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40. Zahrgang.
Srectag den l9. Dezember 1913
erstes Blatt.
Nr. 293
tn^jetni ml» Ausnahme 6er Sonn- und Vertage. Mertel- jahrndjer Bezugsprtis ohne Brtngerloljn and p
foett auswärts 1-50 Mark. •••• Rotohensfirudi und Oerlag der g s zuldaer ftetienbnidtcrti In julda. Zernsprecher Nr. 6. s X
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Die Ordensgeietzgek nng vor der Zweiten heWchen Kammer.
g Darmstadt, 18. Dez. 1918.
In der heutigen Nachmittagssitzung der hessischen Zweiten Kammer gelangte der Antrag der Abg.„ Dr. Schmitt (Ztr.) und Genossdn betr. die religiösen Orden zur Verhandlung. Die Antragsteller verlan. gen eine Abänderung der Ordensgesetzgebung, vom Jahre 1875 im Sinne einer größeren VewegungSsreiheit der in Hessen zugelassenen kirchlichen Orden und um Zums. sung eines weiteren Männerordens tm Interesse der Seelsorge.
Die Debatten wurden durch eine längere Rede de» freisinnigen Abg. R e h eingeleitet, welcher ein Bild der Geschichte der hessischen Ordensgesetzgebung gab und da. bei auch der Revision des Gesetzes itn Jahre 1895 ge- dachte. Der Redner, der als Berichterstatter des Ge. sctzgebungSauSschusseS die Annahme des ZentrumSan- trags empfahl, erkannte an, daß die Forderungen des Zentrums mäßig seien und daß deren Annahme den religiösen Frieden deS Lande» nicht zu stören in der Lage sei. Sine größere Bewegungsfreiheit der kranken, pflegenden Orden sei unter allen Umständen zu befur- Worten, auch die Tätigkeit der übrigen charitativen Or. den liege im allgemeinen Interesse, gegen die Annahme neuer Hilfskräfte seitens der in mehreren Städten die Lehrtätigkeit ausübenden englischen Fräulein habe man im Ausschüsse keine Beanstandung erhoben.
Minister des Innern von Homberk erklärt die De. reitwilligkeit der Regierung. Milderungen des bestehenden Ordensgesetzes vorzuschlagen, wenn sich die beiden Kammern im Sinne de» Antrag» Schmitt aussprechen werden. Man wolle bei aller Aufrechterhaltung der Gesetzgebung Härten beseitigen, die sich im Laufe der Zeit herauSgestellt haben. , .
Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) erklärt namen» feiner Freunde, dost sie weitgehendere Wünsche auf völlige Beseitigung deS OrdenSgesetzeS zurückgeftellt haben, um das Erreichbare zu erhalten und um nicht den konfessionellen Frieden zu stören. Was aber setzt verlangt werde, sei da» Mindestmaß dessen, was die Katholiken des Landes im Interesse der Seelsorge verlangen müssen. Nehme die Regierung dies an, so bleibe Hessen immer noch hinter Preußen zurück, daS seine OrdenS- gesetzaebung viel weiter gemildert habe. Man verlange vor allem, daß die männlichen krankenpflegenden Orden nicht schlechter als die weiblichen behandelt werden sollen. DeS weiteren verlange man neben dem einzigen in Hessen zugelassenen männlichen Orden, den Kapuzinern, noch einen weiteren Orden mit Niederlassung in Mainz, Ofienbach und Bensheim. Man solle durch An. nähme des Zentrumsantrages hierzu die Möglichkeit schaffen. Den englischen Fräulein solle man da» Recht der Anstellung werterer Lehrkräfte gestatten und endlich wolle man den Schwestern der ewigen Anbetung gleich, fall? die Möglichkeit verschaffen, ihren Mitgliederstand zu erhöhen. Da seien gewiß bescheidene Forderungen deS kabolischen Volkes, dem man mit der kirchlichen Behörde wohl an erster Stelle die Beurteilung überlassen könne, was den religiösen Interessen dient. Der Redner betont, daß er Bei diesen Erörterungen absichtlich alles vermieden habe, was den religiösen Frieden stören konnte: deshalb habe er auch davon Abstand genommen, auf eine KampfeSschrift au» den Kreisen de« evangelischen Bunde» zu antworten, die in den letzten Tagen den Mitgliedern der Kammer ,«gestellt wurde und die von unrichtigen und das religiöse Empfinden deS kath. Volksteils verletzenden Ausführungen strotze. Er ersuche die Kammer im Interesse deS religiösen Frie. den? um Annahme des ZenrumSantragS.
Abg. Dr. Stephan i'natl.) erklärt namens seiner Freunde, daß sie die maßvolle Weife der Begründung des Antrags durch den Vorredner rückhaltlos anerkenne und daß sie bereit seien, den Wünschen der Katholiken entgegenzukommen. Zwar müsse man von der Regie, rung erwarten, daß sie daS bestehende OrdenSgesetz rich- tig auSführe; aber zu den einzelnen Wünschen de» Zen. trums sich wendend, erkennt er die Notwendigkeit an, insbesondere die charitativen Orden von Beschränkungen zu befreien, die sich mit der Zeit als unnötig heraus, gestellt haben. Anerkannt müsse werden, daß da» bestehende Ordensgesetz ein Kampfgesetz au» der Kultur, kampfzeit fei; aber die Verhältnisse hätten sich seitdem sehr geändert. Zweifellos hätten die katholischen Pfarrer eine recht erweiterte Tätigkeit namentlich in sozialer
Das verlorene Kind.
5] Roman von Marie LeSeot.
Toni, der Waldhüter, welcher behauptete, in der Nacht, die der Katastrophe folgte, die.dänische Dogge im Walde gesehen zu haben, wurde eine äußerst m» teressante Persönlichkeit. Man stellte allerhand Fragen an Luka». Dieser war aber nur in der Lage, auf alles traurig zu entgegnen:
„Ja, Sultan ist wirklich durchgegangen! Er liebte unseren jungen Gebieter zu sehr und konnte nicht ohne ihn hier bleiben. Ja, ja, die Hunde besitzen Treue und Anhänglichkeit! Ich würde mich wahrlich versucht fühlen, mit Justine seinem Beispiele Folge zu leisten, wenn die Frau Baronin uns nicht so innig gebeten hätte, unsere arme, wahnsinnige Herr'.» nicht zu verlassen!"
Weder die Andeutung der Einen noch die De. hanptung der Anderen vermochten den Gedanken deS guten LukaS zu erschüttern, daß der arme kleine Konstantin ertrunken sei. Hatte er denn nicht selbst seinen Hut auf ^er Wasserfläche schwimmen sehen? Als gut geschulte Fran war Justine natürlich immer der Ansicht ihres Gatten und reizte ihn nicht durch Wider- spruch. Sie zuckte nur die Achseln über die Gerüchte, welche im Torfe kursierten, ja sie fuhr sogar die Leute an, die sich ihr gegenüber welche Aeußerungen erlaubten.
„Meint Ihr denn, ich würde mir nicht die Füße ablaufen, wenn auch nur die geringste Aussicht bestände, mein armes Tinchen zu finden? Redet doch keine Torheiten. Er ist uns für immer verloren! Herr und Frau Baronin haben keine Mühe gescheut, im seine kleine Leiche zu finden— vergeblich! Bald ,oer wird man noch andere» sehen, wodurch die Seute überzeugt werden müssen."
DaS „Andere", wodurch die Leute überzeugt wer- En sollten, war ein Mausoleum, welches, nachdem nan den Gedanken en die Auffindung de» Kinde» «efinitiv aufgegeben, sich im Parke erhob. Es war ,in weißer Marmorbau, den em Engel krönte, welcher
Hinsicht und wenn e» sich herauSstelle, daß Unterstützung durch Ordensleute notwendig fei, so solle man den Wün. schon der Katholiken entgegenkommen. Damit schädige man den konfefsionellen Frieden nicht, wie e» in der erwähnten Kampfschrift heiße.
Abg. Adelung (Soz.) ist mit feinen Freunden grundsätzlich für die völlige Beseitigung der Orden», gesetzgebung al» eine» Ausnahmegesetzes und insofern gehe er mit seinen Freunden über die ZentrumSforde. rung hinaus. Man solle doch mit der Aufhebung dieser Gesetzgebung dem Zentrum ein wirksames AgitationS- mittel au» der Hand nehmen, mit dem {» immer von neuem die Volksseele kochen mache. Von hoher kirch. licher Seite sei im übrigen schon oft erklärt worden, dah in keinem anderen Lande die Katholiken sich in sol. chem Matze der Freiheit erfreuen, wie in Deutschland. Der Redner glaubt schlietzlich die Regierung noch darauf aufmerkfam machen zu sollen, datz bereit» zahlreiche Ordensmitglieder schon seither ohne Erlaubnis in Hes- sen gewirkt und datz eine Förderung der Lehrtätigkeit der englischen Fräulein unvereinbar sei mit der Auf. rechterhaltung der Simultanschule.
Minister von H o m b e r g k stellt fest, dah e» sich bei den englischen Fräulein um Privatschulen handelt, die außerdem nicht al» konfessionell anzusprechen seien, weil auch nichtkatholische Kinder dort Aufnahme finden.
Abg. von Brentano (Ztr.) wendet sich gegen den sozialdemokratischen Redner. Wiederholt sei zu betonen, daß das Zentrum weitergehende Wünsche zurückgestellt habe, um nicht den konfessionellen Frieden zu beeinträch. tigen. Der Redner erkennt das Entgegenkommen an, bös die bürgerlichen Redner in ihren maßvollen Ausführungen gegenüber den Wünschen der Katholiken be» kündet.
Die Kammer nahm hierauf einstimmig den «Ntrag be» Zentrum» an.
|] Der Arbeitsmarkt.
Während aus Finanz- und Handelskreisen der Anfang vom Ende der wirtschaftlichen Krise angekündigt und ein allmähliches Anziehen der Arbeitsgelegenheit in sichere Aussicht gestellt worden ist, lauten die statistischen Nachrichten über den Arbeitsmarkt im November nicht so vertrauenerweckend. Indes ist dabei zu berücksichtigen, daß der Arbeitsmarkt hinter dem Kurszettel herhinkt tote das Wetter hinter dem Barometer.
In bezug auf den Arbeitsmarkt gilt also die Kon- junktur noch immer als rückläufig, aber es wäre frivol, von einer eigentlichen Notzeit zu sprechen.
Nach vorläufiger Mitteilung des Kaiser!. Satisti- schen Amtes im „Reichs- und Staatsanzeiger" auf Grund der Berichte für daS ReichSarbeitSblatt zeigt die Sage deS gewerblichen Arbeitsmarktes im November gegenüber dem Bormonat eine Ab f ch w ächung. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ist sie ebenfalls im allgemeinen etwas schlechter. Dafür Wird folgende? angeführt:
Die an baS Reichsarbeitsblatt berichtenden Kranken, kassen hatten am 1. Dezember 1918 5 327 495 beschäftigte Mitglieder ober 19 264 weniger als am 1. Novern, ber 1913, unb zwar hat bie Zahl der männlichen Mit. glieder um 24 786 ober 0,67 vom Hundert abgenommen, die der weiblichen um 5522 oder 0,33 vom Hundert zu- genommen. In der Regel tritt vom 1. November zum 1. Dezember für die männlichen Personen ein Rückgang, für die weiblichen eine Vermehrung der Beschäftigung ein. Im Vorjahr nahm im November die Zahl ber männlichen versicherungspflichtigen Mitglieber um 0,62 vom Hunbert ab, bie der weiblichen um 0,57 vom Hundert zu. Nach den Berichten von 16 größer» Ar. beiterfachverbänden mit zusammen 1,78 Millionen Mit. gliedern waren Ende November 1913 51303 oder 3,0 vom Hundert der Mitglieder arbeitslos gegenüber 2,7 vom Hundert Ende Oktober 1913. Von Ende Oktober auf Ende November pflegt eine Steigerung der Arbeit», losigkeit einzutreten. Während aber im vorigen Jahre nur eine Erhöhung von 1,7 v. H. im Oktober auf 1,8 v. H. im November erfolgte, ist, abgesehen von den wesentlich höhern VerhältmSzahlen, in diesem Jahre auch die Zunahme der ArbettSlosenziffer von Oktober auf November beträchtlicher. Bei 309 öffentlichen Arbeitsnachweisen mit 109 997 Vermittelungen kamen im
den Flug himmelwärts nahm; man errichtete dasselbe auf der Lichtung, in der Nähe deS Binsenbcun- nenS; eine Inschrift zeigte den Namen des Kindes und das Datum, an welchem die Katastrophe statt- gefunden.
Eine feierliche Zeremonie, an der sich das ganze Dorf beteiligte, war angcsagt worden. Der Pfarrer sprengte Weihwasser über den Schlund, welcher seine Beute nicht wieder hatte freigeben wollen. Der rührende Gedanke, im freien Walde eine Beerdigungszeremonie zu inszenieren, stammte von der Ba. ronin Amelie von Rochedur.
Der Oberst sandte von seinem Lager auS einige Zeilen an die Baronin, in welchen er ihr seine Dankbarkeit zum Ausdruck brachte, daß die Trauerzermo- nie für seinen verblichenen Enkel so feierlich und würdevoll ausgefallen sei. Der Pfarrer lobte in seiner Trauerrede das gute Herz dieser bewundernswerten Tante und erflehte den Segen des Himmels auf sie und ihre Nachkommenschaft.
Die Bauern warfen sich vor, daß ihr Urteil zuweilen ein ungünstiges gewesen und der Wächter BlasiuS selbst murmelte vor sich hin:
„Tie Aermste! Sie scheint wirklich tiefen Kum- mer zu empfinden und ist im Grunde genommen doch eine gute Frau!"
Kummer mochte sie ja vielleicht haben, aber er wäre sicherlich weit größer gewesen, wenn dank irgend einer Verkettung von Umständen ihr Nesse Konstantin Erneuil plötzlich aus dem Grabe erstanden wäre!
Die Wochen vergingen, der Baron und die Baronin Ro^edur kehrten nach Paris zurück und die Tienerschaft blieb allein mit Frau von Erneuil. Der berühmte Nervenarzt, welchen man konsultierte, hatte die Erklärung abgegeben, daß sie niemals genesen werd', daß aber auch feine gefährlichen Anfälle zu befürchten seien. '. Oberst Erneuil seinerseits schrieb, er wünsche, daß seine unglückliche Schwiegertochter in dem Schlosse weiterlebe, welche» seinem Sohne gehört habe, daß nicht? in ihrem Dasein sich ändere;
November auf 100 offene Stellen Bei den männlichen Personen 219, bei ben weiblichen 139 ArbeitSgesuche. Die entsprechenden Ziffern beS Vormonats waren 178 unb 122. Hiernach hätte der Anbrang männlicher wie weiblicher ArbeitSsuchenbcn erheblich zugenommen. Auch hier macht sich bie alljährlich zu Ende des Jahres ein. tretenbe Steigerung Ler Zahl ber Arbeitsuchenden deutlicher al» sonst bemerkbar.
Die Berichte von industriellen Firmen und Ver- bänden über die Sage des Arbeitsmarktes im November lauten verschieden. Ueberwiegend günstig, wenn auch zumteil mit Abschwächungen verbunden sind die Berichte aus dem Kohlenbergbau (mit Ausnahme des Ruhrkohlenmarktes) aus dem Erzbergbau, ferner aus der Kali-, Maschinen-, elektrischen und chemischen Industrie. Schwächer als im Vormonat war die Roheisenerzeugung beschäftigt. Mäßig waren die Stahlwerke und die Tertilin- dustrie beschäftigt; auch die Holzindustrie und das Baugewerbe haben noch immer geringen Beschästi- gungsgrad. Verschlechterung gegen das Vorjahr melden nahezu alle Industrien, namentlich der Ruhrkohlenbergbau, die Eisen- und Stahlindustrie, Roheisenerzeugung, Textil-, Holzindustrie und daS Baugewerbe.
Don 347 Firmen ist die Arbeiterzahl angegeben, und zwar mit 355 525 zu Ende Novemf 't 1913 gegen 351 201 zu Ende November 1912. Es ist also eine Vermehrung um 1,23 v. H. eingetreten, währe d für den Oktober eine solche gegenüber dem Vorjahre um 2 8? v. H. und für den September eine solche von 3,-.7 v. H. zu verzeichnen war.
Der November hat also danach noch immer eine Vermehrung der Arbeitsgelegenheit bei diesen Firmen gebracht, wenn auch der Prozentsatz dieser Vermehrung eine rückläufige Bewegung zeigt. An Umfang hat die Zunahme im Laufe der letztne Monate eingebüßt, es war aber immer noch eine Zunahme, eine solche ist aber kein Zeichen von NrbeitSnot int allgemeinen, mögen auch einzelne Branchen unter einer solchen zu leiden haben.
Deutsches Reich.
** Berlin, 18. Dez. 1913. Der Kaiser nahm im N uen Palais bei Potsdam die Vorträge des (Tief» des Generalitabes, General der Infanterie v. Moltke und deS Chefs des MilitärkabinettS, Gene- ral der Infanterie v. Lyncker entgegen. — Prinz Heinrich v. Preußen ist im Königlichen Schloß zu Berlin eingetroffen und hat daselbst Wohnung genommen.
* San Franzisko. Wie nach der ablehnenden Haltung der Regierung kaum noch a 'ders zu erwarten war, hat am Donnerstag daS deutsche Komitee für die Weltansstellung von San Franzisko beschloffen, sich aufzulösen und feine Tätigkeit einzustellen. In der Sitzung, die recht zahlreich besucht war, wurde dem Bedauern über die Stellungnahme der Regierung lebhafter Ausdruck gegeben; die Versammlung ver- trat die Auffassung, bafcftto entgegen den Anschauungen des Reichsamts deS Inneren eine Beschickung der Ausstellung «cht gut und bequem hätte ermöglichen lassen.
X Ersatzlassen für die Krankenversicherung. Staatssekretär Dr. Delbrück versichert auf eine Anfrage, daß voraussichtlich in den nächsten Tagen die Ent- scheidung für eine Anzahl solcher Kassen getroffen werde. Dies gilt auch insbesondere von der Kranken- und Begräbniskasse des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig. Das Gesetz geht nicht davon aus, daß sämtliche ehemaligen freien Hilfskassen, die den Antrag gestellt haben, auch schon bis zum 1. Januar 1914 zugelassen werden müssen. Bis zur Zulassung als Ersatzkasse, längstens bis zum 30. Juni 1914, bleibe die Bescheinigung in Kraft, so daß die Mitglieder der ehemaligen Hilfskasse außerhalb der gesetzlichen Krankenkaffe bleiben. Sobald die Zulassung als Ersatzkaffe erfolgt sei, erlösche die alte Be
er selbst sei alt und habe keine Kinder mehr, er lege somit ben größten Wert darauf, daß die beklagenswerte Frau sich nichts versage, daß man ihr alles gewähre, was sie nur wünschen könne.
Er ließ dem Freiherrn von Rochedur vollkommen freie Hand bei der Ordnung aller pekuniären Fragen und in jedem seiner Worte drückte sich deutlich die tiefe Niedergeschlagenheit, ja die Verzweiflung aus, welche sich feiner bemächtigt hatte.
IV.
Im Monate September war eS, als Vater Ma- huret, der Waldhüter von Nenuy-leS-Dois, vor Tagesanbruch gähnend aufftanb. Er tastete nach einem Zündhölzchen, welches er an der Maner anrieb, und warf bann hastig einen Blick nach ber großen Uhr.
hin. Doch kleidete er
„Teufel, fast hätte ich mich verspätet, was mir doch sonst nicht ähnlich sieht!" murmelte er vor sich ~ ' ..... ich eilig an und ließ dabei
mehr als einen Ausruf ber Ungebulb vernehmen. Seine Frau öffnete end ich, schlaftrunken die Augen.
„Warum in aller Welt stehst Du so früh auf? Es ist ja noch stockfinstere Nacht!"
„Ich habe keine Lust, mir nachsagen zu lassen, ich vernachlässige auf meine alten Tage meine Pflicht! erwiderte er brummig; „man kann außerdem nicht wissen, ob nicht meine Stelle auf dem Spiel steht."
Sie schlief jetzt nicht mehr, sondern saß, von plötzlicher Unruhe erfaßt, aufgerichtet im Bett.
„Deine Stelle? Weswegen? Was hast Du getan?"
Er zuckte die Achseln ohne zu antworten, griff nach Hut unb Stock, auch nach ber Metallplatte, welche er als Abzeichen seiner Waldhüterwürde auf der Brust trug.
Gebieterisch wiederholte sie die Frage:
„Was hast Tu getan?".
Wenn Frau Mahuret in diesem Tone redete, so gab der alte Mann, welker zwar feit vielen Jahren der militärischen Disziplin entrückt, dem aber der Gehorsamkeit zur zweiten Natur geworden, wider- standslos nach. « ,
Näher an das Bett herantretend, sprach er:
scheinigung, die Mitglieder treten in die gesetzliche Krankenkasse ein, sie selbst oder für sie ihre Versiche- rungsvereine auf Gegenseitigkeit haben aber noch bis zum zweiten Zahltage der gesetzlichen Krankenkaffe Zeit, den Antrag auf Ruhen ihrer Rechte und Pflichten bei der gesetzlichen Krankenkasse zu stellen. Wird ber Antrag nicht rechtzeitig gestellt, so sind bie Mitglieber bis zum Beginne bes nächsten Kalenderviertel- jahres mit Kündigungsfrist von einem Monat an bie gesetzliche Krankenkasse gebunden unb beitragspflichtig. Die vom Gesetz vorgesehene Frist bis zum zweiten Zahltage — so wirb weiter erklärt — müsse als ausreichend angesehen werden.
** Aeizte u v ftiantentafjen. Der Staatssekretär deS Innern empfing gestern tm Beisein des preußischen Minister? für Handel, Landwirtschaft und Inneres mehrere Professoren der 'Berliner Universität, welche namens der medizinischen Fakultäten der deutschen Universitäten der Regierung den dringenden Wunsch ans Herz legten, bet dem Streitzwi scheu Aerzten und Krankenkassen zu vermitteln. Der Staatssekretär erklärt sich bereit, Äusgleichsverdandlnnoen zwischen den Aerzten und den Krantenkaffen h'i eizmühren, sofern be be Teile bannt einverstanden feien. Die Vertreter der medizinischen Fakultäten übernahmen es, mit den ärztlichen Organisationen in Verbindung zu treten.
+ Ein Preisausschreiben zur Lö ung der fosialen Frage. Der Telegiertentag der beutidien Gölhebünde hat drei Preise von 6000, 2000 und 1000 Mark für die Beantwortung der Frage ausgesetzt: „Was hat zur Milderung der Klassen-Gegeniätze zu geichehen, welche heute bte au'etnanber angewiesenen Kreise untere- Volkes weit mehr trennen, als in ben natür« liehen Verhältnissen begrünbet ist?" Es soll babei vorzugsweise bie rein n enschliche Seite ber Frage be« hanbelt werben. — Nun wirb bte Lö ung ber sona- len Frage gewiß nicht mehr lange auf sich warten lassen.
** Zu der ..militäifchcn Kundgebung" in ber Kirche in tr. Stargard wirb mitgetedt, daß die Angelegenheit sofort untertucht und als ein Mißoer« stäubnis deS die Mannschaft führenden Leutnants testgestellt worden sei. Der die Aussicht fühlende Offizier fei nach Verlesung des Eoangeltums in deutscher Sprache ber Meinung gewesen, baß bet beultdte Gottesdienst beendet sei, unb für bie an» wesenbe Bevölteruug ber polnische Gottesbienst seinen Anfang nähme. Daraufhin habe er bas Zeichen zum Ausbruch gegeben. AuS btejem Tatbestände folgert bie Militärverwaltung, daß bet Gedanke einer absichtlichen Störung vollkommen auszuschalten sei.
* Detmold, 18. Dezbr. 1913. Der König von Sachsen ist heule früh in Detmold zu einem Jagd- betuche beim Fürstenpaat zu Lippe eingetroffen unb hat im Residenzschlosse Wohnfing genommen.
cP Darmstadt, 18. Dez. 1913. Die Zweite Kammer beendete heuie die Beratung ber Lehrer- unb Be- amtenbesolbungsvortagen. Das Besoldungsgesetz unb ber Tarts wurden genehmigt, letztere gegen bie Stimmen einiger Bauernbünbler. Tie Kammer nahm alsdann einstimmig bas Lehrerbe oloungsgeietz in namentlicher Avstimniung an unb stimmte bet Erhöhung ber Zivi liste gegen die Stimmen der Soziaidemokra.en zu unter Gutheißung des Vorschlags bet Ersten Kammer, wonach die Stollen ber Ordensauszeichnungen fortan nicht mehr als Einzetpostcn tm Budget sondern als Zuschlag zur Zivilliste bestritten werden sollen. Weiter genehmigte o.e Kammer bie Regierungsvorlage betr. die Gewährung einer Unterstützung an die Zentralkasfe ber laitb< wtrtschaulichen Genos,enschasten. Im Em- tlang mti ben Bes plüffen bei anderen Hames beschloß die Kammer, ber Zentralkasse e.n Darlehen von einer Million und einen Kredit von zwei tytiiitonen zu gewahren. Des weiteten wurde bie Regierungs- vptlage angenommen, welche bet Hess scheu Landes- hypotüekeiidant weitere Mittel zur Beriügung stellt.
„Eine häßliche Geschichte für mich; Strolche, Wegelagerer, weiß der Teufel tocr, haben den Weingarten des Herrn Bürgermeisters so geplündert, daß die Weinlese in diesem Jahre für ihn überfl üfftg werden dürfte; er aber hält sich insofern an mich, als er behauptet, der Schurkenstreich sei nur durch meine Unaufmerksamkeit möglich gewesen und droht mir mit Entlastung, wenn ähnliches ncch einmal vor- kommt."
Mit der geballten Faust schlug der alte Plan» auf den massiven Eichentisch.
„Dem Gesindel will ich's heimzahlen, wenn ich es finde!" rief er heftig. „In Ehren grau geworden, in meiner ganzen Dienstzeit mir nicht eine einzige Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen, nie eine Rüge erhalten und nun auf einmal mit Schande u.ib Spott davon gejagt werden sollen wegen ein paar nichtsnutziger Gaudiebe, das ist doch hart!"
Er schritt auf die Türe zu, aber Frau Mahnrets energische Stimme rief ihn alsbald zurück.
„Nimm wenigstens Dein Gewehr mit, es ist ja stockrabenfinster und ehe man sich dessen versieht, kann Dir einer einen Schlag versetzen."
Er zögerte.
„Mein Gewehr — ein ordentlicher Waldhüter braucht diese Waffe gar nicht, dem genüzt ein fester Knüppel! Tas Gesindel, welches auf Stehlen ausgeht, läuft schon vor Schlagen davon!"
Frau Mahuret aber beharrte eigensinnig auf ihrem Willen. Es gab genug Strolche, toeldp die Straßen unsicher machten, sogar wenn man zur Stadt ging, um Eier und Butter zu verka'tsen, wie rie es zuweilen zu tun pflegte, begegneten ihr Karren nut Zigeunern und ähnlichem Gesindel. Erst neulich war es ihr geschehen, und die Leute sahen so bösartig aus, daß sie sich vor ihnen gefürchtet hatte.
„Pah, die Leute sind e§ nicht, welche auf Trauben- diebstahl im Großen auSgehen", lachte der Waldhüter. „Sie haben ja keine Keller, in denen sie Wein madieit könnten." - j
(Fortsetzung folgt.)