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S. Blatt.

Druck bet $ulb«tr Xetientmerei in 5k!»a.

'M* Zulvaer Zeitung ♦ **♦

M 29<.

Samstag 20. Dezember 1915.

LUeines Fenittetou.

— Ter Aberglaube i» England. Die kürzlich er­folgten Aufführungen der aus dem Norwegischen übersetzten „Hexe" und des „Zauberers" von Chester­ton haben im/ englischen Publikum alle möglichen Fragen über Hexerei, Magie und abergläubisch- Ge- brauche in Fluß gebracht; auch die Presse beschäftigt sich mit diesen Fragen und wie aus den verschiedenen Zeitungsverösfentlichungen hervorgeht mit dem Re­sultat, daß heute noch viele Personen in England an Hexerei glauben und zur Magie ihre Zuflucht neh- men. Gerade in England ist der Aberglaube noch in weiten Kreisen sehr ausgeprägt. Die Zanbetkunst hat ihre eifrigen Anhänger. In der Vorstadt Lon­dons in Croydon hat ein solcher „Magier" Herr Lo- vett in 30 Jahren eifrigsten Sammelns eine ganz eigenartige Kollektion von Amuletten, Götzenbildern, Gegenständen, tote sie die „Zauberer" für ihre Be­zauberungen und Zubereitung ihrer „Zaubertränke" brauchen. In der Umgebung Londons trifft man Käufer, an denen mit schwarzem Faden zusammen- gebundcne Kreuze aus Birkenholz angebracht sind, welche nach dem Glauben ihrer Bewohner die Hexen verscheuchen. Tie Frauen aus dem Volke hängen ihren Ktndern Zähne von Milchkälbern tim, die das „Zahnen" erleichtern; um die Krämpse der Kinder zu heilen, erhalten sie aus den Rücken ein mit ge­heimnisvollen Zeichen versehenes Stückchen Blei. In Irland heilt man auf dem Lande die Halsbräune, indem man den Kranken zwingt, einen dicken Erbsen­brei huumterzuzwängen und ihn gleichzeitig in den Finger beißt. Die Krankheiten der Tiere heilt nian, indem man die guten Hexen gegen die bösen anruft. Im Norden Englands dagegen badet man die kranken Tiere in einem Wasser, das in der nächsten Nähe eines Friedhofes liegt. △

— Eine chirurchifche Erfahrung ans den Balkan- kriegen. Wohl eine der interessantesten Schlußfolge­rungen aus den Erfahrungen der Balkankriege zieht tin bekannter französischer Arzt Maurent, der aus Leite der Serben und später der Bulgaren seine Ge­sundheit geopfert hat. Nach seinen Erfahrungen auf

--- Vergessene Opfer des Kultur­kampfes.

Bor einiger Zeit ging die Nachricht von der Wahl eines neuen Generalober.i der Christlichen Schulbrüder durch die Blätter. Wenige wohl beachten es, daß diese Ordensgesellschaft zurzeit noch mit aller Hartnäckigkeit seitens der Preußischen Re­gierung von unserm vaterländischen Boden ferngr- halten wird. Tie Christlichen Schulbrüder, deren Zahl sich auf rund 15 000 beläuft, sind über die ganze Erde verbreitet; zwei Länder nur verschließen ihnen die Tore: das in vollem Kulturkampf stehende Frankreich und das noch an den Folgen des Kulturkampfes krankende Preußen. Tie letzte Niederlassung der Christlichen Schulbrüder auf preu­ßischem Loden war die' zu Kemperhof bei Kob­lenz. Ihre Anstalt erfreute sich der besonderen Gunst der Kaiserin Augusta; im Kreise der armen Waisenkiiider brachte die hohe Frau manche Stunde zu, und den Brüdern selbst war sie so gewogen, daß sie einst sogar einen anzen Tag an dem Kranken bette eines leidenden Bruders zuhrachte. Leider ver­mochte es die edle Gönnerin nicht, ihre Schutzbefoble- ncn vor der Verbannung zu hewahren; e§ gelang ihr nur, die Gnadenfrist bis zum Jahre 1879 zu ver langem. Wie segensreich aber die Brüder im Kob lenzer Lande gewirkt haben, beweist die Tatsache, daß noch heute zahlreiche Knaben aus jener Gegend die deutschen Brüderschulen im Auslande besuchen.

Warum dürfen die Christlichen Schulbrüder nicht nach Preußen zurück? Diese Frage hat im Laufe der Jahre bei den verschiedensten Eingaben an die preußischen Ministerien oder selbst an die höchste Stelle keine aufklärende Antwort gefunden. Einmal antworteten die Minister: „Das Erziehungs- Personal ist gedeckt . . ."; ein andermal: „Wir besin- öett uns nicht in der Lage . . .", und wieder: „Es muß bei unserm Bescheide vom . . . sein Bewenden haben" usw. So sind wir also über den wahren Grund der Nichtzulassung einfachhin auf Mutmaßun­gen hingewiesen.

Sind etwa die Christlichen Schulbrüder s ch l ech t e Lehrer? Wie soll man bann aber ihre großar­tigen Unterrichtserfvlge in aller Herren Länder erklären? früheres darüber u.,a. tn der Hildesheimer Schulschrift Wissenschaft und Schule, 1904, S. 138—140; 1907, S.648—651 Und 679 bts 681; 1908, S. 65—68. Ferner in der ^öln. Vzta 1908, Nr. 86, in den Werken: Dr. F. Speil, Joh. Bapt de la Salle und seine Stiftung; Dk. I. Knecht, I B de la Salle als Pädagoge ^Herder); Seminar- direktor G. Kahl, Geschichte der Erziehung (Styria); Dr. I. A. Keller, Die Theorie und prakt. Methodik des Fr Achille (Herder); Seminardirektor Br. Petro- nins Die Pädagogik der Christlichen Schulbruder 'Herder). Zeugnis davon legt auch ab die gute Vor­bildung jener deutschen Schüler der Brüder, welche sich alljährlich int Westen zur Einjährigen-Prunnig stellen und sie durchweg glänzend bestehen. Daß die Schulbrüder auch durchaus nicht auf alte Ueberltefe« rangen versteift sind, sondern in die neuesten Stro- mungen sogar bahnbrechend emgreifen, beweist dte Berufung eines der Ihrigen in die durch königlichen Beschluß eingesetzte Brüsseler Kommission zur Ver» besscrung des belgischen höheren Schulunterrichts. Nach einem Berichte der „Zeitschrift für lateinlose e Schulen", 1913, S 257-260, hat das bett üssionsmitglied, Fr. Macaire, fsogar eingehend die deutschen Schulpläne studiert und kämpft für deren Einführung in Belgien.

Mer sind denn die Brüder nicht etwa alle F r a n- zofen, oder doch von französischen Obern geleitet und von franzöfischem Geiste ange- taucht? Die Gefellfchaft der Christlichen Schulbruder ist ebenso wenig französisch, als die katholische Kirche italienisch ist. Den deutschen OrdenSgemeinden stehen deutsche Obern vor; sie haben ihren eigenen Ver- treter beim Generaloberen, zurzeit ist es, wie bereits gemeldet wurde, der frühere Direktor des Katholischen Lehrerseminars in Feldkirch, Br. Petro.iius. AIS echte Jugenderzieher kennen die Brüder den hohen Wert der Pflege des vaterländischen Geistes. Es ist dem Berichterstatter vergönnt gewesen, sie im Kaiser­lichen Waisenhause zu Wien in Tätigkeit zu sehen; er muß gestehen, daß es kaum möglich ist, eine Jugend mit glühenderer Vaterlandsliebe anzutressen, als eben dort Den schönsten Geburtstag deS Deutschen Kat- sers hat er vor zehn Jahren gefeiert, und zwar tn einer von deutschen Schulbrüdern im Auslande ge­leiteten Anstalt. ES war wirklich ergreifend, die Be- aeisterung der jungen Scharen für Kaiser und Vater­land zu sehen, eine Begeisterung, hervorgerusen durch Männer, die selbst gewaltsam von der Heimat fcrn-

gehalten werden. Zu solcher Tugendhöhe kann sich nur aufrichtige christliche Liebe erschwingen.

Und diese Männer sollten ungeeignet sein, an der Erziehung der preußischen Jugend mitzuarbeiten?

* Die Heuchlermaske ver roten Bauernfänger.

Niemand versteht eS besser, den Mantel nach dem Winde zu drehen, wie die sozialdemokratischen Bauernfänger. Am deutlichsten kann man dies be­obachten, wenn man einmal die sozialdemokratischen Landschriften verfolgt, insbesondere die für den roten Bauernfang bestimmten ländlichen Zeitungen. Wäh­rend von der Sozialdemokratie in der Stadt in der wüstesten Weise losgezogen wird über „die agrarische Unersättlichkeit", über die hohen Preise der land- toirtschastlichen Produkte, die der Landwirtschaft die Taschen füllten, reden die roten Bauernfänger auf dem Lande den Leuten vor, daß sie für ihre land­wirtschaftlichen Produkte viel zu v enig bekämen, und daß sie höhere Preise fordern mutzten. Der K ;ig unter den roten Verwandlungskünstlern ist unstremg das eigens für den Bauernfang hcrauSgeaebene so­zialdemokratische „Bayerische Wochenblatt". Dieses edle Blatt stellt für die Zwecke deS Bauernfanges selbst die wichtigsten sozialdemokratischen Grundsätze auf den Kopf oder leugnet sie direkt weg. In seiner Nr. 48 (1913) bringt dieses Musterblatt nach echter Bauernsängermanier einen neuen Artikel mit der Ueberschrift „Die geprellten'Gerstenbauern". Sehr bemerkenswert sind schon die Worte, die das rote Wochenblatt in der Einleitung seines Artikels schreibt:

Wr machen sehr häufig die Erfahrung, da» Pro» dukie der einheimrlchen Landwirtschafl am fiebutlionSotte ntebrig >m Preiie fleben oder gar unverkäuflich find, nährend dieselben Produlie am Orte t>eS Verbrauches zu außerordentlich hohen Preisen gehandelt werben. Wir verweilen nur aus die außer­ordentlich hohen Spannungen beim Fleisch und be» I anders beim Ob ft.

Damit vergleiche man das fortwährende Ge­schimpfe der roten Presse über den „Fleischwucher der Agrarier". Und was „besonders das Obst" an- bclangt, so schimpft die sozialdemokratische „Wiener Arbeiterzeitung" am 24. Juli 1912 auch über die „Obstwucherer" und schrieb im Anschlusie hie'an: „Der Wucher der landwirtschaftlichen Produzenten steigt wie der der Zinsgeier von Jahr zu Jahr!" Wenn wir vo.i unserer Seite darauf Hinweisen, daß „Produkte der einheimischen Landwirtschaft am Pro- duktionsortc niedrig im Preise stehen oder gar un- verkäuslich find", bann werben wir jebeSmal von ber Sozialistenpresie als „unverschämte Schwinbler unb Zuhälter ber Agrarier" verschrien. DaS rote Bauern- fängerblatt darf so etwas aber ungeniert schreiben, denn hier hanbeli es sich ja darum, mit allen Mitteln die Bauern auf den roten Leim zu führen.

So sucht bas „Bayerische Wochenblatt" jetzt auch bie Gerstenbauern für sich einzufangen. Darum ber Artikel „Die geprellten Gerstenbauern". In biesem Artikel schimpft das rote Wochenblatt auS Leibes­kräften über die Klebrigen Gerstenpreise, welche bie Bauern erhielten, und eS wettert ganz fürchterlich gegen bie landwirtschaftlichen Organisationen, bie nichts für die Erhöhung der Gerstenpreise getan hat- te.i. Hier steht man also vor dem seltenen Schau­spiel, daß ein sozialdemokratisches Blatt sich für die Erhöhung landwirtschaftlicher Produktenp: eise inS Zeug legt Was die Bauernfängerei doch nicht alles fertig bringt! Jetzt besehe man sich aber wieder mal die anbere Seite. Wer hat die Gerstenbauern in Wirklichkeit bisher immer geprellt? Das war nie­mand anders als unsere -treffliche Sozialdemokratie, die andauernd gegen die Gerstenpreise in der schärf­sten Weise losgezogen ist. Und wenn es sich darum galt, den Gerstenbauern einen Schutz zu gewähren und ihnen wirklich zu Helsen, dann war eS immer wieder die brave Sozialdemokratie, die am aller­meisten dagegen losdonnerte. Die Sozialdemokratie sagt es ja selbst bei jeder Gelegenheit, daß der Zoll die größte Wirkung auf den Preis ausübe. Gegen den'Gerstenzoll bat aber wiederum niemand mehr gewütet als bie „bauernfreundliche" Sozialdemokratie.

Unb da kommt heute da? unschuldige rote Wochen­blatt mit seinem Artikel über die „geprellten Gersten­bauern" u.ib schimpft über — bie andern, bie den Gerstenbauern keine Hähern ©erften^e-fe verschaffen wollen. Wahrlich, wenn heute ein Wettbewerb für die Meisterschaft im Schwindeln unb Heucheln aus­geschrieben würde, dann müßte dem famosen „Bähe- rischen Wochenblatt" die SiegeSpalme zugesprochen werden.

•!< Die Vermehrung ver Militär« anwärterftellen.

£•1 Bestreben, geeignete Bewerber in genügender Zahl der Untero'faierlaufbohn zuzusützren, war stets eine der Houptforgen der Militärverwaltung. Nun bat die beschlossene HeereSvermehrung den Bedarf an Unteroffizieren start gesteigert. Daran? ergeben sich zwei Notwendigkeiten: Erstens tnüffen Maßnahmen tut Besserung der 11 nteroffi• zierSlaufbabn angestrebt werden. Aus eine ent» Wieckende Zahl an Bewerbern ist nur zu rechnen bei entsprechendem späterem Aeguivalent durch bie Militärveiwaltnng. Sodann muß, um die gesteigerte Zahl von MiluSranwärtern untenubrinaen, bei den Zivilverwaltungen Raum geschaffen werden. Die Rückwirkung auf die Beamtenpo itit ist damit ohne weiteres gegeben. Ein starkes Eindrinoen der Mi.iiär- anteärter tn die Beamtenlausbahn kann bedeutende p ychologische «> 6 soziale Umwa- dlungetenbenzen im Beamtenkörper jat Folge haben.

Da? neu« «ehrgesetz hat in feiner Rückwirkung auf die Unt«o Zstersversaranng eine Reihe von Grund- sätzen «m ■ , D e t ien st Prämie wird von 1000 <tt! * 4 Nark erhöht. Für die im aktiven fienfie »ertz^tenden Kapitulanten ist vom 1. April (914 ab eine Verzinsung der Dienstprämie geplant. (M schweben Erwägungen darüber, ob den Unter» •Iftiieten etwa beim Ausscheiden nach 8» oder Sjäb'.iger Dienstzeit gewährt werden soll: ein AnstellungSschein für den UnterheamtenDienft, eine kleinere Dienstprämie von etwa SCO Mark. Die voraussichtlichen Folgen i ären: Hebung deS Standes der Militäran­wärter (Inhaber des ZivilverwrgungSschemes), ber dann nur noch auS den tm Militäranwä.lerunterricht burcbgebtlbetcn befähigteren Unterosfizteren besteht, Beschränkung des Ansturms am die mülle" n Stellen. Die UrlaubSbesti mrnungen für Milstäranwärter sollen vereinfacht werden. Die Entschädigung für die Nicktbenutzuna deS Zivilversorgungsschemes wird ob 1. Ap st 1914 erhöbt, und zwa.- die einmalige von 1500 auf 3000 Mark, die monatliche von 12 auf 20 'Mark. Die Mstitärkantinen sollen noch Möglichkeit mit versorgungsberechtigten Unterolfizieren besetzt werden. Der Milstäranwärt runierricht wird durch Einführung von Maschinenschreiben usw. ausgetaut. Bei den Truppenteilen werden AuSkunftS st eilen über ZwilversorgungSangelegenheiten mit Vakanstisten, Verzeichinffen der tm Staats- und Gemeindedienst den Mststäranwärtern vorbehaltenen Stellen einge­richtet. Bei P o ft und Eisenbahn sind große Stellen­vermehrungen in Aussicht genommen. Die Eisenbahn hat bereits üDlangcl an Riststäranwärtern für den mittleren Dienst.

Diese Reformen können leicht zu Konflikten zwischen Militär» und Zwilanwärten innerhalb des Beamtenkörpers führen. Bei den mittleren Post­beamten ist bereits eine Spaltung zwischen Militär» und Zwilanwärtern eingetreten. Hier zeigt sich der Wert großer umfaffender Siandesorganisationen, bie am ersten einen Ausgleich auch in der Militär- anmärterirage herbeisühren können.

Ausland.

△ Die katholischen Missionen Hollands in Gefahr. Der Professor «Strupfen von der Universiät in Amsterdam weist in einer holländischen katholischen Zeitschrift auf die große Gefahr hin, die den katholi­schen Missionen in den holländischen Kolonien in­folge des Sieges der linksstehenden Parteien droht. Ter neue Äolonialminifter hat zwar neuerdings ver­heißen, er wolle in Indien alles beim Alten las- fen, auch die Staatsunterstützungen für bie christ­lichen Schulen, aber er ist als allzu großer Katho- likenhaffer bekannt, als baß bie katholischen Missionen beruhigt sein könnten. Während des Wahlkampies hat der Minister zu der Wiederaufnahme des alten KriegSrufeS ber Geusen vor vier Jahrhunberten: „Lieber Türken als Papisten" aufgerufen. Auch ber neue Marineminister ist ein erklärter Freimaurer, ber sich nicht scheut, gegen bie Christianisierung Indiens in heftigen Ausdrücken zu sprechen und gegen den Vizekönig wegen seiner christlichen Gesinnung zu Hetzen. Allerdings hat sich der Minister, vielleicht bewogen durch daS offene Eintreten der Königin für die Missionen und daS Christentum in den Kolonien, im Senat dahin ausgesprochen, daß er dem Vizekönig nichts in den Weg legen will. Es bleibt daher nur zu hoffen, baß sich auch auf anberen Gebieten bie schweren Befürchtungen, die in ber genannten Zeit­schrift zum Ausdruck kommen, zerstreuen lasten.

den Schlachtfeldern des Balkans kommen 99 Prozent aller Verwundungen durch Gewehrfeuer am Kopfe und an den Händen vor, ganz' besonders an der linken Hand. Den Grund hierfür sieht Laurent in dem modernen System der Kriegführung, daS bie Kämpfenben zwingt, beim Schießen entweder auf der ebenen Erde ober in Schanzgräben zu liegen. Die meisten biefer Wunden hätten bermieben werden können. Der Schädel der Soldaten wäre mit einer Metallplatte zu schützen; eine ebensolche Schuhplatte könnte für die linke Hand am Gewehr angebracht werden. Schließlich wäre eine Platte zum Schutze der Herzgegend zu empfehlen, obwohl Verwundungen am Rumpfe seltener sind. Viele Soldaten sind da- durch dem sicheren Tode entgangen, daß die Kugeln an Metallteilen der Brieftaschen oder an Zigaretten­bosen abgeprallt sind, die gewöhnlich in der linken Brusttasche getragen werden. Laurent ist der An­sicht, daß durch solche Schutzplatten in künftigen Krie- gen die Verlustziffern bedeutend herabgemindert wer­den könnten. , tk-

— DaS Richterkollegium aus ber — Anklagciuiirk! Daß ein ganzer Gerichtshof auf der Anklagebank Platz nehmen muß, dürfte gewiß zu den Seltenheiten ge­hören. Und dabei hat sich diese Seltenheit nicht e.toa, wie vielleicht ein überlegen lächelnder Leser meint, im wilden Westen von Amerika ereignet, sondern im Deut, scheu Reich, im preußischsten Preußen, nämlich 'n Wil- lenberg im Regierungsbezirk Königsberg. Am Tage der Völkerscblacktfeier war es. als sich zur patriotischen Festivität die Creme der Gesellschaft zusammenfand, al» da sind die Herren AintSgerichtSräte, Amtsrichter, der Herr Bürgermeister, Doktor, Apotheker, die Affefforen und Referendare und wa» eben sonst noch zu den Hono­ratioren zählt Anfänglich herrschte die denkbar frohste Stimmung: aber leider. schlug die heitere Stimmung bald inS Gegenteil um, sodaß schon nach kurzem eine wahre Völkerschlacht im kleinen im Gange war. Die Herren waren allesamt so tapfer beim Raufen, al» gelte e» in Oberbayern Kirüweih zu feiern; einige der Haupt Helden wurden sogar erheblich verletz». Unb nun hagelte e» Strafanzeigen wegen Körperverletzung, Br- leibigr.ng und anderer schöner Dinge. Zur Aburteilung wäre nun freilich da» ümtMeri*» Miil.nberg zustäiu

big; aber die Richter wären hier wohl doch recht befan­gen und außerdem können sie nicht wohl über sich selber zu Gericht sitzen. Man hat sich daher von Kö- nigSbero einen ganzen Gerichtshof borgen müssen und der wird in den nächsten Tagen die erhitzten Willen­berger Gemüter durch Verhängung der üblichen Stra- fen zur Abkühlung bringen. tk-

— Die Bevorzugung der englischen AnzugSstoffe — ein Verurteil der deutschen Herrenwelt. Unter dieser Ueberschrift lesen wir in der „Textil-Woche": »Mit­wirkend für die mangelnde Beschäftigung der deutschen Tuchfabriken ist vor allem die Tatsache, daß bie Vor­liebe be» deutschen Publikums für englische Herren, stoffe noch anhält, was allerdings umsomehr zu be­dauern ist, .als die Sucht, fremdländische Kleidung zu tragen, sachlich durch nichts begründet ist Die Ansicht, daß die deu setze Tuchindustrie nur geringe, die englische dagegen nur bessere Stoffe herstelle, ist vollkommen irrtümlich, da in Wirklichkeit auch England ganz ge. ringe Stoffe, die deutschen Fabrikanten aber auch feinste und beste Ware anfertigen. E» ist übrigen» in weiten Kreisen bekannt, daß sich schon seit Jahren der deutsche Export nach England bedeutend gesteigert bai, und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß nach England ausgeführte Ware deut sch en Ur­sprung» unter falscher Flagge nach D e ut s ch» land ? tu ‘r ü d I o m m t! ■ Der einzige Vorsprung besteht für die englische Tuchindustrie darin, daß sie im Geschmack für die Herrenbekleidung eine tonange­bende Stelle einninunt. Der deutsche Fabrikant ver­mag aber durch baS ihm zur Verfügung stehende, auS- gezeickne e Material von Webfachleuten, die auf den auf anerkannter Höbe stehenden deutschen Webschulen herangebildet werden, sofort einer neuen Geschmacks, richtung in ber Mode zu folgen. Die Vorliebe eine» erheblichen Teils der deutschen Männerwelt für daS Tragen von englischen Anzugsstoffen kann nur al» ein bedauernswerieS Vorurteil bezeichnet werden, da» leider der deutschen Volkswirtschaft beträchtlichen Dcha. den zufügt und b e gesamte deu.sche Tuchindustrie mehr oder minder schädigt.

— tu Lftiuvitztt-Ni'fle K.i» ihre Geschichte. DaS •<üffe!iied»a gehört »um Weinackilieste ebenso rate .i5 ttuchenvacken. »e Nüff« find tm Zubehör aller

vermischter.

A FL» Priesterverleumder hat bie Strafkammer in Beuthen in Oberschlesien ein Exeinpcl sta­tuiert. Sie verurteilte ben Bersicherungsinspekwr Mosytorz zu fünf Jahren unb bie Arbeiterin Marzoll zu vier Jahren Gefängnis, weil beide in völlig ungerechtfertigter W^se einen Oberkaplan angeschuldigt hatten, zwei schwere Sittlichkeitssvcr- brechen begangen zu haben. Tas Gericht hob in ber Urteilsbegründung hervor, baß eine solch bobenlose Gemeinheit, wie sie bie beiden Angeklagten begangen haben, bie geeignet sei, einen vollkommenen Ehren­mann, bei nach jeder Hinsicht intakt basteht, im Leben unb im Berus unmöglich zu machen, streng geahnbet werben müsse.

* Das erdichtete Drahtseilattentat. Der Schlosser Wolf in Magdeburg war bei einer Bierreise, die er mit einem Automobil, trotzdem er keinen Fahrschein besaß, unternahm, gegen einet Baum gesahren. Das' Automobil überschlug sich, wobei die Kellnerin Zug­baum einen Schädelbruch erlitt, der ihren Tod her- beisührte. Um seine Fah.lässigkeit zu vertuschen, er­dichtete Wolf ein Drahtseilattentat. Wolf wurde vom S. udgericht in Magdeburg wegen fahrlässiger Tötung zu ei’ ’m Jahr und 'einem Monat Gesängnis verurteilt. Ter Besitzer des Automobils, Kausmann Döring, der die Bierreise arrangiert hatte, erhielt 200 Mark Geldstrafe wegen Vergehens gegen das Automobilgesetz.

* Kundgebungen gegen ein Todesurteil. Zwei junge Burschen waren vor einiger Zeit wegen Ermor­dung eines Papierhändlers in dem Orte Oldham (England) zum Tode verurteilt worden. Ter jüngere wurde später begnadigt. Die Bemühungen ber Old- hamer Bevölkerung, auch für ben älteren bie Begna­digung zu erlangen, blieben erfolglos. Als jetzt die Bestätigung des Todesurteils befanntgegeben wurde, fanden sich vor dem Gefängnis in M a n ch e st e r, wo die Hinrichtung stattfinden sollte, große Menschen- massen ein, die schließlich aus 10 000 Köpfe anwuch­sen. Die Menge zerstörte ein ihr unterwegs ent­gegenkommendes Automobil und eröffnete ein Stein­bombardement auf das Tor und die Fenster des Ge­bäudes. Die Polizei konnte nur mit großen Schwie­rigkeiten den Platz räumen. Die Ankündigung von dem Vollzüge des Todesurteils rief indessen keine weiteren Kundgebungen hervor.

* Grotzseuer ist in den Militärwerkstätten in H a r< lern tn Holland in der Nacht zum Donnerstag aus- gebrochen, da§ bald großen Umfang annahm und be» trcichtlicken Schaden angerichtet hat. Ta bereits zum dritten Male Feuer in den Militärwerks'ätten ausge­brochen ist, wird angenommen, daß Brandstiftung durch Antimilitaristen vorliegt. Eine Kom­mission ist mit der Untersuchung betraut worden.

— fiulaut. Kommis: „Der Herr nerlangt, daß roir den Anzug franko liefern, bas geh' doch nicht." — Cbef: „Warum denn nicht? Was tostet die Fran­katur?" — Kommis: „Sechzig P'ennta." — Cöef: „Da rechnen Sie den Anzug statt zu 90 zu 95 'Mark unb liefern ihn franko — nur immer kulant fein."

— Tann allerdings. »Was? Für den Monat August eine Rechnung von fünfzehn Mark für elektri­sches Licht? 2lt>er Frau, was hast bu denn ba ge­macht ?' — „Ich hab' nur immer die Lichter brennen lasten, bis bu nach Hauie kamst."

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Weihnacht»»Gaoen, ja, m gowenem u v sildernein Gewände hängen sie selbst vom Weihnachtsbaum» herab. Jedoch, nur selten sieht man jetzt einen Baum, auf dem wirklich Nüsse wachsen. Zwar ist's kein heimischer Baum, der Walnußbaum, seine Urheimat ist Vorderasien, und in den Kaukasus-Ländern wächst er noch heule überall wild. Aber nachdem ihn Karl der Große in Deutschland eingesührt hatte, galt er bald als Schutzbaum der Familie; es entstand ein gemütvolles Verständnis zwischen Mensch und Baum. Die Alten saßen unter seinem Scha ten, unter einem Baume, ben die Eltern bei ihrer Geburt gepflanzt, und auch sie hatten einen Nußbaum gepflanzt bei der Geburt jedes ihrer Kinder. Und wie ist's heute? Echte und reckte Nußbäume, gewaltig wie der Eichbaum, Die 70,000 - 80,000 Nüsse tragen, gibt's in Deutlch- land überhaupt nicht mehr. Ganz anders steht's mit dem Haselnuß-Strauche. In vielen Gärten ist er zu finden, fein Alter reicht zurück in die heidnische Ger­manenzeit, roo er dem Donnergotte geweiht war. Er war em Symbol der Unsterblichkeit, beehalb legte. man Haselruten mit in die Grabstätten oder gab bm| Toten Haselnüsse tn die Hand, und auch die „Ding«1 Hätten' , wo Gericht abgehalten wurde, umsteckie man mit Haselzweigen; dadurch wurde der Ort geqeiligt.' Auch bie Piügelmeister der ipäicrcn Zeit bedienten sich der Haieliu e. Wurde eine solche am Karfreitag geschnitten, so brauchte man nur vaS Kleid irgend eine« Sützvet« damit zu peit chen, und solort lühlle Der Beliesse be ben Schmerz ber Htet e, selbst wenn et meilenweit auSzerissen war. Bekannt ist, baß zu en Wünschelruten Haselzweige benutzt werben.^ In der toätmitteialtcrluten SSoltepoifie spielt ter löa|ei» l'traud) eine große Rolle. bf.

— Weitststchtige Ve.wairdtfckaft. Richter zur« Zeugen: „Sind Sie mit bem Angeklagten verwand'.?" — Zeuge: „Ganz westschickt g; sein Baler baue meine Mr? ter heiraten sollen, es ist aber nichts draus worden" |

Unb Itäitigier Arzt (ein Mädchen neckend) : »Sag' mir Don# einmal, wer rft denn da» ungejoa« fte Ding in der ganzen Stadt." — Mäochen: Nach^

Hinget, Herr Doktor!" ‘