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Fuldaer Zeitung

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Samstag den 20. Dezember 19l3

erstes Blatt.

Nr. 294

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40. Zahrgang.

der „späteren" Selbsthilfe nicht anerkannt, waS sur die künftige Verhandlung toeqen des Arretierens und Festhaltens von Strastenpafsanten von Vorbedeutuna ist. Hier haben Wir es zunächst mit der Tatsache zu tun, daß der anacklapte Leutnant durch die allqemei- nen und di.' persönlichen Anweisunacn seines Vor- gesetzten in eine hochgradige Kempslust versetzt werden mußte. DaS Vorgehen des Obersten war um- so be- denkliclwr, als er nach den Forstner'scheu Personal­akten wußte, da st dieser junge Offizier „eine gewisie Unüberlegtheit int Handeln und einen Mangel an Welterfahrenheit" besitze.

Oberst v. Rentter ist offenbar der Typus deS ern- seitigen, rücksichtslosen Krastsoldaten. Nach seinen Eigenschaften, und Taten kann man sich nur darüber wt-'S^n, dast nicht schlimmere Dinge in Javern und Umgehend da stiert sind. Jetzt begreift man auch, warum das einzig richtige Verfahren zur tr.,;« ,igitnq des Unheils im Keime, nämlich den Wackes-Lentnant von der Zoberner Bildfläche ver­schwinden ru lasten, nicht in Betracht gezogen worden ist. Ter Oberst dachte und handelte nach der Parole: „Run gerade!" Ta konnte auch der Anstteichs- general,' der später von Strastbnrg geschickt wurde, nicht« ansrichten. Nicht blost der Leutnant v. Forst- ner, sondern auch der O b e r st v. R e u t t e r war in Zobern absolut unmöalich geworden. Da man vor Abschluß des kriegsgerichtlichen Verfahrens gegen bte beiden aklznsckmeidiaen Persönlichkeiten nicht vorgehen wollte, so bsteb freilich nur die Verlegung des ganzen Regiments übrig.

Während der Reichstagsverhandlungen machte eS einen sehr schockten Eindruck, dast man die Dis­ziplinarstrafe, die den Leutnant von Forstner getroffen, oeheim zu kalten suchte. Der Kriegsmini­ster sagte nur, er sei „schwer bestraft worden, und halbamtlich wurde Arreststrafe zugeoeben. DaS ge­nügte nicht, um bte öffentliche Meinung zu berubtaen. Die kriegsgerichtliche Strafe wegen bes Dett- weiler Säbelhiebes ist nun zum Glück öffentlich itnb genau bekannt geworden. Hoff-nttick, werden bte wet­teren Verhandlungen wegen des Kraftausbrucks bes Leutnants denen bie französische Fobne nnb weaen der Razzia de? Obersten in den Zoberner Strasten ebenfalls ter Bekriebiaung des Rechtsgefübl« köbren

Die Richter müsten heilen, was bi" Befehlshaber verborben und die Staatsmänner verpfuscht haben.

und alles blieb beim Alten. Unb als Bebel am 13. August b. I. vom „Teufel beim Kragen" ge­nommen würbe (toie er selbst einige Tage vorher schriebt, ba stanb „bie verrottete kapitalistische Gesell- schaftsorbnung" nicht nur gerade noch so fest wie früher, sondern der Alte hatte sich selbst mittlerweile zu einem ganz respektablen Kapitalisten umgemausert und den Seinigen ein ganz hübsches Sümmchen hin­terlassen.

Seitdem Engels (1845) über „die Lage der ar­beitenden 5!lassen in England" geschrieben, ist Ein­seitigkeit, Griißsprecherei und Uebertrc bung das her­vorstechende Merkmal aller sozialistischen Schilde­rungen der gegenwärtigen Notlage geblieben. Unb bas Prophezeien, um eben die doch nicht nur immer bloß zahlen wollenden Massen zu beruhigen, nimmt kein Ende. Vom „Vorwärts" bis herunter zum Provinzblätichen wird dieses billige Geschäft un­unterbrochen ausgeübt.

Besonders wichtig hat sich vor kurzem Herr S ch er­de m a n n von Berlin als Prophet gemacht. Wie amerikanische Blätter berichteten, sah er sich auch einmal ein wenig über dem großen Wasser um, wo- bei er freilich auch des öfteren zu dem Volke redete. Dabei sagte er voraus, daß in 15 Jahren also bis 1928) in Deutschland die Sozialdemokra­tie a m R u d e r sei. Eine nähere Begründung die- ser kühnen These konnten wir nicht finden. Vielleicht blieb sie Scheidemann den Amerikanern auch gänzlich schuldig, indem er auf ihre Leichtgläubigkeit vertraute. Sonderbar bleibt es dabei freilich, daß er sich seiner hohen Propbetengabe erst im fernen Amerika bewußt wurde. Und vielleicht lacht er sogar über „bie Nar­ren", tote einst Marr über bie Leute lachte, bie ihm seinen Protetarierkatechismus nachbeteten.

ena cm. toghd) m# flusnohmt her Sonn- un» Vertage (Hertel- I 5 = Wod)en-Beilaget S 2 jat)rud)e. Bezugspreis ol)n. Bnngertohn snd Bestellgeld m Suiho Ittullrlerte SonntüQSZdtung joatu «usaidrts 1.30 mark. — Rotatu Mörut» und Oerlag 6er 1 °

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Sozialdemokratische Propheten.

Herr von Vollmar hat seinerzeit, es war auf dem so berühmt geworbenen sozialdemokratischen Partei­tag in Erfurt (1891), bas „Prophetentum" als her­vorstechenden Charakterzug bes heutigen Sozialismus bezeichnet. Er erinnerte sich hierbei wohl daran, baß sich schon Karl Marx in dieser seltenen Kunst ver­suchte (1850), indem er auf gründ seiner matena- listische.i Geschichtstheorie prophezeite, baß nunmehr alle Bedingungen geschaffen seien, innerhalb deren Frankreich die Initiative der europäischen Revo­lution ergreifen könne und müsse. Allein die be­schichte, eigensinnig tote sie oft ist, nahm trotz Marx und seiner Weissagung einen ganz anderen Ber- laus, indem Louis Napoleon es vorzog. durch den I Staatsstreich, „dem geschichtlichen Muß, das in ber Entwicklung liegt", die Wege zu versperren. Mnr- rcnb ergab sich Herr Marx in sein Sch cksal, um spa­ter, (1869) dennoch wieder auf gründ seiner fixen Ideen bie Herrschaft Napoleons aus ber Theorie vom Klassenkampf zu erklären.

Bekanntlich haben sich bald darauf auch Engels und B e b e I als Propheten produziert. Sie glaubten den nahe bevorstehenden „Kladderadatsch" aus bas Jahr 1898 verlegen zu dürfen als den Wendepunkl, an dem sich al! bie schönen nnd großen Hosfnungen der sozialdemokratischen Partei endgültig erfüllen würden. Doch auch das Jahr 1898 ging vorüber. Sie reichte ihm schlicht die Hand und sagte: „Ich danke Ihnen Herr Profesior."

Zu ihrem Erstaunen aber machten bte paar Worte den überlegenen ernsten Mann befangen. Es huschte I ihm sogar eine leichte Röte über die Stirn und indem er sich beinahe ängstlich nach Kälte umwandte, sagte er mit einer sonderbaren Hast und ohne seinen Satz zu vollenden: „Verzeihen Sie nur---

Kätchen hatte sich gerade einigermaßen von ihrem ersten Entzücken erholt und eilte mit ausgebreitelen Armen auf ihr vergöttertes „Pappchen" zu, ohne auch nur zu bemerken, daß der Professor im selben Augen» I blick zu Ilsens grenzenloser Verwunderung den Brief, umschlag mit dem für sie bestimmten Meldgeschenk ih einer Weise wieder in feine Rocktasche schob, als I könne er sich die Finger daran verbrennen. — Käte nmschlang ihren Vater und umklammerte ibn in ihrem völlig in sich selbst aufgehenden Jubel so fest, daß er überzeugt fein konnte, sie hatte nichts gesehen. Und während sie ihn jatzt mit sich zog an seinen eigenen Tisch, wurde draußen heftig gelautet.

Ilse, die sofort selbst nachsehen ging, trat gleich darauf wieder ins Zimmer mit dem Bescheid, der Herr Profesior würde dringend gerufen. Man sah ihr dabei an. wie leid es ihr tat, daß ber ohnehin überarbeitete Mann selbst an solchem Tage feine Ruhe fand, und sie faßte dann auch gleich beschwichtigend nach'der Hand de', KindeS. Aber mit Kätchen war seltsimerweife nicht zu reden. Das sonst )o verstän­dige Kind klammerte sich wie in einem Kramvf um die Kniee des Vaters nnd verlangte laut schiuchzend sein Recht. Ein emziges Mal im Jahr unterm Cbtistbanm wolle es den Papa für sich selbst und ganz allein bebalten. •> 1 - •’

Mit vieler Mühe nur beruhigte der so reich er­fahrene Arzt den Ausbruch dieser temperamentvollen kleinen Patientin und schritt daun, ohne selbig recht zu wisien, toie er dazu kam, auf Ilse zu. „Fraulein -Ilse", sagte er, „Sie sind doch auch Arzttochter, wie würden Sie nun in einer solchen Lage haiiSün?"

Ilse besann sich keinen Augenblick, aber sie satte verwirrt auf biefe völlig unerwartete Frage: „Da­ist doch gar nicht anders möglich, daß ein Arzt o-ht, wenn er gerufen wird.---

stand. Kinder haben den Soldaten bte Schimpfwsrte naitgeruten und wurden deshalb verfolgt. Blank, der hinzukam, geriet in den Verdacht, an den Schimpfereien beteiligt gewesen zu sein, und wurde v-chaftet. Er wider­setzte sich und erhielt dann den Str !j mit dem Degen. Die acht Musketiere, die r.-rnommen werden, sagen einheitlich aus, daß Blank rcm mindestens 3 b,§ 4 Soldaten sestgeKalten wurde, als er den Schlag, erhie.t, und bei allen kehrt der stereotype Satz wieder, daß Blank einen Scbritt auf den Leutnant Forstner zu getan habe, eh- v. Forstner zuschlug. Alle Soldaten hatten den Ein­druck, daß Vla'ik sich losreißen wollte, aber nicht, daß et den Leutnant schlagen wollte, ^ber't v. R e utter bekundet noch einmal, daß er den Offizieren emgescbarft babe, sie dürften den Schlag, der gegen sie geführt wurde, nicht abwarten, sondern müßten ihm zuvorkommen. Nach einer Meinung seien die Offiziere berechtigt, Zwiltsten u verhaften, die bie Offiziere beleidigen. Verband- lungschef: Aber doch nicht, wenn sie sie langst aus den Augen verloren haben. Die Berechtigung stzll nur bann vorliegen, wenn Zivilisten auf frifeber Tat ertapp werden. Zeug: Oberst v. Reutter: Ich bin der Ansicht, daß ein Offizier Zivilisten «ch s p a t e r fest, nehmen kann, er muß nur die Ueberzeugung haben, daß ber Mann als Beleidiger in Frage kommt. . .

Nach längt ret Beratung wird folgendes urteil verkündet: Der Angeklagte wird wegen gefährlicher Körperverletzung durch widerrechtlichen D a f s e n g e b r a u ch mit der gesetzlichen Mindeststrate von 4 3 Tagen G e f ä n g n t S bestraft. Das Urteil stellte llch auf den Stanpunkt der Anklagevertretung und sah den Tatbestand der §§ 223 und 149 des Militär- trafgeseybucheS für gegeben an.

Ter Verurteilte hat sofort Berufung gegen daS Urteil eingelegt.

Das Kriegsgericht hat sich zum zweiten Male be- währt. Das erste Mal, als gegen bie drei Rekruten, die sich von dem „Elsäsier" zur Unterzeichnung der bekannten Erklärung hatten verleiten lasien, nicht auf Gefängnis, sondern auf Mittelarrest erkannt wurde. Das zweite Mal in dem vorliegende» Falle, als das Kriegsgericht sich weder burch bie Angabe» bes ange­klagten Leutnants unb des übereifrige» Fahnenjun­kers noch durch die schneidiae Beredsamkeit des Ober­sten von Rentter in der richtigen Erfassung ber Sach­lage und der Rechtslage beirren ließ. — Tie mili­tärische Rech 1 sPrechu » g ist gut: wenn nur die militärische Kommandogewalt überall dieses- ben Tugenden entfaltete.

Der schlagfertige Leutnant hat 43 Tage Gefäng­nis erhalten. Das war bie M i n d e st st r a f e , die das Gesetz für Körperverletzung unter Mißbrauch der Waffengewalt zuläßt. Diese Strafe genügt aber. Rach den persönlichen und sachlichen Umstanden totn es gerechtfertigt, daß dir Richter dem Angeklagten seine Jugend, seine Nervenerregung und die Beein- slusiung durch die scharfen Befehle des Regiments- kommandours als „mildernd" zu gute rechneten. Die Verhandlung ergab mit der vollsten Deutlichkeit, daß im Grunde der Oberst von Reutter für den bedauerlichen Vorgang verantwortlich ist.

Oberst von Rcutter bat auch keineswegs versucht, seine Schultern zu entlasten. Im Gegenteil, er (tob mit selbstbewußter Offenherzigkeit an, daß er feine Offiziere instruiert habe, so schneidig wie möa- l i ch vorzugehen. Um den Schneidigkeitsbefehl recht wirksgm zu machen, hat der Oberst sogar die Drohung binzugefügt, daß die Offiziere vor ein Ehren­gericht gestellt werde» würden, wenn sie im gegebenen Moment nicht taten, wie er ihnen gesagt habe. Der Oberst bekannte ferner, daß er dem Leutnant v. Forst­ner noch besonders empfohlen babe, seine Pistole stets bei sich zu tränen nnb gegebenenfalls von der Pistole oder dem Säbel Gebrauch m machen. Gegen Schluß der Verhandlung griff der Oberst noch einmal ein um den Leutnant v. Forstner (unb zugleich sich selbst) zu verte'digen mit ber Behguvtiing, ein Offi­zier könne Zivilisten nicht bloß auf frischer Tat, son­der auch „später" festnehmen, wenn er nur die Ueberzeugung habe, daß der Mann als Beleidiger in Frage fommc. Tas Gericht hat diese Berichtigung

der. vielgeplagte Mann erstaunt. Er war einer der gesuchtesten Aerzte der Stadt.

„Nern", sagte Käte trübselig mit dem Kopf schüt­telnd „Du sagst zum Beispiel morgens nur: „’n Morgen, Fräulein!" unb dann hörst du gleich wieder auf. Und nicht einmal Fräulein Ilse sagst du dann!"

„Und das weiß ich gar nicht einmal. Paßt mein kleiner Liebling aber gut auf! Also bas sage ich wirklich! Da will ich mich bessern, darauf fanuft du dich verlassen. Aber nun sieh einmal, du NaleweiS- lein, dein alter Papa lieft morgens doch noch schnell seine vielen Zeitungen vor ber Sprechstunde durch unb darum ist ihm bahn immer bie Zeit so knapp."

Die Kleine legte sich bie Hände auf den Rücken und hob bas kecke Näschen: „Ich weiß doch aber noch ganz genau, daß du Muttchen immer eine ganze Menge daraus vorgelese» hast, und ich habe bei Mutt­chen auf’m Schemel gesessen und habe auch mit zu­gehört!" . ....

Erst huschte es bei dem Anblick des entzückend altklugen Gesichtchens wie ein Lächeln durch die tief­ernsten Männerzüge, aber bann zog ber Witwer mit einer hastige» Bewegung das Kind nochmal? an sich unb küßte es auf Stirn und Auge». Und als Kät­chen bann zu Fräulein Ilse gelaufen war, setzte er sich vor das Bild seiner Frau und versank in schmerz- liche Erinnerungen.

Schon mehr als zwei Jahre war ferne geliebte Frau toi, fein bester treuer Kamerad, wie er sie im­mer nannte. Und sein Schmerz damals war so groß, daß er nm liebsten mitae^angen wäre, wenn nicht das Kind ihn gehalten hätte. —

Hebe, der schmerzvollen Träumerei g;ng die Zeit hm, unb erst: ab' Professor Eichler mit sein-wi Kind an der Hand vor dem brennenden Baum stand, fiel ihm bie Bitte der Kleine» wieder ein.

Da lag er nun wirklich der garft:ge Brief und 'fab in der Tat recht nackt und kalt neben den bunten grellen kleinen Stickereien von Kätchen aus, die sie ihrem geliebten Fräulein Ilse mit glühendem Eifer gestichelt hatte.

Und Ilse sah wirklich nur bte rührende Liebe deS KindeS unb dachte von dem Herrn des Hauses nicht anders, als daß er es auf feine Weise gut meine.

z Die Verurteilung des Leutnants von Forstner.

• Straßburg, 19. Dez. 1913. Leutnant Frhr. von Forstner vom 99. Infanterie-Regiment m ^abern hatte sich heute vor dem Kriegsgericht der äs. Division zu verantworten. Zur Anklage »and der Tor- fav in Dettweiler vom 2. De,., bei dem der Offi­zier den Schubmacher Blank mit dem Degen über den Kops geschlagen hot, sodaß er eine Wunde davontrug. Leutnant Frhr. v. Forstner ist em 20 Jahre ttt.r: Cfft. gier, mit fast noch knabenhaften Zuge». — Es sind 18 Zeugen geladen, darunter Oberst v. Reutter und der Schuster Blank, der ein stark hinkender lunger Mann anfangs der 20er Jahre ist.

v Forstner schildert den Hergang tote folgt: Ich marschierte mit dem Fähnrich Witz hinter einem knegS- starken Zug von 52 Mann zwilchen 61/a und ~ Uhr bei stockdunkler und nebeliger Nacht in Dettweiler ein. Am Eingang des Städtchens machte mich Wiß auf einen Mann aufmerksam, der uns fixierte und spater den Zug überholte. Als rotr inS Städtchen kamen, waren viele Leute auf der Straße und es wurden Schimpfwörter hinter uns her gerufen." Witz verfolgte einen der Schimpfenden, konnte ihn aber nicht bekommen und hörte hintee sich jemand sagen: .Warte Junge, ,etzl wirst Du gemetzt." Ich ordnete darauf bie Verhaf­tung des von Wiß mir bezeichneten Schuhmachers D I n n k an. Blank widersetzte sich der Verhaftung. Er war von zwei Leuten festgehatten. Plötzlich machte er eine Bewegung mit dem Oberkörper nach vorn gegen mich zu, worauf ich den Degen zog und ihm über den Kopf schlug. Verhandlungsleiter: DaS für Befehle sind Ihnen in dieser Hinsicht ergangen? Forst- n e r: ES ist uns befohlen worden, datz wir gegen )ede Schimpferei von Zivilisten energisch vorzugehen hätten. Verh -Leit.: Ist Ihnen bekannt, in welchem Falle Sie Leute festnehmen dürfen? Forstner.: Wenn wir an­gegriffen wurden, oder toie in der Zaberner Angelegen, heil wenn wir beleidigt wurden und auch bei der Der. folgung. Per H.-L eit.: Sind Ihnen in dieser Hin, sicht Befehle gegeben worden? Forstner: Jawohl. Wir sollten uns keine Beleidigungen gefallen lassen. Es sind Befehle vom Regiment und vom Ge- neralkommando ergangen sSarf vorzu- gehen. Auf weitere Fragen erklärt Forstner: Blank habe auch Schläge mit dem Kolben bekommen. Ich habe zugeschkagen weil ich annehmen mutzte, daß, Blank mich schlagen wollte. Forstner ist der Ansicht, er habe auS Notwehr gebandelt, und bestreitet, in Be. stürznng, Furcht oder Schrecken gehandelt zu haben, oder an den § 124 des MilitärstrafgesetzbucheS gedacht zu haben, nach dem er durch Gebrauch feiner Waffe sich Gehorsam hätte verschaffen wollen.

Der Zeuge Blank, daS Opfer des Vorfalles, schil- bert den Vorfall für den Zuschauerraum ziemlich uüver- ständlich. Er fab, wie ein großer Soldat hinter einem Jungen berl.ef und ging nach. Er bestreitet überhaupt, etwas gesagt zu. haben. Er weiß auch nicht mehr, ob er mit dem Kolben geschlagen wurde. Er bestreitet daß er sich losreißen wollte und vor allem jemals die Absicht gehabt zu haben, den Leutnant zu schlagen. Infolge veS Degenhiebs war er acht Tage krank. Das Gericht stellt fest, daß Blank hinkt und sich nicht, rasch von bei Stelle bewegen kann. Der Zeuge Fahnenjunker Witz gibt im wesentlichen big Darstellung, bie Leutnant v. Forstner bereits gegeben hat. Er Hai nicht bemerkt, baß der Mann, der gedroht Hobe „er werde gemetzt", gehinkt hat, glaubt aber, datz eS Blank gewesen ist. Er hat Blank am rinfen Arm fistgebalten, als Forstner auf ihn ein, schlug Oberst v. Reutter macht Ausführungen über bie Befehle, bte er ben Offizieren feines Regiments ge­geben habe. Die Offiziere feines Regiments» befonberS Forstner. feien auf ber Straße wegen Dinge, .die in die Zeitungen gekommen feien, in ber gemeinsten Weife be. leidiat worden. Er habe ihnen darauf e'naefchnrft. datz sie 'ich gegen Belästigungen in der energischsten Weife zu wehren hätten, fönst würde er ein ehrengerichtliches Ber. fahren g-aen sie einleiten. Zu Leutnant b. Forstner habe er getagt, er solle eine Pistole zu sich stecken und feinen Degen bereit halten und im gegebenen Fülle so benutzen, wie eS eines Soldaten, würdig sei. In btt fern Zusammenhang spricht der Oberst auch wieder davon, daß er die Beleidiger zur Strecke bringen solle.

Die weiteren Zeugenvernehmungen verschiedener Be­wohner von Dettweiler. ergeben den bekannten Tatbe.

* Unter dem erloschenen Baum.

Don Minna von Heide.

e (Nachdruck »n^ote«.)

Das siebenjährige Kätchen besaß eine erstaunliche Fertigkeit darin, dem Papa während der Arbeit heim­lich auf de» Schoß zu klettern und sich mäuschenstill gegen ihn zu ducken bis der Papa mit feinen behüt- (amen Händen selbst noch nachhalf und das Schmei­chelkätzchen fest an feine breite Brust gepreßt hielt.

So saßen Vater und Tochter auch an einem vier- undzwanzigsten Dezember. Nur daß die lebhafte Kleine an'diesem Tage weniger still hielt, und vor allen Dingen brachte sie das Mündchen nicht zum Schweigen „Du kannst mir glauben, Papachen, ich halte es kaum noch aus bis sechs Uhr. Ach, ich habe eine Freude! Fühl mal!" Und ganz ernsthaft legte das kleine Mädchen dem wehmütig dreinbftckenden Mann die Hand auf das freudepochende Herzchen.

„Ja. mein Liebling, das fühle ich, deine Freude ist in der Tat so groß, daß e§ Wohl das Beste sein wird, wir wache» beute eine Ausnahme und beginnen schon eine halbe Stunde früher mit der Bescherung. Sauf nur schnell und sag eS Fräulein Ilse."

Mit einem Iubelschrci lies das Kind davon, aber tf)on an der Tür besonn es sich plötzlich und kam roch einmal zurück. „Liebes Papachen", sagte es ganz leise und wies nach’ einem verschlossenen Briefum­schlag. der auf dem Schre btisch lag, „bitte leg doch Fräulein Ilse den garstigen Bries nicht, unter unser» schönen Cbristboum!"- .. ! <••••<

Es durchzuckte den Manp,.u»d ind^m er den Kops seines liebreizenden KindeS, zwischen , seine, beiden Hände nahm, sagte er bewegt: „Aber wie kommst du bemt daraus, meine liebe kleine Käte?"

„Tu hast eS auch im vorigen Jahr getan", sagte da? Kind und schlug die Augen beschämt zu Boden. Und dann legte es dem Vater die Lippen ans Ohr: „Tu bist doch immer so lieb zu mir, Papa, sei es doch auch einmal zu Fräulein Ilse!"

„Ja, mein Kind, bin ich denn daS nicht?" fragte

Deutlcties Keich.

* Berlin, 19. Dez. 1913. Die Bagdadbahn- Verhandlungen wurden für die Weihnachlssetien unl.rbrol en. Sowohl die ttirtischen rtfic die iranchsi- ichen Bevollmächtiaten haben Berlin verlast'.» und sind in ihre Heimat"abgereift. Im »eüen Iah^e sollen Die Verhandlungen wieder ausgenommen werden; sie sind noch nicht wett lotlgefd tuten. Beionders derrickt über die Frage der Anlage eines Ha enö tn Selenria eine bedeutende Mein« ngsverschiekunheil. — Ter lür- ttsche Fiuanzmmister Risaat Bey ist von Sonftan» ltnope nach Berlin aboem't.

X Schleunige Erledigung bet Berufungen bei Wehrbeitragsleistungen. Mit Rücksicht auf bte be­sondere Belastung, die den Steuerpflichtigen durch den einmaligen Wehrbeitrag auferlegt wird, sind die Behörden besonders angewiesen worden, Berufungen gegen die Veranlagung sofort zu erledigen und etwa zu viel erhobene Beiträge umgehenr zu r ü ck zu er st a t t e n. ES ist im einzelnen an­geordnet, daß jede Verzögerung i.t der Erörterung und Entscheidung der Berufungen im Wehrbeitrags­verfahren zu vermeiden ist. Der Vorsitzende der VeranlagungSkoiumission Hat unverzüglich die Zu­stellung der Entscheidung an den Beitragspflichtigen zu veranlassen und gleichzeitig die Hcbestelle utit ent­sprechender Nachricht zu versehen.

4- Zur Untersuchung bet Zustände auf dem Ge- biet des städtischen Hvpolhekenktedits hat der Reichs-, kanzler einer Entschließung des Reichttags gemäß für nächstes Jahr die Einsetzung einer Kommission von Sachverständigen in Aussicht genommen. Derselben sollen auch 14 Reichsta ^Mitglieder ange­hören, die der Kanzler nach Benehmen mit den Frak­tionen zu berufen gedenkt.

Fr M-Gladbach, die schwarze Waffenschmiede, so ist ein Artikel in Nr. 295 der in Frankfurt er'chei- nenden sottaldemokratischen „Volksstimme" betit'.lt, in dem die Tätigkeit des Volksvereins für das kathol. Deutschland den Genosien als vorbildlich hingestellt

Da hob der Profesior sein Kind auf, legte es ihr in die Arme und sagte: „Nun werden Sie wohl auch in der rechten Weise mit Käte fertig." • -

Abend?, als Ijse Käte schon zur Rahe gebracht hatte, trat der Professor nochmals zu ihr ins Be­scherungszimmer. Er hielt einen groß:n viereckigen schwarzen Lederkasten in den Händen, setzte sich seiner jungen Hausdame gegenüber an den Tisch und stellte • den Kasten beinahe zärtlich bei sich hin „Ich habe hier ein wunderliche? Geschenk für eine junge Tarne", begann er dazu, „aber wenn ich Sie gekränkt haben sollte, könnte ich Ihnen als Ausgleich kein größeres Vertrauen entgegenbringen als eben durch diese? Ge­schenk." Und als er Ilsens verständnisloses Gesicht sah, fügte er erklärend hinzu: „Ich muß mich über Sie vermeintliche Kränkung wohl erst näher äußern und will das denn nun auch mit der grimdftchllen Ehrlichkeit tun." Und der Professor erzählte der immer heftiger errötenden Ilse von Anfang bis zu Ende das Erlebnis, das er vor der Bescherung mit seiner kleinen fiät- aehabt. Ohne irgend etwas aus- mlasien. „Sie sehen", fuhr er dann fort, „daß ich Ihnen in keiner Weise etwas vorzumachen gedenke. Die Pbraserei liegt mir nicht, unb Sie sollen mich sehen toie ich bin. Nicht ich bin in meinem Innern

I auf Sw aufmerksam geworden, sondern mein Kind bat mich erst auf Sie binietoicfcn. Aber Kuiver ha­ben den sichersten Instinkt. Sie sind «n "veiuhlS-

I fachen, was die Westen in ber Erfahrung sind, und I mir ist am heutigen Abend gewesen, als ob ich Sw in den zweieinhalb Jahren zum ersten Mal gesehen hätte. , „ .

I Sie sehen zwar Ilse, ich bin vollslondig ruhig da­bei. Auch darin soll Klarheit zwischen »ns herrschen

I Ich habe meine teure Tote so lieb o-chadt, daß ich heute nicht willen kann, ob Sie mir die Lucke ,e ga-tj nt füllen vermögen. Und ähnlich so liegt es mu Ihnen Was hinter Ihnen liegt und was weder fthr Vater noch Sie mir vorenth.ttten haben, gibt nur die Bürgschaft, daß Sie ebensow'-uig törichten -i rau­men mehr nachhängen. —

„Und nun zu meinem Geschenk. Fest öffneten bie kräftigen Männerhände bi5 kunstvolle kleine I Schloß. ..Sie wisse» doch, daß meine verstorbene