Zuwaer Zeitung
aus Armut und Not, immer mehr zu Nahrungsmitteln gegriffen, deren Zubereitung möglichst wenig Mühe und Opfer fordert. Durch solche lang fortgesetzte verderbliche Ern^rungsgewohnheiten und unregelmäßiges Essen wird ein ungünstiger Einfluß auf das Wachstum und die Entwickelung der Jugend ausge- übt. Die Auswahl der Speisen für die Schulkinder
soll sich im Wesentlichen nicht von derjenigen der Erwachsenen unterscheiden. Der bei den Kindern wohlhabender Eltern durch Fleisch, Eier usw. gedeckte Stickstoffbedarf kann bei den ärmeren Kindern durch Käse und Hülsenfrüchte vollauf ersetzt werden. Das erste Frühstück soll in aller Ruhe und ohne Ueberstürzung eingenommen werden. Es soll bestehen in Milch mit Brot, Haferkakao mit Brot, oder, was der Schularzt noch fair wünschenswerter erklärt, in einer nahrhaften Mehl- oder Hülsenfrüchtesuppe oder einer anderen Suppenart. Es sei tief zu beklagen, daß die in alten Zeiten so beliebte Morgensuppe durch einen dünnen Kaffee ohne viel Milch ersetzt wurde, der nicht nährt, sondern aufregt. Eine solche Kaffee, brühe in einem leeren Magen verursache ost bei den Kindern Uebelkeit und Brechreiz, ferner Blutleere des Gehirns mit Schwindel, Kopfweh und Ohnmachtsanfällen. Solche Kinder lehnen auch oft das Mittagsessen ab. Darum solle das erste Frühstück für das Schulkind das Fundament der Ernährung für den ganzen Tag bilden. Das zweite Frühstück soll in einem Butter- oder Fettbrot mit Obst oder Gelee-
i brot bestehen: Fleisch- oder Wurstbrote sind über» flüssig. Schwächlichen Kindern ist ein warmes Glas Milch dienlich. Das Mittagessen der Schul- kinder bestehe aus einer guten Suppe, viel Gemüse mit Kartoffeln und etwas Fleisch; als Nachspeise frisches oder gedörrtes Obst. Für bescheidene Verhält- nisse genügt Hülfenfrüchtesuppe mit etwas Fleisch oder Gemüse mit Kartoffeln. Wo es angängig fft, kann Milch in kleiner Menge genossen werden. Die große Zahl der an schlechten ZÄnen leidenden Kinder wird nicht zuletzt darauf zurückgeführt, daß zu wenig Pflan- zenkost mit ihrem Kalffalzengehalt genossen werden.
I Zur Vesper genügt Milch-Kaffee, Milch oder Ka- I kao mit Brot oder Butterbrot. Das Abendessen, I das nie zu spät eingenommen werden soll, möge meistens warm sein. Auch hierfür empsiehlt sich eine
I Suppe, Brei, Milchreis oder ähnliche Milchspeisen, I ferner auch Gemüse oder Kartoffelspeisen mit Milch. I Aelteren, kräftigeren Kindern kann auch kaltes Abend- I brot mit etwas Fleisch oder Wurst, aber nur seilten, verabreicht werden. Biel Fleisch- und Wurst. I genuß am Abend beeinflußt unliebsam den Stoff. I wechsel, reizt Magen und Darm, Nieren und Blase. »Dir Untersuchung der Schulkinder in I den letzten Jahren haben die Erfahrung gebracht, daß in unserer Stadt ein sehr hoher Prozentsatz der I Kinder durch die Unkenntnis oder Unfähigkest der I Frauen in der Zubereitung der Speisen an Unter- I ernährung und Blutarmut leidet. Durch eine unan- I gemeldete Umfrage bei den Schulmädchen aller Schul- I klassen nach den Ursachen dieser Erscheinungen wur- I den Schlüsse auf die Art der Ernährung gezogen. Das I erste Frühstück entsprach keineswegs den Erforder- I nissen, wie sie oben dorgelegt wurden. Kakao oder I Milch fehlte fast ganz am Frübstückstisch der Schü- I lcrinnen, auch sonst fehlt die Milch vielfach als Nah- I rung, was der Schularzt l ebhast bedauert. Den I Eltern wird ans Herz gelegt, den Morgenkaffee ab- I zuschaffen und statt dessen Suppe, Kakao oder Milch I zu verabreichen, was ohne große Opfer an Zeit und I Geld geschehen könne. Beim Schulstühstück liegen die I Verhältnisse günstiger. Es entsprach fast überall den I Erfordernissen, den Kindern muß nur immer die I nötige Zeit zum Essen gelassen werden. Das Ergeb- I nis über die Art des Mittagessens war ebenfalls im | ganzen günstig. Nur ein geringer Teil' der Schü- I [erinnen erhielt das Mittagessen in Gestalt einer I Suppe. Aber alle Kinder erhielten etwas Warmes. I Fleischportionen machten einen hohen Prozentsatz aus. I Durch täglichen Verkehr in den Familien gewann I der Schularzt die Ueberzeugung, daß vielfach auf die I Güte der Zubereitung kein allzugroßes Gewicht gelegt I wird. Fleisch erhält die Mehrzahl der Kinder wenig-
, I stens zweimal in der Woche. Im Abendessen herr- : I schert große Verschiedenheiten. Als ein Mißstand wird ; I bezeichnet der massenhafte Genuß von Wurstwaren I des Abends seitens der Kinder zu ungunsten der üb- ' I rigen Speisen, wie Suppe, Breiarten oder ähnliches. , I Den Kindern soll unter allen Umständen warmes
| Abendessen unter möglichstem Ausschluß von Wurst- : I waren geboten werden.
(I) Der erste Adv-nlsonntas ist nun schon heran- gekommen. Da darf man an die bevorstehendr Weihnachtszeit denken und an all das, was nut dieser Zeit zusammenhängt. Ueber einige wichtige Punkte macht ein WeihnachtS-Flugblatt, das
geschrieben:
In den letzten Jahren macht sich eine neue Form deSver sch leiert en Bettler- und Land streich er- tum8 bemerkbar. Sogenannte „Weltreisende" wandern von Ort zu Ort und betteln auf den Straßen und in
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Samstag 29. November 1916.
der deutsche Käuferbund herauSgegeben hat, treffende Bemerkungen. Wir wollen, so beißt es dann, zum Weibnachtsfest denen Freude bereiten, die unS nahe- stehen. DaS schönste an diesem Fest ist wobl, daß roi* unS bemühen, über unseren engsten KreiS hinaus soviel WeibnacktSlicht und WeihnachtS- fteube zu verbreiten, als nur irgend m unfern Kräften steht. Und dennoch bereitet unser Geben und Schenken vielen Tausenden harte Plagen, an denen wir nicht schuldlos sind, weil wir uns ferne Gedanken über die Folgen unseres TunS gemacht haben. WaS können unS aber Freuden fein, die nur durch andere Leiden möglich sind! In den Geschälten, in denen wir Weihnachtsgeschenke taufen, drängt sich in den Wochen vor dem Fest eme Fülle von Arbeit zusammen, die für die beteiligten Kaufleute, Angestellten und Arbeiterinnen, zumeist Heimarbeiterinnen, immer beängstigender wird, je näher die eigentlichen Festtage kommen. Oft nur durch Zuhilfenahme der Nächte ist eS der Henn» orbeiterin möglich, die fo spät bestellte Arbeit rechtzeitig zu liefern. Die Käufer können diesen Andrang und die damit verbundene U berlastung der Geschäftsleute und der Heimarbeiterinnen mildern, wenn sie ihre Weihnachtteinkäufe srübzeitig besorgen. Der Kauferbund empfiehlt für die WeibnachtSeinkäufe alS gute Käufersitte Festgesckenke spätestens tn der ersten Hälfte detz Dezember» zu kaufen. WeihnachtSeinkäuke sind noch vor den Feiertagen, jedenfalls vor Neujahr zu bezahlen, denn d,e unselige Sitte des BorgkaufenS bereitet vielen Kaufleuten bittere Sorgen. Man bedenke auch, daß das leidige Umtauschen eine arge Belästigung der Geschäftsleute bedeutet. Wer Weihnachtsgeschenke kauft, muß nicht minderwertige, sondern stets Qualitätsware kaufen. Das gilt nicht nur bei Geschenken, die für Angehörige und Freunde bestimmt sind, sondern auch bei Geschenken für Dienstboten und Schutzbefohlene. Wer seinen Anaestellten Weih- nachtSgratifikationen gibt, soll daS so recht- ,eisig tun, daß die Empfänger noch zeitig und in Ruhe ihre Weihnachtseinkäufe besorgen können. Den Dienstboten und den Geschäftsangestellten sind Mitte Dezember ein paar frühe Tagesstunden freizugeben, damit sie nicht darauf angewiesen sind, ihre Einkäufe während des abendlichen Gedränges oder am Sonn- tag zu besorgen. Wer diese Ratschläge befolgt und sie weitergibt, bereitet sich selbst und andern Weth- nachtSruhe und Freude!
- Lehrstellenvermittlung 191314. Wie in früheren Jahren, so gibt auch für diese Saison der Mittel- deutsche Arbeitsnachweisverband in Frankfurt a. M. ein Lehrstellenvakanzenblatt heraus. Das Blatt erfreut sich einer wachsenden Bedeutung für tue Lehrstellenvermittlung. In den 5 Nummern, die tm vorigen Jahre (von Ende November b>S Anfang April) erschienen, waren insgesamt 2515 offene Lehrstellen (1145 im Jahre 1911/12) und 3000 Lehr- stellengesuche (610 im Jahre 1911/12) gemeldet. A ich die Lehrstellenvermittlung der öffentlichen Arbeitsnachweise hat eine günstige Entwicklung genommen. Im Vorjahre wurden von 11 Arbeitsnachweisen (Bingen, Darmstadt, Dieburg, Gießen, Limburg a. L., Mainz, Marburg a. L., Oberlahnstem, Wetzlar, Wiesbaden und Worms a. Rh.) sowie von der Zentrale für Berufsberatung und Lehrstellenoermitt- lung in Frankfurt a. M., die mit dem Mitteldeutschen ArbeitSnachweiSverband zusammenarbeitet, zusammen 1468 Lehrstellen besetzt, davon 1000 für gewerbliche «Berufe. In diesem Jahre wird die Lehrstellen- Vermittlung voraussichtlich noch eine weitere Ausdehnung erfahren, indem d»e bestehenden Einrichtungen vervollkommnet werden und mit den Trägern derjenigen Arbeitsnachweise, die die Lehr- stellenvermittlung noch nicht oder nur im beschränkten Umfange betreiben, Verhandlungen schweben. Die Benutzung *be» Lehrstellenvakanzenblattes, daS bei allen öffentlichen Arbeitsnachweisen (in Fulda tm Sladtschloß) und einer Reche anderer Stellen, die noch bezeichnet werden, aufliegt, ist sowohl für Lehrmeister als für Lehrstellensuchende zu empfehlen. Die Aufnahme in das Blatt erfolgt vollständig kostenlos. Anmeldungen zu dem Vakanzenblatl nehmen die Arbeitsnachweise sowie der Mttteldeutsche Arbeitsnachweisverband in Frankfurt a. M. entgegen.
(a) .Weltreiseude". Diese Erscheinungen sind be- tanntlid; in letzter Zeit auch wiederholt tn Fulda aufgetaucht. Wir haben e$ damals schon entschieden abgelehnt, durch redaktionelle Hinweise in unserem Blatte Reklame für diese Gesellen zu machen. Jetzt wird von einer amtlich bedienten Korrespondenz
Fulda.
4- Tie Feier deS Konstansinische« Jubiläums in | Fulda. Das außerordentliche Jubiläum, welches der hl. Vater aus Anlaß der Konstantinischen Erinnerung»- feiet angeordnet hat, wird bekanntlich mit dem hohen Feste der .Unbefleckten Empfängnis Mariä", am 8. Dezember d. I. zu Ende gehen. Gemäß der gemeinsamen Verordnung des deutschen Episkopates wird der Schluß dieser denkwürdigen Feier am Sonntage den 7. Dezember d. Js., auf welchen mit päpstlicher Genehmigung in der Diözese Fulda das Fest verlegt worden ist, in der Domkirche zu Fulda vor- mittags halb 10 Uhr nrt feierlichem Bischöflichem Hochamte und Te Deum begangen werden. Dabet wird auch der Päpstliche Segen erteilt werden, der sonst in den andern Jahren am Feste Allerheiligen gespendet zu werden pflegt. Am Sonntag den 7. Dezember wird abends halb 8 Uhr aus dem gleichen Anlässe eine große Festversammlung tut Stadtsaale dahier gehalten werden, worüber wir näheres noch mitteilen werden.
Ä Der LandesauSschuß hat in seiner jüngsten Tagung beschlossen, die nächste Sitzung auf den 12. Januar anzuberaumen, während die Einberufung des KommunallandtageS zum 9. März erfolgen wird. Zu Mitgliedern der Bezirkskommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler innerhalb des Regierungsbezirks Raffel für die Zeit vom 1. April 1914 bis 1915 wurden gewählt dezw. wiedergewählt die Herren Professor Schick in Kassel, Geh. Archivrat Dr. Könneckr in Marburg und General z. D. Eisentraut zu Kassel, und zu bereit Stellvertretern die Herren Professor Dr. Richter (Fuldaf, Kgl. Baurat Dr. ing. Holte- metjer (Raffel und Pro'essor Knackiuß (Kassels.
& Wie stehts mit der Ernährung bet Fuldaer Schulkinder. Mit dieser Frage beschäftigt sich die Denkschrift, die der Schularzt, Herr Dr. Rohrhirsch, der städtischen Behörde vorgelegt hat. Danach wird infolge Mangels an hauswirtschaftlicheu Kenntnissen, ferner aus Bequemlichkeit, zumteil auch
den Wirtschaften da» Publikum unter dem Vorwande des PottkartenverkaM» und bergt an, indem sie gleichzeitig behaupten, daß sie wegen einer Wette ober au» anberen Gründen die Welt zu Fuß umreisen mußten. Die Soft fort en pflegen da» Bild be» .Weltreisen den", die Embleme feiner Heimat und de» Weltverkehr» zu tragen. Das Publikum soll milbe Gaben Verhältnis- mäßig reichlich >n die Taschen de» Reisenden stießen lassen, weil es den wahren Charakter de» Unternehmens nicht kennt. Nicht zum wenigsten aber trägt zur Irre- tübrung des Publikum» der Umstand bei, daß die .Welt- reisenden" oft Bücher oorjeigen, in denen Polizeibehörden unter Beidrückung de» Dlemtfiegel» bescheinigen, daß der Buchinhaber den Amtsbezirk passiert habe. Dille beson- derS von kleineren Behörden geübte Gepflogenheit ist geeignet, dem auf Ausbeutung de» Publikums gerichteten Unternehmen den Anstrich der Reelluät und besondere Zugkraft zu verleihen. In einem ministeriellen Erlaß wird daher darauf hingewiesen, daß e» geboten fei, dem gekennzeichneten Treiben entgegen,utreten und unter Umständen eine Bestrafung wegen Betteln» ober LandNreichen» herbe,zuführen. ®a übrigen» der Berkaus von Postkarten tn der berührten Weife sich als (Beroerbeirteb im Umherziehen barstellt, fo wird in denjenigen Fällen, wo der Tatbestand de» Betteln» ober LanbftreichenS im Sinne der Vorschriften de» Strafgesetzbuches sich nicht einwandfrei feftftellen läßt, stet« zu prüfen fein, ob nicht ein Vorgehen wegen Zuwider, hanblurg gegen die Wandergewerbesteuer angezeigt
2. Blatt.
vlua cct Kulbeet Zctititbieeetet in 5Nida.
erscheint
rt Son der Strafkammer wurde in der gestrigen Sitzung ein 17 jähriger LandwirtschaftSgehilfe K. V. au» dem Streife Gers eld wegen eines SittlichkeitS- vergehen» zu einem Monate Gefängnis verurteilt. Zwei eingefleischte Bettler, die schon wiederholt Br- tanntschaft mit dem Arbeitshaus gemacht haben, der 44 jährige Arbeiter Joh. Becker au» Kulstetn bet Köln und der 34 jährig- Schlosser Bruno Fronet,«n aus Leipzig waren vom Schöffengericht in Ei ter seid wegen Betteln» abermals zu je 2 Wochen Gefängnis und zur Uedrrweiiung an die Landespoltzeibehorde verurteilt worden. Gegen letztere Verfügung legten sie Berufung ein. Hals Nichts. Da» Urteil routbt bestätigt.
4- Entflohene Zöglinge. Au» der Anstatt zu Maberzell bat sich ein Mädchen von 13 Jahren und ein größere» von 14 Jahren entfernt. Beide treiben fick- wahrscheinlich noch in der hiesigen Gegend herum. Man bittet die Anstalt zu benachrichtigen, wenn sie irgendwo entdeckt werden. Die Kosten werden vrr« gütet. ,, _
!'. Jagdkalender für Dezember. Dre erste Halste des Monats ist überall fast ganz für Feld- und Holztreiben bestimmt, und es gibt in der Tat für viele Jäger kein größeres Vergnügen, als an gro. ßen Treiblagden in gut besetzten Revieren.teilnehmer -u können. Bei richtiger Leitung, günstigen Wild- Verhältnissen und tocndmännischem Jagen können solche Veranstaltungen reiche jagdliche Freuden und hohen Genuß breten. Dazu gehört aber, daß nach vorher festgelegtem Plane das ganze Programm schnell und sicher abgewickelt wird, ein Treiben fick flott an das andere anschließt, und daß vor aller Dingen Jäger- und Treiberwehr gut unterrichtet u.n* in Ordnung gehalten werden. Um jeden Mißwn z» vermeiden und Streitigkeiten wegen bevorzugte' Stände von vornherein auszuschließen, empfiehlt e- sich, den Schützen Nummern zu geben, die vor Beginn der Jagd ausgelost werden. Diese Nummen werden den Tag über beibchalten, sodaß die RecheNi folge ein für allemal bestimmt ist. Auch die Treib« sollen ihre Nummern erhalten, damit sie nicht durch- einander laufen oder, was besonders bei Holztreiben wichtig ist, sich die bequemsten Wege aussuchen kon- neu. Bei Holztreiben ist es sehr wichtig, daß die Treiber nicht zu großen Lärm machen. Immer tote, der kann man die Beobachtung machen, daß zuruck- qehendes Wild immer an den Stellen durchbricht, wo die Treiber den meisten Spektakel machen. Es genügt vollständig, wenn mit kräftigen Stöcken gegen Busche und Bäume geklopft wird. Dadurch laßt sich alles Wild ohne Ausnahme am leichtesten vorwärts tret- den. Erst in der Nähe des Schützen sollen die Treiber sich durch Sprechen bemerkbar machen damit sie von den Schützen frühzeitig genug bemerkt werden. Absolut notwendig ist es, daß auf feder Treibjagd einige gute Hunde vorhanden sind, die tm Ver- lorenapportieren sicher sind. Ende Dezember begm- iten die Füchse zu ranzen; für den Baufager. der gute Teckel oder Foxterrier besitzt, kommt fetzt die Zeit wo er Reineke oftmals zu Hause antreffen und erbeuten kann. Zumal bei windigem Wetter und Schnee oder Regen kann man zuweilen größere Ge- sellschasten in einem Bau antreffen. Auch mit dem Tellereisen läßt sich jetzt schon am Bau mancher Erfolg erzielen. „ _ . ......
8 Der größte Abnehmer des hiesigen Elektrizitätswerkes ist seit einigen Tagen der Bahnhof Fulda. Da die Anlage am Bahnhof zur Herttellung der
totales.
Fulda, 29. November 1913. I (—) «in trefflicher Wort zur kommunalen Finanzpolitik.
Die Einbringung und Beratung der städtischen I Etat» für 1914 steht dicht vor der Tür. Da kommt I «in Wort |ur rechten Zeit, da» wir im ,Berliner Lofl-Anz/ finden. ES bezieht sich auf bte Mittel und I Wege, di« dir überall zu beobachtenden Steigerung der kommunalen Steuerleistung entgegenwirken können. I Hilfe kann, so beißt e» da, schließlich nur von bentn i kommen, bie e» am meisten angeht, von den Steuer- zahlern selbst. Diese freilich stellen heute noch I nicht die geschlossene Macht bar, die sie barftellen I könnten. Sie nehmen ihre Lasten zu resigniert hm. I Und in ihren Reiben herrscht noch zu sehr bet Grund- I sah vor: „O heiliger St. Florian, verschon' mein I Hau», zünd' andre an." Derjenige, der indirekte Steuern zahlen muß, verlangt direkte Steuern und umgekehrt, der Grundbesitzer verlangt Kapitalsteuern, dieser Steuern auf Gewerbe und Grundbesitz, die gegenwärtigen Steuerzahler schieden di« Last auf kommende Generationen weiter und so fort. Alle Steuerzahler müssen allmählich erkennen lernen, daß sie erst gut stehen werden,wenn sie sich gem ein s a m w e h ren. Die Losung darf nicht lauten: »Hier Anleihen, hier Steuern", ober: .Hier direkte, hier indirekte Steuern", sondern sie muß endlich einmal lauten: .Weder neue Anleihen, noch neue Steuern". Dann erst werden di« Einzelwirtschaften wieder einmal Atem schöpfen können. Haben untere Gemeinden so lange aus dem Vollen gelebt und immer len Standpunkt verfochten: .Das und daS muß gemacht werden. Ihr Einzelwirtschaften findet euch damit ab*, so müssen diese nun den Mut finden, zu sagen: .Wir brauchen endlich einmal Ruhe, wir wollen keine weiteren Anleihen und Steuern. Wie ihr öffentlichen Wirtschaften euch bamit abfinbet, wie ihr mit den bisherigen Deckungsmitteln fertig werbet, baS ist euere Sache. Ihr seid im letzten Grunde unseretwegen da, nicht wir euretwegen."
# Personalien. Dem Oberregierungsrat Ueber- s ch a e r tn Kassel ist die Stelle des Oberregierungs- rotes für die allgemeine Verwaltung der Zölle und indirekten Steuern bei der Oberzolldtrektion in Breslau verliehen worden.
Verliehen wurde dem Oberbahnassistenten a. D. Johannes Jagemann zu Fulda das Der- dienstkreuz in Gold und dem Postschaffner a. D. Ar- thur Bolz zu Burghaun int Kreise Hünfeld das allgemeine Ehrenzeichen.
& Versetzt würbe der Kgl. Landmesser Bünnecke mit Wirkung vom 1. April 1914 von Treysa nach
„Anny!" flüstert Felicie plötzlich. „Wie fängst Du es an, anstatt meiner in meine Zelle zu kommen? Du mußt meine Kleider anziehen, morgen früh den Kranken das Frühstück bringen! Du bist ja viel zu schwach!"
Anny lächelt.
„Meinst Du? Ich habe nicht umsonst eine ganze Woche lang meine Kräfte für diesen Tag aufgespart. Sei überzeugt, daß ich es aushalte, bis Du fort bist! Und wenn ich dann zusammenbreche — was schadet das? Es ist „Felicie Barrington", die stirbt, nicht „Anny Holm"!"
Felicie sagt nichts mehr.
Als gleich barflitf die Oberpflegerin Frau Palmer durch die Krankenräume geht, um zu inspizieren, findet sie Anny in hochgradigem Fieber.
„Haben Sie Schmerzen, Holm?" fragt sie gütig.
„'Rein, Frau Palmer, durchaus nicht. Ich bin nur aufgeregt, weil ich morgen frei bin."
„Glaub's Ihnen, Kind. Ich wünschte, Sie konn- ten Ihre Freiheit noch ein paar Jahre genießen."
Anny lächelt.
,Jch sehe dpch wenigstens meine Schwester noch einmal, bevor ich sterbe, und ihre Kinder."
„Jo, ja, wenn Sie nur morgen transportabel sind! Gute Nacht!"
Mt freundlichem Gruß geht die brave Frau wer- ter, dabei Felicie zu sich heran winkend.
„Wachen Sie die Nacht bei der Holm! Sie ge- fällt mir heute gar nicht!"
Eine Zeitlang, nachdem Frau Palmer sie ver- lassen, Verhalten die beiden Freundinnen sich noch
ganz ruhig, angeftrengt lauschend, ob nichts sich regt. ...
Sllles still.
Der Moment zum Handeln ist gekommen.
Mit Felicies Hülfe verläßt Anny ihr Lager. Aus ihre Schulter gestützt, schwankt sie durch die Korrtdore, nach Felicies Zelle.
Sie begegnen niemandem. Alle Gange tote aus» gestorben.
Jetzt schließt sich die Tür der Zelle hmter den I beiden.
Rasch kleidet Felicie sich aus und zieht Anny ihre Sachen an. Dann wirft sie sich selbst Annys Nachtkittel über. Noch schnell beim fahlen Schern des Mondes die Stirnhaare abgeschnitten, dteselben unter die Matratze versteckt, Annys Schettel möglichst glatt gekämmt — und die beiden verlassen wieder bte
Felicie ist jetzt „Anny Holm", Anny „Felicie Harrington".
Unter einer etwas heller brennenden Gasflamme im Korridor bleiben sie stehen. Prüfend blicken sie einander an. Die Täuschung ist wirklich frappant gelungen. Nur der atlsmerksamste Beobachter wurde bte Verwechselung merken.
Jetzt erreichen sie bett Krankensaal.
Felicie legt sich in Annys Bett. Anny setzt sich daneben auf den Stuhl. .
„Küsse mich, Sieb’." bittet Anny mit versagender Stimme, „und dann nenne mich „Felicie Ver- gift morgen nicht einen Augenblick ^etne Rolle. ,
Stumm vor innerer Bewegung, schlingt Zeltete bie Arme um den Hals der Totkranken.
..Geh' jetzt in meine Zelle, Anny! Leg' Dich gleich nieder! Wie Du zitterst! Mein Gott, Du hältst es nicht aus!" . .
„Doch, ich halte es aus. Noch einen Kuß — bann gehe ich! So! Gute Nacht, Anny Holm!"
xxv.
Heiter unb sonnig, gleich einem jugendfrischen, übermütigen Jüngling, bricht der Morgen herein. Kein Wölkchen trübt bie tiefe Blaue des Himmels. . .
Bleich, übernächtig erhebt Felicie sich von ihrem Laaer. Sie hat fast gar nicht geschlafen Ihr Kops ist ihr ganz wirr von den widersprechendsten Empsm- bUnsmcto wird der kommende Tag ihr bringen? Die Freiheit ? Ode. verschärfte Strafe dort unten im bunllcn Keller, wohin bie widerspenstigen Gefangenen gesperrt werden? „
Und wie wird Annv bet ihrem Zustand das ungewohnte Arbeiten ertragen?
Halt, dort hinten kommt sie schon!
Zn der Schule der Leidens.
34] Roman aus dem New-Iorker Leben.
Von Erich Friefen.
Der letzte Wend ist hereingebrochen.
Felicie sitzt am Bett der Freundin.
Ringsum tiefe Stille. Die Kranken schlafen; die diensttuende Pflegerin selbst nickte auf ihrem Stuhl ein wenig ein.
Das Gas ist niedergeschraubt. Mattes Halbdunkel erfüllt den düstern Raum.
Anny hat Felicies Kopf zu sich herabgezogen.
„Nicht den Blut verlieren, Liebste!" flüstert sie lächelnd. „Und vergiß nicht, Dir die Haare auf der Stirn kurz zu schneiden — etwas ungleichmäßig, geradeso wie meine! Hier hast Du eine Schere! Ich hab' sie der Pflegerin heut toeggenommen, als sie neben meinem Bett nähte. Wenn Du ins Freie kommst, kneife die Augen zusammen! Ich tue das stets, weil ich kurzsichtig bin. Und möglichst wenig den Mund öffnen! Deine Zähne sind viel weißer als meine. Und leise sprechen — mit dem Heisern Organ der Schwindsüchtigen, hörst Du? Hülle Dich möglichst fest in Deinen Schal ein! Tu kannst ja einen kleinen Schüttelftost fingieren; bedenke, Du bist die totkranke „Anny Holm!" Man wird Dich nicht mehr mit arzt- lichen Untersuchungen belästigen: man wird ftoh sein, wenn man Dich los ist! . . . Im Direktionszimmer erhältst Du dreißig Dollars — der Lohn für meine frühere Arbeit im Gefängnis. Die letzte Zeit konnte ich ja nichts mehr tun. Wenn Du willst, kannst Du meiner Schwester einen Teil davon geben., Grüße sie herzlich von mir und küsse die kleine Alice in meinem Namen! Sie muß ein niedliches Ding geworden sein. Sage ihr, ich bäte sie, gut und ehrlich zu bleiben. Der gerade Weg ist der beste. Ach, es ist traurig, im Gefängnis zu sterben! Aber ich fürchte mich nicht; Gott wird mir verzeihen. Vielleicht — vielleicht sehen wir uns dort oben wieder."
Wange an Wange geschmiegt, liegen die beiden still ba. Beide sprechen nicht. Ihre Herzen sind zu voll.
Felicie hebt den Kopf.
Mit dem Frühstücksbrett in den Händen schwankt Anny in den Kraukensaal.
Zuerst reicht sie Felicie den Kaffee und lächelt dabei — lächelt wehmüttg-glücklich.
Felicie glaubt aufschreien zu müssen beim: Anblick dieses Lächelns. Sie weiß, was es die Totkranke
Beherrsche Dich!" flüstert Anny kaum hörbar. „Die Johnson dort hinten ist wach. Sie konnte Dich nie leiden. Hab' keine Sorge um mich! Ich mach« meine Sache gut."
Noch niemals in ihrem ganzen Leben schlich Fe- Heien die Zeit so unerträglich langsam tote heute. Mill der Morgen denn gar nicht enden? Mit angst- vollen Augen verfolgt sie Anny von ihrem Lager aus, wie sie ats „Pflegerin Barrington" hier ein Kopfkissen aufschüttelt, dort einen erfrischenden Trunk zu- -echtmacht. Jeden Augenblick furchtet sie, die Kranke unter einem Blutsturz zusammenbrechen zu sehen.
Aber nichts dergleichen geschieht. Anny hält sich tapfer. Zwar sind ihre Bewegungen etwas müde ihre Schritte langsain — aber nichts passiert, was bo sondere Aufmerksamkeit erregen könnte.
Endlich, endlich nähert sich die Stunde, da Anny Holm aus dem Gefängnis entlassen werden soll. ,
Unter Hülfe einer Wärterin kleidet sich Felicie — oder wie ihre Umgebung annimmt, „bte Holm an. Das feierliche Aüschniednehmen beginnt.
Felicie Hal an diesem Morgen viel gehustet. Es wundert also niemand, daß dre totkranke „Anny Holm" sich fest in ihren grauen Schal entwickelt. Jir fie doch schon wochenlang nicht mehr ins Freie gekorn-
Frau Palmer, die übrigen Pflegerinnen, dte kranken befangenen, welche mit ihr denselben Saal be- wohnten — alle kommen, um Ihr „Lebewohl zu sagen. Da sie schon über ein Jahr krank ist- kennt sie jeder in der Krankenabteilung unb jeber hat sie gern ihres bescheidenen, freundlichen Wesens toeaen.
(Fortsetzung folgt.)