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2. Blatt

druck der Kfldaer Aelieudruckerei i« Zulda.

*:* Zuldaer Zeitung **

M 290

Dienstag den 16. Dezember 1915.

• Der „höhere" Beruf

Kürzlich hatte eine süddeutsche Textilfirma mit rinem jungen Mann, der die Berechtigung zum ein­jährig-freiwilligen Dienst besaß, einen Lehrvertrag abgeschlossen. Nach dreijähriger Lehrzeit wollte der junge Mann eine Spinn- und Webeschule besuchen, um sich dann der Textilindustrie zuzuwenden. Da der zukünftige Jünger Merkurs Waise ist, nmßte der Lehrvertrag dem Vormundschaftsgericht vorgelegt werden, und dieses versagte die Ge­nehmigung mit der Begründung, daß der junge Mann bei seinen günstigen Vermögensverhältnissen und geistigen Fähigkeiten zu einem höheren Beruf bestimmt erscheine und daß daher die Ver­antwortung, ihn Kaufmann werden zu lassen, nicht übernommen werden könne.

Ter Richter hat selbstverständlich nach seiner vol­len Heberzeugung gehandelt, er hat nicht nur aus seiner eigenen Seele heraus gesprochen, sondern auch aus der Seele seiner ganzen Kaste, ja darüber hinaus aus der Seele eines großen Teiles der Nation, für den es bis zur Stunde noch immer das höchste der Gefühle ist, „studiert" zu sein und ein betiteltes Amt zu bekleiden.

Warum legen sich Hunderte von Familien des Ge- werböftandes die größten Entbehrungen auf, um einen oft völlig unbegabten Sprößling der Wissen­schaft zu weihen? Etwa aus Liebe zur Wissenschaft? Ganz gewiß nicht! — Wohl aber aus Verehrung für die gesellschaftliche Höhe, in die der Junge empor­steigt, wenn er akademisch geprüft und betitelt ist. Von dieser Höhe fallen die verklärenden Strahlen aufdie ganze Familie hernieder. Herr und Frau Lehmann aus Kietz betrachten ihren Sohn Max, der irgendwo Assessor ist, als ein höheres Wesen. Man­cher namhafte Kaufmann, Industrielle und Hand- Werker, der in der Welt viel mehr bedeutet als hun­dert geprüfte Assessoren, bildet sich ein, er tue seinem Sohn etwas an, wenn er ihn nicht auf die Universitä­ten schickt, sondern ihm die Erbfolge im väterlichen Beruf anvertraut. Glücklich der Vater, der einen Sohn hat, der ihm dumm erscheint! Den nimmt ex ins Geschäft! Einige Gewerbsfirmen haben wir ja, bei denen sich eine Art Dynastie herausgebildet hat, aber es sind nur wenige. Unseren breiten gewerb­lichen Schichten fehlt immer noch die Tradition von Geschlecht zu Geschlecht, bei der dann ganz unmerklich die Auslese nach der gewerblichen Begabung sich voll­zieht. Heutigen Tages aber gehören gerade die Begabte st en ins freie Gewerbe, während man die Mittelmäßigen unter das schützende Dach der „Versorgung" und Pensionsberechtigung unterkriechen lassen möge. Im Wind und Wetter der Konkurrenz etwas Rechtes zustande zu bringen, das ist viel schwe­rer als vom Grünen Tisch aus den Staat zu regie­ren, was mit Hilfe des bekannten „ähnlich gelagerten Falles" ohne Aufwand von Genie in aller Gemäch­lichkeit geschehen kann. Es ist wirklich gar nicht schwer, sondern meist nur langweilig.

Kann man cs einem Vormundschaftsrichter ver­argen, wenn er über den Gewerbsstand ebenso gering­schätzig denkt wie die Angehörigen eines Geiverbe- standes selbst? Man sagt, daß die Gesinnungen der „Hohen" die Massen beeinflussen. Mag sein; umge­kehrt aber auch wirken die Gesinnungen der breiten- Volksschichten auf die Leute, die den Staat regieren. Wer das Getue unserer gewerblichen Mitbürger nicht vor allem, was amtlich und betitelt ist, sieht, muß not­wendig zu der Ueberzeugung kommen, daß es keine höhere Ehre gibt, als die hinter dem „grünen Tisch". Wenn also ein Vormundschaftsrichter erklärt, ern be­gabter und wohlhabender Jüngling sei zu Höherem be­stimmt, als Kaufmann zu werden, so kommt dieser Spruch aus der Tiefe der Seele — des Kaufmanns selbst. Man kann nicht verlangen, höher taxiert zu werden, als man sich selbst taxiert.

Darum schelte uns niemand den Vormundschafts- richter, der den jungen Textilbeflissenen vom gewähl­ten Lebenspfade zurückhielt. Wer stände dem Vor­mundschaftsgericht dafür, daß nicht eines Tages das Mündel in hie Klage ausbricht: „Ja, wenn ich einen sorgsamen Vormund gehabt hätte, dann könnte ich heute den Rang eines Rates der vierten Klasse haben mit dem Prädikat Hochwohlgeboren und Pensionsbe­rechtigung!" _

totales.

Fulda, 16. Dezember J913.

# Personalien. Dem Obermeister Küppers zu Bocholt im Kreise Borken und dem Schuhmacher- meister Markert zu Großalmerode im Kreise Witzenhausen wurde das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen.

*♦ Der Lioba - Konferenz des St. Elisabeth-Vereins wurde von einem ungenannten Herrn 100 Mark als Weihnachts-Geschenk für die Armen dieser Konferenz übermittelt. Dem edlen Wohltäter sei an dieser Stelle herzlichen Dank ausgesprochen. In Anbetracht der großen Aufgaben, die gerade die Lioba-Konf. beständig macken muß, ist diese Gabe dovpelt willkommen. Dr. M.

Kleines Rerrilleton. ______

— Im .rauhen Norden". Die Binnenlandbe- ivohner, welche die wechselnden Stimmungen eines Winters immer unangenehm empfinden mühen, denken wohl dabei auch einmal au den „rauhen Norden", in der Meinung, daß es dort noch viel schlimmer sein werde. Aber diese Annahme ist irrig. Schon seit einigen Jahren schicken unsere Arrzte auch int Winter schwächliche Kinder und besonder- solche, die leicht zu Erkältungen neigen, die an Störungen der Atmungsorgane leiden, die nervös veranlagt sind, an die vom warmen Golfstrom umspülte Nordsee. Die Kinder-Seehospize von Wyk und Norderney sind sogar ständig übersüllt. Zumeist sind es Kinder der ärmeren Bevölkerungsklassen, die hier Aufnahme finden. Wenn nun der Aufenthalt für Kinder heil- wirtend ist, warum sollte er's nicht auch für Er­wachsene sein? Die Temperatur ist viel gleichmäßiger als im Binnenlande; Schnee und Eis trifft man nur höchstens in der zweiten Halste des Winters, wirkliche Kälte ist aber geradezu selten. DaS Bild ist fast dasselbe wie im Sommer: Die hell leuchtende Sonne über dem blauen, in unendliche Ferne sich erstreckenden Meere, dazu der weiße Sand, die ernste feierliche Ruhe, einzig unterbrochen von den matten Wellen des Meeres! Nur Blumen gibt's nicht, und die Bäume lind entlaubt. Wo im Sommer Jubel und Trubel herrscht, da herrscht jetzt Schweigen. Wenige Hotels floß sind geöffnet, das Leben ist ein amer, aber eben sarum ist ein Aufenthalt im Norden auch zur Winters» -eit dringend zu empfohlen, nicht nur für geringe tränke, sondern auch für solche, die nur der Ruhe »«dürfen. Der geringe Besuch ist ein Vorteil!

© Tie Verwendung des Totationssonds deS Be- zirksvet bandes. Die durch da- Reglement vom 18. Mar 1908 gebildeten Totationsfonds des Bezirksverbandes Kassel wurden im Elaisjahre 1912 (nach einem Be­richte des Landesausichusses) an die leistungsschwachen Kreise und Gemeinden zur Erleichterung ihrer Armen- und Wegelasten u. a. wie folgt verteilt: Aus dem Fonds von 90000 Ml. (§ 1 Abs. 1 Zlff. 1 des Reglements) erhielten der Landkreis GerSietd 7130 Mark, Landkreis Hünfeld 6179 Mk., Landkreis Kirch­hain 5994 Mk., Landkreis Sch üchtern 4067 Mk., Landkreis Fulda 3507 Mk., Landtreis Marburg 2904 Mk.; aus dem Fonds von 30 000 Mk. (§ 1 Abs. 1 Ziff. 2 des Reglements) erhielten u. a: 26 Gemeinden im Kreise Fulda 3760 Mk., 37 Ge­meinden im Kreise Gersfeld 4875 Mk., 17 Gemeinden im Kreise Hünfeld 1966 Mk., 8 Gemeinden im Kreise Kirchhain 1006 Mk., 30 Gemeinden im Kreise Mar» burg 3570 Mk., 14 Gemeinden im Kreise Schlüchtern 1495 Mk.

Zum hessische» Handwerkertag. Aufsehen erregte in der Handwertervcr;ammlung am Sonntag die Mitteilung des Reichstagsabgeordneten Werner, daß das Warenhaus Wertheim vom .gefürsteten Grafen" Hei ckel-Donners.uark unterstützt werde. Da mit den Äussührungen des Herrn Werner offenbar das Berliner Warenhaus Wolf-Wertheim gemeint ist, werden wir von gutinsormierrer Seite gebeten, daraus aufmerksam zu machen, daß diese Angaben ganz unzutreffend sind. Weder der Zentrums­abgeordnete Graf Edwin Henckel-TonnerSmark noch der Fürst Guido Henckel haben mit Wolf-Wertheims Warenhaus etwas zu tun. Besitzer des Warenhauses Wolf-Wertheim ist vielmehr der bekannte Fürst Max Egon zu Fürstenberg in Donau­eschingen.

(:) Der Verkehrsverband für Hessen und Waldeck, dessen Mitglied auch die Stadt Fulda ist, hielt ver­gangene Woche in Kassel ihren 1. Verbandstag ab. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Vertretung des Verbandes auf der graphischen Ausstellung in Leipzig 1914 und auf der von der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1915 geplanten gro­ßen deutschen Kulturschau „Aus hundert Jahren Kunst und Kultur." Für diesen Punkt der Tages­ordnung war der Direktor des Bundes deutscher Ver­kehrsvereine, Schumacher aus Leipzig gewonnen wor­den, der in längerer eindrucksvoller Rede die von dem Verband zu entfaltende Tätigkeit eingehend beleuch­tete. Zu diesem Punkt der Tagesordnung war auch Museumsdirektor Dr. Boehlau erschienen. Das Er­gebnis der Beratungen war die Gründung eines Sonderausschusses, dessen Vorsitz Stadtrat Dr. Saran übertragen wurde und dem die Aufgabe zugewiesen wurde, für eine möglichst wirkungsvolle Vertretung des Verbandes auf diesen Ausstellungen einer im Februar einzuberufenden außerordentlichen Mitglie­derversammlung Vorschläge zu machen. Verkehrs­direktor Weber erstattete den Tätigkeitsbericht über das verflossene Geschäftsjahr. Der Verband wurde am 26. Februar 1912 gegründet. Der Verband zählte am Schluffe des Berichtsjahres 23 Magistrate (dar­unter Fulda), 4 Badeverwaltungen, 4 Verkehrsver­eine, 3 Gebirgs- und Wandervereine, 8 Kreisaus­schüsse, 9 Einzelmitglieder. An der Städteausstellung 1912 in Düsseldorf hat sich der Verband beteiligt. Als Ergänzung des Werbehestes „Hessen und Waldeck" wurde das vom Bunde hessischer und waldeckischer Ge­birgsvereine bisher herausgegebene Svmmerfrischen- verzeichnis als „Berkehrsbuch für Hessen und Waldeck" neu bearbeitet und in einer Auflage von 2000 Exem­plaren als Propagandaschrift Vertrieben. Eine wei­tere Förderung der Verbandsbestrebungen verspricht man sich von der in Verbindung mit dem Bunde deutscher Verkehrsvereine angelegten Verkehrskartei. Die Kartcnblätter dieser Einrichtung sollen als Ersatz für das oft umfangreiche Führermaterial den Frem­den sofort einen Heberblick verschaffen über Verkehrs­wesen, Sage, Sanitäres und Gemeinnütziges, Behör­den, Bildungsanstalten, Sehenswürdigkeiten und Aus­flüge. Bei der Herausgabe der Propagandaschristen hat sich ein Mangel an guten künstlerischen Photo­graphien gezeigt; man bat daher in Verbindung mit dem Bunde deutscher Verkehrsvereine einen Wett­bewerb für Photographien eingeleitet, dessen Ergebnis jetzt vorliegt. Die eingesandten Bilder sollen in einer Ausstellung: „Deutsches Land und deutsche Art in der Photographie vereinigt werden, um späterhin als Wanderausstellungen in einer Anzahl deutscher Städte vorgeführt zu werden. Es ist dem Bunde gelungen, die vereinigten 8 deutschen Eisenbahnverwaltungen für die Sache der Verkehrsverbände zu interessieren und zur tätigen Mitarbeit heranzuziehen. Da der Ver- kebrsverband von einem Anschluß an die Gesamtorga­nisation für sich und seine Mitglieder sich besondere Vorteile versprechen darf, wurde er in der Vorstands­sitzung vom 13. Juni 1912 beschlossen.

A Militärisches. Die einzelnen Truppenteile des 11. Armeekorps werden im kommenden Jahre schon sehr frühzeitig den Truppenübungs­platz Ohrdruf beziehen, um daselbst die Regi­ments- und Brigadeübungen ausrnfübren: eine wei-

— Wie schützt sich ein Luftfahrzeug vor der Be­schießung? Aus England wtrd gemeldet, daß die vom britischen Kriegsministerium angestellten Ver­suche mit einem neuen 4zölligen Schnellfeuergeschütz gegen Luftfahrzeuge glänzende Resultate ergeben hät­ten. Die Meldung ist durchaus unglaubwürdig. Bis- her hat man absolut sichere Schüsse aus Luftschiffe oder Aeroplane nicht abgeben können. Freilich der- mag sich ein Steilfeuergeschütz auf ein h-.ch oben schwebendes Objest einzuschießen, aber — das ist eben der Haken. Auf einen Aeroplan, der beispielsweise Kreise zieht oder im Zickzack-Kurs fliegt, ist ein siche- res Einschießen unmöglich und jeder Treffer wird nur Zufallssache sein. Das gilt namentlich von den neuen Zeppelinen, die sehr schnell in Höhen gehen können, wo sie vor Schüssen ziemlich sicher sind. Das Be­schießen von Luftfahrzeugen ist ferner für die feuernde Partei selber aus dem Grunde sehr gefährlich, weil die Geschosse natürlich wieder zurückfallen und Scha­den anrichten. Ein Luftschiff, das beispielsweise eine Stadt durch Bombenwürfe schädigen will, kann so manövrieren, daß es in eine solche Stellung gerät, bei der es sich der Feind überlegt, zu feuern. Jeden­falls: das Luftfahrzeug in der Luft ist ein gefähr­licherer Feind, als umgekehrt für es die Batterie un- ten auf der Erde.

— Des Kutschers Rache. Die Autodroschke hat eine Panne, und der Chauffeur müht sich aus Lei­beskräften, den Motor wieder in Gang zu bringen. Ein Kollege von der „Pferdebranche" steht breit lä­chelnd daneben und guckt gemütlich zu. „Na, hilf mir doch etwas!" ruft der Chauffeur, und der andere streckt ihm mit ruhiger Ironie die Peitsche hin: „Da nimm, treib ihn damit an!"

tere Uebung wird im Sommer erfolgen. Die Hebungen muffen deshalb früher beginnen, weil das 11. Armee­korps am Kaijermanöver teilzunehmen hat und diejes wesentlich früher beginnt als die andern Manöver.

(!) Eine nachahmenswerte Einrichtung. Tie zu­nehmende Heberfüllung der akademi- schenBerufe und die damit verbundene Schaffung eines geistigen Proletariats hat die Direktoren der Frankfurter höheren Schulen veranlaßt, die Schüler der oberen Klassen über die Eigenart und die Aus­sichten der einzelnen Berufsarten aufzuklären. Zu diesem Zwecke finden Vorträge statt, in denen die Vertreter der verschiedenen Berufe nacheinander zu Worte kommen sollen. Auf diese Weise (ollen die Schüler gegebenenfalls gewarnt werden, Berufe zu er­greifen, in denen für absehbare Zeit unter normalen Verhältnissen ein Vorwärtskommen unmöglich ist.

V? Neuregelung des Weihnachts-Postpaketver­kehrs. In diesem Jahr wird sich der Postpaketver­kehr zwischen Süd- und Norddeutschland und um­gekehrt in völlig neuen Formen abspielen. Wenn bis­her Frankfurt jahrelang den sogenannten posta­lischen Umschlagshafen bildete und damit ein Verkehr hatte, der einzig im Reichspostqebiete dastand, so be­dingten die beschränkten räumlichen Verbältniffe des Hauptbabnhoses und der gegenwärtige Hmbau der Station in diesem Jahr eine andere Berkehrstastik seitens der Post. Frankfurt wird in diesem Jahr als Umladestation ausqeschaltet, wenigstens soweit der Hauptbabnhof in Frage kommt; an seine Stelle tritt Darmstadt. Hier wird der Postversand von Bayern nach den Rheinländern und umgekehrt um» geladen und über Mainz bezw. Aschaffenburg weitergeleitet. Diese Arbeiten wurden sonst in Frank­furt vollzogen. Ferner werden sämtliche nach Berlin u. s. w. bestimmte Sendungen im neuen Ostbahuhos abaefertigt, wohin auch die von Süddeutschland ein« treffenden und in Darmstadt bereits umgeladenen Wagen dirigiert werden. In gleicher Weise wird auch der von Hamburg nach Basel bestimmte Verkehr be­handelt, also wiederum eine bedeutende Entlastung des Hauptbahnhofs. Schließlich wird Frankfurt un Verkehr zwischen den Obervostdirektionsbezirken Kob­lenz, Trier und Metz einerseits und Berlin Magde­burg, Hamburg u. s. w. oder Südwest- und Nord­deutschland fortan insofern ausgeschaltet, als die Sen­dungen über die Strecken Gießen-Fulda und Gießen- Kassel geführt werden. Durch alle diese Maßnahmen ist eine weit.schnellere Abwickelung des Verkehrs als bisher gewährleistet.

;; Wik hält man feinen WeibnackstSbaum frisch? Es ist eine stets wiederkehrende Erscheinung, daß der Tannenbaum bald nach dem Weihnachtsabend fein frische? Aussehen verliert und wenn man den Baum am Altjadrsabend nach alter Sitte noch einmal an» zünden will, so ist er so trocken, daß er eine Feuers- gefabr bildet. Diele Erscheinung ist darauf zurück» zuführen, daß die Bäume schon mehrere Wochen vor Weihnachten geschlagen werden, daher viel Feuchtig­keit abgeben und so vorzeitig dürr werden. Diesem Hebelstand kann man leicht abhelfen, indem man den Baum sogleich nach Erwerb auf den Hof oder dem Balkon mit dem Stammende in ein Gefäß mit Wasser stellt und ihn erst in die warme Stube nimmt, wenn er geschmückt werden soll. Wenn man so verfährt, so ist ein vorzeitige? Abwersen der Nadeln nicht so rasch zu befürchten.

= Das alte Rathaus ist in feinem äußeren Um» bau nun fertigaefteDt und von dem Gerüst gänzlich befreit. Mit seinen 9 großen Bogen macht der Bau einen imposanten Eindruck und erregt das Wohlge­fallen aller Passanten dieses verkehrreichsten Straßen­kreuzungspunktes.

---- Aus die diesjährige Haupt-Versammlung des Rhönklubs (Zweigverein Fulda), die heute abend im Restaurant »Alte Post" statlstndet und der eine wichtige Tagesordnung zu Grunde liegt, fei hier noch besonders aufmerksam gemacht. Zahlreicher Besuch wird erwartet.

Ans dem Nachbargebiete.

1:1 Petersberg, 15. Dez. 1913. In der am vorigen Sonntag abgehaltenen Versammlung des Männer­vereins hielt ein auswärtiger Redner einen an­regenden Vortrag über „Die Presse und ihre Bedeu­tung". Es wurde beschlossen, am Neujahrstag eine Weihnachtsfeier zu veranstalten und eine Gesangs- abteilung zu gründen. — Im Jugendverein fand eine schöne Nikolausseier mit Bescherung statt. Darauf hielt ein fremder Redner einen interessanten Vortrag über „Die Parzivallage".

* Hersfeld, 15. Dez. 1913. In der Nacht auf Sonntag überfielen drei Arbeiter von hier auf der Straße einen ihnen nachfolgenden jungen Mann. Durch Messerstiche wurde der UeberfaBene ziem­lich übel zugerichtet, sodaß er noch in der Nacht das Krankenhaus aufsuchen mußte. Für die drei Messer­helden dürste die Sache noch ein gerichtliches Nach­spiel haben.

t Bieber, Kr. Gelnhausen, 15. Dez. 1913. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich die weltliche Feier des K o n st a nt i n i s ch e n Jubiläums, zu der sich die Angehörigen der hiesigen katholischen Pfarrgemeinde gestern in überaus stattlicher Zahl eingefunden hatten. Der Saal der katholischen Vereine war besetzt wie nie zuvor. Herr Lehrer B u r ch a r t von hier gab in seiner Festrede in meisterhaften Ausführungen ein Bild von den Lei­den der Kirche in den ersten 3 Jahrhunderten ihres Bestehens und beantwortete dann in ausführlicher lichtvoller Darstellung die Frage, was Kaiser Konstan- ftantin der Große unserer Kirche gewesen ist und was sie ihm verdankt. Hierauf folgte die Aufführung des Schanfpiels: „Ein neuer 'Engel." Unter Leitung der hiesigen Lehrerin Fräulein Will hatten die Dar­stellerinnen ihre Rollen einstudiert und wußten aufs beste ihrer Aufgabe sich zu entledigen. Die Gesangs- abteilunq des Männervereins verschönerte die Feier durch einige mehrstimmige Gesangseinlagen. Mit dem Ausdruck des Dankes an alle, die dazu mitgewirkt und beigetragen hatten, erreichte die so schön verlau­fene Jubiläumsfeier ihr Ende.

* Bad Orb, 15. Dez. 1913. Durch die Anlage eines Truppenübungsplatzes im Orber Reisig und durch den stetig steigenden Fremdenverkehr unseres Badeortes bat sich naturgemäß auch die Erweiterung der hiesigen Bahnhofsanlage für unbedingt notwendig erwiesen; ein größeres Beränderungsobjekt in der Staatsbahnstation Wächtersbach wird bereits schon feit längerer Zeit von den zuständigen Stellen eingehend bearbeitet. M" der Bad Order „Bezirks­bote" erfährt, wird die hiesiae Bahnbofsanlage eine wesentliche Umgestaltung erfahren, wodurch die Mög­lichkeit gegeben ist, größere Truppenmaffen rasch und ohne Störung des übrigen Bahnverkehrs zur Beför­derung zu bringen, ebenso den ftärfften Fremden­verkehr in kürzester Zeit abzufertigen. Statt dem

bisherigen primitiven Bahnhofsgebäude wird weiter nach der Bahnhofftraße zu ein großes moder­nes Bahnhofsgebäude mit allem Komfort erstehen. Durch den von Setten der Stadt bewirkten Ankauf des größten Teils der Pflanzenländer ist die Errichtung einer schönen größeren Bahnhofsanlage gesichert. An diese wird sich in unmittelbarer Nähe anreihen: — an der östlichen Sette — die pro­jektierte neue katholische Kirche und auf der südwest­lichen Seite die Kaiser Wilhelms-Halle und die jetzt schon fertiggestellten modernen Burghäuser, die durch das Eingreifen des Landrats Graf von Wartens­leben die jetzige Gestaltung erhalten haben, und so einen recht guten Eindruck machen. Die Gleisan­lagen am Bahnhofe selbst werden ebenfalls vollständig verändert; die Rampe zum Ein- und Ausladen von Güter, Holz usw. wird weiter zurückverlegt, ebenso eine größere vom Bahnhof vollständig getrennte Gü­terhalle. Tie An- und Abfuhren der Güter und sonstigen Frachten wird auf einem neu anzulegenden Weg durch die Burg zu erfolgen haben, wodurch in erster Linie die Bahnhofstraße erheblich entlastet wird. Auch die Passagiere sind dann am Bahnbofe von den unliebsamen Störungen enthoben. Sülbstverständi- lich erfordern alle diese Neuerungen Geld. Dieser schwierige Punkt ist aber bereits behoben, indem sich die hiesige Stadtverwaltung bereit erklärt hat, die erforderlichen Mittel der Babnverwaltung gegen eine Verzinsung von 4 Proz. und 2 Proz. Amortisation herzugeben.

* Offenbach, 15. Dez. 1913. Ein Tanzkränz. eben als Wahlagitationsmittel — das ist die neueste Erfindung der hiesigen roten Genossen. Am 20. Dezember finden die Krankenkassen. Wahlen statt, bei denen dieses Jahr znm ersten Male auch die Dienstmädchen wählen dürfen. An diese erging nun ein mit „Siebe Kollegin" be­titeltes Flugblatt, durch das den Dienstboten das so. zialdernokratische „Evangelium" beigebracht werden soll Man scheint sich aber von dem Flugblatt allein nicht die nötige Wirkung zu versprechen und lädt des- halb die Dienstboten behufs „weiterer Information" zu einem Tanzkränzchen ein. Wie der Erfolg diese' Tanz-Wahlagitationsversammlung ausfallen wird darauf darf man wohl gespannt sein.

f Frankfurt a. M., 15. Dezember 1913. Zum Ausbau der bisher gar nicht gepflegten Dervfychologie regt man die Errichtung eines tierpsychologischen Instituts an, das, falls die Hniversität Frankfurt demnächst eingerichtet wird, hier in Verbindung mit dem zoologischen Garten unter Leitung eines besonderen Dozenten geschaffen werden soll. In Deutschland besitzt b'Sber nur Göttingen eine derartige Einrichtung. Diese gilt aber als unvollständiger Versuche, der systematisch ergänzt werden müßte.

* Rotenburg (Fulda), 15. Dez. 1913. In Marburg starb Moritz von Trott zu Solz auf Imshausen bei Rotenburg an der Fulda. Der Verstorbene wurde im Jahre 1848 zu Heilbronn geboren, wo er später längere Zeit ^ls Fabrikbesitzer wohnte, bis er das Familiengut Imshausen übernahm. Die von Trott zu Solz gehören zum hessischen Urabel, der mit Hermann Trott, Ritter und Burgmann auf der Bonieburg, im Jahre 1261 zuerst erscheint. Eine Kaiserliche Wappenvereinigung mit dem der von Trotha wurde zu Prag am 28. Februar 1586 be­stimmt. Bereits im Jahre 1587 war ein Werner von Trott Herr auf Imshausen, der Stifter der ersten Linie, der auch der Verstorbene angehörte.

* Kassel, 15. Dez. 1913. Ein Kongreß sämt­licher Bahnhofswirte Deutschlands fand gestern hier statt. Es waren etwa 150 Bahnhofs- wirte auS allen Teilen Deutschlands anwesend. Die Verhandlungen, die nicht öffentlich waren und ver­schiedene Standes« und Fachfragen betrafen, leitete als Vorsitzender der Bahnhvsswirt Brettscheider aus Weißenfels.

* Kassel, 15. Dez. 1913. Am Samstag abend zwischen 10 und 11 Hhr hat sich bei der sogenannten Berliner Brücke vor Kirchditmold, und zwar an der­selben Stelle, wo vor kurzem das Fräulein Müller auS Hanau und wenige Tage darauf der Artillerist Wagner freiwillig den Tod gesucht haben, ein junger Mann in selbstmörderischer Absicht von dem Wald­kappeler Nachtzug überfahren lassen. Bei Be- geben der Strecke wurde er von einem Bahnbeamten noch lebend aufgefunden. Der unglückliche Jüngling, welcher etwa 18 Jahre alt war, hatte sich derartig auf die Schienen gelegt, daß ihm beide Beine am Unterleib abgefahren waren. Trotzdem war der jugendliche Selbstmörder — ein Kaufmann Willy Sch. — noch bei Bewußtsein und gab auf Befragen, wie er dazu gekommen sei, die Antwort, man sollte ihn in Ruhe lassen, er habe alles ausgeschrieben, da» bei deutete er auf seine Brusttasche hin. Der tödlich Verletzte wurde in das Krankenhaus transportiert, woselbst er jedoch nach wenigen Stunden seinen Sßer«' letzungen erlegen ist.

** Aus Thüringen, 16. Dez. 1913. Der Gemeinde­rat von Eisenach hat dem Stadttheaterdirektor die Summe von 4000 Mk. als Gagenzuschuß für die Schauspieler bewilligt. — Die Strafkammer in Mei­ningen hatte wegen Gotteslästerung einen Arbeiter in Trusen zu zwei Monaten und einen Schlosser in Trusen zu sechs Wochen Gefängnis veruneilt. Tas Reichsgericht hat jetzt das Urteil bestätigt. — In Gotha starb Kommerzienrat Emil Wittzack, Vor­sitzender der Handelskammer. — Zum Konkurs des Hotel „Sanssouci" in Oberhof wird bekannt, daß eine Abschlagszahlung von 15 000 Mk. erfolgen soll. Es kommen 800 Mk. bevorrechtigte und 100 433 Mk. nicht bevorrechtigte Forderungen in Betracht. — Tie Gastwirte in Weimar sind auf den Gedanken ver­fallen, die Mitglieder des Gemeinderats büßen zu lassen, wenn dort Beschlüsse gefaßt werden, die den Gastwirten nicht zusagen. Der Gastwirtsverein soll ferne Mitglieder veranlassen, daß diese ihre Waren­bezüge einstellen bei den Gemeinderatsmitqliedern, die für Einführung der Fremdensteuer stimmten. des­gleichen bauliche Veränderungen oder Arbeiten jed­weder Art durch solche nicht mehr vornehmen zu las­sen und gleichzeitig diesen Beschluß den Brauereien niitteilen mit dem Verlangen um Unterstützung im Kampf gegen die Fremdensteuer. — Vom Kriegs­gericht inErfurt wurde wegen Fahnenflucht, Breis­gabe von Dienstaegenständen, Diebstahls und mtellek- tueller Urkundenfälschung der Musketier der 2. Kom­panie des Infanterie-Regiments Nr. 71 in Sonders­hausen, Hermann Bachmann ans Ilmenau, zu einem Jabr Gefängnis, sechs Tagen Haft und Nebenstrafen verurteilt.

* Göttingen, 15. Dez. 1913. In der letzten Sitzung der städtischen Kollegien wurde der vorn Magistrat gestellte Antrag, das städtische Lyzeum zu einem Oberlyzeurn auszubauen, von dem Bür­gervorsteher-Kollegium fast einstimmig a b g e l e h nt. Für diese Stellungnahme des Bürgervorsteber-Kol-