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Hafer, Kartoffeln, weibblühende Kartoffeln. Am Rande Schafgarben und bis tief ins wogende Korn hinein blaue und hellgelbe Blumen, Kornblumen und Gold­blumen.

Der Wind streicht abendlich durch die satten Aehren, die träumend und singend nicken und wogen;'noch drei Wochen und ihr fahrt zur Scheune, ihr reisen.

Zwischen diesen Aehren woynt «in stilles Volk. Die Bauerngüter sind klein, aber gut. Das Erbrecht, da« gilt, schneidet sie immer wieder auseinander. Minderbemittelten bieten bie neuen Fabriken Brot und Arbeit. Der Schlag ist von gutem Schnitt: rin konservatives, königstreues und religiöses Volk, von sittlicher Güte, von frischer Intelligent, von starker Gesundheit; rotwangige Soldaten, die dieses tüchtige Land dem Reiche gibt.

Ein Land frischer Abwanderung. Ein Quellland für Westdeutschland, bis in drffen Herr das hier ge­borene Volkstum pulsiert. Frauen, Beamte, Studierte, Kaufleute. Es wäre lohnend, einmal dem Schicksale derer nachzugehen, die auf den Bänken der Rektorat­schule Heinsbergs ihre ersten Vokabeln gelernt, oder die AuswärtS-Abonnentrn der örtlichen Presse zusam­menzustellen. Ein Heinsberger ist Begas,deS Bildhauers Vater; ein ChristuSbild von ihm hängt in der Pfarr­kirche oben. Der Jesuit Steilen und der Theologe Ester sind Söhne dieses Landes.

Durch das Fenster leuchtet die rotgelbe Pumpe. Mejsingblank greifen die Ringe uw sie und blitzt die Kugel unten. Die grünen Laden am Hause hinten lahren im Wind und der Blick fällt weil durch Türe und Pfosten inS Grün de» Gartens. Der Akazien­baum über unserem Fenster flüstert Lieder. Er ist des HauseS stiller Wa ■ ter und kennt jeoen. Heute träumt er von einem Land, das über die Höhen bis zu den Türmen von Sitlard steigt. Träumt vom nahen Holland.

Unten aber blitzen auf der Landstraße wie Glüh- wörmer die Lichter der Fahrräder, dir in langer Q.wJ nach Oberbruch *-hren LampionS in rascher

Folge. Eine Prozession der Arbeit. Drüben ein greller Streif. Fünf mächtige Linien durchbrechenden Himmel: die Schornsteine der Seideniabrik.

*) Die vorstehende Skizze entstammt der Feder des Leiters der Sozialen Sludentenardeit, des Herrn Dr. Sonnenschein, M-Gladbach. Sie wird unsere Seiet fesseln, einmal wegen de» auch bei un» im Lande wohl­bekannten tieriaffet', dann ober wegen de» Themas selbst. Der.Selfkant" (von Selskame---Tuchkunte--Stoß) mit der davorliegenden rheinischen Kreisstadt Heinsberg an der holländischen Grenze gegenüber Roermond ist ein ganz eigenartiger Erdenwinkel, so ganz anders, als untere bergige mitteldeutsche Heimat. Nicht nur landschaftlich, auch volkswirtschaftlich und velkSartlich ein Gebiet, da­selbst in unserer Zeit der Gleichpoliererei in mancher Beziehung noch mit dv» vollen Reiz deS Fremdartigen

unS r ii’

— Der Siegeslauf des Aluminiums. Die Palä­ontologen haben die Geschichte der Menschheit je nach dem Maierial, aus dem die Menschen ihre Werkzeuge gefertigt haben, in (vorläufig) drei Hauptabschnitte em- geteilt. Die Periode, in der der Mensch mit Hilfe von harten zugespihten Steinen, späterhin mit oft kunstvoll zugeschliffenen Steinwerkzeugen Bäume fällte und Hüt- ien errichtete, nennen die Gelehrten die „Steinzeit"; ihr folgte die „Bronzezeit", die endlich von der „Eisen, zeit" abgelöst wurde, in der wir noch mittendrin sieben. An Hand einer eingehenden Metallstatistik glauben nun einige Forscher feststellen zu können, daß die Tage der Eisenzeit in Bälde gezählt sein werden. Die Eisenlndustrie steht zwar wie nie zuvor auf dem Höhe, punkt ihrer Entwicklung und wird diese Stellung der- mutlich auch in allernächster Zeit noch behaupten. Allein der hohe Preis dieses Metalls, die stetig größeren An. spräche an die Qualität des verarbeiteten Materials haben es einem andern Material verhältnismäßig leicht gemacht, in bedrohliche Konkurrenz zu dem Eisen zu treten. Und dies Metall, dem die Gelehrten eine so entwicklungsreiche Zukunft Voraussagen, ist das Alu. minium. Während mit der Steigerung des Verbrauchs an Eisen der Preis für dieses Metall ständig gewachsen ist, ist der niedrige Preis für das Aluminium, obwohl auch dessen Produktion täglich wächst, fest geblieben. Diese Tatsache ist der Grund, weshalb sich das Metall immer mehr an die Stelle anderer, teurerer Metalle setzt. In den letzten zehn Jahren hat sich der Bedarf Ameri'aS an Aluminium gerade verzehnfacht; er betrug im letzten Jahre 28 0t") Tonnen, eine geradezu erstaun, sich hohe Zahl, wenn man berücksichtigt, daß das Alu. minium doch ein sehr geringes Gewicht hat. In berfek Ben Zeit verbrauchte Deutschland 16 000 Tonnen, Frank, reich jedoch nur 6000. Das ist jedoch erst möglich gewe­sen, nachdem eS gelungen ist, das Aluminium chemisch

Nach einer durch das Hilderser Musikkorps vorgetra. genen Ouvertüre hielt der Herr Dektions-Vorstand die Eröffnungs-Ansprache, worin er die angenommenen Fest, gäfte begrüßte und nebst dem Programme der Festlichkeit deren Bedeutung und Zweck erörterte, bann auf seine Majestät den Kaiser unb König in bereisten Worten über­leiten!), auf den allerhöchsten Landesherrn das drei, malige Hoch ausbrachte, worauf die Nationalhymne „Heil Dir im Siegerkranz" von der Musik intoniert wurde. In passenden Zwischenräumen fanden nun statt: Die unten folgende historische Festrede des Pfarrers Hohmann von Batten, Toastreden und die Verlesung von verschie- denen Begrüßungs-Schreiben zum Feste eingeladener Persönlichkeiten, voran die wohlgeneigten Zuschriften deS Kgl. Herrn Cberpräfibenten v. Ende und des Kgl. Herrn RegierungS-Präsidenten v. Brauchitsch. Persönlich aber war in Begleitung seines Sohnes erschienen Herr Oberst, leutnant Freiherr Arthur von der Tann-Rathsamhau. sen, dessen Ahnen von 1454 an während anderthalb Jahrhunderte, wie die Festrede nachweist, Besitzer dieses Auersberger Schlosses gewesen sind.

Im weitern Verlaufe wurden Reden mit Hochruf Denjenigen gewidmet, welche um bie Renovierung bei Auersburg (wie in neuerer Zeit die Burgruine kurzweg genannt wird) sich irgendwie verdient gemacht haben. So galt die Toastrede des Herrn Hagemann dem Herrn Ob'rpräsidenten b. Ende, bezugnehmend auf dessen ent­gegenkommende und erfolgreiche Bemühungen beim Kgl. Ministerium für die Erhaltung dieses baulichen Denk- malS, sowie auf seine diesbezüglichen Anweisungen an die ihm unterstehenden Behörden.

Den Verdiensten des mehrgenannten Herrn Kgl. Amtsrichters W. Hagemann, des begeisterten Natur, freundes und rührigen Sektions-Vorstandes, der schon vor Gründung des Rhönklubs die heute gefeierte Re- siaurierungs-Angelegenheit kräftig in die Hand nahm, und für dieselbe nicht bloß das Volk, sondern auch bie hohen unb höchsten Behörden zu interessieren wußte, widmete der Kgl. Herr Amtsgerichts-Sekretär Schmitt warme Worte, deren Widerhall in dem lebhaften Hoch der Versammlung Ausdruck fand.

Anlehnend an die früheren bayerischen Zeiten, in welchen die damalige bayerische Forstbehörde die Kon­servierung dieser Burgruine in Angriff nahm, und in diesen so lange verödeten Mauerhallen manches gesellige Fest bei dem bayerischen Nationaltrank gefeiert wurde, betonte Herr Pfarrer Breitung von Hilders besonders die Verdienste des Kgl. bayerischen Revierförsters Gaul unb beS Kgl. bayer. Forstwartes M. Schmitt, beibe zu Batten, bie aus ber Zahl ber Lebenden geschieden sind, deren Kinder aber hier unter uns weilen, und deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehren möge. Nun aber gezieme eS sich, daß bei diesem von unserer Sektion mehr nur inszenierten Volks, feste nicht bloß der Rhönklub, sondern auch das Volk seine Dankbarkeit ausbrücke, wie allen bereits genannten hohen Persönlichkeiten, so auch noch ber Kgl. Forst, unb Baubehörbe, insbesondere den Kgl. Herren Bauinspekior Hoffmann, Oberforstmeister Janisch, Forstmeister Gunkel, Oberförster Vilmar und Revierförster Schäfer, denen wir die vortreffliche Ausführung des heute von uns be- wunderten Treppenhauses und AuSsichtS-PavillonS sowie der Planierungsarbeiten, die Herrichtung der zur Burg führenden Spazierwege unb ber auf biefen wie im Innern angebrachten Sitze verbanken, was bie Versamm. lung durch kräftiges Einstimmen in das denselben auS. gehrachte Hoch bestätigt.

Auf der neuen bequemen Wendeltreppe stieg man fortwährend auf und ab, da man von ber geräumigen Plattform aus bei klarer Atmosphäre — zu Füßen habend den rings auS der Tiefe herauffieigenben präch- tigen Hochwald, unb int Rücken ben mächtigen Auers, herg, vor sich auf einige Stunden weit bas Ulstertal unb den Eckweishackter Talgrunb, die groteske Milse. Burg, die riesige Wasserkuppe rc., nach Norbwest in Blauer Ferne das Schützer Berglanb im Hessen-Darmstäbti- fdften erblickend — eine der herrlichsten inneren Rhön­ansichten genoß.

Von droben au8 ertönten bei Sonnenuntergang ben abziehenben Festgästen heitere Musikklänge bis in die weite Entfernung nach, untermifdbt mit Hochrufen auf bie henachharten Brüder, auf bie Bewohner der preußi­schen, bayerischen unb weimarischen Rhön, der fuldischen und hessischen Öanbe.

Geschichtliche Festrede bei der RestaurationS-Feier ber AuerSbura bei Hilders an ber Rhön am 24. Juni 1879.

Gehalten burch

Pfarrer F. Hohmann von Batten.

Hochverehrte Festversammlung!

Ein Bauwerk auS uralten Tagen, eine aus längst vergangenen Jahrhunderten stammende Burgruine, bei ber wir stehen, nimmt heute unser geistiges Interesse in Anspruch; und als neugeputzt will si« natürlich auch etwas über sich und ihre Lebensgeschichte erzählt wissen, nachdem sie, bie langvergessene, die lang ihrem Schick- sal üherlassene, vor kurzem von Seite hoher und höchster Behörden Beachtung gefunden und daraufhin zu ihrem alten Rocke sozusagen ein neues Mäntelchen bekommen hat in Gestalt von Mauerreparaturen, neuer Treppe unb Plattform ober AuSsichtStürmchen x. Bekanntlich sinb ja an dieser Burgruine, an diesem alten Schloß AuerSberg, im vorigen Jahre gewisse Reparaturen vor­genommen worben, ober besser gesagt, KonservierungS- (ErhaltungS-) Arbeiten, welche diese Ruine vor weite­rem Ruine schützen sollen. Durch denjenigen Herrn Be. amten nun, welchem das Verdienst gehört, diese bau. lichcn Arbeiten erwirkt zu haben, nämlich durch ben

Kgl. Herrn Amtsrichter Hagemann in seiner Eigen­schaft als Vorstanb ber Rhönklub-Sektion Hilders, ist mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, bei dieser Auersburg-Feier bie historische Festrede zu halten. Als geborener Rhöner und Hilderser glaubte ich dieser Rhönpartie mich nicht entschlagen zu dürfen. Ich will daher das Wenige, was über diese Burg an Nachrichten in ber VolkSsage, sowie in ein paar Büchern unb Ur- künden zu ermitteln war, in chronologischer Reihenfolge Ihnen vorführen.

$a' im Jahre 1354 laut Bericht des fränkischen Ge. schichtSschreibers Frieß das Schloß Auersherg als Amts. Wohnung neu erbaut worden ist, aber schon vor diesem Zettraum in Urkunden vom Amt oder Gericht AuerSberg Meldung geschieht, so muß auch schon früher ein Bau- werk hier gestanden haben. Daß dies ursprünglich eine Ritterburg gewesen, ist höchst wahrscheinlich schon wegen ber zu Ritterburgen so gern benutzten bergigen Lage, fobann auch deshalb, weil überhaupt biefe Rhöngegenb in früheren Jahrhunberten nicht wenige Burgen hatte, alS: bie Burg EberSberg, bie Burg in Poppenhausen, die Burg Eberstein auf dem Tannföldsch-Küppel bei Brand, die Burg Grumbach in Wüstensachsen, Burg ober Schloß Tann, die Burg Haselstein, die Hillenburg, bie Lichtenburg, bie ehemalige Burg auf Bieberstein, bie auf bem Roggenstuhl u. f. w. Zudem besteht auch über das Erlöschen des Adelsgeschlechtes dieser AuerS- burg eine im Ulstertal von Alters her verbreitere, mit geschichtlicher Zuversicht festgehaltene Volkssage, weiche an Stelle der mangelnden urkundlichen Nachricht vorzn. tragen mir gestattet fein möge.

Die Sage erzählt: Die letzte Besitzerin der Burg habe über bie Ulster fahren wollen bei sehr hohen, Wasserstande. Deshalb habe ihr Pferdelenker großes Bedenken getragen, jedoch, da die Dame darauf bestand, sich drein ergeben mit ben Worten: „So will ich in Gottes Namen hinüber fahren," worauf sie ihm zu. gerufen: „Fahr' zu in Teufels Namen!" Sie sei bann bei der Ueberfahrt in die starken Fluten hineingerissen worden und ertrunken, ber Fuhrmann aber fei mit den Pferden glücklich hinüber gekommen, habe auf der andern Flußseite sich hinaufgemacht nach HilderS, unb hier dem Ortsschulzen das Vorgefallene angezeigt. Die. fer habe dem Pferdeknechte unter Versprechen einer guten Belohnung Stillschweigen auferlegt, damit nicht sonst einer sich der Burg bemächtige und sei sofort nach Würzburg geritten, um dort die Sache anzumelden. Darauf sei die Burg von Würzburg her in Besitz genom. men worden. Unb in würzburgischern Besitze treffen wir sie auch an beim Auftauchen der geschichtlichen Nachrichten. Einen sichtbaren Stützpunkt hat bie Sage an einem Denkstein, welcher hier unten in ben Hilberser Gemeindewiesen, im sogenannten Rosegarten (eigent. sich und ursprünglich Rossegarten ober Roßgarten) nahe an der Ulster steht, an dem Platze, wo früher nach Er. innerung öfterer Leute eine Uebersahrt-Stelle war. Dieser sogenannte Kreuzstein hat auf der einen Seite eine Vertiefung mit dem vormals besser erkenntlich gewesenen Kreuzzeichen, welches jedoch eben so wie die auf der andern Seite nach Zeugnis alter Leute gestan­dene Inschrift schon fast ganz verwittert ist.

Im Anschluß hieran lasse ich nun aus Jägers SBrie­fen über die Hohe Rhön, einem 1804 in Rudolstadt er- fchienenen Bucke, die hierher bezüglicke Stelle folgen, welche also lautet: „Ich lasse dahingestellt sein, ob je. malS eine Familie von AuerSberg hier gewohnt habe, die einer Sage nach auSgeftorben fein foll, indem die finberlofe Witwe, als sie bei angesckwollenem Ulster, fluffe aller Vorstellungen ihres Führers ungeachtet durch den Fluß fuhr, ertrank, wonack bie Güter an Würzburg zurückgefallen fein sollen. Alles, was uns die Ge­schichte sagt, ist -dieses, daß Graf Berthold VII. von Henneberg das AuerSberger Sckloß im Jahre 1325 von Würzburg erkaufte, und daß es unter Bischof Albrecht schon wieder an das Würzburger Stift zurückgekommen war, indem dieser Fürst im Jahre 1354 dasselbe al? eine nötige Wohnung des Amtsmannes von neuem auf. baute, laut Frieß, fränkische Geschichte, S. 642." liebet diesen Verkauf und Rückkauf sagt Jäger an einer an. deren Stelle: „Der Besitz des Amtes Auersberg durch die Grafen von Senneberg war von feiner langen Dauer. Obgleich Bischof Wolfram aus Not u. a. auch dieses gedockte Amt an den Hennebergischen Grafen Berthold VII. im Jahre 1325 verkaufte, laut Schulte'? diplomatischer Geschickte beS Hauses Henneberg, so löste es doch Würzburg bald wieder ein."

Im folgenden Jahrhundert ist baS Schloß AuerSberg zweimal, 1419 unb 1454, auf Rückkauf verkauft worben. Solches Verkaufen ober Verpfänben einer Burg ober Landschaft au« Geldnot kam ja nicht selten vor, wie z. V. mit der Mark Brandenburg zwischen Kaiser Sigis­mund und dem Nürnberger Burggrafen von Zollern; auch über die ehemalige Burg auf Bieberstein wird Berichtet: „Mehrmals wurde die Burg Bieberstein von den Fuldaer Aebten wegen Geldverlegenheft verpfändet, aber immer mit der Zeit wieder auSgelöft und neu hergestellt."

lieber die zwei Verkäufe ober Verpfändungen des Schlosses Auersberg 1449 und 1454 erfahren wir ben urkunblicken Bericht aus bem Buche: Geschichte ber Frei. Herren von Eberstein und ihrer Besitzungen. Noch Quellen bearbeitet von LouiS Ferd. Frhr. v. Eberstein, k. preußischer Ingenieur-Hauptmann a. D. Sonders- Hausen 1865.

Zuvor aber möge über diese noch existierende frei, herrliche Familie von Eberstein hier Platz finden folgende Zwischenbemerkung: Die Stammburg derselben war die vormalige Burg auf dem sogenannten Brander Kopf ober dem Tannföld-Küppel bei Brand, welche Ritter, bürg 1282 durch vereinte HeereSmacht des Würzburger

♦ Heinsber g.*)

Von Lindern rech» in’» Land hinein. DaS elek­trisch ' Licht de» Güterbahnhofer leuchtet rötlich in dem Lokomotivendampf. Eine erste Anstrengung die An­höhe hinan.

Wir sind im Roertale. Alluvialland, Tonschichten unter dem Wirsenboden; daher sumpfig. So umfängt un8 da» zitternde Grau der kanadischen Pappeln und der langarmigen Weiden; blühend« Weiden, ganze Felder hinab. Recht« und links der Bahn dreieckige Erdausjchnitte, in denen da« blank« schwarz« Waffer spiegelt. Schilfrohr am Rande; hier und da eine kleine wilde Ente im See.

Randerath, Porselen, Dremmen, Grebb«», HeinS- berg. Ein spitzer Turm, ein leichter Hügel, eine monumentale Kirche, daS Wahrzeichen des Hochplateaus und der Niederung. Die alte Burg am Eingänge zum Selfkant, dem kleinen einsamen Stück Land, das rechtSwinkelig von hier in« Holländische einbuchtet.

Im Tale schleicht die schwarze Wurm. Ein paar schmale Mühlenräder rauschen. Die Weiden duften. Zwischendurch Wiesenland und kleine rotdachige Häuser, Stäbe an den Gartentüren und Heine grüngedeckie Fenster. Da an der Ecke ein Kreuzbild mit Johan­nes und Maria und vielen, vielen roten und weißen Rosen. Höher hinauf steht das Korn; Korn, Weizen,

♦ Auersberg im Ulstertale.

Die am Ulsterfluste auf Jteil abfallendem bewaldetem Bergvorsprung malerisch gelegene fiskalische Echloßruine AuerSberg im Kreise Gersfeld, steht bei allen Bewohnern deS vorhin fränkischen Landamtes Auersberg oder Hilders in hohem An- sehen und wird immerfort von vielen Fremden be­sucht. Die Königliche Forstbehörde hat mehrere bau­liche Defekte daran wahrgenommen, welche den Zu- ttüt verbieten. Daher hat sich der Vorstand des RhönklubS HilderS mit einem durch dieselbe zu über­reichenden Gesuche an die Königs. Regierung zu Kassel gewandt, um Uebernahme und Ausführung der nötigen Reparaturen aus Staatsmitteln. Den Ausführungen des Gesuche» liegt als Belegstück bei der vor 34 Jahren in der .Fuldaer Zeitung' ab­gedruckte, dem »Hessischen Wochenblatt’ entnommene Bericht vom allerersten Volksfeste aus Echloßruine Auersberg am Sankt Jo- hanniSseiertag, 24. Juni 1879, welcher damals das allgemeine Interesse erregte. Da derselbe nahezu vergeffen ist, so geben wir denselben auf mehrseitiges Verlangen nachfolgend unverkürzt wieder:

Am St. FohanniSfeste, 24. Juni er., nachmittags, wurde von ber Rhönklub-Sektion Hilders unter großer Beteiligung ber dazu eingeladenen Bevölkerung der Umgegend die Restaurierung dar auf einem bewaldeten basaltischen Vorsprung deS StuerSbergeS V* Stunde von Hilders gelegenen Burgruine gefeiert, welche, im Volks- munde bas alte Schloß genannt, vormals bas Eigen­tum adliger Herren, und später bis vor etwa 200 Jahren Amtssitz gewesen ist. An derselben stehen nur noch die Umfassungsmauern von 40, 60 bis 80 Fuß Höhe, ein Fünkeck bildend, im unteren Geschoße mit Schieß­scharten, im oberen Stocke an zwei Seiten mit Fenster- Öffnungen versehen. Die hohen Mauern sieht man schon von weitem, überragt durch noch höhere aus dem inneren Burgraum emporstrebende Baumkronen.

Bereits in ben fünfziger Jahren war burch bie kgl. bayerische Regierung bie Hinwegnahme von Bausteinen auS dem Ruine-Gemäuer verboten, der fast verschüttete Eingang aufgeräumt, das Dickicht im Innern und Aeußere ringsherum gelichtet, und so die unheimliche Wildnis zugänglicher und freundlicher gestaltet worden, so daß von dort an manches fröhliche Waldfest daselbst gefeiert werden konnte.

Da in neuester Zeit baS Mauerwerk immer mehr einstürzte, unb vielfach der Wunsch geäußert wurde, daß diesem bedauerlichen Verfall, irgendwie entgegen« getreten werden möchte, ließ ber nachmalige SektionS. Vorstand, der kgl. preußische Amtsrichter Herr Hage, mann zu HilderS, durch Sachkundige prüfen, ob und welche Vorkehr gegen weiteren Verfall könnte getroffen werden. In Folge dessen ward über die vorzunehmende Reparaturen unb zugleich über die Errichtung • eines Nussicht-PavillonS ein vorläufiger Entwurf gefertigt, und wurde durch Herrn Hagemann im Mai 1877 ein an die kgl. Regierung gerichtetes Bittgesuch in Umlauf gesetzt, welches mit 448 Unterschriften der angesehensten Bewohner der umliegenden Ortschaften sich bedeckte. Diese Petition, die Erhaltung der AuerSberger Burg­ruine bezweckend, weist darauf hin, daß einerseits die. selbe die einzige erhaltene Ruine beS obetn UlstertaleS ist, bereits von ben meitentfernten Hessischen unb Wei- marifdjen Höhen her ben Blick fesselt, aus bem Staats- forste als ein hohes, ganz umschlossenes Mauer-Fünfeck ijerborragt, unb so in landschaftlicher Beziehung das wertvollste Objekt der Gegend bildet; daß anderseits diese Burg auch ihre geschichtliche und volksmäßige Be­deutung hat, insofern sie, nach AuSsterben ihres sagen- haften adligen Geschlechtes im Mittelalter vom Hoch, stift Würzburg in Besitz genommen, am Schloß AuerS- berg Jahrhunderte lang ben HerrschaftS-, Amts- und Gerichtssitz für die umliegenden würzburgischen Ort- schäften bildete, mithin auch als altes staatliches HoheiiS. Zeichen der Erhaltung wert sei. Unter Beifügung eines detaillierten Kostenvoranschlages und einer Situations- Zeichnung wurde das Bittgesuch an ben Königlichen Cberpräfibenten Herrn Freiherrn v. Enbe' zu Kassel eingefanbt unb hatte einen erfreulichen Erfolg. Nach neueren Plänen des Kgl. Herrn Bauinspektors Hoffmann zu Fulba, amenbiert im Kgl. Ministerium zu Berlin würben bie in Rebe stehenden baulichen Arbeiten zum Preise von ca. 1700 Mark genehmigt, im öffentlichen 23er. strichStermin im Sommer vorigen Jahres durch Unter, nehmer Fritz übernommen und im vorigen Herbst her- gestellt unter Kontrolle des Herrn BauinspektorS. Zu. gleich hat bie Kgl. Forstbehörbe die entsprechenden Pia. nierungS-Arbeiten vorgenommen; die Wege hergerichtet und sowohl an dem vom Julierhof hinanführenden Fußsteig als auch im innern Burgraum Sitze anbringen lassen.

Für die Festfeier war der frischuntermauerte Tor- bogen und das Türmchen mit Kränzen geschmückt, auf dessen Dach die preußische Fahne aufgepslanzt, beSglei. chen in dem innere Schloßraume, dem Hauptfestplatze, an den Bäumen die deutsche, die alte fränkische und die bayerische Fahne angebracht, auch für Speisen und Ge- tränke durch vier Restaurationen reichlich gesorgt. DaS Fest, durch Böllerschüsse angelünbigt unb von beren oftmaligen Salven unb Echos begleitet, verlief in der heitersten Weise unter musikalischen unb rednerischen Vorträgen und ftöhlicher Unterhaltung bei Speise unb Trank, besonders bei dem reinen, vortrefflichen Rhön- Bier.

Fürstbischofs und des Fuldaer Fürstabtes erobert und Seschleift wurde. In neuester Zeit ist durch die preu.1 ische Negierung bie Benennung „Ruine Eberstein" wie. ber gestattet worben.

AuS jenem Buche nun, welches ber Herausgeber auch an einige unserer Nhöngemeinden als Geschenk gesendet hat, seien entnommen folgende Stellen:

Mangold I. von Eberstein (f 1448) vermehrte feine suldischre, hanauischen und würzburgischen Besitzungen. Im Würzburgischen besaß er Anteile an den Schlössern Marksteinach und AuerSberg. — Anno 1419 stellten die vier Brüder von Ebers'em einen Revers darüber aus, daß ihnen Bischof Judr.-m zu Würzburg für 2200 Gulden rhein. daS Schloß und Gericht AuerSberg nebst ben dazu gehörigen Dörfern und Wüstungen auf einen Wiederkauf verkauft habe. (Abschrift der Urkunde be­findet sich im Königs. Archiv zu Würzburg.',

Der Anfang der Urkunde lautet also: „Anno 1419. Wir bis» hernachgeschribene Eberhard, Mangold, Karl Peter und Gerlach von Eberstein gebrubere bekennen, daß uns bet hochwirdige Fürste unb Zerre Herr Jo­hannes Bischof zu Wirzburg mit wissen und willen seine? Capitels des TumstiffteS zu Wirzpurg verkauft hat das SloS ursperg mit allen Dorffern. Wüstungen und andern zugehorungen uff einen Widerruft."

Der bischöfliche Kaufbrief beginnt folgendermaßen: „Wir Johannes von goteS gnaden Bischoff zu Wirzpurg, bekennen, daß wir verkaufst haben unser und unserS Stiftes SloS Urzperg mit der nutzunge der halben Wustnng zu Branda und mit allen rechten und getoon. heften aller andere borffet und Wüstung, bie zum gerichte gen ursperg gehören, nämlichen bas borff Hilt- richs, die Wustung zu Schatten, das borff larbach, daS borff Symershufen, die wustung Sachsen, die wustung Syfribs, die wustung zu Teilen, die wustung zu patten, die wustung zu whckers, die wustung zu Fundlos, die wustung Branda halb, die wustung zu Rewelberge, (u. s. w.) Anno Domini 1419. Doch füllen sie davon nichts berfeuffen noch empftemben." (Revelberge =3 das jetzige Reulbach.)

Seite 4Y1 des Eberstein'schen Buches wird berichtet, daß bei ber brüderlichen Teilung Eberhard und Man. gold das Schloß AuerSberg erhielten. In der Urkunde Nr. 356 (S. 495) quittiert Mangold von Eberstein die von Bischof Johannes erhaltenen Zinsen, welcher Burger unb fiat Flabungen jerlich an Eberstein schuldig waren.

Im Jahre 1454 wurde von Bischof" Gottfried baS Schloß AuerSberg abermals (nachbem eS also mittler. weile wird eingelöst worden sein) an Philipp I. von Eberstein und Hans von der Tann wiederkäuflich ver- kauft. Auf S. 505 findet sich die Urkunde, wonach Hans von der Tann und Philipp von Eberstein dd. 26. April 1454 einen Revers darüber ausstellen, daß ihnen Bischof Gottfried zu Würzburg für 2200 fl. rhein. das Schloß und Gericht Auersperg nebst den dazu ge. hörigen Dörfern und Wüstungen auf einen Wiederkauf verkauft habe. Als nach bem Tode Philipps I. von Eberstein bie Familie von ber Tann auch ben Eberstein. schen Anteil vom Gericht Auersberg an sich gebracht,! gehörte die eine Hälfte der Mark Brand den Herren von, der Tann, die andere Hälfte dem Stifte Fulda, und' seit jener Zeit wird der Berg, auf welchem noch heute die Ruinen der 1282 geschleiften Ebersteinburg liegen, nicht mehr der Eberstein, sondere im dortigen Dialeft der Tann-Fold'sche Stoppel ober baS Tannsöldsch genannt.

Der 7. Abschnitt des Eberstein'schen UrkundenbucheS enthält Nachrichten über die Streitigkeiten, welche Simon von ber Tann und ber Vormund ber Kinder Philipp I. von Eberstein wegen des Schlaffes AuerSberg mit der Stadt Fladungen im Jahre 1477 hatten. In diesem Jahre 1477, am 17. März legte Bischof Rudolf von Würz, bürg die Irrungen in der Güte bei, welche zwischen Simon von der Tann und Philipps von Eberstein Kinder-Vormund einerseits und der Stadt Fladungen anderseits wegen der denen von der Tann unb von Eberstein auf die genannte Stadt verschriebenen Jahres» rente von 134 fl. rhein. obwaltete.

Seite 525 10. April 1521. Mangold von Eberstein verzichtet gegen Empfang von 60 fl. rhein. auf die bei bem AuerSberg gelegene Wüstung Schonten, da ihm Bischof Konrad zu Würzburg angezeigt, daß, nachdem da? Stift Würzburg den AuerSberg wieder eingelöst, dieselbe den B. Rudolf und B. Lorenz alS die ihrige ruhig inne gehabt, auch deren Amtleute zum AuerSberg und Fladungen als Zubehör zu diesem Amte genutzt hätten.

Weitere Berichte au8 Jägers Rbönbriefen. Durch ben berühmten tatkräftigen Bischof Julius von Würz, bürg, der von 1573 bis 1617 regierte, „wurde das 1454 verkaufte Schloß und Amt AuerSberg wieder eingelöst, und wurden von ihm an dem Schlosse nochmals 472 fl. 21 Pf. verbaut. Wegen seiner unbequemen Sage wurde es gegen Ende deS 17. Jahrhunderts nicht mehr be­wohnt und daher feinem Verfall überlassen. Die noch stehenden Mauere zeigen die Einfachheit des Gebäudes, und beweisen, daß es nicht miS Absicht angelegt wurde, um von da au? Räubereien vorzuwehmen unlb sich wieder gegen Anfälle zu schützen."

Nicht leicht ist zu entscheiden die Frage, seit welchem Zeitraum oder Jahrzehnt baS AuerSberger Schloß nicht mehr bewohnt, oder seit wann eS nicht mehr als Amts­wohnung benützt, und der Amtssitz nach HilderS bet.; legt worden sei. Zwar findet sich im ältesten Hilderser Vfarrbuch schon zum Jahre 1591 die Taufe eines Kindes deS Hilderser Amts-KellerS, Jacobi Wertzneri Cellarii Hiltersensis, und 1593: Patrina Elisabeth Jacobi Wertzneri Cellarii Hiltersensis uxor. Allein dieser Beisatz Hiltersensis scheint hier nicht sowohl den Wohn.

rein zu gestalten. Namentlich die Brauindustrie hat sich beS leichten Metalls rasch bemächtigt. Bis vor kurzem war eS für die Sierbereitung nicht zu gebrauchen, weil, das unreine Metall zu sehr angegriffen wurde. Jetzt benützt man daS reine Metall mit Vorliebe anstelle ber viel schwereren Holzbüiten. — So erobert sich das Alu­minium allmählich neue Gebiete. Vielleicht gehen wir gar einer „Aluminiumzeit" entgegen. tk-

— Chick. DaS Wort .Chick" ist seit einiger Zeit bei uns in Deutschland sehr in die Mo»« gekommen. Mutmaßlich deshalb, weil die Leute es für französisch halten und — ,fo ein bischen Französisch ist doch wunderschön", heißt es schon in einer alten Berliner Posse. Ich freue mich immer ganz diebisch, wenn ich es irgendwo lese, besonders in so schönen Zusammen­setzungen wie .sehr chick". Und wissen Sie auch, weS- halb ich mich so freue? Nun, weil das Wort, so ge­schrieben, überhaupt gor fein Wort ist, denn französisch müßte es .chic" geschrieben werden und deutsch muß eS .schick" heißen. Am allermeisten aber freue ich mich, weil wir das Wort .schick" nicht etwa von den Fran­zosen entlehnt baden, sondern umgekehrt die Franzosen das Wort .chic" von uns. Und das ist doch gar nicht lange ber, denn erst vor ein paar Jahre? hat ihm eie Alademie Franonse Bürgerrecht erteilt. Aber das wissen die guten Leute nicht, die es schick finden, das Wörtchen chick zu gebrauchen, weil das doch nach ihrer Meinung so viel gebildeter aus'ieht als das gewöhnliche schick. Dieselben Leute würden freilich nicht daran denken, cbic oder chick zu schreiben, roentv sie sagen wollen, daß der oder jener zu einer Sach« besondere Schick bat.

— DaS schlimmere Hebel. „Frau Schulze ist di Treppe herunter gefallen und hat sich die Zunge mitten durchpebissen." — «Der arme Mann." — .Wieso?" — Na, mit Frau Schulze war eS schon ichlimm genug, als sie nur eine Zunge halte, aber jegt sogar z»ei . . . >"