Suldaer Zeitung
triOctn tflgfid) mH Ausnahme der Sonn* und Zelertagr. viertel* Ehrlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Hulda sowie auswärts 1.50 Mark. Rototie jisbrudt and Verlag der t Z Huldoer flctienöruckerel in Hulda. Hern spreche» Nr. 9. : :
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Illustrierte Sonntagszeitung Zuldaer Seschlchtsblätter
s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Kloffen-Lotterle. —* halbjährlich Loschenfahrplon. c
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Nr. 274. erstes Blatt.
Donnerstag den 27. November |9|3.
40. Zahrqang.
nastie in einem
und Ko-
Wenn die Könige keine staatsrechtliche Verantwortlichkeit haben, so fühlen sie doch in ihrem iS e wissen eine schwere Verantwortlichkeit für ihr folgenschweres Tun und Lassen. Je verwickelter und schwieriger die Zeitverhältnisse werden, desto mehr Sorgfalt und Fleiß, desto mehr Umsicht und Vor- srcht muß das Staatsoberhaupt entwickeln. Wohl ihm und dem Lande, wenn der Herrscher die Hilfe aller gutgesinnten Staatsbürger sucht und findet, sowohl in guten als in trüben Tagen.
Die Vorlage geht an eine Kommission.
Donne elag: Gebührenordnung für Zeugen Sachveriländige, Httjsrichter beim Reichsgericht, lomalgerichlrhos.
... Also - ich Mich hier eine Anzahl e«. . - . >-)on nach einem Jahr neun
Monaten das Gefängnis verlassen — heute in acht Tagen!"
„Wie glücklich mutzt Du darüber sein, Anny'"
Wehmütiges Lächeln umspielt die bleichen Lippen der Kranken. r
Abg. Cohen (Soz.): Das ganze Gesetz ist nur tazu da, den H'iUttanStnue zu fördern. Wie steht es denn mit dem Geheimhalten mtlilärilcher Dmge gegenüber den Rüstung-firmen? (Sm Beweis der Zersetzung ist es, daß dem öslerreichilchen Generalstabsoistsier Medl, als seine Verfehlungen aufgedeckl waren, Gelegenheit gegeben wurde, sich zu erschießen. Auch in Deutschland würde man so handeln.
Kriegsmimster v. Falkenhayn: Auf die Behauptung des Abg. Cohen, das deut che Ofsizierkorps werde in gewtsfen Lagen ebenso handeln, rote es ein Fall im Auslande gezeigt habe, gehe ich nicht em. Ich lann aber versichern, daß oas deutsche Osfitteriorps so handeln wird, wie es thm die Ehre und Die Pstichi auf« erlegen. iLebh. Beisall bei der Mehrheit.) Äon soztal- demokratis.Drr Sette wurde auch Unter Berufung auf einen MilUärschrtftsieller der Ansicht Ausdruet gegeben, die deutsche Artillerie fei der Artillerie eines an- deren Staates unterlegen. Die,e Behauptung ist ganz unzutreffend.
Deutsches Reich.
i Berlin, 25. Noo. 1913. Der Kaiser hat dem Kloster Ein siedeln in der Schweiz sein Bild mit eigen: findiger Unterschrift al« Geschenk überweisen lassen. — Am Mittwoch m ttag reisten der Kaiser und die Kaiserin zum Jagdbesuche nach Primkenau. Am Donnerstag ist dort groß« Jagd. Abends reist der Kaiser nach Donaueschingen.
)( Besuch des Kaiserpaares in München Der Kaiser I und die Kaiserin werden am 15. und 16. Dezember tn München weilen, wie die,Bayerische Staatszeitung' mitteilt, um den Besuch zu erwidern, den der König und die Königin von Bayern dem kaiserlichen Paar anfanas März dieses Jahres abgestattet haben.
* Ueber die Sitzung de« BundesratsausschusseS für auswärtige Angelegenheiten wird mitgeteill, daß tot Reichskanzler in seinem Vortrage über die auswärtige Lage alle aktuellen Fragen der auswärtigen Politik berührte. Der Reichskanzler berichtete über seine Unterredung mit dem russischen Ministerpräsidenten Kokowzew und hob besonders hervor, daß die polnischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland gegenwärtig besonders freund chastiich und vertrauensvoll seien. Im Anschluß daran äußerle sich der Kanzler über die im Zuge befindlichen Verhandlungen, über die kleinasiat.fcken Eisen, bahnen, die einen günstigen Verlauf nehmen. Be- londers unterstrich er die außerordentlich günstige Gestaltung unserer Beziehungen zu England, die einen herzlichen Charakter angenommen haben.
Zm Reichstag stand gestern der Gesetzentwurf gegen den Verrat militärifcher Geheimnisse zur Beratung. $et Gesetzentwurf beabsichtigt vor allem gegen Veröffentlichungen durch die Preise vor-
s? rz? , ■ ------Lande durch zähe Ausdauer
die schlechten Zetten überwinden kann, sehen wir an Griechenland. Der Vater des jetziaen Königs Kon. stantm hätte um die Jahrhundertwende, als die Türkei seinem Heere die furchtbare Niederlage bei- brachte, Wohl versucht sein können, die Flinte ins Korn und die Krone ins Parlament zu werfen. Aber er hielt aus ungeachtet aller Angriffe und Demütigungen. Und er erlebte noch die ersten Erfolge im neuen Kriege, die seine Dynastie wieder auf die Hohe brachte.
scheu G e d a n t e n s erfreut; soeben hat tn Bayern vs,e Dynastie ein» Art Auferstehung gefeiert, und das 25jährige Jubiläum des Kaisers' und Königs von Preußen ist diesen Sommer zur allgemeinen Erbauung gefeiert worden. Ein großes Glück, daß wir altangestammte Fürstengeschlechter haben, die mit Land und Voll so verwachsen sind, daß auch in trüben Tagen die gegenseitige Treue standhalten kann!
Daß eine festgewurzelte Dynastie von Gottes Gnaden und des Volkes Siebe auch schwere Schicksalsschlage zu überstehen vermag, hat O e st e r r e i ch uns gezeigt. Kaiser Franz Joseph mußte sowohl 1859 als 1866 seine Armee geschlagen heimkehren sehen; aber das Volk hielt auch in den Unglücks- lahren fest an seinem Kaiser und König, und der greise Monarch darf am Ausgang seines schicksal- reichen Lebens und viel geprüften Wirkens sich sagen, daß er seinem Reiche die volle Weltgeltung und seiner Person die höchste Liebe und Verehrung' seines aan. zen Volkes gesichert hat.
Daß auch eine junge Dy halbzivilisierten Lande bi
I wir wiederholt bei den Heeresvorlagen bewiesen. Die I Frage ist für uns aber nun, ob ein solcher Fall hier I vorliegt. Dte Ausführungen der Redner vom BundeS- I ratStifch haben uns diesen Beweis nicht in vollem Um. I fange erbracht, und ihre Reden konnten kaum den aller- I bescheidensten Ansprüchen einer Begründung genügen. I Daß der Kriegsminister die erste beste Gelegen- I heit benutzt 'hat, um sich dem Hause vorzustellen, daS I war klug und dankenswert, aber weder er noch die I übrigen Herren vom Bundesratstisch haben uns I dar Geheimnis gelüftet, was denn eigentlich I ein militärisches Geheimnis ist. (Heiter- I keit und lebh. Zustimmung.) Der Kriegsminister sprach I immer von den militärischen Einrichtungen. Was er I darunter versteht, hat er uns leider nicht betraten, und ■ darum haben meine Freunde schwere Bedenken gegen diesen Gesetzentwurf. Wer entscheidet
I schließlich darüber, was den Charakter eines militärischen Geheimnisses haben soll. Der Laie
I kann sich darüber nicht klar werden. Schließlich könnte jede Nachricht, und mag sie noch so wohlwollend gedacht
I sein, jeder noch so gut gemeinte Zeitungsartikel gefaßt I werden. Und trenn das Gesetz gar auf bloße Fahr- I lässigkeit ausgedehnt werden würde, dann ist erst recht « nicht abzusehen, was daraus werden soll. (Lebh. Zu- I stimmung.) Unter diesen Umständen könnten allgemein I bekannte Dinge angefaßt werden. Wer von uns schon I einmal einer Kommissionssitzung beigewohnt hat, in der I unS vertrauliche Mitteilungen militärischer Art gemacht I worden sind, der weiß, wie ungeheuer schwer eS ist und I zu welch amüsanten Auseinandersetzungen eS manchmal I geführt hat, um zu entscheiden, was denn nun eigentlich I von diesen Mitteilungen als „militärisches Geheimnis" I zu betrachten und zu behandeln sei; mehr als einmal hat sich herauSgestellt, daß Dinge, die der Kriegsminister
I durchaus als vertraulich angesehen wissen wollte, in der I Fachpresse schon veröffentlicht worden waren. In I welche Lage kann da unter Umständen der Abgeord- I nete kommen, der, um vielleicht seinen Wählern seine I Zustimmung zu einer Vermehrung der Friedenspräsenz zu rechtfertigen, Mitteilungen aus solchen Verhandlung
I gen macht? Wie soll es aber gar der Presse unter I der Geltung einer solchen Bestimmung ergehen? ES ist ganz selbstverständlich und eS ist recht und gut so,
I daß im Lande der allgemeinen Wehrpflicht über mili. I tärische Angelegenheiten gesprochen und in der Presse geschrieben wird, und manche hochgestellte Persönlich- keien, auch sehr hochgestellte, könnten manches auS dieser I Kritik fernen. Will man nun diese Kritik dadurch ein. I schränken, daß man sie abhängig macht von dem Ermes. I sen, gewiß von dem pflichtmäßigen Ermessen, aber doch I immerhin von dem Ermessen eines einzelnen ober einer I Behörde? Zu den Manövern zieht man alle möglichen I fremden Offiziere, sogar in Uniform, zu, und hier I will man der heimischen Presse verwehren, Mittei. lungen Über militärische Dinge zu machen und Kritik I
| daran zu Üben, die vielleicht von dem besten Wohlwollen und von den besten Absichten diktiert ist? Will man I der Presse ihre wichtigen Funktionen erschweren? Die I deutsche Presse hat sich einmütig dagegen erklärt, mit I vollem Recht! (Sehr richtig I) Auch der löbliche Wehr. I verein. Er würde ja Objekt fein. Wenn seine Ver- I ossentlichungen und die deS Flottenvereins verboten I wären, so würde freilich viel Beunruhigung vermieden I werden. Ich Beantrage Ueberweisung deS Gesetzes an I etne Kommission von 21 Mitlgiedern. (Lebh. Beifall im Zentrum.)
Abg. Dr. v Calker (ntlb.): Da« Gesetz entspricht I einem Bedürfnis, denn bie Interessen der Gesamtheit muffe allen anderen ooranaehen, aber S trifft nicht I überall da« Rechte. Berbefferunaen sind unumgänglich. I Auch ich hoffe von den kommenden Rednern noch eine I Erklärung de, Begriffes „Geheimnis". (Heiterkeit.) ES I gibt auch offene Geheimnisse. Die Preise aller Parteien I bat gegen den einschlägigen S 9 deS Gesetze« Widerspruch I erhoben. Die Freiheit der Kritik muß bleiben. I
Abg. Holtschke (fonf.M Wir halten schärfere Strafen für votroendig. Aber auch die konservative Presse ist I gegen den §9. Er wird in dielet Form gew ß abgelehnt I werden. Die Befürchtungen sind wohl übertrieben, aber I eä ist nicht ,u leuanen, daß die Dehnbarkeit der Bestim- I mungen große Unsicherheit hervorruft.
Abg. v. LiSzt 'Vp.i ist von der Notwendigkeit deS I Gesetzentwurfs nicht überzeugt, stimmt aber einer Ver- I Weisung an die Kommission zu.
Aba. Mertin (Bp.) schlägt vor, nach dem Vorbilde I deS ReichsmarineamteS auch im Krieg Ministerium eine I amtliche AustunfiSstelle für die Presse einzu'ichten. 1
Jit der schule des Leidens 321 Roman au» dem New-Yorker Leden.
Von Erich Friesen.
I passte er all sein Gelb zusammen unb verduftete. Wvhtn, weiß ber liebe Gott allein.
I Also, meine liebe Licy, da ich nicht wußte, wohin, nahm ich Fräulein Douglas Anerbieten an, zu ihr zu ziehen. Ich gewann sie sehr lieb. Kein Gedanke, daß ich sie für falsch hielt. Aber was
I man mit eigenen Augen sieht, muß man glauben.
Ich weiß, baß bas, was ich Dir jetzt mitteilen I werde, sehr schmerzlich für Dich ist. Aber ich habe mtr geschworen, daß Du es erfahren sollst. Du mußt wissen, was für einen Menschen Tu geheiratet hast.
An demselben Tage, an welchem Dein Mann von Deinem Schmerzenslager kam, aus dem Ge- fangnis, in das Du Dich um seinetwillen gebracht, an demselben Tage sah ich ihn vor Fräulein Dou- glas auf den Knten liegen unb sie mit Augen anblicken, mit Augen — —
So, mein Kind, jetzt weißt Du es. Verschwende Deine Neigung nicht mehr an diesen Mann! Er ist es nicht wert. Er liebt Fräulein Douglas.
Jetzt kann ich nichts mehr schreiben. Der Bogen ist voll. Leb' Wohl!
Deine treue, unglückliche Mutter." Festere liest den Brief einmal, zweimal, dreimal; dann reißr sie ihn rn kleine Stücke.
Der Mond hat sich hinter eine Wolke versteckt. In der Zelle tiefe Dunkelheit.
Felicie denkt nicht daran, sich auf ihr Lager zu strecken. Mit gefalteten Händen sitzt sie da und starrt hrnern in die Finsternis. .
.^ach ^niger Zeit zieht sie Norberts Brief ans der Tasche. Zärtlich streicht sie darüber hin. Abwechselnd Preßt sie ihn an Wangen und Lippen. . . .
Und es ist, als ob die toten Schriftzüge ihre Seele ganz gefangen nehmen, als ob das Stück Papier, auf dem seine Hand geruht, alle Zweifel aus ihrem Herzen bannen. . . .
„Er nennt mich darin „geliebtes Weib!"; er unterschreibt „Dein treuer Gatte", murmelt sie wie im Traume. „Heut Nacht will ich noch an ihn denken wie ich es gewohnt bin. Morgen, wenn der neue
,, "acht eine Pause. Die Erinnerung greift sie Ämchtig an. Der trockene Husten, der sie von Tag zu Tag mehr quält, stellt sich wieder ein.
stutzt den abgezehrten Körper des kranken Mädchens unb bittet sie, sich zu schonen. Doch Anny schüttelt den Kopf.
„Nein, laß mich sprechen, Felicie! ich erhielt zwei Jahre Gefängnis. Weil il stets gut anfsührte, errang ich jebeit Tag ( Marke,i. Nun darf ich schr - ' • a
Doch ist Felicies Zelle heute nicht ganz dunkel. Dort oben durch das kleine, vergitterte Fensterchen lugt ber Mond, mit seinen matten Strahlen den oben, [ engen Raum magisch beleuchtenb.
Felicie zieht ben Brief ber Mutter aus ber Tasche und öffnet ihn.
Beim fahlen Schein bes Monbes beginnt sie, istis unregelmäßige Gekritzel zu entziffern.
Ziemlich gleichgültig zuerst — bann ungläubig, verwundert — schließlich mit steigendem Entsetzen liest sie folgenden Brief:
„Mein liebe Licy!
Dem Gefängnisregleme.nt gemäß darfst Du morgen wieder einen Brief erhalten. Der erste, den ich Dir vor drei Monaten schrieb, ist unbeantwortet geblieben. Vielleicht ist er gar nicht in Deine Hande gelangt. ,
Ich schreibe diese Zeilen mit traurigem Herzen. Du hast Dich selbst ins Unglück gestürzt. Und für wen? Dein Ma.rn war es gewiß nicht wert. Du bist eben wie die meisten Frauen. Deine Liebe machte Dich blind unb Tu bist dafür bestraft worben. Kem Mann ist eines solchen Opfers wert, wie Du es gebracht hast. Und Dein Mann erst recht nicht.
Walterchen ist gesund und mein Sonnenschein. Jedermann bewundert ihn. Und mit Recht. Mir scheint, er wird Deinem Vater, nach dem er auch j seinen Namen hat, von Tag zu Tag ähnlicher. Em Glück! Männer, tote er einer war, qibt's nicht viele auf der Welt.
Und nun, mein liebes Kind, .nimm alle Deine Kraft zusammen! Ich habe Dir'etwas Trauriges mitzuteilen. Aber sei nicht gleich zu sehr außer Dir!
Ich weiß nicht, ob Dir bekannt ist, daß ich nach Deiner Gerichtsverhandlung nicht mehr wagte, I Thomas Mackciy unter die Augen zu treten. Er hülle mich totgeschlagen aus Wut, daß ich gegen thn gezeugt habe. Bald darnach, wahrscheinlich aus Angst, daß man ihn gerichtlich verfolgen würde, I
Schweigend läßt Felicie den Kopf hängen.
I „Würden Sie gern hier bleiben?"
I „Ja, Frau Palmer, sehr gern."
I Das läßt sich nur unter einer Bedingung arran- I Steren. Mir scheint, Sie haben viel Talent zur Kra.n- I kenpflegerin. Wenn ich nun den Herrn Direktor I fragte, ob Sie mir hier helfen dürften? Was meinen I Sie dazu?"
I — "3ch würde sehr glücklich darüber fein, Frau
I Palmer. —
I Felicie findet an diesem Abend keine Zeit mehr, mit Anny Holm zu sprechen. Müde vom vielen Her- umwandern, kehrt sie spat abends in ihre kleine Zelle — dieselbe, welche sie als Pattenttn inne hatte — zurück.
Die Hände im Schoß gefaltet, setzt sie sich auf den kleinen Holzschemel unter der Gasflamme, und denkt nach über die Neuigkeiten der letzten Stunden. . .
„Also Anny verläßt das Gefängnis in acht Tagen! Schade, ich habe sie sehr lieb gewonnen! Nur gut, daß Frau Palmer mich als Krankenpflegerin anstellen will! Da brauch' ich wenigstens nicht zurück in die Schneiderwerkstatt zwischen all die rohen, ungebildeten Frauen! ... Ach, wenn doch meine Zeit erst um wäre! Noch beinahe zwei Jahre! Zwei ganze Jahre!"
Ei.n tiefer Seufzer hebt ihre Brust. Unwillkür- ! lich preßt sie bie Hand aufs Herz, wo der Brief ihres Gatten ruht.
., »Lieber, lieber Norbert!" flüstert sie innig, „wäre ich doch erst wieder Bei Dir und unfern Walter!" _. Da fallt ihr plötzlich der Brief der Mutter ein. Tie verschiedenerlei Beschäftigungen während des Tages hatten sie denselben ganz vergessen lassen.. Sie ist nicht besonders neugierig auf den Inhalt Frau Mackay war nie eine gute Briefschreiberin Aber vielleicht enthälr er doch irgend etwas auf das Kind Bezügliches, etwas, was Norbert vergessen hat! . .
Tie Gasflamme löscht aus. In allen Zellen wird um neun Uhr der Gashahn zugedreht. Ta heißt es I für die Gefangenen:. „Zu Bett oder im Finstern sitzen! 1
:: Die Berantworllichkeit der Könige.
Ein mutiger Prinz will den Thron von Alba- I nien besteigen und das kriegerische Volk zum Respekt vor der Krone erziehen. Zu gleicher Zeit geht das offiziös allerdings dementierte Gerücht, daß König Ferdinand von Bulgarien auf den Thron verzichten wolle, weil er für das schwere Mißgeschick seines Landes verantwortlich gemacht wird und seine I Autorität Wanken fühlt.
König Ferdinand hatte bisher reichliche Proben von Klugheit und Zähigkeit abgelegt. Seine Geschicklichkeit hat freilich beim Ausbruch des zwetten Balkankrieges versagt, aber wir glauben doch nicht, I daß er nun die Fassung und das Selbstvertrauen vollständig verloren hätte. Man wird den Dementis trauen dürfen. Wenn der König eine Zeitlang I ins Ausland gegangen ist, so verfolgt er dabei viel- I leicht den Zweck, die öffentliche Meinung seines Landes sich erst ausgären und ausreifen zu lassen. I Schließlich toerben die vernünftigen Bulgaren doch einsehen, daß die Sage des Landes keineswegs gebessert wird, wenn man den bisherigen König als Sündenbock in die Wüste hinausgrault.
Wir für unfern Teil denken bei derartigen Fragen alsbald an den Satz, daß die Minister verantwortlich seien unb nicht der König. Aber die I Lehre von der Unverantwortlichkeit und Unantaftbar. I kett des Königs, die in den alten Kulturstaaten mit | ihren angestammten Dynastien gilt, kann sich nicht so schnell in das Bewußtsein von halbzivilisierten Völkerschaften mit blutjungen Dynastien hineinwachsen. Die Dynastie, die dem neuen Staatswesen auf. Öert worden ist, wird nach den Erfolgen ihrer ik beurteilt Wenn Mißerfolge eintreten, so kann auf das Hoch und Hurra sehr schnell der Ruf folAn: Hinweg mit ihm!
So geht es übrigens nicht bloß im halbwilden Osten. Die Herrschaft des dritten Napoleon in Frankreich brach zusammen, als auf den Kaiser bie Verantwortlichkeit für bie Niederlagen von Worth, Metz und Sedan fiel. Allerdings war es auch keine alte, wurzelechte Dynastte von Gottes Gnaden, sondern ein Ergebnis des Staatsstreiches von 1852, das sich aus eine Prestigcpolitik nach außen und auf Plebiszitkünste im Innern gestützt hatte. Die Stü- I tzen waren bereits so morsch geworden, daß Napoleon JII. aller Wahrscheinlichkeit nach bald gestürzt worden wäre, auch wenn er dem Krieg mit Deutschland aus- I gewichen wäre Will man das Frankreich von da- I mals und das Bulgarien von heute in Vergleich stellen, so ist die Lage Ferdinands bei weitern nicht so verzweifelt, wie die Sage Napoleons in. vor 44 Jahren.
.In Deutschland haben wir in der jüngsten Zett u.is an der Erstarkung des monarchi-
Dentscher Reichstag.
Die Interpellationen ber Abgg. Albrecht und Gen. (Soz.) betr. ArbeitSlosenverficherung und Röser und Gen. (Vp.) betr. der Vorgänge in Zabern werden von der Tagesordnung abgefetzt, da nach der Erklärung deS Regierungsvertreters der Reichskanzler sie im Laufe der nächsten Woche beantworten will.
Es folgt die 1. Beratung des
Epionagegesetzes.
©taatsfelretär Dr. Lisco: Das Gesetz zum Schutze militärischer Geheimnisse bedarf dringend einer Revision. Der bisherige Schutz hat sich als unzureichend er. wiesen, das zeigt die Vermehrung der Spiouagefälle in den letzten Jahren. Insbesondere müssen auch Nach, richten über militärische Geheimnisse künftig bestraft werden. Auch noch andere schwerwiegende Fälle, die das bisherige Recht nicht erfaßte, bedürfen der Berücksichtigung und finden Sie in dieser Vorlage.
' Kriegsminister v; Fcttf.nhapn: Eine lange Programmentwickelung will ich nicht geben. Mein Pro. gramnt besteht vollständig in der Aufgabe, die mächtige Waffe, die die Armee in der Hand des obersten Kriegsherrn darstellt, scharf, blank und schlagbereit gegen jeden Feind zu halten. (Beifall bei der Mehrheit, Widerspruch b. d. Soz.) Wer mir inner, halb und außerhalb des Hauses Anregungen, Vorschläge, Forderungen oder Wünsche zur modernen Umgestaltung bringt. w>rd mich fti.s uuf seiner Seite flnoen. An. regungen sind um so willkommener, je moderner sie find, unb Sie werben mich stets bereit finben, dankbar darauf einzugrhen. '.Lebh. Beif.) Dagegen kann ich bei allen Bestrebungen, die sich mit meiner Aufgabe, ben Forderungen unb den Lebensbedingungen ber Armee nicht vertragen, nicht nur nicht Mitwirkens sondern muß sie nach Kräfen unschädlich zu machen suchen. (Beifall b. b. Mehrheit.) Das vorliegende Gesetz steht in enger Beziehung zu der Wahrung der Schlagbereit, schäft der deutschen Wehrmacht. Wir müssen auch kämpfen gegen Gegner, denen eS gelungen ist, unsere Blößen vorzeitig zu erspähen. Gegen bie Gefahren, benen uns in biefer Beziehung bie Lücken deS Gesetzes auSsetzen, müssen wir uns toenben, zumal diese Gefahren in ben letzten Jahren außerordentlich groß geworben sind. Der Presse vermag ich ba eine Ausnahme, stellung nicht einzuräumen. Ein Vorrecht für bie Presse zugunsten ber unbeschränkten freien Mei. I nungSäußerung muß bie Heeresverwaltung ablehnen. I ©o entschieden die Armee jeden Versuch abwehren mutz, I bie Vorgänge bei ihr zum Schaden deS Reiches unb I zu Nebenzwecken, fei eS aus Parteirücksichten, sei eS aus I SensationsbebürfniH, rücksichtslos unb öffentlich aus. I zubeuten, so entschieden fordere ich, daß baS Volk I fortwährend umgehenib unterrichtet! wirb, und daß nichts einer freien Kritik entzogen wird, | die ehrlich mithelfen will, lieber bie Bedeutung, bie | hierbei bie Organe ber öffentlichen Meinung haben, I besteht bei ber Heeresverwaltung nicht der geringste | Zweifel. Ein Volksheer wie das unserige kann nur | gedeihen und in ernsten Zeiten seiner Aufgabe voll ge. | recht werden, wenn die gesunden vaterländischen | Teile des Volkes in herzlichem Einverneh« ! men mit ihm gehen. (Lebh. Beifall.)
Staatssekretär v. Tirpitz: Ich bestätige vom Stand- I punkt der Reichsmarineverwaltung, datz die Vorlage | ein dringendes Bedürfnis ist. Gerade die Marine. I Verwaltung war in den letzten Jahren einer ganz I ausgiebigen S p i o n a g e t ä t i g k e i t ausgesetzt, | sowohl bezüglich ber Küstenbefestigung wie ber Kon- | ftruffion unserer Schiffstypen. In der Kommission w,rb sich Gelegenheit bieten, bas an Einzelfällen zu be. I leuchten. (Beifall.)
Abg. Stadthagen (Soz.): Schuld an ber Spionage I ift das herrschende Wehrsystem. Jeder Deutsche mutz | das Recht haben, militärische Angelegenheiten zu er- | örtern unb zu kritisieren. Aber bie Militärverwaltung scheut unb hatzi bie Oeffentlichkeit. Wird ber Entwurf | Gesetz, so ist es verboten, überhaupt über militärische I Dmge zu sprechen. Mit solchen Strafbestimmungen kann man bie Waffen nicht scharf halten. Damit be. schmutzt man sie. (Sehr richtig! links.) Auch das De. | nunziantenium wirb durch bas Gesetz großgezoaen. I ®aS Einfachste wäre, baS Gesetz nicht einmal in ber I Kommission zu beraten. I
Abg. Gröber (Zentr.): Wir wollen gern bewilligen, ! was für des Reiches Wohl notwendig ist. Das haben I
, „"Eigentlich nicht. Ich weiß nicht recht, too ich bin foH. Meine Mutter ist inzwischen gestorben. Meine einzige Schwester ist an einen Geschäftsmann in Philadelphia verheiratet; beide werden kaum sehr beglückt fein über mein plötzliches Wieder-Auftauchen, besonders, wenn sie Horen, daß ich nur zu ihnen komme, nm zu sterben. Aber das hilft alles nichts — heraus muß ich. Sie behalten hier niemand einen Tag länger, als unbedingt nötig."
In diesem Augenblick winkt die Oberwärterin Fe- licicn zu sich heran. Sie ist auf einem Rundgang durch die Krankensälc begriffen und hat die beiden schon ein Weilchen beobachtet. Gleich dem Gefängnis- direktor, sowie den Aerzten nimmt auch sie lebhaftes Interesse an der Gefangenen Barrinctton.
Sofort eilt Felicie zu ihr.
„Sie wünschen, Frau Palmer?"
„Es geht Ihnen besser, wie ich sehe."
„Ja, Frau Palmer."
„Wenn ksie so fortmachen, werden Sie bald wieder die Krankenabteilung verlassen und drüben in Ihre Zelle Rr. 301 zurück müssen."