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2. Blatt.

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Fuldaer Zeitung

M 2IT.

Montag Dezember t9{3.

Lokales.

Fulda, 1. Dezember 1913.

n* Die Konferenz«» und Berfammlnugin des Volks- Vereins

haben am Donnerstag voriger Woche in Geisa ihren Abschluß gefunden. Die Konferenzen waren insgesamt von 120 und die Versammlungen von •00—1000 Personen besucht. In Fulda, Hünfeld und Geisa war der Versammlungsbesuch besonders rege, in den übrigen Orlen befriedigend. Hebet daS vortreffliche Referat, welches Rektor Heinen-M.» Gladbach in den Versammlungen gehalten, haben wir bereits unter Fulda berichtet. Nicht minder lehrreich und praktisch war sein Referat in den Konferenzen.

Redner stellte zunächst fest, daß es nicht richtig sei, von einem M.-Gladbacher System zu reden. Der Aus­bau der Organisationen, die Förderung des Vereins­lebens, die Unterstützung der einzelnen Standes- uereine lei Hauptaufgabe des Volksvereins. In den veränderten Berhällmssen könne das katholische Deutschland eine straff« Organisation nicht entbehren. Da in unserem weiwerzweigten Wirtschaftsleben trotz Strebsamkeit und Tüchtigkeit der Einzelne nur schwer vorwärts kommen kann, so müsse er Anschluß an eine Etandesorganisation suchen. Die Handwerker-, Beamten-, Bauern- und Arbeiterorganisationen sind deshalb eine unbedingte Notwendigkeit. Einer Förderung bedürfen auch dir christlichen Gewerkschaften. Dieses müsse heute auch der Unternehmer einsehen, wenn er nicht wolle, daß die sozialdemokratischen Organisationen, welche im vorigen Jahre um 66 Prozent mehr zugenommen haben, als wie di« christlichen Gewerkschaften, ein Arbeitsmonopol schaffen, um den Unternehmern ihren Willen auszuzwingen und di« christlichen Arbeiter von den Arbeiisstätten auszu- schließen. Die sogenannten gelben Gewerkschaften, welche diesem Vormarsch der Sozlaldemokratie keinen Einhalt gebieten können, sind nicht geeignet, unsere Arbeiter zu tüchtigen, charakterfesten und selbständigen Persönlich­keiten zu erziehen, wie sie unsere Industrie und unser Handwerk heute haben muß. achdem Redner noch einzelne wichtig« Fragen besprochen, gab er seinen Zu­hörern praktische und auch zu verwirklichende Vorschläge über die Art, wie wir in unseren Organisationen arbeiten können und arbeiten müssen.

Die gespannte Aufmerksamkeit, mit der die Zu- yLrer den wirklich praktischen Ausführungen des Redners folgte, bewies, daß er allen aus der Seele gesprochen und sie zum Nachdenken über die Probleme der Neuzeit angeregt hatte. Hoffentlich reist die aus­gestreute Saat gute Früchte. Vvlksoereinssekretär Frank-Fulda erstattete Bericht über Tätigkeit und Erfolge des Volksverein-Sekretariats zu Fulda, aus dem wir folgende interessante Einzelheiten wiedergeben wollen:

In der Zeit vom 1. Oktober 1912 bis 30. September 1913 wurden an 2032 Personen 2181 mündliche Aus­künfte erteilt und 1569 Schriftsätze angesertigt. Die Ratsuchenden gehörten in 541 Fällen dem Arbeiter­stande, in 379 Fällen dem Handwerkerstande, in 629 Fällen dem Stanoe der Landwirte und Beamten an und 258 waren weibliche Personen. Seit Gründung Les Sekretariats wurden an 10 398 Personen 12252 Aus­künfte erteilt, 8220 Schriftsätze angesertigt, 11175 Seiten wurden geschrieben und 6326 Seiten vervielfältigt; der Lin- und Ausgang an Postsachen betrug in dieser Zeit zusammen 11205 Sachen. Besondere Sorgsalt widmete da» Sekretariat der Organisation und Agitation. In dem Berichtsjahre besuchte der Sekretär 104 Versamm­lungen und hielt 53 Borträge, wovon 45 auf den Volks­verein entfallen. Der Volksverein wurde in Salzschlirf neubelebt und in Elters neugegründet; in Elters wurden 60, in Salzschlirf 70 neue Mitglieder ausgenommen; auf dem Eelretariat und in sonstigen Versammlungen wurden noch 73 Mitglieder ausgenommen. Seil Gründung des Sekretariats wurden insgesamt 1756 Mitglieder neuauf- genommen und der Bolksverein in 22 Orlen neu» bezw. wiedereingesührt. Im April 1913 wurde in Fulda ein Mitte ist an ds kurs us abgehalten, der wegen seiner Wichtig­keit und guten Vorbereitung hätte besser besucht sein können.

Au8 diesem Bericht geht hervor, daß sowohl das Sekretariat als auch der Volksverein überhaupt sich allen Ständen mit gleichem Interesse widmet. Die soeben beendeten Konferenzen und Versammlungen, sowie die bisherigen Veranstaltungen des Volks­vereins lassen deutlich erkennen, daß die Vorteile dieses Vereins auch besonders unserer Gegend zu­gewendet werden. ' Es darf daher wohl auch erwartet werden, daß der Volksverein im Fuldaer Lande nicht nur seinen bisherigen Besitzstand behauptet, sondern •ine fortschreitende Ausbreitung erfährt.

ik. Tagung der Haus- und Grundbesitzer.

Eine große öffentliche Hausbesitzer- Versammlung war vom hiesigen Grund- und Hausbesitzerverein gelegentlich des Verbandstages der Grund- und Hausbesitzer aus Samstag abend in die »Harmonie* einberufen worden. Der Leiter der Ver­sammlung, Stadtverordneter Architekt Adam-Fulda, konnte eine sehr große Zahl von Hausbesitzern und sonstigen Interessenten begrüßen. Besonderen Will­komm entbot er den Vertretern des Magistrats, dem 2. Beigeordneten Arnd und dem Stadtrat Neitzert, ferner den Mitgliedern der Stadtverordnetenversamm­lung, die zahlreich erschienen waren. Generaljekretär Max Dieike-Spandau sprach über die Steuer nach dem gemeinen Wert, ein für Fulda sehr zeitgemäßes Thema.

Der Redner ging auf die Geschichte der Be­steuerung des Grund und Bodens nach dem gemei­nen Wert näher ein, zeigte, daß diese Besteuerungsform erst in allerjüngster Zeit auch auf bebauten Boden zur Anwendung komme und zwar aus dem einzigen Grunde, um die Grundsteuerleistungen zu steigern. Tann beschäftigte sich der Referent mit den Freunden der Grundwert steuer, namentl. mit den Boden­reformern und dem preußischen Städtetage. Letzterer habe die Gunst der Haus besitzer für die Wertsteuer mit dem Argument zu erlangen gesucht: Die Haus­besitzer machen Geschäfte mit dieser Besteuerungsart. Es stehe fest, daß das künftige Schicksal der Grundwert- steuer abhänge von der Stellungnahme der Hausbesitzer. Der Redner ging dann auf die Nachteile der Grund­wertsteuer ein. Er führte zunächst Steigerungen wis­senschaftlicher Autoritäten, der Professoren Piersdors und Keßler, beide in Jena, an, aus denen eine Ablehnung dcr Grundsteuer hervorgehe. Die Tendenz der Grundwertsteuer sollte von Anfang an eine Beschleunigung der Bautätigkeit sein. In der Tat habe sie eine Wohnungsproduktion geschaffen, die über das wünschenswerte Matz hinausging. Allerdings haben vielfach andere Momente der Üebertreibung der

Bautätigkeit entgegengewirkt: hoher Geldstand u. s. w. Die Hausbesitzer können aber auf keinen Fall eine Steuerart begrüßen, die auf billige Mieten hinziele. Er gab der Grundwertfteuer mit die Schuld an der be. klagenswerten Erscheinung des Bauschwindels. Ferner sei diese Steuer -der Mord der HauSgärten", weil sie zur dichten Bebauung dränge. Besonders be- denklich aber ist die Einschätzung des -gemeinen Wertes. (Sehr richtig.) ES komme hier naturnotwen. big ein rein fiktives Moment in Anschlag. Die Phan- taste spiele eine wesentliche Rolle. Die Normen, die ausgebildet worden seien, könnten der Gerechtigkeit nicht genüge tun. Selbstverständlich könne man Widerspruch gegen die Einschätzung erheben. Aber das Gericht müsse mit seinem Urteil gleichfalls in der Luft schweben. Der Redner ging dann dazu über, die Aufstellung deS Preu, ßischen Städtetages (seinerzeit in der -Fuld. Zig." wie- dergegeben. D. Red.) zu entkräften, wonach bekanntlich in 34 preußischen Städten bei Aufhebung der gemeinen Wertsteuer die Hausbesitzer 6% Mill. Mk. Steuer mehr zahlen müßten. Diese Städte feien tendenziös aus. gewählt, 8 Millionen Mk. entfielen auf die Berliner Vor. orte, der größte Teil der zweiten Hälfte auf rheinische Jndustriedörfer, nur ein winziger Teil auf die anderen in Betracht kommenden Städte. Der Vorzug der Wert- steuerpraxiS, den unbebauten Boden um das doppelte des bebauten Bodens zu belasten, finde seine Grenze in der gesetzlichen Festsetzung des Verhältnisses der bei. den Steuersätze. Zuzuaeben sei, daß LuxuSbauten durch die Grundwertsteuer besonders belastet würden. In den kleineren oder mittleren Städten sei jedoch der Be- sitzer eines von großen Gärten umgebenen Gebäudes durchaus nicht immer ein reicher Mann. Man könne ihm diese Lufträume gönnen. Zum Schlüsse trat der Referent für eine Aenderimg ider. Ertragssteuermethode ein. Nicht als Zuschlag zu der staatlich veranlagten Grund- und Gebäudesteuer (wie vor Einführung der Wertsteuer) soll die ®eoeeinbegrunhfteuer erhoben wer. den, sondern auf Grund eines unter Berücksichtigung aller sozialen und wirtschaftlichen Einzelheiten gestal. teten besonderen ErtrogssteuershftemS.

Den Ausführungen wurde nut vereinzelt Beifall zu teil, namentlich am Vorstandstische, an dem auch eine Reihe von auswärtigen Vertretern des Haus­und Grundbesitzer-DerbandeS Platz genommen hatten. Daß die D i S k u s s i o n einen lebhaften Gang nehmen würde, war schon klar, als der Referent vor dem als ersten Diskussionsredner gemeldeten Dr.Andler, Sekretär des Bundes deutscher Bodenreformer, zu einer persönlichen Bemerkung daS Wort erbat. 6t suchte den Diskussionsredner von vornherein zu dis­qualifizieren, indem er ihn einer »nicht wiederzugebenden' Beleidigung deS Prof, von der Borght, deS Geschäfts- führers des Verbandes zum Schutze des Grundbesitzes, zieh. Nachdem Dr. Andler darauf hingewiesen hatte, daß es sich lediglich um einen Streit um den wiffen- schaftlichen Charakter einiger Aufsätze deS Herrn von der Borght handele, ging er auf die Anklagerede gegen die Grundwertsteuer, die der Referent gehalten hatte, im einzelnen ein.

Dr. Andler, selbst HauS- und Grundbesitzer, trat zunächst für den beweiskräftigen Cbarakter der Statistik deS preußischen EtädtetageS ein. Er verwies auf die Anwendung dieser ©teuer im Ausland: in Eng­land, Amerika, Kiautschau. (Zuruf vom Borstandstische: Kamerun. Es wurde am Borstandstische so unruhig, daß Stadtv. Laux zur Geschäftsordnung um dieselbe Stille bitten mußte, wie sie dem Referenten zuteil ge­worden fei.) Der Vorteil des kleinen und mittleren Hausbesitzers bei der Wertsteuer fei unzweifelhaft. Als im Jahre 1907 di« Wertsten» in Fulda eingeführt wurde, ging der Steuerbetrug für 1281 Haus­besitzer herab, für 377 in die Höhe. Die Be- hanprung, daß die Wertsteuer „die Gürten morde«, fei unhaltbar. Wer einen Garten zu feiner Freude er­halte und damit vielleicht 1400 Mark ZinSverlust trage, werde auch die Wertsteuer, vielleicht 76 Mark, mit in den Kauf nehmen. Außerdem ermangelten gerade die Städte ohne Wertsteuer der Gärten und Parks in auf­fallendem Maße. Der einzige Fehler der Wertsteuer liege in der Willkürlichkeit der Schätzung. Doch dürfe man keinen Eteuergedanken verwerfen, weil die Steuer« form Unzuträglichkesten mit sich bringe. Bon der pein­lich genauen Anwendung der Entscheidungen der oberen Verwaltu^gSgerichte fei schon jetzt eine Besserung zu er­warten. Weitere Reformen ließen sich denken.

Deutele der Beifall, den dieser Diskussionsredner fand, schon an, daß die meisten der Anwesenden die Grundwertsteuer im wesentlichen billigen, so erlangte man darüber Gewißheit, als Stadtsteuersekretär Rcmmert, Hausbesitzer, eine Anzahl Berechnungen vorsührte, über die Grundsteuerbelaftung bei Geltung der Wertsteuer und bei Geltung der Ertragssteuer: für ein Haus im Werte von 4000 Mk. würde bei Zugrundelegung deS Ertrages eine Mehrbelastung von 4,64 Mk. daS Jahr heravskommen, für ein Haus im Werte von 40000 Mk. würde sich die Mehrbelastung auf 46,40 Mk. daS Jahr stellen, da­gegen würde eine Vtlla im Werte von 100000 Mk. 27,00 Mk. jährlich weniger zu bezahlen brauchen. Also: der kleinere und mittlere Manu zahlt bei der Erlragssteuer mehr, der reiche Mann zahlt weniger. Durch die Berechnungen wurde auch das jüngst in der Stadtverordnetensitzung gerühmte Franksurter Grundsteuersystem als sehr bedenklich gekennzeichnet. Die Diskussion, die sich bi§ um Mitternacht unter allgemeiner Aufmerksamkeit hinzog, verlief durchaus im Gegensatz zu den Anschauungen deS Referenten. Gleichwohl kann ihm und den Eiuberufern der Ver- lammluug das Verdienst nicht bestritten werden, mit dieser Aussprache zur Klärung einer wichtigen kommunalpolitischen Steuerfrage wesentlich beige­tragen zu haben. Ein weiterer Vortrag über den Wehrbeitrag fiel der fortgeschrittenen Zeit wegen auS.

Der Verbandstag der Grund« und Hausbcsitzervereine der Provinz Hessen- Nassau trat am Sonntag vormittag zu einer Generalversammlung in der »Harmonie* zusammen: Der Vorsitzende deS Provinzialverbandes Mathaei« Frankfurt a. M. eröffnete die Generalversammlung mit Worten des Dankes für die freundliche Einladung nach Fulda. NamenS des Fuldaer Vereins begrüßte ArchitSt Adam die ftem n und hiesigen Herren. Generalsekretär Diefke-Spandau überbrachte die Grüße deS Landes« und des Zentralverbandes.

Aus dem von Herrn M a t h a e i erstatteten JahreS- bericht war ersichtlich, daß das vergangene Jahr viel Arbeit, aber wenig Früchte gebracht habe, da daS er- hoffte Ziel der Grünoung eines PfandbriefinstitutS für unsere Provinz nicht erreicht worden sei. Die Unter­stützung der Kommunen fehlte, da diese selbst di« Sach» in die Hand nehmen wollten. Leider seien noch nicht in allen Städten unserer Provinz Hausbefitzervereine. Eine

reg« Werbetätigkeit soll in diesem Winter einsetzen, um in den noch fehlenden Orten derartige Vereine zu gründen und sie zum Anschlüsse an den Provinzialver­band ,u veranlassen. Justizrat Meier-Frankfurt a. M. berichtete über den Stand der dortigen Pfandbrief­angelegenheit, der noch nicht günstig für die Hausbesitzer sei. Es wurde die seinerzeit erwähnte Resolution der hessischen Städtetages bekanntgegeben, worin dieser zu schaffen sucht, was der Provinzialverband von Anfang an erstrebt hat. Der Kassenbericht des Herrn O b e r t-Frankfurt zeigte einen günstigen Kaffenbeftand. Die Kaflenrevision erfolgte durch die Herren Schwarz und Sopp-Fulda. Die Entlastung deS Kassierers und der Voranschlag für das kommende Jahr, bei dem eine AuSgabe von 700 Mark vorgesehen ist, wurden einstim­mig angenommen. In die Statuten wurde der Passus neu ausgenoznmen, daß der Provinzialverband dem Lande?- und Zentralverband anzuschließen ist. In die ordentliche und außerordentliche Kommission für das zu erstrebende Pfandbriefinstitut wurde Herr A. Schwär z- Fulda neu gewählt. Als Vorort zum nächsten Ver- banbStag wurde Frankfurt a. M. bestimmt.

Wegen vorgeschrittener Zeit mußte der vorgesehene Vortrag über den Wehrbeitrag abermals aus­fallen. Wie Herr Adam bekannt gab, soll dieser von vielen Hausbesitzern gewünschte Vortrag im Laufe dieser Woche gehalten werden. Ort und Tag wird noch näher mitgeteilt. Nach Schluß des Ver- bandStages wurde noch eine kurze Sitzung des Vor­standes abgehalten. In derselben wurde der Provinzial- Verbandsvorsitzende Mathaei als Vorstandsmitglied in den Zentralverband und Justizrat Meier als Vorstandsmitglied in den Landesverband gewählt. Nach einem gemeinsamen Mittageffen um 2 Uhr im Hotel zum Kurfürsten, an dem neben hiesigen Herren noch Delegierte aui Frankfurt, Hanau, Hersfeld, Homburg, Kassel tei nahmen, wurde ein Spaziergang durch die Stadt, über die sich die auswärtigen Teil­nehmer sehr lobend aussprachen, unternommen. Als Andenken erhielten die fremden Herren die neue vom Fremdenverkehrsverein Fulda herausgegebene illu­strierte Werbeschrift mit nach Hause.

(!) Der gestrige VolkSbilduugSabend, der letzte vor Weihnachten, hat sicherlich bei all den zahlreichen Besuchern einen überaus günstigen Eindruck hinter­lassen. Wie war »s doch schon so angenehm, daß nicht, wie das letztemal, auch die Gänge gedrängt voll von Mensche» waren und infolge der lieber« füllung eine tropische Temperatur herrschte; infolge der körperlichen Anstrengung war damals für gar viele der geistige Genuß um die Hälfte verringert. Gestern, als man die Schüler ferngehalten hatte, war zwar zu Beginn der Veranstaltung auch kein Stuhl mehr zu haben, aber die Gänge waren frei und so war ein gewisser Bewegungsspierraum gegeben. Oberbürgermeister Dr. Antoni begrüßte die Er­schienenen und hieß dann die Mitwirkenden, nament­lich den Redner, den Afrikaforscher Einwald, herzlich willkommen. Aufrichtige Dankesworte konnte er an den Männerchor des Evangelischen Ar­beitervereins richten, der mit dem großzügigen, von patriotischer Begeisterung durchglühten Tonge- mälde, Deutsche Helden (Patroullienritt in Südwest­afrika) den Abend eingeleitet hatte und im Verlauf deS Abends durch weitere Liederspenden aufs neue den Ruhm bestätigte, der ihm seit langem von maß. gebenbfter Stelle zuerkannt wird. Der Redner, Afrikaforscher Einwald, hatte von Anfang an durch seine schlichte, biedere Erscheinung die Sym­pathie der Zuhörer auf seiner Seite. Er steigerte sie durch die Art, in der er bescheiden und doch mit lebhaften Farben seine letzte Forschungsreise in Südwestasrika schilderte. Es handelte sich um einen Streifzug nach dem Norden unseres Schutzgebietes, der auf die Entdeckung von Bodenschätzen, namentlich Kohlen, abgelegt war. Ebenso interessant wie diese Erzählung war die groß« zügig angelegte, durch ganz famose Lichtbilder illustrierte Reise von Hamburg nach Afrika zum Be­suche sämtlicher Kolonien, an der un8 der Redner un Geist teilnehmen ließ. Geradezu stürmisch war der Beifall, der den Redner lohnte, als er die Reise­gesellschaft wohlbehalten und um zahlreiche neue Eindrücke und Kenntnisse reicher in's Vaterland zurückgeleitet hatte. Ein überaus genußreicher Abend.

+ Konstantiuische Jubelfeier. Üm etwaigen Miß­verständnissen vorzubeugen, weisen wir auf Wunsch des Einsenders der Mitteilung über die Konstantiuische Jubiläumsfeier in Fulda in unserer letzten Nr. da­rauf hin, daß nicht das Fest der Unbefleckten Em­pfängnis Mariä selbst, sondern nur die „äußere Feier" desselben in der Diözese Fulda verlegt worden ist, daß also die eigentliche liturgische Feier des ge­nannten Festes unverändert am 8. Dezember statt- finden wird.

-JD Nebenbahn Fulda-Poppenhausen. Auf Grund des Par. 5 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 und des Par. 150 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 hat der Bezirksausschuß die G e n e h - migung zur Vornahme allgemeiner Vorarbeiten für eine Nebenbahn von Fulda nach Poppenhausen erteilt. Es kommen für die Vor­arbeiten voraussichtlich in Frage die Gemeindebezirke Fuldä, Künzell, Pilgerzell, Dirlos, Keulos, Wissels, Wisselsrod, Dipperz, Friesenhausen, Dörmbach, Sie« tershausen, Weyhers, Steinwand, Ebersberg, Gacken­hof und Poppenhausen. Handlungen, die zur Vorbe­reitung des Unternehmens erforderlich find, muß jeder beteiligte Grundbesitzer aus seinem Grund und Boden geschehen lassen, insbesondere auch das Betre- ten seiner Grundstücke zu dem genannten Zwecke ge- statten.

(!) Die neue Edelzeller Eifenbahnbrücke ist am Sams­tag dem Verkehr übergeben worden.

) DaS Portrat eines Fuldaer Domkapitulars, in Oel gemalt von Hugo Pfister, fesselt gegenwärtig die Aufmerksamkeit im Schaufenster der R e i n h a r d t' schen Buchhandlung. DaS in zarten Farbentönen gehaltene Bild, das den Domherrn sitzend darstellt, zeigt ein tüchtiges Können des Fuldaer Kunstmalers. Es ist in allen Teilen sorgfältig auSgesührt und von schöner Wirkung durch die getreue Wiedergabe der Gesichts­züge, sowie durch fein weiches und farbenreiches Kolorit.

& Sein 40 jähriges Arbeitsjubiläum in der König!. Eisrnbahndaupiwerkstätte begebt am heutigen Tage

der Maschinenwärter Johannes Erb. Die üblichen Ehren wurden auch ihm zuteil.

(!) Vorweihnachtlicher Verkehr flutete gestern abend durch die Hauptgeschäftsstraßen. Einzelne Geschäfte hatten geradezu glänzende Auslagen geschaffen. Sie mahnten dringend an das Wort: Kaufet am Platze. Schöneres und Besseres gibt eS auch anderwärts nicht.

[] In den letzten drei Monaten sind in Fulda 45 Diebstähle und 19 BetrugSfälle vorgekommen. 8 Personen wurden wegen Bettelns zur Anzeige gebracht.

<P Fußballsport. Am geftr. Sonntag konnte die 1. Mannschaft von „Borussia" übet einen spielstarken Gegner, den an 2. Stelle stehenden V. f. B.. Gießen, einen schönen Sieg erringen, indem sie mit 3:0 Toren triumphierte. Der führende Kasseler Fußballverein verlor in Gießen gegen 1900 mit 4 : 2. Der V.f.B.« Marburg gewinnt glatt mit 4:0 gegen Sport-Kassel. Das höchste Resultat erzielte Eintracht-Kassel gegen Herkules-Kassel mit 6 : 0.

•o- Jugendsport. Bei dem gestern nachmittag auf der städtychen Bleiche auigetreigenen Wettspiel zwischen dem katholischen Jugendverein der Stadtpfarrei und der zusammen gestellten Mannschaft der Untertertia, Obertertia und Untersekunda der Oberrealfchule gewann der Jugendverein mit 3:1 Toren.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 30. Nov. 1913. Zu Vorsitzenden der allgemeinen Ortskrankenkasse Vacha wurden von den Arbeitgebervertretern und Arbeit­nehmervertretern im Ausschuß die Herren Bürger­meister Adolf Weide und Magazinverwalter Rudolf Schröder gewählt.

* KlingS, 30. Nov. 1913. Die hiesige Gemeinde- ratSwahl, welche am 22. d. M. stattfand, wird wahr«' fcheinlich vom Bezirksausschuß kassiert werden, da eine Anzahl unvorschriftsmäßige Stimmzettel abge­geben und mitgezählt worden sind. — Die hiesige Gemeindejagd pachtete dieser Tage Kalkbrennerei ■ und Gutsbesitzer Karl Bittorf Hierselbst für itnei jährlichen Pachtpreis von 226 Mark.

Aur Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

△ Marburg, 30. Nov. 1913. Die Zahl der im« matrif ullerten Studierenden des diesmaligen Wintersemesters an der hiesigen Universität stellt sich laut dem jetzt erschienenen Verzeichnis einschließlich 158 Frauen auf 2168, zugelassen zum Hören sind außerdem noch 49 Studierende, darunter 16 Frauen, sodaß die Gesamtzahl der Universitätsbesucher sich auf 2217 erhöht. Im vorigen Winter waren es ohne die Hörer einschließlich 127 Frauen 2028 und im letzten Sommer einschließlich 163 Frauen 2374 immatrikulierte Studierende. Die Hörer abgerechnet widmen sich 209 Männer der Theologie, 324 Männer der Jurisprudenz, 519 Männer und 24 Frauen der Medizin und 958 Männer und 134 Frauen der Philosophie. Was die Heimat der Studierenden anbelangt, so stammen 1564 Männer und 128 Frauen auS dem Königreich Preußen, darunter 579 Männer und 32 Frauen auS Hessen Nassau, 387 Männer und 25 Frauen auf den übriger deutschen Landen, darunter 62 Männer und 5 grauer auS dem Großherzogtum Hessen, sowie 39 Männer und 5 Frauen aus dem Auslande. Hinzugefügt sei, daß die diesmalige Frequenz noch in keinem Winter« semester erreicht wurde.

* Frankenberg, 30. Nov. 1913. Die hiesige israe« litischen Gemeinde beging gestern die Feier des 75jährig»n Bestehens der Synagoge.

Handel und Industrie.

4 Berlin, 29. Nov. 1913. Nachdem die private Spekulation in den letzten Tagen wieder bedenklich ge­rupft worden war, fand man heute alles wieder gut. Die bessere Grundstimrnung erhält sich. Kaffamarkt weiter steigend. Die Wochenschluß-Börse zeigte in der ersten Zeit nach der Eröffnung eine merkliche Abküh­lung der SpekulationS-Kreise. Wenn sich auch die Geschäftstätigkeit etwas mehr belebte, so empfing die Unternehmungslust doch keine kräftigeren Impulse und das ist ja wohl daS wichtigste Zeichen bet Situation.

KeNamen« nttb Anzeigenteil.

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Schule und Lernen

greift manche Kinder recht an, zumal in den Entwickelungsjahren. DaS stille Sitzen, der lange Aufenthalt in den Klaffenzimmern, nimmt sie mit, sie wollen nicht recht effen, und die Eltern wiffen oft nicht, wie dem begegnen. Man lasse solche Schulkinder morgen-, mittags und abends kurz vor oder nach dem Essen eine Zeitlang ScottS Emulsion nehmen und wird bald bemerken, daß die Eßlust wieder kommt, die Kinder frischer werden und den Vorgängen der Schule mit reger Teilnahme folgen. Der in Scotts Emulsion enthaltene Lebertran, die Statt« und Natronsalze, sind zur Kräftigung und Entwickelung jugendlicher Körper besonders nützlich. ScottS Emulsion läßt sich leicht einnehmen. DaS für sie auSgegebene Geld ist eine Anlage, die sich gewiß bezahlt macht. Der viele« Nachahmungen wegen ist beim Einkauf deutlich Scotts Emulfio«

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