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2. Blatt.

»kuck der SmIU« »ditniretetti in 5n!»a.

*h Fuldaer Zeitung

M 292.

Donnerstag 18. vezemder 1915.

Lokales.

Fulda, 18. Dezember 1913.

#Pkrsonalien. Kunstmaler Eduard Schick, Lehrer kn der Raffelet Kunstgewerdeichule, wurde zum Pro- fefsor ernannt. — In den Ruhestand verfitzt wurde der Straßenmeister Bos old in Hofbieber vom 1. Januar 1914 ab.

-4- Die zweite Lehrerprüfung bestanden von den im Jahrgang 1910 vom Fuldaer Lehrerseminar ab- gegangenen Herren im Lause dieses JabreS folgende Lehrer: Otto Crost-Sckletzenhaujen, Albert Dieze- mann.Ablsroda, Edmund Kemps-Bubenrod, Gregor Kedl-Veilsteinbach, Joseph Mohr-Sannerz (Kreis Schlüchterns Hermann Michels-Alsbetg, (Kr. Geln« baute), Jofept, Sch nitt-Rommerz (Kr. Fulda), Paul Slark-Dtetges (Rhön', Franz Schlilt-FUedcn, Andreas Orkh-Somborn (Freigericht), 'Ernst Wenzel-Cassel (Kr. Gelnhausen). ' * •

(.—) Laadkrankenhaus Fulda Radiomstation! Die von uns unlängst gemeldete Beschaffung von Radium, dem eine heilende Wirkung von Krebskrankheuen zu- geschrieben w rd, ist bereits zur Tatsacke geworden. Durch einen besonderen Boten ist das in einem grauen Pulver bestehende wertvolle Heilmittel, das seine heil« wirkende Ausstrahlungsfähigkeit auf Jahrhunderte behalten soll, beim Reichsgesundheilsamt in Berlin abgeholl worden. Die Kosten für die Beschaffung — über 82000 Mk. — sind durch eine größere Gefell« schaff von Herren gezeichnet und aufgebracht worden. Das Landkrankenhaus Fulda, welchem das Radium von biet er Gesellschaft zur Verwendung zu Heilzwecken überlasten wurde, ist eine der ersten Anstalten in unserer Provinz, die sich im Besitze dieses so kost­baren Heilmittels befindet.

(l) Der lunstgeschichiliche Vortrags-Zyklus des Pro« festors Dr. Julius Hülsen hat mit der gestrigen vierten Vorletung den Abschluß für das Jahr 1913 erreicht. Von Mitte Februar 1914 ab wird er in weiteren 6—7 Vorlesungen seine Fortsetzung finden. Hatte der Dozent in der vergangenen Woche die Hörer einmal etwas tiefet in den sachwistenschatt- iichen Betrieb der Kunstgeschichte hineinblicken lassen, indem er hauptsächlich die nicht gerade gemeinver­ständlichen Gedankengänge über Art und Herkunft bet kunstvollen ägyptischen Säule vortrug, so war er gestern wieder auf einem zugänglicheren Geriete an» gelangt. DieM alerei undP lastik Alt-Aegyptens erweckt unser besonderes Interesse, weil die Gesamt­heit jener Kunstdokumente den im roei entließen gleiche» Widerstreit künstlerischer Auffassung offen­bart, der auch in der heutigen bildenden und redenden Kunst vorhanden ist: Naturalismus und Symbolismus nennen wir d>e extremen Formen der widerstreitenden Richtung n. Dort sucht bet Künstler der Natur möglichst nahe zu kommen, hier verwischt ir alle natürlichen Einzelheiten, um die Idee seines Gegenstandes mit aller Schärfe zum Ausdruck zu bringen. Prof. Hüffen versteht es, seine Hörer die ägyptisa en Künstlet als Meiner in beiden Richtungen bewundern zu lehren. Seine geistvollen Ausführungen and bas reiche Bildermaterial gaben eine lebendige Vorstellung von bet Eigenart ägyptischer Malerei, »ermittelten aber gleichzeitig die Bekanntschaft mit kulturhistorischen Talsachen, die von höchstem Reize find. Schilderte doch der Pinsel der Aegyptet saft alle Tätigkeiten des menschlichen Lebens, zuweilen, wie in den Tierbildern, mit einem Humor, der in der Tat an Oberländer und Busch, die Meister bei 19. Jahrhunderts, erinnert. In der Plastik haben die Aegyptet weit mehr geleistet als in der Malerei. Von der Gesamtheit ihres Schaffens gab Pros. Hülsen eine überaus lichtvolle Skizze. Ta erschienen die realistischen Schöpfungen der Frühzeit (der Schreiber, der Dorfschulze u. s. w.), dann die späteren Werke, gekennzeichnet durch die schematische Behandlung, schließlich die reizvollen Reliefwerke. Besonders dankenswert war, daß Professor Dr. Hülsen gestern abend den augenblicklich »m Mittel­punkt archäologischen Interesses stehenden Aus­grabungen inTell et-Amarna eine eingehende Behandlung zuteil werden ließ. Wie der Dozent über die Person des Amenophis IV. (um 1380 vor Chr.) erzählte und an der Hand bet von bet beut chen One 'lgeselffchaff gemachten Funde diese sc tsarne Epoche vor den Geist zauberte, verbürgt, bau bet Wiederbeginn der Vorlesungen nach Weihnachten von allen Teilnehmern herbeigesehnt werden wird.

(!) lieber die Ausgrabungen am Tome zu Fulda berichtet Herr Pros. Vonderau in der unserer heutigen Ausgabe beiliegende Nr. 9 der „Fuldaer Geschlchts« blätter". Auf den hochinteressanten mit Plänen und

* Bon hessischer Literatur und Kunst.

Seit Jahren sind wir daran gewöhnt, daß die N. ®. Elwert'sche Verlagshandlung in Marburg uns an Weihnachten mit allerlei Neuem überrascht, und wir können ruhig sagen, daß sie uns in dieser Hinsicht ge­radezu verwöhnt hat- denn wir wüßten in keiner an­deren Provinz oder Gegend des deutschen Reiches auch nur etwas AehnlicheS dem an die Seite zu stellen, was der Elwcrt'sche Verlag speziell auf dem Gebiete der hessischen Heimat, und Volkskunde und »kunst uns fort- gesetzt bietet.

Ein Rückblick auf daS vergangene Jahr zeigt eine besonders große Tätigkeit des Verlags. DaS Füsilier- Regiment in Wiesbaden und das Artillerie-Regi- ment in Kassel haben fen Verlag mit der Herstel. lung ihrer ReginientSgeschtätk- betraut (die Geschichte beS Marburger Jäger-BataillonS wird leider erst im nächsten Jahre fertig), und diese Werke müssen inhalt­lich wie äußerlich, vor allen Dingen aber hinsichtlich ihres fabelhaft billigen Preises als Muster- und Glanz- jeistung bezeichnet werden. Namentlich die Gesckichte des Artillerie-Regiments hebt sich weit über den Rah. men dessen hinaus, was man sonst von Regiments- geschichten zu erwarten pflegt. Der Verfasser der Ge- schichte, Stabsarzt Dr. Has, hat darin geradezu eine Geschichte der Entwicklung der Artillerie gegeben, a!S deren Begründer und Förderer ganz besonders die hes­sischen Fürsten angesehen werden müssen. Außerdem aber ist das Werk in biographischer Hinsicht eine Fund­grube für viele; enthält eS doch nicht weniger als 354 Biographien von Persönlichkeiten, die zu dem Artillerie- Regiment in Beziehung standen. Auch für die OrtS- geschichte der betr. Garnison-Städte sind die Geschichten von hervorragender Bedeutung, sodaß sich der Interessen, tenkreis keineswegs nur auf die Angehörigen bet betr. Regimenter beschränkt. Dies rechtfertigt auch, daß jetzt vor Weihnachten nochmals rückblickend darauf hinge­wiesen wird.

Ein besonderes Verdienst hat sich die Elwert'sche Verlagsbuchhandlung mit der von Herrn Saurat Dr. Holtmeyer besorgten Herausgabe der -Beiträge zur lunstgeschichtl. Heimatkunde" unter dem Sam­meltitel „Alt-Hessen" erworben. Denn die Bücher einen Fehler haben, so ist es vielleicht der, daß Verfasser u. Verlag in allzu großer Ehrlichkeit b> Titel der Bücher spezialisiert haben; denn was hier unter den einzelnen Titeln wie .Rathäuser", „Alt-Kafsel". WilhelmShöhe",

Abbildungen versehenen Aufsatz machen wir unsere Leser besonbers aufmerisam.

" Naturbenkrnalpslege. Nach den Mitteilungen des Bezirkskvmitccs für Naturdenkmalpflege im SR e» gierungsbezirk Kassel und Fürstentum Walbeck Heft 3 und 4 schützt bie Gemeinde Brotte­rode (Kr. Schmalkalden) ben Mommelstetn, bei durch die Schönheit (feiner Felstrümmer aus Glimmer­schiefer als Aussichtspunkt auf Trusental, Werra- gründ und Rhön, sowie durch seinen Reichtum an Flechten ausgezeichnet ist. Dieselbe Gemeinde schützt durch Kräuterbewirlschaftung 10 Hektar des Stein- bergwaldes am Eingang ins Trusental. Die Ge- meinde Eschwege hat die schon zu Humboldts Zeiten berühmte Blaue Kuppe, einen mächtigen Basaltberg, in städtischen Schutz genommen. Dre Kgl. Regie- ru.ig schützt den Bilstein bei Großalmerode, einen bedeutenden Aussichtspunkt, Lohne (Kr. Fritzlar) wird den Wald auf dem Hasenkopf so bewirtschaften, daß die seltene Pflanzenwelt erhalten bleibt. Die Waldinteressenten derselben Gemeinde haben beschlos. sen, den Holzbestand an den Katerklippen und am Nassen See unberührt zu lassen. Insbesondere sol­len Hainbuchen und Elsbeeren vom Hieb verschont bleiben. Ein aus dem Hinterberg befindlicher Prä­historischer Ringwall darf nicht beschädigt werden. Rotenburg a. F. hat einige Distrikte des Stadtwaldes als Schutzgebiete erklärt. Außerdem soll an der Fulda ein größeres Vogelschutzgebiet geschaffen werden. Durch Verfügung des Landrates des Landkreises Kassel sind die Hertingshäuser Klippen auf Grund des § 78 der Landgemeindeordnung unter Schuh gestellt. In der Obersotsterei Hilders ist bei Wüsten- sachsen der Distrikt K e s s e 1 r a i n wegen des üppigen Bestandes des schönen, blauen Alpen-Milch- lattichs von jeder Nutzung ausgeschlossen. In Wal­lenstein (Kr. Homberg) ist durch Bemühungen des Landrats Sie alte Sckllpßlinde vor dem Untergänge bewahrt worden. Ein bedeutendes Naturdenkmal, der sog. große Wolkenbruch, ein mächtiger Einsturztrich­ter im Buntsandstein, steht unter der Fürsorge der Stadt Trendelburg (Kr. Hofgeismar). Er hat einen Durchmesser von etwa 150 Metern, die Tiefe bis zum Wasserspiegel des im Trichter befindlichen Weiher-, der noch einen Durchmesser von 50 Meter hat, be­trägt 30 Meter. Der Weiher selbst ist bis zu 20 Meter tief. Der Einsturztrichter wird schon in Dilicks Hessischer Chronik erwähnt. Der U1 m e n st e i n bei Hünfeld ist leider nicht mehr zu retten, doch hat der Steinbruchpächter am 28. Dezember 1910 ver­sprochen, zunächst nur in die Tiefe abzubauen und den Gipfel vorläufig unberührt zu lassen. Ebenso führten die Bemühungen, einen Schutz der Moor- fläche.i mit Glockenheide bei Rod a (Kr. Franken­berg) herbeizusühren, leider noch nicht zum Ziele. Es ist also schon viel erreicht worden. Aber noch mehr bleibt zu tun übrig; manche- Denkmal der Natur kann noch gerettet werden. Ebenso wichtig wie der Schutz der Naturdenkmäler ist aber auch die Bewahrung landschaftlich hervorragender Gegen- den gegen Verunstaltung durch Bauten. Durch lan­despolizeiliche Anordnung vom 18. Oktober 1910 kann die Genehmigung zur Ausführung eines Baue­oder einer baulichen Veränderung außerhalb der Ort- schäft versagt werden, wenn dadurch das Landschaft-- bild gröblich verunstaltet wird und die- durch die Wahl eines anderen Bauplatzes, eine andere Bauge- ftaltung oder durch Verwendung anderen Baumate- rials vermieden werden kann.

ZX Die wichtige kommunalpolitische Frage der Schaffung städtischer Hyvothekenämler ist jetzt in Frankfurt a. M. gelöst worden, allerdings in einer Weife, die zunächst al8 Versuch gelten soll. Die Magistralsvorlage, die die Einrichtung ein«'- stävl. Hypothekenarnle- herbeiführt, wurde von der Stadl« Verordnetenversammlung mit großer Mehrbeit ange­nommen. Die Hauptgesichtspunkte, die zur Gründung dieses Amtes geführt haben, sind Zusammenfassung und Vereinfachung der laufenden städttichen Hypotheken« gefckäffe und Erleichterung der Beschaffung zweiter Hypotheken für gemeinnützige Bauten, für Häuser mit kleinen Wohnungen durch direkte Hergade städtischer Gelder oder durch Bürgschafts- Übernahme den Hypothekenbanken, Sparkassen und Stillungen gegenüber. Erste Hypotheken werden foroobl als kündbare und nichttilgbare als auch als tilgbare unkündbare Darlehen bis zum Höchstsatz von 60 v H., zweite Hypotheken dagegen dis zum Betrage von 80 v. H. nur als tilgbare und in der Regel unkündbare Darlehen geaeben. Für die zweiten Hypotheken soll eine Rückversicherung geschaffen werden, für die der Hypotheken,chuldner einen festen Zuschlag zu zahlen bat. Neben der bisher üblichen Heraobe anlegbarer städtischer Gelder zu Hypotheken-

geBoten wird, daS sind keineswegs nur für die Betr. Ortsbewohner oder für Hessen Bestimmte Spezialwerke, sondern die Darstellung des Verfassers ist derart vor. trefflich und allgemein interessierend, daß jeder, der Sinn für Bau- und Kunstdenkmäler im allgemeinen hat, auS diesen Werken Genuß, Belehrung und An. regung schöpfen kann. So sind denn auch diese Bücher mehrfach empfohlen, denn sie schärfen den Sinn und das Auge für eine natürliche ungekünstelte Bauweise und verhindern so Fehler, die schon in reichem Maße überall das vortreffliche Alte entstellt haben. Umso­mehr aber müssen wir in Hessen dankbar sein, daß derartige, allgemein interessierende und wichtige Ge. sichtSpunkte an Beispielen auS unserer engeren Heimat beleuchtet sind, die wir täglich vor Augen haben können. Die Hefte lind zudem in mustergültiger Weise auSgestat. tet und stellen bei dem außerordentlich niedrigen Preise von 2,80 Mk. alles Aehnliche in den Schaffen. Sie sind vor allen Dingen geeignet, den Gedanken des HeimatschutzeS in den weitesten Kreisen populär zu machen und eS wäre gut, wenn amtlich diese Hefte jrbem Lehrer in die Hand gegeben würden, damit er nicht nur selbst weiß, woraus eS ankommt, sondern auch aus die Jugend entsprechend einwirken kann.') Möge die Cuantität des Absatzes, auf den diese Hefte bei einem so niedrigen Preise angewiesen sind, dem hohen Grade der Qualität des Inhaltes entsprechen!

DaS führt uns gleich auf ein anderes großes Werk deS Elwert'scken Verlags, den 5. Band der „Bau. und K u n st d e n k m ä l e r , der den Kreis Herrschaft Schmalkalden behandelt. Dieses Unternehmen be- zweckt die Inventarisation fämtl. Bau- u. Kunstdenkmäler des ReaierungSbez. Kassel in größtem Maßstabe und ist natürlich nur dadurch möglich, daß die Herausgabe durch die Hessischen Stände erfolgt. DaS hat andererseits wieder die für die Allgemeinheit wichtige Begleit­erscheinung. daß biefe großzügig angelegten Werke zu einem beispiellos niedrigen Preise angefetzt sind und so jedermann zugänglich gemacht werden. So umfaßt auch der neue Band über Schmalkalden auf 200 Tafeln meh­rere Hundert Abbildungen, und ein starker Textband von nahezu 300 Seiten gibt ausführliche Erläuterungen. ES ist nickt möglich, an dieser Stelle auf Einzelheiten emzugchen. Es fei nur daran erinnert, daß die frü­heren Bände die Kreise Kassel-Land, Grafschaft Stbau.r- burg, Fritzlar und Gelnhausen Behandeln. Tie Preise

») Eine amtliche Empfehlung ist Inzwischen »ox bet Königl. Regierung erlassen worden.

dariehen kann die Stadt zur Beschaffung des außer- Dem für Hypotheken erfordern f en Kapitals besondere Anleihen auinehmrn, deren Tilgung im Einklang zu den HypothekentilgungSsätzen stehen muß. Das Hypotaekei amt wird durch eine gemilchte Deputation verwaltet, der vier Magistratsmilglieder und acht stimmfähige Bürger, darunter vier Stadtverordnete, angeböten. Ein beionderer Antrag des Finanz- und Rechtsaussckusses, der gleichlalls angenommen wurde, erteilt dem Hypothekenamt die Betugnis, für den Rest des Rechnungsjahres 1913 und für das Rechnungs­jahr 1914 Die Bürglckaftsübernahme für zweitstellige, von dritter Seite gegebene Hypotheken unter ent- sprechender Rückversicherung bis tum Betrage von 3 '. Unionen Mark zu übernehmen.

§ Die hiesige KornhanS-Genvfsenjchaft hielt gestern eine sehr aut betuchte Versammlung ab. Von Der An- und Verkaufsaesellschaft .Hcssenland" war Herr Möller-Kaffel zwecks Bcrichterstat ung und Recknungs- ablage erschienen. Da bei Vorsitzende der Genossen­schaft, Herr Winterschuldircktor Schoppmann, erkrankt ist, leitete der stellvertretende Vorsitzende, Herr Guts- defitzer Souckay«Künzell die Verhandlungen. Die vorgelegle, durchaus günstige Bilanz wurde genehmigt und Entlastung erteilt. Nach Erörterung mehrerer Wünsche wurde hauptsächlich Die Notwendigkeit und Annehmlichkeit einer Trockenanlage für Ge­treide besprochen. Mit einem Kostenaufwand von 15000 Mark wäre ein bewährter Apparat in ent« fpr chendem Anbau mit einer für hiesige Verhält­nisse ausreichenden Leistung zu beschaffen Es würde einem Kostenaufwand von 20 Pfg. für einen Zentner getrockneter Frucht entsprechen, einen Preis, der keinerlei Rolle spielt in der Herstellung einer guten marktfähigen oder wahlfähigen Ware. Nachdem die Versammlung tn jeder Richtung ihre Zustimmung hierzu erteilt hafte, wurde bie Sitzung nach etwa dreistündiger Dauer geschlossen.

-y- Dem Verkehr übergeben wurde nun auch die neue Künzellerbrücke. Die Niederlegung der Notbrücke wird durch ein auswärtiges Unternehmen besorgt.

!! Frostperiode in Sicht. Der über Südwesteuropa lagernde hohe Druck bat sich im Laufe der veraan- genen Nacht bedeutend verstärkt und sich ü'et Eng­land bis nach Skandinavien ausgebreitet. „ Das uns noch heute beeinflussende Tief zieht ostwärts unter Verflachung ab. Damit gelangen wir in den Bereich nordöstlicher Winde, welche die kalte Luft Inner- stbiriens unseren Regionen bringen und damit einen beträchtlichen Temperatursturz betbeiführen dürsten. Dazu kommt noch die durch den Hochdruckeinfluß be­dingte intensive nächtliche Ausstrahlung. Durch das Zusammenwirken dieser beiden Umstände dürste bei der Konstanz dieser Wetterlage eine ziemlich empfind- liehe (Jroflperiobe zu erwarten fein.

-- Verhaftungen. Festgenommen wurde gestern abend hier em 28jähriger Mann, gebürtig aus Mans- bad) bei Hünfeld, der durch Einbruch aus einem Lauterbacker Schuhgeschäft biefer Tage einige Paar Schuhe gestohlen hatte. Als er die Schude bei einem hiesigen Althändler versilbern wollte, erfaßte ihn der Arm der Gerechtigkeit, — In Untersuchungs- haft abgeführt wurde di fer Tage der Fabrik- arbeitet V. von Petersberg. Er war wegen eines schweren Verbrechens zur Vernehmung vor ben Richter geladen und wurde auf der Stelle verhaftet.

Aus dem Nachbargebiete.

£ Dittershausen, 17. Dez. 1913. Ein Kuriosum war hier bei der Obftbaumjäblung zu verzeichnen. Der Gemeindebezirk war in drei Zählbezirke einge­teilt. Nun wurden in dem ersten und zweiten Zädl- bezirk ganz zufällig je 1439 Obstbäume festgestellt. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Obstbäume aus zirka 3500 Stück.

* Schlitz, 16. Dez. 1913. Baron von Egloffstein, der Vater des Gräfl. Görtz. Hofhaltungsvirektors, ist auf feinem Stammsitz, Rittergut Lcucha bei Bad Lausigk, nach längerem Leiden im 89. Lebensjahre verschieden.

g. AuS dem Vogelsberg, 17. Dez. 1913. Im Lnppefcken Steinbruch zu Nidda wurde der Arbeiter Albus von einer abstürzenden Eisenschiene schwer verletzt; er mußte der Gießener Universitätsklinik zu- gesührt werden. — Den Landwirt Nau au8 Busen- born verletzte bei der Pferdemusterung ein Pferd durch einen Husschlag gegen die Brust in bedenklicher Weise.

4- Neuhof, 17. Dez. 1913. Die Volksvereinsver- fammlung, die auf Sonntag in den Hornung'schen Saal einberufen war, erfreute sich eines überaus zahl-

aller dieser Bände sind im Verhältnis zu dcm Inhalt außerordentlich niedrig Der letzte 5. Band kostet ge­bunden nur 25,— Mk.

Auch auf anderem Gebiete hat die DerlagSBuchhand- lung einen guten Griff getan. In dem VolkSschriftsteller Zitzer macht sie uns mit einem Erzähler Bekannt, wie wir rundum wohl nicht viele finden. In einer volks­tümlichen Sammlung „Hessische L e s e st u b e", deren HerausgaBe Zitzer übernommen hat, verössentl. er selbst in 2 Bändchen eine Anzahl Erzählungen auS dem Hm. tcrland, die in einer Formvollendung und mit einem Humor geschrieben sind, daß ieder, ob hoch oder niedrig, arm oder reich, seine helle Freude daran haben wird. Erfreulicherweise haben diese Hefte auch schon in großer Anzahl Eingang in unseren Volks- und Danderbiblio- theken gefunden. „Nimm und lies", den Rat können wir jedem aus wirklicher innerer Ileberzeugung geben. Wir wissen, daß uns jeder für die Empfehlung dieser Bändchen dankbar sein wird. Sie sind eine Pracht. Leistung. Der Stoff ist aus unserer engeren Heimat entnommen und in einer Form geboten, wie sie besser nirgends zu finden ist. Der Verlag gibt die beiden ersten Bände auch zusammen gebunden für 1,80 Mk. heraus, da sie so ein hübsches Festgeschenk bilden. Ein drittes Heftchen, Abschnitte, aus der Selbstbiographie einer hessischen Bäuerin, Luise Kraft, die ihr Schicksal „Unter Aposteln u. Propheten" er. zählt, soll vor Weihnachten noch folgen. Wir sind über­zeugt, daß auch dieses Heft schon infolae der Umstände, die der Verfasserin einer einfachen Bäuerin, die Feder in die Hand gedrückt haben, große Beachtung finden wird.

ES sei ferner noch erinnert an d>- gelegentlich der Tausendjahrfeier erschienene kurze Geschichte bet Stadt Kassel von Rektor Heßler, sowie an Heidel, bachs litcrafv.r. und kunsthistorisch b-deulsameS Buch über daS Leben deutscher Dichtet und Künstler Bei dem bessisckcn Möeen von der MalS. bürg auf dessen Gut Eschebcrg. Dieses Buck verdient immer wieder crwäbnt zu werden, wenn eS auch wenigst einen »roßen, al$ einen literarisch gebildeten Leserkreis v,r»nSsehf.

f :* kunsthistorisch bedeutsames, ebenfalls relativ ivhr billige? Werk ist der 1. Band her vom Pr»k. Dr Rauch in Gießen herauSgegebenen „Beiträge zur Kunst- mcHcBfe Hessens und des Rhein-Main-GeBiete«". ent= haltend: Zeh, Hanauer Fayence. DaS Werk ist eine Musterleistung und verdient volle Anerkennung.

"her nicht zuletzt soll die Biogravhie nicht nur eine«

reichen BefucheS. Es galt, bie weltliche Feie» des konstantinischen Jubiläum- zu begehen. Die Festrede hielt Herr Benefifiat Kr leg-Futva, der in begeifternOen Ausführungen d e geschichtliche Tat« fache vor 1600 Jahren und ihre Bedeutung für DaS Einst und Jetzt der hl. Kirche bar'egte. Em Gewerk- sckaftsiekrelär machte auf Die Wichtigkeit der cbrtrt» lich.nationaien Arbeiterorganisation aufmerksam. Durch Den Vortrag mehrstimmiger Lieder trug der Rüchen« djor erbebhd) zu Dem schönen Verlauf der Veran« fialtung bei. Herr Deckant Bermof er, der wieder« holt das Wort ergriffen halte, um mit beredten Worten die Begeisterung für ben Volksverein zu entfachen, schloß die erhabene Feier mit einem Hoch auf Die höchsten Gewalten, Papst und Kaiser.

•/. TammerSbach, 16.Dez. 1913. Gut besetzt war am Sonntag der Kircher'scke Saal von den Mit» aliebern des Volksvereins, die sich zur Feier des Kon» Itantintfdjen Jubiläum- versammelt batten. Nach einem von Schulkindern ootgetragenen Prolog .Tas Edikt von Mailand" schuf der hochw. Herr Pater Jnnocenz vom Frauenberg mit zündenden Worten stammende Bilder vor den Geist der Ziwoier: Tie mit Christenblut getränkten Amphitheater und öffentlichen Plätze Roms, die siegverheitzeude Flam« menfchrist des Kreuzes, die kühn auf Rom eilenden Scharen Konstantins, die Schlacht an den Ufern des Tiber, die Morgenröte der religiösen und bürgerlichen Freiheit der römifeben Christen. Am Schluffe richtete Der hochw. Herr Redner an die Anwesenden den warmen Appell, allezeit treu zu Christi Fahne zu stehen. Mit Begeisterung erklang daS Lchlutzlted: »Den Gruß laßt erschallen zum ewigen Rom."

u- Von der Rhön, 17. Dez. 1913. Die 780 Hek- tar umfassende Gemeindejagd Unter Weißen­brunn wurde für die Zeit vom 1. Januar 1914 bis 31. Dezember 1916 um jährlich 708 Mark an die Landwirte Justin Korb und Andreas Endres tn Unterweihenbrunn verpachtet.

[] WaffeUS, 15. Dez. 1913. Man schreibt uns: Wie lehr unsere „Finkenhain er Schul ossäre" hier alle Gemüter erregt hat, wie hart Die Forderung Der Schulbehörde hier allgemein .mpfunDen und rote Der Ausgang DeS gerichtlichen Nachspiel« beurteilt rotrb, geht daraus hervor, daß die ganze Gemeinde wir sonst seltener Einmütigkeit einstimmig beschlossen bat, Die Schulst!afgelber, btt Pcozeßkosten. Dte Rechtsanroalls. gelber, kurz, alle Auslagen an (Selb in diesem Falle gemeinsam zu tragen. Mit den Verurteilten haben sich foltoatüd) erklärt: diejenigen, die sretgifprochen rourben, diejenigen, deren Kinder überhaupt noch nicht bie Schule besuchen, und jene, deren Kinder längft au3 Der Schule entlassen sind, ja selbst die kinderlosen Ehe­paare! Alle — nicht nur die bestraften Eltern von Schultindern —, olle sind sie hier überzeugt: Die von der RreiSfcbutinlpettion ben Ritibern ,»gemuteten Touren tönnen ohne Gefährdung der (Sefunbbeit nicht geteilter werden. ES kann kein oernün tiges Gesetz geben, das Kinder zu beinahe Unmöglichem zwingt — biS sie krank stnb. Gibt eS denn nicht auch noch ein natürliches Recht Der Eltern aus ihre Kinder? auf ihre geNmven Kinder? DaS sollte durch schulbehördliche Verfügungen der unteren Instanzen einfach illusorisch gemacht werden tönnen? Wenn ein geringer Mann für feine Schul- linder in den letzten zwei Jahren nach vorl egenden Rechnungen für Arzt und Apotheke 230 Mark zu zahlen hat, — soll dessen Besorgnis für erhöht, Ge- sährdung der Gesundheit (»inet «in er mehr begründet lein, angesichts einer Beringung der Kreisschulinfpelt on, die den miserabelsten Schulweg dieser Kinder nun ver­doppelt aus fakt 16 Kilometer? EtneS dieser Kinder hat durch die vielen Erkättungm und Erkrankungen an den Augen stark gelitten, em zweite- ist infolge Gedörrnuschel« entzündung schwerhörig gewo den und geblieben — ober roegefähig, weil — Der Knochenbau noch ein gesunder tit!, und darum auch ftrofbar! Wohin kommen wir, wenn Beifügungen Der unteren Sckulbehörben in Preußen, die hierher nicht paffen, „unbedingt" Folge zu leisten ift?

Mit diesen Ausführungen schließen wir hier vor­läufig die Akten über den Finkenhainer Echuffall. Aus den verschiedensten Kreisen unserer Lesenchaft in Stadt und Land haben wir zustimmende Aeuße- rungen zu den Ausführungen erhaffen, die wir in dieser Angelegenheit veröffentlichten. DaS ift ja auch leicht zu verstehen. In einer Zeit, wo in den Städten aller mögliche für Körperpflege und Gesundheit der Schulkinder getan wird, kann kein Vateilandssreund eS billigen, daß die Jugend des L a n d v o l k e s, dieses unentbehrlichen Grundpfeilers unsere- Volkstumes, ihrer Schulpflicht genügen muß unter Umständen, die eine Gefahr tür die Gesundheit in sich bergen. Aus« geruhte Kinder lernen im übrigen in der Halb- tagJf+ule mehr al« Kinder, die durch lange Wege ermüdet sind, bei Vormittags- und Nachmittags- unterrickt lernen. Also ein für allemal in der hohen Rhön hinweg mit dem zweimaligen Schulbesuch an bemfelben Tage, solange ein so weiter Schulweg' erforderlich ift!

ber Bedeutsamsten Männer in Hessen, sondern auch eines der festesten Charakter in Deutschland überhaupt ou8 der Mitte deS vorigen Jahrhunderts, erwähnt wer­den. ES ist ein wahrer Genuß, die LBändige, von W. Hopf sehr geschickt abgefaßte Vilmar-Biographie zu lesen, besonders weil Vilmar selbst darin auSgiedig zu, Worte kommt, dann aber auch, weil uns in Vilmar ein: Mann von außerordentlich vielseitigem Können und Wis­sen eutgegentritt, vor allem aber, weil Vilmar eine Per­sönlichkeit war, die mit ihrer Charakter-Festigkeit unserer Zeit immer wieder vor Augen gestellt werden müßte und als Vorbild dienen kann. Wir begegnen selbstver- stündlich Vilmar als einem Hessen, und dadurch gewinnt die Biographie erhöhtes Interesse, weil wir einer ganz anderen Beurteilung der politischen Verhältnisse jener Zeit begegnen als sie heute offiziell vertreten wird. DaS Studium der Biographie eines solchen charakterfesten' Mannes kann zur Bildung des eigenen Charakters nicht genug empfohlen werden.

Nun zu einigen neuen Bildern, mit denen uns El-, Werts Kunstverlag diesmal erfreut. Zunächst feL ein Bildchen von unserem einheimischen Künstler Hein-' rich Giebel erwähnt, daS Innere einer hessischen Bauernstube, in her der Sckwälrner Bauer mit seiner Frau nach deS Tage? Arbeit die Dämmerstunde der- bringt. Die Gemütlickkeit und die Ruhe dieser Bauern- stube strahlt auch da? Bildchen auS, und feder wird sich einen solch behaglichen Gegenstand in unterer heu­tigen nervösen Zeit gern in fein Zimmer hängen. — Dann erscheint ein noch weniger bekannter Maler, Emil, Be iihan mit einigen Kinder-Bildcken auf hem Plan:' von Gesundheit strotzende Tckwälmer Jugend! Es find'» Bildckev fvr Weihnachten,, Neiffahr und Ostern, trenn man dem Tarmenzwew, der Spansau und dem Sckaf- lämivchon sbmbolii'cke Bedeutung beilegen will. In dem schmucken runden Nöhrrcken präsentieren fick bie Bilder allerliebst. Von 1,25 Mk. «n kann jeher diese gerabm- ten Bildcken als Weibn»ckf«»aBe mit Beifegen. Und wer Sinn für Humor Bef, der laßt sich für 1,— Mk. dos große Bild mitkomrvei». euf sem zwei Kinder dar Küssen lernen und sich hrh-t erf den bewährten Spruch „stützen": „8, 4, 3 vervresr ick dir, 3 <t:i bleiben 4 _|_ 4, I xv sein nimm Wohl in 8. weil 3 bei 9 Vergnügen mV."'

Dir fehew. deß wir e* nicht nötig haben, darauf zu wetfrn wewfi um» dir Großstadt beglückt; wir finden । bie beste Kost in Be|ug auf Literatur und Ki-ult im,' eigene« Senke.