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2X Jedes Land hat seine Krisen.

Weil wir in eigenem Hause Aufregung genug hatten, haben wir der jüngsten MinisterklisiS in Frankreich weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Man roei« ja auch, daß die Ministerien in Frank­reich kurzlebig sind. Ein paar Fahre bilden schon eine langweilige Ausnahme. Die Regel ist, daß ein Ministerium höchstens einmal das Neujahrsfest be­gehen darf. Das jetzt verschwundene Kabinett Bartbou hat sich mit 8 Monaten begnügen müssen. Der Ministerwechsel in Frankreich ist also ebensowenig aufregend, wie der Wechsel der Jahreszeiten, wenn er auch nicht ganz so regelmäßig eintritt. In Deutsch­land aber sind die Ministerien langlebig; eine Krisis, die den Ministerwechsel an die Wand malt, wirkt daher als eine außerordentliche Störung der gewohnten Beharrlichkeit.

Erklärt sich der Unterschied einfach aus der ab­weichenden Natur der beiden Regierungsfystem«? Hier das monarchische, dorr daS parlamentarische Regiment. Aber da stört England den Gedanken­gang. England bat das parlamentarische Regiment (mit dem König als lebenslänglichen Präsidenten der Repub it), und doch verbraucht die englische EtaatS- maschine verhältnismäßig wenige Minister. Das er­klärt sich so: England hat eine feste Parlaments­mehrheit, und die hat in dem Ministerium ihren ständigen geschäftsführenden Ausschuß. Frankreich hat keine feste Parlamentsmehrhert; die Gruppen verbinden sich heute und lösen sich morgen. Wenn eine neue Frage zersetzend auf die bisherige Mehrheit wirkt, so geht das Ministerium ab; der Präsident der Republik bildet ein neues Ministerium aus Männern, die für den Augenblick wieder eine neue Mehrheit zu bilden hoffen. Das neue Kabinett wurstelt dann so­lange fort, bis wieder eine neue Zersetzung der Mehr­heit eintritt. Bei der Leichtigkeit, mit der man dort zulande eine minifterstürzende Abstimmung herbei- führen kann, haben die persönlichen Streber und die parteipolitischen Ränkeschmiede in Frankreich ein so lohnendes Arbeitsfeld wie kaum sonst in der Welt. Diese Art der Geschäftsführung ist schlecht, und man kann sich nur darüber wundern, daß Frankreich trotzdem noch eine so hervorragende Stellung in der Welt zu behaupten vermocht.

AuS dem Vorstehenden ergibt sich, daß er in einem parlamentarisch regierten Lande eine feste Mehrheit geben muß. Es braucht nicht gerade eine einheitliche Partei zu sein, aber wenn mehrere Parteien die Grundlage des Regiments bilden sollen, so müßten sie auf Gedeih und Verderb in einem Block verbunden sein. Die gegenwärtige Regierung in England hat einen solchen Block hinter sich, und die Sache geht ganz gut. Als aber in Deutschland durch den Fürsten Bülow der Ver­such einer Blockpolitik gemacht wurde, scheiterte die Sache sehr bald und recht kläglich. Aus zwei Gründen: Erstens hatte Fürst Bülow, um überhaupt eine arithmetische Mehrheit zu erhalten, bte ge­samten Koniervativen und die gesamten Libe­ralen zusammenspannen müssen, von der äußersten Rechten bis zum linken Flügel der Fortschrittspartei, von Herrn v. Oldenburg bis zu Herrn Fischbeck. Zweitens haben wir kein parlamentarisches, sondern em monarchisches Regierungschstem, sodaß der sog. Block den eigenen geschäftsführenden Ausschuß, bie Klammer und die Belohnung für seinen Zu­sammenhalt, entbehren mußte. Es wurde tm Jahre 1907 smart dem Fürsten Bülow gesagt: Dein Block- syftem paßt nicht auf unsere deutschen Verhältnisse! Er bestritt es natürlich, und rote sein neuestes Buch zeigt, möchte er auch heute noch glauben machen, sein Block sei einem Unglücksfall zum Opfer gefallen, und nicht der erblichen Belastung. Aber die Tatsachen beweisen. Wir brauchen in Deutfchland feinen Block, und wir können uns bei bei Eigenart unserer Partei- Verhältnisse einen solchen Luxus auch nicht leist n. Freies Spiel der Kräfte unter monarchischem Regiment.

Krisen kann es dabei auch geben, rote bie Er­fahrung zeigt; sie kommen nur nicht so häufig vor wie in Frankreich und sie nehmen gern einen schleichenden Verlauf. In einer solchen schleichen- den Krisis stehen rott jetzt. Herr Bethmann-Hollweg hat eine sehr beträchtliche Einbuße an Ver­trauen und Ansehen erlitten. Er glaubt, er könne die Scharte wieder auswetzen, und der Monarch läßt ihm Zeit zu dem Veriuche. Wenn es nicht gelingt, so wird er doch die Konsequenzen ziehen müssen. Die Minister werden bei uns zu Lande nicht durch einen Parlaments-Beschluß gestürzt, sondern durch die Fehler, die sie begehen.

Bei einer vergleichenden Umschau an beiden Seiten der Vogesen muß noch em Punkt zu Deutschlands Gunsten gebucht werden. Wir haben bei der Beroil«

*1« Geschichte des Monistenklosters Unesma.

Ta der Monismus die Aufgabe übernommen hat, an die Stelle der bisherigen Religion zu treten, so Ser sich vor der großen und schwierigen Pflicht, enige, was die Religionen an Gutem und Wert- vollem bisher geleistet haben, in Gestalt von neu durchdachten und auf Grund der bisherigen wissen­schaftlichen Erkenntnis zeitgemäß rationalisierten Ein­richtungen zu übernehmen." So beginnt die 50. Predigt des Monistenbundeshäuptlings Professor Ostwald, gehalten im Jahre des Heils, da man schrieb 1912 (vgl. „Monistische Sonntagspredigten" II. Reihe S. 393).

Dieser starke Hasser der katholischen Kirche hat richtig gesehen, was das Ordenswesen zu be­deuten hat, und er will dieses auch für seine moni­stische Kirche fruchtbar machen. Also verkündet er in seiner Predigt „Ein monistisches Kloster", von welch hohem Wert ein klösterliches Leben für die geistig Begabten wäre, welche eine Unsumme von Energie aufbrauchen im Kampf mit den Plackereien der Kleinigkeiten des Alltags, die unendlich frucht­bringender dem Ganzen der Menschheit zugute kom­men könnte, dann wenn eine solche gemeinschaftliche Organisation dem einzelnen Mitglied die wirtschaft­liche Seite des Kampfes ums Dasein abnehme.

Und die Geschichte läßt sich billig machen: Denn „die Rechnungen von Hindhede zeigen, daß ein er­wachsener Mann, der täglich starke Arbeit leistet, sich unter völligem Wohlgefühl bei Kräften erhalten kann mit Nahrungsmitteln, deren Preis für den gaizen Tag an eine Mark noch nicht heranreicht ... es werden pro Kopf in runder Zahl 400 Mark fährlich für den ganzen physiologischen Unterhalt erforderlich lein" (397) Das ist zwar wenig, allein mit gutem Willen kann man weit dabei kämmen, zumal selbst hie Möel-chk'ft zu Luxusausgaben in Wegfall kommt durch Einführnnq einer eigenen Ordenstracht, die auch schon deshow zu wünsche- ist, damit die „mo-

ligung der HeereSverstärkung zugleich die DeckungS- frage gelöst. Mit vieler Mühe und nicht ohne empfindliche Nachwirkungen; aber es war doch ein Legen, baß ba reine Bahn geschaffen würbe. Frank- reich dagegen muß sich nun nachträglich mit bei Deckung herumquälen. Uebet einen Punkt bet Deckungsfrage ist bte gegenwärtige Krisis auSgebrochen, und bis zur Erlebigung der Finanz- und Steuerfragen wirb eS noch Dutzende von Streitfragen geben, welche oie Mehrheit ins Schwanken bringen unb bie Mini­ster stürzen können.

Wir haben ja Lasten unb Sorgen genug, aber wir haben hoch keinen Anlaß, bie Nachbarn zu beneiben.

A Für die Freiheit des Papstes.

Durch die Betätigung der italienischen Katholiken geht ein frischer Zug. Ein Beweis dafür ist die katholisch-soziale Woche in Malland, die eben zu Ende gegangen ist. Alle wichtigen die Katho­liken inlereflierenden Fragen religiöser und sozialer Natur, wie die Schulfrage, die Unauflöslichkeit der Ehe, die Verteidigung der öffentlichen Sittlichkeit, der Schutz der Ausübung des geistlichen Amtes, die Ver­teidigung der religiösen Genossenschaften wurden von den besten katholischen Rednern behandelt. Besonderes Aufsehen hat aber der Freimut gemacht, mit dem auf die Notwendigkeit einer Lösung der römischen Frage hingewiesen tourbe. Wir haben schon aus­führlich über die Rede des Erzbischofs Rossi von Ubtii berichtet, die eine Art internationale Gewähr­leistung für die Rechte des hl. Stuhles verlangte. Am Schluffe des Kongresses hat dann noch ein ande­rer Redner, der Präswent des katholischen Volksver­eins auf diese Frage hingewiesen. Präsident Graf della Torre gab dem Wunsche einer Versöhnung Italiens mtt der Kirche Ausdruck; diese Versöhnung kann nach seiner Ansicht aus der Verfassung des Landes heraus erfolgen, von Seite des Staates, ohne daß seine Souveränität angetastet wird. Gerade weil die italienischen Katholiken gute Untertanen und gute Patrioten, aber auch gute Katholiken sind, werden sie mit Freude den Tag erleben, an dem Italien mit dem apostolischen Stuhl Frieden schließt.

Wir haben aber schon betont, daß'durch die Reden in Mailand schwerlich schon eine Wendung in der Römischen Frage herbeigeführt werde, daß die von Erzbischof Rossi angeregte Idee wenig Aussicht auf Verwirklichung habe. In dieser Auffassung wird man bestärtt durch eine Note des offiziösen vatika­nischen Organs, des Osservawre Romano, der ver­spricht, sich später einmal zu geeigneter'Zeit zu den Mailänder Reden zu äußern, und einstweilen nur er­klärt, daß in Mailand „die Katholiken Italiens sich zu dem einzigen Zweck vereinigt haben, um die sie berührenden Fragen zu studieren, ohne den Anspruch darauf zu erheben, einer Entscheidung des in der An­gelegenheit allein kompetenten Oberhauptes der Kirche vorzugreifen oder seine Meinung zum Aus­druck zu bringen. Noch bezeichnender ist wohl, daß das Huldigungstelegramm der Sozialen Woche an den hl. Vater bis jetzt unbeantwortet blieb. In ihrer Festesstimmung hatten die Vorsitzenden den Papst als „den Ruhm des Vaterlandes" apostrophiert, vielleicht in der Erwartung, daß aus der Antwort eine Be­stätigung dieser nationalen Anwandlung und somit der "beiden Reden über die Römische Frage heraus­zulesen sein werde. Aus dem Schweigen des hl. Stuh­les auf diese Huldigung ergibt sich die Schlußfolge­rung von selbst.

Deutsches Reich.

)( Die Aufforderungen zur Abgabe der Vermögens­erklärung für den Wehrbeitiag toll seitens der preußi­schen Steuerbehörven an bte Versicherungspflichtigen bereits in den nächsten Tagen ergehen. Den Bei­tragspflichtigen werben bie betreffenden Formulare für bie Einkommens- unb Vermögensabgabe gleich­zeitig mit einer Anweisung über die Art der Aus- lülluna machen.

♦ München, 10. Dez. 1913. Kürzlich wurde durch die Bonisatiusblätter bekannt, wie un d u l d s a m man in Königslutter im protestantischen Braun­schwei g ist» wo die Regierung den dort ständig woh­nenden Katholiken nur alle 14 Tage katholischen Got­tesdienst erlaubt und das nur von März bis Oktober! Da ist es von Jntereffe, wie man in dem Überwiegend katholischen Bayern die konfessionelle Minderheit duldsam behandelt. Ja dem schwäbischen Städtchen Schongau leben unter 3000 Einwohnern 200 Pro­testanten. Diese besitzen schon seit Jahren einen eige­nen Betsaal und wollen jetzt eine Kirche bauen. Die Stadt hat chnen nun hierzu einen Zuschuß von 2000

nistischen Idealisten sich von vornherein als solche er­kennen lassen" (399).

Einen Streit und Zank gibt xs bei solchen Idea­listen natürlich nicht: denn „wenn jemals, was ja nicht ganz ausbleiben wird, der Geist des Eigen- sinaes und des Unfriedens sein atavistisches Wesen treiben wollte, so würde der energetische Imperativ im einzelnen Falle jedem schnell zum Bewußtsein bringen, wie unzweckmäßig das ist, was er zu tun gedenkt" (399). O du holdselige Unschuld im mo­nistischen Kloster, wo es nur der Erinnerung an die Zweckmäßigkeit bedarf, um alle Geister der Unzu- friedeaheit zu bannen!

Das also war im Jahre des Heils 1912. Der angekündigte Versuch wurde tatsächlich gemacht. Zu diesem Zwecke wurde ein Grundstück und zwar die Amtsschreibermühle bei Eisenberg in Sachsen-Alien- burg angetauft, und unter dem "Namen Unesma (in der Weltspache Ido — die erste) eine Genossen­schaft mit beschränkter Haftung gegründet. Nachdem die Monisten solchergestalt die Aufmerksamkeit auf ihr „Kloster" gelenkt, mußte man um so gespaatter auf die Verwirklichung des großen Planes fein.

Ein paar Monate später, man schrieb das Jahr 1913, und zwar im Monat Hornung, sieht sich die Klostergeschichte schon anders an. Ost­wald vermeidet schon die Bezeichnung „Kloster" und hält seine Predigt jetzt über die „monistische Siede- l u n g", und sie entpuppt sich nicht als eine Pflege­stätte "des Idealismus, sondern als — Geschä t §- unternehmen, und Ostwald versichert eine Gläubigen, daß die „wirtschaftliche und genossen­schaftliche Organisation der Kolonie sehr erhebliches Nachdenken verlangte." Jedenfalls hat Ostwald bei diesem „sehr erheblichen Nachdenken" erkannt, daß er doch nicht mit der Forderung der Abtötung und der Ernährung nach den Rechnungen von Hindhede mit Berufung auf die „Schwungkraft des monistischem Idealismus" vor das monistische Volk treten darf, und so eif ehr er jetzt von denen, welche in das moni­stische Paradies wollen, eine I a h r e s p e n s i 0 n von 1400 Mar' So die Vrebi"* vom 15. Febr

Mark gewährt. Dabei soll chnen der Betsaal schon bisher vo.r der Stadt unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden sein. So behandelt man in dem als „reaktionär und rückschrittlich" verschrieenen Bayern die protestantische Minderheit, während die Katholiken in überwiegend protestantischen Bundesstaaten, wie Braunschweig, nicht nur im bürgerlichen Leben in der kränkendsten Weise Zurücksetzu.ig, sondern auch selbst in der Ausübung ihres Bekenntnisses drü­ckende Behinderung erfahren.

Ausland.

△ Dänemark. Die Idee der Trennung zwischen Kirche und Staat macht in Dänemark F«tschrttte. D-e Radikalen unb die Sozialisten, imuH bte Regierung in den Händen haben, tun natürlich nichts dazu, um dieser Bewegung entgegen, zutreten. Zu der Ausbreitung dieser Bewegung haben auch Streitfälle zwischen den protestantischen Bischöfen und unbotmäßigen Pastoren in der letzten Zeit viel beigetragen. Sollte bie Trennung wirklich eintreten, bann kommen für die protestantische dänische Kirche schlimme Tage; besonders werden sich keine jungen Leute mehr finden, die protestantische Theologie studieren wollen. Deren Zahl ist heute schon für die Bedürfnisse her Seelsorge ungenügend

X Tie Deutschen im Kongo. Der Pariser „Ma- ttn" veröffentlicht einen anonymen Bries aus Bracca- ville, in dem erklärt wird, daß die Deutschen sich bei irhen Kolonisationsversuche.i in den neuerworbenen Kongogebieten unerhörte Grausamkeiten zuschulden kommen lassen sollen. Die deutschen Behörden — so sagt der Anonymus — zwingen die Eingeborenen auf die willkürlichste Art zur Arbeitsleistung. Den Ne­gern, die sich weigern, die ihnen übertragene Arbeit auszuführen, werde einfach der Kopf abgeschlagen. Die französischen Kaufleute in dem deutschen Kongo würden auf die mannigfaltigste Art und Weise schika­niert, und zwar um sie zu zwingen, dem deutschen Handel und der deutschen Industrie das Feld zu räu­men. — Die Nächstenliebe, die den französischen Herrn, der vorsichtshalber seinen Namen verschweigt, zu den beweglichen Klagen über die deutschen Greuel- taten veranlaßt hat, dürfte wohl in der Hauptsache von der deutschen Konkurrenz diktiert sein.

Ans dem Nachbargebiete.

* Lauterbach, 12. Dez. 1913. Die Gewerk­schaft „L u i s e" in Engelrod, die zum Brauneisen- fteinbergtoerf in Essen-Ruhr gehört, erwarb in den Gemarkungen Engelrod-Hörgenau ein zwei Millionen Quadratmeter großes Gelände zur Gewinnung von Eisenerzen, an denen die Gegend sehr reich ist.

* Aus der Rhön, 12. Dez. 1913. Das Vorgehen der Rhönklub-Sektion in Bad Kissingen, auf den schwarzen Bergen eine Schutzhütte zu errichten, findet Nachahmung. So wird Sektion Nürnberg auf dem Ei er Hauck, einem der - schönsten Aussichtspunkte des gesamten Rhöngebirges, ebenfalls eine Schutz- Hütte errichten.

♦ Burgsinn, 12. Dez. 1913. Die 45jährige Dina Alsheimer stürzte von einem hohen Scheunenge­bälk herab und verletzte sich schwer.

* Langendiebach, 12. Dez. 1913. Samstag, den 13. d. Mts., feiern die Eheleute Adam Kaiser in Lan­gendiebach, Pflasterermeister und Steinbruchbesitzer, das Fest der goldenen Hochzeit in voller Rü- ftigfeit.

* Hanau, 12. Dez. 1913. Von den vier wegen Totschlags an dem 72 Jahre alten Nachtwächter von Niederrodenbach vor kurzem in Untersuchungshaft genommeyen jungen Burschen aus Hanau sind der Hausbursche I. Beyer, der Taglöhner Franz Bertus und der Silberarbeiter Georg Gcrlach wieder aus der Haft entlassen worden. Der Hausbursche I. Rei­mann wurde in Haft behalten. — In dem vor kur­zem gegen die Ehefrau eines Schreiners ans Wind­ecken und einen Gesellen eingeleiteten Verfahren we­gen Giftmordversuchs sind die beiden Inhaf­tierten wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

* Frankfurt, 12. Dez. 1913. In der letzten Sitz­ung des Kuratoriums des hiesigen Kath. Arbeiter- fefretariats und Volksbureaus wurde anstelle des mit dem 1. Januar n. I. in eine andere Stellung über­tretenden bisherigen Sekretärs Fahrenbach der Arbei- tersekretär Honig in Offenbach a. M. gewählt. Er war früher Gewerkschaftsfekretär und hat seit einigen Jahren das Slrbeiterfefretariat in Offenbach mit be­stem Erfolge geleitet. Honig gilt als besonders tüchtig in allen Auskunftssachen und wird seine ganze Kraft einsehen, um den Aufgaben des hiesigen Arbeiter­sekretärs gerecht zu werden. — Der „Sachsehäu-

1913. Dafür aber soll die Welt ein bisher unge­sehenes Schauspiel erleben: trte Schwungkraft des monistischen Idealismus wird Wunderdinge Hervorrufen. Ostwald verkündet in dieser „Predigt" der ungläubigen Menschheit:

„Hier trat für mich die Erwägung ein, daß der monistische Gedanke gegenwärtig noch einigende und er­bebende Kratt genug besitzt, wo nur eine kleine Minder­heit innerhalb der foriaetchrittenften Menschheit sich g"nz und gar mit monistischem Denken erfüllt hat, und daß die Ausgabe durch diese unsere erste Siedelung gleichzeitig der Welt die lleberzeugung beizubrmoen, daß latsächlich monistisches Denken und Leben eine Ueber- windung der meisten und größten Schwierigkeiten er­möglicht, unter denen die gegenwärtige Menschheit leidet, einigende Kraft und begeisternde Wirksamkeit genug ent« alten würde, um di« hier vorhandenen Schwierigkeiten zu überwmden." »

Ilber siehe da! es ward Frühling und es ward Sommer und es ward Herbst — alles im selbigen Jahr 1913 — und als die Blätter fielen von den Bäumen, da fiel auch — das Kloster Unesma, fiel, ohne der Welt.anch nur auf Sirius- ferne die Wunderkraft des monistischen Idealismus gezeigt zu haben. Im Gegenteil! Es hat sich er­wiesen, daß diese monistische Menschheit noch nicht die Höhe des alten christlichen Idealismus erreicht hat. In der Zeitschrift „Das Monistische Jahrhundert" im Jahrgang 1913 (23. Oktober), S. 862, steht in Kleindruck — ganz gegen bte sonstigen Auslassungen über „Unesma", die in Großdruck veröffentlicht wa­ren -- die kurze Notiz:

Kolonie Unesma. Um mehrfachen An ragen zu entsprechen bezw. zuvorzukommen, wird 1 rerdurch mit ge­teilt, daß bie erste Berluchsreihe abgeschlossen ist und die bisherigen Teilnehmer übereingekommen sind, sich zu trennen. Das Unternehmen wird aus wenig öttanbetter Grundlage forge'et}’ W. Ostwald.

Zur Ergänzung dieser wenigen Worte fei noch mitgetcilt, daß ein in Berlin verteiltes Flugblatt wissen will, freiwillig seien nur zwei Personen ge­gangen. die andern seien gegangen worden.

Auch nicht übel. Das also ist das Ende der der Welt in Aussicht gefaßten Wunderle'^'ina xno.iv

ser Aeppelw 0 i" ist aufgefchUagen! Infolge der hohen Einkaufspreise der Kelteräpfel sind die Sachsenhäuser Heckenwirte mit dem Preise des Hohen­astheimers um 2 Pfg. für das Schöppchen heraufge- gangen, sodaß nunmehr drei Zehntel Liter 12 Psg wie in Frankfurt, kosten. In den Kreisen der Aepsel- Weintrinker ist man darüber wenig erbaut unb_ einige „Geschworene" wollen jetzt in Frankfurt ihr Schöpp. chen trinken. Allzu ernst ist diese Drohung Wohl .richt zu nehmen, denn auch die gemütliche Gesellschaft ist es, die viele nach „Zischebattem" lockt.

* Aus dem Taunus, 11. Dez. 1913. Der Zu ch t- häusler Tansie, der vorige Woche auf einem Gefangenentransport von Gießen nach Butzbach aus raffinierte Weise aus dem Zellentraasportwagen einen erfolgreichen Fluchtversuch gemacht hat, treibt anscheinend im Hinteren Taunus sein Unwesen. Tagsüber hält er sich in den Taunuswäldern auf, um bann nachts feine Streifzüge unternehmen zu können. In einer der letzten Nächte wurde in einem Metzger­laden in Dorfweil eingebrochen und Fleischwaren und ein Schlachtmesser gestohlen. Man fetzt diesen Ein­bruch auf das Konto Tomsics. Mittwoch abend fuhr ein Bäckerbursche von Obernhain nach Anspach, wo ihn ein Mann aus einem Wiesengrunde zum Stehen­bleiben aufforderte, Worauf der Bäckerburfche eiligst dem Gesichtskreise dieses Mannes, der einen Hellen Anzug (Sträflingsanzug) trug, zu entkommen suchte.

* Höchst, 11. Dez. 1913. Das Hattershei- merKirchenbauunglück hat das zweite Opfer gefordert. Der Maurer Röder aus Bierstadt ist sei­nen schweren Verletzungen erlegen. Den übrigen Ver­unglückten soll es verhältnismäßig gut gehen.

♦ Aschaffenburg, 12.. Dez. 1913. Ein neues Motorboot, dem Bauamte Hanau gehörig, hielt dieser Tage hier an. Es führt den Namen „Nire" und ist aus Zedernholz gebaut. Mit Hilfe des 22pfer- digen Motors legte das Fahrzeug die 34 Kilometer lange Stromstrecke von Hanau hierher in 3 Stunden zurück. Die Fahrt wurde zu Jnspektionszwecken aus­geführt.

* Vom Untermain, 11. Dez. 1913. Seit Jahren führen die Fischer des Untermains bittere Klage über bie infolge der Verunreinigung, ber Ausbaggerung unb Uletregulierung des Mains fortgesetzt zurück- gehende Fischerei. Der Verband der Berufs- fischer zur Bekämpfung der Verunreinigung des MainS und seiner Nebenflüsse hat nun an den preußischen Land­tag eine Petition gerichtet, in der es heißt: Der Preußische Landtag wolle beschließen, daß bezüglich aller Abwässer, die in den Main und dessen Neben­flüsse eingelassen werden, durch Gesetz bestimmt wird, daß hierzu keine Genehmigung erteilt wird und die hierzu erteilten Genehmigungen sofort eingezogen werden. Alle Industrien nfro. haben entsprechende Anlagen zu bauen. Uebertretungen müssen sofort zur Anzeige gelangen und Hastbarmachung für den ent­standenen Schaben in voller Höhe erfolgen. Ent­sprechende Mittel zur Hebung ber Fischerei müssen durch die Finanzverwaltung eingestellt werden. Wie die Pe ition nachweist, ist die Mainfiicherei von Aschaffenburg ab auf dem besten Wege, völlig aus­zusterben. Der Fischbestand ist auf ein Minimum zurückgegangen, der den Fang nicht mehr lohnt, und die wenigenFische schmecken nach dem übi reinftimmenben Fachurteil nach Karbol, Naphthalin, Petroleum un> allerlei chemischen Stoffen.

Literarischer.

DaS Märchen vom König Raub von H. Zeller. 131 6, Vertag von E. llngteich, Leipzig 1913. Geb. 2 ML Der alte König Raub, dessen Sohn in Gefangen­schaft geraten ist, zerstört und verfolgt in feinem Menschenhaß alles, was ihn umgibt, bis ein Mädchen ihn lehrt, seinen Groll zu überwinden. Das Mädchen wird die Braut des inzwischen ron Feen beste ten Prinzen. Wenn die Geschichte märchenhaft ist, 10 weiß der Verfasser in feiner Erzählungsart den Märchenton nicht immer zu treffen. Immerhin ist bte Schrift ein­wandfrei und kann empfohlen werden. P.

DcharbeS kürzeres Handbuch zum Religionsunterricht in dcn Elementarschulen, bearveuet von Jakob Ltnden 8. J Siebente Anklage. 731 Seiten. Paderborn, Ferd. Schöningh, 19:3. 6 Mk.

Die Deharbe'fche K Uechtsmu^erkläiuna erfreut sich in katechetilchen Kreisen vieler Sympathien. Da die Heine Ausgabe feit vielen Jahren vergriffen war, so hat P. Linden die Neuauslage besorgt, sich aber darauf be- lchränkt, an dem von Alters her erprobten Werte einige Verdessernngen vorzunehmen. Das praktische Handbuch bietet den Stoff tür den Religionounierricht in gedrängter Kürze und Uebernchtlichkeit. Die Neihensolge ist die des Fuldaer Diözesankatechismus. P.

stischen Idealismus! Noch nicht einmal ein halbes Jahr hat bie Geschichte gebauert. So wird es also wohl nach wie vor Sache des „dualisti­schen" Idealismus des Christentums bleiben, Klö­ster zu schaffen und auch Menschen dazu, welche sich in rückhaltlosem Idealismus, sogar ohne Rücksicht auf 400 Mark physiologische Unterhaltskosten in den Dienst der Gesamtheit der menschlichen Gesellschaft stellen. Und die monistischen Idealisten werden wohl in Zukunft dann nicht mehr das katholische Ordensgewand verspotten, denn sie haben ja von ihrem Haupt Ostwald gehört, daß es gut sei, daß solche Idealisten gleich als solche erkannt würden und daß die Klöster zu dem „Guten und Wertvollen" gehören, was die Religionen geschaffen haben.

— Zahnkrankheiten als Ursache von Haarausfall. Man hat schon wiederholt die Beobachtung gemachi, daß irgend einer Wirkung ganz oder teilweise eine wesent­lich andere, Ursache zugrunde lag, als man vermutete, wie es ja auch umgekehrt nicht zu selten der Fall ist. der Ausfall der Kopfhaare beruht zweifellos auf ver- schiedcnen Ursachen, oft aber kann man sich die Ursache durchaus nicht erklären, und so bekämpft man das Uebel mit ganz falschen Mit.ein. Schon vor Jahren behauptete der Pariser Arzt Dr. Jacauet, daß auch Zahnleiden einen starken Haarausfall zur Folge haben können. Seine Beobachtungen sind verschiedentlich nachgeprüft und durchaus richtig befunden worden. So stellte Dr. Rouffeau-Dccelle in Paris fest, daß in 70 Fällen von Haarausfall 25 auf Zahnkrankheiten zurückzuführen wa­ren, insofern nach Behebung dieser Krankheiten der Haarausfall schnell aufhörte und das Wachstum^ der Haare wieder in normaler Weise vor sich ging. Selbst ganz veraltete Fälle, in denen keine kosmetische und ärz.liche Kunst dcn Ausfall der Haare aufhalten konnte, trat nach einer geregelten Zahnbehandlung eine voll- ständige Gesundung auch des Haarschmuckes ein. Diese wissenschaftlichen Feststellungen dürften -allgemeine Bi achtung verdienen.