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Fuldaer Zeitung

B3

M 27.3.

Mittwoch 26. November 1915.

2. Blatt.

vruck 6tr L,lb«rr acti.nfciiietttt iw Sulba.

-r-1 Der Borromäusverein in der Diözese Fnlda.

Dem kürzlich erschienenen Jahresbericht des Vereins bom hl. Karl Borromäus zur Verbreitung guter Bücher für das Jahr 1912 entnehmen wir folgende auf unsere Diözese bezüglichen An- gaben:

Es bestehen jetzt in der Diözese Fulda 66 Hilfsbereine mit zusammen 2707 Mitgliedern. Auf die erste Klasse (Jahresbeitrag 6 Mk.) kommen 477 Mitglieder, aus die zweite (Jahresbeitrag 3 Mk.) 1109 und aus die dritte (Jahresbeitrag 1,50 Mk.) 1121. Gegen das Vorjahr ist die Zahl der Ver­eine um 6, die Zahl der Mitglieder ist um 2 71 gewachsen. Von den Katholiken der Diözese gehören 1,29 Prozent dem Verein an. Das ist im Vergleich zu andern Diözesen ein berhältnis- mäßig guter Prozentsatz. Unter Fulda bleiben u. a. Breslau, Ermland, Posen, Kulm, Sun» bürg, Mainz, sowie alle süddeutschen Diözesen. In Hildesheim beträgt der Prozentsatz 1,87, in Osna­brück 1,85, in Köln 2,01, in Paderborn 2,18, in Trier 2,15, in Münster 2,30. Die bom Vorstand in Bonn bon den einzelnen Vereinen ge­wünschten Berichte haben in Fulda 4 3 Ver­eine eingeschickt; über 20 fehlen also. Im nächsten Jahre sollen im Bericht die säumigen Vereine mit einem * bezeichnet werden. Der Vorstand meint, das spare bielleicht, daß der eine oder andere die kleine Arbeit aus sich nehme. Jeder Zweigberein hat bekanntlich auch eine Bibliothek zur all­gemeinen Benutzung für die Mitglieder. Soweit in unserer Diözese die Vereine berichtet haben, weisen diese Bibliotheken 12 454 Bände auf; die Zahl der Ausleih ungen beträgt 46813. Die Ausleihe ist in 10 Vereinen „zu jeder Zeit", in 18 Vereinen Sonntags, in einigen alle 14 Tage und in andern zweimal wöchentlich. In Pfarr­häusern sind 21 Bibliotheken, in der Schule eine, in Pribathäusern 6, in Vereinshäusern eine, in Klöstern eine, in Kirchen Cb. h. in eingebauten Sälen) 2. Da mehrere Vereine gar nicht öder un- bollständig berichtet haben, sind diese Zahlen leider nicht erschöpfend.

Im ganzen belief sich die Zahl der Vereine Ende 1912 auf 4466 mit 237 245 Mitgliedern und 724 820 Mark Mitgliedsbeiträgen.

Ter Verein, der bor 69 Jahren ins Leben gerufen wurde, tyat sich besonders in den letzten Jahren sehr günstig entwickelt; seit 1900 hat sich die Zahl der Hilfsbereine mehr als berdoppelt. 1900 waren es 2119 Vereine, heute rund 4500. In der Bekämpfung der schlechten Literatur, in der Be­schaffung guter und billiger Bücher in den Familien, für Errichtung bon Bibliotheken (die jetzt zusammen zirka 1800 000 Bände aufweisen) hat der Verein Großes geleistet. Wenn man bedenkt, wie jahraus, jahrein eine wahre Schmutzflut schlechter Bücher in die Well geht, die alles überschwemmt, Glaube und Sitte in btelen Seelen untergräbt, dann muß man sich in Wahrheit freuen, daß in dem Borromäus- berein ein wirksamer Damm errichtet ist gegen diese tod- und berderbenbringende Flut. Möchte deshalb doch an allen Orten der Verein ein- geführt werden. Wenn auch die Zahl der Mit­glieder in der ersten Klaffe (mit 6 Mark) in unserer armen und für sonstige Bedürfnisse sehr stark in Anspruch genommene Diözese nicht so groß sein kann, so werden sich doch für die zweite und dritte Klaffe (3 Mk. und 1,50 Mk.) überall einige Mitglieder ge­winnen lasten. Zur Errichtung eines Httfsbereins ist es nötig, daß wenigstens 30 Mark an Mitglieder­beiträgen eingehen. Je größer die Hilfsbereine sind, desto mehr Bücher werden natürlich für die Ver­einsbibliothek gratis geliefert. Daß die M i t- a l i e d e r für ihren Jahresbeitrag sich aus einem Katalog mit bielen Tausend Nummern Bücher aus­wählen können, die mindestens so biel wert sind, wie der eingezahlte Beitrag, dürste wohl allgemein be­kannt sein. Wer dem Borromäusberein beitritt, be­kommt also für fein Geld gute Bücher für feinen Pribaigeb rauch und hilft außerdem noch dazu, daß allmählich in der Gemeinde eine Volksbib­liothek entsteht. Um das Wachstum dieser Bib­liotheken zu beschleunigen, hat man bielerorts den Weg gewählt, daß die am Ort bestehenden Ver­eine als solche mit mehreren Mitgliedsbeiträgen dem Borromäusberein beitreten und die ihm dafür gelieferten Bücher der allgemeinen Volksbibliothek

Warum?

Von M. v. Weser.

Nachdruck verboten.

Ta habe ich fest langen, langen Jahren, fast seit zwei Jahrzehnten ein armes, krankes Mädchen zu be­suchen, das seit den Maientagen seines Lebens in un­sagbaren Schmerzen für die Sünden anderer büßt und den kurzen Stunden, die ich mir hin und wieder abringe, entgegensieht, wie der Wanderer in der Wüste einer erquickenden Oase.

Nicht, weil ich es bin, sondern weil ich ihr die Verkörperung einer früheren glücklichen Zeit bedeute, weil ich ihr Ausblicke in eine Welt bringe, in der sie sich zu betätigen gedacht hätte, weil ich ihr die Erinnerung an bessere Verhältnisse, an eine frohe Kindheit, an heitere Jungmädchenstunden wecke, weil die mitaebrachten Bücher sie über den einförmig grauen Alltag erheben. Das ist nun auch borbei; die armen gequälten Augen haben die Sehkraft ber- loren und die Nerven sind durch die Schmerzen und die Arzneimittel so geschwächt, daß Borlesen sie pei­nigt und aufregt. Nach und nach lassen alle Organe nach, nur das Herz, das starke gesunde Herz hält aus und wird das Leiden dieser Märtyrerin des Lebens ins Unendliche berlängcrn.

Lieber Gott! habe ich oft geklagt, wenn es denn Naturgesetz ist, daß die Kinder für die Sünden ihrer Vorväter Rißen müssen, warum schickst du dieser Aermsten nicht eine schwere Krankheit, die sie von ihrem Siechtum erlöst? Knospende Blüten und rei­fende Früchte brichst du bom Baume des Lebens, aber dieser welkende, bis ins innere Mark angefaulte Zweig widersteht Stürmen und Ungewittern, die mächtige Stämme ringsum knicken wie dürre Rei­ser. . . . Denn an Stürmen hat es nicht gefehlt; aber sie sind herüber gegangen und haben ihr armes Opfer schwächer und kraftloser, ober lebend zurückge- lassen. — W a r u m? Warum? Ist dieses Elend nicht weit über das Maß menschlichen Ertragenkön­nens hinausgewachsen?

.Auch an seelischem Leid fehlt es dieser Aermsten nicht. Alle Aergerlichkeiten kleinlicher Interessen, alles Gezänk einer zersplitterten Familie, aller Kum­mer und alle Enttäuschungen wlderhallen in dieser Krankenstube und machen auch nicht Halt bor dem stillen Klosterfrieden, der feit einigen Jahren dies schn -re Menschenschicksal betraut. Da liegt nun das

überweisen. So werden z. B. bon einer Gemeinde jährlich 30 Mark aus dem Reingewinn der Dar- lehnskaste für diesen Zweck verwendet. Auf diese Weise kommt man in kurzer Zeit zu einer ganz an­sehnlichen Bibliothek.

Die Verbreitung des Borromänsvereins in un­serer Diözese ist, wie oben schon erwähnt, ver­hältnismäßig gut. Während es aber, wie die unten beigefügte Heber ficht zeigt, Bezirke gibt, in dem alle, oder fast alle Gemeinden ihren Borromäusverein haben, gibt es auch Gemeinden und Gegenden, in dem dieser wichtige Verein noch fehlt. Hoffentlich geben die hier gegebenen Fingerzeige da eine will­kommene Anregung. Bei gutem Willen ist sehr viel möglich und bei begeistertem Wil- I e n ist auch das schwerste Hindernis zu überwinden.

Wahre Volksbildung durch Förderung und Pflege der religiöfen Gesinnung und der guten Sitte hat der Borromäusberein auf seine Fahne geschrieben. Damit trägt er bei zum Besten derKirche und des Staates und berbient die tatkräftigste Unterstützung alller Katho­liken. .

Uebersicht über die Verteilung der Vereine in der Diözese.

(Die Zahlen geben die Mitgliederzahl der 3 Klassen an.l

1. Stadt Fulda. (5 Hilfsvereine) 67, 74, 94.

2. Dekanat Amöneburg. (11 Vereine) Amöneburg 2, 3, 2; Anzefahr 4, 10, 13; Allendorl 4, 12, 7; Bauerbach 5, 9, 8; M-rdorf 4, 22, 3; Marburg 24, 42, 16; Neustadl 2, 17,10; Momberg 0, 36, 59; Niederklein 4, 10, 11; Schröck 3, 14, 12; Stausebach 1, 13, 14.

3. Dekanat Kassel. (9 Vereins.! Kassel (Elisabeth) 13, 39, 4; Kassel (hl. Familie) 20, 48, 16; Kassel (Wehldeiven) 5, 17, 8; Kassel (Rolhenvilmold) 2, 16, 9; Melsungen 13, 7, 5; Nenndorf 8, 11, 13; Wanfried 4, 10, 2; Volkmarsen 9, 12, 46; Obern­kirchen 3, 2, 6.

4. Dekanat Eiterfeld. (1 Verein.) Rasdorf 7, 7, 9.

5. Dekanat Fritzlar. (2 Vereine.) Fritzlar 13, 39, 26; Naumburg 7, 25, 54.

6. Dekanat Geila. (7 Vereine.) Geisa 10, 7, 46; Bernbach 2, 7, 20; Eisenach 2, 12, 0; Jena 8, 17, 6; Kranlucken 1, 0, 16; Weimar 3, 8, 1; Neustadt (Orla) 1, 10, 2.

7. Dekanat Großenlüder. (3 Vereine.) Großenlüder 5, 20, 0; Kleinlüder 3, 11, 6; Ober« bim bad) 2, 34, 39.

8. Dekanat Hanau. (9 Vereine.) Hanau 49, 85, 36; Hanau (Verein mit 3 Hilisvereine) 15, 3, 0; Gelnhausen 6, 0, 0; Frankfurt (Bockenheim) 44, 112, 77; Franklurt-Gmnheirn 17, 13, 4; Neuses 14, 4, 17; Somborn 9, 18, 36

9. Dekanat Hilders. 3 Vereine.) Eckweisbach 5, 0, 6; Simmershausen 4, 3, 5; Wüstenfüchsen 5, 6, 1.

10. Dekanat Hünfeld. (1 Verein.) Hünfeld 2, 11, 22.

11. Dekanat Margrethenhaun(4 Vereine). Elters 4, 4, 6; Künzell 3, 8, 6; Büchenberg 1, 12, 21; Dittershausen 5, 32, 34.

12 Dekanat Neuhof. (6 Vereine.) Neuhof 7, 40, 61; Millelkalbach 2, 5, 9; Holenfeld 4, 13, 65; Rommerz 0, 12, 0; Flreden 1, 12, 15; Ruckers bei Flieden 2, 6, 2.

13. Dekanat Orb. (2 Vereine.) Wirtheim 0, 0, 35; Kassel 0, 2, 69.

14. Dekanat Salmünster. (1 Verein.) Sal- Münster 8, 51, 11.

15. Dekanat Weyhers. (2 Vereine.) Gersfeld 5, 16; Poppenhausen. 6, 21, 40.

totales.

Fulda, 26. November 1913.

# Personalien. Bei der Reichsbank ist ernannt: der bisherige Banlkassierer Scheer in Frankfurt a. M. unter Verletzung nach Berlin zum Oberbuchhalter bei der Reichshauptbank.

# Militäiperfonalien. Zum Hauptmann befSrceit wurder der Oberleutnant der Reierve Fischer d 2. Kurhess. Feldart.-Reg. Nr. 47 (II Kassel).

2 Major Klaner ist zum 15. Dezember ds Js. von seiner Stellung als Bezirksoffizier beim hiesigen Kömgl. 'Meldeamt entbunden worden.

£ Im kalhol. kanfmänmfchen Verein fprach gestern abeno Herr Äml-gerich - rat Pa de über das jatiftudje

arme Opfer fremder Sünde und bangt und sorgt sich um der Verwandten Schicksal und Wohlergehen. Ta sorgt es sich um fremde Schuld und fremde Torheit, hier um eine Ehe, die leichtsinnig geschlossen, leicht­sinnig gelöst werden soll, da um Pekuniäre Schwierig­keiten oder um törichten Jugendübermut, am meisten aber um den geliebtesten älteren Bruder, der als ver­lorener Sohn in die Fremde wandern mußte, weil der untadelige aber unbarmherzige Vater ein kleines Abirren vom vorgezeichneten Wege nicht verstehen, nicht verzeihen konnte. So viel Bitten und Tränen es meine arme Leidensschwester auch gekostet hatte, den harten alten Mann hatten sie nicht zur Nachgie­bigkeit bewogen; er hatte das Kind, auf das er am stolzesten gewesen, ausgestrichen aus seinem Herzen, weil es ihn am meisten enttäuscht hatte, weil et nicht begreifen konnte, daß eine Begabung, eine Neigung stärker fein konnte als Herkommen und Pflichtgefühl erlaubten.

Brief um Brief hatte vergeblich an des Unerbitt­lichen Herz geklopft und war fremd und kalt von fei­ner Tür gewiesen worden, nicht einmal die Geschwi­ster durften dem Fernen schreiben, durften wissen, tote es ihm ging. Unsäglich hatte der Kranken Gemüt un­ter dem Zwiespalt gelitten, ohne ihre tiefe Frömmig­keit hätte sich vielleicht das eigene Herz in Bitterkeit von dem Vater gewendet. So litt das arme Geschöpf doppelt, weil es nicht tadeln, nicht anklagen durfte.

In den ersten Monaten dieses Jahres hatte sie wieder eine schwere Infektionskrankheit zu bestehen und sie ließ mich kommen, weil sie glaubte, ihre Tage seien gezählt Der Arzt freilich versicherte mir gleich, daß dies eine Täuschung sei. verursacht durch die große Schwäche. So zart ihr Lebensfaden scheine, so zäh halte er aus, trotz allem.

Sie aber fühlte sich schon losgelöst von allem Ir­dischen und bat mich, gleichsam schon aus einer an­deren Welt, dem geliebten Bruder in ihrem Namen einen Gruß zu senden. Eine Adresse wußte sie nicht anzugeben: sie erinnerte sich nur des Namens der Stadt, aus der sein letzter, wie alle anderen, zurück- gewiesener Brief gekommen. So an der Schwelle des Todes hatte das ungerechte Verbot des Vaters ihrem Empfinden nach keine Gültigkeit für sie.

Des Arztes Ausspruch bewahrheitete sich; sie starb nicht, schien sich im Gegenteil etwas zu erholen. Aber es kam auch keine Antwort auf den Bries, an den sie

Thema: „Die neueren gesetzgeberischen Bestrebungen auf dem Gebiete des gewerblichen Dienstveriraies". Nach einem histor'schen Hebei bild über die Entwicke­lung des Arbeitsverirages im allgemeinen gab der Redner in ausführlicher Weise eine grundlegende Erläuterung der Begriffe Arbeit, Arbellsstand und Arbeitsvertrag in neuester Zeit, um bann die einzelnen Arbeitsverträge des Gewerbe-, Handels- und Gesinde­rechts in ihren oft recht merkwürdigen Wirkungen darzusiellen. Die ganze Materie ließ erkennen, rote schwierig es oft ist, die einzelnen Vertragsformen tm Sinne der Gesetze richtig zu behandeln. Um dieser Rechtsunsicherheit zu begegnen, sind Be­strebungen im Gange, ein einheitliches Recht für oeu neuen Mittelstand der Angestellten zu schaffen. Ausführlicher behandelte Redner den Arbeitsvertrag des Handlungsgehilfen noch den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches. Dabei ging er auf die Frage der Konturrenzklausel, die schon seit Jahren in den in Betracht kommenden Steifen viel von sich reden macht, nähet ein und gab auch die Aenße- rungen des hiesigen Kammannsgerichts an den Han­delsminister zu dieser Frage bekannt. Nach Zeilungs- meldnnaen sei diese vielumftrittene Frage jetzt soweit zur Reise gebracht worden, daß demnächst eine Vor­lage an den Bundesrat zu erwarten sei. lieber den Inhalt dieier Vorlage fei noch nichts bekannt ge­worden. Zum Schluffe wies der Herr Am sgerichts- rat, als Vorsitzender des hiesigen Kaufmannscerichles, auf die segensreiche Wirksamkeit dieses Gerichtes hin. Die wenigen Fälle, die aUermeiftenS auf gütlichem Wege Erledigung f inden, ließen erkennen, daß hier in Fulda das Verhältnis zwischen Prinzipalen und Angestellten ein vorzügliches sei, wie es ja auch im K. K. V -Fulda, der nicht nur Angestellte, sondern auch Prinzipale zu seinen Mitgliedern zähle, zum Ausdruck komme. Mit dem Wunsche, daß das in Fulda immer so bleiben möge, schloß Redner unter dem lebhaften Bei­fall der Anwesenden feine belehrenden Ausführungen. Der Vorsitzende dankte dem Herrn Amtsgerichtsrat noch besonders für feine Mühewallung und ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihm auch als dem Vorsitzenden des Kaufmannsgerichtes für fein fegens- reiches Wirten im Interesse des hiesigen Kaufmanns« standes besonderen Dank abzustatte^. — Der nächste Vortrag findet Dienstag, den 2. Dezember als Vor­bereitung auf das Titularfest am 7. Dezember statt.

<? Der Rhönklub-Zweigverein Fulda veranftallete gestern im Bürgervereinshause eimn Familienabend, in dessen V rlauf eine besondere Ehrung zweier um die Rbönklubsache verdienter Männer erfolgte. Auf der letz'en R lönklubtaaung in Bischofsheim sind be­kanntlich die Herren Rentner Louis Uth und Bau­meister Wegener in Anbetracht ihrer 36jährigen Tätigkeit im Hauptausschuß zu Ehren-Mitglledern ernannt worden. Gestern erfolgte nun die lieber« reichung der Ehrenurkund en. Im Auftrage des Hauptaustchuffes nahm Her Dr. G. Schneider die Uebcrreichung vor. In herzlichen Worten rühmte er dabei die langjährige unverdrossene 'JJiühe der Ge­ehrten um die Rhönklubsache. Zunächst dankte dann Herr Uth, der einen interessanten Rückblick auf das Entstehen und den Werdegang des Rhönklubs warf. Nicht minder bewegt als der Vorredner gedachte daraus Herr Wegener der anderen hervorragenden Mitarbeiter am Rhönklubwerke, des verstorbenen Geh. Sanitätsrats Dr. Schneider und des Herrn Rentner Jacobson. Großer Beifall folgte diesen Reden. Dann führte ein hochinteressanter Vortrag des Herrn Dr. G. Schneider die zahlre cken An­wesenden im Geiste in die Rhön. Ausgezeichnete Lichtbilder, nach Liebhaber-Aufnahmen hergestellt, machten den Vortrag besonders interessant. Die herr­lichsten Putzkte unseres fchönen Gebirges waren zu sehen. Die kahlen Bergeshöhen in der östlichen Rhön, die lieblichen Täler aus dem westlichen Teile, Dann Winterlandschaften, Rhönwälder, Berge mit Burgen und Ruinen, Seen und Bäche. Der Vortrag samt den Lichtbildern, der auch den Freunden unseres Gebirges manches Neue bot, rief dankbaren Beifall hervor. Während den Pausen brachte Frl. Hebe st reit liebliche Vorträge zu Gehör. Sie mußte sich wiederholt zu Beigaben verstehen. Der neue Vorsitzende des Hauptausschusses, Herr Rechtsanwalt Dr. ißt eiff er, machte zur Freude der Mitglieder des Ziveigvereins Fulda die>em eine Tisch­lahne zum Geschenk. Sie soll den Klub bei allen festlichen Anlässen begleiten. Heir Lehrer a. D. Sell, der 2 Vorsitzende des Fuldaer Zweigviieins, verlas schließlich einige von auswärts einaetroffene Tele-

sich in sehnsüchtiger Liebe geklammert hatte. Der Adressat mochte schwer aufzufinden fein. Wer konnte sagen, wohin sein Lebensschifflein getrieben, ob es ge­kentert oder irgendwo in einem friedlichen Hasen ge­landet war?

Lange warme Sommerszeit und gottgeschenkte sonnige Herbsttage hatten dies traurige Krankenlager kaum aufzuhellen vermocht; ich hatte meinen armen Schützling längere Zeit nicht gesehen, weil über mich selbst so unsagbar Schweres gekommen, daß ich auch wohlmeinenden Trost als Berührung einer schmerz­haften Wunde noch picht ertragen zu können ver­meinte. Und da trieb es mich plötzlich wieder zu dem stillen Klosterstübchen, dessen herabgelassene Blenden nur einen schwachen Lichtschein einlassen dursten, gleichsam als hätte ich Unwiderbringliches versäumt.

Ich kam noch nicht zu spät. Noch einen warmen Druck der abgezehrten Knoche.rhand durfte ich emp­fangen, noch ein mattes Tankeslächeln auf dem trau­rig veränderten Angesicht sehen. Diesmal gab der Arzt keine Hoffnung mehr; ein anhaltendes Fieber hatte ihre Kräfte aufgezehrt. Der Tod hatte den sei­nen Zügen schon seinen Stempel aufgedrückt; aber immer zauderte er noch, seine Beute an sich zu reißen. Noch immer kein Ende der Qual.

Ich hatte ihr noch einmal Blumen zu bringen ge­dacht, Blumen, die sie so sehr liebte, obwohl sie sie nur mehr am Geruch zu erkennen oder durch ein lieber» streichen ihrer Hand die Form zu unterscheiden ver­mochte. Prächtige Chrvsanthemen hatte ich verwor­fen und letzte duftende Rosen gewählt, die ihren zar­ten Schimmer über das Elend dieser Scheidetage brei­ten sollten.

Niemand vertrat mir den Weg, als ich meine Schritte, wie gewohnt, nach dem Orte so langen Lei­dens lenkte. Aber mein Fuß stockte, als ich in das Vorzimmer trat . . . Heute waren die Blenden voll heraufgezogen, und eine klare, kalte Sonne goß ihren leuchten Schein in den stillen Raum, von dem die Majestät des Todes bereits Besitz genommen, auf das friedliche Antlitz der bleichen Schläferin, in deren Le­ben so wenig Licht gefallen war. — Die milde Hand des Allirösters hatte die scharfen Linien von den Zü­gen verwischt, die Leid und Krankheit allzufrüh dar­auf eingegraben; wie eine blasse Blume schlummerte sie unter Blumen . . . Und noch eines Anderen Ant­litz war verändert, das des harten alten Mannes, un­ter dessen enaberziger Strenge die ganze Familie ge»

gramme, welche den Jubilaren Glückwünsche bar« »rächten. Alles in allem kann der gestrige Abend als em Ehrentag in der Geschichte des Zweigvereins Fulda gellen.

V RechuerkursuS der Raiffeifen-Organifation für b?n Regierungsbezirk Kassel. Aro 'Montag vormittag sand im großen Saale des Evangelischen Veremshauses in Kassel die Eröffnung des 19. Rechnertursus des Hessischen Verbandes statt, wozu sich 110 Surft ft en aus allen Teilen Hessens und ans Den verschiedensten Berufen cingefunöen haben.

A Heber die Raumverhiiltnisse in unserem Post­amte bieten die amtlichen Erläuterungen zu oem neuen Reichspostetat, der die erste Forderung von 75000 'Mark für Um- und Neubau enthält, einige Angaben, die wir den gestern bereits milgeteilten noch Nachträgen wollen. Es heißt da, daß die Schalter- balle für den Brief-, Zeitungs- und Geldverkehr mit 5 Schaltern ebensowenig ausreichen, rote Der Paket« schalterraum, in dem durchschnittlich täglich 850, während der Hauptgeschäftsslunden bis 45 Personen (nicht 945, wie gestern versehentlich gemeldet wurde) gleichzeitig verkehren; auch müssen die Schaltern ver­mehrt werden. Das Abtertigungs« und Entkartungs« zimmer ist mit Möbeln überfüllt. Im Briefträger» iaal ist kein ausreichender Raum für die 30 Besteller. Die Paketkammer ist für die Bearbeitung bet eingehenden und abgehenden Pakete und zur Bereit« fieUung der Sendungen für Abholer zu klein. Für die Tel e gramm b efte l ler ift ketn besonderer Raum vorhanden; sie müssen sich während der Wartezeit in dem ohnehin beschränkten Telegraphenapparatssaal aufhalten. Im FernsprechvermittlungSfaal« stehen Die Fern« und Ortschränke so nahe beieinander, daß der Sprechbetrieb erschwert wird. Außerdem fehlt es an Räumen zur Bearbeitung der Massen« lieferungen sowie an ionsiigen Nebenräumen. Da auch die Licht- und Lustverhältnisse in den Dienst­zimmern der Verbesserung bedürfen, muß sür baldige Abhilfe gesorgt werden. Geplant ist ein Um- und Erweiterungsbau, zu dem em im Jahre 1906 ange- kaufles 224 Quadratmeter großes Nachbargrundstück mitbenutzt werden soll. Die Baukosten sind auf 172500 Mark veranschlagt, wovon im ersten Bau- jatjre 75000 'Mart erforderlich sind.

;; Baumwärterkurse. Der Minister für Landwirt­schaft nsw. bat zur Erleichterung der Ausbildung tüchtiger Baumwärter an der Obstbauanstalt zu Oberzwehren bei Kassel einen Staatszuschuß als Bechilfe zu den Ausbildungskosten geeigneter Perso­nen, die später in. öffentlichen Obstbau tätig sein sol­len, bewilligt. Die Höbe des mit den verfügbaren Mitteln zu ermöglichenden Zuschusses für eine Person ist wechselnd je nach den Kosten, die den Teilnehmern für Aufenthalt und Reise erwachsen. Die näheren Bedingungen, unter welchen die Bewilligung einer Beihilfe erfolgen kann, werden von der Obstbauan- ftalt der Landwirtschaftskammer in Oberzwehren auf Wunsch mitgeteilt. Etwaige Gesuche sind unter Bei­fügung eines polizeilichen Führungs- und eines Ge­sundheitsattestes bis spätestens den 1. Fe­bruar nächsten Jahres ebenfalls dorthin zu richten. In Betracht kommen im allgemeinen nur solche Teilnehmer, die von einer Gemeinde ober einem Verein zur Ausbildung entsendet werden, um später der Allgemeinheit dienstbar zu sein. Grundbedingung für die Gewährung einer Beihilfe ist, daß die Stelle, welche den betreffenden Mann zur Ausbildung bringt, in gleich starkem Maße an der Deckung der Ausbildungskosten sich beteiligt.

# Bieh-Soiiberzüge. Anläßlich beS morgen statt« findenden letz en diesjährigen Biehmarktes wirb bie Station Fulba bet Ausgabe von mindestens je 10 Waggons in Der Richtung nach Gießen, Bebra und Frantfurk-IüD je einen Dieh-Sonberiug einlegen.

./. Neue Wagenhalle. Gegenwärtig ist man mit der Errichtung einer neuen Wagenhalle für unser Artillerie-Regiment in der Roonstraße beschäftigt. Die Halle wird 70 Meter lang und 20 Meter breit. Die Erbauung erfolgt ganz in Beton. Zur Herbeischaf- fnng der Materialien vom Bahnhof und ans der Stadt bedient sich die Bauunternehmerin, die Firma Karl Brandt von Düsseldorf, eines großen Last- automobils mit Anhängewageii.

-x- Der beleidigte Oberkellner. Ter »Ober* eines hiesigen Restaurants fühlte sich durch eine abfällige Aeußerung, Die von einem hiesigen Geschäftsmann gegen feine Person im Februar bs. Js. in Dem von ihm bedienten Restaurant gemacht worben sein sollte, sehr beleibigt. Er strengte allo eine Privaik.age

seufzt hatte. Milde lag um den strengen, fest zusam- mngepreßten Mund, in feinen Augen standen Trä­nen, als er wie liebkosend über der dahingegangenen Dulderin Stirn strich. Neben ihm ein hochgewachse­ner Main?, wohl ein naher Verwandter, der ein letz­tes Gebet am Lager der nun Erlösten sprechen wollte. — Hier war kein Platz für mich, die Fremde, die nur der Toten etwas getocfe.t." Ich legte meine Blumen zu Füßen des Lagers nieder und schied leise, wie ich gekommen. Vom Geräusch meines zögernden Schrit­tes angezogen, wandte der Fremde den Kops und ich sah in ein Antlitz, älter als die Gestalt, und durch­furcht, das mir fremd war und doch bekannt. Wäre es möglich? . . .

Meine Ahnung trog nicht. Es war der verlorene Sohn, der, angesehen und in geachteter Stellung, sich an dem schwachen Faden aus dem Krankenzimmer in das Elternhaus zurückgesunden hatte, zu der Schwe­ster, die die letzte Ruhe nicht finden konnte, ehe sie das getan hatte, was ihr sehnlichster Wunsch war, deren Herzschlag ausgehalten hatte, bis Pe die Hände von Vater unb Sohn i.reinandergelegt hatte. Der Ster­benden hatte auch der alte Mann, der sein Leben lang nur den eigenen Willen als Gesetz empfunden, nicht widerstreiten mögen; und als das erste, Schwerste übertounbe.i, hatte er auch Kenntnis bom Lebensgang' des Sohnes genommen. Und er hatte eingesehen, daß er, der Selbstgerechte, der Swlze, der Unbarmherzige, der Fehlende gewesen. Und von dieser Erkenntnis war eine Weichheit über ihn gekommen, die wohl­tuend über alle Glieder der Familie aussloß und manche Härten milderte, manches Unwiderrufbare verhütete.

Heute weiß ich, daß das Opfer dieses Lebens nicht umsonst gebracht war, weiß ich, daß die arme Kranke nicht früher sterben durfte, weil sie noch für die Ihren beten, weil sie dem ungerecht verurteilten Sohn das Vaterherz erschließeii mußte — an das er in verletztem Stolz und Ehrgefühl nie mehr gepochtt ohne dessen Verzeihung er aber niemals Frieden ge funden — weil sie durch die demütige Ergebenheit in Gottes Willen, durch ihr sanftes Dulden und ihr kindliche Frömmigkeit ihrer Familie ein Beispiel ge­geben hat, an dem sie sich cmfrichten, wenn Not uni ^Widerwärtigkeit über sie hereinbricht.

Heute frage ich nicht mehr: Warum?