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X Katholische Lektüre vor allem.
Katholisches liest man nicht."- Tas ist Protestantischer Grundsatz. Im Banne desselben steht auch die Preußische Schulverwaltung. Ten Beweis hierfür erbrinat sie selbst in durchschlagender Güte. Lassen wir einfach den Sachverhalt aus uns einwirken! An der Hand eines Artikels der „Köln. Volksztg." vom 8. November 1913 Nr. 962 soll es geschehen:
Bei (Selegenbett der Brüsseler Weil lUSileUung et* schien ein Bückertatalog mit offiziellem Charakter. Er sollte einen Führer durch bi« Jugendliteratur darstellen und txua den Ttt-l: Schülerbibliothektür höhere Schulen". Man höre! Darm sand sich leine Sour von laiholUcher Sch'iftnellerei. .KatholsicheS lieft man nicht!" Dies pro'eftaniiiche Wort war durch die preubüche Schulbehörde wieder einmal wahr gemacht worden.
Nalüilich beschwerte man sich daiov auf katholischer Seil«. Es mustie alio behördlicherseits etwas geschehen. Man gewann für eine Neuauflage zwei latholiiche Shäit» Es ist nicht anders denkbar, als dah beide Herren für ihre Vorschläge wenig Brrftändnis fanden. Denn das Erg bi is ihrer Bemühungen war recht traurig. Nach «wer gewissenhatlen Untersuchung stieg der Anteil der katholiichen Bücher von 0 Prozent aus 1 Prozent. Man denke fick unter 100 Büchern em einziges talholilches, uni er 1000 Büchern 10 kaiholische! Das nennt sich Entgegenkommen!
Angesichts dieses jämmerlichen Ergebnisses konnte es nicht aus bleiben, daß katholftcherseiis neue Bemühungen einsetzien zur Beseitigung dieser schmählichen Behandlung der kaiholischen Interessen. So legte Prof. Dr. Kledda Wünsche der kaiholilchen R.kigionslehrer tn einem zehn- feuigen Berichte auslührlich dar. Doch so gut wie um« jonst. Von 172 katholischen Schriften, welche der Herr Proiessor zur Auinahme in das Verzeichnis empfohlen hatte, wurden ganze fünf, sage und fchreide fünf, ausgenommen. Es ist aber wohl nicht zu bezweifeln, daß tn der Neuauflage des Kataloge? die prolestantuchs Literatur eine Zunahme erfahren hat. Das Verhältnis mußte allo noch zu Un iunften der Katholiken sinken. Man suche zu begreifen, waS das bei einem bisherigen Anteil von weniger als 1 Prozent besagen will. O ne verwickelte Bruchrechnungen ist es ganz unmöglich, eine zahlenmäßige Dai siellung des Anteils zu geben, welchen die katvoluche Literatur in dem offiziellen Bücherkatalog gefunden hat. Uno dieser Katalog tit obendrein durch ministeriellen Erlaß vom 21. September 1912 (ü II. Nr. 20841) für die Schülerbibliotheken empfohlen worden. Auch trug die preußifche Regierung Soige, bemelben in weitesten, auch katholüchen Kreisen belannt zu machen. Besah! sie doch, ihren Erlaß in den Jahresberichten der höheren Lehranstalten zum Ausdruck zu bringen.
Das ist der Sachverhalt. Ziehen wir jetzt daraus die sich ergebenden Schlüffe! I
Wir haben es zunächst mit einem Totschweigen der katholischen Literatur von Leitern der Preußischen Regierung zu tun. Und der Erfolg wird großartig sein. Ich will wetten, mit seltenen Ausnahmen macht die ganze protestantische Welt folgenden Schluß: Die preußische Schulverwaltung hat in ihrem offiziellen Büchcrkataloq für geeignete Iugendlesungen so gut wie keine katholische Literatur ausgenommen; also gibt es auch so gut wie keine. Der Schluß hört sich ja für protestantische Ohren gut an; indessen fehlt ihm nur eines, und damit olles, nämlich die Richtigkeit.
Welche Beschämung ist es auch für die katholischen Lehrkräfte an den preußischen Lehranstalten, für unsere Schüler und Schülerinnen an denselben, sowie deren Eltern, die eigene Literatur so aschenbrödelartig behandelt zu sehen!
Für ungebildete oder oberflächliche Katholiken aber wirkt diese Znrückdrängung der katholischen Literatur wie eine gefährliche Suggestion. Protestantismus nämlich und wiffenschaftlicher Tiefstand scheinen sich also doch zusammenzufinden. Diese Suggestion können wir nicht länger dulden. Es spukt von deren unheilvollen Folgen so wie so schon zuviel in katholischen Köpfen. Es ergibt sich ferner ein gewisser Druck auf die Leiter der höheren Schulen zugunsten der protestantischen Literatur. Wie wird es kommen? Kaum jemals wird in überwiegend protestantischen Lehranstalten ein katholisches Buch den Weg in die Schülerbibliothek finden. Dagegen werden überwiegend katholische Anstalten sich gezwungen glauben, eine sehr beträchtliche Anzahl protestantischer Schriften in ihre Büchereien cinzustellen. Damit ist ein ungerechtes Zurückdrängen der katholischen Literatur auf den preußischen Lebranstalten zugunsten der protestantischen gegeben. Damit erleiden auch unsere katholischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen eine Einbuße nicht bloß an Verdienst, sondern noch mehr an anderen höheren Werten, ich meine an Schasfensfreudigkeit, ja Schaffensmöglichkeit.
Schließlich ist mit dem Katalog und dessen offizieller Empfehlung ein Dreifaches gegeben:
1. Ist gesorgt, daß hinsichtlich der protestantischen Schüler und Schülerinnen wahr wird: „Katholisches liest man nicht."
■h* Fuldaer Zeitung♦
M 2H
Samstag 20. vezemder 1913.
*
2. Ist der katholischen Schuljugend eine katholische Lesung so gut wie unmöglich gemacht. Man erinnere sich nur, daß unter 100 Büchern des Katalogs kaum ein katholisches sich findet. Auch für sie ist es leider richtig: „Kacholisches liest man nicht."
3. Gibt es angesichts der von der preußischen Schulbehörde geschaffenen Lage keine andere Möglichkeit, als daß auch katholische Schüler'und Schülerinnen den Schulbibliotheken protestantische Bücher entlehnen. Wir sind also soweit, daß es heißt: Protestantische Literatur selbst für die katholische Schuljugend.
Und doch hat der preußische Staat verfassungsmäßig paritätisch zu fein. Er müßte also für die Interessen der katholischen Schüler und Schülerinnen ebensogut sorgen, wie er es für jene der protestantischen tut. Setzen wir den Anteil der katholischen Schüler und Schülerinnen nur auf 25 Prozent. Es bleiben den Protestanten 75 Prozent. Stünde mit dem Verhältnisse der Schüler beider Konfessionen der Anteil an den Schulbüchcreien in Einklang, dann hätten wir die sehr einfache Gleichung: 25 : 75 — 25 : 75. Nun aber lautet dieselbe 25 : 75 — 1 : 99. Das ist jedenfalls keine katho- lisck» Gleichung. Katholischerseits weiß man viel besser zu rechnen und hat einen richtigeren Begriff von Parität.
Wie lange werden wir Katholiken uns diese Zurücksetzung wie auf allen Gebieten so auch auf diesem Teilgebiete der Erziehung gefallen lassen? Worum handelt es sich doch eigentlich? Um Gefährdung der katholischen Weltanschauung in den so empfänglichen Herzen der Söhne und Töchter des katholischen Volksteiles, die wir den öffentlichen Schulen anvertrauen. Man v o r e n t h ä l t unserer Jugend die k a t h o - lische Geistesnahrung und erseht sie durch protestantische. Das wenige Katholische, was man ihr verabreicht, ist nur wie eine reizende Vorsveise zu der eigentlichen protestantischen Kost. Welche Schädigung droht uns doch hier! Möaen alle, in deren Hände Hilfe gegeben ist, nicht ruhen, bis in dieser Sache Wandel geschaffen ist.
Unterdessen muß aber eines sicher sein. Der protestantischen Losung: Katholisches liest man nickt," setzen wir entschlossen entgegen: „Katholische Lektüre vor allem!" Nach diesem Leitsätze bandelt Hermann Acker in seinem Ratgeber für Studierende, der den Titel trägt: „Was fall ich lesen?" Ja, katholische Bücher allein als Geschenk zur hl. Weihnacht.
:: Die deutsche Ausstellung in San Franzisko
ist abgetan Wie schon gestern mitgeteilt, hat sich das Ballinsche Komitee zur Förderung des Gedankens einer deutschen Beteiligung an der Ausstellung auf* gelöst. Tas ist der letzte Nagel am Sarg der deutschen Ausstellung.
Mancher wird den Auflösungsbeschluß bedauern, aber unter den gegebenen Verhältnissen war er geboten. Die Verhandlungen im Reichstag halten klar gezeigt, daß es vollständig unmöglich geworden, eine offizielle Ausstellung des deutschen Reiches herbeizuführen. Wenn nun trotzdem das Komitee mit den angeschlossenen Körperschaften eine private Ausstellung im beschränkten Umfange in die Wege geleitet hätte, so würde schwerlich etwas dabei herausgckommen sein, was den Beschauern und den Kritikern im fernen Westen ein richtiges und wirksames Bild von der Leistungsfähigkeit Deutschlands gegeben hätte. Entweder etwas ganzes und großes, — oder gar nichts!
Im Reichstage gab sich eine überraschend große Spmpathie für die Beschickung der Ausstellung kund. Aber als die Regierung in ihrer Ablehnung beharrte und darlegte, daß die Seit für eine würdige Vorbereitung nicht mehr ausreiche, da ließ auch der Reichstag die weitere Verfolgung der Sache fallen, weil man auch dort sich sagte, eine matte Halbheit wäre noch verfehlter, als eine völlige Zurückhaltung.
In der Schlußsitzung des Ballin'schen Komitees ist nun die ganze Verantwortlichkeit für das Scheitern der deutschen Ausstellung der Regierung zugeschoben worden. Wir haben keinen Beruf, als Anwalt der Regierung aufzutreten, aber cs muß doch festgehalten werden, daß die Handelskammern durch ihre ablehnende Gutachten wesentlich zu diesem Ausgang der Sache mitqewirkt haben. Dte Regierung stellte sich auf den Standpunkt, daß von Reichs- Wegen die großen Kosten (5 Millionen mindestens) nur dann aufgewendet werden könnten, wenn die industriellen Kreise zu einer allgemeinen und wagemutigen Beteiligung entschlossen wären. Statt der Unternehmungslust zeigte sich aber eine große A u s- st e l l u n g s m ü d i g k e i t. Ob ein entschlosseneres
= Schnupp und Tand.
„Unser Karl ist doch ein tüchtiger Junge! Was Bat der für ein Gedächtnis! Sie können ihn mit fünf Aufträgen zum Kaufmann schicken. Er besorgt ihnen alles richtig und zu ihrer Zufriedenheit. Die Leute haben ibn auch alle gern, lleberall kriegt er etwas zu, beim Kaufmann Znckersteine, beim Metzger ein paar Rädchen Wurst. Und denken Sie, der Bengel geht auch nur dahin, wo er etwas zugibt. Er bat eben seine Kunden."
In dieser Weise war Frau Schulze ost im Gange, und ihr lieber Innere war Zeuge dieser Lobreden So kam eS, daß Karl zum Ungehorsam erzogen wurde, olme daß die Mutter es ahnte. Wenn ibm nämlich einmal aufgetragen wurde, er sollte da und dort binoeben und kaufen, dann Werte sich Karl nickt sonderlich viel um diesen Befehl und ging seine eigenen Wege.
Karl war nickt nur naschhaft, sondern auch ein großer Freund von unnützem Spielzeug. Sobald er etwas für die Sckule nötio batte, wurden die Geschäfte gemieden die gute Ware lieferten und vielleicht eme Stahlfeder, einen Umfcklaa oder zwei Löschblätter ui naben. Rur die fanden Zuspruch, die hinter ibrer Ware Ah-iebbikder. Reklomemarken. Mo- dellierbooen, Starenkasten, fliegend- Holländer, Frage- und Antwortspiele Zielscheiben. W"nderker:en, Kra- walll'ölxer und andere unnütze Tinne berwarfen. Zwe-focker Sckaden wurde dodurck onaerichtet. an den niemand dockte: erstens bei schlechtem Material konnten die Schularbeiten nickt aenfiaenb werden, und iweitens der binterdrmng-mn«-^? Tand leistete der Unaufmerksamkeit groben Vorfckub.
Nun aber batten die solid-n Papiemck^äste be- schloffen, nickt? mebr lu-uneben und dafür mebr Gewicht auf Lieferung besserer Ware zu lenen. Ein löblickeS Beginnen aber von Karl nicht febr begrüßt. Indessen Rot macht erfinderisch und hierbei kommen unferm Ccknuvvjünaer und Svielkorl jene Alles* geschöfte entgegen, die durch fonenannte Lockwaren her Verderb der tüchtigen Fachgeschäfte sind. Nun
konnte Karl schon für 2, 3 oder 7 Pfg. bekommen, was sonst nur 5 cder 10 Pfg. gekostet batte. Jetzt hieß es immer: „Mama, einen Groschen für ein Heft! Einen halben Groschen für eine Bleifeder!" und anstandslos wurde das Geld hergegeben, weil Vater und Mutter aus eigener Erfahrung keine anderen Preise kannten. Höchstens seufzte die Mutter: „Schoa wieder einen Groschen! Das gebt ia immerzu." Karl ober machte sich nichts aus dieser Klane, sondern ging hin und kaufte sich ein Hest für 7 Pf. mit dem denkbar schlechtsten Papier, während er die erübrigten 3 Pfg. verschnuppte. So machte er es bald regelmäßig. Es ging gut: die Eltern fragten begreiflicher- oder auch unbegreiflicherweise nickt danach, was solche Kleinigkeiten heutigentags kosteten, und wie saat man: „An Riemen lernen die Hunde Leder fressen" oder „Mit Kleinem fängt man an, mit Großem hört man auf."
Tas ist die Naschhaftigkeit. die Spielsucht, die lln- ehrlickkeit. der Lun und der Betrug. Niemand hat es gewollt und doch ist cs dazu gekommen.--—
„Aber seien Sie dock nickt so unfreundlich mit den Kindern! Jetzt gerade vor dem Weihnachtsfeste. Ach, nein!"
O, ick wiinscke allen von den Junten und Mädchen reckt viel Wcibnachtsfr-ude mit Leckereien und Spielsachen — und ein ähnliches Vergnügen nur noch am Namenstage Pon Vater und Mutter ober am eigenen. Aber dabei muß es dann bleiben!
®. M. v. H.
— Sterben die Juden in Deutschland aus? Solange da? Volk Israel auf dem Boden feiner Väter, in Palästina wohnte, verbreitete sich der Ruf von bet hoben Fruchtbarkeit biescs Volkes über die ganze Erde. Auch nachdem das Schicksal die Stämme Judas in alle Winde zerstreut hatte, blieben die Juden lange Jahrhunderte hindurch eine Raffe, die sich stark vermehrte. Erst die Emanzipation der ssidi- schcn Raffe von den strengen Glaubensnormen ihrer Väter, die in allerncuestcr Zeit mit steigender Schnei* ligkeit um sich greift, förderte den Geburtenrückgang
Vorgehen der Regierung nicht doch noch die Zögernden und Schwankenden zum größten Teil hätte mitceißen können, ist nachträglich schwer zu entscheiden. Immerhin ist zu beachten, daß für jeden Teilnehmer an einer Weltausstellung, namentlich wenn sie so weit entlegen ist, ein sehr bedeutender Kostenaufwand entsteht. Natürlich hat es sein bedenkliches, eine Masse der deutschen Unternehmer zu einer so großen NeUcime-Auswendung aufzureizen ober gar zu press sen, wenn man nicht in der Sage ist, ihnen einen entsprechenden Erfolg auf dem Weltmarkt zu sichern. Die Regierung hätte auf jeden Fall eine empfindliche Verantwortlichkeit auf sich geladen, — entweder für das Gelingen und die Wirksamkeit der Ausstellung, oder für die Zurückhaltung Deutschlands. Vielleicht wäre die erstere Verantwortlichkeit noch schwerer zu tragen gewesen, als die zweite.
Ferner ist die Behauptung aufgestellt worden, die deutsche Regierung habe mit der englischen eine Verständigung wegen beiderseitiger Nichtbeteiligung getroffen,"und diese „Verpflichtung" gegenüber Eng- land 'ei schließlich entscheidend gewesen. Wir nehmen bis auf weiteres als selbstverständlich an, daß unsere Regierung mit der englischen Regierung nicht eher in Verständigung getreten ist, als bis die Umfrage bet den Handelskammern ergeben hatte, daß die'deutschen Unternehmer in ihrer großen Mehrzahl abgeneigt seien. Die Tatsache, daß auch Eng- I a rt b, ber größte Konkurrent auf bem Weltmarkt, sich n' cht beteiligt, hat zweifellos ben Verzicht Deutschlanbs erleichtert. Mer deshalb darf man doch noch nicht sagen, daß die deutsche Ausstellung ber wicdcrerstehenden Freundschaft mit England zum hochpolitischen Opfer gebracht worden sei. . _
Entscheidend war und blieb doch immer die Scheu der deutschen Unternehmer vor den großen Kosten und Lasten einer Beteiligung. Jetzt kann das Klagen und Schelten über die vollendete Tatsache (ober vielmehr Nickt-Tatsache) nicht mehr,helfen. Lieber sollte man überlegen, ob die bertächtliche Summe, bie wir in San Francisko ersparen, nicht in anderer Weise zur Förderung der deutschen Jntereffen auf dem Weltmarkt sich verwenden läßt.
Ans dem Nachbargebiete.
;;; Marbach, 19. Dez. 1913. Eine selten dankbare Seele hat hier der Postfiskus gefunden. Das Tors Marbach erhielt nach langem harren jetzt den zweiten Briefkasten, wodurch manchem Bewohner im Oberdorf viel Zeit erspart wird. Ein Anwohner bekundete seine Freude darüber, indem er den Kasten mit einem Kranz schmückte.
;: Morles, 18. Dez. 1913. Schon feit einigen Jahren konnte man bei den in hiesiger Gemarkung ftattfinbenben Treibjagden die regelmäßig wieder- kehrende, abnorme Tatsache fcststellen, daß jedesmal nach beendeter Jagd einige vorher mausetot geschossene Hasen wieder verschwanden. Ob die Löffelmänner nur betäubt waren, ober ob sie sich nur tot stellten, um ben Jägern ein Schnippchen zu schlagen, läßt sich nickt genau sagen; fieber aber tst, baß oor ein paar Jahren eine Anzahl Hasen sogar aus einem verschlossenen Zimmer heraus ben Weg ins Freie fanben. Um nun ben Hasen diese üble Gepflogenheit in diesem Jahre endgültig abzugewöhnen, steckte man nach ber letzten Treibjagd vier jedenfalls fluchtverdächtige Prachtexemplare in einen Sack und band diesen fest zu. Aber — o Schreck — als nach dem üblichen Trünke die Heimfahrt angetreten wurde, stellte es sich heraus, daß gerade diese vier Krummen unter Mitnahme des Sackes ausgekniffen waren. Trotzalledem darf man annehmen, daß diese Vier, ebenso wie ihre durchnebrannten Vorgänger den Zweck ihres Daseins erfüllt, b. h. ihr Ende im Schmortopfe gefunden haben.
• Pad Cib, 18. Tez. 1913. Ter »OrtsauS- schuß für Jugendpflege" hielt am Dienstag eine Versammlung ab, die fick insbesondere mit dem Anschlüsse deS „falb. JünglingSvereins" und »Jung. ftauenvereinS' beschäftigte. Die beiden Vereine wurden dem OrtsauStchnffe anaefch offen, ebenso 'ormeQ der „T rnverein", der der Organisation sckon von Anbeginn angehör'e. Zur B>läli una der weiblichen Jugendpflege wurde ein Ortskonutee aus ca. 12 hiesigen Damen gegründet. Ferner beschloß noch der Or Sausschuß den angeschloffenen Vereinen und ,war dem Jünglingsverein 50 Mk, dem Tmnverein 25 Mk. und dem Jungsraucnverein 25 Mk. zu bew ll'oen.
* Gelnhausen, 19 Dez. 1913. Vom Kreistage sind u. a. fvigcnde Beschlüsse gefaßt worden: Der Kreisaussckuß wird ermächtigt, zur Rückzahlung des bei der Sparkasse des Bitterfelder Kreises zum Zwecke der Beteiliauna an der Freigerichter Klcin-
auch in jüdischen Familien. Diese Aenderung ging in so kurzer Zeit und in so ungeheuerlichem Umfange vor sich, daß man in Gelehrtenkreisen heute allen Ernstes von der Möglichkeit des Aussterbens der Juden in Deutschland und von einem Rückgang der Juden im ganzen westlichen Europa spricht. Ob bie Rassenthcoretiker mit dieser Hvvothese recht haben, wird die Zukunft zu entscheiden haben. tk-
— Tie „Bartmähmaschine". Dor einiger Zeit - • es herrschte gerade große Hitze — hieß es, baß ein Amerikaner einen Rasiermotor erfunbett habe. Damals hat man biefe Nachrickt Wohl kaum ernst genommen. Wie nun aber die in Newhork erscheinende „Eleutrical World" berichtet, bonbeit es sich um eine tatsächliche prftnbung. Der Rasiermotor bat, noch ber Beschreibung biesss Fackblatts, eine gewisse Aehn- lichkcit mit ber bekannte Rasenmähmaschine: aller, bings greifen feine Klingen an bem abzumähenden Haar etwas anders an, als b:e Messer ber Rasenmähmalchine an dem Gras. Sie sind nämlich guirlia -u der Achse (die gleichzeitig Handgriff ist) des Ma- lchinck-ns nnocr.ibnet und Iroen. damit Verlegungen ausgeschlossen, zwisck-n itoei Metavringen. Sie ssnb nickt io sckarf wie Rasiermesser sonst, und sie sollen das einzelne Haar auch nickt absckneiben, sondern wohl mehr durch heftigen Stoß obhrcchen. D-r An- tr’.eb des Maschmckens erfolgt durch den elektrischen »trom: jede eliktrisckc Licktl-siftmo kann die nötige Arbeitskraft liefern. Rasserseife soll bei ber^ Anwendung der Bartmäbmosckine. die von einer Firma >n Ebieogo bemnäckst auf ben Ma'kt gebracht werden soll, nicht nötig sein: es genüge, bie Haut anznfenck- ten. bann solle ber gante Bartwuchs in überaus fvr* ter Zeit schmerzlos unb ohne Verletzungen entfernt werben.
— Ein einmaliges Senat. Im Jahre 1867 erhielt bie Stadt Rüdesbeim auS dem Nachlasse des Ehepaares Ziegler für bie Armen 750 Mark. Dieser Betrag wurde ber Bestimmung gemäß noch int gleichen Jahre aufgebrauckt. Wie cs nun gekommen ist, weiß man nicht, ober die Tatsache steht fest, daß seitdem alljährlick ber Betrag von 750 Mark al*
bahn aufgeonmmenen Darlehns bei einem öffentlichen ober privaten Geldinstitute ein Darlehen von 360 000 Mk. gegen angemessene Verzinsung und den eiterigen Vertrag aufzunehmen und ben diesbezüglichen Darlchnsvcrirag namens des Kreises abzuschließen. Ferner wird der Kreisaussckuß ermächtigt, ür das bei ber Sparkasse bes Saalckreises in Halle a. S. zum Erwerb von Aktien der Wäcktersbach- Birsteiner Kleinbahn aufgenommcne Tarlchcn von 275 000 Mark mit dem Tarlehnsgcbcr einen angemessenen Zinsfuß zu vereinbaren und erforderlichen* alls späterhin das Darlehen anderweit zu angemes- enem Zinsfuß aufzunchmen. — Der Beilritt des Kreises Gelnhausen zu der Automobilomnibus-Gcscll* chast (G . m. b. H.l im Kreise Gelnhausen mit einem Beitrage von 6000 Mark wurde nachträglich geneh- rnigt.
» Hanau, 19. Dez. 1913. Die Polizei ermittelte eine aus Schulknaben bestehende E i n- brechergesellschaft. Tie Jungen hatten es bei ihren Diebereien hauptsächlich auf die Erbeutung von Geld abgesehen. In der Wohnung eines städti- scheu Arbeiters fiel ihnen sogar der Betrag von 14 0 0 M a r k in die Hände. Für das erbeutete Geld kauften sie sich Kleidungsstücke, Luftpistolen, Lebens- mittel und andere Dinge. 83 Mark hatten sie in einer Dachrinne versteckt.
* Bon der Edertalsperre, 19. Dez. 1913. Die Sprengungen der Artillerie-Prüsungskommis- ion im Talsperregebiet hatten ein zahlreiches Publikum von auswärts hierheraezogen. Die Sprengungen hatten den Zweck, neue Geschosse auf ihre Sprengwirkung bin zu proben, sowie Versuche mit Bro n d- geschossen anzustellen. Zunächst wurde in Be-. rich gesprengt. In einem Umkreis von 1000 Metern war das Geländ> durch Posten abgesperrt. Zur 9?e< obachtung aus unmittelbarer Nähe waren für die Offiziere Unterstände in die Erde eingebaut, die miteinander in telepboitischer Verbindung standen. Es wurden nun an die zum Sprenaen ausersehenen Häuser verschiedener Bauarten Geschosse verschiedener Konstruktionen uiedergelegt. Einzelne Geschosse kamen in bie Häuser hinein, andere wieder wurden etwas abseits von ben Häusern auf die Erbe gelegt, a°nau so, wie sie bei einer Beschießung durch Geschütze oder Luftschiffe auffcklaaen würden. Die Geschosse. welche fü' gewöhnlich durch Zünder entladen werden, wurden hier durch elektrische Fernzündung zur Erplosion gebracht. Das Haus de« Büraer- meistcrs Dietzel fiel nach der Explosion von zwei Ge- fckossen völlig in sieb tufammen. Auch das Höblcsche Gasthaus lag bald in Trümmer. Hier hatte Gastwirt Höhle noch am Taac vorher mit feinen Gästen eine Absckiedsfeier veranstaltet. Den Tag über schaffte er sein Mobiliar und Hausgerät nach seiner neuen Wohnung in Waldeck. Und abends um 11 Uhr wurde ber letzte Schoppen in dem alten Wirt-ckause geleert. Dann tourbi noch der Ofen in ber Wirtsstube um* geworfen, bie Fensterscheiben zertrümmert, und nun zogen die letzten Einwohner au? ihrem Dorfe. Zum ersten Male wurde bei den Versuchen in Berich auch ein Brandgeschoß in Anwendung gebracht. Das sind Geschosse, welche ben Zweck haben, die Gebäube sofort in Brand zu setzen. Die Geschosse enthalten eine Flüssigkeit, welche beim Explodieren de? Geschosses ziemlich weit verspritzt und sofort durch Selbstentzündung alle brennbaren Gegenstände, mit denen sie in Berührung kommt, in Brand setzt. Der Versuch gelang über Erwarten aut. Das Haus stand sofort in hellen Flammen. Der Brand wurde von den tust einer Feuerspritze berbeioeeilten Mannschaften aber bald wieder gelöscht. Später wurde die Bockscke Molkerei ar. der Bericher Hütte getrennt. Die Gebäude der Hüfte selbst waren sckon einige Zeit vorher abgerissen worden. Von einer Sprengung des Vorwerkes Bornhagen am Fuße de? Sckloßheraes wurde Abstand genommen, weil durck die Erscksitte-! rnngm eine Beschädigung de § Schlosses. Waldeck nicht unmöglich schien. Aus demselben' Grund- wurden bie Sprengungen in Brinahausen, der Nähe von Neu-Bringhausen wegen unterlassen.. Berick bietet jetzt ein schreckliches Bild der Verwüstung. In einem kleinen Häuschen, welche« ziem-, lick hock steht, bansen noch einige ausländische Ar-' beiter, sonst ist die einst so blübe"de Stätte, auf b^r in frühesten Zeiten ein reiches Kloster stand, voll- ständia verödet. Alle Trümmer überragte d'e mäck- tiae Ruine der alten, ehrwürdiaon Klosterkirche, bie' einen wahrhaft malerischen Anblick gewährt. Sie soll als Denkmal bestehen bleiben und wirb, da sie ziemlich hoch liegt, meist außerhalb des Wassers stehen.
* AuS Nassau, 19. Dez. 1913. Zu dem Artikel über ,.P la t iuv o rkom m en in Nassau" wird von Mcstiusckmel-e W. E. Heraeus G. m. b. H. mitoe*.
flieglersche? Legat in die städtische Rechnung von Rü- desheim eingestellt und für die Armen verwendet wurde. Erst bei ber Prüfung ber Rechnung von 1911*12 kgm man durch einen Zufall hinter diese Geschichte. Man batte also das einmalige Legat nicht weniger als 45mal zur Auszahlung gebracht. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß jetzt, bas Le-' gat zu streichen. _
_ Napoleon I„ bet Cäsar deS Orients. Napol-cm,' der erste Kaiser der Franzosen, besitzt seine begeistert» sten Bewunderer nicht etwa int alten Europa, sondern im fernsten Osten. Neuere Reisende berichten, daß tn. den größeren Städten bc8 indischen und chinesisch-iapa* nischen Orients Silber und Statuetten des Kaisers gu. Tausenden fetlgchalten und auch gekauft werden. Lchon in der Sckule lernen die Kinder, daß Napoleon der gewaltige Weltbeherrscher und Cäsar der Neuzeit ist„ und daß er einst wieder kommen wird, um als Kaiser der Asta en ganz Asien von dem Joche der Europäer zu befreien. Zahlreiche Volkslieder singen von seinem vergangenen und zukünftigen Ruhme, in sehr verbrei. teten Bildern werden seine Siege über baS verberbte Europa ickon jetzt verherrlicht. Daß biefe Art be8 CteschicktsunterrichtS wenig geeignet ist, ben Europäern neue Sympathien zu erwerben, liegt auf ber ßanb. tk-
— Wie btt mit so ich dir. Wenige Taae vor Weihnachten konnte bie junge Frau ihr GebeimtnS nickt mehr für sich behalten. „Ack Sieber," flüsterte sie ibm ins Ohr, „tch kann nicht bis zum heiftaen Abend warten. Ick muß dir jetzt feinen, was ich dir schenke." „Nun, waS tst s denn?" fragte er aesimnift. „,'cb schenke b:- einen neuen KockaPParat und die entzückendsten Svitzeunothänge Für mein Zimmer. Unb was Hast btt bir Wohl für mich au Obacht?" Nachdenklich staub er bat „Bo nmir kriegst du einen Rasierapparat unb einen sckönen Humpen."
— Pantoffelheld. Sie: „Nickt wahr Ernst, solche Stenen, wie sie zwischen ben Eltern oft Vorkommen, wird eS bei uns nie aeben?" — Er: „N e!" — Sie: „DaS glaube ich, Mama sagt auch. Du roäre|t leicht zu kriegen." _________________