Einzelbild herunterladen
 

- Sulüaer Leitung. *

OrucT itt flulbett 2 ct;trtrr.certt in finlbn. <gr/ «Jr J

_

-■I—Illi—■■!■ IUI—H”111—1 ■■■——■ ■■■■■■■Illi Illi Bill I I I I II ■ ».«!■■»■■■■■■ I !■!» » 11III » !■ III»! ------------------------———

■= Das neue Staatsaugehörigkr its- Geretz

tritt am 1. Januar 19J.4 in Kraft; es bringt eine Reihe non Erleichterungen aller Art. Besonders wichtig ist es für alle Ordensgeistlichen, welche im Kulturkampf ver­trieben worden sind und auf ihre Staatsangehörigkeit verzichten mutzten, weil sie sonst mit der Erfüllung der Wehrpflicht in Kollision gekommen wären; sie können nun ohne weiteres wieder ihre Staatsangehörigkeit er­langen.

Bei der Schwierigkeit der ganzen Materie hat de: Verein für das Deutschtum im Ausland einen guten Griff getan, datz er ein Merkblatt über die ganze Materie ausgearbeitct 'hat; dieses enthält folgende Kern sähe: 1. Alle reichsdeutschcn Männer int Ausland müssen bis zu ihrem 32. Geburtstage eine Entscheidung über ihre Wehrdienstpflicht herbeiführen. Unterlassen sie dies, so erlischt mit dem 32. Geburtstag das deutsche Bürgerrecht nicht nur für sie, sondern auch für ihre Frau und Kinder. Den Reichsdeutschen im Auslande sind verschiedene Erleichterungen der Wehrpflicht ge­währt. Sie können sich im Auslande untersuchen las- scn und können bis auf vier Jahre zurückgestellt wer­den. Sie dürfen bei den Schutztruppen dienen, erhal­ten bei Bedürftigkeit die Kosten der Reise nach Deutsch­land ersetzt und werden, falls die Erfüllung der Dienst­pflicht ihr Erwerbsleben nachweislich schwer schädigt, auch ganz befreit. 2. Reichsdeutsche Männer im Auslände, die zwiscken dem 1. Januar 2871 und dem 1. Januar 1895 geboren sind, und ihrer Wehrpflicht bisher noch nicht genügt haben, sind verpflichtet, vor dem 1. Januar 1916 eine endgültige Entscheidung über ihre Wchrdienst- pflicbt herbeizuführen. Tun sie dies nicht, so geht mit dem 1. Januar 1916 für sie, ihre Frau und ihre minder­jährigen Kinder die Reichs- und Staatsangehörigkeit verloren. 3. Reichsdeutsche Frauen, die einen fremden Staatsangehörigen heiraten, verlieren mit der Ehcschlie- tzung ihre deutsche Reichs- und Staatsangehörigkeit. Sie haben das Recht, den Antrag auf Rückcrwerbung der deutschen Staatsangehörigkeit zu stellen, wenn ihre Ehe durch den Tod des Mannes oder durch Scheidung gelöst ist. 4. Alle Reichsdeutschen im Auslande, die eine frcmbc Staatsangehörigkeit erwerben wollen, müs­sen vorher beim deutschen Konsul die Erlaubnis zur Beibehaltung ihrer deutschen Staatsangehörigkeit nach­suchen: sonst verlieren sie ihr deutsches Bürgerrecht, so­bald sie das fremde erwerben. 5. Allen ehemaligen Reichsdeutschen, die ihr deutsches Bürgerrecht zurück- crwerben wollen, ist die schleunige Stellung des An­trages aus Riickcrwerb zu empfehlen. 6. Ehemaligen Reichsdeutschen, deren Kinder nach dem 1. Januar 1893 geboren sind, sollten sich mit ihrem Anträge besonders bce-len. Nur so lauge Kinder noch minderjährig sind, wirkt der Nllckcrwcrb des Bürgerrechts durch die Eltern zugleich auf sie. 7. Ehemalige Reichsdeutsche, die als Minderjährige aus der Staatsangehörigkeit entlassen sind, haben ein Recht auf Wiedereinbürgerung, wenn iie den Antrag vor ihrem 23. Geburtstag stellen. Einem späteren Anträge stattzugeben, ist die Behörde berech­tigt, aber nicht verpflichtet. 8. Ehemalige Reichsdeutsche, die aus der Staatsangehörigkeit entlassen worden sind, aber entweder nicht ausgewandert, oder innerhalb eines Jahres nach der Entlassung zurückgekehrt sind, haben den Antrag auf Rückerwerb bis zum 1. Januar 1915 zu stellen. Auch hier ist die Behörde berechtigt, aber nicht verpflichtet, einem fpätcren Anträge stattzugeben. 9. Auskunft über alle Fragen der Reichs- und Staats- angebörigkeit erteilt die Geschäftsstelle des Vereins für das Deutschtum int Auslände, Berlin W.' 62, Kurfürstcn- stratze 1C5.

Wir kirnen nur wünschen, datz unsere Leser und ihre A"gehörigen bei Bedarf auf diese Auskunftsstelle zurückgreisen werden.

£ofaie$.

• Fulda, 6. Dezember 1913.

# Personalien. Die Landespraktikanten Siebert und Volke m Kassel wurden zu Sekretären bei der Laiidesveisicherungsanstaft Hessen,Nassau ernannt.

V Tom. Morgen beim Bischöfl. Amte im Tome um 91/* Uhr gelangt die Missa in F von Rudolf Veuskens für vierstimmigen 'Männerchor mit Orgel- und Orchesterbegleitung zur Aufführung. Nach dem Amte wird drr päpstliche Segen erteilt. Hierauf wird das Te Deum gesungen unter Begleitung der großen Orgel und des Bläserchores der hiesigen Feldartillcrie- Kapelle.

(!) Für die weltliche Konstaulinfeier, die röntgen abend im Stadtsaal begangen wird, ist ein erlesenes Programm ausgestellt. Im MittelpunU der Feier, die gewiß die regste Anteilnahme der katholischen Einwohnerschaft finden wird, steht die Festrede des Reichstagsabgeordneten Dr. Maximilian Pfeiffer Der Redner ist durch feine erfolgreiche Tätigkeit im öffentlichen Leben in den weitesten katholischen Kreisen, namentlich in Süddeulschland, bekannt und hochgeschätzt. Obgleich noch verhältnismäßig jung an Jahren, har et durch seine rhetorische Begabung und sein überzeugtes Eintreten für die katholische Sache seinem Namen einen guten Klang verschafft. Im besonderen ist et auch bei der gebildeten katholischen Jugend, namentlich bei der katholischen Studenten­schaft, angesehen end wird als Führer verehrt. Seine schwungvolle Beredlsamkeit, die sich durch einen frischen, unverbrauchten Ton auszeichnet, wird sicherlich auch in Fulda Aussehen erregen. Der musikalische Teildes Programms wird von dem Gesangchor der Alumnen, dem Gesangverein „Winfribia" und der Kapelle des Feldartillerie-Regiments wahrgenommen. Die Ein- trittskarten sind in den hiesigen Buchhandlungen zu haben und sollten am besten recht frühzeitig entnommen werden. — Die Kassenöffnung ist auf */i7 Uhr festgesetzt.

** Tie städtischen Körperschastc» werden am näch­sten Montag zusammentreten, und zwar findet zunächst eine gemeinsame Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung mit bett unbesoldeten Mitgliedern des Magistrates statt, die fol­gende Tagesordnung erledigen soll: 1) Kenntnisgabe des Genehmigungs-Beschlusses des Bezirks-Ausschusses betr. Festsetzung des Gehaltes des Oberbürgermeisters. (Dux.) 2) Kenntnisgabe eines Schreibens des Ober­bürgermeisters Dr. Antoni. (Dux.) 3) Nenwahl oesOberbürgermei stets. Es folgt eine Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung mit folgender Tagesordnung: 1) Mitteilung von Eingän­gen. 2) Niederlegung des Amtes als Mitglied b^r Gas- unb Wasserwerks-Kominifsion seitens bes Herrn Eickenscheibt. (Adam.) 3) Wahl eines Mstgliebes

bes erweiterten Atrsschtlsses zur Vorbereitung der Feier des 7öjäyrigctt Jubiläums ber Ober-Realschule. (Kapp.) 4) Festsetzung ber Rechnung der Spät- und Borlchuß- Kasse pir das Jahr 1912. (Singer.) 5) Tesgl. bet Friedhofs-Kasse. (Kapp.) 6) Tcsgl. der Waisenhaus- Kasse. (Kapp.) 7) Tesgl. der Stadtschloß - Kasse. (Kapp.) 8) Uebettiahme der Jahresmiete für die Sani- täts-Kolonne für einen Raum im Stadtschloß auf die Stadtkasse. (Simmet.) 9) Altbau ber Dresdner Bank zwischen der Turnhalle mtd der Bank. (Laux.) 10> Fest- 'iellung des Planes unb Kosten-Nachwestes über die Herstellung des Bütgersteiges vor den Häusern Schweine­markt DZr. 12 und 14 und Heranziehung der Anlieger zu Beiträgen. (Weber.) 11) Tesgl. der Straße „Sack . (Mahr.) In geheimer Sitzung: 12) Führung eines Rechtsstreites in einer Wege - ingeleaenheit. tWohl- gemnth. 13) Uebernabme einer Kanalpanons-Hypolhck aut die Sladitaste. (Sauer)

£.■ Ter Wehrbeilrag. lieber dieses jetzt zeitgemäße Thema sprach gestern abend in einer vom stellvertre­tenden Vorsitzenden Zivilingeiiieux A l b e r b t n g ge­leiteten Versammlung des Grund- und Hausbesitzer- Vereins Fulda im Ballhaussaale Redakteur B l u tu­sch e i n-Frankfurt a. M. Ter Redner hielt es für zweifelhaft, daß der Wehrbeitrag außerordentlich und einmalig sei, das müsse die Zukunft lehren. Es wur­den die wichtigsten Bestimmungen des Wehrbeitrags­gesetzes, das in einigen Wochen inkraft tritt, bargelegt. Danach sind Aktiengesellschaften nicht mit ihrem Ein­kommen, sondern nur mit ihrem Vermögen steuer­pflichtig. Baugenossenschaften, die nicht mehr als 4 Proz. Dividende verteilen, werden nicht zur Wehr­steuer herangezogen. Ter Redner meinte, die umständ­lichen Atlsführungsbestimmungen würden den Steu­erbehörden noch manches Kopfzerbrechen machen. Wei­ter wurde in dem fast zweistündigen Vorträge borge« legt, was als Betriebs-, Kapital- und Grundvermö­gen gilt, was abzugs- unb was nicht abzngsfähig ist, wie ber Werk ber Grunbstücke festgesetzt wird. Bank­guthaben unb Wertpapiere werben nach dem Wertbe- stande am 31. Dezember b. I. angenommen. Wie bet Wert eines Grundstückes zti bemessen ist, Zeigte der Rebner an mehreren Beispielen. Deut einzelnen Hans- befiner muß es überlassen werben, ob er den Ertrags­ober den gemeinen Wert seines Grundstückes in An­rechnung bringt. Mietverluste. Ausgaben für Ilm- uitb Zubauten finb nicht abziehbar. Baugrrmdstücke werden nach bem Nutzungswerte herangezogen. In­teressant waren bie Ausführungen über d is Ktnber- priviseg unb wie die Veranlagung vor sich geht. Die nach bestem Wissen und Gewissen vorzunehmende Selbstentschätzung hat vom 2.—15. Januar zu erfol­gen, wenn bie Behörde in der zweiten Dezemberhälfte die betr. Bekanntmachüng erlassen hat. Hegt die Ver- anlagiingskommisswn Zweifel an ber Richtigkeit ber Selbstemscbätzung. so kann sie Sachverständige zu Rate ziehen, was viele Umständlichkeiten und llnannehm- ilchkeiten zur Folge haben kann. Deshalb sind Ver­schleierungen nicht angebracht. Die Banken und Spar­kassen können von den Behörden nicht zu Auskünften über die Höhe ber bet ihnen deponierten P rpiere und Spar gelder heran gezogen werden. empfindliche Strafen idis zu 500 Mk.) drohen bei Nichtabgabe der Deklaration. Tiefe muß unterschrieben fein, sonst gift sie ah nickt erfolgt. Beabsichtigte unrichtige ober un­vollständige Deklarationen ziehen ebenfalls hohe Gelb­oder sogar Gefängnisstrafen nach sich. Gegen unrecht­mäßige Veranlagungen kann man sich nach dem Ge­setz schützen. Augenblicklich weniger Leistungsfähigen können die Beiträge gestundet werden. Von großer Wichtigkeit ist der im Wehrbeitraggesetz vorgesehene Generalpardon, nach dem seitherige falsche Steiier- deklarationei! außer Strafe gesetzt werden. Das möge jedermann bedenken, denn eine spätere Auidecknng würbe sehr schlimme Folgen haben. Also auf keinen Fall neue Sünden zu ben alten begehen! Die Ver- faminluüg zollte ben Ausführungen lebhaften Bei­fall. Weitere Anfragen an den Redner wurden von diesem bereitwilligst beantwortet.

Z\ Vom Verketzrsvribltnd für Hessen und Waldeck. Der Bund deutscher Verkehrsvereine hat in Leipzig mit bem ihm angeschloffenen Verbänden, — darunter der Verkehrsvcrband für Hessen und Waldeck, dem auch die Stadt Fulda angehört — zur Erlangung guter, künstlerischen Anforderungen genügenden Photographien, die als Bildschmuck für Werbezwecke dienen sollen, einen Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnis jetzt vorliegt. Es sind insgesamt 4000 Bilder eingeliefert worden, deren Beurteilung zur Zeit dem Preisgericht unterliegt. Unter den Ein­sendern befindet sich auch eine größere Zahl von Berufs« und Liebhaberphotographen ans Hessen und Waldeck, sodaß der Verkehrsverband wohl eine wert- volle Ausbeute aus diesem Wettbewerb erhoffen darf. Das gesamte Bildermaterial wird vom 6. bis 16. Dezember im Großen Saale des Landeshofs in Leipzig ausgestellt. Es ist in Aussicht genommen, die Sammlung späterhin als Wanderausstellung auch in anderen Städten zu zeigen. Ter Verkehrsoerband für Hessen und Waldeck hält am 12. Dezember im Rathaus zu Kassel einen Verbandstag ab, dem eine Vorstands- und Ausschußsitzung vorangehen wird.

X Zu dem Vortrag über die Ausgrabungen am Tomplatz bezw. über die Mutmaßung, daß bie Blauer- Überreste, welche die Finidamente der früheren Haup!- k.rche (Königskapelle- im spitzen Winkel schneiden, wird uns geschrieben: Ohne Zweifel dürste bie An­sicht des Professor Vonderan, daß es sich hier um ehemalige Schutzmanern des Klosters handelt, zutreffend sein. Wir erinnern hierbei an Abt Helmfried, der zurzeit der llugarneinfälle das Hochstift regierte und im Jahre 916 Kirche und Kloster durch starke Mauern einfrtcöigte, nachdem ent Jahr zuvor die räuberischen Ungarn auch in Fulda furchtbar gehaust unb u. a. den ersten Bau der Michaelskirche größtenteils zer­stört hatten. Gegen die wilden Ungarn konnten nur starke Mauern schützen, und stark waren jene, die jüngst in ihren U ebene ft en am Tomplatz freigelegt worden sind. Auch die Linienführung des aUcroingS fchr kleinen frcigelegten Stückes jener Mauer läßt fast nur den Schluß zu, daß sie die Aufgabe hatte, Klosterkirche, Kloster und Abtsburg zu schützen, zu umwallen. Auch hat ohne Zweifel jene Schutzmauer des Abtes Helmsried Bett Tomplatz in ber Richtung der frcigelegten Uebenefte durchschnitten. Man wird allgemein nut regem Interesse den weiteren Ergeb- nisten der Forschungen auch nach dieser Seite hin begegnen.

• Brandsteuer für das Fahr 1914. Ter 'chindes- ausschus; für den Reg. Bez. Kassel hat in seiner kürz­lichen Tagung beschlossen, daß die Brandsicuer für bas Jahr 1914 auf ben Betrag von 14 Pia. für je 100 Mk. Umlagekapital festgesetzt wird, also auf den­selben Betrag, wie im laufenden Jahre 1913/ Hier­nach beträgt die zu zahlende Brandsteuer für je 1000 Mark Versicherungssumme in Bauartklasse T 70 Psg, II 88 Psa., in 1,26 M?., iv 1,51 Mk. und Klasse V 1,96 Mk.

(!) Landwirtschaftskammer. Ter Kontroll­verein Fulda hat augefragt, ob die Landwirt- j

schaftskanimer ihm Zuschüsse zu dem Ankäufe von Bullen gewähren würde. Ter Vorstand ist der An­sicht, daß Zuschüsse zum Ankauf von Bullen^an Kon- trollvereine nicht gegeben werden können. Tcm Kon­trollverein Fnlda soll anheim gegeben werden, m sei­nem Gebiete eine Zuchtgenossenschaft für N i e d e r u n g s v i e h zu bilden.

!! Hessisch! r Handwerkertag. Am Sonntag, 14. Tez. nachm. 3 Uhr findet, wie schon einmal mitgeteiU, im katholischen Gesellenhaus in Fulda der hessische Handwerkertag siir beide Hessen statt. Es sprechen nack den neueren Bestimmungen, b»r Bundes­vorsitzende Schneidermeister Voigt» Friedenau, der Landtagsabgeordnete Schreinermeister Euler-Bens» berg und der Landtagsabgeordnete Malermeister Li enew eg - Werther; außerdem haben eine Reihe von Reichs- und Landtagsabgeordneten ihr Erscheinen zugesagt. Tie städtischen Behörden von Fulda werden ebensalls vertreten fein.

= Wie Kaffer Wilhclm I. im Jahre 1813 über Fulra urteilte. Urner I. H.-Mitarbeiter schreibt uns: In jüngster Zpit sind einige Jugeudbriee Kaiser Wilhelms I. bekannt und zum Teil auch veröffentlicht worden. Tcr uns Fuldaer am meisten interessierende Brief datiert vom 17. November 1813 und ist von Frankfurt a. M. aus vom damaligen Prinzen Wilhelm an feinen Vetter Friedrich von Oranien, der sich ge­rade in Münchholzhausen aufhielt, gerichtet. Prinz Wilhelm schildert feine Eindrücke und Erlebnisse in Frankfurt und endet mit folgenden Sätzen: „In Fnlda find wir gewesen. Der Dom und die Abtei sehen sehr fchö naus, die Stadt etwas lähericht. Bei Hanau waren noch viele Spuren von der Schlacht zu sehen. 'Dieme herzlichste Gratu­lation zu morgen, den 18. November 1813. . . . Dein treuer Freund Wilhelm. (Um präzis 1,'s5 Uhr radmüttage.)" Der damals 16jährige Prinz Wilhelm scheint die durch Napoleon I geschaffene Aenderung nicht anerkannt zu haben, da er nock von der Abtei Fulda spricht, bie schon im Jahre 1803 aufgehoben war; er mag wobt im Stillen mit Dem Gedanken gespielt haben, daß die Zustande in Deutschland all­gemein wieder so gestaltet würden, wie sic vor dem Eingreifen Napoleons gewesen waren und daß auch die fürstliche Abtei Fnlda bei der Neugestaltung der Dinge wieder auf Der Lanakarte etidjeine, was in­dessen nicht geschah. (Uns will es scheinen, als ob der juaendliche Brieffchrciber weniger an den politischen Begriff „'llbtct* gedacht, als vielmehr die stattlichen Ab telgebänd e im Auge gehabt hafte, neben denen ja vor 100 Jahren sicherlich die kleinen Bürger- Häuschen der Stadt „etwas lächerlich" erschienen sein mögen. Tie Redaktion.)

# Ne Versicherung der Provinzialbeamten. Im Provinzialausschuß gelangte ein Antrag auf Gewäh­rung eines 20proz. Zuschusses zu den Lebensverfiche- rungSanftalten in Deutschland zur Beratung; ferner ein Antrag auf Kündigung der mit ben anberen Le- bensverficherungsanstalten abgeschlossenen Verträge. Das Resultat ber Besprechung war, baß ber Antrag mit überimegenbet Mehrheit abgelehnt wurde.

Anbnngung von Entschäviguugsanfprüchen aus dem Frachtvertrag bei der Eisenbahn. Wir machen unsere Leser auf eine Bekanntmachung der Königl. Eisenbahnbireklion in Frankfurt a. M. aufmerksam, nach ber die Güter »Abfertigung in Fulda vom 1. Januar 1914 ab versuchsweise ermächtigt wird, Ansprüche aus dem Frachtvertrag wegen Verlustes, 'Diinbtrung und Beschädigung oder nngen Verzögerung der Beförderung in dem näher bezeichneten Umfang selbständig zu erledigen. Mit di-fer Neueinrichtung ist eine Vereinfachung und Beschleunigung des Ver» fahrens bei der Erledigung von Entschädigungsan­sprüchen bezweckt in den Fällen, in denen es sich nur um geringere Beträge handelt, also eine Verkehrs» erleichteyung, die in erster Linie den kleineren Gewerbetreibenden, insbesondere den am Marktver­kehr beteiligten, zu Gute, kommen wird. An die Stelle des jetzt erforderlichen Schriftwechsels mit dem Verkehrsamt tritt in -den weiften Fällen aller An­sprüche der genannten Art m ü n d l i ch e Verhandlung mit der Güterabfertigung, wodurch eine raschere Einigung zwischen dem Antragsteller und der Eisen­bahn regelmäßig zustandekommen wird. Ost wird es der Abfertigung auch möglich sein, dem Antrag­steller die vereinbarte Entschädigung sofort auSzu- zahlen. Lediglich die Anbringung der Ansprüche durch die Verkehrstreibenden muß mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Eisenbahnverkehrsordnung nach wie vor schriftlich erfolgen. Jnanbeiracht Der mit der Neueinrichtung für das Publikum offensicht­lich verbundenen Vorteile ist der Wunsch gerechtfertigt, daß die Maßnahme der Eisenbahn-Verwaltung sich wahrend der Vcrftichszeit so bewährt, so daß ihre dauernde Beibehaltung möglich ist.

!! Tie spanischen Schatzschwindler rühren sich wieder. Seit Herbstbeginn sind tue spanischen Schatzschwindler wieder besonders eifrig am Werk und überfluten auch in unserer Gegend diejenigen, die nicht alle werden, mit Briefen und Druckschriften. Mehrere Unerfahrene korrespondlcrten fleißig mit den Gaunern und ein ganz Gescheiter wollte sogar allen Ernstes nach Spanien abdampsen, um den Schatz zu heben. Er erkundigte sich kurz vor der 'Abreise aber erst noch einmal bei der Kriminalpolizei und erfuhr da zu seinem großen Erstaunen, daß man ihn leimen wollte, was er anfangs gar nicht glauben mochte. Lasse sich uiemanD von den Schwindlern täuschen.

s. Amtliche Warnung vor Stelleuschwiubel. Deut­sche Zeitungen brachten kürzlich eine Annonce, wonach für die „Deutsche Abteilung einer Faktorei", in Lon­don ein Lagerverwalter gesucht werbe unb Bowervnn- gen an H. I, C. Marshall in Loubvii S. E. 2 Brook Street, Keuniggton Poab,, zu richten seien. Bewer­bern ging zunächst ein Personalfrogebogeu zum Ans- füllen aus London zu. Dieser enthielt auf ber Rück­seite u. a. bie Mitteilung, baß bie Firma zur finan­ziellen Umerstütznng „herübergekvnimener" Kaufleute bcfonberc Vorkehrungen getroffen habe. Wenn ein neu angestellter Kaufmann davon Gebrauch machen wolle, so habe er bei Bestätigung ber Anstellung SO Mk. eiuzu senden. Dafür werbe bie Firma die Reise­kosten bestreiten unb für den ersten Mon.ft volle Be­köstigung und freie Wohnung gewähren. Es handelt sich hier, schreibt die „N o r b b. A I l g. Z c g." offen­bar um den Versuch eines Schwindlers, möglichst viele unerfahrene Leute zur Einsendung der 85 Mk. zu veranlassen, um dann mit dem Selbe da- Weite zu suchen. Au ber angegebenen Adresse in London hat, wie Nachsorschungeu an Ort unb Stelle ergeben haben, ein Mann namens Marshall ein kleines Zim­mer in einem ärmlich aussehenben Hause gemietet. Er selbst ist angeblich verreist, über feine Tätigkeit ist nichts in Erfahrung zu bringen. Er hat aber zahl­reiche Briefsenbungeii aus Deutschlanb erhalten. Der Schwinbcl wirb allem Anschein nach im großen be­triebe::: bie Schreiben unb Mitteilungen bes Marshall sinb teils mechanisch vervielfältigt, teils gebrückt. Vor einem Eingehen auf feine Angebote kann nur dnn- genb gewarnt werben.

[| Wegen Bettelns wurden gestern wiederum zwei Pcrwnen feftgenommen.

[1 Ticbstaifi. Ein beim hiesigen Bahnerweiterung-, bau beschäftigter polnischer Arbeiter stahl gestern nachmittag in Bachrain aus einem Hause, das zwar abgeschlossen war, dessen Schlüssel man aber hatte stecken lassen, eine Tamenuhr mit Kette, xie Kriminalpolizei machte sich sofort auf die Verfolgung des Spitzbnbcii, und es gelang ihr, ihn m Kohlhaus in einer Wirtschaft zu verhaften. Auch die Uhr, die er bereits für drei Mark versetzt hatte, konnte wieder zur Stelle geschafft werden. , .

c-v Besitzwechsel. Das gesamte Anwe,en emfchließ- lich der Villa der Witwe Jos. Lorci) an der Frank- surterstraße 15 ist durch Kauf in Den Besitz des Kaufmanns Karl Pauly übergegangen. — Das Hotel Birkcurulb, der Frau Fleischmann Ww. ge­hörig, ging durch Kam in den Besitz des Herrn Heim tu Ulntbad) (Kreis Schlüchtern) über. Der Kaufpreis soll 38000 Mark betragen.

(!) Bei Schncegcstöber hielt gestern abend st. Nlko- laus fernen Umgang. Leider verwandelte fick der „erste Schnee" in den Straßen der Stadt allzugleich in Wasser, aber in höheren Lagen zeigt er sich dauer­haft und die Wintersportler sehen herrliche Sport­sreuden in greisbare Nähe gerückt.

Ans dem Nachbargebiete.

Eichenzell, 5. Tez. 1913. Ein freundliches Ge- präge trägt unser altehrwürdiges Backhaus, das unsere Gemeinde schon fast ein ganzes Jahrhundert hindurch mit Brot, Kuchen und dem beliebten Oel-,, Kriewe- und Zwiebelblatz versehen hat. -nachdem es im verflossenen Frühjahr einen neuen Schornstein > unb einen guten neuen Ofen erhalten hat, wuroe e» jetzt mit einem neuen Ziegelbach geschmückt. Der Fußboden wird mit hübschen Steinplatten gedeckt. Unsere Gemeinde besitzt nun zwei schmucke und beguem eingericktete Backhäuser: ein altes und em neues. Das neue wurde im vorigen Jahre durch Herrn Maurermeister Rudolf Müller von hier errichte.. Der Umbau des alten erfolgte durch denselben Meister. Die beiden Oefen verdauten Herrn Rotbrust aus Fulva ihre Entstehung. Das Backgeschast, das bt3 zur Errichtung des neuen Backhauses von der über 800 Einwohner zählenden Gemeinde ausschließlich m dem primitiv eingerichteten alten stattfand und als eine Last empfunden wurde, da es sich oft Dts lies in die Nacht hinein ausdehnte, hat nun eine an­genehmere Seite gewonnen.

* Liersfeld, 5. Dez. 1913. Gestern nachmittag wurde die Wahl des ersten und zweiten Bei« geordneten vorgenommen. Die in der Versamm­lung vom 17. November wiedergewählten Herren Ludwig Auel und Hrch. Geling hatten die Wahl abgelehnt. Bei der gestrigen Wahl wnrde un ersten Wahlgang Rentier Karl Schimmel p s e n g als erster, im folgenden Kaufmann Heinrich Altenburg als zweiter Beigeordneter gewählt.

* Steinau (Kreis Schlüchtern), 5. Dez. 1913. Das 2100 Einwohner zählende Städtchen Steinau hat be» ichlossen, den Lehrern Ortszulagen im Betrage bis zu 200 Mark zu gewähren. Der Rektor soll 300 Mark Ortszulage erhalten. ..

♦ Wächtersbach, 5. Dez. 1913. Nachdem die K a- daververuichtungs- und Verwertungsan­stalt des Abdeckereibesitzers Tummer hier jetzt fertig- gestellt ist, hat der Kreis Gelnhausen mit diesem ein Abkommen getroffen, wonach die Kadaver famt», ftcher im Krei e Gelnhaujen gefallener Tiere, in dieser Anstalt vernichtet werden muffen. i

0 Hanau, 5. Tez. 1913. In der Krelstagssitzung ist beschloßen worben, die ohne nähere Zweckbestim­mung errichtete, mit einem Grundstock von 10000 Mark versehene Kaiser - Jubiläums ft istung nunmehr der Förderung sanitärer und hygienisch erZwecke dienstbar zu machen. Weiter sollen alljährlich 3000 Mark in den Haushaltsplan ebenfalls zur Verwendung für diese Zwecke eingestellt werden. ___________

Amt Geisa und Umgebung.

* Stadtlengsfeld, 6. Dez. 1913. Mit Rücksicht auf einige hier vor kurzem erfolgten Austritte a u s d er Landeskirche faßte der Kirchengemeindevorstand in feiner gestrigen Sitzung bei Verhandlung über den Punkt „Dissidenten und kirchliche Ehren" den Beschluß: Bei Geburten von Kindern der Dissidenten fällt die kirchliche Danksagung weg. Für Dissidenten und deren Kindern, soweit sie nicht getauft sind, bleibt der Friedhof, da derselbe der Kirchen gemeinde gehört, für Beerdigung verschlossen.

* Birx, 5. Dez. 1913. Der Großherzog hat auf Grund des nach der Kirchen-Visitation in der Parockie Frankenheim erstatteten Berichte den beiden Kirchen- gemeinden Frankenheim und Birx je 50 Mark zur Be­schaffung von Altar-Aufsätzen und hohen Kruzifixen für ihre Kirchen ans dem Fürsttnnen-Fonds gewährt.

Mus Oberhrfsen u. den Hess. Aemtern.

△ Marburg, 7. Dez. 1913. Die Strafkammer beschäftigte sich heute saft sieben Stunden lang mit einem Zusammentreffen zweier Förster mit zwei Wil­derern, das sich am 1. Dezember in den Waldungen des Knüllgebirges abspielte. Weil in dem dortigen sehr unübersichtlichen Gelände viel gewildert wurde, unternahmen an dem fraglichen Tage, einem Sonntag, in aller Frühe zwei Förster eine Streife durch die Staatsforstcn. Unweit des sog. Aschen- berges bei Oberhülsa bemerkten sie auch zwei mit Ge­wehren ausgerüstete Männer, die, als sie sich bemerkt sahen, bie Flucht ergriffen. Kurz hinter Hergetsfeld holten sie einen der Männer, einen Landwirt aus Niederappenfeld, ein. Er entschuldigte sich damit, daß er von seinem Jagdrevier ans einen kranken Fuchs verfolgt und dabei ins staatliche Jagdgebiet geraten sei. Tort habe er den anderen Mann, einen Landwirt aus Oberappenfeld, zufällig getroffen. In der heutigen Verhandlung widerrief er diese Aussage, die er nur gemacht hatte, um nicht verhaftet zu weiden. Auch der andere Angeklagte beteuerte seine Unschuld. Tas Gericht hielt die beiden Angeklagten füc überführt und erkannte gegen den elfteren auf 4 Wochen unb gegen den letzteren auf 2 Wochen Ge­fängnis, sowie auf Einziehung der Gewehre.

Vermischtes.

* Der Lumpensammler als Spitzeukemrer. Einen uiigewöhnlickcii Fund machte vor wenigen Tagen ein Pariser Lumpensammler, als er im Hof eines Mode-Eiablissemeuts in ber Avenue bc l' Opöra die Müllkästen nach leeren Flaschen und Konservenbüch­sen burchsuchte. Es war ein Bündel Spitzen, das ihm zusammen mit allerlei Stossrestchen in die Hände kam. Merkwürbigorweise erkannte ber Lumpensamm­ler sofort den hohen Wert der nur leicht angeschmutzt