Fuldaer Teilung.
2. Blatt.
Dtitf btt txlbetr ZtlltnbMtttti in Selb«.
Lokales.
Fulda, 5. Dezember 1913.
# Pcrionalieu. Verliehen wurde dem ArntSgerichtS- rat August v. Boltog zu Bergen im Kreiie Hanau der Role Adlerorden vierter Klasse, dem Maschinenwärter Wilhelm Binson zu Hanau und dem Gartengehilfen Peter Lapp zu Dörnigheim im Landkreise Hanau das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.
# Rücktritt deS Kommandeurs der elften Armee- korpr. Der Kommandierende General des 11. Armeekorps (dem unser Artillerieregiment zugehört) General der Infanterie Frhr. v. Scheffer- Boyadel, hat seinen Abschied eingereichl, wie es heißt, aus Gesundheitsrücksichten. Frhr. v. Scheffer- Boyadrl steht im 62 Lebensjahr. Am 5. März 1908 wurde er als Nachfolger des Herzogs Johann Albrecht von Württemberg zum Kommandierenden General des 11. Armeekorps ernannt. General v. Scheffer ist 1851 in ©r au geboren, trat 1870 in die Armee ein, wurde 18,1 zum Leutnant, 1883 zum Hauptmann und 1889 zum Major im Großen Generalstab befördert, im Jahre 1905 in den Freiherrnstand erhoben.
♦„* Besuch. Der Hochwürdigst« Herr Bischof Augustinus von Limburg, der am DienSlag abend zum Besuche unseres Hockwürdigften Herrn BischosS hier eingetroffcn war, stattete am Mittwoch vormittag in Begleitung unseres Hochw. Herrn Bischofs auch dem bischöflichen Priesterseminar einen Besuch ab. In der geschmückten Aula deS Priesterseminars hatten sich alle Alumnei und der Seminarvorftand eingefunden. Beim Betreten deS Saales wurden die Hochwürdigsten Herren Bischöfe durch das Spiel des Orchesters begrübt. Hierauf hielt Herr Regens, Pros. Dr. Schreiber, eine Begrüßungsansprache an den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Limburg, Er hob dann hervor die engen Beziehungen der Fuldaer Therlogenschule und den Limburger Landen von heule bis hinauf zu den Tagen des Stifters der Fuldaer Klosterschule, deS hl. Rabanus Maurus fgest. 856), der in einem Städtchen der heutigen Diözese Limburg, in Winkel 'm Rheingau, geboren und gestorben sei, wo auch daS einzige Denkmal für ihn stehe. Ein vierstimmiger Männerckor gelangte dann zum Vortrag. Hieraus «widerte der Hockw. Herr B r s ch o f von Limburg m einer längeren Ansprache, in der er besonders der ? roßen Verdienste gedachte, die das Fuldaer Priester- eminar durch die wissenschaftliche und priesterliche Heranbildung so vieler Limburger Priestertandtdaten sich um die Diözese Limburg erworben habe. Aus eigener Erfahrung, alS langjähriges Mitglied der Prüfungskommiffion bei der Bischöflichen Behörde zu Limburg, habe er sich von der Vorlrefflichkeit der theologischen Ausb.ldung und Erziehung im Fuldaer Ptiesterseminar überzeugen müssen. Daraus ließ sich der Hockw. Herr Bischof alle Limburger Alumnen — sie bilden die Hälfte aller Theologiestudierenden im Priesterseminar zu Fulda — einzeln vorstrllen und hatte für jeden derselben ein freundliches Wort. Hieran schloß sich eine kurz« Besichtigung des HauseS. Vorgestern mittag halte unser Hochw. Herr Bischof zu Ehren seines hohen Gastes das Domkapitel und das Professorenkollegium des Priestersemmars zu Tisch geladen. Gestern gegen Mittag trai der Hochw. Herr Bifckm von Limburg die Heimreise an
** Ein« Sitzung des Kreistages findet am S a m S. tag, den 20. Dezember d. I., vorm. 9% Uhr, im Stadtverordneten Sitzungssaal im Stadtschloß zu Fulda statt. Die Tagesordnung lau- tet: 1. Neuwahl der 4 bürgerlichen Mitglieder und ihrer Stellvertreter der Kreis-Ersatz-Ko m- Mission für die Jahre 1914, 1915 und 1916 nach § 30,4 des Reichsmilitärgesetzes vom 2. Mai 1874 und § 26 der Wehrordnung. 2. Neuwahl der 3 Mitglieder und ihrer Stellvertteter der Bullen-Körungs« k o m m i s i i o n für die Jahre 1914, 1915 und 1916 nach § 2 der Polizei-Verordnung vom 17. Januar 1879. 3. Wahl zweier Mitglieder der K r e i s v e r- Mittelungsbehörde an Stelle des Rentners Bernhard Linnenkohl zu Bad Salzschlirf und des verstorbenen Bürgermeisters C o m i t t i zu Böckels nach § 2 der Verordnung vom 13. Mai 1867. 4. Prüfung, Feststellung und Entlastung der Re ch- n u n g e n der Kreiskommunalkasse, des Kreisspritzen, »erbandes, des Kreissiechcnhauses und des Fonds zur Hebung der Rindviehzucht für das Etatsjahr 1912. 5. Mitteilung der Zahlen über die im Kreise vorhan. denen Volt- und Halbwaisen. 6. Festsetzung des Landwegebau-Etats für 1914. 7. Beschlußfassung über das Projekt zur Korrektion des Landweges Fulda-Niesig-Lehnerz von Station 3,012 bis 3,140 des Landweges Fulda-Niesiq und von Station 1,874 bis 2,000 des Landweges Lehnerz.
Zn der Schule der Leidens.
38) Roman aus dem New-Dorker Leden.
Von Erich Frieden.
Und weiter wird nebenan beim trauten Mahl ge» sprachen und gescherzt und gelacht. Die heutige Vorstellung muß wieder ein großer Erfolg gewesen sein — ein neues Stück, zum erstenmal aufgeführt in Newyork. Man kritisiert, lobt, tadelt.--Felicie
fühlt sich wieder zurückversetzt in jene glückliche Zeit, da auch sie mit Vergnügen an solchem Theatergeplauder teilnahm.
„Gewiß!" hört sie plötzlich ihre Mutter sagen, augenscheinlich als Antwort auf irgend eine Frage. „Ich werde es sofort holen."
„Bitte, nicht!" erwidert Gerdas weiche Stimme. „Es ist schon spät. Das Theater wird bereits geschloffen sein."
„Ich will es wenigstens versuchen. Das Armband ist zu kostbar, als daß man es bis morgen hort lassen sollte. Walter schläft — ich kann mich ruhig entfernen."
„Ich will gehen!" mischt sich Norberts sonore Sttmme hinein.
„Nein, Barrington. Ich möchte inzwischen mit Ihnen etwas besprechen", entscheidet Gerda. „Kommen Sie mit in den Salon'"
Ein Geräusch entsteht, wie von Sttihlrücken. Ohne noch einmal nach dem Kinde zu sehen, verläßt Frau Mackav das Eßzimmer.
Felicie hört die Tür hinter ihr ins Schloß fallen. Klopfenden Herzens lauscht sie den sich immer mehr entfernenden Fußtritten. — —
Nebenan im Salon tiefes Schweigen.
Felicie lauscht und lauscht. — —
Warum reden die beiden nicht? Gerda wollte etwas mit Norbert besprechen. Warum tut sie es
Brennende Eifersucht erfaßt die Lauscherin. Sie meint aufspringen, ins Neben-immer stürzen^ di« beiden zur Rechenschaft ziehen zu muffen.--
' Doch nein — sie hat ja gar keine Beweise!
Riesig sowie Antrag auf Bewilligung der Hälfte der auf 7900 Mk. veranschlagten Herstellungskosten aus Mitteln des Bezirksverbandes. 8. Beschlußfassung über das Projekt zum Neubau eines Landweges von Rim- mels nach dem projektierten Landweg Traisbach- Dammersbach, Zustimmung zur Aufnahme dieser Landwegestrecken m die Klasse der Landwege und Beantragung der Gewährung der Hälfte der auf den Kreis Fulda entfallenden Baukosten im Betrage von 38 050 Mk. und Mitteln des Bezirksverbandes.
△ Am dritten Sonntag vor Weihnachten, kommenden Sonntag also, ist in allen Zweigen des Handels. gewerbeS die Beschäftigung von Gehi'sen, Lehrlingen und Arbeilern, sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr abends zulässig. An diesem Tage ist die BesckäftigungS- zeit für 10 Stunden sreizugeben. Die für den Hauptgotlesdienst festgesetzte Paule muß inne gehalten werden. Während des übrigen GoltesdienNes dürfen an dem genannten Tage die Geichäfi« geöffnet sein.
X Gkwerbeverein. Die am Mittwoch abend ab- gehaltene Berlammlung des G werbevereins war gut besucht. Die Tagesordnung war recht intereffant, wie die den einzelnen Punkten folgende lebhafte Diskussion erkennen ließ. Die Periammlung nahm u. a. vorläufig Stellung zur Frage der Errichtung eines Handwerksamtes. Sie hält die Schaffung eines iolchen hierielbst für wünschenswert. Weiter beschäftigten die Versammlung die demnächst stattfindenden Vorstandswahlen für die Allg. Orlskrantenkasfe. Auch über die Lehrlingsausbildung, Lehrverträge und Lehrgeldzahlung — dasselbe Thema beschäftigte kürzlich die Schuhmacher • Innung — wurde lebhaft diskutiert.
△ Wahlen im Provinzialausschutz Im Provinzialausschuß, der gestern eine Sitzung abhielt, wurden eine Reihe von Wahlen für den Bezirksausschuß und den Provinzialrat vorgenommen, welche die Wiederwahl der bisherigen Vertreter ergab. In den Provinzialrat wurden neu gewählt Konfistorral-Prästdent Landtagsabgeordneter Frhr. v. Schenk zu Schwems- berg, in die Provinzialabteilung der Bergausichüsse Bergwerksbesitzer Frhr. Waitz zu Eschen junior zu Ringenkuhl. Sodann wurden eineAnzahlRechnungen für die landwirtschaftliche Berufsgenoffenschaft und für die Haftversicherungsanstalt der Provinz Heffen-Naffau vorgelegt und gebilligt. Der Ausschuß wählte ferner eine Kommission zur Nachprüfung der Unfallver- hütungsvorschristen der landwirtschaftlichen Beruss- genossenschast.
(a) Die Maul- und Klauenseuche zeigt sich, wie wir kürzlich bereits mesdeten, neuerdings wieder in erheblichem Maße im östlichen Deutschland. Nach einer uns heute vorliegenden Meldung ist die Maul- und Klauenseuche in Heldenbergen, Kreis Friedberg (Oberheffen), bei Kühen festgestellt worden, die von einem Händler aus Berlin eingeführt sind. Im Hin- blick auf den letzten großen Seuchenzug in den Jahren 1910/12, durch den auch der Kreis Fulda schwere wirtschaftliche Schäden erlitten hat, ist es besondere Pflicht eines jeden Einzelnen der viehhaltenden Be« völkerung, beim ersten Auftreten verdächtiger Krankheitserscheinungen dem Ortsvorstand oder der sonst am schnellsten zu erreichenden amtlichen Stelle (Land- ratSamt, Kreistierarzt) sofort die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten, damit die erforderlichen Maßnahmen unverzüglich ergriffen werden können. Zuwider- Handlungen werden aufs allersttengste bestraft werden.
hk. Winke für den Handel nach Frankreich. Deutschen Firmen, welche nach Frankreich exportieren, wird empfohlen, Angebote, Prospek.e und Kataloge in fran- zösischer Sprache abzufassen, da sie nur in diesem Falle Beachtung zu finden pflegen lvergl. Handbuch für den dentlchen Außenhandel 1913 S. 34). Ter Zweck wird aber verfehlt, wenn diese Drucksachen in einem schlechten Französisch abgefaßt sind; der Iran- zöstsch« Leser wird dann leicht zu ungünstigen Rück- schlüffen auf di« Firma und die angedolene Ware geneigt sein. Deutsche Interessenten sollten deshalb die geringen Mehrkosten, die etwa dadurch entstehen mürben, daß sie die Uebersetzung durch einen der französischen Sprache Kundigen korrigieren lassen, nicht scheuen. In fast allen Industrie- Zen ren g;bt es liebersetzer, Lehrer ober sonstige Personen, die des Französischen mächtig sind, und die Wirkung kost- spieliger Kataloge sollte nicht durch falsch angebrachte Sparsamkeit abgeschwächt werden.
.x« Beim Knrhejsischen Jäger-Bataillon Nr. 11 mit Maschinen-Gewehr- und Radfahrer-Kompagnie in Marburg a. d. Lahn werden zum Herbst 1914 noch 2jährig Freiwillige angenommen. Diejenigen, die sich melden wollen unb im Besitze eines gültigen Meldescheines zum freiwilligen Eintritt sind, können sich an *eew ihnen paffenden Mittwoch oder
Noch einmal siegt die Vernunft in ihr.
Leise nähert sie sich dem rosa-umhangenen Bett- chen. Vorsichtig nimmt sie das schlafende Kind heraus und drückt es an ihre Brust. Mit dem Kinde im Arm glaubt sie, besser alles ertragen zu können — und ser es selbst das Schlimmste.
Ihr Blick streift den Spiegel.
Mein Gott, wie häßlich sie aussieht! Der grobe, graue Anstaltsrock und dazu die etwas verschlissene rote Seidenbluse — eine recht merkwürdige Zusammenstellung.
Und ihre ehedem so hübschen kleinen Hände! Wie rauh und rot sind sie geworden durch das Arbeiten im Gefängnis!
Noch immer regt sich nichts im Nebenzimmer. Unwillkürlich nähert sich Felicie der Türspalte.--
Gerda und Norbert stehen nebeneinander am Kamin. Gerda sieht wunderbar schön aus. Ein silber- graues Seidenkleid fällt in schweren Falten an den schlanken Gliedern hernieder. Den einen Arm auf den Kamin gestützt, den feinen Kopf mit der Fülle goldblonden Haares etwas erhoben — so blickt sie zu 'Norbert auf.
Felicie sieht nicht den edlen, reinen Ausdruck in den schönen Zügen, die Keuschheit und Zurückhaltung in den Bewegungen Gerdas. Sie sieht nur, daß Norbert neben ihr steht, daß seine Augen mit einem unverkennbaren Ausdruck der Bewunderung auf ihr ruhen.
„Nun, Gerda?" bricht Norbert plötzlich das Schweigen.
„Ich wollte mit Ihnen sprechen, Barrington, weil ich vorhin einen entscheidenden Schritt getan habe."
Abwehrend hebt er die Hand.
„Wenn Sie in diesem Tone anfangen, so weiß ich schon im voraus, daß Sie mir etwas besonders Unangenehmes mitteilen wollen. Muß es noch heute fein? Gerda? Der Abend ist ein Siegeszug für uns beide gewesen. Warum ihn unliebsam enden?"
„Vielleicht haben Sie Recht, Barrington! In den reinen Gefilden erhabenster Kunst zu wandeln, tut dem Herzen stets wohl. Ihre Kunst begeistett mich,
SamStag 10 Uhr vormittags auf dem Geschäftszimmer "be§ Bataillons in Marburg, Frankfurter"«. 6, zur ärztlicken Untersichnng einfinden. Besonders erwünsckt find Meldungen von Schneidern, Sckuh- mackern, Köchen, Schreinern, Buchbindern, Malern, Steinbrnckern, Eck offern, Sattler", Beschlagschmieben usw. Schriftliche Anfragen an da? Bataillon v or der Untersuchung sind, wenn nicht besondere Wünsche vorliegen, zu unterlaßen. In der Zett vom 24. 12. bis 4. 1 finden keine Untersuchungen statt.
§ Nikolausmarkt. Mit dem Auftchagen der Ver- kaufsstänbe anläßlich dcs Ntkolauswarktes an bet Ecke bei der Stadtpfartkirch« ist heute früh begonnen worden. Von anfang an ging «in starker „Zug" vurch da? Geschäft. Es ist ja auch die „zugigste" Lage in der ganzen Stadt.
'= Schnee. Während wir gestern stürmisches, regnerisches Wetter hatten, ist in der Rhön Schu.e gefallen. Die meisten Berge der Vorderrhön zeigen sich heute in weißem Gewände.
Ans dem Nachbargebiete.
k. Wickers <Rhönl, 4. Dez. 1913. Bei Ausbcsse- rungSarberten an der hiesigen Kirche hat sich gestern ein tödlicher Ungkücksfall ereignet. Der etwa in Mitte der 50er Jahre stehende Dachdecker Hollenbach, in Wiesenthal kRhön) gebürtig, stürzt« so unglücklich vom Dache der Kirche herab, daß et bewußi- io8 liegen blieb. Der telep! onifch herbeigerufene Arzt von Hilders konnte nur noch den Tod seststellcn. Eine Witwe mit mehreren unmündigen Kindern steht trauernd an der Bahre ihres Ernährers.
1:[ Hilders (Rhön), 5 Dez. 1913. Zurzeit wird bei dem früheren Dr. Schuster'fchen Anwesen ein voll- Händig neuer Bagger montiert, der die Schürfungs- arbeiten auf bet neuen Bahnlinie Hilder S-W Ü st e n- sachsen anSsühren wird. Er ist eine bet größten derartigen Maschinen. Einzelteile haben ein Gewicht bis ,u 100 Zentner. Ohne Montage lostet derselbe 32 700 Mark, sodaß er nach feiner Aufstellung unb nach Hinzurechnung von übet 1000 Mark Bahnfrackt von Spanbau nach hier einen Wett von annähernb 40000 Mark repräsentieren wird. Dieser Sotfei« grabet, weichet die größten St inmassen ent lösen wird, soll hinter dem obengenannten Hanse seine Erstlingsarbeit aussühren und bann weiter nach Thaiden zu non Wen.
(:) Gersfeld lRhön), 4. Dez. 1913. Heul« mittag 1 Uhr starb in feiner Wohnung bet im ganzen Kreise unb weit über besten Grenze hinaus bekannte unb wegen seines Wohlwollens für jeberrnann beliebte Kreisausschuß - Sekretär Herr Georg Barthelmes plötzlich infolge ein s Herzschlages im 49. Lebensjahre. Er bekleidete jein Amt feit dem Bestehen der Kreis- orduung. Die KreiSve^waltung verliert an ihm eine nickt leicht ersetzbare Stütze. Die Ante lnahme an b«m so plötzlichen Ableben des tüchtigen Kreisbeamten und das Mitleid süt seine Familie ist allgemein. Die Beerdigung findet am Sam tag den 6. Dezember nach- mittags 3 Ubr statt. — Genau 24 Stunden vorher starb gleichfalls unerwartet an Lungen- und Rippen- 'ellentzündung der gleichfalls weitbekannte KretS- und Bezirks-Brandmeister unb Vorsitzende des Kriegerver- eins, Herr Mühlenbesitzer Adam Fafold, im 64. Lebensjahre. Auch et wird hier allgemein betrauert.
♦ Hersfeld, 4. Dez. 1913. Der Verwalter des städtischen Gas unb Wasserwerks, Hermann Reuß begab sich gestern nach bem Hochbruckbehälter an bet Meisebachersttaße, um einen an einem Schwimmet befindlichen Schaden zu beseitigen. Vermutlich ist nun Reuß bei bet Arbeit von einem Unwohlsein befallen worden, indaSWassergestütztunbettrunken. Seme Angehörigen — er hinterläßt Frau unb acht Kinder —'^vermißten ihn schon im Laufe des gestrigen Tages, wußten aber nicht, wohin er sich begeben hatte. Heute morgen bemerkte ein Angestellter des Werks, baß die Tür zum Hochbehälter offen ft nb. Er vermutete, baß er hier bie Aufklärung für Reuß Ver- ichwinben finden würde, unb sah seine Vermutung, als das Bassin entleert wat, leibet bestätigt. Die Stadt verliert in Reuß, bet feit bem Jahre 1892 in ihren Diensten steht, einen pflichtgetreuen Beamten.
0 Hanau, 4 Der. 1913. In der heutigen Stabtverordnetensltzung wurde eine sechs- g iedrige Kommission gewählt, bie in Gemeinschaft mit zwei Mitgliedern des Magistrats übet die Frage der ArbeitSlosenfütsotge und der Arbeitslosen- Versicherung beraten soll. Die Kommission soll chte Arbeiten derart beschleunigen, baß eine entsprechende Vorlage den Stadtverordneten gleich zu Beginn des neuen JahteS zugehen kann. — Die Stadtverordneten bewilligten 10000 M. für bie Vorarbeiten ruwi Bau deS Main^afens. — Jufolae der
das Vollendetste darzustellen, dessen ich fähig bin. Und Sie —"
„Mir geht es ebenso!" fällt er lebhaft ein. „Die Harmonie unserer Gedanken und Empfindungen ist geradezu wunderbar!"
„Ich weiß es" — Gerda? Stimme klingt verschleiert — „unb doch sind diese schönen Zeiten vorbei."
„Unsinn, Gerda! Sie wiffen, Wit wollten uns bereits einmal trennen. Es wurde nichts daraus. Damals, als ich das Engagement am „Epzclsior-Theater" in Baltimore annahm und dasselbe dann fo plötzlich brach — Sie wiffen, der armen Felicie wegen. Als ich dann nach Newyork zutückkchrte, bewillkommneten Sie mich freundlich. Wir schloffen einen Pakt, daß alles so fein sollte, wie es früher war. — Sie hatten mein Kind zu sich genommen — und seitdem verläuft alles in herrlichster» Harmonie. DaS Kind gedeiht. Ihre Gegenwart macht mich glücklich, und rch glaube annehmen zu dürfen, daß auch ich zu Ihrem Wohlbefinden etwas beitrage. Warum also diesen harmonischen Zustand ändern?"
Voll blicken Gerdas seelenvolle Augen ihn an.
„Würden Sie ebenso sprechen, wenn Felicie hier wäre?"
Norbert errötet.
„Ich — ich weiß nicht. Aber vor allem — sie ist nicht hier!"
„?Iber Sie sollten nie anders sprechen, als wenn sie bei uns wäre. Barrington. Ist das Kfi'd wach?" unterbricht sie sich plötzlich mit einem Blick nach der halboffenen Tür. „Ich-glaube, ein Geräusch gehört zu haben."
„Nein, nein, es schläft! Bleiben Sie!"
Norberts Stimme klingt erregt, fast leidenschaftlich. In feinen Augen glimmt ein düstres Feuer.
„Harrington!" fährt Gerda sanft fort, indem sie die Hand leise auf feinen Arm legt. „Als ich damals einwilligte, die andre Seite dieser Etage zu nehmen, geschah es, weil SW mir in Ihrem Schmerz um Felicie reib taten. Ich sagte mir: „Mein Platz ist jetzt an seiner Seite; ich mutz ihn tröffen, ihn aufrichten." Jetzt sind Sie nicht mehr so unglücklich, das Kind ge-
JV6 281.
Freitag 5. Dezember 1915.
neuen Heeresvorlage sind zur Unterbringung von 4 Fähnrichen, 28 Unterofiziereu, 18 Gefreiten unb 140 Gemeinen beim hiesigen Eisenbahnreoiment Nr. 3 weitere Bauten zu den von der Stadt Hanau errichteten Monnschaftskasernen genannten Truppenteils erforderlich geworden. Di« Stadtverordneten ge« nehmtgten in ihrer heutigen Sitzung die Ausführung der auf 30000 Mark veranschlag'«« Erweiterungsbauten. Die Baukosten werden von der Heeresverwaltung verzinst.
* Frankfurt a. M., 4. D«z. 1913. Tie Staat?, anwaltfchaft des Landgerichts Frankturt hat bem feit 15. April 1913 in Untersuchungshaft befindlichen Fechtlebrer Karl Hops, geboren am 26. März 1863 in Frankfurt a. M., nunmehr bie Anklageschrift zugestellt. Sie lautet auf Mordversuch gegen seine Dritte, inzwischen von thrn geschiedene Frau, und in den übrigen fünf zur Anklage stehenden Fällen auf Mord. Ans früheren Veröffentlichungen ist bekannt, daß Hopf im Verdacht steht, ferne bei' en ersten Frauen, feine zwei Kinder, ebenso seine alte Mutter Durch Gifte ernwrDet zu haben. Tie Unterfudiung her Leichenteile uno Aschenreste hat auch das Vorhandensein von Gtft ergeben. Da Hopf nur den Gistmordversuch gegen seine brüte Frau zugibt, im übrigen aber behauptet, er habe bie Leichen, bei denen Arsenik gefunden worden ist, fonietmeren wollen, und hierzu die Giftstoffe verwandt, sie also erst nach dem erfolgten Tode dem Körper eingefügt, muß ein umfangreicher Indizienbeweis geführt werden. Tie Ver. Handlung findet im Januar, voraussichtlich vor einem besonderen Schwurgericht statt.
f Hofhkim i. T., 4. Dez. 1913. Ein Großfeuer zerstörte in der vergangenen Nacht die Rudolph'sche Gerberei. Sämtliche Vorräte und die meisten -Maschinen fiele« de« Flamme« zum Opfer. Nur die in den (Stuben lagernde« Häute biteben erhalten. Da der Brandherd mitten im Orte lag, hatte bie Feuerwehr stundenlang gegen die Weiterverbrettung des Brandes auf die schwerbedrohten Nachbargrundstücke zu färnrüen.
♦ Wiesbaden, 4. Dez. 1913. In einem hiesigen Kino waren bei einer Kindervorstellung nur Naturaufnahmen von der polizeilichen Kinozensur zugelas- sen. Die jugendlichen Zuschauer, durch frühere Vorstellungen an andere Darbietungen gewöhnt, äußerten ihre Unzusriedenheit durch Lärm und Abreißen der Bänke, wodurch dem Besitzer ein größerer Schaden entstand. Nette Kinder!
* Darmstadt, 3. Dez. 1913. Totgetahre« wurde gestern nachmittag bie etwa 7 Jahre alte Tochter bes LackierermeisterS Möser. DaS Kind «prang in wildem Laufe ohne sich umzusehen aus der Torfahrt, als gerade bie Elektrische in rascher» Tempo bie ziemlich abschüssige Stelle passierte.
Amt Geisa und Umgebung.
A Dermbach, 5. Dez. 1913. Dir Verein bet Sachsen-Weimaraner in Berit« hat bem Großherzoglichen Bezirksdtrektor 50 Mark als Weihnachtsgabe für arme Ktnber zur Verfügung gestellt. Davon entfallen auf Dermbach unb Aschenhausen je 15 'Mark, ferner 20 Mk. auf Frankenheim. Tie Beträge werben ben betreffenben Ortssrauenveremev zur Ver etlung überwiesen.
* Ostheim Rhön), 4. Dez. 1913. Dienstag nacht oe r brannte außerhalb Der Stadt, in ber Nähe Der FriebrichSlinbe bas Auto des Chauffeurs Albin Ortloff von hier. Die Insassen hatten sich durch Abspringen in Sicherheit gebracht. Die Instrumente unb Akten eine? Mitsahrenben, sowie zwei Schinken, verbrannten mit.
♦ Stadtlengsfeld, 4. Dez. 1913. Da in den Schächten zu Buttlar, Oechsen unb Menzengraben das Wasser Schwierigkeiten bereitet, besteht die Absicht, vorläufig den Schacht 'ber Gewerkschaft Sophie hier nicht weiter abzutäufen, da man auch hier Wasser vermutet. _________________________
Aus Gderheffen u- den heff. Aemtern.
* Kirchhain, 4. Dezember 1913. Eine Jahr- Hunderte alte Einrichtung, die Nach t w ächt er, wird am 1. Januar k. I aufgehört haben in unterer Stadt tu existieren. Durch die am 1. Januar stattfindende Einstellung eines zweiten Polizeibeamten sind die Nachtwächter überflüssig geworden, da der Nachtwachtdienst bann abwechselnd von den beiden Polizei« beamten wahrgenommen wird. Das Abblasen der Nachtstunden fällt dann ebensalls aus.
# Neukirchen b. Ziegenhain, 4. Dez. 1913. Auf Anregung des Herrn Landrats v. Schwertzel wurde hier ein Ziegenzuchtveretn gegründet, ber es sich vor allem zur Aufgabe machen will, durch ge
deiht, Ihre Schwiegermutter pflegt es — ich bi« nicht mehr nötig."
„Ich weiß nicht, wo Sie hinaus wollen, Gerda —
„Nun wohl. Ich verlasse Newyork nächste Woche Heut abend habe rch einen Kontrakt unterzeichnet, ber mich für zwei Jahre nach San Franzisko führt."
Norbert ist sehr bleich getoorben.
Zuerst findet er keine Worte. Dann bricht er leidenschaftlich los:
„So gehe ich mit Ihnen!"
„Das Personal ift bereits vollzählig."
„So gehe rch als Ueberzähliger mit!"
„Nein, Barriugton, das werde« Sie nicht. Die Harmonie unserer Seelen ist so vollkommen, daß Sie mich verstehen müssen, mein Freund. Leben Sie wohl!"
Sie hält ihm chre schlanke Rechte hin.
Nur widerstrebend legt er die seine hinein.
Dann wirft er heftig hinter sich die Tür ins Schloß.
Jetzt ist es mit Gerdas Selbstbeherrschung zu Ende. Das Gesicht mit den Hände« bedeckend, sinkt sie aufs Sofa nieder und weint — weint heiße, bittre Träne«. -- —
XXVIIT.
Erst gegen ein Uhr betritt Frau Mackay wieder ihr Schlafzimmer. Sie hatte das Theater «och offen gefunden und mit dem Inspizienten alle Räume ab« gesucht nach Gerdas verloren gegangenem Armband. Endlich sand man es in einem Haufe« Tischzeug, welches nach der Vorstellung achtlos beiseite geworfen worden war.
Glückstrahlend kehrte Frau Mackay mit dem wiedergefundenen Schmuckstück nach der zehnten Avenu« Nr.' 32 zurück. Und da Gerda über starke Kopf- schmerzen klagte, blieb sie noch ein Viertelstündchen bei ihr sitzen, um ihr falte Umschläge auf die heiß» Stirn zu machen.
Jetzt empfindet sie Gewiffensbiffe Walters wegen. Zwar hat sie ihn vor zwei Stunden schlafend her« lassen; aber — was kann solch kleinem Ding nicht alles paffieren!
(Fortsetzung folgt.)