2. Blatt.
druck Mr tilfcerr 2tctieiiinKtr«i in Selle.
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*•* Zuwaer Zeitung ♦
Lokaler.
Fulda, 19. Dezember 1913.
# Personalien. Der Bürgermeister Birkenbach zu Danzwiesen im Kreise Gersfeld wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verlieben.
-±- Neue Reichsbankstelle in Kurhefsen. Nm 19. Januar 1914 wird an Stelle der jetzt bestehenden Reichsbanknebenstelle in Gießen eine Reichsbank« stestlle daselbst errichtet, von der die Reichsbankneben« stellen m Friedberg, Marburg und Wetzlar abhängig sind.
A Für die SchwurgcrichtSsitzungen im Jahre 1914 sind der 11. Januar, 10. Mai und 6. September in Aussicht genommen.
ht. Looe-iall. Oberbaural Sch epp von der Eisen« babndirektion in Frankfurt a. M. erlag gestern vormittag einem Schlaganfall. Der Verstorbene war dadurch weiteren Kreisen bekannt geworden, daß er bei den Reisen de- Kaisers den Sonderzug durch das Gebiet unserer Eisenbahndirektion zu führen hatte.
& Ueber Fleischbeschau uns Schlachthoswesrn hielt am Sonntag Herr Tierarzt Rhode im katholischen Meister- und Männerverein einen sehr lehrreichen Vortrag. Die im Tierkörper sich vorstndendrn, zum Teil für den Menschen beim Fleischgenuß schädlichen Lebewesen, u. a. auch die Finne, aus der sich der Bandwurm entwickelt, wurden eingehend besprochen. Eine Anzahl kranker Tierteile, sowie die zur Untersuchung notwendigen Instrumente zeigten die Schäden ertränkten Fleisches und auch die Notwendigkeit der Fleischveschau für die Gesundheit des Menschen. Darauf wurde die moderne innere Einrichtung des hiesigen Schlachthauses eingehend erläutert. Der Redner verstand es, an passenden Stellen auch Humor einzuflechten. Der geistliche Beirat, Herr Dr. H e l l e r, sprach dem Vortragenden im Namen aller Anwesenden den Dank für die hochintereflanlen Ausführungen auS.
V Für solche, deren Herz beim Almosengeben leicht ,Furchzugehen" pflegt, schreibt uns etn Leser folgende, für die Weihnachtstage gewiß recht beher- zigenstverte Aufklärung. Die „Fuld. Ztg." hat, wenn rch nicht irre, mehrmals schon gewarnt, auf unkontrollierbare Bittgesuche um ein Darlehn oder eine Unterstützung einzugehen. Diese Mahnung ist bei der unter den Katholiken nicht selten fast unbegreiflichen Gutmütigkeit sehr am Platze. Jahrzehntelang betreiben oft Leute mit recht bedenklichem Leumund diese leider nur zu erfolgreiche „Berufsarbeit". Sie weisen, um nur einige Stellen aus ihren mündlichen und schriftlichen Sprüchlein anzuführen, aus ihre Hilfsbedürstigkeit hin wegen langer Krankheit von Frau und Kind, die fern in einem Spital sich befinden, oder sie waren selbst krank, wie ein auf Lein» wand aufgeklebter, beschmutzter Entlaßschein aus einem Krankenhaus bekunden soll, oder sie hatten das Unglück in Konkurs zu geraten, ja mit Gefängnis bestraft worden zu sein aus Gutmütigkeit gegen einen treulosen Verwandten und können nun nicht wieder in die Höhe kommen, war um so peinlicher sei, da sie früher einmal besiere Zeiten gesehen und in höheren gesellschaftlichen Kreisen verkehrt haben. Eine einmalige Unterstützung, um das Hausieren mit Heinen Gegenständen betreiben oder ein Warenpaket einlösen zu können, erbitten andere. Bald nach Weihnachten häufen sich auch die Bittgesuche derer, die angeblich ein Kind auf Weißen Sonntag vorberriten müssen, ohne die Mittel dazu zu haben. Raffinierte Schreiber stellen sich auch als Opfer der Verfolgung wegen ihres treuen religiösen Bekenntnisies hin und bitten ihre Glaubensgenossen deshalb um gütige Berücksichtigung, zumal sie die etwaige Unterstützung nur als' ein Tarlehn oder Mutuum bezeichnen, zu dessen Rückzahlung sie stets bereit sind, aber bet Lebzeiten nicht imstande sind, wie Jedermann leicht er- kennt. Wie soll man sich von diesen Brandschatzungen sichern? Auf Grund langjähriger Beobachtungen rate ich zu folgenden festen Vorsätzen, die weder durch lange Briefe noch durch Tränen erschüttert werden sollten. Wenn zweifellos und äugen- b l i ck l i ch im einzelnen Falle die Hilfsbedürftigkeit und Würdigkeit feststeht, dann gib dem Armen um Gortes Lohn eine Unterstützung. Besteht aber der geringste Zweifel, ob die Angaben richtig sind, dann gebe dein Almosen dem nächsten Vineenz- oder Elisa- bethverein mit dem Hinweis, diesen näher bezeichneten Armen, wenn er wirklich Not hat und Unterstützung verdient, in erster Linie zu bedenken. Bei späterer Nachfrage wird dir nämlich nicht selten die verwunderte Antwort zuteil: den Bettler kannten Sie nicht? Ter ist ja unwürdig wegen seines liederlichen Wandels, oder der lebt geschieden von seiner Fran, oder der pumpt überall/treibt Zechprellerei, schimpft in den Wirtshäusern auf Religion und Geistliche usw. Wir haben deshalb Ihre Gabe einem verschämten,
• Führer durch christliche Kunst.
Auf dem Gebiete der religiösen Kunst hat sich „D. Kühlens Führer durch ch r i st l. K u n st' auf das glänzendste bewährt u. viele Freunde erworben. Er liegt als Jahrgang 1914 wieder vor uns in neuem, festlichem Gewände, ein zielbewuhter Wegweiser auf den Dahnen zur Erkenntnis wahrer, christlicher Kunst. Wir heben aus bin verschiedenen Gebieten einiges hervor. An künstlerischem Wandschmuck für das christliche Heim bietet der Katalog eine besonders reiche und wertvolle AuS- wähl. Dor allem verdienen die Bilder der Kölner Maler, schule empfehlende Worte. ES sind besonders hervorzu- heben: Die Madonna mit dem Veilchen, die Madonna im Nosenhag, dann in hervorragender Weise das Drei- königenbild aus dem Kölner Dom, von dem Goethe einst bewundernd sagte, daß die Madonna des Bildes das Schönste sei, was die Kunst geschaffen habe. Feingetönte Lichtdruck-AuSgaken nach alten Meillern und zeitgenös. fischen Malern sind gleichfalls in reichem Matze vertreten.
Unter dem Titel Hausschatz christl. Kunst hat der Verlag ein neue», sehr zeitgemäßes Unternehmen ins Leben gerufen, das den Zweck verfolgt, unter Zuhilfc- nähme aller Fortschritte moderner JllustrationStcchnik und unter Mitwirkung namhafter Autoren in billigen Buchausgaben dcm Volke die reiche Fülle christlicher Kunst zu vermitteln und da? Verständnis dafür in toci. testen Kreisen zu wecken. Die Sammlung 1 beginnt mit dem Laien Brevier in Bildern 15 Bände i 10 Kunst, blätter nach 10 Originalen klassischer und moderner Meister. Tert in Poesie und Prosa von P. Valeriu? Kemper O. F. M. DiS jetzt sind erschienen: 1. Die Kindheit Fesu. 2. Da? Leiden Christi. 3. DaS Leben Mariä. 4. 3efu Willen — pro Band 1 Mk. Au? der Sammlung 2 erschien als 1. Band: Die heilige Euch», cistie und ihre Verherrlichung in der Kunst von P. D. Corbinian Wirz O S. B. kartoniert 1,80 Mk.
Demselben Zwecke dem die Monographien und der HauSschatz cheistiicher Kunst dienen, entsprechen auch die übrigen im Ver.age erschienenen religiösen Prachtwerke. Sie stellen eine erlesene Sammlung dar, einen Kranz von Blüten puf dem christlichen Kunstgebiete und ihrer vervielfältigenden Schöpfungen, die mit dem sie beglei. »enden Text einen edlen Genuß bieten und sich besonders als Weibnachts. uno Gelegenh-itSgefchenke eignen. Wir Heven besonders hervor: .Genovefa". Di» Genovefa.
aber würdigen Hausarmen gegeben. Möchten in diesen Tagen der Weihnachtszeit, in denen eine Hochflut von Bettelbriefen die Herzen der guten Menschen zu bestürmen pflegt, der ruhig denkende Verstand zu- erst genau prüfen, bevor 'das Herz sich entschließt, durch die Hand Almosen zu spenden. Wer aber diesen „Instanzenweg" nicht genau einzuhalten vermag, der benutze als Vermittler den Vincenz- oder Elisabeth- Verein. Durch die Sicherheit, welche diese Vereine über die gute Verwendung der Almosen bieten, wird die Gebefreudigkeit des einzelnen nicht gehemmt, sondern grabe im Gegenteil zu weitern hochherzigen Werken der Liebe entflammt.
g. Schuhmacherinnung. Gemäß § 39 beS Statuts der Schuhmacherinnung ist zur Mitwirkung bei den Geschäften der Innung, soweit sie durch Gesetz ober Statut vorgesehen finb, ein Gesellenaus- schuß von 3 Mitgliedern und 3 Ersatzmännern zu wählen. Einer Einladung des Obermeisters zur Vornahme der Wahl hatten die Gesellen keine Folge geleistet. Jetzt hat der Vorstand der Innung beschlossen, der Handwerkskammer für den Gesellenausschuß geeignete Mitglieder und Ersatzleute zur Bestätigung vorzuschlagen, damit dien Bestimmungen des Statuts bezw. der Reichsversicherungsordnung Genüge geleistet wird. — Um einheitliche Ordnung in das bereits stark angehäufte Aktenmaterial der Innung (dieselbe zählt zurzeit 85 Mitglieder) zu bringen, beschloß der Vorstand die Registratur durch einen Fachmann neu einrichten zu lassen.
(!) Die neue Eisenbahubrücke an der Künzellerstraße, die nunmehr auch fchon in Benutzung genommen ist, macht einen sehr ansprechenden Eindruck. Man hat nicht nur dem Nützlichkeitsstandpunkt Rechnung getragen, sondern auch durch die Gestaltung der Brückengeländer für eine ästhetische Wirkung gesorgt. An den Ausgängen der Brücke, nahe den Endpunkten beider Geländer, sind breite Pfosten aufgesetzt, die große Gaslaternen tragen. Die Notbrücke ist bereits verschwunden.
# Landwirtschaftlicher Kreisverein. ES fei auch an dieser Stelle auf die morgen nachmittag 3 Uhr im Saale des Restaurants „Ballhaus" stattfinbende Generalversammlung de§ lanbwirischaft- lichen Kreisvereins hingewiesen, in der Herr Lanb- wirtschaftslehrer Amling von der hiesigen landwirtschaftlichen Schule einen Vortrag halten wirb über die neueren Erfahrungen auf dem Gebiete be5 Futterbaues. In Anbetracht des für den neuzeitlichen Landwirtschaftsbetrieb wichtigen Themas wäre ein zahlreicher Besuch der Versammlung sehr er- wünscht. Auch Nichtmitglieder, welche Zweck und Ziele des Vereins noch nicht kennen, sind als Gäste willkommen.
$■*> Das neue Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen im Oberpostdirektionsbezirk Kassel ist jetzt erschienen.
1*1 St>aflammer. Auf der Anklagebank erscheint au8 der Haft vorgeführt der wiederholt mit fdireeren Strafen bedachte 31 jährige Erdarbeiter Jo eph Burkhardt von hier, der sich seit 7. Nov. in Hast befindet. Heute batte er sich wegen D ebstabl» zu verantworten. Am3.Nov.d.J. stahl er aus einer Wobn- ungim Multerbause eine Geldkassette, die außer 200 Mk. zahlreiche ältere Münien enthielt. Dte Kastelte und Mün- zen warf B. ins Master, mit dem Geld fuhr er narb Frankfurt, kaufte sich verichied. Kleidungsstücke und lebte herrlich und in Freuden. In einer Wirschaft soll ihm der Rest de« Gelte« abgenommen worden sein. Der Erste Staatsanwalt beantragte unter Einrech- nung der z. Zt. zu verbüßenden 8 Monate Gefängnis eine Gesamtstrafe von 2 Jahren und 3 Monate Gefängnis. DaS Gericht erachtete aber diese Strafe für einen so gemeingefährlichen Dieb für zu niedrig und erkannte auf eine Gesamtstrafe von zwet Jahren und drei Monaten Zuchthaus, von der ein Monat UntersuchunaShaft tn Abzug tommt.
(!) Fünf Grad unter Null stand heute nacht die Quecksilbersäule. Also, es kann auch noch Winter werden! Die FrühlingSlüfte der letzten Zeit hatten bei manchem den Glauben an diese Tatsache schon ins Wanken gebracht. Wenn er sich gestern nachmittag die bitterkalte Luft vor den Toren der Stadt um die Nase wehen fleß und heute früh die Eisblumen an den Fenstern erblickte, wußte er, woran er war. Die Rhönberge, namentlich die Wassersuppe, in deren Nähe heilte unsere Feldartillerie ein Scharfschießen veranstaltet, tragen eine tiefe Schneedecke. Da kann ja nun der Wi n t er sp ort in Angriff genommen werden. Daß bei günstigem Winterwetter in der Rhön Heuer viel los sein wird mit Winterfport- lern, geht auch au5 folgender Meldung hervor: Ein erfreulicher Beweis, daß sich da? Dammersfeld in hervorragender Weise zum Schneeschublaufen eignet, ist auch der, daß die „Schi-Abteilung" des Tau-
Legende. targestclli in 15 Kunstblättern von Jos. Ritter von Führich.
Daß der HeiJag in festen Bahnen schreitet, die m» in die tiefsten Schickten be$ christlichen Volkes führen, um sie zu «fallen und empfänglich zu machen für wahrhaft religiöse Kunst, zeigt auch die Erbauungsliteratur. Sie ist überaus reick vertreten. Neu sind erschienen: „Gott in der ssöh' sei Ebre!" Von Ludwig Soengen. 112 Seiten Tert mit 10 Bildern. „Malta, die Blume der Wei,." Neisebilder vom 24. Internationalen Eucharistischen Kongreß von Pfarrer Esser. 84 Seiten mit 12 Bildern.
Der Hebung des Kunstsinnes im Volke dient auch die Herausgabe !>on Heiligenbildern, die von uns um deflentwillen begrüßt werden, als der Verlag vor. wiegend klassische Vorbilder und religiöse Meisterwerke benutzt. Durck harmonische und lebendige Farben, gebung, vor allen Dingen durch anschauliche und ent- sprechende Darstellung ist gesucht, den Forderungen, die an ein gutes, religiöse? AndacktSbildchen gestellt wer- den müssen, gerecht zu werden.
Di? reitifar't’oe Sammlung von Glückwunsch, karten zu Weihnachten und Neujahr ist wieder um prächtige Neuh-iten vermehrt. Die Karten sind zum Teil in künstlerischer Chromolithographie und enilpre. eben allen Anforderungen de? guten Geschmacks, sodaß man die Kollektionen angesichts der vielen Geschmack- lofigkeiten, die stck auf dem Gebiete breit machen, mit besonderer Freiste begrüßen muß. Der Katalog zeigt, wie der Verlag dmck die künstlerischen und zweckdien. licken Karten eine Hebung deS Niveaus der AnsichtS. karten erstrebt.
Schließlich möchten wir nock Hinweisen auf Kühlen? Abrußkalender für die katholische Familie, sowie aut KüblenS knthoiifcken Wockenblockkalender. Ter erstere enthält eingehende Angaben über allgemein und in ein. zelne.r Diözesen gefeierte Feste, erbauliche Texte, Evan. gehen usw. Der Kalender ist gewissermaßen zu einem Litrrgiscken ankgestatiet und enthält eine Reihe von Artikeln über soziale Fragen. Der V'ochkalender eignet sich für Kontore Studier- und Arbeitszimmer und Werkstätten.
AuS dem vielen, was uns der Führer bringt, haben wir nur einiges heivorbeben können. Es genügt aber, um festzustellen, daß der Kunstverlag, indem er auf der Bahn echten Kunstsckaften» fortfckreitet, dem christlichen Volke m wirklich Gediegener bietet
nusflubs sich für die Weihnachtstage alle zur Verfügung stehenden UnterkunftSstätten in Da I • Herba unb auf bem Dammersfeld im voraus bestellt hat. Tatsächlich haben die Höhen des TammersfeldeS den unbestrittenen Vorzug, daß man stundenlang auf glatter Bahn ohne Hindernisse unb Gefahren laufen kann, auch verharschen diese Flächen nie. Da ber Zweigderein Talherba bie Wegestrccken Dammers- selb Eicrhauk, sowie DammerSfeld-Dalhcrda mit hohen Pfählen wieder vorzüglich markiert hat, ist selbst bei dichtem 'Diebel ein Verirren so gut wie ausgeschlossen. Schon wimmelt eS auf den Höhen, denn der am am 5 Dezember gefallene erste Neuschnee ist, da er auf gefrorene Erde und verhältnismäßig reichlich gefallen ist, für den Schneeschuhlauf schon ganz vorzüglich.
s. Tas Kriegsministerium wird vom 1. Januar 1914 ab die bisherige Vakanzenliste für Mili« tSranroarter, die in Zukunft auch die O fiuer- Zwilversoraung mit umfassen soll, unter dem Titel: „AnstellungS-Nachrichten, Amtliche Mitteilungen für versorgungsberechtigte Militäranwärter" bearbeiten.
* Die Landesbibliothek ist von 'Mittwoch den 24 Dezember d. I. bis zum 2. Januar für daS Publi- tum ge> ck I offen.
-x- Von der Straße. Recht ungebührlich benäh-' men sich gestern nachmittag in verschiedenen Straßen zwei Schirmflickerfamilien. Sie erregten z. B. in der Markt- und Karlstraße usw. durch ihr unflätiges Benehmen die Aufmerksamkeit zahlreicher Passanten. Gegen abend belästigten sie sogar eine Schwester des Mutterhauses in der Habsburgerstraße in ber gröblichsten Meise und überhäuften sie mit Schimpfworten. Trotzbem bie Gesellschaft durch Schutzleute verfolgt wurde, entkam sie.
WeihnachiS - Festspiel. Eine großzügige Weih- nachtsseier oerannaltet in diesem Jahre der Männergesangverein „Winfridia" für feine Mitglieder und deren Angehörigen am ersten We hnachtsfeiertage in den Räumen des faltet. Gesellenhauses. Der Feier liegt ein reichhaltiger Programm zu Grunde. Den Hanptpunkl der Veranstaltung wird die Aufführung eines WelhnacktSseftspieleS mit Männerchören fein, das jolgende sechs lebende Bilder enthält. 1. Geburt Christi < Mannerchor: „Stille Nackt'): 2. Verkündigung der Geburt Chr sti an die Hirten („Ehre sei Golt"); 8. Anbetung der Hirten („Es ist ein Ros' entsprungen"), 4. Wiegenlied Mariens bei der Krippe („Marias Wiegenlied"); 6. Anbetung der Könige und Hirten („Herbei, o Ihr Gläubigen"); 6. Verherrlichung der Gottesmutter („Sanela Maria"). Sämtliche Männerchöre sind für diesen Zweck neu einftudiert worden. Die Ausstellung der Bilder erfolgt nach den Plänen des Herrn Kunstmalers Hugo Pfister, der in dereitwillioer Weite die Leitung des FeftspteleS übernommen hat. Auch hat Herr Pfister eine ganze Anzahl Szenerien eigens tut di-'es Festtpiel angesertifl, sodaß die Aufführung ein künstlerisches Gepräge trägt und ihre Wntung nicht verfehlen wird. Den Schluß der Feier wird eine Bescherung für di« Kinder bilden.
Aus dem Nachbargebiele.
g. Büdingen, 18. Dez. 1913. Der in den fürst- lichen Waldungen scstgenommene Wilddieb Mann ist beule früh aus dem Wächtersbacher Gesä gnis, wohin man ihn gebracht hatte, ausgebrochen und konnte bisher nicht wieder erwischt werden.
* Hanau, 18. Dez. 1913. Die Strafkammer verurteilte den Hausbesitzer Jakob Eyring au» Fechenheim wegen Wechfelfälschung zu vier Monaten Gefängnis. Er batte »:et Wechsel in Höhe von 5400 Mark aus die Namen von Feetenbetmer Geseläsir» ieuten gesälfcht und die Wechsel bet der Spar- und Leihkafle in Fechenheim in Zahlung gegeben. Tie Kasse erlitt jedoch keinen Schaden, da Eycing aus biete nach Auldeckung der Fälschung eine Sicher heits- ypotbek eimraaen It-’ft.
f Frankfurt a. M., 18.. Dez. 1913. Der Streit, wer am 2. Januar bei ber Erstaufführung beS „Par- fifal" bie Rolle des Parsifal singt, ist heute mittag vorn Regiekollegium zu Gunsten HuttS entfliehen worben. Damit bürste ber leibige Sängerkrieg am Opernplahe wohl für bie Oeffentlichkeit begraben sein, hinter ben Kulissen wirb er zweifellos noch weiter toben. — Bei Reparaturarbeiten an ber Gasleitung ber Stabihalle explobierte bas auSftrö» ntenbe Gas an einer Lampe unb setzte bie nach ben oberen Stockwerken führende Treppe in Branb. Die Flammen würben von ber Feuerwehr halb gelöscht. Leiber erlitt ein Arbeiter, der baS GaS abstellen wollte, schwere Branbwunben an ben Hänben.
e Dreieichenhain (bei Offenbach), 18. Dez. 1913. Der hiesige Geschichtsverein plant bie Vornahme neuer Grabungen in ber Burg, um ein Bilb von ber bisher noch unbekannten Gesamtanlage der- felben zu erhalten. Mit bem Staat, ber Provinz unb verschiebenen Körperschaften finb Unterhandlungen über bie Gewährung einer Beihilfe eingeleitet.
n Nied 6. M., 18. Dez. 1913. Atif ministerielle Anordnung muß der Neubau ber Eisenbahn- Werkstätten sofort in Angriff genommen werben. Die Anlage wirb nach ben borliegenben Plänen 72 Lokomotivständer erhalten unb vorerst 800 Arbeitern Beschäftigung bieten. Nach Fertigstel- lung ber verschiebenen Arbcitsräume, wie Siebrohrwerkstätten, Rot gußgießereien, Drehereien, Werkzeug» räumen, Anstalten für ba? autogene Schwcißver- sahreu usw., wirb bie Zahl ber Arbeiter auf 1500 bis 1600 erhöht. Für bie Beförderung ber Frankfurter Arbeiter nach ben Werkstätten läßt bie Bahn ein besonderes Gleis bauen. Dte Werkstätten sollen, falls ber Landtag bie Baumittel bewilligt, im Jahre 1916 im Betrieb genommen werben.
w Schwanheim a. M., 18. Dez. 1913. Schulbuben warfen gestern abenb bem vom Felbe heim- kehrenben Gespann beS Landwirts Kittel Feu^ erwerkskörper vor bie Füße. DaS Pferb scheute unb ging durch. Dabei stürzte Kittel ab unb würbe von ber nachschleifenben Egge lebensgefährlich verletzt.
* Wiesbaden, 18. Dez. 1913. Ein 13 jähriger Schiller eines hiesigen Pädagogiums, der wegen Zchuldenmachens von seinem Baler Borwütte ei halten hatte, schrieb seinem Tiieftor, daß er sich deswegen das Leben nehmen werde. Tie 'Ankünd:, gnng bat ber Junge wahr gemacht: Er fuhr nach Mainz, kausle sich dort einen Revolver und e-sckoß sick. 13 Jahre, Schulden und Selbstmord — unsere städtische Juaend erreicht mit unheimlicher Geschwmdig.rit die „Kulturhöhe" der „Lebekteile".
• Mainz, 18. Dez. 1913. In der h efigen Höheren Töckterfchule löste sich beute während einer Turn- stunde ein Eisen, da? den Runblauf hielt, au» der Decke, stürzte herab und zerschmetterte einem neunjährigen Mädchen einen Fuß. Ein zweites Mädckrn erlitt ebenfalls Verletzungen und wurde bt« wußtlos noch Halste oebrack".
x Friedberg, 18. Dez. 1912. Durch den infolge der Maul- und Klauenseuche geftent ausgefallenen Schweinemarkt haben die hiesigen Ee-
M 293.
Freitag 19. Dezember 1915.
fchäftsleute nach einwandfreien Schatzungen einen Schaden von rund 30 000 Mark erlitten. Aus diesem Markte pflegten die Bewohner der Wette, au in hellen Schaien zu erscheinen und nach dem Verkauf ihres milgebrachten Viehes ihren gesamten Weih- nachisbebarf in den hiesigen Geschäften zu decken. *^a§ ist in diesem Jahr durch das SDlarftberbot vereitelt worben.
s AuS dem Taunus, 18. Dez. 1913. M i l ch- fälschet finb im Taunus letber keine seltene Er- scheinung; ihnen haben sich jetzt sogar schon E i e r- fälscher a!S eine neue Sorte ber gewerbsmäßigen Betrüger zugesellt. Ein gutsituierter Sanbnnrt aus Heftrich ist auf bie gelungene Idee gekommen, tn einem Idsteiner Konsumgeschäft bie sogenannten „Kastencier" en gros aufzukaufen unb biese bann mit einem recht erheblichen Preisausschlag als frischeste 2anbeier aus bem' Taunus in ben Nachbar- städien zu verkaufen. Der Schwinbler würbe schließlich entlarvt unb jetzt zu brei Tagen Gefängnis verurteilt.
* Limburg, 18. Dez. 1913 Zum Oberlehrer am diesigen Gymnasium roäolte das Kuratorium ben Herrn Eduard Reichwein, der bereits seit einiger Zen an unserer höheren Lehranstalt als Hilfslehrer tätig ist.
* Schweinfurt, 18. Dez. 1913 Heute früh 3 Uhr wurde im hiesigen Stabtbahnbof der beim Bahuhofs- toirt Schreiber bedienstete' 18jährige Kellner Max Fleischmann von einem Güterzug überfahren unb getötet — Nach einer Mitteilung bes Kaiserlich deutschen Konsulates in Cincinnati ist bort ein Christian Schumpf unter Hinterlassung einiger Hunbert Dollar Vermö gen gestorben. Tre Erben bes Schumpf konnten bis jetzt nicht ermittelt werben. Unter feinen Effekten befindet sich auch eme Eifenbahnsahrkarte für bie Strecke Schweinfurt Hbs.- Frankfiirt a. M. unb besteht formt bie Möglichkeit, baß Schumpf au5 ber Umgebung von Schweinfurt stammt. Ter Stadtmagistrat Schweinfurt erteilt an Jitteresfeitten Aufschluß.
* Bad Kiffingen, 18. Dez. 1913. Vom Königs. Staatsministerium der Finanzen wurde zu den auf 3000 Mark veranschlagten Kosten für Ausarbeitung eines Delailprojektts übe* eine Bergbahn nach bem Sub roi a § tut m ein Zuschuß von 1000 Mk. auS der Badiarkasse bewilligt.
* Aus Waldeck, 18. Dez. 1913. Gestern finb am Eisenbahnbamm toieber neueRutfchungen ein» getreten. Die Oberfläche ist um 1,75 Meter tiefer aestmken. Da sie sich auch fetzt immer mehr nach ber Straße zu senkt, so ist gestern bas Ueberf(breiten bes Dammes, burch bie Umfteigenben eingestellt worben. Die Passagiere gelangen setzt über bie Böschung am WalbeSranbe zur anberen Einsteiaestelle. Es wirb voraussichtlich noch Monate bauern, bis ,ber Damm wieder hergestellt fein wirb. Am gestrigen Tage bereiste Herr ReaierunaSrat Mockel von ber Kgl. Eisenbahnbirektion Kassel bie Strecke.
* Göttingen, 18. Dez. 1913. Der S e n s a t i o n S- Prozeß gegen bie Bäckermeisterswitwe Rosa Knrz, früher Pcsitzerin be» großen KinematographentheaterS „Ebentbcater" in Göttingen, jetzt in Dortmund, berrii Sohn August Kurz, ben Filmverleiher Artur Mest in Hannover, ben Kinoacschäftssührer Ernst Mest in Hannover unb ben Rechtsanwalt Willi St'flmann in Göttingen wegen K o n k u r s o e r b e ch e n s unb Beihilfe dazu würbe gestern zu Ende geführt. Frau Kurz war beschuldigt, als Schulbnerin, bie ihre Zahlungen einstellte, oder über deren Vermögen KonkiirS eröffnet war, in ber Absicht, ihre Glänb-get zu schädigen, Schulden ober Rechtsgesch'flte erb flstet unb in berselben Absicht Vermögensstücke bei Seite geschafft ober verheimlicht zu haben. D'e ü bi io en Angellagten waren beschuldigt, mit Rat unb Tat wissenllich Beihilfe geleistet zu haben. , 9lrntr unb Ernst Mest, sowie ber Rechtsanwalt Willi Stockmann wurden freigesprochen. Frau Kurz wurde zu 6 Monaten Gefängnis, ihr Sohn August Kurz zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
* Schmalkalden, 18. De,. 1913. Anstelle des Herrn OheriörfterS Keudell, der in ben Ruhestand tritt, roähl'e der Magistrat den Oberiöntet-Kandi« dalen Herrn Grälen Beissel von Gymnich. Die gestrig« Stadtverordnetenversammlung erklärte sich einstimmig mit dieser Wahl einverstanden.
Ami Geisa und Umqebunq.
* Geisa, 18. Dez. 1913. Das Großherzogtrml Sachsen zahlt über 3000 Nimrode. Im Jahre 1911 wurden durch die Bcrirksbirektioncn 3111 Jagdscheine ausgestellt. Die Staatskasse erzielte dadurch — ein Schein kostet 12 Mark — eine Summe von 37 332 Mark. Außer den Jahresscheinen wurden auch noch 3136 TageSjagbschrine, baS Stück zu 1,50 Mark' gelöst, so daß sich bie Einnahme aus 42 036 Mark erhöhte. Im 4. Verwaltungsbezirk waren ausgestellt 257 Jahres- unb 101 Tagctzjagbscheine.
* Stadtlengsfeld, 18. Dez. 1913. Auf der Anschlußstrecke nach dem Schrammhof riß die Kuppe- lung des Wagens eine? mit Kohlen beladenen Fclba- balmutges Drei Wagen sausten, nun bie abschüssige Strecke hinab unb entgleisten, wobei bie großen 4acksigen Wagen schwer besckäbigt würben. Ob bie Kuppelung ber Wagen zu schwach ist, ober ob irgenb ein anberer Umstanb zu bem Unfall beigetragen hat, wirb wohl untersucht werben.
* Düng«?, 18. De,. 1913. Trotz der reichlichen Niederschläge hat bet Hantsce wieder um ein be« lräl tlickes abgenomimn. Sein Umfang hat sich um einige Meter verkleinert. Wenn bei solcher Witterung ein Zurückgehen des Sees eintritt, so müssen für diesen interessanten Waldsee wie 'ür das Wunder seiner schwimmenden Insel die größten Bedenken auf« laucken.
• Tiefenort, 18. De,. 1913. Der hiesige Ort?« eimvohnet I. S. hat sich in feiner Wohnung et« hängt. Das Motiv der Tat ist unbekannt.
Sus Oberhessen u. den hesi. Aemtern-
* Marburg, 18. Dez. 1913 Gin in weiten Kreisen betannur und geschätzt et aller Marburger Bürger, Kaufmann Ludwig Bücking, vollendet morgen sein 80. Lebensjahr. Rüstig rote etn Mann in den betten Iahten sieht man ihn noch jeden Tag sein Gesckätt am Morktp atz aufsuflen. Ter ‘<uH!ar, 6et b rule noch dem Kreikoussk! i ß de? K>c.ce D-arbuig anoehört, Hal aus allen Gebieten dc? ton n urakn Leben» s!r Ttadtrat, Auä'ckr-ßvorstkbcr i nd Bizc- bürgmreifltt viele Jabie tüt teil e Heimalsstadt etr.e äußerst segensreiche Tättgieit ent ahet.
* Kirchham, 19. Dez. 1913. Bei der Vieh- und Obstbaumzählung ergaben sich für die Stadt Kirchhain folgende Zahlen: Zahl der Gehöfte