Fuldaer Zeitung
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Illustrierte Sonntugszeihing
Nr. 86
Crftes Blatt.
Donnerstag den ll. Dezember 1913
40. Jahrgang.
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I man anders verfahren, so würde man denjeniaen, die im I KrieaSfalle die Verantwortung allein tragen können, und I die sie daher im Frieden allein tragen müssen, diese aus I der Hand winden, und man würde damit den Grund. I stein unterhöhlen, auf dem unsere Armee ruht. (Sehr richtig! rechts, Sachen link,.) Es ist I dann über die Verlegung der beiden Ba. I taillone gesprochen worden. Ich möchte den Er- 1 örter'tngen darüber nicht folgen, für wen sie eigenllich I eine Strafe sein soll, wer dadurch mehr geschädigt trnrb, I ob die Garnison oder die Unteroffiziere und die Mann. I schatten denn eS bandelt stch um eine Maßrea.-l, die I notwendig war. Soviel über Fabern. ES 'st dann I noch von Dr Spabn darauf einaegangen worden auf den Fall Knittel. Der Leutnant der Landwehr
I Kn-fe! hat soviel ich weist, Revision gegen doS ihm I ungünstige Urteil eingelegt, und ich möchte deshalb dar. I auf nicht einaeben. Aber das eine kann ich schon heute I erklären, daß ich mit meinen beiden Herren I Amtsvorgängern in dieser Frage aus «ganz demselben Standpunkt stehe, und I Zwar: Die Betätigung eines CffizierS deS Beurlaubten. I ftanlws in politisch. Sinne ist erlaubt. Ein Offizier aber, I der sich in antinationalem oder antimonar.
Keschern Sinne betätigt, kann nicht im Heere belassen werden. Da er noch heute als Offizier des Beurlaubten, stände, der Armee angehört, trotzdem gegen ihn und fein Verhalten bei und nach der Landtagswahl von 19«« die Untersuchung längst durchgessthrt und abgeschlossen ist, dürste daS eine zweifellos feftsteben, dast an mast, gebender Stelle dem Leutnant der Landwehr Knittel der Vorwurf antinationalen und a n t i. monarchischen Verhaltens nicht gemacht worden ist.
Ada. v MornwSki -Pole)- Die Beschwerden in Elsast.Lotdrinaen sind stcherli» berechtigt. Bei un8 ist s ähnlich, meist noch schlimmer. Dies»? System, das gegen unS anaewendet wird, ist unmoral,sch.
Präsident Dr. Kämvk ruft den Redner zur Ordnung.
Aba v MornwSki ffort,nhrenb'1: Mir werden aber j troft dieses Sy iemS wetterkämpsen. (Beifall bei den Polen.)
Abg. Frhr. v. Gamp lRp.l: Ein Niedergang der Konsunktur ist unbestreitbar. In der Frtae de? ReichSbankdiSfontS sollte ein ErvolSe veröffentlicht werden. Bor der übergroßen Zulassung der auslän» dikchen Papiere muß gewarnt werden, außer wenn polt, tische omente mitsprechen. Der bohe ZinStuß beeinträchtigt die aanze wtrtschaitltch« Lage Deutschland». Unler Bankdiskont ist viel zu doch. Diese Sache ist ernster, al, Fabern. lSebr richtig! rechts.) Der Reich?. kan,ler sollte eine Äommiffion >ur Unterfuchnng de? Die. konitraae einsetzen. Der Schutz der Ar dettSwilliaen muß ernstlich in? Auge gefaßt werden. (Huntf: Scharfmacher !) Bei Fabern möchte man wünschen, daß da? I Militär nicht eingegriffen hätte. Dazu ist die Polirei da. I Den Arbeitswilligen muß man, wie die Dinge liegen, I einen Revolver iu ihrem Schutze in die Hand geben I lGrnße Unruhe und Zurufe der Sozialdemokraten — I Prästdent D-. Kämpf e teilt wegen eine» Zurufes der I Soz. einen Orbnunofruf.1
Reichskanzler v. Lethmann-Hollweg: Der Mißbrauch des Schutzes des Koaiitionsrechts bat I un? schon frühe, beschäftigt. Gegen Aufwüchse kann I n ich, d urch Ausu ahmeae i etze eingelchrMen werden. Bravo!) DaS KnalilionSrecht kann nicht eingetdbrfinlt I werd en. Es ist bedingt durch die Entwickelung der Dinge unv ist notwendig für Arbeitnehmer und Arbeitgeber Au?wüch<en muß man entgepentreten, und zwar au> I zivilrechtlichem Wege. DieHaftung derKoalition für ihre Mitglieder muß ausgesprochen werden. I Im Zusammenhang mit dieser Frage fte,tdie derRechts- 1
r den StatOpunkt. den er in der Za.
Bcrnr-r Anaelsnheit eivoonchnmen hat. (Lobb. Beifall! e h. d. Soz.l Wenn Sie mich auch mit
Pfuirufen beimpfen, so ist mir daS ganz gleichgültig. . Pggfche.: Wenn ich wüßte, wer die
StaatSsekre Kühup Graf Westarp hat die Wirkung der Zuwachswr als »Besißsteuer kritisiett. Zuwachs, steuer und W beitrag Höngen eng zusammen. Darin hat der Barre r recht, daß der Bundesrat den Wehr, beiirng nicht zfner dauernden Einrichtung machen will
Abg Dr. emer (Bvi.): Wir weichen in unserer Auffassung ü dar Mißtrauensvotum vom Zentrum und, den Nationalliberalen ab. Da die So. zialdemokratickem Reichskanzler die Fähigkeit zum Weiterarbeitechsvttcht, so muß sie ihrerseits die Mitarbeit einstells Dar wäre noch törichter als der Streik in der Nnstusfowmission. Der Herr Reichskanzler bemühte stch lern mit überflüsstger Schärfe die Be° Deutung deS bims herahzusetzen. Er irrt stch in der Bewertung d^otums. ES war keine einfache Stirn, menzählung. ir haben nicht gewollt, daß eS so kommt. Wir wollen Stärkung des Parlamento. rischen RemeS, lAha! rechts), das immer noch besser ist, aber jetzige Schein-KonstitutionaliSmuS.
berechtigt j>, wenn sie inzwischen ihren Wohnsitz b e r 5 n b e haben. Die Kommission beantragt, die Frage zu sahen und bieS dem Reichskanzler zur Kenntnis gbringen.
Abg. DAreudt (Rpt.): Prinzipielle Bedenken bür. fen nicht züner Aenderung einer gesetzlichen Vorschrift führen. Ibeautrage, diesen Bericht zu einer gründ, ließen Dureratung einer Kommission von 14 Mit. gliedern zuierweisen.
Abg. v. eitb (kons.): Das Wahlrecht ist für die bodenständi, Elemente. Ich bin gleichfalls gegen den Kommisstowschluß.
Ministerdirektor Dr. Lewald: Daß ein Wähler fein Wahlrc nur ausüben darf, wenn er am betreffen, den Wahlornoch einen Wohnsitz hat, ist auch die Aus. fassung deÄeichskanzlers.
Abg. DPaasche lnatl.): Es handelt sich um die Klärung eii grundsätzlichen Fraoe, und daS geschieht besser in dKommisston als im Plenum.
Der Ang Arendt wird abgeLhnt und der float, «rissionsantt angenommen.
Ein irrnationales Uebereinkomen betr. Maßrln gegen Pest, Sholora unb Gelbfieber toirb in erf und bann sofort auch in zweiter Lesung genehmigt.
Es folgt» erste Beratung des Initiativgesetzes Bas. [ermann be< Bewilligung von SOOtOOO Mark als erste Rate für d Beteiligung deS Reiches an der Weltan». stellnng in n Franzisko.
Abg. Ant (Rpt.): Die Wejltzausstellungen haben sich überlebi.'n TagesauSstellunge« gehört die Zukunft. Die Hauptfach in Frage kommenden Industriezweige haben ihre teiligung abgelehnt. Ich Bitte um Ableh- nunn de? Etzen twurfeS.
Abg. Vaimann fnatl.): Ich Bitte um liebertoeifung an die Budfommifsion.
DaS Hacheschließt, den Gesetzentwurf an die Bud- getfommiffioju überweisen. — Es folgt
stsetzung der EtatSveratnngen.
Es erfdhen im Saale: Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, KrSminister v. Falkenhahn sowie die Staats, fefretäre DDelbrück, v. Jagyw, Krätke, Kühne unb Dr. Solf. |
Abg. v. Parp (kons.): Es ist zuzugeben, daß ebne den wirtstfflichen Aufschwung, den Deutsch, land genomn hat, die Finanzen sich nicht so hätten entwickeln fiten, wie sie es getan haben. Anderseits aber siebt sehaß ohne die durchgreifende Finanzreform von 1909 aujiicht annähernd ein solch gute? Ergebnis erzielt wordewäre. In dem vorliegenden Etat spielt bet enormBebars für bie Webrvorlage unb die Betzsteuer bie Hauptrolle. Die Reichs-
fäbigleft bet Bet»jSveteine, deren Lösung schon I vor drei Jahren vrrluchl worden ist. Es bat sich gegeigt, I daß die Frage der Lösung noch nicht reif ist. Die ba» I malige Kommission war der Ansicht, daß das Selbftbe« I ktimmun «recht bes JnbioibuumS mit dem reotbierten
Strasgesetz schärfer geschützt werben mun als bisher. I Die Kommission hat damals entipredjenbe Paragraphen in ihren Entwurf ausgenommen Wenn bie tatsächliche Entwickelung zeigt, baß ber Schutz der Freiheit des I Jnbwiruums jetzt in anderen Formen unb auch von den
Koalitionen selbst ausgeübt wirb, so muß bie Gesetzgebung bieler tattächlichen Entwickelung Rechnung tragen. Man täuicht stch aber, wenn man dreier Revision bes StrasgefetzbucheS eine gar zu große Wirkung zuschreibt. AIS wichtigster Punkt kommt hinzu, daß die empstnd- lichfte Form des Terrorismus der wirtschastlrche und gesellschastltche Boykott und der Boykott | der ArbeitsftStie sich weniger in Angriffen als vielmehr in Unterlaflungen ausdrücken und auch mit dem revidierten Etiafgesetzbuch nicht geiaht werden können. Ich glaube, Hilfe auf diesem Gebiete, wirksame Hilfe wirb nur bann geschaffen werben können, wenn sich baS allgemeine VolkSempfinden gegen bie Einschränkung ber persönlichen Freiheit auflchnt. (Särm bei den Sog., Rufe: Militärboykott!) Ich glaube, ohne diese Hilfe werden auch neue Paragraphen sehr leicht auf dem Papier stehen bleiben. Nun bin ich der An. sicht unb glaube. Sie wissen auch, daß unser VolkS- empsinben sich bei Neberspannung des Koali. tionSgedankenS immer energisch tatsächlich auf. gelehnt hat. Man kann diese Stimmungen nicht ableh- nen, wie eS die Sozialdemokraten tun, mit dem Hinweis auf die Scharfmacher. (Lachen und Unruhe bei den Sog.) Ich habe schon vor längerer Zeit den Staatssekretär des Innern gebeten, bie Erfahrungen, die in dem gatu gen Verlauf ber deutschen Arbeitsstreitigkeiten gesammelt wurden, und die Erfahrungen, die in anderen Ländern gesammelt worden sind, festgustellen. Ich nehme an und hoffe, daß in nicht gu ferner Zeit dem Reichstag diese Arbeit vorgelegt wirb. (Hört, hört!) In ber braun, schweigischen Frage ist von einem Umfallen beS Bunbesrats keine Rebe. Der Hergog von Cumberlanb hatte früher für seinen Sohn Ernst August den Verzicht auf Hannover Angeboten, doch sollte der älteste Sohn nicht verzichten. Diese Stellung konnte nur den Ein. drück erwecken, daß gewissermaßen gtoei wölfische Linien gebildet werden sollten, die eine, die auf Hannover 6er. gichiete, die andere, die diesen Dergicht ausdrücklich ab- lehnte. Diese Differengiernng war unannehmbar, und hat gu ber Forberung ber Verzichtleistung für alle Mit. ^lieber des Welfenhauses geführt. Nach dem Tode des ältesten Sohnes ist Ernst August ber einzige Erbe des Welfenhauses und damit sind alle Voraussetzungen, die 1907 gu der Forderung der Vergichtleiftung führten, weggefallen. Von diesem Standpunkt aus hat ber Bundesrat bie Frage geprüft. Was enblich bie Zaber, n e r Affäre anbetrifft, so ist bei ben maßgebenben Stellen keine Meinungsänderung eingetreten. Es ist auch kein Rückgug der Regierung gu befürch. ten. Ich hoffe, daß bie Sozialdemokratie, bie biefe An. gelegenheik gum willkommenen Anlaß genommen hat, um gegen die verfassungsmäßigen Rechte des Kaisers und des obersten Kriegherm und gegen die Systeme einen kräftigen Sturm einguleiten (große Unruhe) für immer isoliert wird. (Widerspruch ans der äußersten Linken und bei eisiem Teile ber Fortschrittlichen Volks. Partei. Beifall rechts.)
Donnerstag: Weiterberatung.
K Der beredte Kriegsminister.
Ein Preisrätsel! Der Rückzug des 99. Regiments aus Zobern ba' eine sckarse .flritit eriobten, die w'r im nachstehenden kurz wiedergeben. Wer ein gute? Gedächtnis bat, wird sich vielleicht dieser Stellr in den ParlamentsBerichten voriger Woche erinnern. Die andern werden ersucht, den Urheber dirser Kritik zu erraten.
ES beißt da:
.ES bandelt sich um den ausgesprochenen Veriuch, durch Preffetreibereien, durch Aufläufe und durch iystematifche Beschimpfungen des Militärs einen unge- tetzl'chen Einst,,ß auf die Entscheidung der zuständigen Behörde zu gewinnen. Ich will ohne weiteres zugeben, daß ein Zinückweichen davor vielleicht für einen Augenblick Ruhe schassen kann, aber das wäre eine trügerische Ruhe, bmn der Appetit kommt bekanntlich beim Esten Ich bin der Ansicht, daß der einmal gebückte Versuch nicht nur eine, sondern unzählige Rach- 'olaer gehabt hätte. Jedenfalls bütien wir derartige Vorgänge nicht dulden. Auf diese Weise würden wir uns schnell einem Chaos nähern. Leider gibt es noch immer viele Elemente, die eine Herabsetzung der Armee wünschen. Die Armee darf aber vor jenen Elementen nicht zurückweichen im Jnkereffe der Ordnung und der Gesetze."
Da ist e« klar und deutlich al» ein Unglück für die Armee und für die Ordnung bezeichnet, daß das fragliche Regiment vor den unruhigen Zadernern zurückweicht. Und wer bat diese (vorgreisende Kritik an einer Ent'cheidung des Kaiser» geübt?
Der Kriegsminister.
Nämlich in seiner ersten Rede vom Unglücks-Mittwoch ber vorigen Woche. Er verstand allerdings damals unter dem Zurückweichen die Entfernung des schuldigen Leutnants und des mitschuldigen Sergeanten. Aber wenn schon das angeregte „Verschwinden" eines Leuinants eine Demütigung der Armee fein soll, dann wird das Verschwinden eines ganzen 91 eg i nt en t s erst recht von den schweren Dedenken des firiegsminifterS getroffen.
Am Mittwoch dieser Woche hat der beredte Kriegsminister allerdings mit dem Auszuge des ganzen Re- aiments sich bereits abgefunden. Er erklärte den Auszug für eine '„Notwendigkeit, um Ruhe und Frieden zu stiften", und meint, wenn eine Maßregel notwendig sei, so dürfe man nicht lange bedenken, ob irgend jemand dadurch geschädigt würde. Ei, ei! Die Entsernung des ganzen Regi- m e n t s ist doch erst dadurch notwendig geworden, daß man es verschmähte, zur rechten Zeit den an- stößigen Leutnant in irgend einer Weise von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Weil man die kleine „Notwendigkeit" nicht befriedigen wollte, mußte man sich schließlich in die größere Notwendigkeit fügen. Der junge Herr v. Forstner sollte nicht weichen; nun mußte das ganze Regiment weichen.
Zum Glück sehen wir, daß durch diese vergrößerte Notwendigkeit das Selbstbewußtsein und die Würde
e Vorgänge vorn 8. unb 4. Dezember ein Glied in ber Kette her Versuche, bemofratifieren. Inbegug auf Militärs von Zabern legen wir uns völlige Surfijrtuno auf, da es sich um eine Maß. nähme beS Befehls Babbelt. Kritifieren müf. fen wir aber Verhalten ber Zivilverwal. tu na. lSehrickstig! rerists.) Der Kreisbirektor von ZaBern Bat orfommtiiffe als fleaelbafie Ausickstei.
turnten gewi völkerurmskreife gekennzeichnet. WeS.
halB ist ihm[fe Erkenntnis nicht früher gekommen? GegenüBer okalbebörben kann ich nur sagen: Zum Hirnmelbonneetter, al» ich Lanbrat war — (Schal, tenbe ^eiterkelinkS, andauernde Unruhe. — Die wei. teren Worte <rn in ber Unruhe verloren.) Dur» bie Verhanblungein her vorigen Wo«e Hal nur baS An. feben beß eichStageS gelitten, nicht nur in unterem Volksondern auch im AuSlanbe. fLebh. Sehr richtig! rechtSPfuirufe bei den Sog.) Der Beschluß des ReichStaaejat staabSrechtlich keine Bebeutimg. Der DimbeSrat ka nicht Stellung gu ihm nehmen: er wandert babiwohin er gehört: in ben stenographischen Bericht. lSelgut! rvchts.l Nirgends wirb größerer Zwang gusaeüals bet den Sozialdemokraten, bei denen eS beißt: Erstst, dann Brot! Um diesem Terror gu begegnen, brint wir unfern Antrag auf Schutz der strheiiswiigen tm Reichstag ein. Ohne ein verbot des SikvostensteHenS kann dem liebel deS so. zigldemokratilg TerropiSmuS nicht abgeholfen werben. (Beilall rechts
Der Reichskanzler mutz nicht nur die Rechte ber Krone I wahren, fonbern auch bie des Volke». DeS weiteren I billigte ber Redner bie Entscheidung in ber braunschwei. I gischen Frage und wünschte ein Eingreifen deS Reiches I in Mecklenburg. Dann machte er scharf gegen die .Tret. I bereien deS WehrvereinS". Alldeutsche Tendenzen soll. I ten nicht in unsere Jugend hineingetragen werben, bas führe gu einer ruhmrednerischen Ueberschneibigkeit unb Kraftmeierei. Bezüglich deS ArbeitSwilligenschutzeS seien I die bestehenden Gesetze ausreichend. Eine Besserung btt I Zoll, unb Handelspolitik sei bie Forderung feiner Partei. I Wir stimmen, schließt er, der Leitung unserer auSwär. I tigen Politik gu. Wir wünschen nur, daß diese Tätig. I kett nicht durch impulsive Eingebungen unb Kunbgebun- gen gestört wirb. Es ist unhaltbar, baß ber Reichs, kanzler 30 Stunden feiner kostbaren Zeit opfern muß für einen breiviertelstündigen Vortrag in Donaueschin.
I gen. ES ist betrübend, daß diese» JubiläumSfahr 1918 abschließt mit ber schmerzlichen Enttäuschung für die freiheitlichen Vaterlandsfreunde, daß ber Schaden, ber angerichtet ist, nicht wieber gutgemacht werben soll. Und gerade da» tut bitter not. (Beifall link».)
Kriegsminister v. Fakkenhayn: Ich muß mit einigen Worten auf die Zaberner Vorkommnisfe gu. rückkommen. Von meiner Person abgesehen, muß ich die hl 'r angegriffenen Offiziere in Schutz nehmen. Es wirb gesagt, e» sei nicht schnell genug gegen ben betreffenden Offizier eingeschriften worben. DaS ist nicht richtig. Geheimniskrämerei ist nicht getrieben worden. Der Offizier ist nach Bekanntwerden de» Zeitungsartikels vom 6. November, ber bie Anschuldigungen enthielt, am anderen Tage gur Rechenschaft gezogen, unb eS ist fest, gestellt worden, daß von einer beabsichtigten Beleidigung der elsässischen Bevölkerung keine Rede sein kann. Gleich zeitig sind die Vernehmungen ber Rekruten, die an der InstrukticaiSstunde teilgenommen hatten, eingeleitet worden. Aber ehe noch diese Vernehmungen abgeschlos. fen fein konnten, fetzten bie Straßenaufläufe unb bie Preßkampagne mit neuen Anschuldigungen gegen den Offigier ein. Daß nun von ein.er Versetzung keine Rede mehr sein konnte, ehe nicht ordnungS. und gesetzmäßig die Sache klargelegt war, da» glaube ick hier im Hause schon eingehend klargelegt gu haben. ES ist bann ferner gesagt worden, daß wa» nachträglich ! in der „Nordb. Allgem. Ztg." über bie Bestrafung de» Offiziers unb be» Unteroffiziers wegen wörtlicher De- leidiguna ihrer Untergebenen gestanden habe, auch in di ist m Hause bei der Verhandlung hätte qes igt roc t rn können. Das ist geschehen. (Sehr richtig! recht».) Und zwar durch mich. Als ich, sobald ich durch bie AuS. führungen des Abg. Fehrenbach — ich muß lag-u, gu meiner Ueberrasckmng — erfuhr, daß trotz der gang klaren GefetzeSbestimmungen über diese Frage Zweifel bestanden, Bin ich sofort aufgestanden und habe genau dasselbe gesagt, was später in ber offiziösen Verlautbarung gesagt worben ist. (Lachen links.) Mehr kann ich nicht sagen und kann ich auch heute nicht sagen, denn eS widerspräche sowohl dem Zweck al» auch dem Wesen I der Dikziplinarstrafgewalt, wenn man ihre Ausübung I im einzelnen der öffentlichen Kritik preiSg.-ben wollte. I iS ehr richtig! rechts.) Nicht einmal bie bireften Borge. I schien dürfen eingreifen, es fei denn, daß eS sich um I Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen handelt. Wollte I
wertguw SS steuer ist nach unserer Auffassung nur ber erstejchritt auf dem Wege gur bireften Reichssteuer. Dies Endgiel werden wir aufs entschiedenste bekämpfe lBravo! rechts.) Die für den Wehr- beitrag erholen Beträge dürfen nicht für andere Zwecke berietet werden. Insbesondere dürfen auf gründ etwaigITeBerfthüffe wich t neue Rüstung», so rberumn erhoben weichen. In ben Balkanfragen berühren u ptfächlich wirtschaftliche Interessen. Wir wünk daß die Tür?ei ihre Selbständigkeit behält, unb trüben es, ttzß wir in unserer Politik gegenüber ds Türkei mit Rußland übereinstimmen. Auch für dielerhandlungen mit England und Frank, reich betreffe unsere wirtschaftlichen Interessen im Orient habeiwir volles Verständnis. Bezüglich der Zabernerlngelegenheit ist eS nicht richtig, daß da» aanKlolk hinter dem Votum deS ReichS'ageS Seht. Sehr rte und wertvoille VolkSkreife sind anderer nsicht. lSestichtig! recht».) Wir wissen dem Krieg?-
Lutscher Reichstag.
Sitzunxom Mittwoch, den 11. Degember 1918.
Auf deilagesordnung steht gunächst ber Bericht der Wablprüfuskommiffion unb bie Anfrage, ob bie in ben Wählersten eingetragenen Wähler bei einer
ber Armee nicht vernichtet worden ist. Die Beweis- fuhrung des beredten Kriegsministers von der vo- rlgen Woche wat also mehr blendend, als durch, schlagend. „Es gehl auch so." Wäre Herr v. Forst, ner sofort suspendiert oder beurlaubt oder versetzt worden, so wäre es noch viel besser gegangen.
Ebensowenig Durchschlagskraft hat die Beweis- fuhrung des Kriegsministers über die Notwendigkeit, die militärischen Disziplinarstrafen geheim zu halten. Er geht im rhetorischen Eifer so weit, daß er in der Veröffentlichung ber Disziplinarstrafen nichts geringeres sicht, als'die Unterhöhluna des Gnindsteins, auf dem die Armee ruht. Als ob uniere militärischen Vorgesetzten so wenig Tapferkeit hatten, daß die öffentliche Betrachtung ihre Maßnahmen sie aus dem Häuschen bringen könnte. Es gelangen ,a immer eine Anzahl an Disziplin armatz- regeln an das Licht der Oeffentlichkeit, ohne daß der „Gnindstcin" ins Wanken kommt. Es verlangt ja niemand volle und allgemeine Oeffentlichkeit. Doch im vorliegenden Falle war die Bevölkerung beleidigt, und der Beleidigte mußte erfahren, was zur Sühne geschehen sei. DaS war kein Internum des Dienstes mehr! Uebrigens hätte der Kriegsminister, wenn die Heimlichkeit wirklich einen Grundpfeiler bilden soll, auch seinerseits nicht mitteilen dürfen, die Strafe sei „sehr schweb ausgefallen. Ebensowenig hätte der Reichskanzler in der „Nordd." mitteilen dürfen, es seien „Arreststrafen" verhängt. Wenn man so viel gesagt hat, so darf man auch ruhig noch die Zahl ber Arreststrafe hinzufügen, ohne t>afe der Grundstein der Armee inS Wackeln kommt.
Alles mit Maß! Man muß nicht allzu beredt sein und nicht allzu vtcl beweisen wollen. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, Vorsicht und Sachlichkeit die erste Ministerpflicht.
)( Tie deutsche Militärmisswn.
Heber die Zwecke und Ziele der deutschen Militär- mission für die Türket unter Führung des Generals Liman von SanderS, der am Montag in Potsdam vom Kaiser in Audienz empfangen wurde, erfährt man von authentischer Seite folgendes:
Es werden unter der Leitung des Generalleutnants Liman von Sanders im ganzen etwa 4 0 deutscheOffiziere aus dem aktiven Stande zur Organifientng der kaiserlich ottomcmischen Armee in der Türkei tätig sein, darunter etwa die Hälfte Offiziere, die sich jetzt bereits in der Türkei im Dienst befinden. Die Offiziere, die sich zunächst für drei Jahre verpsiichtet haben, sind aus allen Waffengattungen, selbswerständlich mit größter Sorgfalt, ausgcwählt. Auch Intendanturbeamte zur besonders notwendigen Organisierung der türkischen Heeresverwaltung werden sich bei der Mission befinden. Die Tätigkeit aller Mitglieder bei Mission wirb nicht gleichzeitig, fonbern nach und nach beginnen, was damit im Zusammenhang steht, daß die türkische Armee gegenwärtig noch in der Temobilisierung begriffen ist. Ein Teil ber Mitglieder wird voraussichtlich schon bald nach der Türkei reisen, ber andere im Frühjahr 1914. Eine spätere Ergänzung ber Mission ist nicht ausgeschlosien, wenn sie sich im Laufe der Zeit als notwenbig herauS- stellt.
Die der Mission angehörigen Offiziere werden beim Generalstab bei den Militärbildungsanstalten, bei den Lehrregimentern, bei den Schießschulen der verschiedenen Wafiengattungen als Kommandeure Verwendung finden. Der Chef der Mission, der zugleich Mitglied des obersten Kriegsrates ist, ist Vorgesetzter aller Militärbildungsanstalten, Schießschulen und Lehrregimenter. Er übernimmt außerdem das Kommando des 1. Armeekorps in Konstantinopel. (Aus diesem drei Divisionen starken Armeekorvs soll ein sogen. Musterarmeekorps in Ausbildung und Verwaltung gemacht werben.)
Der Zweck ber Mission ist ein rein militärifcher. Da? schließt natürlich nicht aus, daß die Entsendung der Mission auch eine große Politische Bedeutung hat, aber hauptsächlich in dem Sinne, daß schon die Tat- fache ber Entsenbung klar unb deutlich zeigt, daß man in maßgebenden türkischen Kreisen das V e r t r a it e n in die deutschen MiIi tä r sch u l e n trotz der türkischen Mißerfolge im ersten Balkankriege und trotz aller hierdurch hervorgerufenen Treibereien gegen Deutschland nicht verloren hat.
Da der Sitz de? Generalkommando» in Konstan- finopel ist, wird der deutsche General im unmittelbaren Einvernehmen mit dem Sultan und dessen Kriegsminister arbeiten können, und bas könnte seiner militardienstlichen Einwirkung außerordentlich luftatten kommen Jnbessen gerade dieser Umftanb hat beiRnßland und Frankreich Mißtiauen, Neid und Eifersucht rege gemacht: man befürchtet von ber Anwesenheit ber deutschen Militärmission in Kon- tanttnopel eine bedenkliche Verstärkung der Stellung »es deutschen Botschafters seinem russischen, franzö- ischen unb englischen Kollegen gegenüber unb bamit einen gefährlichen politischen Einfluß bes Deutschen Reiches am Bosvorus. Jnbessen, man wird sich bamit abfinben müssen.
Die russisch-französischen Umtriebe gegen bie Militärmission Dauert fort. Wie bas Reuiersche Büro erfährt, ist beschlossen worden, baß Die englische, b:e tianzösische unb bie rwsttche Regierung in Konstantinopel offiziell Erkundigungen einziehen, ob es wahr fei, daß bie türkische Regierung einem beuischen O filier ein Oberkommando in ber türkischen Armee übertragen habe uns bis zu welchem G ade dies bie Lage in Konstan'inopel berühren werbe. — An ben oollioaenen Tatsachen wird der Drecverbanb nichts andern können.
Dtutfdfts Reich.
♦♦ Berlin, 10. Dez. 1913. Der Kaiser nahm Mittwoch Dormniag im Neuen Palais bei Po^bam die Vorträge des Ministers der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach, be» Ministers jür Handel und G--,