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2. Blatt.

druck Mr aette*6tiemi ie Seite.

* Zuldaer Zeitung.

M 289.

Montaa 15 Dezember l'hö

(C HeMscher Handwerkertag zu Fulda.

Der geftrige Hessische Handwerkertag, der im Ge­sellenhause abgehalten wurde, hatte sich aus den bei- den Hessen eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Die Tagung wurde um 11 Uhr im Gesellenhause mit einer Delegiertenversammlung eröffnet, worin innere Angelegenheiten des Bundes der Hand­werker, dem die Initiative zum Hessischen Handwer­kertage zu danken ist, und Einzelheiten der Tagesord­nung beraten tourifen. Daran schloß sich nach­mittags 3 Uhr der eigentliche Handwerkertag, der nicht nur von den Delegierten, sondern auch von den Freunden des Handwerks aus allen Kreisen und Äänden rege besucht war, so daß der Gesellenhaus- saal sich bis auf den letzten Platz besetzt zeigte.

Der Landesvorsitzende Malermeister Martin- AlS- feld begrüßte die Landesversammlung des Bundes der Handwerker, die zum ersten' Male in der altehrwürdigen Bischofsstadt Fulda tage, mit dem Kernspruch: „Gott segne daS ehrsame Handwerk!" Ein besonderes Will, kommen entbot der Redner den Herren Landrat Freiherr von Doernberg, Reichstagsabgeordneter Werner, Land- tagsabgeordneten Euler, Rhiel und Drinnenberg, Beige, ordneter Halbleib, Stadtrat Goebel, Stadtverordneten­vorsteher Rang, sowie den Vertretern des Stadtverord­netenkollegiums. Der Landesvorsitzende leitete die Ta- gung ein mit einem freudig aufgenommenen Hoch auf den Kaiser und den Großherzog von Hessen.

Hofbäckermeister Simmer-Fulda begrüßte namens des korporierten Handwerkes des Kongreßortes die Dele. gierten und die Vertreter der Behörden.

Sodann trat die Versammlung in die Tagesord­nung ein. An erster Stelle stand ein Vortrag des Gründers und Vorsitzenden des Bundes der Hand­werker Schneidermeister Boigt-Berlin-Friedenau über „Schwebende Tagesfragen des Hand- werk s".

Der Vortragende ging mit gründlicher Sachkenntnis und erschöpfender Klarheit auf die Hauptfragen des Handwerks ein, soweit sie die Reichsgesetzgebung beschäf. trgen. Er legte dar, der lebhafteste Wunsch des Hand­werks sei eS, daß der § 10 0 q der Gewerbeord­nung, der den Innungen die Preisfestsetzung verbietet, aufgehoben werde. Dieser Paragraph muß beseitigt wer­den, darüber sind sich alle Handwerker klar. (Sehr rich­tig!) So gut wie die Landwirte ihre Schutzzollgesetz, gebung, so gut wie die Aerzte und Rechtsanwälte ihre Gebührenordnung haben, muß der Handwerker seine eigene Entlohnung festsetzen, mutz er bestimmen können, was er für seine Arbeitsleistung zu beanspruchen hat» Die Regierung sucht nach allen möglichen Scheingrün­den, um die Handwerker von der Forderung der Besei. tigung des § lOOq abzubringen. Sie schlägt darum aus „Liebe" zum Hairdwerk vor: Den Zwangsinnungen wird gestattet, Mindestpreise festzusetzen, aber nur fakultativ, d. h. die Innung kann Mindestpreise beschließen, aber kein Innungsmitglied kann gezwungen werden, sich an diese Preise zu halten. (Heiterkeit.) Von ebenso großer Bedeutung wie die Beseitigung des § lOOq ist die Ein­führung des Befähigungsnachweises für das Handwerk. Den kleinen Befähigungsnachweis haben Wir bereits in unserer Gesetzgebung. Es ist eine Unwahr­heit, wenn man dem Bund der Handwerker nachsagt, er wolle den Befähigungsnachweis aus dem Mittelalter wieder einführen, nein, wir verlangen nur die vollüän. dige Freiheit für unfern Stand int Erwerbsleben in einer Zeit, wo die Gewerbefreiheit anderen die Freiheit gewährt, uns zu unterdrücken und auszubeuten. Heute drücken die großkapitalistische Konkurrenz, Trusts u. Shn. dikate auf das gesamte Handwerk. Man sagt uns nach, baß wir unsere Lehrlinge nicht 2. bis 3mal wöchentlich in die Fortbildungsschule schicken wollen. Wir find keine Gegner des Fortbildungsschulunterrichts, im Gegenteil, aber wir verlangen, daß die Stunden des theoretischen Unterrichts so gelegt werden, daß die Praxis dadurch nicht geschädigt Wird. In dieser Hinsicht ist ja das Handwerk in der Lage, in Fulda eine wohlwollende, verständige Behörde zu haben. Wir müssen rücksichtslos für unsere Forderungen eintreten. DaS Fundament des Handwerks liegt in der guten Entlohnung unseres Standes. Der Arbeiterstand stellt auch in seinen Orga- nisationen die gute Entlohnung als Grundbedingung auf. Der Bund der Handwerker hat dem Reichstag einen Antrag unterbreitet auf Abänderung der Gewerbeord- nung entsprechend unseren Forderungen. Auf daS Wohl­wollen in den Volksversammlungen verzichten wir, wir verlangen endlich einmal praktische Arbeit. Die Reichs- regierung hat bis jetzt für die Handwerkerwünsche wenig übrig gehabt, sie verfolgt nur großkapitalistische Interes­sen und treibt Weltpolitik. (Sehr richtig!) Wir, die Handwerker, treiben nicht, wie man uns vorwirft, eine einseitige Interessenpolitik, sondern eine nationale Poli. tik im besten Sinne des Wortes. Wir wollen unS auch heute wieder geloben, unsere Organisation auszubauen und einmütig dahin streben, daß die Regierung uns Ge­setze bringt, die zum Segen deS deutschen Handwerks wirken. (Lebh. Beifall.)

Es folgte sodann ein Vortrag des Ehrenmitalie- des des Bundes, Landtagsabgeordneten Schreiner­meister Euler-Bensberg. Der verdiente Veteran der Handtverkerbewegung sprach über „Unsere Auf­gaben im Landtag".

_ Im Mittelpunkt seiner anschaulichen mit Humor ge­würzten Ausführungen stand die Betonung der Notwen­digkeit der Einführung des Befähigungsnachweises, den er mit Recht als die Fundamentalforderung deS Hand­werks bezeichnete. Der kleine Befähigungsnachweis ge­nügt dem Handwerker nicht. Weil es keinen Defähi- zungsnackiweis gibt, ist aus dem. Handwerk auch der Korpsgeist und das Standesbewutztsein geschwunden. (Sehr wahr!) Wir verlangen, daß nur derjenige das Handwerk selbständig auSüben darf, der eine Lehrlings­und Gesellenzeit durchgemacht und die Meisterprüfung rbgelegt hat. Diese Forderung ist eine eminent wichtige, nicht allein für das gesamte Handwerk, sondern auch für unser ganzes Staatswesen. Der Handwerksmeister hat die schöne Aufgabe, aus dem Lehrling einen guten Staatsbürger und rechtschaffenen Christen zu erziehen. Wir müssen mindestens erreichen, daß Minderjährige ein Handwerk nicht ausüben dürfen. Hätte man dem Handwerk überall die obligatorische Organisation als die beste und einzig richtige, und den Befähigungsnachweis gegeben, hätte man es gesetzlich so geschützt wie andere Berufe, dann hätte das Handwerk auch mehr Nachwuchs, . besonders aus den besseren Ständen zu verzeichnen. Warum sträubt man sich so gegen den Zwang, wir haben doch den Impfzwang, den Lchulzwang, den Militär­zwang, den Steuerzwang. (Heiterkeit.^ Wer heute noch Gegner des Befähigungsnachweises im Handwerk ist, von dem muß ich annehmen, daß er sich fürchtet, den Befähi­gungsnachweis abzulegen, weil er durchfallen könnte. Redner präzisierte nunmehr die Forderungen des Hand. Werkes hinsichtlich deS Submissionswesens und betonte mit Entschiedenheit daß wir uns bemühen müssen, in den Parlamenten den Forderungen des Handwerks in Bezug auf das Lubmissionswesen und den BefähigungS- tachweis zum Siege zu verhelfen in Verbindung mit en handwerkfreundlichen Parteien, das sind das Zen­rum, die Konservativen und ein Teil der Nationallibe. alen. Der Bund der Handwerker befindet sich nicht n Schlepptau irgend einer politischen Partei, wenn et vch die, Hilfe annimmt von jeder Seite, wo sie ihm ge- oten w«rd. Vor allem waren es das Zentrum und die konservativen, die die Forderungen des Handwerks stets uf da? nachdrücklichste unterstützt haben. Wir Wörden «deutender e Fortschritt: in unserer Bewegung gemacht aben, wenn die Jnter-ssenlosigkeit in unseren Reihen icht so groß wäre. „Die heutige Handcherkerversamm- tng interessiert meinen Mann garnicht," so sagte mir esteru eine hiesig« Handwcrkcrfrau. (Hört! Höri!) Also cwas mehr Interesse, etwas mehr Selbkachtung. Der

Handwerkerstand ist ein schöner, ein ehrenwerter Stand. Schließlich arbeiten wir auch nicht so sehr für unS selbst, als für unseren Nachwuchs, für die Interessen von Staat und Gesellschaft, für Christentum und Monarchie; denn der Handwerkerstand ist die festeste Stütze von Thron und Altar. Wir werden als freie deutsche Handwerks, meister im Bund der Handwerker, in den JnnungSauS. schössen und in der Handwerkskammer unsere Forde, rungen nach bestem Wissen und Können vertreten. Hub wenn die verbündeten Regierungen unS eine Vorlage über die Zwangsinnungen bringen, dann fürchten wir unS nicht, nein, wir wünschen sie sogar. Freiheit ist der Zweck deS Zwanges und so sollen auch die Zwangsinnungen daS Mittel bilden, um eine wahre Freiheit im deutschen Handwerk herzustellen. (Langan, haltender Beifall.)

ReichstagSabgeordneter Werner-Gießen hatte für den verhinderten Landtagsabgeordneten Malermeister L i n e w e g - Weither (Westfalen) das Thema über­nommen: „BrennendeHandwerkerfragen im Landtag".

Als solche nannte er einheitliche Innungen (Beseitigung der freien Innungen), Aufhebung des § lOOq der Reichsgewerbeordnung, Regelung des Sub- missionSwesenS, das richtiger SubmissionSu n w e s e n heißen müsse, Beseitigung der von der Regierung „über den grünen Klee gelobten" Wanderlager, Einschränkung des Hausierhandels und eine kräftigere Warenhaussteuer. Die Forderung der beiden Redner bezüglich deS Befahi. gungSnachweiseS unterschreibe ich. Von ihr kann daS Handwerk nicht ablassen, wenn es wieder zur Blüte ge. langen will. Auch bei den Handwerkern muß der Grundsatz gelten: Vorwärts immer, rückwärts nimmer! (Lebh. Beifall.)

Bundesvorsitzender Boigt begründete alsdann zwei einstimmig angenommene 'Entschließungen. Die erste war eine Erklärung deS Bundes zum reichS- deutschen MitteIstands.verband. und lautet wie folgt:

Der Hessische Handwerckertag dankt' dem Bundesvor­stände für sein Eintreten für -die Selbständigkeit des Bundes in dem reichsdeutschen Mittelstandsverbande. Das hessische Handwerk spricht die Erwartung aus, daß in Zukunft eine gemeinsame, Arbeit in Mittelstands­fragen mit dem reichsdeutschen Mittelstandsverbande sich ermöglicht, ohne daß die Selbständigkeit deS Bundes der Handwerker bedroht wird.

Die zweite Entschließung kennzeichnet die Stellung des Bundes zu den Handelsverträgen und zur Schutzzollpolitik. Sie hat nachstehenden Wortlaut:

Der Hessische Handwerkertag ist zu der Ueberzeugung ?«langt, daß der Schutz der nationalen Produktion auch ernerhin der Pflege der Gesetzgebung in besonderem Maße bedarf. ES ist aber dringend notwendig, daß bei den kommenden Beratungen der neuen Handelsverträge und des Zollschutzes die Interessen des selb- ständigen Handwerks besser gewahrt wer. den als bisher. Die durch den bestehenden Zollschutz wirtschaftlich gehobenen Stände haben noch immer die Verpflichtung, den gleichen'Schutz für das Handwerk zu erkämpfen, wenn es nicht durch ungleiche Behandlung und drückende Lasten untergehen soll. Als notwendiges und unerläßliches Mittel, einen gerechten Ausgleich zu schaffen, ist mit der Einführung neuer Handelsverträge zugleich die Beseitigung des § lOOq der Gewerbeordnung und die Einführung des Befähigungsnachweises gesetz­lich festzulegen.

Lanbtagsabg. Euler beklagt die von manchen Architekten au-geübte PreiSvrückerei und die starke Belastung des Metzgergewerbe» durch zu Hobe Verzinsung der Schlachthöfe. Zu letzterem Punkte schlagt er folgende Entschließung vor, die ebenfalls einmütige Annabme findet:

„Der Hessische Handwerkertag beantragt, den $ 11 des Kommunal-AbgabengesetzeS dahin abzu. ändern, daß die Schlachthöfe gesetzlich als dem allge- meinen sanitären Interesse dienende DohlfahrtSeinrich- tungen anzusehen sind und demzufolge Gebühren nur in solcher Höhe erhoben werden dürfen, als sie für die Selbstkosten der Verzinsung und 1 prozentiger Amorti­sation, sowie für die Kosten der Unterhaltung der An­lage, der Ergänzung deS Inventars und die deS Betrie. bes nötig sind. AuS den Schlachthöfen dürfen keinerlei Ueberschüsse an die Stadtkasse abgeliefert werden.

Ein Antrag der Ortsgruppe Witzenhausen auf Einführung einer Krankenversicherung für die Mitglieder des Bundes soll der am 19. Febr. 1914 in Berlin stattfindenden Generalversammlung unterbreitet werden. Auf einen Antrag der Orts­gruppe Ziegenhain, der die Errichtung von Kredit« und Einkaufsgenofienschaften wünscht, erklärt der BundeSvorfitzende, daß der Handwerkerbund zur Unterstützung solcher Genostenschakten, nicht aber zur Diskontierung von Buchorderungen jederzeit gern bereit fei.

Gutsbesitzer v. Bodelfchwiugh« Steinhauck krackte hierauf die Sympathien de» Bundes der Landwirte mit den Bestrebungen de» Handwerkerbundes »um Ausdruck.

GntschuldiaungSschreiben lagen vor von MeichStagSabg. Richard Müller-Fulda, Oberbürger­meister Sr. Antoni, Gtadtpfarrer Gramm, Professor Dr. Schreiber u. a. Der ReichstagSabg. für Mar« burg.Kirchhain, Schneidermeister Rupp, hatte ein Begrüßungstelegramm gesandt.

Die Herren Martin und Doigt ermunterten zum Beitritt in den Handwrrkerbund. Mit einem be­geisterten Hoch auf diesen wurde die Tagung, von der wir hoffen, daß reicher Segen für das deutsche Handwerk von ihr auSgehrn werde, geschloffen.

totales.

Fulda, 15. Dezember 1913.

4t Personalien. Der Charakter als Hegemeister wurde verlieh n den Förstern: Wickard in Queren­berg, Oberjörsterei Witzenhausen; Fleischmann in Pfaffenhausen, Obersöcsterei Burgjoß; Gieppner in Mteburg, Oberjörsterei Kassel; Graß in Marjoß, Ober.örsterei Marjoß; Hoßbach in Roßbach, Ober« sörsterei Kassel; Jericho in Fh. Wendegrund, Ober, törsterei Rotenburg«LüderSvorf; Kehr in Braach, Oberjörsterei Rotenburg-West; Schmidt in Günsterove, Obersörsterei Dielsungen; Schmidt in Friedewald, Obersörsterei HerSfeld-Meckbach; Strott in Schmelz« Hütte, Obersörsterei Allendorf; Studenroth in Friede­wald, Obersörsterei Friedewald; Tangermann in WippcrSbain, Oberförsterei HerSfeld-Wippershain.

§ Nach Fulda versetzt. Der VermeffungS-Diätar Heinrich Schott (ein Fuldaer) bei der Kgl. General- Kommission Steffel ist zum 1. Januar 1914 an die hiesige Spezialkommission versetzt.

£ Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Fulda. Unter dem Vorsitze deS Maurermeisters Rommel fand am SamStag abend im Ballhaussaale die erste Sitzung bei neugewählten Ausschusses statt. AlS Beisitzer wurden berufen für die Arbeit­geber Hofbäckermeister Simmer, für die Arbestnehmer Kaufmann August Schäfer. Von den Arbeitgeber- Vertretern fehlten 4, während die Arbeitnehmer-Ver­treter sämtlich erschienen waren, zusammen 56. Von­seiten deS Sozialen Ausschusses wurde hervorgehoben, aß man dem vorgeschlagenen Kandidaten aus demKreise der Arbeilaeder tüt neu Au Sschub-Vor fitzend en

zustimme, aber als stärkste Gruppe Anspruch auf den stellvertretenden Vorsitzenden mache. Tas Ergeb­nis der Wahl war infolgedessen, daß Maurermeister Gregor Hautumm einstimmig gewählt wurde. Der Gewählte nahm die Wohl an. Es folgte die Wahl deS Stellvertreters. Sämtliche (36) Stimmen der anwesenden Arbeitgeber, des Zwölferausschusses und der sozialdemokratischen Gewerkschaften fielen laut vorheriger Vereinbarung au? Schriftsetzer Rikolaus Hillenbrand. Der Kandidat des Sozialen Aus- Ichusses erhiflt 20 Stimmen. Eine Wahl der Arbeit­geb er-Vorstand smitgliedererübriatefich, da wie derDersammIungsleiter betonte.nur eine Vorschlagsliste eingegangen sei. Demnach sind Maurermeister Rommel, Elektrotechniker Trabert und Installateur Herrmann als gewählt zu betrachten. Hieran schloß sich die Wahl der Arbeitnehmer-Vorstandsmit­glieder. Es wurden abge leben für die Liste des iozialen Ausschusses 20, für die des Zwölser-Aus- ichuffes 14 und iür die Liste der iteien Vereinigungen 6 Stimmen. Erstere Gruppe erhält also 3 Vertreter lSchreiner Amaud Henkel, schreiner Franz Heil, Echloßwärter Damian Reuß), die zweite Gruppe er­hält 2 Vertreter (Werkmeister Paul Moosmüller, Expedient Franz Bödning) und die dritte Gruppe 1 Vertreter (Drechsler Franz Zehrt). AIS Ersatz­männer gelten in derselbe, Rerhefolge: Kassenbote Franz Ktüber, Ko rektor Wilhelm Fuchs, Schremer Gottfried Frohnapfel; Zimmermann Franz Mahr, Fuhrmann Karl Schäfer; Dachdecker Waller Breuer Es folgte nun eine Genralversammlung der Ortskrankenkasse. In den Rechnungsausschuß sür die Prütung der Rechnung des laufenden Jahres wurden Malermeister F. Fuchs und Kaufmann I. Mollenhauer gewählt. Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung die Genehmigungdesabgefchlossenen Nach­trages zum Aerztevertrag. Vom Vorstand wurde betont, daß die Kasse mit dem, was in der Aerztesrage erreicht sei, zufrieden sein können. Mit den Aerzten sei ein vierjähriger unkündbarer Vertrag, laufend bis zum 31. Dezember 1917 verein- rart worden. Seit 1903 waren die Mindestiätze der preußilchen Gebührenordnung abzüglich 30 Prozent maßgebend. Vom 1. Januar ab werden d e Ge­bühren um 5 Prozent erhöht, sodaß von genannter Gebührenordnung nur 25 Prozent in Abrechnung kommen. Eine Kündigung des seitherigen Ver- trageS von den einzelnen 6 Kassenärzten sei nicht erfolgt. Ter am 11. Nov. 1913 von den Aerzten Dr. Ct rs, Dr. Kind, Dr. Schutte, Dr. Stegmeter und Dr. Trepp unterzeichnete und am 14. November gestempelte Nachtrag zum Arzteverlrag wurde ver­lesen und von der Versammlung einstimmig ge­nehmigt, nachdem die Einigung freudig begrüßt war. Die Erhöhung der Bezüge der seitherigen Schreibhilfe und Anstellung einer weiteren Schreibhilfe wurde nach längerer Debatte zugestimmt. Aus den weiteren Darlegungen deS Vorstandes entnehmen wir, daß die OrtSkrankenkrsse jetzt 4700 Mitglieder zählt. Die Mitgliederzahl wird sich mit dem 1. Januar 1914 auf annähernd 6000 erhöhen, da die Betriebskranken, kaffe der Filzfabrik, „er Fuldaer Aktiendruckerei und oer Fabrik von Weißensee hinzukommen, ferner die Versicherungspflicht auf die weiblichen Dienstboten ausgedehnt worden ist. Im Jahre 1903 betrugen die Einnahmen der Kasse 43530 Mk., im Jahre 1912 bereits 104940 Mk., und im Jahre 1913 annähernd 120—130,000 Mk. DaS Vermögen der Raffe betrug 1903 --- 17923 Mk., im Jahre 1912 aber 137 245 Mark. Im Jahre 1903 fielen Arztkosten auf den Kopf 4.28 Mk., im Jahre 1912 aber 5.93 Mk. Die Familienversich rung wird der Raffe schätzungsweise 12000 Mk. Mehrkosten für das Jahr verursachen. Mit einem Dank aus der Versammlung an den Vor­stand für die gute Führung der Geschäfte schloß die Generalversammlung.

(!) Der bunte Abend, zu dem auf Samstag abend der literarische Verein und der Musikverem an der Oberrealschule in den großen Stadtsaal einge- laden hatten, brachte den Veranstaltern einen großen, wohlverdientenErfolg. Der Saal war ausverkauft, unter den Gästen bemerkten wir die Spitzen der hiesigen Be­hörden, den Leiter und zahlreiche Lehrer der Oberreal­schule. Die Vortrags-Folge litt eher an einem zuviel, als an einem zu wenig. Daß aber die Zuhörer bis um die Geisterstunde ausharrlen, war ein idjlagenöer Beweis, wie gut die Darbietungen allen gefielen. Vortrefflich waren die Leistungen des MusltVereins. Die Jubel-Ouverture von Rarl Maria v. Weber wurde gleich zu Anfang mit so liebevollem Verständnis für die melodische Schönheit dieses Tonwerkes und dabei mit einem Schwünge vor. etragen, daß man die junge Künstlerschar immer wieder gern aus der Bühne er-1 scheinen sah. Herr W. Fennel, der sich wiederholt I all Sologeiger hören ließ, handhabt sein Instruments meisterlich, daS gleiche kann man von Herrn R. Leber sagen, der die Zaubertöne, die im Cello schlummern, trefflich zu wecken versteht. Welch schöne musikalischen Wirkungen mit den jüngstens volkstümlich gewordenen Mandolinen und Gitarren hervorgebracht werden können, zeigte das Auftreten einer Schülergruppe, die diese Instrumente zur Pflege der edlen F-au Musika gewählt hat. Schließlich soll zwar nicht den jungen Herrn, die zum Lautenklang Ständchen-Lieder fangen, ohne deS Textes so ganz sicher zu sein (wäre doch der Schutzmann etwas früher gekommen), aber dem Gesangsquartett iür feinen Vortrag des reizenden Volks­liedes „(BteSpinnerin' hier ein ganz besonderes Wort der Anerkennung gezollt werden .Ter literarisch eVerein brachte sich zunächst in ernsten und dann in heiteren Rezitationen recht gut zur Geltung, um schließlich in der Aufführung des vierten Aktes aus „Julius Cäiar" feine ganze Kraft einzusetzen. Der Oberprimaner L. Lorch, der schon mit Börries v. Münchhausens graufem Balladenstück: „Der Todspieler" und dann mit bet heiteren Satire „Die Majestätsbeleidigung" (sie stammt aber nicht, wie auf dem Programm ange­geben ist, von Detlev v. Liliencron, sondern von einem ganz ander! gearteten „Dichter") für seine gut gepflegte Vortragskunst reuten Beifall geerntet hatte, stellte einen Marc Anton auf die Bühne, der sich auch außerhalb einer Schüleraufführung hätte sehen laffen können. Besonderes Lob verdient die Regie. Sie hatte, vielfach angeregt durch die von dem modernen Theatermeister Max Reinhardt ausgehenden neuen Grundsätzen der Gestaltung von 'Massenszenen, Glänzendes geleistet, um dem Forum « Akt, diesem Höhepunkt dramatischer Kunst, eine würdige Dar­stellung zu sichern. Der geradezu stürmische Beifall, der dieser schönen Aufführung — und vorher durch- weg aüen einzelnen Leistungen folgte, konnte den Ver­anstaltern die Gewißheit geben, daß das Publ'kum ihren idealen Bestrebungen Gerechtigkeit widerfahren läßt, daß eS mit großer Sympathie auf der Seite einer Schule steht, die solche Bestrebungen anregt, sie fördert und solch schöne Erfolge ermöglicht.

Der Et. ZosephSverein katholischer Arbeiter er- hielt gestern abend m Herrn Tomkaplan Adolf Farnuna einen "r-nies. Wie der Diözefan-

piäses der katho.ischen Arbeitervereine in der Diözese Fulda, Herr Stadtpfarrer Gramm, muieitte, machte es die Neueinrichtung der Seelsorge notwendig, den Präseswechsel vorzuneymen. In längeren Aus« lührungen legte der hochw. Herr Stadtplarrer die Aufgaben de? St. Jo^ephevereins bat. Dem neuen Präics wünschte er Glück und segensreichen Erfolg. Nachdem die 30 Mann Harte Gesangsabteilung unter Leitung des Herrn Lehrers Kalb das Lied: „Mit dem Herrn sang alles an" unter vielem Beifall vor» getragen, versicherte der neue Präses Herr Dom- kaplan Farnung, er wolle mit allen Kräften be« müht fein, das vom Dwzesanpräses entworfene Programm durchruiühren und hoffe öabei^auf die latkrästlge Mitarbeit Der Mitglieder. Als Sohn des Fuldaer Landes fei er den hiesigen Verhältnissen nicht ganz fremd. Der Vizevräses Herr Stadtverordneter Axt rief dem neuen Präses ein herzliches Willkommen entgegen. 'Mit dem L ede: „Hör uns Gott, £ err der Welt" war der < fistelte 2>il ru Ende.

D Vortrag über die Fremdenlegion. Kurz vor Weihnachten einen Vortragsabend zu veranstalten, war ein Wagnis, welches die junge Ortsgruppe des Internationalen Völkerrechts­bundes zur Bekämpfung der Frenrdenlegion gestern abend unternahm Ter überaus starke Besuch recht­fertigte jedoch das Unternehmen. Herr Zirken­bach, der rührige Vorsitzende der hiesigen Orts­gruppe, hielt eine kurze begrüßende Ansprache, wor­aus Herr Pfarrer Erwin Becker aus Frankfurt a. M. das Rednerpult betrat und die Zuhörerschaft zwei Stunden mit seinem Thema: „Das Sklavenjoch der Fremdenlegion" i.r spannendster Aufmerksamkeit hielt. Ter Vortragende, ein vollendeter Meister der Rede­kunst, der über ein den großen Saal mit Leichtigkeit füllendes Organ verfügt, schilderte in beredten Wor­ten Land und Leute in Algier und Jndochina und entwarf ein Ergreifendes Bild von dem Leben der Legionäre.. Mehrmals betonte der Redner, daß er nur solche Tatsachen anführe, denen auch von fran­zösischer Seite nicht widersprochen werde, und daß er mst Absicht davon Abstand nehme, Erlebnisse dieses und jenes Legionssoldaten wiederzugeben, die sich oft­mals nicht nachprüfen ließen. Das Tatsachenmaterial, das angeführt wurde, war so erdrückend und wirkte so überzeugend, daß nach Schluß der Veranstaltung eine Reihe neuer Mitglieder um Ausnahme baten. Der Redner wußte in so eindringender, überzeugen­der Weise zu sprechen, daß seine Worte einen starker Widerhall sanden. Seine Rezitation von Dichtungen über das Schicksal der deutschen Fremdenlegionäre war geradezu meisterlich: Aufs beste unterstützt wur­den die Ausführungen durch charakteristische Lichtbil­der, die Herr Popp vorführte, und die Pause wurde durch ein von der Stadtkapelle gespieltes patriotisches Potpurri angenehm ausgefüllt. Der gestrige Abend war ohne Zweifel ein Erfolg ersten Ranges für die hiesige Ortsgruppe des Bundes.

-j- Kunst. Gegenwärtig ist eine von Herrn Kunst­maler Rleineberg angefertigte Kopie eines Herz-Jesu-Bildes in der Reinhardt'schen Buch- und Kunsthandlung ausgestellt. Dieselbe erregt mit Recht das lebhafteste Interesse aller Freunde religiöser Kunst; dürste doch das Original zu den besten heute vorhandenen Herz-Jesu-Darstellungen gehören. Der ehrenvolle Auftrag, die Kopie anzufertigen, erhielt Herr Rleineberg durch die Freiin von Linoe auf Schloß Dreis bei Trier.

A Fomagepreife. Für den Monat Dezember 1913 find folgende Preise amtlich festgesetzt: in den Kreisen Fulda, Hünfeld, Gersfeld, Schlüchtern für den Zentner Hafer 8,40 Mk., Heu 3,05 Mk., Stroh 2,10 Mk., in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Frankenberg für den Zentner Hafer 8,93 Mk., Heu 3,68 Mk., Stroh 3,15 Akk.

(!) O welche Lust, Redakteur zu fein in der heuri­gen „Winters' - Zeit. Es vergeht kein Tag, da ihm nicht liebliche ..Frühlingskinder" geschenkt werden. Zarte Hände schütteten heute morgen einen ganzen Blumenkorb auf den Redaktionstisch ans; darunter wahrhaftig „Primula veris“, sie, schöner denn alle (wie Nikolaus Lenan singt), die Schlüsselblume. Dann 'Maßliebchen, Stiefmütterchen, Goldlack:c.; alles im Freien erblüht draußen im städtischen Holzgarten trotz der nabenden Wintersonnen Lenöe. Der Redakteur möchte wiederum ein Frühlmgslied singen; aber er ist leider noch geifer vom letzten Male.

= Gingdiefert in das Amtsgerichtsgefängnis wurde am Samstag nachmittag der früher hier m llrbeit stehende Knecht K. Er hatte seinerzeit seinem Arbeitgeber einen Betrag unterschlagen und bei Wirten Zechprellereien gemacht.

-4- Sport. Das gestrige Spiel „Borussia"-Fulda gegen „Gießen 1900" endete mit 6:1; zwischen dem Jugendvcrein der Stadtpfarrei und dem Jünglings- Verein der Dompfarrei wurde gestern auf der städti­schen Bleiche ein Wettspiel ausgetragen. Der Jugends- Verein der Stadtpfarrei gewann mit 10 : 0 Toren. Bei dem Fußballwettspiel zwischen Germania II. Mannschaft gegen Fußballverein II. Mannschaft ge­wannen erstere mit 5 : 2 Toren; bei dem gestrigen ersten Fußball-Wettspiele des I. Fuldaer Hockeh-Ber- eins gegen den Fußball-Klub Schlüchtern 1910 wurde ein Resultat von 1 : 1 Tor erzielt.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Dermbach, 14. Dez. 1913. Die Unter- stützungsgelder des Hilsskomitees sind nunmehr "zur Verteilung gelangt und zwar sind sie, wie schon früher berichtet wurde, lediglich der geschä­digten Bevölkerung zugute kommen. Für den Fall, daß sich nach der Perteilung noch Notstände unter den Geschädigten bemerkbar machen sollten, ist den Ge­meindevorständen empfohlen worden und zwar mög­lichst bis zum 15. Dezember d. I. besondere Ge­suche unter genauer Darlegung der Verhältnisse der Bezirksverwaltung zur Vorlage höheren Ortes einzu­reichen. Was die nach Vorstehendem bisher unbe­rücksichtigten Geschädigten anlangt, so sind sie gleich­falls von Sachverständigen abgeschätzt und höheren Ortes zur Prüfung vorgelegt worden.

Mus Oberhessen u- den heff. Aemtern.

△ Marburg, 14. Dez. 1913. An der abschüssigen Reitgasse scheute heute früa das Pferd eines F aschen- bierwagens und raste den Berg hinunter. Am Waisenhaus ging em Teil des Wagens infolge An- vrallens an die Hauswand inTrümmer, wobei auch der Kutscher auf die Straße geschleudert wurde.

Zs Marburg, 14. Dez. 1913. In einer gestern mittag im Pjeisfer'schen Saale abgehaltenen, stark besuchten Versammlung des landwirtschaftlichen Vereins wurde im Anschluß an einen Vortrag über „Eberzuchtstationen" seitens deS D'rek vrs der landwirtichaftlichen Winterschule, Herr Schlicht, be­schlossen, beim Rrei'tag die Einrichtung einer Kor- komnujsion für E er zu beantragen.