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2. Blatt

Bruck tat KUdaer Hctieibridtrei ii Zulba.

Zuldaer Leitung •*

J® 283 8T

Samstag -en 15. Dezember 1913.

Z.n -er Schule -es Leidens.

45] Roman aus dem New-Aorker Leben.

Bon Erich Friesen.

(Schluß.)

Noch ein letzter wehmutsschwerer Blick nach der stillen, weißen Gestalt — und er verläßt müden Schritts das Sterbezimmer.

Im Salon nebenan sitzt Frau Mackah mit Der» weinten Augen in einem Fauteuil. Walter spielt zu ihren Füßen ans dem Teppich — lachend und jauch­zend nach Kinderart.

„Wo ist Felicie?" fragt Norbert, sich gewaltsam beherrschend. „Ich war saft den ganzen Tag fort und möchte sie sprechen."

„Ich weiß nicht Ich habe sie seit vielen Stirn» den nicht gesehen. Vielleicht dort —" und die alte Dame deutet scheu nach dem Nebenzimmer.

Norbert schüttelt den Kopf. Was mag der un­ruhige Geist seiner Frau wieder ausgebrütet haben!

Aa eilt hastig das kleine Dienstmädchen herbei.

„Voll Frau Barrington," flüstert sie ängstlich, Norbert einen Bries reichend.

„Von meiner Frau? Wann gab sie Ihnen den Brief, Mary?"

„Bor ungefähr drei Stunden. Ich sollte ihn nur Herrn Barrington Persönlich einhändigen. Und da Sie bis vor kurzem fort waren —"

„Ist meine Frau zu Hause?"

„Nein, Herr Barrington. Frau Barrington ging gleich, nachdem sie mir den Brief gegeben hatte, fort und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt."

„Es ist gut, Mary. Sie können gehen."

Norbert öffnet das Kuvert und liest folgende, in festen, klaren Schriftzügen hingeworfenen Zeilen:

„Lieber Norbert!

Ich versprach der teuren Entschlafenen, Dir fortan eine gute Gattin zu sein, und ich werde dies Versprechen halten Von heute ab beginne ich ein neuös Leben. Ich will ihr ähnlich werden — wahr, offen, uneigennützig, wie sie es war- Ich weiß jetzt, daß ich bisher nicht auf dem rechten Wege gewesen bjn^ daß ich durch meine Leidenschaftlichkeit. mei»

die ewig geltenden Lehren und die ewig ehernen Ge- etze des katholischen Christentums hinein» uscnken in das Herz der Jugend in ihrer ganzen Tiefe und ihrer ganzen Bedeutung, das ist unser e t jt e r Programmpunkt und gerade damtt hoffen wir Manner heranzubilden, die nicht bloß ihrem göttli- i hen, sondern auch ihrem irdischen König die Treue I-alten.

Sehr treffend hat diese katholische Auffassung bei Jugendfürsorge kürzlich beim 25jahrigen Ju­biläum einer Marianischen Jünglingskongregation in Münster der Hochlvürdigste Herr Bischof von Münster zUm Aitsdruck gebracht. Er führte aus:

„Heutzutage ist so viel von Jugendpflege die Rede. Man kämpft geradezu um die Jugend und will ie erziehen zu einem starken Geschlecht, zu charakter» -esten, vaterlandstreuen Männern und das Wort, das man so viel anwendet, heißt Sport und Körperpflege. Gewiß, vernünktiae Körperpflege ist gut. Turnen, Schwim. men und Radfahren ist gut, wenn eS mäßig betrieben wird. Aber niemand wird uns davon überzeugen, daß charakterfeste, zufriedene, heimats- und vaterlandSlie- bende Menschen allein auf dem Turnplatz, allein auf dem Sportplatz, allein beim Schwimmen, allein beim Kriegsspiel und allein beim Wandern herangebildet wer. den. Man vergißt heutzutage leider vielfach die Haupt­sache. Das Ideal, das der Jugendpflege Vorschweben muß, ist „Gottesfurcht und Religion". Ohne Gottesfurcht und Religion wird der junge Mann, mag er ein guter Turner oder Schwimmer sein, auf die Dauer unglücklich werden. Der deutsche Freiheitsdich. ter Arndt hat einmal gefragt: „Wer ist ein Mann?" und er beantwortet diese Frage selbst. Er ägt nicht, der beste Turner oder Schwimmer oder Rad. ährer; nein, er sagt: Der beste Mann ist jener, der beten kann, der glauben kann, der auf Gott vertraut. Unsere Ideale ünd erstens Religion und Gottesfurcht, zweitens tüchtige Arbeit und drittens Erholung und Sport. Die­sen Idealen wollen wir eifrig nachstreben. In den ka. tholischen Vereinen sollt ihr zunächst euren Glauben be. wahren, und wenn ihr ihn bewahrt, wenn ihr treu bleibt eurer Kirche, dann bleibt ihr auch treu eurem König und Vaterlande. In den katholischen Vereinen sollt ihr aber auch nach unserem Glauben leben. Ein berühmter Mann bat gesagt: Gebet und Sakramenten empfang ist heute für die Jugend ebenso notwendig wie das tägliche Brot. Also zuerst Religion und Gottesfurcht, dann Ar» beit und Fortbildung und zuletzt Sport und Vergnügen."

totales.

Fulda, 13. Dezember 1913.

-i- Tie Schule! Wo aber bleibt das Elternhaus?

Von dem Leiter der stadtpfarrlichen Volksschule, Herrn Rektor Kolle, wird uns geschrieben:

Anknüpfend an den Arttkel in der Mittwochs­nummer „E i n e t r a u r i g e S z e n e" möchte ich zu der dort empfohlenen vernünftigen Jugendpflege et­was bemerken. Wiederholt werden die Kinder in der Schule zu einem gesitteten Betragen in und außerhalb der Schule, auf dem Schulwege und beim Spiel auf der Straße ermähnt. Es wird ihnen naheqelegt, wie sie sich Erwachsenen gegenüber, seien dieselben Bekannte von ihnen oder fremd, zu betragen haben, wie sie die öfsentlichen Einrichtungen zu scho­nen haben, wie sie sich den Fahrzeugen, namentlich den Autos gegenüber zu verhalten haben, wie sie durch Ordnung, Sauberkeit und Höflichkeit dazu bei­tragen können, daß Fremde und Einheimische einen guten Eindruck von der Jugend, überhaupt von der ganzen Stadt bekommen. Solange die liebe Jugend m d e r Umgebung ist, wo auf gutes Betragen, auf Anstand und Sitte geachtet wird, geht es. Wäre zu­fälligerweise ein Lehrer Zeuge „der traurigen Szene" geworden, sicher wären alle diejenigen der Uebeltäter sofort spurlos verschwunden, welche ihn gesehen und erkannt hätten. Das ist der Einfluß der Schule! Aber wissen Sie auch, daß derselbe ungestört wirken kann? Wie lange er wirken kann? Nur so lange und so tief, als er nicht gehemmt wird durch die Teilnahmslosigkeit der andern Erziehuagsfaktoren im öffentlichen Leben, nur so lange und fo tief, als er nicht geradezu aufgehoben wird durch die entgegen» stehenden Einflüsse des Elternhauses oder der Um­gebung, in der das Kind sich mehr befindet als in der Schule.

Die Schule läßt es sich nach wie vor angelegen sein, die Kinder nicht allein zu unterrichten, sondern auch zu erziehen. Zur guten Erziehung gehört auch die Gewöhnung an Reinlichkeit, Ord­nung und Höflichkeit. Hierbei muh gerade auf Klei­nigkeiten gesehen werden. - Unnachsichtlich muß gegen jede Unordnung vorgegangen werden. Nützen Mah- nung, Warnung, Drohung nichts, bann muß Strafe folgen, auch aus die Gefahr hin, daß man sich unbe­liebt macht. Wem vor dieser Gefahr nicht bange ist, nen Mangel an Selbstbeherrschung, mein übereiltes Handeln großes Unglück über uns alle gebracht habe. Aber das soll anders werden.

Wenn Du diese Zeilen liest, bin ich bereits wie­der auf dem Weg nach dem Gefängnis. Ich selbst - liefere mich bei der nächsten Polizeistation aus.

Vielleicht wird meine Srrafzeit verlängert — ich weiß es nicht. Aber was auch eintreten mag, ich werde es geduldig tragen — ich habe es Gerda ver­sprochen.

Und wenn ich dann nach einiger Zett zurück­kehre, ich, die entlaßene Zuchthäuslerin, und Du mich dann noch für wert hältst, mich bei Dir auf­zunehmen — so schwöre ich Dir fest und heilig: ich werde Dir eine gute Frau und Walter eine gute Mutter fein. Leb' wohl!

Deine tief und von ganzem Herzen bereuende Felicie."

Auf der Polizeistation in der vierzehnten Straße meldet sich gegen fünf Uhr nachmittags eine junge Frauensperson.

„Was wünschen Sie?" herrscht der wachehabende Polizist sie an.

„Ich wünsche, nach dem Frauengefängnis trans­portiert zu werden, von wo ich vor zwei Tagen ent» floh."

„Und Sie liefern sich selbst wieder aus? Haben Sie die Freiheit schon satt?"

„Ja, ich habe sie satt. Bitte, schassen Sie mich nach dem Gefängnis — sobald wie möglich!" —

Bereits etne Stunde später hat sich das große eiserne Gefängnistor hinter Felicie wieder geschlossen.

Bleich, aber vollkommen ruhig steht sie vor dem Gesängnisdirekwr.

„Sie toiffen, daß Ihre Strafe verschärft werden muß, Gefangene Barrington?"

„Ich vermute es. Ich werde jede mir auferlegte Strafe geduldig tragen. Sie werden keine Mühe mehr mit mir haben, Herr Direktor."

„Nun gut. Jackson, führen Sie die Gefangene Barr'ngton in ihre ehemalige Zelle Nr. 301."

„Noch ein Wort, Herr Direktor!"

<rt. Weltliche Jugendpflege

Unter biefei Ueberfchrift brachte die „Fuld. Zta." fa Nr. 270 vom 22. November einen Artikel, der sich gegen Heft 9 der „Jungdeutschland-Bibliothek" mit lern Titel: „Mit Gott für Fürst und Vaterland" wandte, der eine unerhörte Beleidigung für uns Katholiken bedeutete. Darauf hat der Ortsverband Frankfurt a. M. des Jungdeutschlandbundes erklärt, daß er dem Unternehmen vollständig fern stehe und keinerlei Einfluß weder auf den Inhalt der Bücher noch auf die Auswahl der Mitarbeiter gehabt habe.

Da auch andere katholische Blätter sich mit diesem katholikenseindlichen Machwerk besaßt haben, hat sich auch der 1. Vorsitzende des Jungdeutschlandbundes, General-Feldmarschall Frhr. v. d. Goltz, veranlaßt gesehen, in einer öffentlichen Erklärung zu er Sache Stellung zu nehmen. Er sagt darin, daß der Ju.igdeutschlandbund mit der Veröffentlichung nichts zu tuen habe, gegen den Gebrauch der Bezeich­nung „Jungdeutschland" bei literarischen oder ande­ren Unternehmungen vermöge der Bund nach Sage per Gesetze nichts zu tun, so erwünscht dies für ihn oft auch wäre, er habe daher, auf eine frühere An­frage, gegen die Bezeichnung der Bücherreihe mit fern Namen „Jungdeutschland" nichts einwenden Jönne.r und überdies Gutes davon für unsere Jugend erhofft.

Wenn wir und mit uns noch viele katholische Zeitungen zu der Meinung kommen, man habe eS hier mit einer Veröffentlichung zu tuen, für die der „Jungdeutschlandbund" verantwortlich zu machen fei, jo findet das darin feine Erklärung, daß ein zur Verbreitung des „Jungdeutschland-Bücherschatz" her» ausgegebenes Propagandablatt 'Sie lieber» schrift trägt: „Im Einverständnis des Ehren» Vorsitzenden des Jungdeiitschland-Bundes Dr. Frei­herrn v. d. Goltz" und diesen auch unter den Mit­arbeitern aufführt.

Dazu erklärt nun Frhr. v. d. Goltz folgendes:

„Die Nennung meines NamenS in hem Propaganda, blatt ist zu Unrecht erfolgt. Der Inhaber der Verlags. Luchhandlung Friedrich Engelmann hat sich daher auch bereit erklärt, dieses Blatt vernichten zu lassen.

Er hat sich aber auch nach einer heute (2 6. Novem­ber) stattgehabten Verhandlung erboten, das beanstan­dete Bändchen 9 des Bücherschatzes aus dieser Bücher­reihe auszuschalten und die schon verkauften Exemplare nach Möglichkeit zurückzuziehen.

Ich hoffe, daß hiermit die Angelegenheit als erledigt Betratfitet werden wird und Verstimmungen gegen den Jungdeutschland-Bund, die bei anderer Sachlage mit Recht hätten eintreten können, nicht zu besorgen sind."

Wir wollen nicht weiter fragen, ob der Verlag fo schnell bereit gewesen wäre, das Propagandablatt zu vernichten und das Heft aus dem Buchhandel zu- rückzuziehen, wenn es sich um eine ganz Private Sache gehandelt hätte, auch nicht, ob die Erklärung auch dann erfolgt wäre, wenn die kathol. Presie nicht auf die in dem Buch enthaltenen Beleidigungen der Katholiken aufmerksam gemacht hätte. Jedenfalls haben diese Abwehrartikel ihre Wirkung getan, indem sie die Weiterverbreitung dieses Machwerks verhinderten. Sich wehren ist jedenfalls richt fruchtlos. Hoffentlich wird man in Zukunft etwas vorsichtiger sein und uns nicht mehr gerade alles zu bieten wagen, wir haben absolut nicht nötig, ständig auf uns herumtrampeln zu lassen. Selbstverständlich ändert diese Erklärung an unsren in dem betreffen­den Artikel gemachten grundsätzlichen Ausführuigen gar nichts, auch nicht an unserer Stellung zum Jungdeutschlaudbund. Eine Jugendbewegung, die wie der Jungdeutschlandbuud „grundsätzlich jede reli­giöse Tendenz ausschließt", lehnen wir ab. Man wird ja bald sehen, wohin man damit kommt. Unsere Parole ist nach wie vor: Stärku 1 g der katho­lischen Jugendvereine. „Schassen wir zu­nächst einmal", so hat der große Jugendfreund Kol- ping sehr richtig gesagt, „Charaktere, erziehen wir die Jugend zu re I i g i o § gefestigten, zu sittlich gesunden Menschen, dann allein werden wir einen Nachwuchs erhalten, der in der Tat das Mark des Volkes bilden wird." Als überzeugte Katholiken — ja als ver­nünftige Menschen müssen wir es auf das ticffte be­dauern, wenn man sich von der sogenannten „körper­lichen Ertüchtigung" allein ober auch nur vornehm­lich die Erziehung eines sittlich starken Geschlechtes versprechen wollte. Athleten, Kraftmenschen kann man damit vielleicht heranbilden, aber keine Stützen für Thron und Altar. „Wenn die Feuerzeichen rau­chen, wird die Stunde Männer brauchen, nur beim Kreuze wachsen sie" (Eichert.)

Auch in unserem Programm steht als wich­tiger Punkt und zwar stark unterstrichen die Er­ziehung zur Gesundheit und zur Lebensfteude, aber

der zeigt dann den rechten gemeinnützigen Sinn, der immer das G an z e, die Gesellschaft im Auge hat.

Ich sage Kleinigkeiten! Hätten wir der Jugend das mutwillige Werfen mit Steinen abgewöhnt, fo wäre ein Eifenbahnbeamter während der Eisenbahn- ahrt nicht am Auge verletzt und zu wochenlangem Krankenlager gezwungen worden, so hätten die Eltern die eingeworfenen Konviktsfenster nicht zu bezahlen brauchen.

Gewöhnten wir die Kinder daran, Papier, Obst- refte und Apfelsinenschale nicht achtws, da wo sie gerade gehen ober stehen,' fortzuwerfen, so würde manches Unglück verhütet werden. Würden die Kin­der die Automobile i.i Ruhe lasten, nicht immer noch iürz vor einem heranfahrenden Kraftwagen über die Straße laufen, dann würde mancher von den Auto- mobilisten, die von Berlin nach Frankfurt fahren, und unter ihnen gibt es doch wohl viele, deren Wort viel gilt — dann toüiA?n diese rühmen und sagen: „Die Fuldaer Jugend ist gut."

Würde die Achtung vor dem Alter, würde die Höflichkeit mehr gepflegt werden, dann würde auch die Klage des Berichterstatters über Verrohung der Jugend verstummen. — Aber die Schule allein kann es nicht machen. Wo bleiben die andern Erziehungs- ättoren? Wo bleibt das Elternhaus?

# Personalien. Verliehen wurde dem Lehrer a. D. Richard Frei zu Großauheim (Landkreis Hanau) der Adler der Inhaber des König!. HauSorvenS von Hohenzollern. — Der Pfarrer Hilbert zu Tann in der Diözese Fulda wurde zum Planer an der evan- gel. Kirchengemeinde iu Geismar (Kreis Frankenberg) ernannt. — Der Charakter als Postsekretär wurde Dem Oberpostassistenten Grimm zu Kastel verliehen.

f Die hl. Priesterweihe wird der Hochwürdigste Herr Bischof am Quatembersamstag, den 20 Dez. den Herren Diakonen Jos. Scherer (Fulda) und Hermann Seifert (Hilders, Rhön) spenden. Herr Scherer feiert sein erstes hl. Meßopfer Sonntag, den 21. Dezember in der Bonisaliusgrust des Domes und Herr Seifert in der Pfarrkirche zu Hilders.

X Dem Hessischen Handwerkertag zum Gruße. Morgen wirb bekanntlich unsere Stadt ttn Zeichen des Handwerks stehen. Hält doch der Bund oeut- fcher Handwerker für seine Mitglieder in bei­den Hessen hier eine große Tagung ab, deren Tages­ordnung usw. aus den schon erfolgten Ankündigungen zu ersehen war. Es ist angesichts dieser Handwerker- zusammekunft vielleicht am Platze, der Frage nach dem Stand der Handwerkerorganisation in Fulda, d. h. der wichtigsten Handwerkerfrage überhaupt, einige Zeilen zu widmen. Wie wir bereits gestern mitteilten, beabsichtigen die Maler- und Lackierer- meister sowie die Klempner und Installateure in den nächsten Tagen bei bet Verwaltungsbehörde den An­trag auf Errichtung einer Zwangsin.rung zu stellen. Zurzeit bestehen in Fulda 7 Zwangsinnungen, von denen allein im Jahre 1913 vier errichtet worden sind (Fleischer, errichtet 1. Mai 1899; Bäcker 1. Juli 1899; Friseure 1. August 1906; Schreiner 1. Januar 1913; Schuhmacher und Schlosser je 1. April 1913 und Maurer, Zimmerer u. .Dachdecker 1. Juli 1913).* Diese 7 Innungen zählen insgesamt 292 Mitglieder, d. i. rund 3/5 aller selbständigen Handwerker Fuldas. Diese Ziffer würde sich nach Hinzutritt der geplanten beiden neuen Innungen auf rund 340 Jnnungsmit- glieber erhöhen, fodaß einschließlich den nicht in In­nungen korporierten Hanbwerker-Mitglieber des Ge- Werbevereins und der hiesigen Mitglieder der Zwangsinnung für das Konditoren- und Psefferküch- ler-Handwerk 'für den Hanbwerkskammerbezirk Kassel (Sitz Kassel) das korporative Handwerk in Fulda sicherlich 375 Mitglieder zählt. Das heißt % aller selbständigen Handwerker würden bann organisiert sein. Das wäre ein ungeahnter Erfolg des Jahres 1913. Er müßte auf die noch der Organisation fern­stehenden Teile des hiesigen Handwerks einladend wirken, wie auch auf das gesamte Jnnungsleben (Einzelinnung, Jnnungs- und Handwerksausschuß, Nebeninstitute rc.) belebend und neugestaltend ein­wirken. Dementsprechend dürsten auch die ethischen wie realen Erfolge unserem Handwerk nicht ausblei­ben. Es erscheint uns jetzt zunächst — für die im kommenden Jahre bevorstehenden Neuwahlen — eine entsprechendere Vertretung des Fuldaer Handwerks in der Kasseler Handwerkskammer angebracht. Bis­her stellte Fulda mit Gersfeld und Schlüchtern zu­sammen nur einen Vertreter, Herrn Hofbäckermei­ster Simmer, im Wahlbezirke der Innungen. Wir haben von jeher die Einigungsbestrebungen unseres Handwerks freudig begrüßt und wünschen auch dem

„Nun?"

^Jst Anny Holm noch am Leben?"

„Nein. Sie starb heut früh."

Felicie läßt den Kopf auf die Brust sinken.

Dann folgt sie festen Schrittes der Dart»n.i in ihre Zelle.

XXXIV

Ein lauer Frühlingsmorgen. ...

Die Landstraße entlang schreitet eine hohe, kräf­tige Männergestalt, an der Hand einen frischen Kna­ben von zweieinhalb Jahren.

Der Kleine trägt einen zierlichen, blauen Matro­senanzug. Die Wangen sind gerötet vom raschen Gehen. Lustig flattert das lange blonde Lockenge- ringel im Frühlingswind.

„Auf wen warten wir, Papa?" fragt das Kind neugierig, als der Herr an einer Wegbiegung. Halt macht.

„Auf Deine liebe Mawa, Walter!"

„Wird sie jetzt bei uns bleiben, Papa?"

„Ja, mein Kind. Sieh, dort kommt sie schon — dort hinten die Dame in dem grauen Kleide! Lauf' ihr entgegen — schnell, schnell! Und gib ihr sogleich einen Kuß! Sie hat Dich sehr, sehr lieb, Deine Mama!"

Einen Augenblick bleibt das Kind noch scheu au demselben Fleck. . Dann läuft es, fo schnell es feine kleinen Beinchen tragen, tu der fremden Dame.

„Mein Kind! Mein Walter!"

Jubelnd bebt Felicie den Kleinen in die Höhe In ihren Augen schimmern Freudentränen.

Und em paar dicke Aermchen schlingen sich um ihren Hals; weiche Kinderlippen suchen bte ihren.

„Liebe, liebe Mama!"

Vor wenig Minuten erst ist Felicie aus dem Ge­fängnis entlassen worden. Mit dem Kinde auf dem Arm nähert sie sich schüchtern ihrem Gatten.

„Norbert'/'

Er ergreift die ausgestreckte Hand und zieht fein Weib zu sich heran.

„Komni, Sich! Dort hinten erwartet uns em Wagen. Wir fahren sofort nach Hause und über­morgen schon schiften wir uns nach Europa ein. Ich habe drüben in London ein Engagement nnnonom»

noch nicht organisierten Teil dieses Ziel, eingedenk der alten Erfahrung, daß hier nur die Selbsthilfe und auch bann nur „mit vereinter Kraft" Erfolg bringen kann. — Wir werden noch gebeten mitzuiei- len, daß sofort nach den Verhandlungen im Gesellen­haus ein kleines Abendessen im Gasthause „Zur Traube" vorbereitet sein wird, wozu auch die hiesigen Handwerksmeister eingeladen sind.

A Gerichtsärzte des Kgl. Oberversicherungsamtö. Als Gerichtsärzte des Kasseler Obervers.-Amts sind ür die Zeit vom 1. Jan. 1914 bis 31. Dez. 1917 olgende Herren gewählt worden: für die Sitzungen »es Obervers.-Amts Kassel die Herren Reg.- und Geh. Medizinalrat Dr. Rockwitz, San.-Rat Dr. Knierim, Dr. med. Adolf Alsberg und Dr. med. Aug. Jorns, amtlich in Kassel; für die Sitzungen des Obervers.- Amts m Fulda die Herren Geh. Sanitätsrat Dr. Raabe, San.-Rat Dr. Gesang und San.-Rat Dr. Schidlowskv, sämtlich m Fulda.

W Postalttches. Im Pa-eroerkehr mit Rußland und tm Durchgänge durch Ruß land muß bei bei der Versendung von mehreren Paketen mit einer Postpaketadresse in den für Die russische Zollverwaltung beftimmten Gesamt - Inhaltserklärungen Der Inhalt ür jeDes Paket besonDers — nach Den für Pakete nach Rußland geltenden Zollvorschriften — angegeben werden. Zur Vermeidung von Schwierigkeiten bei Der Zollabfertigung empfiehlt es sich, von Der 58er« enDung mehrere Pakete mit einer BegleitaDresse un Verkehr mit Rußland und weiter nur ausnahmsweise Gebrauch zu machen, in Der Siegel vielmehr jeDem Pakete eine besondere Paketadresse veizugebeu.

(!) „Was ist denn los?" mit diesem Rufe stürzten heute vormittag die Kollegen in das Zimmer unseres Lokalredakteurs und mehrere Setzerlehrlinge hatten, von Neugier gepeinigt, die Fensterbrüstung er­klommen. ' Was ging vor? Getragen von des Bas­es Grundgcwalt und geschwellt durch die Erinne­rung an so manche in Burschenlust verlebte Walpur­gisnacht erklang aus dem besagten Raum das schöne Lied: Der Mai ist gekommen, die Bäume schla­gen aus. Acht Tage vor Weihnachten, mitten n der Arbeit, in der bedrohlichen Umgebung von bedrucktem und beschriebenem Papier dieses Lenztied — was war in den Lokalredakteur gefahren? Run, zu den vielen Maikäfern, Schmetterlingen, Glühwürmchen, Veilchen, Rosen, Stachelbeerblüten und sonstigem unzeitgemäßen Frühlingsgemüse hatte man ihm heute auch noch — einen Zweig fri- chcn Laubes, den jungen Trieb eines Apfelbau­mes an der Haimbacherstraße gebracht.

j> Fuhballsport. Am morg gen Sonntag wird der Fußballklub „Borussia" mit seiner ersten Mannschaft der gleichen des Gießener Sportvereins 1900 auf dem Sport­plätze am Neuenberg entgegentreten. „Gießen" ist be­kannt durch feine überraschenden Erfolge gegen di» stärksten Gegner im hessischen Kreise.

Ans dem Nachbargebiele.

(=) Der „Schulstreik" in Finkenhain, seine Veranlassung und seine Folgen, haben bei der Rhönbevölkerung große Erregung hervorge- rusen, wofür uns zahlreiche Zuschriften und sonstige Aeußerungen Zeugnis ablegen. Wir wollen heute noch ein Paar dieser Zuschriften wiedergeben. Die erste lautet: .

Noch ein Wort zum Schulftreik der Rh0 n- bauern von einem, der mit den Verurteil­ten weder verschwägert noch verwandt i st. Daß ein Kind zu einem Wege von über 3 beinahe 4 Kilometer mehr als 1 Stunde braucht, sollte von keinem, der unsere Wege auf den Bergen kennt,^ernstlich bestritten werden. Unser einer macht einen Teil der hier in betracht kommenden Wege des öfteren zu jeder Jahreszeit, ca. 2 Kilometer, und braucht dazu, wenn er nicht erhitzt, im Schweiße gebadet am Ziele ankommen will, eine gute halbe Stunde; und er ist kein Kind mehr zwischen 6 und 13 Jahren, nicht „schwächlich", „blutarm", „schlecht genährt", sondern gesund und „gut 40jährig". Ich fragt mich — doch ohne Antwort — wie ist es nur möglich, daß von der Schulbehörde ver­langt wird, diese Kinder hier oben in den Bergen haben „unbedingt" diese Wege zu machen, wahrend anderswo schon nach einigen Tagen diese Verfügung zurückgenommen wurde — und dort ist der weiteste Sckmlweg 2,8 Kilometer, hier 4! Dabei sind die Wege dort eben, das Klima wesentlich milder;, denn dort sät der Bauer im Frühjahr Hafer und mäht das junge Grün, und hier oben müssen die Leute Schnee schaufeln! Tatsache! Tort sind in der Tat „die Verhältnisse anders gelagert" als hier oben. Die Folgerungen, welche die Schulbehörde daraus zog, waren aber wiederum „anders gelagert" — jene Kinder brauen ihren Schul­weg nicht viermal zu machen wie crnfäiHlich angeordnet war — wohl aber die Kinder hier oben auf den Bergen, da wird es „unbedingt" verlangt. Die Kinder von

men. Tort beginnen wir eia neues Leben. Die Schule des Leidens ist vorüber, mein armes, geliebtes Weib!"

Glücklich lächelnd nickt Felicie. .Voll inniger Frendtz bemerkt 'Norbert die Veränderüng in ihrem Antlitz. Die unruhige Beweglichkeit der Züge, das unstäte Flackern der Augen ist einem sausten, hoheits­vollen Ausdruck gewichen.

Leichtes Rot steigt bei seinem prüfenden Blick in Felicies Wangen.

,Hch suche Gerda ähnlich zu werden," flüstert sw leise.

„Meine Siet)!"

Und er umfängt mit starken Armen Weib und Kind zugleich.

Helles Kinderjauchzen durchzittert die , Luft. . . .

Und die Vogelein jubilieren und die Blumen blühen und duften. ...

Und goldener Frieden zieht ein in zwei schwer­geprüfte Menschenherzen.

— Chiistrosen. Als Christrosen bezeichnen wir di; rointeiblühenDen Arten und Formen der Nieswurz, Da sie teilweise zu Weihnachten ihre Blüt n entfalten, auch wenn Schnee und Eis die Erde bedeckt. Pflanzt man sie im September aus Dem Garten heraus in einen Topf mit kräftiger Erde, fo kann man Die Nieswurz sehr wohl wenigstens einige Wochen lang als Zimmerpflanze am Blumenfenster stehen haben. Erst im Teiember, bis wohin sie kühl ftehen müssen, bringt man Die Pflafnen an einen helleren und wärmeren Standoit und läßt sie ga> z alln ähltch an­treiben. Sind bte Blüten weiter vorgeichrilten, dann stellt man Die Top e an das Fenst r des Wohn­ummer«, sofern es nicht zu warm ist, oder bester roch zwischen Die Toppe lenster. Die Temperatur soll möglichst nur 10 bis 12 Grad C lsius betragen. Dabei ist retäliti für frische Lust zu sorgen, jedoch ohne schrosten Wechsel. Die gärtnerische Kunst bat in Den letzten Jahren herrliche Varietäten in allen Farben geichaffen, und Da man jetzt auch im -topf tultiDiene Pflanzen zu tauten beiommt, so sei jeder Frennb Der Zimmeroärtnerei aut Dreie „Weihtzrachts- ireuDe" besonDers aufmertiam gemacht.