten, sich nicht ber beuNchen Volkeverstcherung annischlt ßen.

nicht wirkt, bann hilft auch der begleitende Wort­schwall nicht. Soweit es nötig ist, die Kinder zu Dankesbezeugungcn anzulciten, da sollte nicht Der be­treffende Geber selbst, sondern ein Unparteiischer die Anregung besorgen. Unter allen Umständen aber ist ein Zwangsverfahren zu vermeiden. Das stört die Gemütlichkeit und auch die Wirkung. Denn alsdann setzt sich leicht bei dem Beschenkten die Ansicht fest: Mit diesen Zeremonien, die mir abgepretzt worden sind, ist mein Schuldkonto beglichen. Daß er an­dauernd durch Folgsamkeit, Fleiß und Siebe sich er­kenntlich zeigen soll, vergißt der Dreffierte Empfänger nur zu leicht.

Zu Weihnachten soll in dem Familienhcim bte reinste Behaglichkeit herrschen. Dazu möchte ich noch eine rechte prosaische Ranbbemcrkung machen. Für den Christbaum unb den Gabentisch muß man sorgen, aber babei nicht die sonstigen Vorbedingungen eines behaglichen Wohnzimmers vergessen. Z. B. die Oesen und die Lampen rechtzeitig in guten Stand seyen. Das klingt so nebensächlich, und doch kann in einem kalten oder berqualmlen oder unsauberen Zimmer die kostbare Pflanze des Familiensinnes nur schlecht gedeihen. Ebenso sorgt bte kluge Hausfrau für ein. gute? Esten. M<m sagt, bas Esten halte Leib und Seele zui'arnmen: ein wohlbedienter häuslicher Spcise- tisch hält auch die Familie zusammen.

Vergeßt auch die abwesenden Angehörigen nicht. Namentlich nicht die erwachsenen Kinder, die draußen tätig sind. Schickt ihnen etwas Schönes, und wenn es irgend möglich ist, so laßt sie auf Wcitznachts­urlau b Heimkommen. Tie Reisekosten lohnen sich. Jede Berührung mit dem elterlichen Hause wirkt er­baulich auf da? Gemüt und die Sitte des ausgefloge­nen Sprös.lings. ,

Löblich sind bie verwandtschastl'chen Besuche in der Fcstzeit. Nur soll der Besucher in der rechten Feststimmung kommen unb gehen. Nicht um zu protzen oder zu mäkeln, sondern um Liebe zu zeigen und Liebe zu ernten. Wer nicht gemütlich sein will, der bleibe lieber in feinen vier Wänden.

Nach einem richtigen Weihnachtsfeste muß jeder sagen: die Familie ist das Beste! Der häusliche Herd, ist Goldes und Radiums wert!