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♦ * öumstag 29. November itiö.

Wochen-Nundschau.

[:] Fulda, 28. November 1913.

Der Reichstag hat nach fünfmonatiger Som­merpause feine Arbeiten wieder begonnen. Gleich am ersten Tage kam es zu ausgiebigen Debatten über Mlttelstanosjragen, welche durch Petitionen ausge­löst wurden, und es zeigte sich auf allen Seilen des Hauses, mit alleiniger Ausnahme der äußersten Lin­ken, eine wohltuende Wärme für die Interessen des Mittelstandes, der ja heute mehr denn irgend ein an­derer Stand der Fürsorge bedarf. Und dann galt es, äußerst wichtige Gesetzentwürfe in Bearbeitung zu nehmen: Spionagegesetz und Gebührenordnung, wor­über die Perhandlungen am Mittwoch mit frischen Kräften einsetzten.

In Bayern ist der Sieg des Ministeriums Hertling vollständig getotfrben durch die E r- höhung der Zivillifte. Es handelte sich hier­bei um viel höhere Werte und größere Interessen, als die paarmal hunderttausend Mart. Nachdem durch die Abänderung der Verfassung die Königskrönung ermöglicht worden war; mußte es sich bei der Ord­nung der Geldfrage zeigen, ob cs dem bayerischen Volke wirklich ernst war mit der monarchischen Ge­sinnung und der Liebe zu deut neuen Herrscherpaar. Das Volk mußte seine Opserbereitschaft bekunden, und zwar so entschieden, daß wenigstens zwei Drittel der Abgeordneten zur Bewilligung der erforderlichen Drittel sich bestimmt fühlten. Die Regierung war nämlich „aufs ganze'' gegangen. Sie hatte den Ne­benweg der alljährlichen Bewilligung im Budget ver­schmäht und ein neues Bcrfassungsgesetz zur dauern­den Regelung der Zivilliste eingebracht, obschon sie wußte, daß dieses Gesetz der Zweidrittelmehrheit be­durfte, also den Quertreibern auf der Linken die er­wünschte Gelegenheit bot, durch Sammlung eines ablehnenden Drittels die Regierung und den König ihre Macht fühlen zu lassen. Das Vorgehen der Re­gierung erforderte umsomehr Mut, da seit der Kö­nigskrönung bereits eine lebhafte Agitation zur Er­regung von Mißstimmung eingefetzt hatte. Die par­teipolitischen Ränke hatte bei d«r Beratung des ersten grundlegenden Vcrfassungsgesetzes eine Pause ma­chen müssen angesichts des klaren und starken Volks- Willens. Jetzt aber brachen sie mit voller Kraft wie­der hervor, da man dachte, m Geldsachen werde die Gemütlichkeit des Volkes aufhören. Es wurde die heuchlerische Parole ausgegeben: „Der Krone alles, aber dem Ministerium Hertling nichts!" Die Rech­nung erschien verlockend einfach und sicher: man brauchte nur 54 Neinsager aus Sozialdemokraten, Bauernbündlern und Liberalen zusammenzubringen, dann war die Erhöhung der Zivilliste gescheitert und damit zugleich das verhaßte Ministerium Hertling! In letzterer Hinsicht war man so zuversichtlich, daß schon zu Beginn der Beratungen in der befreundeten Presse die Behauptung verbreitet wurde, Herr v. Hertling habe bereits das Vertrauen des Herrschers verloren. Ob nun wirklich, wenn eine Drittelmehrheit das Gesetz zum Scheitern gebracht hätte, ein Minister­wechsel eingetreten wäre, erscheint uns noch sehr zwei­felhaft. Einerseits blieb ja noch der Weg der Etats­bewilligung offen, um die nötigen Mittel zu errei­chen, und andererseits wäre es wohl möglich, daß man an der entscheidenden Stelle gesagt hätte: „Nun gerade nicht!" Aber aus jeden Fall wäre doch eine bedenkliche Unruhe und Unsicherheit in das öffentliche Leben Bayerns gekommen. Die gehobene Stimmung, in die das treue Volk durch die bisherige glückliche Entwicklung der Königsfrage versetzt war, würde von einem Reif in der Frühlingsnacht betroffen worden sein. Mit Erstaunen und Schrecken hätten sich die Bayern gefragt, ob denn wirklich die Sozialdemokra­ten und deren Bundesgenossen im Lande mehr zu sagen hätten, als die königliche Regierung und die Mehrheitsparteien, — ob der Rotblock in Bayern re­giere. Alle Aergernisie und Gefahren sind nun glück­licher Weise ausgeräumt worden durch die Annahme des Versassungsgcsetzes nach dem Regierungsvor­schlage mit 110 gegen 50 Stimmen. Ein Dutzend Nationalliberaler unter Führung des Abg. Cassel­mann hat den Ausschlag gegeben, und diesen Män­nern, die von ihren links gerichteten Genossen leb­haft angegriffen werden, gebührt Anerkennung und Dank. Sie haben sich um die Krone und das Land verdient gemacht. Nebenbei haben sie auch nach un­serer Ansicht für die Zukunft der nationalliberalen

Unpolitische Zettläuse.

N. Berlin, 27. November 1913.

<Nachdruck nicht gestattet.)

Als „Bärenführer" geleitete ich heute einen alten Freund vom Lande durch die Straßen. An einer Stelle sahen wir einen großen Andrang von Men­schen vor den Schaufenstern. „Da gibt's was Sen- .fationelles", sagte der Fremdling, und es klang ein gewisses Mißtrauen aus seinem Tone. Aber was war es? Die alten Volksmärchen vom tapferen Schnei­derlein, der Gänsemagd usw. waren in den Schau­fenstern verkörpert. Ein niedliches Puppentheater nach Gebrüder Grimm. Die Leute betrachteten mit viel Verständnis und noch mehr Behagen die figuren­reichen Bilder.

„Das ist hübsch", sagte der Onkel vom Lande, der sonst mit seinen Lvbsprüchen recht geizig ist. „Aber was kostet das für ein Stück Geld", fügte er als be­rechnender Geschäftsmann hinzu.

Allerdings kosten die Schaufenster viel Geld; der Platz verschlingt viel Miete, die Einrichtung ist teuer, namentlich wenn sie künstlerisch angehaucht ist; Sie Unterhaltung erfordert fortgesetzte Arbeit, und die Beleuchtung am Abend verschlingt beträchtliche Sum­men. Hohe Reklamekosten muß ein großstädtisches Ge­schäft sich auferlegen. Reklame durch Zeitungen, ver­teilte Zettel und dergleichen ist auch nicht billig; dabei hat die Reklame durch schöne Schaufenster den Vor­zug einer andauernden und unmittelbaren Wirkung. Die Schaulustigen gehen freilich zum größten Teil wieder von dannen, ohne einzutreten und zu kaufen. Aber sie behalten einen guten Eindruck von dem Ge­schäft in ihrem Sinn; sie erzählen auch zu Hause oder in ihren Bekanntenkreisen, daß sie dort etwas Hüb­sches gesehen. Bei der nächsten Gelegenheit heißt es darum: Na, da können wir ja mal dahin gehen!

Und wenn die Rose selbst sich schmückt, so schmückt sie auch den Garten. Ein hübsches Schaufenster trägt zur Zierde der Straße und des ganzen Ortes wesent­lich bei. Umgekehrt wird auch ein Schuh daraus. Ein schlampiges oder geschmackloses Schaufenster entstellt die Gegend. Erst recht, wenn es mit Schund- und Schandsachen, mit häßlichen und anstößigen Dingen angefüllt ist.

Das Schaufenster als Erzieher! Das ist ein wichtiges Kapitel der neuzeitlichen Entwick­lung. Die Masse der Leute, die durch die Straßen

Partei besser vorgcsorgt, als die liberalen Kampf- hähnc, die im Verein mit der Sozialdemokratie aus einen Pyrrhussieg hinstrebtcn. Ter Führer der letz­teren war Se. Wichtigkeit Abg. Müller-Hof, der als Reichstagsabg. Müller-Meiningen durch seine kultur­kämpferischen Reden über Zeitungsausschnitte satt­sam bekannt ist. Herr Müller glaubt recht schlau zu handeln, wenn er nicht die glatte Ablehnung der Vor­lage vorschlug, sondern nur einen Abstrich von 600 000 Mark. Für diese „Ersparnis" hoffte er knickerige und kurzsichtige Mitgänger bei den Bauern­bündlern und den Rechtsliberalen zu finden; anderer­seits schien ihm der Abstrich ausreichend, um dem Ministerium Hertling eine tödliche Niederlage beizu­bringen. Diese Taktik versagte vollständig; der Zu­zug blieb aus. Tie Zentrumspartei hielt geschlossen daran fest, daß die ganze geforderte Summe bewilligt werden müsse, um der Krone ihre Würde zu wahren und ihre rechte Wirksamkeit zu ermöglichen. Ein liberales Blatt vom Rhein wollte das Stimmen­ergebnis 110 : 50 als einen kläglichen Erfolg hin- stellen, da die Zweidrittelmehrheit nur um 3 Stim­men übertroffen sei. O nein, in einem modernen Parlament, das aus dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht hervorgeht, eine Zweidrittelmehrheit für eine Krondotalion zu gewinnen, ist immer ein sehr großer Erfolg. Das Ministerium Hertling kann auf die nunmehr vollendete Lösung der Königssrage mit voller Befriedigung blicken. Und mit Zuversicht. Eine schwere Niederlage aber hat Herr Müller (Hof) erlitten und seine linksliberalen und sozialdemokra­tischen Helfer. Der Rotblock ist geschlagen worden trotz der gewaltigen und skrupellosen »Agitation, die in oer Kammer und in der Presse (auch der preu­ßischen) betrieben wurde. Sie politische Lage in Bayern hat eine erfreuliche Klärung erfahren; auf andcrm Wege, aber in derselben Richtung, wie die Lage in Baden.

Eine rege Tätigkeit entfaltet zurzeit wieder die Sozialdemokratie. Sie sucht mit allen Kräften die Scharte wieder auszuwetzen, die sie bei den Stadtverordnetenwahlen erhalten hat. Sie predigt jetzt den Massenstreik gegen die Kirche und verhetzt die Arbeitslosen. Den Massenstreik gegen die evangelischen Landeskirchen hat sie mit gutem Erfolg eingeleitet. Mit der gleichen Maßlosigkeit und Uebertreibung, wie in dem Kampf gegen die evangelische Kirche, operiert sie auch in der Ver­hetzung Der Arbeitslosen und in der Schilderung der Lage und Anzahl der Arbeitslosen.. Wie immer spielt sie sich auch hier als einzigster Schutz und Fürsprecher für die Arbeitslosen auf, als ob nicht auch die bür­gerlichen Parteien, vor allem das Zentrum, seit langem, allerdings auf vernünftige und kluge Art dem Arbeitslosenproblem ihre Aufmerksamkeit zuze- waudt hätten.

Viel erörtert wird gegenwärtig im Reiche auch die bevorstehende Krankenversicherung der Dien st boten. Man wird auf einmal gewahr, daß durch die Reichsversicherungsordnung, die doch nun bereits seit einigen Jahren unter Dach und Fach ist, auch der private Haushalt nicht unerheblich be­troffen werden soll. Darum erheben jetzt, kurz vor Inkrafttreten der neuen Reichsversicherungsordnung, besonders die Hausfrauen lebhaften Protest dagegen, daß ihre Dienstboten mit den gewerblichen Lohn- arb.ntern und Lohnarbeiterinnen über einen Kamm geschoren werden, und die Beitragspflicht für Kran­kenversicherung des Gesindes gegen früher sehr we­sentlich verschärft und erhöht werden soll. Vielleicht wird sich der Bundesrat noch entschließen, das In­krafttreten dieses Teils der Reichsversicherungsord- nung bis zu einem späteren Termin hinauszuschie­ben, damit alsdann auch den gesetzgebenden Körper­schaften Gelegenheit geboten wird, sich über di? tat­sächliche Verschiedenheit der Verhältnisse zwischen Dienstboten und Industriearbeitern zu informieren und dann vielleicht auch zu einer Aenderung ihrer Ansichten über die gesetzliche Regelung der Kranken­versicherung der Dienstboten zu kommen.

In Mexiko dauert die Krisis fort, und es ist nicht abzusehen, welche Wendung sie nehmen wird. Präsident Wilson rechnet mit einer langsamen Ent­wickelung, die Fremdenkolonien treffen Vorbereitun­gen zur Abreise oder zur Selbstverteidigung und Herr Taft warnt feine nordamerikanischen Lands­leute vor einem Feldzuge gegen den Nachbarstaat. Wir stehen vor einem äußerst blutigen und grausam Sefütjrten Bürgerkriege in Mexiko, und es wird hwer, Herrn Wilson von einer Mitschuld an diesen

gehen, holen sich an den Schaufenstern einen Beitrag zu ihrer Bildung. Sie erweitern ihre Kennt­nisse, sie entwickeln ihren Geschmack und sie empfangen mancherlei Anregungen für ihre Le­bensführung. Unter die guten Einwirkungen mischen sich leider auch schlechte. Es kann die Begehrlichkeit angestachelt werden; wer Hang zum Luxus und na­mentlich zu Modenarrheiten hat, kann durch die Augenlust an den Schaufenstern leicht zu kostspieli­gen Torheiten verführt werden, und das Schlimmste ist, wenn durch die Ausstellung von frivolen Sachen der Seelenfriede der Jugend gefährdet wird. Darum ist es sehr gerechtfertigt, wenn besonnene Männer und gewissenhafte Frauen dahin streben, daß die Schaustellung von anstößigen und häßlichen Sachen an öffentlichen Straßen nach Kräften beseitigt wird. Zunächst hat schon die Selbsthilfe viel erreicht, wenn alle vernünftigen Leute einmütig die Geschäfte, die bedenkliche Auslagen veranstalten, grundsätzlich mei­den. Gegen die andere Gefahr, daß man sich zu An­käufen über seine Mittel verführen lasse, kann über­haupt die Selbschilfe allein Schutz gewähren Denn man kann den Geschäftsmann nicht daran hindern wollen, daß er seinen Laden recht einladend ausge­staltet und die Waren in reizender Aufmachung vor­führt. Das ist ja gerade der Zweck seiner Veran­staltungen, Käufer beranzuziehen. Wenn er in den richtigen Grenzen bleibt und nicht etwa unerfahre­nen und leichtsinnigen Kunden hinterlistig unbrauch­bare Sachen aufschwatzt, so ist ja gegen seine Betrieb­samkeit nichts einzuwenden. Jeder Käufer muß selbst sehen, wieweit er im Einkäufen gehen darf, was für ihn Wert hat und was er ohne Schädigung wichtigerer Jnteresien bezahlen kann.

Wer die nötige Selbstbeherrschung besitzt, kann sich gern dem Studium der Schaufenster widmen. Ein Gang durch die Geschäftsstraßen ist wie der Besuch einer Ausstellung, und zwar einer Ausstellung ohne Eintrittsgeld. Im Grunde genommen brauchen wir heutzutage gar keine besonderen Ausstellungen zu veranstalten. Nicht einmal sog. Weltausstellungen. Was da zeitweilig auf einen engeren Raum zusam­mengetragen wird, ist auch bei einem Besichtigungs- gana durch die Straßen und Geschäftshäuser zu be­trachten. Die Wegstrecken, die man dabei zu Fuß ober unter Umständen auch mit der Straßenbahn zurück­legen muß, fallen nicht ins Gewicht. Daher erflärt sich auch zum guten Teil die Ausstellungsmü- d i g k e i t, welche weithin sowohl die Geschäftswelt, als

Ereignissen freizusprechen. Allerdings erscheint es in den letzten Tagen als nicht ausgeschlossen, daß Herr Wilson feine unverantwortliche Haltung Huerta und dem mexikanischen Kongreß gegenüber aufzu­geben und einen Rückzug mit Anstand anzutreten beginnt. Im Interesse des allgemeinen Friedens wäre ein solcher Schritt des amerikanischen Präsi­denten nur zu begrüßen.

= Die österreichisch-ungarische Militärvorlatse.

Erst 1912 ist in Oesterreich-Ungarn ein neues Wehrgesetz in Kraft getreten, das neben der Einfüh­rung der zweijährigen Dienstzeit eine erhebliche Ver­mehrung des Präwnzstandes brachte.

Nach einem Jahre schon sieht sich unser Bundes­genosse durch die Lehren des Balkankrieges genötigt, abermals eine bedeutende Heeresverstärkung vorzu­nehmen. Dem Reichsrat und dem ungarischen Par­lament ist eine Heeresvorlage zugegangen, deren Ein­zelheiten in langen mühevollen Beratungen der öster­reichischen und ungarischen Minister festgestellt wor­den sind.

Die Erhöhung des R e k r u t e n k o n t i n g e n t s fofl 31000 Mann benagen, von denen aus das Land- Heer 16 000, auf die Marine 1500 und auf die Land­wehr in Oesterreich 7800, in Ungarn 6000 Mann entfallen. Sie Verstärkung bestehender Formationen soll vornehmlich den Grenztruppen zugute kom­men. In den unruhigen Zeiten der wiederholten Balkankrisen mußten Tausende von Reservisten einge- zogen und monatelang bei den Fahnen behalten wer­den, wodurch den einzelnen Familien wie dem ge­samten Volkswohlstand schwere Wunden geschlagen wurden. Das soll fortan vermieden werden. Die Artillerie-Regimenter, die bisher nur vier Geschütze bei jeder Batterie bespannt hatten, werden in ihrer Bereitschaft durch Bespannung von zwei Munitions- Wagen und einen Gerätewagen komplettiert. Von dieser Verstärkung wird auch die an der Grenze stehende Artillerie der Landwehr berührt. Bei der Kaoallerie in den Grenzbezirken wird die Schlag­fertigkeit erhöht, indem der Friedensstand mit dem Kriegsstand indenttfch gemacht wird. Die Eskadrons werden von beit Mannschaftsabgaben entlastet, die sie bisher zum Schaben ihrer Kriegsbereitschaft zu leisten hatten.

Die Maschinengewehrabteilungen werden derart vermehrt, daß jedes Infanterie-Regi­ment künftig im Frieden 3, im Kriege 4 Abteilungen besitzt. Bei der Kavallerie werden 6 neue Maschinen- gclocbrabteilungen aufgestellt. Ferner werden beson­dere Radfahrerkompagnien bei den Feld- jägerbataillonen gebildet. Die Erhöhung des Stan­des der Ersatztaders der Kavallerie ermöglicht die Ueberwcisung der Remonteabteilung an diese Ka­ders, was der Schlagfertigkeit der Reiterwaffe zu­gute kommt. Tie A r t i l I e r i c soll in hervorragen­der Weise vervollkommt und reorganisiert werden. An der Ausgestaltung bei österreichischen Artillerie wirb seit vielen Jahren gearbeitet, ein wesentlicher Fort­schritt würbe jedoch nur hinsichtlich der schweren Ar­tillerie des Feldheeres und der Gebirgsartillerie er- zielt. Erst im vergangenen Jahre ist es der Ini­tiative des früheren Kriegsministers gelungen, die Felbkanonen-Rcgimenter um je eine fünfte Batterie zu vermehren. Jetzt ist die Aufstellung der sechsten Batterien, die Neuerrichtung von 14 Feldhcmbitz- Regimentern, einer reitenden Artilleriedivision und von drei Gebirgsartillerie-Regimentern vorgesehen. Die Infanteriedivision wird daher künftig im Frieden ein Kanonen-Regiment von 6 Batterien zu je 6 Ge­schützen und e ein Haubitz-Regiment von 4 Batterien zu je 6 Geschützen, mithin insgesamt 60 Geschütze be­sitzen. Der Zukunft und einem Kriegsfall bleibt die weitere Ergänzung auf 72 Geschütze, wie sie die deutsche Division hat, Vorbehalten. Die österreichische Artillerie soll fortan aus 42 Kanonen-Regimentern, 14 schweren Haubitzdivisionen. 9 weiteren Artillerie­bivisionen, 13 Gebirgsartillerie-Regimentern unb einer selbstänbigen Kanonenbivision bestehen.

Weitere Verbesserungen betreffen bie technischen unb bie Verkehrs truppen. 13 Pionierkompagnien unb 2 Brückenkompagnie i wurden neu formiert unb bie Kaders dieser Truppen etwas erhöht. Die Luft­schi s f e r- und ?1 u t o m o b i 11 r u p p e, das E is en- bahnregiment und das T e l e graphenre-

auch das verbrauchende Volk beherrscht. Wir können ja in den ständigen Geschäften sowohl unsere Schaulust, als auch unfern Bedarf befriedigen.

Als ich vor einigen vierzig Jahren nach Berlin kam, gab es regelmäßig um diese Jahreszeit bei Kroll eine sog. Weihnachtsaüsstellung. Man fuhr zu diesem Schauhaus am Rande des Tiergartens hinaus unb bezahlte ein besonderes Eintrittsgeld, um Szenenbilder aus bltr Märchenwelt ober sonstige Weihnachtsge­schichten zu betrachten, und banehen bie zeitgemäßen Verkanssauslagen. Dieses Unternehmen ist längst eingegangen. Was bort geboten würbe, kann man jetzt in derselben Güte unb noch größerer Masse vor beit Schaufenstern unb in den Geschäftshäusern ge­nießen. Auch bie Weihnachtsmärkte in ben Buden­reihen, bie auf gewissen Plätzen zu bieser Zeit auf- geschlagen würben, sind immer mehr zusammenge- fchrumpft unb fristen nur in kärglichen Resten noch ein kümmerliches Dasein. Für den einen oder ande­ren kleinen Mann, der sich einen Profit zum Jahres­wechsel beransschlug, kann diese Entwicklung unange­nehm fein; im großen unb ganzen aber ist es besser, wenn die stänbigen Geschäfte, der solide Mittelstand bas Felb behauptet. Um so mehr, als bie meisten Weihnachtsbuben unter ber Parole standen: Billig und schlecht!

Wie sich bie Tinge entwickeln, haben wir jetzt eine ewige Ausstellung, einen ewigen Jahrmarkt. Ja, vielfach auch einen einigen Wochenmarkt; denn bie Geschäftshäuser ziehen auch ben Vertrieb von Lebensmitteln unb bem sonstigen marktgängigen Hausbedarf immer mehr an sich. In Berlin ergibt sich dabei bie bemerkenswerte Erscheinung, baß ber Verkehr in ben hübsch ummauerten unb bedachten Markthallen zurückgeht, während bie offenen Wochenmärkte mit ihrem primitiven Bubenwesen sich viel besser behaupten. Das liegt wahrscheinlich daran, daß in ben Markthallen alle Wochentage und zwar von früh bis abends Betrieb ist, während bie offenen Märkte in ber Regel nur an zwei Wochentagen unb bann nur zu gewissen Stunden abgehalten werden. Im letzten Falle wird das Geschäft unter Ersparung von Spesen zusammengedrängt;. in den Markthallen dagegen verwässert sich ber Betrieb durch bie zeitliche Ausbehnnng, bie Spesen steigen infolge bes höheren Stanbgelbes unb bes größeren Zeitverbrauchs. So kommt es, baß ein gut geleiteter Laden mit dem Stand in ber Markthalle sehr wohl ben Wettbewerb bestehen kann.

g i m e n t erfahren eine Verstärkung um 1000 Mann. Nur der Train bleibt, wie er ist.

Ties sind nur die Zahlen für Oesterreich. Für Ungarn sind entsprechende Erhöhungen und Ver­besserungen vorgesehen. Die Vorlage soll in fünf Jahren durchgeführt sein, sodaß 1918 bas Gesamt- kontingent ber gemeinsamen Armee einschließlich der Marine und der beiden Landwehren 243 800 Mann gegenüber den jetzigen 212 500 betragen wird. Ein Teil des Kontingents, nämlich Kavalleristen und rei­tende Artilleristen, mnß nach wie vor drei Jahre die­nen. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache und mit Hinzurechnung ber Offiziere unb Unteroffiziere würbe sich nach Durchführung ber neuen Vorlage ein Frie- denspräsenzstand bes österreichisch-ungarischen Heeres von rund 600 000 Mann ergeben.

Tie K osten der geplanten» Heeresverstärkung betragen an einmaligen Ausgaben 108 Millionen, an dauernbe'l Ausgaben 41 Millionen Kronen für bas gemeinsame Heer. Die Landwehr erfordert 76,36 Millionen an einmaligen und 28,59 Millionen Kro­nen an dauernden Ausgaben. Es wird sehr schwer werden, bei ber wirtschaftlichen Krise sowohl wie hei ben erbärmlichen parlamentarischen Zuständen in beiden Reichshälften bie hohen Forderungen dnrch- ■jubringen. Unter bem Zwang ber bosnischen An- nerionskrisis gelang es, das Wehrgesetz von 1912 durchzusetzen. in Ungarn freilich auch nur mit der Tiszaschen Gewaltpolitik gegenüber der Opposition. In Ungarn verfügt Tisza noch immer über eine ihm blindlings ergebene Mehrheit, die wahrscheinlich auch das neue Militärgesetz an nehm en wird. In Oester­reich aber ist ber Karren wieber einmal gründlich verfahren. Die Deutschen drohen mit Obstruktion wegen des Ausnahmezustandes in Böhmen, bie Ru- thenen treiben Obstruktion, weil sie sich mit ben Po­len über bie galizische Wahlreform nicht einigen kön­nen, unb gerabc in solchem kritischen Augenblicke er­scheint bie große Militärvorlage.

Literarisches

Tic neuen Reichsgesetze beir. den Wehrbeitrag und die Bcsitzstcuer (Vermögenszuwachsl vom 3. Juli 1913. Taschenformat. Gesehverlag ü. Schwarz und Comp., Berlin S. 14, Dresdenerstraße 80. 1,10 Mk. In Leinenband 1,35 Mk.

Man muß die Einzelheiten dieser Gesetzesbestim. mutigen kennen, um sich gesetzmäßig selbst einschätzen und vor den schweren Strafen schlitzen zu können, die für unrichtige Selbsteinschätzung drohen. Auch um zu hoher Veranlagung wirksam zu begegnen, ist die Kennt­nis dieser Gesetze unerläßlich. Die Anschaffung des handlichen Buchs ist als nützlich zu empfehlen.

Tas Asthma und die bronchialen Katarrhe. Neue Wege zu ihrer Beurteilung und Heilung von Dr. med. F. D u m st r e y. — 32 Seiten, 50 Psg. — Verlag für Volkshygiene und Medizin, Berlin SW 68. Asthma und bronchiale Katarrhe sind weit verbreitete Leiden, von denen namentlich das Asthma oft jeder Be­handlung spottet. Um so wertvoller ist die vorliegende Broschüre, die auch dem Laien das Verständnis dieser qualvollen Krankheit näher rückt und ihm zugleich einen erfolgreichen erprobten Weg zeigt, sich von seinen Lei­den zu befreien.

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Das ständige Ladengeschäft nimmt einen starken Aufschwung. Die einzelnen Geschäftsleute sind aber doch nicht auf Rosen gebettet, denn sie machen sich gegenseitig einen scharfen Wettbewerb. Jeder muß seine geistigen, körperlichen und finanziellen Kräfte aufs äußerste anfpannen, um bei bem Ringen um bie Gunst des Publikums oben zu bleiben. Dieser scharfe ,Kampf um's Dasein" ist ein Trieb für ben Fort­schritt. Der Weg führt manchmal über wirtschaftliche Leichen, aber er fuhrt zu Verbesserungen, zur Ver­vollkommnung. Auch bie Kunst unb bie Pracht ber Schaufenster ist auf ben anspornenden Wetteifer zu­rückzuführen. Mancher kleine oder auch mittlere Ge­schäftsmann wirb nun seufzen: Gegen bie Geldver­schwendung, welche bie großen Geschäfte, und nament­lich bie Warenhäuser, betreiben, kann ich nicht auf­kommen! Zum Tröste kann man ihm sagen: Es kommt nicht auf bie Größe ber Schaufenster an, fonbern hauptsächlich auf bie Schönheit unb G e- biegenheit. Mit gutem Geschmack, Geschick unb Sorgfalt läßt sich oft mehr erreichen, als mit beträcht­lichen Gelbaufwenbungen. Je kleiner das Schaufen­ster ist, 'desto feiner muß es sein. Fein in bem Sinne, daß ber Beschauer nicht allein die Güte ber Waren erkennen kann, fonbern auch durch bie hübsche Aufmachung des Ganzen einen wohltuenden ästheti­schen Eindruck bekommt. Die Schönheit des Schaufensters ist durchaus nicht nebensächlich. Wenn Farben unb Formen recht geschmackvoll abgestimmt sind, so sagt sich der Beschauer: das ist ein Geschäft, das auf ber Höhe ber Zeit steht; ber Inhaber hat Ver­stand unb Geschick!

Leiber gibt es auch Geschäftsleute, bie absichtlich ihr Schaufenster häßlich machen, bie Waren roh unb wirr durcheinanber werfen. Das soll ben Eindruck erwecken: Hier wirb ein schleuniger Ausverkauf zu Schleuberpreisen betrieben! So fängt man die Dum­men unb nimmt ihnen für minderwertige Waren das Gelb ab. Wer klug ist, beißt auf ben Köder ber hin­terlistigen Häßlichkeit nicht an. Er sagt sich vielmehr: Ein solides Geschäft hat auch ein solides Schaufenster. — Aus dem Angesicht muß man den Charakter eines Menschen zu ergründen suchen, und aus bem Schau­fenster ben Charakter eines Geschäftes. Nicht sich blenben lassen burch bie äußeren Aufmachungen, son­dern bahinter bas Wesen der Sache, 'die Fähigkeit unb ben Eifer des Leiters zu ergründen suchen. Es gilt auch von den Schaufenstern: Trau, schau, wem?