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Fuldaer Zeitung

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Nr. 283. Crstes Blatt.

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Montag den S. Dezember 1913«.

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40. Zahrgang

guter»

sich

zur des

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom DamSag den 6. Dez. 1918.

Die Besprechung der sozialdemokratischen hellation betreffend die

Arbeitslosigkeit

bricht ...

„Bitte, weinen 'Sie nicht, "Mary! ES könnte unS jemand hören!"

Dienfibotenkrankenversicherung.

Die Interpellation wünscht, da die ärztliche Verfor- ftung der Krankenkassen und die Versicherung der Dienste Boten auf große praktische Schwierigkeiten stößt, da» Inkrafttreten der einschlägigen Bestimmungen in der ReichSversicherungSordnung über den 1. Jan. 1914 hrnauSztrschieben.

Abg. Graf Westarp (kons.) führt in Begründung der Interpellation auS: DaS BersicherungSverhältniS der Dienstboten weist ganz besondere Verhältnisse auf, wie.sie bei allen übrigen Versicherten nicht vorliegen. Die Dienstherrschaft war bisher daran gewohnt, für die Dienstboten im Erkrankungsfalle in weitgehendstem Maste selbst zu sorgen. Deshalb haben meine Freunde Wert darauf gelegt, dast diesem besonderen Verhältnis bei Einführung der Krankenversicherung Rechnung ae. tragen werden soll. DaS ist bis zu einem gewissen Grade dadurch geschehen, dast die sogenannten Land» krankenkassen errichtet wurden. Die Errichtung der Landkrankenkassen war nötig,, um den besonderen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Die Berliner Hausfrauen nehmen in der Frage der Dienstbotenver» sicherung einen anderen Standpunkt ein als die So. zialdemokraten und die fortschrittliche DolkSpartei, und zwar sind das Frauen, die hauptsächlich der fortschritt, lichen Volkspartei sehr nahe stehen. Die Stellung der Frauen ist so scharf, dast man beinahe um den häuslichen Frieden fürchten must. (Heiterkeit.) Die Dienstboten bilden für die Versicherung ein viel günstigeres Risiko als die übrigen gewerblichen Arbeiter. DaS klarste Bei. spiel hierfür haben wir an Grost-Berlin. Berlin und Schöneberg haben die Dienstboten an die allgemeine Ortskrankenkasse angeschlossen, und dort ist infolge der grösteren Risiken der gewerblichen Arbeiter, die eben, falls in diesen Krankenkassen sind, für einen Dienstboten einen Beitrag von 48,20 Mk. in Berlin und 32,60 Mk.

Unterstaatssekretär Richter: Bei der vollen Sympathie für den Verein der inneren Kolonisation ist eS doch nur möglich, die Fonds soweit für diese Zwecke Verfügung zu stellen, als es die Bestimmungen

Herr die Hand.

„Die alt sind Sie. Mary?" fragt Felicie wieder.

„Neunzehn Jahre, Frau Farrington."

„Neunzehn Jahre? Also gerade so alt, wie ich — nur daß ich unglücklich bin und Sie nicht. Aber ich hoffe, wir werden einander dennoch verstehen, Mary."

„Ganz gewiß", schluchst das Mädchen auf und ‘ "t vor Rührung in einen Tränenstrom ou5.

cn 'n. *__i____ wnX

wird fortgesetzt.

Abg. S-sinSki (Pole) bespricht unter große Unruhe im House die Maßnahmen, die bisher die Kommunen selbst oder im Zusammenhänge mit den Arbeiterorgan,, sationen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit getroffen haben. Durch die Polengesetzgebung wurden häufig Arbeiter von ihrer Arbeitsstelle vertrieben und arbeitslos. Do könne zunächst durch die Beseitigung der Ausnahmegesetzgebung Wandel geschaffen werden.

Abg. Haegy (Els.): Eine geordnete und gesetzmäßige Fürsorge halten auch wir für notwendig. Wir erklären uns bereit, mit dem Reichstage an dem Entwurf einer solchen Fürsorge mitzuarbeiten. Die Einzelstaaten müssen hier mit dem Reiche Hand in Hand gehen.

Abg. Lic. Mumm (W. Vgg.): Die Beschäftigung ausländischer Arbeiter müßte nur zugelassen »erden bei Arbeiten, bei denen deutsche Arbeiter nicht zu hoben sind. Vor allem sollte die preußische Douver. waltung nur deutsche Arbeiter beschäftigen. Der Red. ner hält auch die Förderung der inneren Kolonisation e# für notwendig und wundert sich, daß nicht der ganze Fonds von 100 000 Mark voll und ganz in den Bereich der inneren Kolonisation zur Verfügung gestellt worden

Zn der Schule des Leidens.

40] Roman aus dem New-Iorker Leben. « Don Erich Friesen.

?rau Mackay verspricht eZ und verlaßt kopfschüt- das Zimmer. Sie weiß, es ist bester, wenn sie der Tochter in ihrem jetzigen Gemütszustand nachgibt.

Dar klein«, saubere Dienstmädchen folgt mit Freuden der Aufforderung, „Frau Barrington" wolle es sprechen. Das Geheimnis, dessen Mitwisserin sie ist, drückt ihr fast das Herz ab und sie trägt das bren­nende Verlangen, mehr zu erfahren.

Schüchtern klopft sie an der Tür, welche den Salon vom Kinderzimmer trennt.

„Herein'" erlchallt FelicieS melodiöse Stimme. „Und nun schließen Sie die Tür wieder, bitte! Ist jemand iw Salon?"

„Nein, Fräulein — ich meine, Frau Barrington." „Setzen Sie sich! Wie heißen Sie?" „Mary, F'au Barrington?

„Sie haben mir gestern abend einen großen Dienst geleistet, Mary. So lange ich lebe, werde ich Ihnen dankbar sein."

Und sie reicht dem vor Freude erglühenden Mäd-

in Schöneberg zu zahlen. Friedenau und Wilmersdorf haben dagegen von der Bestimmung des Gesetzes Ge. brauch gemacht, Landkrankenkassen zu bilden, und dort ist für einen Dienstboten nur ein Betrag von 23,40 Mk. resp. 26,20 Mk. zu zahlen. Die Dienstboten in Berlin und Schöneberg werden eben für dar R i. siko der gewerblichen Arbeiter in schärferer Weise herangezogen, obwohl ihre gesundheitlichen Ver- hältnisse derartig sind, daß so hohe Leistungen für sie nicht nötig sind. Diese hohen Beiträge zur Ortskranken, taffe haben die Unzufriedenheit in den Hausfrauen, kreisen hervorgerufen. Was soll nun geschehen? Wir wollen nicht die Dienstbotenversicherung, nachdem fte einmal geschaffen ist, vollständig beseitigen. Aber man sollte doch sich nach Mitteln umsehen, um der ganzen Stellung der Dienstboten und ihrem guten Risiko für Versicherten mehr gerecht zu werden als bisher. Auf Drängen meiner politischen Freunde ist in das Gesetz schon die Möglichkeit bet Befreiung von der Zwangsversicherung hineingekommen. Mit die. fern Ventil wäre vielen Hausfrauen schon gedient. Jetzt wird die Leistungsfähigkeit der Antragsteller geprüft. Dabei haben die Groß-Berliner Kassen Satz« aufge. stellt, nach denen nur d i e Wohlhabenden von der Bestimmung des Gesetzes Gebrauch machen können. Man sollte aber den Befreiungsantrag überall da zu. lassen, wo nachgewiesen wird, daß die Dienstherrschaft durch eine P r i v a t v e r s i ch e r u n g für ihre Dienst. Boten sorgt. Die ganzen Vorgänge zeigen setzt, daß die Versicherung etwas überhastet be­schlossen worden ist, und sie bedeuten eine ernste Mahnung, den Gedanken der sozialen Versicherung nicht weiter zu Überspannen. (Beifall rechts.)

Staatssekretär Dr. Delbrück: Die AuSffihrung der ReichSversicherungSordnung ist Sache der Landeszentral. Behörden. Mit diesen hat der Reichskanzler vereinBart, daß der Termin für dos Inkrafttreten des Gesetze» der 1. Januar 1914 fein soll. Von keiner Seite ist mir mitgeteilt worden, daß die» nicht möglich wäre. Man follte doch meinen, daß die Zeit von 2% Jahren aus. reichend gewesen wäre? (Zustimmung link».) Die Gemeinden hätten schon ffüher von der Befugnis, Orts, krankenkassen für Dienstboten mit besonderen Lohn, klassen einzurichten, Gebrauch machen sollen. Einen Anlaß, das Inkrafttreten de» Gesetze» hinauSzuschieben, habe ich nicht. Dazu können unS auch die Zwistigkeiten zwischen den A e r z. ten und den Krankenkassen nicht bestimmen. Ich hoffe noch, daßeSrechtzeitigzueinerEini. g u n g zwischen Beiden Parteien kommt. Eine Erör. terung dieser Frage würde nur Oel in» Feuer gießen.

Dem Anträge des Abg. Graf Westarp entsprechend wird in die Besprechung der Interpellation eingetreten.

Abg. Giebel (Soz.): Dor ®unbe»rat wäre gar nicht berechtigt, den Termin HinauSzuschieben. Wie e» mit der Krankenpflege auf dem Lande auSsieht, wis. sen wir zur Genüge. Die Versorgung der Landkranken, fassen mit Aerzten mag schwierig sein, daS kann un» aber nicht veranlassen, ein HinauSzuschieben de» In. frafttretenS der Versicherung zu befürworten.

Abg. Becker-ArnSberg (Ztr.): Bei den Wahlen der Krankenkassen, bei denen sich gerade in letzter Zeit die nicht sozialdemokratischen Elemente mit Erfolg beteiligt haben, sind auch die Dienstboten in den OrtSkranken. fassen von Nutzen. Besondere Schwierigfeiten in der Durchführung der Dienstbotenversicherung fann ich nicht finden. Die erregte Stimmung in weiten Kreisen der Hausfrauen wird sich bei genügender Aufllärung sehr bald legen. Dor allen Dingen sollten die Hausfrauen Bebenfen, daß mit Einführung der Dienstbotenversiche­rung manche andere weit nachteiligere Bestimmung der alten Gesindeordnung wegfällt. Einen Gebrauch von der Vorschrift bezüglich der Befreiung von der Ver. sicherungSpflicht würde ich nicht empfehlen, denn sobald die Herrschaft nicht im Stande ist, ihren Verpflichtungen nachzulommen, tritt die Krankenkasse ein und kann sich später an der Herrschaft schadlos halten. Es geht nicht, an ein Gesetz, das erst vor 1% Jahren erlassen ist und das jetzt in drei Wochen in kraft treten soll, aufzuheben, zumal da feine praktischen Gründe dazu borliegen. (Bei. fall im Zentrum.)

Nach einer kurzen GeschäftSordnungldebatte, die sich darum dreht, ob man nicht für Dien »taz al» ersten Punkt

meine Anwesenheit meinem Manne, sowie Fräulein Douglas noch verheimliche."

Marys wasserblaue Augen leuchten Verständnis- innig auf. Lebhaft nickt sie mit dem Kopf.

„Denn Sie mir also nicht fest versprechen, über meine Anwesenheit vorläufig noch zu schweigen, so muß ich sofort dieses Haus verlassen."

„Ich sage nichts", beteuert das Mädchen. „Aber Fräulein Douglas — sie ist sehr klug — sie wird bald etwas merken."

„Ich glaube nicht. Sind Sie Fräulein Douglas sehr zugetan, Mary?"

Ein schneller Blick aus Marys kleinen Augen streift das Gesicht vor ihr. Das Mädchen hat Herrn Barrington stets für einen Witwer gehalten und daS schöne Fräulein Douglas für die zukünftige Herrin. Jetzt taucht auf einmal eine rechtmäßige Frau auf — und die ganze Situation ist verändert.

Marys romantisches leicht gerührtes Herz erglüht in hellen Begeisterungsslammen für die junge, schöne Frau Barrington.

„Nicht so sehr", erwidert sie zurückhaltend. „Ich liebe Sie viel mehr, Frau Darrington."

„Danke, Mary. Also Sie schweigen?"

„Wie das Grab."

Und Mary hebt zur Bekräftigung ihrer Worte die Hand wie zum Schwur.

XXIX.

Gegen zwei Uhr mittags unternimmt Frau Mackay mit Praller ihren alltäglichen Spaziergang. Sie wollte denselben heute ausfetzen; doch Felicie mochte nichts davon wissen. Das Kind follte wenigstens nicht unter ihrer Anwesenheit leiden — wie sie sagt. In Wirklichkeit will sie die Slutter mit ihrem beständigen Geplauder und Gefrage ein wenig los sein, um ihre Gedanken zu sammeln.

Im Hirn der armen Frau Mackay wirbelt alles wie im bunten Chaos durcheinander. — —

Ihre einzige Tochter aus dem Gefängnis ent­flohen — im Haufe ihres Mannes versteckt, ohne daß er eine Ahnung von ihrer Anwesenheit hat — viel­leicht bald die Polizei auf ihrer Fährte--daS

alles ist zu viel für den schichten, einfachen Sinn der alten Dame.

Rasch wischt Mary sich die Augen mit dem Schür­zenzipfel. Dann blickt sie voll Erwartung in das dicht zu ihr geneigte Gesicht ihrer Herrin.

„Kann ich Ihnen vertrauen, Mary?"

„Ja, Frau Barrington, ganz gewiß."

,Lch bleibe noch einen Tag hier bei meinem Sohne — im Zimmer meiner Mutter, der Frau Mackay. Aber ich habe meine Gründe, weshalb ich

Gesetzes zulassen.

Abg. Brandt-Halberstadt (Soz.): Darüber,,baß . . die Regierung unserer Interpellation gegenüber ab­lehnend verhält, wird eine tiefe Empörung durch das Volk gehen. England hat die Arbeitslosenversicherung, bei uns geht es nicht, weil man eS nicht will. Wir verlangen die Versicherung nur für unverschuldete Ar. beitslosigkeit, nickt für Streikende. Die Arbeitgeber, insbesondere bie Jnbustrie, könne oanz gut noch weitere Lasten tragen. (Bravo l bei den Soz.)

Damit schließt bie Besprechung. — E» folgt bie Interpellation ber Konservativen wegen bet

bie Wahlprüfungen auf bie Tagesordnung setzen solle, wirb bestimmt:

DienStag: Etatsberatung.

X Zaber«

Di« Nordd. Allg. Ztg. über Zaber».

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung kommt in ihrem Wochenüberblick auf die Reichstagsdebatte über Zabern zurück. Selbstverständlich wird die Schuld an der erregten Debatte dem Parlamente zugeschrie­ben, das den Kanzler mißverstanden habe. Sodann wird nochmals ein Ueberblick über die Ereig risse ge- Jeben, wobei wir nun manches erfahren, was Sani­er wie Kriegsminister verschwiegen haben, so, daß Leutnant v. Forstner und der Sergeant, der die „Stechprämie" von 10 Mk. noch um 3 Mk. erhöhte, disziplinarisch mit Arreststra- f e n belegt wurden. Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt dies wie etwas Bekanntes mit, während der Äriegs- minifter trotz der lebhaftesten Frager aus dem Hause die Auskunft darüber verschwiegen hat. Wir erfahren ferner, daß der k o m ma nbierenbe G e- n e r a l (Deimling) sich selbst nach Zabern begeben, da» Lfsizierkorps versammelt und ihm das Borge- tommene (aus der Jnstruktionsstunde) in ernster Weise vorgehalten hatte. Durch Kasernenanschlag feien dann Schimpfworte wie „Waches" untersagt worden. Dann wird in dem Ueberblick die Schuld der „Preßhetze" zugeschoben, diesmal allerdings nur einem Blatt, dem „Zaberner Anzeiger". Und ganz Deutschland hat sich, so will der Ofshiosus glauben machen, durch diesen „Zaberner Anzeiger" düpieren lassen. Es dürfte dem Kanzler nicht unbekannt kein, daß verschiedene Blätter unabhängige Berichterstatter nach Zabern geschickt hatten.

Wir erfahren bann ferner — abermals etwas Neues — daß dem Verlangen der Zeitungsartikel nach Versetzung des Leutnants nicht entsprochen wurde, daß dieser jedoch erneut in Unter« fuchung gezogen wurde, und zwar wegen seiner Aeußerungen gegen die Fremdenlegion betio. gegen die französische Fahne. Dann werden kur; die „Aus- schreittingen gegen die Offiziere" dargestellt, so kurz, daß über die Einsperrung der verhafteten Burger in den Pandurenkeller in zwei Zeilen berichtet wird. Und bann wirb endlich einmal deutlich die frieden- fördernde Tätigkeit des Kaisers dar- gestellt:

AuS Straßburg ergehen hierüber sofort vom Statt- Halter und vom kommandierenden General Meldun­gen a n d e n K a i f e r. Als die Vorgänge in Berlin bekannt werden, erstattet der Reichskanzler alsbald dem Kaiser Bericht und verabredet mit dem Kriegs Minister, daß dieser sich nach Donauefchm- gen begibt. Auf Dorfchlag de» Reichskanzlers und bei Kriegsminister« befiehlt Seine Majestät, daß unv^.....glich

au» Straßburg ein General nach Zabern ndt wird, mit dem Auftrag, für die Wiederherstellu d- neter Zustände, de» gehörigen Kontaktes mit dc,>^ oil- behörden uit»des guten Einvernehmens mit der Bevölkerung zu sorgen. Gleichzeitig ergehen vom Kaiser Befehle an den Statthalter und den kom- mandierenden General, daß sie für daS Handinhand. gehen der Zivil, und Militärbehörden zu sorgen hätten. Dem kommandierenden General gibt Seine Majestät auf, darüber zu wachen, daß das Militär unbe­dingt innerhalb der gesetzlichen Grenzen bleibe. Der Kaiser verlangt ferner von dem nach Zabern entsandten General genauen Bericht unter Vor. behalt seiner weiteren Entscheidungen. Der Statthalter entsendet zur Aufklärung des Sachverhalts einen Beam. ten des Mmift«riums nach Zabern. Die erforderlichen Untersuchungen werden von den Zivilbehörden und Mili. tärbehörden vorgenommen.

Die Darstellung ber „Nordd. Allg. Ztg." schließt mit bem Satz, baß „weitere Entscheibungen bes Kcn-

Sie kürzt ben Spaziergang möglichst ab, um halb toieber daheim zu sein.

In ber Nähe des Hauses zehnte Avenue Nr. 32 holt Norbert sie ein, ber aus ber Probe kommt. Er beugt sich über ben Kinderwagen unb scherzt unb lacht mit bem kleinen, munter auskreischendev Walter.

„Habe ich bie Ehre, Herrn Barrington vor mir zu sehen?"

Mit diesen höflichen Worten tritt plötzlich ein ein­fach gekleideter Herr an seine Seite, gerade als Nor­bert, seinen Sohn auf dem Arm, ins Haus eintreten will.

Norbert bleibt stehen.

„Sie sind Schauspieler im „Metropol-Theater"?"

„Allerdings. Kann ich irgend etwas für Sie tun?"

„Ich danke, mein Herr Eine unangenehme An­gelegenheit führt mich zu Ihnen. Ich bin nämlich Geheimpolizist unb habe soeben ein dienstliches Tele­gramm von meinem Ches erhalten. Ihre Frau büßt eine Gefängnisstrafe ab —"

„Seiber."

Norbert ist sehr ernK geworden. Er übergibt fein Kind ber Großmutter unb bedeutet dem Geheimpoli­zisten, ihm ins Haus zu folgen.

„Haben Sic irgend eine Nachricht von meiner armen Frau, mein Herr?" fährt er hastig fort. „Sie ist doch nicht etwa wieder erkrankt?"

Mißtrauisch blickt der Geheimpolizist ihn an.

„Ist es denn möglich, Herr Barrington, baß Sie noch nichts bavon gehört haben? Gestern früh ist Ihre Frau aus bem Gefängnis entflohen. Man ver­mutet sie hier bei Ihnen. Ich soll sie sofort gefesselt zurücktransportieren."

„Was? Meine Frau entflohen? Unb Sie meinen, sie halte sich hier auf? Ach, ich wünschte, Sie hätten Recht! Aber leiber — bitte, wollen Sie sich nicht selbst überzeugen?"

Mit einer einlabenben Handbewegung öffnet Nor­bert bie Tür zum Salon.

Der Polizist tritt ein.

„Ich kann die Nachricht noch nicht fassen", fährt Norbert fort, „wie ist es möglich, baß meine Frau aus bem Gefängnis entfliehen konnte?"

fers erst nach Abschluß des kriegsgericht. lichen Verfahrens getroffen werden tön „en".

Wenn doch ber Reichskanzler bie» alles am Mitt­woch ober Donnerstag dem R e i chs tage erzählt hätte! Weshalb er das nicht getan hat, ist vollkom­men unverständlich. Mit der nötigen Klarheit und Eindringlichkeit vorgetragen, hätten sie den Verhand­lungen vielleicht einen erheblich andern Verlauf ge­ben können.

Völlig ausreichend spricht sich das halbamtlich« Organ auch noch nicht aus. So erscheint es seltsam, daß hier von dem ursprünglich erteilten Verweis an Leutnant v. Forstner nicht die Rede ist. Dieser Verweis war, tote ber Kriegsminister auf eine An­frage beS Abg. Fehrenbach zugab, ungesetzlich, unb gerabe diese milde Bestrafung hatte den Unwillen ber Zaberner Bevölkerung erregt. Die „Nordd. Allg. Ztg." hätte tiefe Tatsache nicht verschweigen dürfen, da sie sehr wesentlich zum Verständnis der spätere» Vorfälle dient.

Sine Mission de» Herrn Wahnschaffe.

Nach SBiättermeibungen sollte ber Chef der Reich» kanzlet, Unterstaats fetrelär Wahnschaffe im Reichs­tage Besprechungen mit Führern der bürgerlichen Parteien gehabt haben, in denen er hervorgehoben habe, daß der Kaiser schon vor den Jnterpellationsdebatten im Reichstage durch zwei wichtige Kundgebungen ein« gegriffen habe, die der Kanzler ober in seiner zweiten Rede wegen deS Tumultes nicht so deutlich, rote ti wohl erwünscht gewesen wäre, zur allgemeinen Kenntnis gebracht habe. Reichskanzler fei überhaupt nicht recht wohl geroeien an dem Tage unb habe auS red­nerischem Mißgeschick einige wichtige Mitteilungen vergessen dezw. nicht klar ausgedrückt. Auch dem noch unerfahrenen Kriegsmnister sollte eine rednerische Entgleisung passiert sein. ES scheint, daß diese Ent« chuldigungsversuche in der Tat gemacht worden sind. Daß sie aber in die Oeffentlichkeit gekommen sind, muß dem Reichskanzler sehr peinlich fein, sie enthalten 'ür ihn den Borwurt einer großen parlamentarischen Ungeschicklichkeit uno Unbeholfenheit. Man kann darum verliehen, daß die ,Nordd. Allg. Ztg/ folgende offiziöse Richiigstellung bringt:

In verschiedenen Blättern sind dem Unterstaats- lekreiär Wahnschaffe Aeußerungen in Gesprächen mit Parlamentariern in denMun-> gelegt worden, wie bie, daß der Oberst v. Remter und bei Leutnant von Forstner aus dem SS. Infanterie-Regiment enisernt werden soUlen, und daß der Äriegsmü.tlier im Reichs­tage nicht so gesprochen habe, wie et wollte und I eilte. Aus der Reichs tanztet et । obren wir, daß der Umerftaattfetretär über die Entfernung der Olfisiere überhaupt nichts Mitteilen konnte und nichts mtigeleilt bat, und daß er bezüglich der Rede des Krtegsmintsters nur bedauert hat, das fte nicht richtig versta»den worden sei. Ebenso falsch ist die Behauptung, der U»!erftaatesekrelär habe von einem rednetti chen Mißgeschick des Reichskanzlers gesprochen, weil er vergessen habe, die Anordnungen Seiner 'JJiajeität an den Kommandierenden General in Straßburg und die Entsendung des General» Kühne nach Zabern zu er­wähnen. Der UnterftaatSfekrelär tonnte dies schon des­wegen nicht gesagt haben, well ja beide Tatsachen vom Kanzler in Jemen Reden erwähnt worden sind.

Erwähnt waren fte schon, aber so leise unb ver­steckt, daß nur ein scharfes Ohr sie in dem Lärm ver­nehmen konnte. In den Berichten finb sie deshalb mcht zu finden. Gar nicht dementiert wirb die Rill« teilung Wahnschaffes, daß der indisponierte Kanzler em an ihn gerichtetes kaiserliches Schreiben miizu- jetlen vergessen habe.

Sine Kundgebung der elfaß-lothringischen Regierung.

In der amtlichen Straßburger Korrespondenz veröffentlichte die elsaß « lothringische Regierung foi enb? Erklärung z im Falle Zabern:

Wie bereits gemeldet, ist das 2. oberrheinische In- fanterie-Regiment Nr. 99, soweit es seinen Standort in

Der Polizist zuckt bie Achseln.

„Ich bebaute, Ihnen Ungelegenheiten machen zu müssen, mein Herr; aber ich habe strengen Befehl, tie ganze Wohnung zu durchsuchen."

„Sie steht zu Ihrer Verfügung."

An allen Gliedern zitternd lehnt Frau Mackay cm ber Enlreetür Was werben bie nächsten Minuten bringen? Felicie gefesselt unb sie selbst — als Hel­fershelferin womöglich gleich mit eingesperrt.---

„Hier mein Schlafkabinet und daneben mein Ar- beilszirnrner", erklärt Norbert erregt, „suchen Sie selbst!"

Der Polizist, durch Norberts ersichtliches Befrem­den von dessen Unwissenheit in der Sache vollkommen überzeugt, hält nur flüchtig Umschau. Auch bas Kin- derzimmer wirb nur oberflächlich gemustert.

Mit ber Bitte um Entschuldigung wegen ber un­liebsamen Störung entfernt er sich aus der Wohnung. Norbert begleitet ihn hinaus; er ist tief erregt unb brückt bem Polizisten die Befürchtuua aus, daß feint Frau sich bas Leben genommen haben könnte.

„Das ist kaum anzunehmen", lautet die bestimmt» Entgegnung „Eine Frau, die sich bas Leben nehmer will, besitzt nicht den Mut und die Geschicklichkeit, r_iS um Gefängnis zu entfliehen. Der Trick wurde sehr schlau ausgeführt. Ihre Frau wechselte bie Kleid"- mit enter andern, ihr sehr ähnlichen Gefange­nen, deren Gefängnisstrafe abgebützt war, und wurde von deren Schwester, einer gewissen Frau Wilkins aus Philadelphia, abgeholt. Der Betrug wurde '"st heute früh durch eine Pflegerin Robinson entdeckt, die gestern krank und deshalb bei der Entlassuno der Gefangenen Holm nicht zugegen war. Ein Kollege von mir ist heute früh sofort zu den Wilkins nach Philadelphia gefahren, telegraphierte jedoch, aus den Leuten sei nichts herauszukriegen; sie wußten ent­weder wirklich nichts oder sie wollten nichts w' Jen. Im Hause der Frau Wilkins halte sich niemand ver­borgen, er habe alles durchsucht. Wahrscheinlich wird die Entflohene sich heute noch bei Ihnen eins'^-'en, Herr Barrington. Wir hoffen, baß Sie das Gesetz nicht umgehen und der Gefangenen nicht zur ferne­ren Flucht behülfiich fein werden. Ich empfehl mich Ihnen."