Zuldaer Zeitung
2. Blutt
uo.nterstag 27. November l«nö
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Handel und Industrie.
4 Berlin, 26. Nov. 1913. Die Börsenr'chtung schlägt um. Die gute Verfassung der Auslandsmärkte hatte zunächst eine willkommene Anregung geboten, unter Führung einiger internationaler Papiere hotte fick' ein ziemlich reges Geschäft bei auf« wärtsstrebenden Kursen entwickelt. Dann wurde die Versteifung deS Privatdiskonts auf 4’/e Prozent für kurze und auf 4''s Prozent für lange Sichten bekannt, und dir Folge war eine allgemeine Der« fhmmuno.
Unjtreitig sind Warner» KorfetS Die bellen Von Ihren itierannten, bte diele Marke beteil» tragen, werden Sie dies bestätigt bekommen. Alleinoerkaus David Rofenielder. Fulda. _______
vermischtes.
* TaS große Los gewannen Arbeiter. Die Serie der preußisch-süddeutschen Klassenlotterie, die nach Köln fiel, verteilt sich in Raten zu je 17 000 Mark an Ar. beiter. In Dülmen haben mehrere Buchdrucker, die ein ganzes Los spielten, einen Treffer von 40 000 Mark gemacht. Eine recht willkommene Weihnachtsgabe!
* Die Kosten im Otzmruozeß. Tie Konen iür die Durchführung des Prozesses gegen die Niederdeutsche Bank sind nicht so hoch wie man angesichts des Umfanges des Prozesiks anzunehmen geneigt ist. Der größte Anteil enttällt auf die Voruntersuchung, die etwa drei Jahre gedauert hat unv rootür aus der Staatskasse etwa 60000 Mark gezahlt sind. Rund 15000 Mark entlaßen auf die Hauptverhandlung. Der ganze Prozeß dürfte an Kosten 80000 Mark kaum überschreiten. Der Staat wird auf jeden
Jahr werden die Fahrten der „Dikioria Luise" am kommenden Samstag eingestellt.
g Cronberg, 26. Nov. 1913. Prinz Friedrich Karl von Hessen wird in etlichen Jahren von einem regelmäßigen Winteramenthalt in Franlsurt, der durch den dortigen Schulbesuch seiner Söhne bis jetzt nötig war, Abstand nehmen und dauernd aus Schloß Friedrichshof seinen Wohnsitz behalten. Die Vorbereitungen hierfür sind durch verschiedene Bauten schon emneleitet.
♦ Würzburg, 25. Nov. 1913. Gestern abend veranstaltete der Bolksverein für das kathol. Deutschland in den Hutten'schen Sälen einen Vortragsabend, der sich eines derartigen Massenandranges erfreute, daß Hunderte keinen Platz mehr fanden.' Unter den Anwesenden befand sich auch der Hochwürdigste Herr Bischof. Ein leibhaftiger Jesuit, Tier als glänzender Redner bekannte Pater C o h a u s z, war gewonnen worden zu einem Referate über die gegenwärtigen christentumsfeindlichen Strömungen in Naturwissenschaften und Philosophie. Seine großzügigen, rein sachlichen, jedes verletzende Wort peinlichst vermeidenden Ausführungen wurden von der Riesenverfamnilung mit wiederholtem stürmischem Beifall ausgenommen. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Lutz, betonte in seiner Schlußansprache, daß das katholische Volk nicht ruhen und nicht rasten werde, bis auch das letzte Ausnahmegesetz in Deutschland, das Jesuitengesetz, gefallen sei.
Ans dem Nachbargebiete.
b. Neu-Isenburg, 26. Nov. 1913. Die Hutstoff- Fabrik Koch u. Co. feierte heute ihr goldenes Geschäftsjubiiäum und überwies aus diesem Anlaß dem Perwual eine größere Geldspende. Außerdem veranstaltete sie heute einen Festabend für ihre Mitarbeiter und näheren Geschäftstreunde.
* Frankfurt, 26. Nov. 1913. Großes Aufsehen erregen umfangreiche Schwindeleien, die im Betriebe der Spiralbohrer-Fabrik, G. m. b. H., Schiersteiu, von dem Direktor Georg Kugelstadt verübt wurden und nun, nachdem er und sein Bruder flüchtig geworden sind, zur Aufdeckung gelangten. Sie Unterschlagungen sollen sich auf 100 000 Mark belaufen.
* Frankfurt a. M., 26. Nov. 1913. DaS Luft- schiff „Viktoria Luise" unternahm heute vormittag 9 Uhr, festlich geschmückt, unter Führung von Dr. Lempertz von der hiesigen Luftschiffballe auS ihre vierhundertste Reise, die nach Darmstadt führte Es dürste wohl kein Luftschiff existieren, daS nur annähernd so viele wohlgelungene und zum Teil recht bemerkenswerte Jährten absolviert bat Für dieses
Adam ßroenger, 1733 Georg KaSpar Rauck, 1753 Karl Anton Berta, 1765 Nikolaus Dittmar und 1800 Georg Reuß und Wilhelm Greißler. Aus der Zeit der Bürgermeister Job. Wilh. Stein und Joh. Nik. Rinnecker (1718—1720) stammt noch ein sauber und künstlerisch gearbeitetes zinnernes Waschbecken mit Wasserbehälter, welch letzterem eingraviert ist: Snb consulibus J. W. S. et J. N. R. 1719. Dieses interessante Altertum ist heute noch im Gebrauch und befindet sich im Amtszimmer unseres Herrn Oberbürgermeisters.
s. Amtliche Warnung an junge Mädchen vor Auslandsstellungen. Die ,Norvd. Allg. Ztg/ schreibt:
„Es ist wiederholt in den Zeitungen davor gewarnt worden, daß junge Mädchen im Auslande Stellungen annehmen, ohne zuvor bei dem örtlich zuständigen deutschen Konsulat genaue Erkundigungen über das Stellenangebot ringe,ogen zu haben. Dies muß insbesondere auch von Tunesinen gelten, über welches Anfragen an das deutsche Konsulat in Tunis zu richten sind. Wie zwei kürzlich in Tunesien vorgekommene Fälle zeigen, werden allerdings auch Warnungen de? Konsulats, selbst wenn sie in schärfster Form gegeben werden, mitunter nicht beachtet. In dem einen Falle ist infolge« dessen ein deutsches Dienstmädchen im Innern Tunesiens zu schwerem Schaden m ihrer weiblichen Ehre gekommen, . in dem anderen Falle ist es noch rechtzeitig gelungen, ernsteres Unheil zu verhüten. In den Stellenangeboten wird im allgemeinen freie Hinreise nach Tunesien und bei etwa zweijähriger Dienstzeit freie Rückteise >n Aussicht gestellt Findet das Mädchen ihre Stellung vor dieser Zeit unerträglich, und ist sie mittellos, so geht sie, da andere Stellen nicht zu finden sind, den schlimmsten Gefahren entgegen. Für diejenigen, welche eine Stelle in Tunesien annehmen wollen, empfiehlt eS sich daher, in allen Fällen, wo die Auskunft veS Konsulats nicht ganz zweifelsfrei lautet, vor Annahme der Stelle Bezahlung auch der Rückreifekosten zu fordern. Weioiiche Stellemuchende müffen sich auch datüber klar sein, daß sie als Erzieherinnen in Tunesien häufig nicht Io behandelt werden, wie sie es in Deutschland gewohnt sind. Auch die Ansprüche an ihre Leistungen überschreiten nicht selten das zulässige Maß. In einem Falle wurde die Er. zieherin zu 6 Unterrichtsstunden täglich verpflichtet, die sie nach der Schulzeit geben sollte. Dabei wurde der- schwiegen, Latz die Schulzeit fast den ganzen Tag über dauerte, die Unterrichtsstunden von der Erzieherin also bis in die Nacht hinein zu geben waren. Die Lebens, weise der weiblichen Angestellten in Tunesien entspricht nicht der deutschen und kann Schädigungen für die Gesundheit bringen. Auch sittlichen Gefahren sind die Mädchen häufig in ihrer Stellung ausgesetzt, ohne daß sie bei ihrem Dienstherrn genügenden Schutz fänden. Ja, es ist vorgekommen, daß der Beleidiger zur eigenen Entlastung noch verleumderische Nachrichten über sein Opfer verbreitete. ES wäre zu wünschen, datz die deut, scheu Zeitungen im Interesse unserer jungen Mädchen bei der Aufnahme von Anzeigen über Stellenangebote aus dem Auslande Zurückhaltung übten, und datz cS sich auch die Stellenvermittler zur Pflicht machten, solche Stellenangebote erst nach Einholung einer günstigen konsularischen Auskunft den Stellensuchenden mitzuteilen.
❖ Aus Geschäftskreisen kommt die Klage, daß es augenblicklich »sehr ruhig* sei. Ob diese Ruhe als Stille vor dem kommenden Weihnachtssturm gedeutet werden darf? Tie. Geschäftsleute hoffen daS. Ob eS aber im Interesse des einkausenden Publikums liegt, die Weih nachts - Einkäufe bis kurz vor dem Feste auszuschieben, muß stark bezweifelt werden. Wir haben stets darauf hingewiesen, daß bei frühzeitigem Einkauf der Vorteil des Käufers viel eher gewahrt werden kann, als bei späterem Einkauf „im Drange der Geschäfte". Deshalb soll man seine Weihnachts-Einkäufe im eigenen Jntereffe nicht ver- schieben bis auf die letzten Tage vor dem Feste, sondern möglichst jetzt schon, wo die Auswahl noch reichhaltiger ist und die Bedienung eingehender sein kann, bewerkstelligen.
(?) Weihnachtsurlaub. Dem Wunsche, daß die Familienangehörigen zu Weihnachten sich vollzählig versammeln, kommt die preußische Eisenbahnverwaltung in weitem Maße entgegen. Auch in diesem Jahre werden für die Soldaten, die zu Weihnachten nach Hause fahren, Extrazüge eingelegt, die besonderen Bestimmungen unterstehen. Sie werden, wenn eine Verspätung eintritt, den Personenzügen in der Abfertigung vorgezogen. Die Urlauber müssen sich, wollen sie nicht mit dem Personenzug reisen, dieser Züge bedienen, well bis auf ganz geringe Ausnahmen die Benutzung von Schnell- und Eilzügen auf Militärfahrkarte an den Tagen des regsten Verkehrs nicht erlaubt ist.
1. Tas Zifferblatt der Uhr am südliche« Damturm wird z. Z. in der Kupierschmiede-Werkstätte des Herrn Rutsch (Königstraße) einer gründlichen Er- Neuerung unterzogen. Das Zifferblatt soll dann an dem früheren Ort angebracht werden. Das nördliche Zifferblatt soll später gleichfalls einer Erneurrung unterzogen werden. Nach der Wiederherstellung der alten lIhren soll das jetzt in der M.tte der Dom» faffade „prangende" Zifferblatt, was jeder Schön- heitsfreund mit Befriedigung hören wird, entfernt werden.
[] Die Gefahren der Straße. Heute vormittag rannte in der Borgiasstraße ein Fuhrwerk, als es einem entgegenkommenden Wagen ausweichen wollte, mit der Deichsel in das Schaufenster der Filiale H. Wüst. Das Schaufenster wurde zertrümmert, eine Anzahl Eier gingen entzwei.
Amt Geisa und Umgebung.
„/" Geisa, 26. Nov. 1913. Bei der am gestrigen Tage stattgehabten Gemeinderats-Wahl wurden folgende Herren gewählt: 1. Anion Amreich. 2. Isaak Freudenthal. 3 Leo Winter. 4. Recknungs- amtmann Jßleib. 5. August Günther.
--- Otzbach bei Geisa, 25. Oft. 1913. Bei der am Samstag vorgenommenen Gemeinderatswahl wurde Landwirt Schuchert mit 33 Summen wiedergewählt. Neugewählt wurde Schmiedemeister Richard Kiel mit 43 Stimmen und Schachtdrittelsführer G. Joseph Lindemann mit 33 Stimmen. Es scheiden auS Schneidermeister Johann Georg Hohmann und Oberholzhauer Joseph Nensel.
Lokales.
Fulda, 27. Novci. . > 1.3
# Personalien. Verliehen wurde de.n iiommau- deur der 22. Division Generalleutnant Lrman von Sanders, Kassel, das Großkreuz des Herzog ich Eachsen-Ernestinischen HiusordcnS.
Der Provinziallandtag unserer Provinz wird «ach einem Beschlüsse des fetzt verhandelnden Landes- ausschuffes auf den 2. März 1914 einberufen.
△ Staatszuschutz für die Handwerkskammer. Der Minister für Handel und Gewerbe hat der k u r h e s- sischen Handwerkskammer zur Deckung ihrer Unkosten für den Mitetldeutschen Arbeitsnachweis-Verband in Frankfurt a. M. einen abermaligen staatlichen Zuschuß von 150 Mk. bewilligt. Mit dem Betrag von 150 Mk., welchem der Minister für den gleichen Zweck bereits im Frühjahr dieses Jahres be- willigie, hat nunmehr die Handelskammer insgesamt 300 Mk. Staatszuschuß erhalten, während die Kammer selbst dem obenerwähnten Mitteldeutschen Arbeitsnachweis-Verband in Frankfurt a. M. eine Beihilfe von 600 Mk. für das Rechnungssjahr 1913 hat zugehen lassen.
Die Krankheiten der Schulkinder in Fnlda. Aus den Berichten der hiesigen Schulärzte, die den hiesigen Körperschaften unlängst vorgelegt wurden, ergibt sich über die Häufigkeit und Art der akuten Erkrankung unserer Volksfchüler und Schülerinnen folgendes: Während das Schuljahr 1910/11 noch znmteil > unter dem Einflüsse der graffierenden In« sektionskrantheiten stand, konnte im Schuljahr 1911/12 ein starkes Abflauen dieser verheerend:n Seuchen konstatiert werden. Während bei den Schülerinnen der stadtpfarrlichen Mädchenschule noch eine größere Anzahl an Masern (54), Diphtherie (28) und Scharlach (5) litt, tarnen Scharlach und Diphtherie in der dompfarrlichen und evangelischen Schule nicht zur Kenntnis. Masern wurden in diesen beiden Schulen nut wenig beobachtet. Der Schularzt nimmt jedoch an, daß noch eine Anzahl von Schülerinnen an diesen Krankheiten litt, da ein plötzliches Aussterben von Scharlach und Diphtherie in einer Stadt von 23000 Seelen und einem reichen Außenverkehr kaum möglich ist. Der Keuchhusten tritt von Zeit zu Zeit, namentlich im Frühjahr, immer wieder auf. Eine sehr große Zahl stellen die O renkrankheiten, die wohl hauptsächlich als eine Folge von Hals- Rachen« und Najentrankheiten zu betrachten sind, denn gerade letztere Krankheken sind wohl die häufigsten aller Erkrankungen und verursachen das meiste Fernbleiben der Kinder von der Schule. Auch Augenkrankheiten kamen in großer Zahl zur Beobachtung und sind meist Folgen oder Begleiterscheinungen von anderen Erkältungskrankheiten. Lungen- und Herzkrankheiten hielten sich in mäßigen Grenzen und gaben zu Be- denken keinen besonderen Anlaß. Daß bisweilen auch der akute Gelenkrheumatismus manche Kinder befällt, konnte jedes Jahr konstatiert werden, doch blieb derselbe fast ausnahmslos ohne schädliche Wirkung ans das Herz. Erfreulicherweise haben die verzeichneten Krankheiten bei keinem Kinde zum Tode geführt, auch nicht zu einem besonderen Siechtum. Der Schularzt spricht den Wunsch auS, daß noch mehr Mittel als seither zur Verfügung stehen möchten, um kranken Kindern den Besuch eines Badeortes |u ermöglichen. Vielen Kindern, die einer Erholung m frischer Luft und bessern Ernährung bedurften, konnten sich bei Verwandten und Bekannten auf dem Lande Kräftigung ihres Körpers verschaffen. Wegen Verkrümmung der Wirbelsäule wurden einige Kinder der orthopädischen Behandlung, einige der chirurgischen Behandlung im Krankenhause zur Entfernung der Rachen- oder Gaumenmandeln überwiesen. Hebet» einstimmend stellen die Schulärzte fest, daß die Zahl der an schlechten Zähnen leidenden Kinder ausfallend groß ,st.
X Altfuldaer Familien. Eine große Anzahl heute noch hier blühender Bürgersfamiüen kann auf eine 3—400jährige Familien-Vergangenheit in Fulda zurück- blicken. Von vielen haben die Vorväter im Rate gesessen oder gar das Amt eines Bürgermetsters bekleidet; bei anderen wieder hat sich der Urväter Gewerbe bei den Nachkommen erhalten. So finden wir bereits im Jahre 1367 einen Fuldaer Bürger Otto Müller (ihm und seiner Frau wurde im genannten Jahre die Wiesenmühle an der Fulda zu Lehen gegeben); 1386 einen Bürger Hans Koch ; 1390 Heinrich Merz, Tradol Snyder (Schneider), Heinrich Hartung, Glitsch (Klitsch), Vogel, Hartung Snider (Schneider), Hans von der Auwe (Vonderau); 1414: Konrad Smyd (Schmitt), Tolde Wiesenmüller (Weißmüller); 1441: Henne Weber; 1452: Heylmann, Konrad, Johann und Wigand Bischoff; 1455: Fritz llth, Heinz Fuchs; 1458: Heinz Fasset; 1465: Heinrich und Klans Meyer, Henne Seng; 1470: Peter Zwenger (Bürgermeister), Martin Ditzel; 1480: Hans Dorsel (Dorsche!); 1481: Paul Kircher; 1493: Heinz Reyt (Reith), Endres Erb, Heinz Gollmann. Bereits 1530 wat ein Hans Schwatz Metzger und in diesem Jahre auch Ratsherr. Ratsherrn im 16. Jahrhundert waren auch nachfolgende Vertreter der betreffenden Zünfte und Vorfahren heute noch hier ansäisiger Geschlechter: 1559 Hack Klaus, Lohgerber; Gnips (Knips) Barthel, Metzger; Kircher Leonhard, Schuhmacher; 1562: Helmit, Valentin, Schmied; 1570: Koch Klans, Metzger; 1581: Mehlet Philipp, Bäcker; Hieronymus Aldus, Metzger; 1585: Klüver Barthel, Leinweber; 1588: Schneider Hans, Schuhmacher; 1589: Nüchter Hans, Bäcker; Köhler Hans, Metzger; 1591; Grob Bastion, Schneidet; 1600: Witzei Kilian, Schuhmacher. Alle diese waren in den bezeichneten Jahren seitens ihrer Zunft als Ratsherrn gewählt. An der Spitze des Rates standen, nach den vier Stadtbezirken, vier Bürgermeister. Am 19. Oktober 1491 wurden >ür die Dauer eines Jahres Gffge Zwenger und Peler Zwenger zu Bürgermeistern gewählt (neben Bonuaz v. Borja und Jorg Goltswid). 1579 wird aus der Leinweber» zunst Philipp Meelet (Mehler) und aus der Bäcker- zunft Michel Scholl zum Bürgermeister gewählt. 1583 wird der Metzger Albus Hieronymus Bürgermeister, ebenso wird derselbe gewählt für 1591, 1599 und 1607. 1585 wurde auch ein Christoph Rüdjam Bürgermeister. Mit Beginn des 17. Jahrhunderts nehmen die heute bekannten Namen naturgemäß zu. So waren 1621 und 1627 ein Johann Krahmer (Kramer) Bürgermeister, 1636 Jofephus Joannis, 1638 Peter Joannis, 1641 Sebastian Ede«, 1659 Gangolf Hartung (Verfasset der bekannten Chronrl), 1663 Bonnanus Kölet (Köhler), 1678 Hans Peler Kramer, 1701 Joh. Val. Fleischmann, 1712 Georg Adam Koch. 1736 Joh.
Fall nichts verlieren, da die Angeklagten für die Aufbringung der Kosten tolidansch bahbar sind.
♦ Dhnamitexplosion. Auf der Kaisethöhe in E I< berfeld flog eine Baubude in die Lust, da zahl, reiche Dynamitpatronen, die ein Schachtmeister verbotswidrig m der Hütte aufbewahrt hatte, explodiert waren. Ein italienischer Koch sowie ein Werkzeug- fchmied, die in der Nahe der Hütte arbeiteten, wurden durch den gewaltigen Luftdruck mit in die Höhe geschleudert. Der Koch ftarb bald darauf an den erlittenen schweren Verletzungen, während der Zustand des anderen Verunglückten zu ernsten Besorgnissen Anlaß gibt. Der unvorsichtige Schachtmrister wurde in Haft genommen.
♦ Die rätselhafte Entführung eines Kindes durch ein Dienstmädchen hat ,-tzl feine Aufklärung gefunden. Vor mehr als sechs Wochen verschwand aus der Wohnung seiner Herrschaft in Wandsbek in Schleswig-Holstein das 19icihrige Dienstmädchen Else Walter unter Mitnahme des 4% Jahre alten Pflegekindes der Familie, Klara Mienick, und einen Summe Geldes. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib der beiden blieben damals erfolglos. Nunmehr ist das Kind bei einer Bergmannsfrau in Altenburg (Anhalt) ermittelt worden. Die Else Walter hatte während des letzten Oktobermarktes in Wandsbek Sie Bekanntschaft einer Schauspielertruppe gemacht und sich ihr bei deren Abreise mit der kleinen Mielnick, die sie als ihre Tochter ausgab, angeschlossen. Als später das Verschwinden des Kindes in den Zeitungen gemeldet wurde, setzte die Walter die entführte Kleine in Altenburg aus. Von der dortigen Gemeindeverwaltung wurde sodann das verlassene Kind bei der Bergmannsfamilie in Pflege gegeben. Es wird vermutet, daß das Dienstmädchen zunächst die Absicht gehabt hat, das ihrer Obhut anvertraute Kind für Schauspielerzwecke zu verwenden. Die Entführerin selbst konnte noch nicht ergriffen werden.
* Raubmord um fünfzig Pfennig. Der Arbeiter Richard Rutaowski auZ Briefen bei Posen, der seit einem Monat spurlos verschwunden war, ist das Opfer eines Raubmordes geworden. Vier polnische Gelegenheitsarbeiter im Alter von 15 und 16 Jahren haben ihn auf dem Nachhauseweg überfallen und durch Messerstiche getötet; sie beraubten ihn bann der Barschast von 50 Pfennigen und Warfen die Leiche in einen See. Die Mörder wurden verhaftet.
* Ein berühmtes Schloß niedergebrannt. Schwe. den hat eines seiner althistorischen, wunderschönen Schlösser verloren. Ein Brand zerstörte das alte Schloß Tarnö bei Stockholm, in dem einst der Schwedenkönig Gustav Wasa sich während des Blutbades von Stockholm (1520) verborgen hielt, während sein Schwager, der Besitzer des Schlosses, unter den Hingerichteten war. Das Schloß war seiner land- schastlichen Reize und geschichtlichen Erinnerungen wegen einer der beliebtesten Ausslugsorte.
* Bor Schrecken taubstumm geworden. In Issum an der holländischen Grenze landete ein mit einem Insassen bemannter Ballon. Mit dem Insassen, der Wohl infolge der überstandenen Fahrtschwierigkeiten krank geworden, war eine Verständigung nicht zu erzielen. Man verständigte einige Balloninsassen, die in Kevelaer in der Rhernprovinz aufgestiegen waren, und, wie der Kranke, ebenfalls von Düsseldorf kamen, und die sich des Kranken annahmen. Ein hinzugezogener Arzt stellte fest, daß der Ballonfahrer Wohl infolge eines überstandenen Schreckens taubstumm geworden tst. Seine Kollegen sorgten für die Rückfahrt in die Heimat.
* Die 110 Hute der Gräfin. Vor kurzem ist in Budapest in einem Hotel die Gräfin Osten-Platen gestorben. Bei der Jnventuraufnahme fand man nicht weniger als 60 Kostüme und 110 Hüte vor. Nach den gleichfalls vorgefundenen Rechnungen betrug der geringste Preis eines der Kostüme 5000 Francs, während die Gräfin für die Hüte 1000 bis 12 000 Mark bezahlt hatte. Die Gräfin hatte alljährlich für ihre Toiletten 400 000 Kronen ausgegeben und so bereits einen großen Teil ihres Vermögens verschwendet. Immerhin fand man noch 2 Millionen Francs in Aktien bei der Jnventuraufahme vor, sodaß die Gräfin noch eine Zeitlang vor Not ge- fchützt gewesen wäre.
* Der Petersburger Selbstmörderklub. Auf Beschluß des Klubs der Selbstmörder erschoffen sich in Petersburg der Techniker Nikolski und der Militärfeldscher Schmidt, beides junge Leute von neunzehn Jahren. Die Polizei fahndet energisch nach dem Klub.
* Feuer in einem Petroleumlager. In der größten Petroleumtankfabrik in dem russischen Freihafen Ba. tum ist Montag Feuer ausgebrochen, das mehrere benachbarte Naphtadepots bedroht. Der Schaden ist sehr bedeutend.
* Wieder ein Seedampfer in Flammen. Der Dampfer „Kangea n", auf der Fahrt von Batavia nach Amsterdam fuhr brennend den Hafen von Lissabon an. Dar Schiff gilt als verloren. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen.
Aus Gberheffen u- den heff. Aemtern.
♦ Kirchhain, 26. Nov. 1913. Die Automobil- Postverbinduna Kirchhain-Niederklein-Kirtorf- Ehringshausen an der Oberhessischen Eisenbahn ist seit anfangs t>. M. eingestellt worden. Die Verkehrsstraßen im Heffen-Darmstädtischen sind frisch eingedeckt, die Steine werden aber nicht mit der Straßenwalze eingewalzt und sind deshalb mit Gummirei- fen nicht gut fahrbar. Der Autopostverkehr geht nur bis Niederklein, und zwar 6 Mal den Tag hin und zurück.
[:] Kirchhain, 26. Nov. 1913. In dem bekanntlich hier stattfindenden Kursus für Iugendpfle- ger fand heute wiederum unter dem Vorsitze des Herrn Landrats v. Gilsa eine gemeinschaftliche Versammlung von Lehrern u. Bürgermeistern im Bahn, hofshotel statt. Nach vorangegangenen Turnübungen der Kursusteilnehmer hielt Herr Kreisschulinspektor Pfarrer Fliegcnschmidt-Kirchhain einen äußerst beifällig aufgenommen Vortrag über „Jugendpflege und Heimat".
* Frankenberg, 26. Nov. 1913. Die nächste Sitzung des Kreistages wird sich mit der Verwandlung der seitherigen Bezirkssparkasse Vöhl beschäftigen. Diese soll Krerssparkasse werden. Die Mehrheit der an der Sparkasse Vöhl beteiligten Gemeinden stimmte für die geplante Umwandlung. Die Gemeinden erhalten eine Abfindungssumme von 320000 Mk. Die Umwandlung tritt mit dem 1. Januar in Kraft. Die Stelle eines Rendanten, welche bis jetzt Herr Schnarr inne hat, wird zu diesem Termin anderweitig besetzt werden.
+ Neustadt, 26. Nov. 1913. Die heute vollzogenen Siadtverordneteuwahlen hatten folgendes Ergebnis: In der 3. Klasse wurden die seitherigen Mitglieder Karl Schmitt, Landwirt und Friedr. Lotz, Schuhmacher unter starker Wahlbeteiligung wieder gewählt, ohne daß ihnen ein Gegenkandidat gegenüberzutreten wagte. In der 2. und 1. Klasse setzte dagegen ein lebhafter Wahlkampf ein. Es schieden aus in der 2. Klasse Herr Straßenmeister Senger und in der 1. Klasse Herr Metzgermeister Eugen Reichenbach. Der letztere, welcher auf den früheren Besitz seines Mandats in der ersten Kasse zugunsten seines Parteimannes, des Herrn Straßenmeisters Senger verzichtete und deshab in der 2. Klasse kan- didierte, unterlag seinem Gegenkandidaten, dem Herrn Schornsteinfegermeister Benedikt Vomschloß, welcher vor kurzem als Mitglied des Magistrats von seinen Gegnern abgewählt worden war. In der 1. Klasse siegte Herr Straßenmeister Senger mit einer Mehrheit von 2 Stimmen gegen seinen Gegner, den Gastwirt Heinrich Gies. Das Stadtverordneten-Kolle- giurn hat nunmehr drei frühere Magfftratsmitgicder, welche die Wähler der 2. und 3. Klaffe in ihrer Mehrheit hinter sich haben. Der Wahlkampf, der ja an kleineren Orten mehr ein Jnteressenkampf als ein Prinzipienkamps zu sein Pflegt, hat auch manche weniger erfreuliche Erscheinungen gezeigt. Bon einer Seite, von welcher man so etwas am allerwenigsten erwarten sollte, wurde sogar mit dem sonst nur bei Sozialdemokraten üblichen Kampfmittel des Boykotts operiert. Die Chancen dieser Partei sind natürlich dadurch nicht verbessert worden.
Reklame«' und Anzeigenteil.
wer nie die Nächte hustend sah, ■TI der begreift kaum, welche Wohltat der Weit mit Jh Fays ächten Sovener Mineral-Pastillen gefchenkt Vf rooröen ist Die Pastillen, die zur Kur benützten ■ Heilquellen der Gemeinde Sooen stammen, wirken —-i lindernd, löiend und beruh geno, wenn man sie H vor dem Schlafengehen nimmt, und sie bekämpfen SS“ auch die fchwerften Hustenanfälle, wenn man sie n nach Volfchklft verwendet Man achte aber auf M den Namen „Fay“ und die amtl. Bescheinigung des Bülgerinemer-Amles Bad Soden a. T. auf weitem Kontrollstreffen. Preis 88 Big. die Schachtel