Fuldaer Zeitung
Dienstag 9. Dezember 1915.
2. Blatt
druck tat Sulbcet »etitntaectrti te 5v!b«.
(*) Eine neue Aerienordumrg
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14 in
und
gesagt haben, ba‘ chr wert sei als !
tausendmal mehr wert sei als Ihr Leben?" Rufliten vermied «A noch immer, sie anzusehen.
„Tas fragen Sie mich — mich, der Sie noch vor wenig Monaten mit Worten, die aus Ihrer innersten Seele kamen, gesagt haben, daß Ihnen Ihre Kunst
Lokales.
Fulda, 9. Dezember 1913
# Personalien. Dem Stodtpfarrer und Dechant, I Schmelz in Hünfeld wurde der Rote Avlerorden I vierter Klasse verlieben.
I (!) Oberbürgermeister Dr. Antoni ist gestern abend mit 33 von 38 abgegebenen Stimmen auf weitere 12 Jahre zum Oberhaupte der Stadt Fulda gewählt
I worden. Die neue Amtsdauer läuft vom 1. April 1914 bis 1. April 1926. Dr. Antoni steht seit dem 1. April 1894, also fast 20 Jahre, an der Spitze unseres Gemeinwesens. Seine erste Amtspcriode lief von 1894 bis 1902. Die gestern vollzogene Wahl unterliegt der Bestätigung des Königs.
L Kolpmgfeier im Fuldaer Gesrllenvrrein. Huw d.'lt Jahre waren gestern, am 8 Dezember, verflossen, seit Adolf Kolping, der edle Stifter der Geiellen- vercine, das Licht der Welt erblickte. Wi« überall in den Gesellenvereinen, wollten auch die hiesigen KolpingSiöbne diesen Gedenktag nicht ohne eine Eichte Feier vorübergehen lasten. Zahlreich waren sie gekommen, Mitglieder und Ehrenmitglieder in den großen Saal des VereinShouseS, no die Büste Kol- pmgS umgeben von Blattpflanzen und Fahnendraperien aufgestellt war. Die Feier wurde eröffnet mi*- dem überall bekannten Kolpingsliede:
»'s war einst ein braver Junggesell, Er lebe ewig hoch!
Sein Name klingt so weit, so hell, Vater Kolping, lebe hoch!"
Als das Lied verklungen war, begrüßte der Pvä'eS Herr Stadtkaplan Kräh die Versammelten, varumer einen Domherrn ouS England, mit herzlichen Worten. Die Feier solle, so hob er hervor, ein Akt der Dankbarkeit sein. Gleichwie die Kinder ihren Ellern sich dankbar erweisen müßten, so auch die Mitglieder der Gesellenvereine ihrem geistigen Vater, dem Vater Kolping, dem einstigen Schuhmachergesellen, der durch die Gründung der Gesellenvereine den Handwerksgesellen in der Fremde ein Vaterhaus geschaffen. Nachdem ein SchntzoorstandSmitglied einen Prolog „Baker Kolping" gesprochen, nahm der Dlözesanpräses das Wort zu einem e-nstündigen Festvortrage:
In diesem jubilaurnSreichen Jahre mache die Hun- derstabrscier KolpingS den würdigen Schluß. KolpingS Geburtstag war vergoldet von der ausgehenden Sonne dex Befreiung Deutschlands. In ihm wurde uns ein Mann der Vorsehung geschenkt, gleich feinem Zeitgenossen Bischof Ketteier. Dieser war ein Mann der Theorie, Kolping cm Mann der Praktik. Kolping ist der Typus eines echten katholischen Priesters, er war auch ein Volksschriftsteller von Gottes Gnaden. Seine Schriften gehören heute noch zu den besten. Der Redner entwarf dann ein anschauliches Lebensbild des Gefeierten, der wegen seines apostolischen Wirkens von Pius IX. zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt wurde. Betrauert von seinen Gesellen starb der Gesellenbater am 4. Dez. 1865 in Köln, wo er sein GotteSwerk gründete. Seine sterblichen Ueberreste wurden dort in der altehrwürdigen Minoritenkirche beigesetzt und es verging seitdem kein Tag, an dem nicht wackere Gesellen am Grabe ihres Vaters beten. Vor dieser Kirche steht sein eindrucksvolles Denkmal, eine Zierde der'rheinischen Metropole. Uebegehend zu KolpingS Werk betonte der Festredner, daß die KolpingSsöhne zur Kentruppe der katholischen Manner gehörten, wie wir sie heute brauchten. Der Inhalt der weiteren Ausführungen sei kurz zusammengefaßt in den Worten: Gott zur Ehr, dem Handwerk zur Lehr, der Jugend zum Schutz, dem Staate zu Nutz und dem Teufel zum Trutz. Das Werk KolpingS, so schloß der Redner, war unstreitig die größte Tat des 19. Jahrhunderts.
Die Versammlung sang stehend die letzte Strophe des Kolpingsliedes. Nun folgten 62 Lichtbilder aus
sind die örtlichen Bedürfnisse, insonderheit die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevöl. kerung sorgsam z u berücksichtigen. Bei der Verschiedenheit der Verhältnisse und bei der Ab. hängigkeit gewisser wirtschaftlicher Arbeiten von der Witterung kann die Regelung weder für größere Bezirke gemeinschaftlich noch für längere Zeiten vorher erfolgen. Sie ist auf dem Lande und in den Sädten mit ländlichen Verhältnissen von dem Landrat und dem Kreisschulinspektor in gegenseitigem Einvernehmen und nach Anhörung der Ortsschulbehörden vorzunchmen.
5. Bei Bemessung der Pfingstferien ist der Erlaß vom 20. Januar 1892 auch weiterhin zu beachten.
6. Eine Verlängerung der Ferien über die zu 1. angegebene Gesamtdauer hinaus ist abzuleh- nen; wo sie in austergewöhnlichen Einzelfällen uner- läßlich erscheinen sollte, ist die Genehmigung des Kultusministers erforderlich, und diese rechtzeitig vorher zu beantragen. Auch die Befreiung einzelner Schüler vo« Unterricht ist, sofern sie nicht durch gesundheitliche Rücksichten geboten ist, auf die unbedingt nötigen Fälle zu beschränken. Uebcrhaupt ist Regelmäßigkeit des Schulbesuchs namentlich auch in den Volksschulen mit allen geeigneten Mitteln sicherzustellen.
Burckhardts Erbe«.
®ne Weihnachtsgrschlchte von Reinhold Ortmann.
und Lage der einzelnen Ferienabschnitte^für alle Schulgattungen innerhalb der Provinz oder enger zusammengehöriger Teile derselben einheitlich vom Oberpräsidenten nach Anhörung des Provinziaschul- kollegiums ur* der königlichen Regierungen, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, festgesetzt. ' Dabei ist zu beachten, daß der erste Wochentag unmittelbar nach einem Sonn- und Festtage freigelassen wird. Der Ober- Präsident kann in den Fällen, in denen eine Ortsschul- behörde eine abweichende Verteilung der Ferien für die Volksschulen aus erheblichen Gründen bei der Re- gieruna nachsucht, dem Antrag Folge geben.
8. Für die übrigen Orte sind Dauer und Lage der Weihnack>ts-, Oster- und Pfingstferien von der zuständigen Regierung möglichst in Ueberein. stimmung mit den entsprechenden Ferien in den erst- genannten Orten zu regeln, lieber etwaige Beschwerden entscheidet der Oberpräsident endgültig.
4. Durch Abzug der für Weihnachten. Ostern und Pfingsten gewährten Ferienzeit von der Ziffer 1 statthaften Gesamtdauer der jährlichen Ferien, ergibt sich die Zahl der für Sommer und Herbst verfügbaren Ferientage. Für ihre Verteilung in den unter 8 angegebenen Orten lohne höhere Lehranstalten) auf die geeignetsten Sommer- und Herbstzeiten und für die Festsetzung des Beginne, der einzelnen Feriengruppen
werde auch künftighin ein Krankenwagen in Bereitschaft gehalten werde. Tas übrige komme in den zur Verfügung gestellten Raum.
9. Anbau der Dresdner Dank zwischen der Turnhalle und der Bank. In dem jüngst nach langer Debatte verabschiedeten Pachtvertrag zwischen der Dresdner Bank und der Stadt Fulda war vorgesehen, daß der Neubau der Bank 2,60 Meter Abstand von der Straße zu halte habe, um nicht den Bureauraum in der Turnhalle zu verdunkeln. Nach neuen Entwürfen wird die Belichtunasanlage für die Turnhalle auch dann in zufriedenstellender Weise gelöst, wenn der Anbau nur einige Zentimeter einrückt, aber sonstige Vorkehrungen getroffen werden. Stv. Laux stellt den Antrag, daß die Stadt sich mit dieser Aenderung des Planes einig erklärt unter der Voraussetzung, daß die Daukommission Bei einer vorzunehmenden Besichtigung keine Bedenken äußert. Nach kürzerem Meinungsaustausch wird der Antrag Laux genehmigt.
10. Feststellung des Planes und Kosten-Nachweises über die Herstellung des Bürgersteiges vor den Häusern Schweincmarki Nr. 12 und 14 und Heranziehung der Anlieger zu Beiträgen. Nach dem Statut kann nur der Schlossermeister Fleischmann zu den Anliegerkosten herangezogen werden. Die Herstellungskosten, deren Hälfte er tragen muß, belaufen sich auf 122 Mk. Es erfolgt Genehmigung.
11. TeSgl. der Straße „Sack". Die Zahlungspflicht zweier Anlieger wird festgestellt und genehmigt. Die Herstellungskosten belaufen sich insgesamt auf 305 Mk., die satzungsgemäß verteilt werden.
Schluß der öffentlichen Sitzung 10 Uhr.
Es folgt eine geheime Sitzung.
Zta-tveror-neten-Versam nlung.-
(!) Fulda, 25. November 1913.
Ter gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ging eine
gemeinsame Sitzung
der unbesoldeten Magistrats Mitglieder und der Stadtverordneten voraus. Es waren anwesend vom Magistrat der Erste Beigeordnete Halbleib, der Zweite Beigeord- nete Arnd, die Stadträte Schmitt, Kramer, Reinhardt, Goebel und Müller. Stadtrat Neitzert fehlte entschul- drgt. Ferner nahmen 31 Stadtverordnete an der Sitzung teil. Den Vorsitz führte der Stadtverordnetenvorsteher Rang. Die Tagesordnung betraf die
Oberbürgermeister-Neuwahl.
1. April 1914 läuft die gegenwärtige Amts- Bauer des Oberbürgermeisters Dr. tur. Antoni, die am 1. April 1902 begann, ab. Ehe zur Wahl geschritten *erben konnte, mußte der Bezirksausschuß den Beschluß der städtischen Körperschaften betreffend Festsetzung des Gehaltes des Oberbürgermeisters ge. nehmigen. Nach dem Beschlüsse der städtischen Körperschaften, der nur aus formellen Gründen nochmals ge» saßt werden mußte, steigt das Gehalt des Oberbürger. Meisters, da§ zurzeit 11000 Mk. für das Jahr beträgt unb zu dem eine Repräsentationszulage von jährlich 1500 Mk. gewährt wird, am 1. April 1915 auf 11500 Mk., im Jahre 1918 auf 12000 Mk., im Jahre 1921 auf 12 500 Mk. und im Jahre 1924 auf 13 000 Mk. Diese Festsetzung ist vom Bezirksausschuß genehmigt worden. Tie Gewährung obiger Gehaltssätze war seinerzeit unter gewissen Bedingungen erfolgt. Auf eine diesbezügliche Anfrage hat der Oberbürgermeister erklärt, er fühle sich auch künftighin durch diese Bedingungen gebunden. Nach Mitteilung dieser Verhandlungen durch den Berichterstatter Dux wird zu der Wahlhandlung geschritten, die durch Stimmzettel er. folgt. Es werden 38 Stimmen abgegeben. 3 3 Zettel lauten auf den bisherigen Ober. Bürgermeister, fünf Zettel sind uiibe- schrieben. Damit ist Dr. Antoni auf weitere 12 Zähre zum Oberbürgermeister der Stadt Fulda gewählt. Sie Wahl muß vom Könige bestätigt werden.
An der sich anschließenden
Sitzung der Stadtverorbnetrnversammlung nahmen 30 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Ma- giftrat war durch die Beigeordneten HalbleiB und Arnd und Stadtrat Reinhardt vertreten. Es wurde folgende Tagesordnung erledigt:
1. Mitteilung von 'Eingängen. In einem Schreibe n des Generalvikariats wird um Entschul- btgung gebeten, weil versehentlich in dem Festgottes. .nst am Sonntag Plätze für die Stadtverordneten nicht bereit gehalten worden feien. — Zur Kenntnis gebracht wird die Entscheidung des Provin- zralrates betr. die Erhebung der Gebühren für die Kanalisation (Kanalbenutzungs- gebuhren). Der Prvvinzialrat hat die Entscheidung J?.® Bezirksausschusses, der die Genehmigung der Gebührenordnung versagte, gutgeheißen und die Anfechtung .des Magistrats der Stadt Fulda abaewiesen ^Bereits in der Fuldaer Zeitung mitgeteilt. D. Red.) -ier Provinzialrat schließt sich der Begründung des Be- zirksauSichuftes an, daß durch das letzthin beschlossene Statut eine zu weit gehende Belastung der Mieter her- beigefuhrt sei. Aus den einmaligen Kanalbeitrag könne ment verzichtet werden. Die Einwendung des Machst- rats, daß die Hausbesitzer bereits sehr erheblich belastet und durch die Kosten der Installation der Abwässerungs- stark in Anspruch genommen seien, wurde utssnchhaltig Nicht anerkannt. Der Magistrat sieht sich nadEi dieser Entscheidung gezwungen, eine neue Vorlage vorzubereiten und lobald als möglich der Versamm. rung borgulegen. Weiterhin gelangt eine Verfügung des Regierungspräsidenten zur Verlesung, worin aus. gefproefien w^d: es erscheine nicht angängig, mit Rück- W auf d,e städtische Finanzgebahrung die bereits früh er eingezahlten einmaligen Kanalgeb uh re n zuruckzuzahlen, vielmehr sei die Verrechnung dieser Zahlungen für später fällig werdende For- deruugen angezeigt. (Zuruf des Stv. Kircher: Das heißt Selbstverwaltung!)
? ,^'/?"legung des Amtes als Mitglied der GaS- ®5offcr*”rrr5rammtffton seitens de« Herrn Eicken- emem Schreiben vom 25. November hat , Eukenscheidt fein Mandat für die GaS- unb Was. ®t^eW U'edergelegt. Der Berichterstatter,
i>Br dab A teilt die Nieberlegung mit unb bedauert «Sä.» f' tüchtiges KommissionS-Mitglied aus.
£a5. namentlich tn Wasserfragen über wertvolle hofft, daß Bei der Kommffsions- neutoaBI Anfangs 1914 Stv. Eickenfcheidt wiedergewählt »"den möge. Stv. D u x bemerkt Beiläufig, daß weitere I S 8 9Snftre^ae9ii-,<llr-Äs.t'mmiffionen bevorstanden.
8. Wahl eines Mitgliedes des erweiterten AuSfchus. I feS^ jur Vorbereitung der Feier des 75tfihriflen Jubi- I
Um den mannigfachen und oft geäußerten Wünschen nach einer einheitlichen Bemessung und Gleichlegung der Schulferien an den verschiedenen Lehranstalten in Stadt und Land entgegenzukommen, hat nunmehr der Kultus- mi.tifter eine neue Ferienordnung erlassen. Damit wird einerseits den vielen Klagen wegen nicht genügender Berücksichtigung des Erholungsbedürfnisses der Volksschuljugend ein Ende gemacht. Anderseits werden namentlich alle die Eltern den Erlaß mit Befriedigung aufnehmen, die ihre Kinder teils die Volksschule, teils stöbere Lehranstalten besuchen lassen. Die Ausführungsbestimmungen im einzelnen lassen weiten Spielraum, um die Verschiedenheiten in den einzelnen Provin-en und die Besonderheit der wirtschaftlichen Verhältnisse in Stadt und Land weitgehend zu berücksichtigen. In der neuen Ferienordnung, die mit Beginn der Osterferien 1914 in Kraft treten soll, heißt es:
1. Die ©efamtbauer her Ferien in den Volks-, mitt. Icren unb höheren Scbulen sowie in den Lehrer- unb Lehrerinnenbildungsanstalten beträgt einschließlich der in die einzelnen Ferienabschnitte fallenden Sonn- unb Festtage jährlich 80,Sage, baneBen bleiben die bisher anerkannten allgemeinen Fest- und Feiertage auch ferner frei. Dagegen sind — abgesehen von gelegentlicher, aus besonderer Veranlassung von der zuständigen Stelle ausnahmsweise verfügter Aussetzung des Unter- richts — etwaige sonstige Schulfeiertage wie GelöbniS- tage oder die Tage des Ewigen ober 40ftünbigen Gebets, der Wallfahrten usw., ebenso auch Jahrmarktstage, so- weit letztere noch schulfrei sein sollten, auf die Gesamtdauer der Ferien anzurechnen. Ob und wie weit auch die Anrechnung der Zeit für die eine Schule, die nach § 12 der Anweisung zur Verhütung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten (Erlaß vom 9. Juli 1907) getroffen werden mußte, zur Sicherung ordnungsmäßigen Fortschreitens der Schüler ober Schülerinnen notwendig ist, darüber befindet nötigenfalls die zustän- bige Schulaufsichtsbehörde.
2. Hinsichtlich der O r t e mit höhern Schulen oder Lehrer-(Lehrerinnen)-Seminaren wird die Tauer
tote er an den Heiligabenden feiner Kindertage auf I daS Erscheinen des Christkindes gewartet hatte. Da- I mals hatte er sich über die Enttäuschung immer mit dem Gedanken hinweg zu trösten gewußft daß er Wohl nur den rechten Augenblick versäumt habe und am nächsten Christabend mehr Glück haben würde: heute aber wußte er, daß er einer von denen sei, bie ihr Leben lang den rechten Augenblick versäumen — und daß das Außerordentliche niemals kommen würde — niemals.
Es war ihm, als hätte jemand leise an die Tür des Ateliers geklopft: aber erst, als sich dies schüchterne Klopfen wiederholte, wurde er inne, daß es feine Täuschung gewesen war. Er erwartete keinen besuch, und ohne jede Neugier ging er hin, um zu öffnen. Die Deckenlampe des Ateliers ließ nur einen fchwachen Lichtschein auf den dunklen Gang hinaus fallen, und Oswald Riegner hatte lediglich den ziemlich unbestimmten Eindruck einer schlanken, elegant gekleideten weiblichen Gestalt, die sich nach seiner Ueberzeugung ohne allen Zweifel in der gesuchten Tür geirrt hatte.
»Zeh bin der Maler Riegner", sagte er höflich, »aber der ist es vermutlich nicht, zu dem Sie wollen."
„Doch, Herr Riegner — ich wollte zu Ihnen", klang es mit jugendlich heller, wenn auch merklich beklommener Stimme zurück. „Darf ich hoffen, daß ich Sie nicht störe?"
Er war bei ihrem ersten Wort um einen Schritt zurückgetreten, und niemand hätte sagen können, ob es unermeßliche Freude oder unermeßliche Bestürzung sei, was sich auf seinem Gesicht spiegelte.
„FrLilein Reimers — ja, mein Gott, ist es denn möglich — Sie — hier bei mir!"
Sie hatte die Schwelle überschritten und stand nun voll reizendster Befangenheit mitten in dem ziemlich kahlen, durchaus nicht künstlerisch phantastisch ausge- I statteten Raume.
.. »Finden Sie es wirklich so unerhört?" fragte sie ängstlich. „Ich dachte, zu einem Künstler, den man persönlich kennt, dürfe man getrost gehen, wenn man — wenn man gerne ein Bild laufen möchte." 1
(Nachdruck verboten.) ^gner stand am Fenster seines Atel-ers s"LbI^tCJ^toere" H^zens auf die lichterglänzende “ QU§ ^r luftigen Höhe seines unsten Stockwerks einen guten Teil überschauen tonnte. Er liebte dies wohlvertraute Gewirr von Dauern und Schornsteinen, von engen Höfen ^m^;b^ Jlneal9erai,enr^tta6e" und launenhaft krummen Gäßchen — er liebte er doppelt, seitdem er wußte, daß die Tage gezahlt waren, da er hier hinter dem Atelierfenster seinen Gedanken nachhängen durste. Und an diesem Dezember-Nachmittag, dessen Dunkelheit so früh hereingebrochen war, wie wenn bei Himmel Mitleid gehabt hatte mit der sehnsüchti-
Ungeduld all der jungen und alten Menschen da Ornaten — an diesem Weihnachtsabend redeten die ^leuchteten Fenster zu dem einsamen Manne hier wen ja noch ihre besondere, ergreifende Sprache Er |d?, wie hier und da die Christbaumkerzen aufflammen, und das niederdrückende Gefühl des Alleinseins legte fiifi schwerer als sonst auf seine Seele. Er hatte bie Dreißig noch nicht erreicht, und doch war es ihm, läge schon eine Ewigkeit zwischen dem freudlosen Heute und jenen glückseligen Kmdheitstagen, da er ssch Zu solcher Stunde die Nase an der falten Fenster- iwnbe plattgedrückt hatte, um zu sehen, wie das Ehnstklndchen vom Himmel herabgeflogen komme. Unb toic er jetzt mit wehmütigem Lächeln dieser nab oen Kindheitsillusionen gedachte, ba ging es ihm durch ben Sinn, daß er eigentlich niemals aufgehört hatte, auf das Christkindchen zu warten, das als ein holde? ~.unbcr feinen Wünschen unb Hoffnungen Erfüllung bringen sollte. Im grausamsten Kampf mit bem Leben unb unter ben härtesten Entbehrungen, immer war etwas von der kindlichen Zuversicht in feiner Seele geblieben, daß eines Tages das Unvorherge- whene, Außerordentliche geschehen müsse, das all-n Jammer enden unb seinem heißen Ringen endlich den Sieg verkünden würde. Aber er hatte Jahr um Jahr ebenso vergeblich auf das Außerordentliche gewartet.
Sein Erstaunen war durch diese Erklärung offenbar nicht verringert worden; aber er hatte Takt genug, e« nicht länger zu zeigen.
„Gewiß, mein gnädiges Fräulein", sagt er, plötzlich in einen fast fühl fonventionellen Ton verfallend. „DaS Atelier eines Malers ist in solchem Fall nichts anderes als ein Geschäftslokal. Sie hatten also wirklich die Absicht, mir — mir etwas abzukaufen?"
Die hübsche junge Dame nahm ersichtlich all ihren Mut zusammen.
I „Ja — wenn eS nicht unbescheiden ist —. Ich habe noch ein Weihnachtsgeschenk zu machen, daS in einem recht hübschen Bilde bestehen soll, und ich — ich hoffe, daß Sie —",
Er sah ihre rührende Verwirrung, und er hatte unverkennbar den Wunsch, sie daraus zu befreien.
»Es ist außerordentlich gütig, daß Sie an mich gedacht haben, obwohl ich glauben mußte, daß meine unbedeutende Person Ihrem Gedächtnis längst entschwunden sei. Ich bin Ihnen für die freundliche Absicht von Herzen dankbar; aber ich bedauere, davon keinen Nutzen ziehen zu können. Wie Sie sehen, steht mir nicht ein einziges fertiges Bild zur Verfügung. Ich habe während der letzten Wochen alle-, was mit von den Ausstellungen zurückgekommen war, an einen Kunsthändler oder, um bei der Wahrheit zu bleiben — an einen Tändler verkaufen müssen."
„Ach!" machte sie in augenfälligem Erschrecken. „Das — das wäre aber sehr schade. Haben Sie denn wirklich gar nichts? Nicht ein ganz kleine- Bildchen?"
„Nichts, mein Fräulein, das auch nut des gering» fügigfien Kaufpreises wert wäre. Aber ich will Ihnen, wenn es durchaus ein Bild von meinet Hand fein soll, gern die Adresse des Tändlers geben. Et wohnt ganz in der Nähe, und ich bin überzeugt, daß et Sie nicht übervorteilen wird. Et hat ja wohlfeil genug eingekauft."
„Nein — nein! Davon würden Sie — ich mtie«, das hätte für Sie doch gar keinen Nutzen--"
Sie hielt mit einem heißen Erröten inne, wie wenn sie sich bewußt würde, etwas seht Ungeschickt«* 1
gesagt zu haben. Auf dem Gesicht des Malers aber erschien ein Ausdruck tiefen Ernstes.
„ES war also Ihre Absicht,* mir eine Wohltat zu erweisen, Fräulein Reimers?"
„O, Herr Riegner, es ist nicht hübsch von Ihnen, so zu sprechen. Es war allerdings nicht die Wahrheit, als ich eben sagte, daß ich mit dem Bilde ein Geschenk machen will. Ich möchte es vielmehr für mich selbst haben. Und wenn Ihnen im Augenblick nichts zur Verfügung steht, so macht das doch schließlich gar nichts aus. Da auf der Staffelei haben Sie ein an- gefangenrS Bild, das wunderhübsch zu werden verspricht. Und ich würde Ihnen sehr, sehr dankbar fein, wenn Sie sich dazu verständen, mir gegen eine angemessene Anzahlung das Kaufrecht zu sichern."
Es hatte sie ohne allen Zweifel schwere Anstrengung unb einen tapferen Entschluß gekostet, diese Rede zu vollenden, und sie selber ahnte jedenfalls nicht, daß ihr dabei die hellen Tränen in den Augen standen. Oswald Riegner atmete «schwer und eine geraume Zeit verging, ehe er, vor dem begonnenen Bilde stehend und seiner Besucherin halb den Rücken zuwen- dend, erwiderte:
„ES wäre ein Betrug, mein Fräulein, wenn ich auf ben Handel einginge: denn ich werde dies Bild niemals vollenden. Dies so wenig wie irgend ein anderes. Ich gebe den Kampf auf. Es ist eitel Narrheit, auf das Unvorhergesehene und Außerordentliche zu warten, daS sich nut in den Märchen ereignet."
„Aber, mein Gott, Herr Riegner, Sie können doch nicht im Ernst die Absicht haben--"
„Mißverstehen Sie mich nicht, Fräulein Reimers! Ich trage mich keineswegs mit Selbstmordgedanken oder anderen dusteren Entschlüssen. Ich bin nur heute zu der Erkenntnis gekommen, daß es besser ist, wenn ich Stabtreifender oder Advokatenschreiber werde. Dabei ist doch ganz und gar nichts Tragisches — nicht wahr?"
I laumS der Oberrealschule. Ter Berichterstatter, ®tb. I Kapp, teilt mit, daß von dem Magistrat der Erste Beigeordnete HalbleiB in den Ausschuß entsandt worden I sei: er schlägt unter dem Gesichtspunkt, daß zu dieser
Vertretung am besten ein Mitglied bestimmt werde, das dereinst selbst Schüler der Oberrealschule bezw. I Realschule gewesen sei, für die Stadtverordnetenver. I sammlung den stellvertretenden Vorsitzenden Stv. Fritz vor. Dieser lehnt jedoch eine Vertretung ab und be. nennt Stv. Weber, der durch Zuruf gewählt wird.
4. Festsetzung der Rechnung der Spar- und Borschußkasse für das Jahr 1912. Stv. Singer erstattet einen ausführlichen, interessanten Bericht. Danach wurden an Sparkassenbücher auSg-geben m | ganzen 11 628 Stück. Spareinlagen wurden insgesamt 9 27« 758,93 Mk. gemacht. Im Ausleihe- Verkehr find zu verzeichnen: 1. Auf Hypotheken Ende 1912 6 361924,61 Mk. 2. Darlehen an Stadt, I Gemeinden, Korporationen 1 444 930,13 Mk. 3. Darlehen gegen Bürgschaft der Stadt und von Landgemeinden 78 733,21 Mk. 4. Darlehen gegen Bürgschaft von $erforten 31 734,48 Mk. 5. Darlehen gegen Faustpfand (Lombarddarlehen) 910 57 Mk. Der Wertpapieren- Vestand hatte Ende 1912 einen Nennwert von 1479 750 | Mk. Die Konto-Korren-Auslcihung (Soll) betrug I 12 215,28 Mk. Die Konto-Korrent-Emlage (Haben)
21 262,26 Mk. Der Reservefonds ist angelegt in Wertpapieren zum Nennwert von 1 023 715,15 Mk. Das angelegte Vermögen der städtischen Sparkasse beläuft
I sich auf 9 410198,28 Mk. Die Gesamt-Einnahmen der Betriebsverwaltung betragen 3 907 513,49 Mk. Die Gesamt-Einnahmen der Reservefonds-Verwaltung betragen
I 36 555,73 Mk., insgesamt 3,944 069,22 Mk. Die Ge- samt-Aiisaaben: Bei der Betriebsverwaltung belaufen
| sich auf 3 907 323,93 Mk., bei der Reservsfondsverwcü- tuna ar" 36555,73 Mk., insgesamt auf 3 943 879,66 Mk. ES bleib» cm Kassenbestand von 189,56 Mk. Der Kurs- Verl u st in 1912 an Wertpapieren Beziffert sich auf 31780,20 Mk. Der Gewinn für 1912 Betrug dem. nach nur 17 966,96 Mk.
5. Festsetzung der Friedhofsrechnung. Die Rechnung der Friedhofskasse für 1912 ist geprüft. Die Einnahmen betrugen 24 925,25 Mk., die Ausgaben 21416,46 Mk. Der Kassenbestand beläuft sich auf 3508,79 Mk. Nach einigen Zurechnungen und Abrechnungen _ wird ein Betriebst!berschuß von 1262,58 Mk. nachgewiesen. Es fei, so führt Stv. Kapp aus, ein Zeichen für die guten GesundheitSverhält- n i f f e in Fulda, namentlich im letzten Jahre, daß der auf Grund früherer Erfahrungen aufgestellte Etatsertrag der Einnahmen auS Beerdigungsgebühren bei weitem nicht erreicht wurde. Trotz der schlechten „Beerdigung?- geschäfte" ist jedoch ein Ueberschust entstanden, der von boheren Einnahmen ans dem Verkauf von Grabstätten herrührt. Stv. Sunkel tadelt den vernachlässigten Zustand der Wege in dem unteren Friedhöfe. Der obere und mittlere Friedhof seien in guter Ordnung. (Jungst wurde in einem „Eingesandt" der Fuldaer Zeitung auf die Miststände am unteren Friedhof hinge- wiesen. D. Red.) Der Erste Beigeordnete teilt mit, dast der mit der Instandhaltung des unteren Friedhofs betraute Arbeiter seine Aufgaben durchaus nicht in der wünschenswerten Weife wahrnehme. Stv I K e i l fragt nach dem Schicksal deralfenFried- hofskapelle. Diese scheine auSgeraubt zu werden. Am Allerseelentage sei das Kirchlein geöffnet getoefen unb habe im Innern das Bild der Verwüstung geboten Stadtrat Reinhardt teilt als Mitglied der Baukommission mit, dast mehrere der Kavellen-Bilder zur- 8«t anfgefrischt würden, um dem städtischen Museum einverleibt zu werden; weitere Erneuerungsarbeiten feien bereits Beschlossen und würden bald in Angriff genommen werden. Verschiedene Stadtverordnete tonnen nicht anerkennen, dast der auf dem unteren Friedhof wohnende Arbeiter lediglich für die Frei- wohnung die Unterhaltungsarbeit besorgen könne. Es totrb vorgeschlagen, einmal eine gründliche Instandsetzung des unteren Friedhofes unter Heranziehung toetterer Arbeitskräfte vorzunehmen. Die Rechnung wird genehmigt. ’ I
6. Festigung der Rechnung des Waisenhauses. Die Rechnung schliefst in Einnahme und Ausgabe mit I 49 302,04 Mk. ab. Sie wird ohne erhebliche Debatte genehmigt.
„ ,7- Festsetzung der Rechnung der Stadtschloßkasse. E« sieben sich für da? Jahr 1912 Einnahmen von 32127 "6 Mark und Ausgaben von 30 668 «7 MH gerenüBer so. daß ein Bestand von 1458 39 Mk. vorhanden' ist. Gegen ben Voranschlag sind die AusgaBen um 4238,87 Mk., die E,nahmen um 5697,26 Mk. übertroffen. Die Mehrau?- gaBen rühren von Baulichen Arbeiten, namentlich Dach- erncuerungSarBeiten usw. her, die Mehreinnahmen vor allem aus dem Umstande, daß alle Räume dauernd I vermietet waren. Die Rechnung wird genehmigt.
8. Uebernahme der JahreSmiete für bie Sanitäts- Kolonne für einen Raum im Stadtfchl-ß auf bie Stabt- faffe. Auf Antrag der SanitätSkvlvne soll eine Remise tn her Schloßstraste zur Unterbringung der Gerate über- I lassen werden. Jetzt sind die Geräte zerstreut unter- I gebracht und mancherlei Gefährdung ausgesetzt. Die I Ueberlasfnng an die Kolonne erfolgt kostenlos, die Stadt- kaffe zahlt 72 Mk. an die Schlostkasse. Stv. Singer empfiehlt den Antrag, bittet jedoch, man möge nicht alle @erate im Stadtschlotz unterbiingcn, da es im Interesse der Hilfsbereitschaft liege, in allen Stadtteilen Sani- tatZ-Geraftchaften zur Hand zu haben. Der Bericht- erstattet: ©immer teilt mit, im Heilig-Geist-Hospftale