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Fuldaer Leitung ♦
Donnerstag 4. Dezember W$.
Lokaler.
Fulda, 4. Dezember 1913.
# Personelle». Die Königlich Dänische Br» iHmmgSmedaille in Silber mit der Krone wurde Nm Oderdahnasfistenten a. D. Ei sei in Kassel ver.
Ä De, Prmeinzialanrschnß Mr Heffen-Naffau, dessen Vorsitzender Kammerherr Rabe von Pappenheim, Rittergutsbesitzer in Liebmau ist, trat heute in Kassel M seiner diesjährigen Tagung zusammen.
+ Neuer Prise«. Der Hochw. Herr Bischof bat »»Präses deS Gt. Josephs.Vereins katholischer Arbeiter und des LeobundeS Herrn Lomkaplan F a r n u n g ernannt. Der bisherige Präses, Herr Domkaplan Dr. Müller, übernimmt in Vertretung M Herrn Dompfarrer» und zu dessen Entlastung die Leitung bet weiblichen Vereine der Dompfarrei.
(!) Mit dm kunstwissenschaftlichen Vorträgen deS Herrn Professors Dr. H ü l s e n-Frankfurt a. M., derm pveiter gestern abend stattsand, wird dem hiestgm gebildeten Publikum ein großer Genuß ge- botm. ES ist erfreulich, daß diese Tatsache in den in Betracht kommmden Kreisen allgemein erkannt wordm ist und sich die Vorträge eines überaus zahlreichen Besuches erfreum. Prof. Hülsen, ein sehr sympa'bischer Dozmt, behandelt seinen Stoff durchaus wissenschaftlich, ohne daß man aber auch nur «inen Augenblick an dm berüchtigten trockenen Ton d«S Hörfaalr» erinnert würde. Zur Belebung der Borträg« tragen auch die ungewöhnlich zahlreichen, ausgezeichneten Lichtbilder bei. Der Vortragende will seine Zuhörer mit den künstlerischen Dokumenten der ältesten Kulturvölker, zunächst der Aegypter, bekannt machen, um in deren Schöpfungen die Anfänge unfern gesamten Kunstentwickelung aufzuweisen und den SntwickelungSgang selbst in seinen Grundzügen klarzustelle«. Gerade gestern abend, als Prof. Dr. Hülfe« sich in der Hauptsache mit den überwältigend Kßartigen Tempelbauten der ägyptischen Pharaonen
hästigte und daS Wesentliche in der Architektur dieser Tempel klarlegte, daran anschließend die Beziehungen jener Baudenkmäler zu früh- und spät- mittelalterlichen Bauten und schließlich zu der mo- dernm Eisenarchitektur besprach, empfand man so recht den Reiz der von dem Vortragenden gewählten «utw'ckelungSgeschichtlichenBetcachtungsweisederKunst.
Hundertjährige Gedenkfeier der Geburt Kolping?. Rllenthalden rüsten sich die KolpingSsöhne, die Säkular- feier deS am 8. Dezember 1813 zu Kerpen geborenen Gründer- der katholischen Gesellenvereine schlicht aber würdig zu begehen. Adolf Kolping hat auch mit dem Fuldaer Gesellenverein in Verkehr gestanden. Ein vor 58 Jahren — am 13. Dezember 1855 — •an dm damaligen Gesellenpräses Stadtkaplan Wehner gerichteter Brief, in dem der edle Stifter zu eifriger BereinStätigkeit ermuntert, hängt noch im Gesellen- Hause unter GlaS und Rahmen. Von den ehemaligen Fuldaer Handwerksgesellen, die mit Kolping in persönlicher Berührung gestanden, lebt seit einigen Jahren Niemand mehr. Eine schlichte Feier wird der hiesige Sesellmverein am Geburtstage KolpingS, Montag den 8. Dezember, abends in seinem großen Vereinssaale abhalten. Herr Diözesanpräses Pfarrer Atzen- SckweiSbuch wird die Gedächtnisrede halte». Zu dieser Männerversammlung sind außer den Mt- gliedern und Ehrenmitgliedern auch die früheren Mitglieder deS Gesellenvereins und sonstige Freunde der KolpingSsache herzlich eingeladen.
§ Sin Conderzug nach Berlin zu ermäßigten Preisen wird am 22. Dezember gefahren. Er verläßt Fulda 9.45 abends. Die zu diesem Sonderzuge bmutzten Fahrkarten haben 2 Monate Giltigkeit. Der Vorverkauf dieser Karten beginnt am 11. Dezember und endet am 20. d. Mts. Der Fahrpreis von hier nach Berlin und zurück beträgt für 2. Klasse 30,20 M. und für 3. Kl. 19,80 Mk.
-x- Befitzwechjel. Das Wohnhaus Florengasse Nr. 44 ging durch Kauf in den Besitz des Brief- ttägerS Karl Jahn hier über. — Das Fürst'sche An- wesen, NikolauSstraße 14, ging durch Kauf in den Besitz deS Flaschenbierbändlers Ulrich über. Der KautpreiS soll 28000 Mark betraqen.
S Diebstähle werden jetzt wieder sehr zahlreich auSgeführt. Gestern wurde aus einem Hausgang in der Löherstraße ein gut erhaltenes Fahrrad ge- gestohlen. Der Spitzbube versuchte es in Weyhers zu verkaufen, hatte jedoch kein Glück. Dem Diebe ist man auf der Spur. — Der Hausbursche eines hiesigen Bäckermeisters mtwmdete gestern einem Landwirt in Almmdors die an der Wand hängende Taschen- uhr. Anzeige gegen diesm jugendlichen Dieb ist erstattet.
0 Wegen Betteln« wurden gestern und heute vier zugereiste Handwerksburschen verhaftet.
(---) Die Explosion eines Kachelofens setzte heute früh die Bewohner eines Hauses in der Königstraße in nicht geringen Schrecken. Es hatten sich Kohlengase in dem oberen Teile des Ofens angesammelt, die bei Entfernung des Aschenkastens zur Explosion kamen und ben Ofenaufbau zertrümmerten. Alle sonstige Beteiligte blieben glücklicherweise unversehrt.
Xus dem Nachbargebiete.
V „ Bronnzell, 4. Dez. 1913. Seinen 70. Geburtstag feiert beute in voller Rüstigkeit der in unserem Orte ansässige frühere Bahnhofsaufseher Herr Ferd. Schrimpf. Er hat die Feld'üae 1866 und 1870/71 mitgemacht und ist nach fast 40jähriaer Dienstzeit an der Könial. Eisenbahn in Pension gegangen.
, Marbach, 3. Dez. 1913. Während der Kirch- weihtage wurde bei einem hiesigen Einwohner ein» gebrochen und verschiedenes gestohlen. Heute ackerte nun ein hiesiger Landwirt seinen Acker in der nächsten Nähe deS Dorfes. Der Pstug stieß dabei auf eine Geldkasse, die dem Bestohlenen gehört. Er konnte sie wieder in Empfang nehmen, jedoch fehlte der Inhalt.
* Gersfeld (Rhön), L. Dez. 1^13. Die heule nachmittag dahier erfolgte Stadtverordneten - Ergän- zungSwahl batte folgendes Resultat: In der 3. Abteil. Herr Postsekretär Roeder, in der 2. Abteil, die Herren Juda WahlhauS II und Salomon Wein berg; in der 1. Abteil. Herr Rendant Knüttel wieder- gewäblt. Es ist somit in der Sladtverordneten-Ver- sammlung keine Veränderung eingelreten. — Gestern wurde von Zimmermeister Metzler hier neben der Molkerei, angrenzend an den Mühlbach und den evangel. Schulhof/ein bis zum First 18 Meter Hoher Feuerwehr. St ei gerturw aufgestellt. In demselben werden die Spritzenschläuche der ganzen Länge »ach aufgehängt, wodurch ein besseres 'lustrocknen und damit eine längere Haltbarkeit der Schläuche erzielt wird.
* Göttingen, 3 Dez. 1913. Tie Georg August. Universität in Göttingen wird zurzeit von 2941 Studierenden besucht, davon sind 126 als Hörer zugelaflen, 227 sind Frauen. Die theologische Fakul. tät zählt 223 Personen, die juristische 401 (2 Frauen),
die medizinische 442 (19 Frauen) und die philosophische 1749 (206 Frauen).» Auf die verschied nen preußischen Provinzen entfallen: Hannover 1047, Sachsen 192, Hessen-Nassau 162, Westfalen 153, Rdeinprovinz 165, Brandenburg 130, SchleSwig-Holstein 62, Schlesien 40, Westpreußen 32, Pommern 29, Posen 20, Ostpreußen 15. AuS Braunschweig, für welches Göttingen ja auch Landesuniversität ist, kommen 138 (6 Frauen).
• Bischofsheim v.d. Rh., 3. Dez. 1919. Am Sonntag begingen die bei den Bohrungen nach Braunkohle auf der bayerischen Rhön beschäftigten Beamten und Bergleute das Barbarafest. Der kirchlichen Feier in Bischofsheim schloß sich eine weltliche auf dem Zechenhause des Bauersberges an, an welcher sich di« Bevölkerung lebhaft beteiligte. Heber die Be- deutung des BarbaratageS sprach Diplom-Ingenieur Ertl dahier.
* Hammelburg, 3. Dez. 1913. Der Markt- btunnen dahier, der in den Jahren 1530—40 errichtet worden sein soll, ein Kunstdenkmal von hervorragendem künstlerifchem und kunstgeschichllichem Wert, wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr einer notwendigen Restauration unterstellt. Die Kosten hierfür sind auf 1400 bis 1500 Mk. veranschlagt, wovon vom K. Generalkonservatorium der Kunst, denkmale und Altertümer Bayerns 900 Mk. als Zu. schuß zur Verfügung gestellt werden. Der für den gleichen Zlveck vor mehreren Jahren errichtete stävt. Fond beträgt derzeit rund 500 Mk.
d. Unterliebenbad), 3. Dez. 1913. Der 20jährige Kaufmann Kaspary, der hier die Filiale eines aus- wärtigen Geschäftes vorsah, erschoß sich gestern abend nach Geschäftsschluß. Die bevorstehende Stellenlosigkeit soll den jungen Mann zu dem Schritt getrieben haben.
* Gießen, 3. Dez. 1913. Der Sohn des Bauuuler» nehmers Trißmann aus Löhnberg, der seit 3 Jabren in Paris in Stellung war, schrieb heute seinen Eltern aus Algier einen Brief, daß er seit dem 1. Oktober in der Fremdenlegion stehe, ohne daß er wisse, wie er dahin gekommen sei. In derselben Kompagnie traf er den vor kurzem aus Weilburg verschwundenen Sohn des Briefträgers Bogelsang, nach dem lange vergeblich gesucht worden war.
1. Sindlingen, 3. Dez. 1913. In der Nähe des hiesigen Bahnhofs sprang gestern ein Bauer aus dem in voller Fahrt befindlichen Wies, babener Eilzug. Der Mann wollte nach Flörsheim fahren, war aber versehentlich in Höchst in den Eil. zug, der in Flörsheim nicht hält, gestiegen. Unter, wegs merkte er seinen Irrtum und kurz entschlossen wagte er den Sprung, der ihm glücklicherweise keinen Schaden brachte. Zur Nachahmung nicht empfohlen.
g Friedberg, 3. Dezember 1913. Die Stadt feiert im nächsten Frühling ,hr 700jä hriges Bestehen und verknüpft damit die Einweihung des neuerbauten Stadtarchivs, Stadtmuseums und der städt. Bibliothek. — Unter älteren photographischen Beständen des Hofphotographen Schmidt wurden dreißig bisher unbekannte Aufnahmen der beim Umbau bet Lieb- srauenkirche 1901 zerstörten spätromanischen Fresken aus bent 13. Jahrhunbert aufgefunden. Die kunstgeschichtlich wertvollen Blätter wurden dem Stadt« archiv überwiesen.
* Ans Thüringen, 4. Dez. 1913. In Gottes- grün ist der Schinksche Gasthof gänzlich nieder- gebrannt. — Ihren 98. Geburtstag konnte Schwarz- burgs älteste Einwohnerin, Frau Margaretha Schumann, feiern, die auf Ur« und Ururenkel herabschauen kann. Trotz ihrem hohen Aller hat die immer noch leidlich rüstige Greisin bis in die letzten Fahre regelmäßig ihren Korb Holz aus dem bergigen, heimatlichen Wald eingeholt. — Ein Mitglied des Klubs der „Schwarzen Hand", der Restaurateur Engelbert Schmidt in Sonneberg wurde verhaftet und nach Koburg geliefert.
* Aus Thüringen, 3. Nov. 1913. InIena wurde bet Landtagsabgeordnete Faber, Mitglied des sozialdemokratischen Parteivorstandes, zu 180 Mark Geld- strafe verurteilt, weil er die Frau eines Parteigenossen beleidigt hatte. — In Gräfinau a. d. Ilm sind sieben Scheunen niedergebrannt. — Böse Folgen hatte in BernSgrün ein bummer Kirrnesscherz für ein junges Mäbcken. Als sie in der Nacht auf ein Klopfen bas Fenster öffnete, wurde sie von einem starken Zweig derart getroffen, baß ein Auge als ver- loten gilt, währenb das anbere verletzt ist. Die Verunglückte mußte sofort einer Augenklinik zugesührt werben. — In bet Nacht zum Montag entstanb in ber Waltersborfer Mühle Großfeuer. Es brannten nieber Scheune, Stallungen unb Wagenremise; bas Wohnhaus unb bie Mühle biteben erhalten, haben aber burch Wasser stark gelitten. Große Ernte- und Futtervorräte verbrannten. Der Schaben ist sehr bebentenb.
b. Bad Homburg v. d. H., 3. Dez. 1913. Auf dem hiesigen Bahnhof erlitt bet in weiteren Kreisen bekannte Kaufmann Ernst Metzger einen Schlaganfall, bem er nach kurzen Augenblicken erlag. — Von einem befett gewordenen Rohr des städtischen Wasserwerkes drangen gestern größere Wassermengen in den Mehlkeller der nahegelegenen Morr'schen Teigwarenfabrik und setzten die Mehl- vortäte unter Wasser. Die gesamten Bestände sind vollständig verdorben.
* Limburg, 2. Dez. 1913. Das Hotel-Restaurant „Bayrischer Hof", Besitzerin Frau Ww. Hochfärber, ging in bas Eigentum des Bahnhof-Restaurateurs Krackenberger über. Die Kaufsumme für das Anwesen einschließlich der ganzen Hoteleinrichtung usw. beträgt 82 500 Mark.
* Mainz, 3. Dez. 1913. Der Winzer Schwer» aus dem Vorort Heßheim, hat mit seinen beiden ältesten Kindern, einem Knaben und einem Mädchen im Astet von 7 und 8 Jahren im Rhein bin Tob gesucht. Die Ursache zu ber Tat sieht man rach Aeußerungen beS Mannes in einet ihm brobenben Prozeßsache. Er hinterläßt eine Frau unb noch zwei üngere Kinber.
* Weilburg, 4. Dez. 1913. Das Schöffengericht verurteilte den Weinreisenben Heinz aus Trier, we.cher im August d. I..einen Ueberfall auf seine Person fingiert hatte, um sich bie Versicherungsumme anzueignen, zu sechs Wochen Gefängnis.
* Heiligenftadt, 2. Dez. 1913. Tie Tat ber jungen Frau Hartmann, die am Sonntag zwischen Seine« elde unb Beuern aus einem Zuge sprang unb ihre Kinber im Abteil ließ, stellt sich als einen Akt ber Verzweiflung heraus, ben bie unglückliche Ehe ber Bedauernswerten verschuldet hat.
Amt Geisa und Umgebung.
△ Geisa, 4. Dez. 1913. Dieser Tage fand eine Bereitung ber neuen Postauto.Linie statt, an der Bezirks-Direktor Baron v. Groß, Baurat Jaentsch, Ober-Postsekretär Schaar aus Erfurt unb Ehrhardt, Direktor einer Fahrzeug-Fabrik in Suhl, teilnahmen.
Es wurden die Straßen über Oechsen und Gehaus bis Geisa unb sobann bis Wiesental befahren. Dem Vernehmen nach soll bie Postauto - Linie bereits am 1. Mai 1914 eröffnet werden. Man verspricht sich von dieser Linie eine wesentlich bessere Verbindung einmal nach dem Thüringer Walde, dann auch in ber Richtung nach Frankfurt a. M. zu.
* Dermbach, 4. D z. 1913. Um den Kirchengesang zu fördern, hat sich bie groß herzogliche Staatsregierung bereit erklärt, ben Landgemeinden zur An- fchaffunq von Noten für bie örtlichen Kirchenchöre Zuschüsse aus Staatsmitteln gewähren zu wollen.
* Vacha, 4. Dez. 1913. Wenn ber Postetat bie verfassungsmäßige Genehmigung findet, werden im Oberpostbirektionsbezlrk allein fünf Postämter 3. Klasse in Postämter 2. Klasse umgewanbelt, und zwar in Camburg (Saale), Gerstungen, Neustadt Herzogtum Koburg), Steinach (I.-Memingen) und Vacha. Die bisherigen Amtsoorsteher werden durch Postmeister ersetzt.
Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.
A Marburg, 3. Dez. 1913. Im Alter von etwas über 60 Jahren starb gestern im nahen Dorfe Wehrs- Hausen ein in weiten Kreisen bekannter Mann, ber sog. „Studentendienstrnann" Groß, oder kurz „Jörge" genannt. Mit ihm ist eine seit länger als 40 Jahren besonders in Studentenkreisen bekannte Persönlichkeit dahingegangen unb es dürfte wohl kaum einen ehemaligen Marburger Studenten geben, der den Verblichenen nicht gekannt hätte. Au" dem Marktplatze und vor den in der Nähe befindlichen viel von Studenten besuchten BierloWen war Groß, der sich in den letzten Jahren, toeiPman ihm das Dienstmannsprädikat abgesprochen hatte, als „Arbeitsmann" bezeichnete, stets anzutresfen. Und wenn die Mibensohu troenb einen > Itbaiten lln zna i 'm. ausführten, bildete Groß die Hauptperson dabei. Mit dem ihm eigenen guten Humor half er sich stets bei solchen Gelegenheiten und auch bei den in der Regel wegen solchen Geschichten folgenden Gerichtsverhandlungen über die schwierigsten Siutationen hinweg. Gegen Strafmandate, die ihm dann und wann zugestellt wurden, beantragte er stets einen Gerichtstermin, wo er dann sich fast immer als „Arbeitsmann" bezeichnete, der nur den Auftrag seiner Arbeitgeber, der Studenten, ausgeführt hätte. Die letzteren, die wohl auch für die Kosten auf kamen, waren natürlich im Zuschauerraum anwesend. Bekannt ist noch die Gerichtsverhandlung, die er vor einigen Jahren über sich ergehen lassen mußte, weil er den ihm von den Torfburschen am anderen Ende des Ortes aufgestellten, sonst bei seinem Hause stehenden Abort an einem Sonntag nachmittag wieder heimholte und dabei ein zahlreiches (Kefolge fand. Groß war in letzter Zeit leidend, und dadurch auch in feiner Stimmung etwas gedrückt, trotzdem unternahm er noch bis vor etwa 14 Tagen seinen gewohnten Gang nach Marburg, der ihm keine Reichtümer gebracht hat.
! Fränkenberg, 4. Dez. 1913. Die Hauptversammlung des Verkehrs-Vereins gab einmütig bte Ansicht dahin ab, daß bas Fehlen einer öf fent- lichen höheren Schule unserer Stabt in Vergangenheit unb Gegenwart schweren Schaden gebrach' habe unb noch täglich bringt. Wenn in dem We k- kampse unsere Stadt nicht hinter fast allen gleich großen unb kleineren Städten unsrer Provinz und der weiteren Umgegend zurückfiehen soll, so fei bie Schaffung einer städtischen höheren Schule, bei deren Gründung schon auf den, wenn auch vielleicht erst nach Jahren erfolgenden Ausbau zur 6 stufigen Anstalt Rücksicht genommen wird, ein zwingendes und dringendes Bedünnis. Die Versammlung richtet an die städtischen Körperschaften und alle in dieser Frage maßgebenden Instanzen das bringende Ersuchen, alle Vorarbeiten so zu beschlemtigen und mit solchem Nachdruck zu führen, baß ber Gedanke zu Ostern 1914 zur Verwirklichung kommt.
* Frankenhain bei Treysa, 4. Dez. 1913. Das vierjährige Söhnchen des Wagners Ferreau hier stürzte von einer hohen Treppe und zog sich dabei schwere innere unb äußere Verletzungen zu. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ist bet Kleine gestorben.
;; Ans der Schwalm, 4. Dez. 1913. In Ottrau (Kr. Ziegenhain) würbe eine H ochz eits f ei er nach alter Schw älmer Sitte veranstaltet. An ber Hochzeitsfeier, bie acht Tage dauerte, nahmen 100 Gäste teil, eine Musikkapelle war beft’Ot. Zu bem Hochzeitsschmaus wurden geschlachtetEm Ochse, zwei Schweine, vier Kälber und 50 Gänse.
vermischtes.
♦ Von zwei seiner Kostgänger wurde in Wiesdors bei Köln ein Kostwirt erstochen. Die Mörder wurden in Opladen verhaftet.
* Halbstarre Mtlilä'luttschiffe. Die von anderer Seite gebrachte Nachricht, daß bie Militärverwaltung ben Bau von Luftschiffen halbstarren Systems aufzugeben beabsichtige unb für Militärzwecke ausschließlich ben Ankauf von Zeppelin-Luftschiffen beschlossen habe, wirb von amtlicher Seite als unzutreffend bezeichnet.
* Aus Nahrungssorgen hat sich ber 52 jährige Theaterbirektor Adam Hofmann, bisheriger Leiter des Thaliatheaters in Köthen in Anhalt, einer Sommerbühne, am Hunbekehl^nsee im Grünewald erschossen.
* Selbst gerichtet. 'In ber Nacht zum Dienstag brang in Hamburg in bie Wohnung ber Witwe Kreismeier ein Werftarbeiter wein, versuchte bie Frau zu erwürgen unb brohte auch mit einem Revolver, der aber versagte. Die Frau schrie um Hilfe. Als ein Schutzmann herbeieilte, sprang bet Mann aus bet Wohnung, bie im brüten Stockwerk liegt, burch bas Fenster auf bie Straße, wo er mit gebrochener Wirbelsäule tot liegen blieb.
* Fliegerabsturz. Bei einem Absturz seines Flug- zeuges in der Nähe von Eastchurch (England) wurde der Kapitän Lushiugton getötet. Der Offizier, ber ihn begleitete, erlitt leichte Verletzungen. Das Flugzeug wurde vollständig genrümmert.
* Ein Riesenprozeß gegen russische Räuber. In Jekalerinoslaw begann im Miktärbezirksgericht ein Riesenprozeß gegen die Bande des Räuberhaript- rnanns Feodor Kasch, ber seinerzeit bas ganze Gebiet in Angst unb Schrecken versetzte. Angeklagt finb 70 Personen, barunter 17 Personen, denen nach dem Gesetz bie Tobesstrase broht. Es finb im ganzen 500 Zeugen geloben.
* Millionknunterschlagunqen. Durch eine plötzliche Revision wurden bei ber Ny Karlevi Bank in Hel- ingfors Unterschlagungen von über anderthalb Millionen Mark festgestellt. Der gesamte Reserve- loncs und ein großer Teil des Aktienkapitals ist ver- ichwunben. Fast bas gesamte Personal vom Direktor bis zum Buchhalter würbe verhaftet.)
* Gegen die Klauenseuche der Schafe. Zwei Mti- arbeiter des Pasteurschen Instituts in Algier, die Doktoren Bridrs und Bouquet, haben einer Blättermeldung zufolge ein wirksames Heilmittel gegen die Klauenseuche der Schafe entdeckt. Das französische Ackerbauministerium hat angeordnet, daß alle aus Algier eingeführten Hammel mit diesem Serum ge- impft werden.
* Auf ber Verbrecherjagd erschossen. Der Mexikaner Raphael Lopez erschoß in Satt Lake City im Streit einen Landsmann. Als bie Polizisten den Mörder verfolgten, erschoß er den Polizeichef und zwei Hilfsbeamte. Die Jagd hinter bem Verbrecher ging weiter. Als ber Flüchtling in ber Nähe der Uta Apex-Grube anlangte, bie kurz vor der Stadt liegt, drehte er sich um und tötete zwei weitere Polizisten durch wohlgezielte Schüsse. Hierauf suchte er Zuflucht in der Grube. Nach kurzer Beratung kamen die Verfolger überein, ihn int Bau au s z u- räuchern, um weiteres Blutvergießen zu verhüten. Große Quantitäten Schwefel, Cayennepfeffer, feuchtes Heu und Stroh wurden in sämtlichen Eingängen mit Ausnahme eines einzigen in Brand gesteckt. Der einzige Ausweg wurde mit einer starken Abteilung besetzt, die die Waffen schußfertig in der Hand hatte, um Lopez beim ersten Fluchtversuch über ben Haufen zu schießen. Ter Verbrecher kam aber nicht zum Vorschein. Wahrscheinlich tst er ersttckt, ober er hat sich selbst erschossen. Sobald die Grubengänge von den Gasen frei sein werden, soll eine Suche nach ihm veranstaltet werden. Die Sache ist jrtwch nicht ohne Gefahr, da große Mengen Dynamit in der Grube liegen. Wenn Lopez auf irgend eine Weise dem Tode entronnen sein sollte, dürfte es ihm eine Kleinigkeit fein, sich und seine Verfolger durch einen Schuß Dynamit in die Luft zu sprengen .
* Blutaberglaube. Ungeheures Aufsehen erregt in Havanna die Verhaftung von zehn Negern unter der Antchulvigung, zu Zwecken des Blutopters ein weißes Mävchen ermordet unb bas Blut aufpefangen zu haben. Sie suchien bie Spuren ihrer Tat dadurch zu verwischen, baß sie den Körper zu verbrennen und das Haus, in bem ber Morb geschah, mit Dynamit in bie Lust zu sprengen versuchten. Die Explosion würbe von Polizisten gehört, bie in bas Haus eindrangen unb dort ben brennenben Körper bes Blut- op ers vorfanden. Die Polizei glaubt es mit einer Sekte zu .tun zu haben, bie über bas ganze Land verbreitet ist unb unter Anleitung ihrer Priester fortlaufend Blutopfer bringt.
♦ Tas alte französische Panzerschiff „Hohe", das als schwimmendes Ziel diente, wurde auf der Höhe von Les Salins d'Hyöres von einer Granate getroffen, die ein so bedeutendes Leck verursachte, daß das Schiff sank.
Eingesandt.
Für Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die iHebaliion nut die preßgesetzliche Verantwortung.
Die bis jetzt ausgeschriebenen Erd- und Betonarbeiten für den Bahnhoferweiterungsbau gehen nach etwa viermonatiger Dauer zu Ende. Zur Ehre der bei letligten Firmen muß feftgefteUt werden, daß ihre Durchführung prompt von statten ging. Wenn man nun auch mit diesem Ergebnis tm allgemeinen zufrieden sein darf, so muß doch eines, worauf die .Fuldaer Zeitung' schon mehrfach hingewiesen hat, befremden, nämlich die Tatsache, daß zu allen bisherigen Arbeiten nur auswärtige Unternehmer herangezogen wurden, obwohl hier in Fulda anerkannt leistungsfähige Firmen für derartige Arbeiten sich finden und der Minister )ür öffentliche Arbeiten durch einen Erlaß verfügt hat, daß Orts- angefeffene bei Vergebung öffentlicher Arbeiten, selbst bei kleinen Preisdifferenzen, nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollen. Besremden muß diese Zurücksetzung der Fuldaer Unternehmer umsomehr, als letztere bei den einzelnen Angeboten durchaus angemessene Preise stellten, keineswegs aber höhere als diejenigen, auswärtigen Firmen, Denen die Arbeiten übertragen wurden, was aus den einzelnen Submissionsergebnissen klar hervorgeht. So wurde der Zuschlag bet der ersten Submission (Verlängerung der Durchlässe und Brücken) der Firma Bödicker-Eschwege als achte Mindestiordernde erteilt, sämtliche Unternehmer mit billigeren Angeboten wurden übergangen. Bei der zweiten Submission war die Frist derart lurz bemessen, daß ein hiesiger Unter«: nehmet sich deshalb nicht bewerben konnte, weil die Menge der zu leistenden Arbeit in keinem Verhältnis zu den erforderlichen Geräten stand. Aus diesem Grunde bewegten sich die geforderten Preise auch etwa 80 Prozent über die Normalpreise. Bet der dritten Ausschreibung «Verlängerung der Brücke nach Ziehers) waren die hiesigen Unternehmer in der Annahme, da- erste Mal zu niedrige Preise gefordeit zu haben, in ihren Forderungen etwas höher gegangen; aber auch diesmal erhielt die rtirma Bödicker wieder den Zuschlag als fast Min- destsordernde. Dasselbe wiederholte sich bei der Ber, gebung der Arbeiten für die Neubaustrecke Hilders- Wüstensachfen, wo die Firma Bödicker als achte Mindestfordernde herangezogen wurde unter gänzlicher Außerachtlassung der zum großen Teil guten und billigeren Unternehmer. Welche Gründe die Eisenbahnbauabteilung bezw. Eisenbahndirektion bei der Vergebung genannter Arbeiten geleitet haben, ist nicht recht ersichtlich, wenn man die stets angemessenen Preisforderungen und Leistungsfähigkeit der hiesigen Unternehmer einerseits und dem ausdrücklichen ministeriellen Erlaß andererseits ins Auge saßt. Wie die Dinge liegen, gewinnt es den An- schein, als ob es sich um eine einseitige Begünstigung einer einzelnen Firma unter völliger Umgebung aller hiesigen Unternehmer handle. Im Interesse der letzteren wäre es angebracht, wenn dtese Zustände an höherer Stelle von den maßgebenden Persönlichkeiten zur Sprache gebracht würden, damit bet lünstigen Arbeiten eine billigere Berücksichtigung der Angebot" hiesiger Unternehmer erfolge. Damit wäre auch dem Ansehen des Fuldaer Unternehmertums gedient. P.
Hansel iniö Industrie.
H Berlin, 3. Dez. 1913. Die Börse zeigt ein fut den Privatkapitalisten erfreuliches Streben nach G-- sundung, sie bietet aber gleichzeitig geschickten Machern Gelegenheit zu leichter Ernte. Die Börsenbewegung letzt |o kräftig ein, daß die Bedenken von allgemeiner Natur gar nicht zur Geltung kommen.
(Bottesöienftorönung.
Freitag, 5. Dez. Fulda. Frauenberg. (Her^ Jefu-Freitag.s Aussetzung des Alleraetligsten von 5 Uhr morgens bi8 5 Uhr abends zur Anbetung des göttl. Herzens Jesu. 9 Uur Levitenamt. Nachm. 2 Ubr feiert. Vesper mit fatram. Segen, 4 Uhr Schlußandacht mit Umaang.
Reklamen- und Anzeigenteil.
Unstreitig sind Warners KorsetS die besten Von Ihren Bekannten, die diefe Marke bereits tragen, werden Sie dies bestätigt bekommen. Alleinverkauf David Rosenfelder. Fulda.