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4. Blatt.

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Fuldaer Zeitung.

M 282.

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sozialpolitischen Fra«

gen int Kartell die Führung an sich zu reißen bestrebt sei, um dann einen Druck auf die Regierung und das Parlament in antisozialem Sinne ausübcn zu können.

jen zu lassen, daß dies Kartell eine durchaus antr soziale Tendenz versolgt. Es scheint fast. "... Jet Tat die Schwerindustrie in sozialpoli

wochen-Kun-schau.

[:] Fulda, 5. Dezember 1913.

Der Reichstag hat in der letzten Woche tüchtig gearbeitet. Eine Reihe von Gesetzen hat er bereits m erster Lesung durchberaten und Kommissionett überwiesen. So das Spionagegesetz, das Gesetz über die Wiederaufnahme eines Disziplinarverfahrens, das Gesetz betreffend Aenderung der §§ 56, 56O der Ge­werbeordnung usw. Auch hat er zwei Mandate für erledigt erklärt, da die Wahlen des Herrn Kuckhoff (Ztr.l und des Herrn Haupt (Soz.) ungi ig gewesen sein sollen. Im Vordergrund des Interesses standen jedoch im Reichstag die Vorgänge in Zabern, die nach­gerade einen Charakter angenommen haben, der jeden stutzig machen muß. Was sich in Zabern ereignet hat, bildet wahrhaftig einen deutschen Skandal und man kann nicht energisch genug verlangen, daß die zu­ständigen Stellen mit aller Schärfe und Rücksichts­losigkeit eingreifen, damit derartige Vorkommnisse sich in Zukunft weder in den Reichslanden noch sonstwo im deutschen Reich wiederholen können. Eine ent­sprechende Zusage ist leider im Reichstage nicht ge­geben worden. Eine kurze Rede, die der Kanzler am Montag gehalten hatte, atmete noch Einfluß und Kraft, aber die lange Rede, die er am Mittwoch bei der Beantwortung der Interpellationen hielt, war durchaus unbefriedigend. Am Montag wollte der Reichskanzler die Autorität der Gesetze noch ebenso geschützt wiflen, wie die Autorität der öffentlichen Ge­walt. Am Mittwoch wiederholte er freilich diese Redewendung noch zum Schluffe, aber bezeichnender Weise in der umgekehrten Rangordnung. Die öffent­liche Gewalt (b. h. die militärische) kam obenan und die Auwrität der Gesetze erhielt eine Nachgeordnete Stellung. Dem entsprach auch die ganze lange Aus­führung. Wo die Kinder und die jungen Burschen in Zabern über die gesetzliche Schnur gehauen haben, da wird der denkbar strengste Maßstab angelegt; aber wenn die Militärs in ihrer Amtstätigkeit Gesetzes­überschreitungen begangen haben, so werden alle mildernden Umstände herbeigeholt, die sich nur irgend­wie auftreiben lassen und schließlich wird der "Rest der Gesetzwidrigkeiten mit dem Mantel der „Not­wendigkeit" bexckt. Herr von Bethmann gab sich selbst das Zeugnis der Objektivität. Und doch war sein ganzer Vortrag eine Parteirede. Er verteidigte da? militärische Vorgehen in der Art eines einseitigen Advokaten. Wir hatten vom Reichskanzler nicht er­wartet oder gar verlangt, daß er offen und entschieden Partei ergreife zu Unguusten der militärischen „Au­torität". Aber er durfte auch als Staatsmann nicht in dieser Weise zu ihren Gunsten Partei ergreifen. Wenn er kurz und klar ausgefuhrt hätte: Es ist auf beiden Seiten gesündigt worden, und beiden Seiten soll der Respekt vor dem Gesetze beigebracht werden, dann hätte man immer noch anerkennen können, daß er seine Stellung als oberster Beamter des Reichs ] mit Würde behaupte. Aber un steh» er gebeugt da, — gebeugt vor dem Obersten Reutter und dessen hohen Gönnern' Die Ausführungen des Reichskanzlers klangen so kraft- und machtlos, daß man den Eindruck . nicht los wurde, er steht am Ende seines Könnens und läßt die Dinge gehen, wie es die höhere Gewalt will! Was die Rede des Reichskanzlers noch nicht verdorben hatte, das verdarben die „schneidigen" Aus­führungen des Kriegsministers vollends. Aus ihnen kann man auch Schlußfolgerungen auf die Vorgänge in Donaueschingen ziehen. Der Kriegsminister ver- trat nämlich den Standpunkt, daß es sich in Zabern I nicht um eine naturgemäße Abwehr der Volksseele I gegen eine Beschimpfung und Bedrohung handle, son­dern um einen systematischen Vorstoß von ziebewuß- I ten Unruhestiftern. Bezeichnender Weise hatte schon I vor einigen Tagen der Statthalter Graf Wede§ die I Zaberner Vorgänge als Folge einer bösen „Wühl­arbeit" bezeichnet. Und dabei ist Zabern die deutsch- I freundlichste Stadt von ganz Elsaß-Lothringen. Wenn I solche Märchen, die an Verfolgungswahn grenzen, in I den obersten Kreisen geglaubt und zur Richtschnur I Smommen werden, dann kann man sich über irrige I ntschließungen nicht mehr verwundern. Aber, wenn I die Regierung eine welfferne Auffaffung der Dinge vertrat, so war der Reichstag diesmal' wirklich der I Träger der Meinung der weit überwiegenden Mehr­heit des deutschen, Volkes. Der Reichstag machte, so weit möglich, die Fehler der Regierung und der I Heeresverwaltung wieder gut und zeigte der elsaß- lothringischen Bevölkerung, daß er in der Verurtei- I lung der Vorgänge der letzten Wochen auf ihrer I Seite steht. Der Reichstag hat die Solidarität des gesamten deuffchen Volkes gewahrt. Und zum Spre- I cher dieser Solidarität des deutschen Volkes wurde der Zentrumsabg. Fchrenbach, der mit glühenden I

bester noch: gar nichts darauf sagen, wenn die Sache auf Zank und Zwist hinauszugehen droht. Der Mit­mensch gibt dir durch seine Worte oder sein Benehmen zu erkennen, daß er nicht von Liebe und Hochachtung erfüllt ist. Ehe du dich dagegen auflehnst, nimm eine ehrliche Wage zur Hand und stelle fest, welches Ge­wicht denn die Meinung dieses Mannes hat. Wenn es eine gleichgültige ober gar minberwertige Persön­lichkeit ist, so vergibst du "dir selbst etwas, wenn du dich mit ihm wegen seiner Unart in einen Kampf einläßt. Deine Ehre sollst du wahren, aber es müßte doch um deine Ehre verzweifelt schlecht bestellt sein, wenn sie der erfte beste vorlaute Mensch durch ein abfälliges Wort oder eine spöttische Miene zugrunde richten könnte.

Es gilt ja noch vielfach das Gesetz der Eben­bürtigkeit oder der S t a n d c s g l ei ch h e i t. Die Herren, welche die „Ehre" mit den Waffen zu verteidigen oder zu reparieren fuchen, die Duell­helden, sehen genau darauf, daß der Gegner auch „satisfaktionsfähig" ist. Wenn er von niederem Stande ist oder sonst einen gesellschaftlichen Makel auf sich geladen hat, so geht man nicht mit chm los, andern geht über ihn zur Tagesordnung über. Tiefe ganze ZweikarnpswirtfLast ist töricht und frevelhaft. Aber einen gewissen Sinn sinde ich doch in der Be­schränkung auf gleichgestellte Personen. Dem liegt ine Ansicht zugrunde: Ein Mensch, der unter mir letzt, kann meine Ehre überhaupt nicht schädigen: ich würde mir etwas vergeben, wenn ich mich mit ihm in Streit und Kampf einließe! Wenn man an diesem Standpunkt folgerichtig festhielte, so würde man n cht jiU einer großmächligen Jagd auf vorlaute Straßen- lungen kommen. Und wir alle würden uns manchen Aerqer ersparen, wenn wir die Worte oder das Be­nehmen von gleichgültigen Leuten mit Nichtachtung bestrasten und einfachen Uebergang zur Tagesord­nung erledigten. Ist denn die Nichtbeachtung eine Strafe? O ja, gerade für vorlaute, freche Personen sibt es keine empfindlichere Zurechtweisung, als wenn hr Vorstoß vollständig wirkungslos bleibt. Sie wol­len das freilich nicht ei.igcstehen und suchen oft noch einen Triumph vorzutäuschen. Aber in Wirklichkeit ' e> «/ — - -= füM. • Slt-n-'a# «»•*»

■ Worten der Gesamtmeinung des deutschen Volkes I Ausdruck gab. Der Fortschrittler Haas hat mit an- I erkennenöwerter Objektivität eS im Reichstag auS" I gesprochen, das sei das Gewaltige an der Rede Feh- I renbachs gewesen, daß trotz tiefer Parteigegensätze das I ganze Bott hinter Fehrenbachs Ausführungen gestan- I den fei. Fehrenbach ist allgemein bekannt als ge- I mäßigter Politiker, als bqgeisterter Patriot und I Freund der Armee. Um so wirksamer mußte die I scharfe Kritik erscheinen, die er an dem bestehenden I Zustand übte. Selbst der nationalliberale Abg. v. I Calker wünschte ihm Glück. Die Stellungnahme ver- I fehlte auch den Eindruck auf die Regierung nicht, I denn am andern Tag klang das, was der Reichs- I kanzler sagte, schon ganz anders als am ersten Tag I und man konnte in vielem mit ihm einverstanden I sein. Aber was zerschlagen war, das war zerschlagen I und der Reichstag setzte die Rolle, die er hier als I Sprecher des gesamten Volkes hatte, konsequent wei- I ter. Mit 293 Stimmen von 351 sprach er der Re- I gierung ein Mißtrauensvotum aus. So sehr wir I eine solche Notwendigkeit bedauern, so rückhaltlos I billigen wir, was damit geschehen ist. Zwischen der I Auffassung der regierenden Kreise im Reich und im I Heere und der Auffassung des Volkes gibt es keine I Brücke. Belastet mit dem Mißtrauensvotum ist der I Reichskanzler nach Donaueschingen zum Kaiser ge- I reift, wohin auch bet Statthalter der Reichslande I Graf Wedel und der kommandierende General von I Deimling beohlen waren. Man braucht nicht glau- I den, baß Bethmann Hollweg sich etwa die Abstim- I mutig des Reichstags so zu Herzen nähme, daß et I auf seinem Rücktritt bestünde. Es mag ihm nicht I ganz gleichgültig fein, daß von 351 anwesenden Ab- I geordneten nicht weniger als 293 ihm ihr Mißfallen I und Mißtrauen ausdrückten und weitere vier sich toe- I nigstens der Abstimmung enthielten. So ist er doch nicht, daß ihm nichts daran läge, wie die Mehrheit über ihn denkt. Aber einer parlamentarischen Ab­stimmung zu Weichen, kommt ihm doch auch richt in den Sinn. Das ist des Landes nicht der Brauch. Jedenfalls darf man aber wichtige Entschließungen aus Donaueschingen erwarten.

Von hoher Bedeutung für unser innerpolitisches Leben und bie Zukunft bet Sozialpolitik wat bet in Berlin abgehaltene 3. beutsche Arbeiterkon­greß, auf dem von über 400 Delegierten ein einvier­tel Millionen deutscher Arbeiter und Angestellte ver­treten waren. In gediegenen Referaten wurden dort von den Wortführern der christlichuatwnalen Arbei­terschaft. Die Hauptprobleme der sozialen Fürsorge für die Arbeitersc^ist in der Jetztzeit behandelt und man darf Wohl sagen, daß der Kongreß trotz des selbstvster- ständlichen entschiedenen Eintretens für die Interessen und Rechte der Arbeiter doch nicht das Gesamtwohl und die berechtigten Interessen anderer Berufs- und Erwerbsstände aus dem Auge verlor. Vor allem wa­ren es die brennenden Fragen derArbeitslosenkürsorge und des Arbeitswilligenschutzes, die den Kongreß ein­gehend beschäftigten, dann aber auch das Mißverhält­nis zwischen der Steigerung der Löhne und der Le­bensmittelpreise. Wie sehr man sich in den Kreisen der christlich-nationalen Arbeiterschaft auch bewußt ist, daß die Grundlagen unserer bisherigen Zollpolitik für unser Wirtschaftsleben notwendig sind und darum auch in Zukunft erhalten bleiben müssen, glauben sie doch, daß heute bei der veränderten Lebenshaltung das Konsumenteninteresse bei einer Erneuerung der Zoll­tarife und der Handelsverträge mehr berücksichtigt werden muß, als es im Jahre 1902 der Fall war, wo unter dem Einfluß bet bösen Krisenjahre in ben 80er und 90er Jahren bas Produzenteninteresse mehr in den Borbereqrunb geschoben würbe. Die christ­lichen Arbeiter sind sich bewußt, daß tijr wirtschaft- liches Wohlergehen unzertrennbar ist von dem Wohl­stand der Industrie, des Handwerks und der Land­wirtschaft und darum stehen sie auch .richt an, die Berechtigung der wirtschaftlichen Interessenvertre­tung dieser Stände anzuerkennen. Wenn dies aber in einer Weise geschieht, wie das in Leipzig gegrün­dete Kartell der schaffenden Arbeit es tut, dann kann man es den Arbeitern nicht verdenken, daß sie sich gegen einen derartigen Zusammenschluß der Arbeit­geberverbände wehren.

Gerade in diesen Tagen hat in Esten a. Ruhr das Kartell der schaffenden Arbeit ebenfalls eine Tagung abaehalten, auf der Worte gefallen sind, wie sie nicht schlimmer hätten sein können, um in bet Arbeiterschaft ben Gedanken feste Wurzeln schla­

Dienstboten verärgert hat, dann dämmert ihm bei Wiederkehr der Besinnung die Erkenntnis auf: Ein Heldenstück war das eigentlich nicht. Lorbeeren habe ich nicht gepflückt, aber in die Nesteln gesetzt.

Die Soldaten von Zabern machten Jagd hinter vorlauten Straßenjungen. Das ist ein unrentables Geschäft. Die Bengels mit bet losen Zunge haben auch schnelle Beine; wer hinter ihnen herläüst, rennt eher friedliche Leute um, ehe er die Schuldigen saßt. Aber die Burschen müssen doch Lhte Strafe haben! Gewiß, die Strafe wäre ihnen zu gönnen. Doch die Nürnberger können keinen hängen, den sie nicht haben. Es ist nun einmal so in der Welt, daß manche Mistetaten ungerächt bleiben. Ehe man Kraft und Zeit an die Verfolgung setzt, muß man sich überlegen, ob die Sache sich lohnt. Auch wir gewöhnliche Bür­ger bekommen manchmal ein Wort zu hören, das uns nicht gefällt, und eine Grimmaste zu sehen, die nicht von Hochachtung zeugt. Wer empfindlich und heißblütig ist, braust leicht auf und erklärt, er könne sich das nicht gefallen lasten. Er will sein Recht buichsechten. Der besonnene Mensch aber fragt sich erst, was denn bei der Geschichte herauskommen werde. Wer recht hat, bekommt nicht immer recht. Und wenn er schließlich recht bekommt, so sind am Ende die Prozeßkosten viel größer, als der Wert des StreiwbjektZ. Ein dreister Bursche rennt über die Straße und rempelt mch an. Soll ich mich mit ihm in ein Wortgefecht einlassen? Ta ziehe ich vermutlich den kürzeren, und wenn das Publikum einen Lau­scherkreis bildet, so spiele ich sicherlich keine beneidens- werte Rolle. Ein Schutzmann kann natürlich n'cht immer zu meiner Seite stehen. Und hätte ich gerade einen solchen Wächter der Ordnung zur Hand, so würde es sich doch nicht lohnen, den Fall anhängig zu machen. Weshalb soll ich mir so viele Umstände machen, um im günstigsten Falle eine Bestrafung zu erzielen, die dem Schuldigen nicht an bie Nieren geht und mir kein Behagen verschaffen kann? — Wer sich gegen jede wirkliche ober vermeintliche Kränkung zur Wehre setzen will, der kommt sein Lebenlang nicht aus dem Streit und Kamps heraus.

. Du hast zwei Ohren und einen Mund; gar •IV hv fknra' * -*• *

+ Die deutschen Jesuiten und die deutsch-nationalen Interessen.

Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht der Reichs­und Landtagsabg. Prof. Dr. Faßbender einen lesenswerten Artikel, der in breiteren Kreisen auch des nichtkatholischen Volksteils Beachtung und Prü­fung finden dürfte, da er in den preußischen Jahr­büchern des Prof. H. Delbrück erschienen ist und die Jesuitenfrage von einer Seite betrachtet, die Anders­denkenden zugänglicher und verständlicher sein dürfte als die Betonung des Rechts der katholischen Kirche

Uiq>oim|d)t Settlänft.

N. Berlin, 4. Dezember 1913.

kNachdruck nicht aeflattet.)

Die Helden von Zabern haben Pech. Wenn die waffenstrotzende Mannschaft auszieht, um bös- maulige Buben zu fangen, so erwischen sie würdige Gerichtsherren und einen pflichteifrigen Feuerwehr­mann. Und wenn nun endlich ein Opfer vor den Säbel kommt, so ist es ausgerechnet ein lahmer Schu­ster. Und einen erlegt er mit gewaltigen Streichen, bie anderen entweichen. Der Eine aber war ein ver­krüppelter Ritter vom Pechdraht. Das war kein Heldenstück!

Dian nennt das auf deutsch: „Ironie des Schick­sals". Die Dinge spielen uns manchmal einen Pos­sen; es kommt oanz anders, als wir gedacht hatten, und das imposante Unternehmen läuft plötzlich auf einen komischen Strang. Als wenn jemand nut Todesverachtung auf die Lcwenjagd zieht, ohne Zau­dern und Zittern das Gewehr an bie Backe reißt und eine brave Kuh im Feuer zusammenbrechen läßt. Heldentaten lassen sich leicht anfangen, aber es ist schwer, sie glücklich uitb mit ungeknicktem Erfolg zu Enbe zu führen.

Vielleicht sagt ber eine, das ginge ihn nichts an; er geize nicht nach Lorbeeren unb fei fein Heldenspic- ler. Na, na! So etwas Neigung zu imposanten Kon­flikten findet man auch bei "ganz gewöhnlichen Zivi­listen. Der Dünkel treibt, die Eitelkeit kitzelt: man fein doch mal den Leuten zeigen, was man leisten kann. Mit kräftigen Worten fängt die Vorstellung an. In der Unterhaltung mit gleichgestellten Per­sonen gestattet sich der Maulheld einen kecken Zungen­schlag, um seine geistige lieberlegenbeit glänzen zu lassen. Im Verkehr mit abhängigen Leuten wird er scharf und grob, damit sie feine wirtschaftliche und WZiale Ueberlegenheit spüren. Dann gibt ein Wort das andere; auß der Reiberei wird ein großer Krakehl mit allerhand verdrießlichen Folgen. Und was er­reicht der Heldenspieler? Die Leute denken oder sagen: der redet ja mehr, als er verantwortne kann. Und wenn ber gewaltige Draufgänger schließlich seine Frau aekränkt. seine Ki-nv-r ert*r"'ft ober seine

Im Interesse beS HanbwerkS unb bes MittelstanbeS. wie auch im Jntereffe des ganzen Bolkswohls wäre es erwünscht, wenn unser Mittelstand und unsere christlichen Bauernvereine den Schwerindustriellen in ihren Bestrebungen gegen die Fortführung unserer Sozialpolitik nicht die Hand reichen würden.

In Frankreich ist, wie Vorauszusehen war, das Ministerium Barthou gestürzt worden. Die Stel­lung der Regierung war bereits in der vorigen Woche sehr erschüttert, da das Anleiheprojekt Barthous mit nur 21 Stimmen Majorität angenommen worden war. Barthous Kabinett überlebte diesen Pyrrhus­sieg nicht lange, fein Sturz erfolgte durch die Abstim­mung über die Besteuerung der Renten mit einer Majorität von 25 Stimmen. Der vorherrschende Ein­druck geht jedoch dahin, daß Barthou nicht den Angrif­fen feines Widersachers, des ehemaligen Minister­präsidenten Caillaux erlegen ist, sondern ausschließlich feiner eigenen Ungeschicklichkeit. Statt sich auf ein Konchromiß mit den Vorschlägen der Budgetkom- miffion einzulassen, verstimmte Barthou dadurch, daß er 6er Budgetkommission gewissermassen, wenn auch indirekt, Unredlichkeit vorwarf, einen großen Teil sei­ner bisherigen treuen Anhänger. Nach dem Bekan.it- werden des Kabinettssturmes kam es in der Kammer zu großen Tumulten. Die Radikalen und Radikal­sozialisten applaudierten aus Leibeskräften und be­nutzten die Gelegenheit, eine Manifestation gegen die 3jährige Dienstzeit zu veranstalten. Im Augenblick ist noch nicht Vorauszusehen, welche Persönlichkeit Poincarö mit der neuen Kabinettsbildung betrauen wird, da eine Berufung Caillaux eine bleibende Mehr­heit in der Kammer kaum erholten könnte. Man denkt an ein Ministerium Briand-Millerand. Die nächsten Tage werden darüber ja Klarheit verschaffen.

In Italien wurde die Kammer durch eine Thronrede des Königs eröffnet, in der besonders der nötige Ausbau der Mittelmeerstellung Italiens betont wurde. Die Thronrede des Königs gab in Frank­reich, wo man schon lange an der zielbewußten Politik Italiens wenig Gefallen fand, zu neuen Ver­dächtigungen Anlaß. U übrigens ist auch eine andere An von Feindseligkeit Frankreichs gegen eine zweite Macht des Dreibundes zu verzeichnen, nämlich der Vorschlag der Verhängung des finanziellen Boykotts über Oesterreich-Ungarn. Auch über die sehr zwei­felhafte Politik Frankreichs und Rußlands während der B a l k a n w i r r e n bekommt man jetzt einige Aufklärungen. In einem mit guter Berech­nung ausgesuchten Augenblick wurde in der französi­schen Presse neben anderen Dokumenten aus der Entstehungszeit des Balkanbundes der Text der ge­heimen Militärkonvention zwischen Bulgarien und Serbien veröffentlicht. Aus diesen Abmachungen geht klar hervor, daß der von Rußland unter französismer Protektion zu kurzem Leben berufene Balkanbund un­mittelbar gegen Oesterreich-Ungarn ge­richtet war. Der Vertrag überließ ganz Nordalbanien an Serbien und verpflichtete Bulgarien für den Fall, daß Oesterreich Ungarn gegen Serbien vorgehe, zur Kriegserklärung gegen Oesterreich-Ungarn. Es ist klar, daß die Veröffentlichung dieser Dokumente ge­rade jetzt eine völlige Entfremdung zwischen dem Kö­nig Ferdinand und Oesterreich-Ungarn herbeiführen sollte, und den König, der seinerzeit diesen Vertrag nur unter dem Dmä der ruffischen Diplomatie un­terzeichnet hatte, seiner letzten Stütze berauben sollte. Dieser Zweck wurde glücklicherweise nicht erreicht. Nun hat allerdings König Ferdinand dadurch den Haß Rußlands auf sich gezogen, aber auf der anderen Seite ist eine Klärung und Erneuerung der vertrauensvol­len Beziehungen seines Landes zu Oesterreich-Ungarn angebahnt worden. Die französischen „Enthüllungen" rechtfertigen aber auch die Balkanpolitik Oesterreich - Ungarns wgh-end der Krise. Sie zeigen, daß das Wiener Auswärtige Amt gut orientiert war, mit Ge­schick die ihm durch den Balkanbund drohenden Klip­pen umschiffte und mit der Schaffung des albanischen Staates das denkbar Möglichste erreicht hat, was überhaupt ohne Entfachung eines Weltkrieges zu er­langen war.

und des katholffchen Volles auf uneingeschränkt» religiöse Freiheit und paritättsche Behandlung.

Professor Faßbender zeigt an Hand der Geschichte, der Aeußerungen hervorragender Männer und der religiösen wie sittlichen Not unserer Zeit, daß eine ungehemmte Betätigung der deutschen Je­suiten gerade im deutsch-nationalen Jntereffe e r-- wünscht und erforderlich ist. „Alle möglichen umstürzlerischen Bestrebungen, die an den Grund­festen der Gesellschaftsordnung rütteln, die Thron und Altar bedrohen, die Gesetz und Sitte verhöhnen, sie dürfen sich heute ungestört breit machen. Katholische Priester aber, die dem Jesuitenorden angehören, sol­len durch gesetzliche Maßnahmen selbst in ihrer in­dividuellen seelsorgcrlichen Wirksamkeit behindert werden, nur weil sie Jesuiten sind." Das ist eS, was in jedes katholische deutsche Herz einen Stachel treibt und es empfinden macht, daß ihm nicht glei­ches Recht und gleiche Rücksicht zuteil werden, tote, allen anderen. Dafür scheint man in nichtkatholischen Kreisen kein rechtes Verständnis zu haben. „Und was ist es, das das klare Denken in der Jesuiten­frage so völlig auszuschalten scheint? Es ist der Po­panz der Jesuitenfurcht, der in der Ge­schichte nur ein Analogon im Hexenwahn findet . . - Wo ist aber der Säkularmensch in nichtkatholischen Kreisen der Gegenwart, der, tote einstmals Fried­rich der Große den Vorurteilen einer Welt entgegen» zutreten wagte?", fragt der Verfasser und bringt eine Reihe Belege bei für die Hochschätzung dieses großen Königs für die Jesuiten in einer Zeit, als selbst ein Papst in Nachgiebigkeit gegen das Drängen der glau­bens- und sütenlosen bourbonischen Höfe den Jesui­tenorden aufgehoben hatte. Dann tritt der Veffaffer den Beweis für feine These an, daß nämlich die Gleichstellung und Gleichberechtigung der deuffchen Jesuiten mit jedem anderen deutschen Staatsbürger, sowohl in ihrer Betätigung im allgemeinen, wie be­züglich der religiösen Ctintoirtung gegenüber anderen, gerade auch vom Standpunkte ber deutsch-nationalen Interessen der Gegenwart geboten erscheint.

Er weift hin aut Bas mit echt katholischer Gesinnung gepaarte wahrhaft nationalBeutsche Smpfinften, daS sich in Büchern der deutschen JesuitenpalreS befindet; eS sei nur an die .Nachahmung der Heiligen" deS Jrsuiten Huber erinnert; weiter finden sich interessante Belege für das warme nationale Empfinden deutscher Jeimten m der.Geschichte de» Jefuiten in den Ländern deutscher Zunge in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts' von Bernhard Duhr. Erwähnt, sei ferner auch Camerlanders Buch „Sinh die Jesu­iten deutschfeindlich?', indem ein reichhaltiger Material aus der Gegenwart zusammengetragen; ist zum ErweiS deffen, was die Jesuiten für das Deutschtum im Ausland geleistet haben. Was untere Jesuiten in den Kriegen 1866 und 1870/71 für Deutschlands Wohl in christlicher Nächsten­liebe geleistet haben, ist noch in manchen allen KrtegerS Herz eingegraben und findet sich anschaulich geschildert tn einer Sammlung von Briefen und Berichten, die unter dem Titel .Die deutschen Jesuiten aus den Schlacht­feldern und in den Lcnaretten 1870/71' von M. Rist herausgegeben worden sind.

.Wer die Geschichte zu sich sprechen läßt, der kann wahrlich ntait mehr bie Behauptung aufstellen, daß die Au Hebung des JesuitengetetzeS den deutsch-nationalen Interessen wider'preche, weil es den heutigen Jesuiten an deutschem Geist mangele. Und wie die Jeiuiten über das Verhältnis zwischen den Konsessionrn in Deutschland denken, das hat der deuttche Jesuit Lippert in seiner Schrift .Zur Psychologie deS Jesuitenordens' ausgesprochen: „Die Jesuiten von heute sehen in den christlich gesinnten Protestanten ihre Brüder und SB affen« genossen tn dem großen Geisteskampfe gegen die anti- chnftliche Bewegung der Neuzett.' „Sollten aber, bemerkt bet Verfasser, Elemente unter ben deutschen Jesuiten sich finden, welche nicht eine so vornehme Gesinnung, wie bet vorgenannte Pater Lippert, hegen, zu illoyaler Hetze wirb ihnen in der Gegenwart teilte Möglichkeit bleiben." Wie die Verhältnisse heute liegen, wird sich das Wirken ber Jesuiten nut nach zwei Richtungen hin entialten können. „Ein Teil wirb w-e bislang sich der Wissenschaft widmen, und ein anderer Teil der Pflege teligrös- sittlichen Lebens unter ihren Glaubensgenoffen . . . Das Gebiet, auf dem die Jesuiten in bet G genwart sich hauptsächlich jedoch zu betätigen haben würben, wär« bet Kamps gegen ben Umsturz, doch wohl ein Wirken deutich-nationalen Interesses tn erhöhtem Sinne des Worte».'

Diese Erwägungen unb Betrachtungen führen den Verfasser zu dem Schluß, daß man gerade vom deutsch-nationalen Standpunkte aus sagen müsse, daß der Vorschlag, den der sreikonservative Abg. v. Dewitz in einem Aufsatz des „Neuen Deutschland" und ähn­lich auch Professor Delbrück in den „Preußischen Jahrbüchern" schon vor längerer Zeit gemacht haben, dringend einer schleunigen Verwirklichung bedürfe. Die beiden genannten Politiker wollen den einzel­nen Jes ui ten volle Bewegungsfrei­heit gewährt sehen, auch bezüglich der „religiö-

i)ie Ueberlegenheit des Angegriffenen. Darum toerben ja auch zänkische Leute furchtbar ärgerlich, wenn man auf ihren Redeschwall gar keine Antwort gibt. DaS Stillschweigen ist ihnen unheimlicher, als die grim­migste Antwort; denn an letztere könnten sie ja wie­der einen neuen Erguß ihrer Beredffamkeit anknüp- :en, aber aus dem Stillschweigen können sie nichts anderes herauspicken, als Geringschätzung unb Ver­achtung. —

Der Schatzsekretär des Reiches hat dieser Tage eine schöne Rede über Sparsamkeit gehalten. Die Menschen wiffen gar nicht, wieviel Geld sie sich verdienen können, wenn sie sparsam sind! Diesen alten römischen Spruch wärmte er auf, und man muß zuqestehen, daß die graue Lebensregel noch sehr zeitgemäß ist. Vielleicht Paßt sie in die heutige Zeit noch beffer, als in das Altertum; denn zu den mo­dernen Unsitten gehört auch die, daß man die Aus­gaben noch schneller anwachsen läßt, als die Ein­nahmen. Wir kommen immer tiefer in die Geld­wirtschaft hinein, und die Münzen, die uns in die Tasche kommen, tteiben unS zu Genüssen und LuxuS an, so daß wir trotz der verbefferten Einnahmen ewig mit dem Gleichgewicht zu kämpfen haben. Was du an Ausgaben sparst, das wächst 'deiner Einnahme zu. Gespart ist so gut, wie verdient. Das ist eine o einfache unb klare Wahrbeit, baß man sie kaum noch aussprechen mag. Doch wie oft wird sie ver­gessen unb mißachtet! Ich möchte aber außer ber Sparsamkeit im Gelbausgeben noch eine andere Sparsamkeit empfehlen, nämlich die Sparsamkeit in Worten und in K r a s t t a t e n. In freundlichen, guten und lieben Worten kannst du ein Verschwender fein; doch wenn dir harte, scharfe, streitfüchtige Worte auf die Zunge kommen wollen, so schnüre wie ein Peizhals den Beutel zu und gib nichts von dir. Die üneffreulichen Sorte sind ein kostspieliger Luxus, eine Verschwendung von Kraft, Würde und Frieden. Und wenn du gar noch ans Aerger ober Zorn bich zu „Heldentaten" hinreißen läßt, bann hanbelst du gerade so klug wie ber Trunkenbolb, ber bas Porzellan tn ber eigenen Küche zerschlägt, um feinen Grimm der Welt zu zeigen.