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Montag 24. November l9lS.
Lokales.
Fulda, 24. November 1913.
üc. ttoe große BolksvereinSveriammlung im katholischen Gesellenhaus.
Dichtgefüllt waren gestern nachmittag der große und kleine Saal deS katholischen Gesellenhauses, als der Geschäftsführer des Volksvereins in Fulda, Rentmeister Schöpf, der Versammlung den Willkomm entbot. Gar mancher mußte sich mit einem Stehplätze be- gnügen. Alle Stände waren vertreten. Zahlreich war vor allem auch die hochwürdige Welt- und Ordens - Geistlichkeit erschienen, voran Prolonotar, Generalvikar Dr. Arenhold. Wir bemerkten noch Prälat Prof. Dr. Frye, Prof. Dr. Thielemann, Land« tagiabg. Amtsgerichtsrat Rhiel, Beigeordneten Karl Arnd u. a. m. Stadtpiarrer Gramm, unter großem Beifall zum Leiter der Versammlung berufen, ging nach herzlichen Begrüßungsworten auf den Zweck der Versammlung ein. Er sprach die Meinung aus, daß zwar von einer Gefährdung des religiösen Geistes in Fulda nicht wohl geredet werden könne. Der glänzende Verlauf der hl. Volksmission habe Zeugnis gegeben von der allgemeinen Begeisterung der Fuldaer Katholiken für ihren Glauben und ihre Kirche. Was fehle, sei hie und da das öffentliche Bekennt- niS zu der katholischen Ueberzeugung. Deshalb begrüße et mit besonderer Freude den angekündigten Vortrag des hochwürdigen Herrn Rektor Heinen, der die Aufgabe der deutschen Katholiken in den sozialen und religiösen Kämpfen der Gegenwart schildern wolle.
Rektor Heinen von der Volksvereins-Zentrale in M.-Gladbach ging von der Tatsache aus, daß sich die deutschen Katholiken zu einer Minverheilspoliiik entschließen müßten, die es auf eine Zusammenarbeit mit anderen Volksgruppen abzulegen habe, um positive Erfolge zu erzielen. Er entwarf dann ein Bild der Veränderungen, die in den sozialen und kulturellen Verhältnissen der kleineren Städte und der Dörfer durch die Abwanderung nach den Großstädten, durch den Verkehr mit den Großstädten, durch die Bekanntschaft mit großstädtischen Erzeugnissen bewirkt worden sind. Bei der starken Abwanderung junger Menschenkinder vom Lande nach der Stadt gilt es vor allem, die Erziehung dieser jungen Leute so zu gestalten, daß sie dem modernen Leben die Stirne zu bieten wissen. Früher war die Erziehung sozusagen eine von Generation zu Generalis überkommene Handfertigkeit. Das moderne Leben und die Erziehung dazu ist immer mehr zu einer Kunst geworden. Gar treffliche Hinweise wußte der Redner zu finden, um diese moderne Erziehungskunst gemeinverständlich zu machen. Unter Betonung der Wichtigkeit gelernter Arbeit in der neuesten Zeit richtete er alsdann die Aufmerksamkeit auf die Frage des Berufes der Kinder. Handwerksmäßige Ausbildung sei geeignet, den Kindern eine schöne, befriedigende Zukunft zu sichern; der gelernte Arbeiter stehe auch in dem Falle, daß er sich zur Fabrikarbeit entschließen müsse, weit besser da, als der ungelernte Arbeiter. Zahlreiche Beispiele aus dem Leben bewiesen diese Behauptung. Rektor Heinen empfahl Fühlungnahme mit der Schule, um die Fähigkeit der Kinder festzustellen. Ein Opfer, das ein Vater sür das Borwärlskommen der Kinder bringe, sei geleistet im Interesse der Stellung des deutschen Katholiken. Weiterhin müßten die Jugendlichen Aufklärung erhalten über die Gefahren der Großstadt, über die Schutzmittel imKampfe mit den Gefahren der Großstadt. Wichtig vor allem ist die Gewöhnung an den Organisationsgedanken, der die jungen Leute zum Eintritt in die katholischen Jugendv-reine bewegen muß. Für den noch häufigen Mangel an dem rechten Organisationsgedanken brachte Rektor Heinen ein interessantes Beispiel aus dem Buchdruckgewerbe vor. Ein junger Drucker aus einer durchweg katholischen Stadt, der um Anstellung in der Volksvereinsdruckerei nachsuchte und auf Grund seines sehr guten Leumundes angenommen wurde, war in dem „Verband", jener Organisation, die in engsten Lebensbe- ztehungen zur Sozialdemokratie steht. < Hört, hört!) Der junge Mann erklärte: „Ja, in dem „Verbände" sind wir nun einmal alle drin." Als ob es {einen christlichen Outen« bergbund gäbe? Warum haben wir nicht die Kratt, zu sagen, wir wollen uns nur einer Organisation anschließen, in der man unseren Glauben in Ruhe läßt, einer Organisation, die nicht fortwährend mit der Sozialdemokratie liebäugelt? (Bravo!) Der Redner wies auch hin auf die i otwendigkeit der Schaffung von Ledigenheimen für Fabrikarbeiter in den großen Städten und bezeichnete die von den evangelischen Gemeinden vielerorts auf diesem Gebiete geschaffenen Einrichtungen als nacheifernswürdig. Er schloß feine hochinteressanten, etwa eineinhalbstündigen Ausführungen mit dem Aufruf, der Jugend neben der religiös-sittlichen Ausbildung eine gediegene staatsbürgerliche Bildung zuteil werden zu lassen und sie fo in jeder Hinsicht zu befähigen zu einem treu katho- uschen Leben.
Stürmischer Beifall lohnte den Redner. Stadt- Pfarrer (Stamm gab dem Danke der Versammlung kernigen Ausdruck, er wies noch besonders auf die Wichtigkeit der Jugendvereine hin und ichloß die zur hohen Befriedigung aller Teilnehmer verlaufene Versammlung mit dem katholischen Gruß. An die Versammlung schloß sich die gulbesuchte Konferenz der Vertrauensmänner für Fulda und Umgegend.
ik- Die kath. Antialkoholbewegung in Fulda.
Eine wahrhaft imposante Versammlung füllte gestern abend den großen Stadtsaal bis auf den letzten Platz. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung war kaum noch Eintritt zu erlangen. Erschienen war auch der Hochwürdigste Herr Bischof, zahlreiche andere Mitglieder des Klerus, namentlich des Franziskaner-Konvents und eine stattliche Schar von Mitbürgern in einflußreichsten Stellungen. Der schwungvolle Vortrag eines entsprechenden Prologs „Der Verderber" durch den Oberprimaner Hofsmann leitete die Veranstaltung ein. Oberbürgermeister Dr. Antoni richtete alsdann herzliche Be- grüßungsworte an die Versammlung. Er habe gern das Wort ergriffen, da er persönlich der Mäßigkeitsbewegung sehr sympathisch gegenüberstehe, aber auch in seiner amtlichen Eigenschaft als Oberhaupt der Stadt an den Bestrebungen gegen den übermäßigen Genuß des Alkohols lebhaftes Interesse nehmen müsse. Spiele doch der Alkohol bei der Verarmung die größte Rolle, sodaß die Ausgaben der städtischen Armenpslege durch einen erfolgreichen Kampf gegen den Alkoholmihbrauch wesentlich erleichtert würden. Im Interesse aller guten Bürger liege es, wenn durch die Dämpfung des Alloholismus die Anforderungen an die städtische Armenkasse herabgemindert würden. Mit freudiger Ueberraschnng habe er deshalb wahrgenommen, eine wie großartige Versammlung hier gegenwärtig sei, um ihrem Interesse an der Bekämpfung des Alloholismus Ausdruck zu geben. Er wünsche dem Kampfe goren den Teufel Atkoholismus aus "ollem Herzen glücklichen E'fflg. (Leoh Bravo!) MA seltener Schönb-it trug nunmehr der Männer- 1 „SE’tfrtbia" den d-rch die Ttanik-
",a. berühmt gewordenen Choral: „Nähe-,
ment Gott, zu dir", vor. Darauf ergriff Tompre- diger p. Remigius 0. F. M. das Wort zu seinem Vortrag über das Thema „Katholiken und Alk 0 h 0 lelend"
Dir redegewandte Ordensmann gab zunächst «inen überaus feffetnben Grundriß der Geschichte des AtkoholiSmus. Leider beginnt diese Geschichte schon im grauesten Altertum, und ebenso zahlreich wie erschüt- ternb sind die Stellen der alten Literatur, in den en der Mißbrauch des Alkohols festgestellt und feine verheerenden Folgen ausgezeichnet worden sind. Dann gab der Redner eine gemeinverständliche Beschreibung vom Wesen und Werden des Alkohols. Besonderes Gewicht legte er auf die Frage: WaS kann der Alkohol und waS kann er nicht? Wenn eS auch nicht ganz korrekt sei, zu sagen, jeder Tropfen Alkohol ist Gift, so wäre eS doch nicht gerade unerwünscht, wenn er recht oft dafür gehalten würde. Für zahlreiche Personen, namentlich für Kinder, ist der Alkohol tatsächlich Gift. Eine lange Reihe von Beispielen, die P. Remigius vor den geistigen Augen der Zuhörer vorüberziehen ließ, lieferte dafür einen schlagenden Beweis. Allerdings läßt sich dem Alkohol nicht bestricken, daß er das Herz zu erheitern imstande ist. Aber wenn er sich zu sonstigen günstigen Einwirkungen empfiehlt, Stärkung, Belebung usw., darf man in ihm doch einen rechten Doktor Eisenbart erblicken, jenen sagenhasten Doktor, der Zahnschmerzen kurierte, indem er Köpfe abschlug. Unter teilweise stürmischer Heiterkeit nahm der Redner dem Alkohol Punkt sür Punkt seine angemaßten Vorzüge - statt den Durst zu stillen, reizt er den Durst, statt die Kraft zu mehren, macht er auf die Dauer schwach und hinfällig, seine Rolle im Stoffwechselprozeß ist nach wissenschaftlichen Ergebnissen von sehr zweifelhaftem Werte. Jedenfalls wird in der Praxis kein Arzt den Alkohol als rationellen Nahrnngsstoff bezeichnen können. Auch die Nährkraft deS Bieres, in dem sich Alkohol und Kohlenhydrate verbinden, wird überschätzt. Alkoholhaltige Getränke sind keine Nahrungsmittel, sondern sehr ge- fährliche Genußmittel. Natürlich sind Genuß- mittel nicht verboten. Aber vielen wird eben das Gennßmcktel Alkohol zum Verdänqnis. Verhängnisvoll ist jeder Alkoholgenuß für Kin der, dann aber auch für alle Erwachsene, die dem Alkohol gegenüber eine Schwäche haben. Ueberzeugende Ausführungen über diese verhängnisvollen Wirkungen des Alkohols rechtfertigten die Behauptung, daß eS ein A l koho lelend gibt. Diel es Elend wendet sich an dieVaterlandrsreunde. An die Spitze seiner Bekämpfung hat sich Kaiser Wilhelm II. gestellt. Seme mannigf all. Aeußernngen über bief es Kapitel lassen keinen Zweifel, daß er weitgehende Mäßigkeit im Genuß des Alkohols sürunerläßlich hält. Der Katholik aber ist ganz besonders zum Streit wieder das Alkohol, elend berufen, denn für ihn ist die Allohosirage nichl nur eine rafsenhygiemsche Frage, sondern eine religiöse Frage. Wenn Gnttempler, Heilsarmee usw. mit natürlichen Mitteln so viel in der Alkoholbekämpkung erreicht haben, fo müssen wir Katholiken mit unseren übernatürlichen Hilfsmitteln noch weck größere Erfolge erzielen. Gleichwohl stehen wir Katholiken noch am Anfang dieser Tätigkeit. Immerhin wird aber schon Bedeutendes geleistet: Empfehlung der Anlialkoholbewegung durch den hl. Vater und die Hochwürdigsten Bischöfe, der Mäßig- kettsbund (in der Diözese Fulda über 400 Milglieder, der Schutzengelbund (Diözese Fulda über 4000 Mck- glieder), das Kreuzbündnis, Verem abstinenter Katholiken, (in Fulda 170 Mitglieder). Die einzelnen Organisationen in der Diözese Fulda haben sich jüngst zu einer Aktionsgemeinschaft unter der geistlichen Führung des hochw. Pfarrers Guiberle i-Kämmerzell vereinigt. Die heutige Versammlung ist die erste Leistung der neuen Gemeinschaft. ES sollte jede kath. Familie wenigstens eines ihrer Mitglieder in einen der Antialkohol-Vereine schicken. Im besonderen aber gehören alle Kinder in den Schutzengelbund. Zum Schluffe entwickelte der Redner die Ausgabe, die im besonderen das Kreuzbündnis ersülle, daS, ohne irgend eine Spitze gegen das anständige Alkoholgewerbe zu haben, die Abstinenz vorschreibe, um so auf die einzig mögliche Weise die Trinker zu retten.
Wiederholt einsetzender stürmischer Beifall lohnte den Redner, der über eine Stunde die Aufmerksamkeit der großen Versammlung gefesselt halte. Jetzt bestieg der Hochw. Herr Bischof die Rednerbühne.
Er gab seiner -großen Freude und Befriedigung Ausdruck über die glänzende Versammlung, über den Anklang, den vie Antialkoholbewegung in Fulda gefunden habe. Die Rede des P. Remigius war getragen von echt christlicher Nächstenliebe. Ein echt apostolisches Werk ist namentlich auch die Abstinenz. In der hl. Mission fei so manches Gute geschehen, an der auch das Kreuzbündnis und die Mäßigkeitsbewegung einen großen Anteil hatten. Deshalb möchte er dem Kreuzbündnis und dem Mäßigkecksverein ein recht kräftiges Glückauf entgegen rufen. Mit großer Freude begrüße er auch das Zusammenwirken des Abstinentenbundes und des Mäßig« keitsbundes. Alle brauchten sicherlich nicht Abstinenten zu werden. Aber es sei recht gut, daß es einige, daß es recht viele würden. Für diejenigen, die dem Laster der Trunksucht schon antjeimgefaUen seien, ist Abstinenz bas einzige Mittel, gerettet zu werden. Ferner sollen des Beispiels halber jene zu Abstinenten werden, die in der Familie einen Alkoholiler haben. Schließlich möchten es die tun, die von besonderer Nächstenliebe erfüllt sind. Möge die Anlialkoholbewegung in Fulda weiterhin gedeihen unter dem ständigen Schutze des hl. Johannes, (in diesem Sinne erklärte sich der Hochwürdigste Herr bereit, ver Versammlung den bischöflichen Segen zu spenden.
Knieend empfing die Versammlung den oberhirt« lichen Segen. Mit großem allgemeinem Beifall wurden auch zum Schlüsse die weiteren Darbietungen der Winsridia und die wirkungsvollen Theaterstücke ausgenommen, sodaß die Veranstalter mit dem Verlaus des Abends sehr zufrieden sein können.
(!) Berufung. Sicherem Vernehmen nach wurde Herr Professor Heun, der seit dem Jahre 1904 als Oberlehrer am hiesigen kgl. Gymnasium tätig ist, vom 1. April 1914 ob als kgl. Gymnasialdirektor nach Hadamar (Bezirk Wiesbaden) berufen.
# Personalien. Verliehen wurde dem Gräflich Görtzschen Forstmeister und Generalbevollmächtigten Karl Rieger zu Schlitz im Kreise Lauterbach der Rote Adlerorden vierter Klasse. •
§ Kriegerverein. Tie am Samstag abend ab- gehaltene Hauptversammlung war sehr zahlreich besucht. Der seitherige Vorsitzende des Kriegervereins, Rechtsanwalt und Notar Dr. Pfeiffer, der das mühevolle Amt 18 Jahre lang führte, kann infolge Ueberbürdung den Vorsitz nicht länger behalten. Er schlug vor, an ferne Stelle den seitherigen 2. Vorsitzenden, Bankier Konrad Knips, Oberleutnant der Reserve, zu wählen. Schweren Herzens mußte die Versammlung die Gründe für die Amtsniederlegung Dr. Pfeiffers anerkennen. .Sie wählte den seitherigen 2. Vorsitzenden zum 1. Vorsitzenden. Das Amt eines 2. Vorsitzenden wurde dem Lehrer Gustav Schmidt, Leutnant der Reserve, übertragen. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Neu wählte man die Kameraden Haubrich und Wittig in den < orstand. Ten Kameraden Jost ernannte man zum Fahnenträger. Dem neuen Fahnenträger überreichte der seitherige 1. Vorsitzende ein von ihm gestiftetes prächtiges Fahnenträger-Brustschild.
** TaS VolSvereins-Sekretariat ist dis einschließlich Freitag den 28. November wegen der in dieser Zeck auswärts stattfindenden Konferenzen und Versammlungen geschlossen. In eiligen Angelegenheiten ist der Sekretär am Montag in Großenlüder, am Dienstag in Schmalnau, am Mittwoch in Hünfeld und am Donnerstag in Geisa vor und nach den Versammlungen zu sprechen.
-4- Tie Schularbeiten unserer Volksschüler. Es wird uns geschrieben: Schularbeiten sind nötig für jeden Jahrgana, wenn der einzelne das Klassenziel
erreichen soll. Jedoch viele unserer Kinder finden zu Hause, namentlich jetzt zur Winterszeit mit ihren kurzen Tagen, nicht die Gelegenheit, ihre Schulaufgaben in Ruhe mit der nötigen Sorgfalt anzufertigen. Die zahlreiche Familie ist bei dem knappen Verdienst gezwungen, sich in der Küche aufzuhalten, da sie meistens der einzige geheizte Raum ist. Hier muß die Mutter ihre Hausarbeit verrichten, da beanspruchen die jüngeren Geschwister ein Plätzchen für ihr Spiel, und nun kommt noch das Schulkind und will schreiben und lernen. Oft müssen auch Vater und Mutter tagtäglich fort, sie müssen verdienen. Dann sind die Kinder sich selbst überlasten. Wäre es nun nicht zu begrüßen, wenn alle solche Kinder nach Schulschluß von 4—5 oder 5y2 Uhr in einem behaglich durchwärmten und hellerleuchteten Klassenzimmer ihre Schularbeiten unter Leitung und Aufsicht von Lehrern u. Lehrerinnen anfertigen könnten, wenn sie sich nach Belieben still beschäftigen dürften mit Lektüre, mit kleinen Arbeiten oder Gesellschaftsspielen? Alles in Ruhe, aber ohne Zwang' Eine solche Veranstaltung ist zweifelhaft von großem Nutzen. Helfen wir auch nach dieser Seite hin den kinderreichen Familien mit ihren beschränkten Woh- nunasverhältnisten!
JC Sanitätsübungen aus den Bahnhofen. Minister von Breitenback- bat genehmigt, daß die Sanitätskolonnen der Kreiskriegerverbände, des Roten Kreuzes, der Freiwilligen Krankenpfleger usw. in Ei f «nba hn- wagen und auf Bahnhöfen ihre Hebungen abhalten und auch, daß die betr. Wagen rangiert werden dürfen, um die Hebungen der Wirklichkeit naher zu bringen. Für Ueberlaffung der Wagen und für die erforderlichen Rangierbewegungen sind Gebühren nicht zu berechnen. Selbstredend müssen die Vorstände der Sanitätskolonnen rechtzeitig die Genehmigung der zuständigen Eisenbahndirektion ein« holen.
* Die Maul- und Klauenseuche droht wieder. Da zurzeit die Maul- und Klauenseuche stark in der Provinz Schlesien wütet, wohin sie von Rußland eingeschleppt wurde und nur durch soforligeAbschlachtung großer Bestände zurückgedrängt werden kann, auch auS Oesterreich.Ungarn, der Schweiz und Frankreich über starkes Auftreten der Seuche berichtet wird, machen die Landwirtschaftskammern für die Regierungsbezirke Kafiel und Wiesbaden im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums auf die Gefahren einer neuen Einschleppung dieser Seuche aufmerksam und ermahnen die Landwirte, schon bei dem geringsten verdächtigen Anzeichen des Auftretens der Seuche tierärztlichen Rat tu Hilfe zu ziehen und unbedingt sofort bei der Behörde Anzeige zu erstatten.
Tas Hiesige Garaisonlazarett ist nunmehr end- gültig aus dem Privatbesitz des Herrn Baumeisters Wegener in das Eigentum des Militär fftkus übet« gegangen. Der Kaufpreis beträgt etwa 240000 Mk.
(!) Eine Fuldaer Münze wird auf einer auf Mon« tag, den 8. Dezember 1913 unter Leitung der Experten Otto Helbing Nachf. in München stattfindenden Auktion ausgeboten werden. Es handelt sich um einen Brakteat, geschlagen von Abt Heinrich III. von Cronberg, 1192—1216. Die Münze zeigt den Abt zwischen Bauwerk. Sie ist gut erhalten. ,
cP Ein durchgehendes Pferd hat gestern abend auf der Frankfurter Straße großes Unheil angericktet. Das Pferd eines Fuhrwerkes von Johannesberg, das aus b't Stadt kam, scheute und tafle davon. Die aus dem Wagen befindlichen Personen wurden herausgeschleudert. Dabei brach eine Frau den Arm; sie wurde sofort nach dem Landltankenhause gebracht. Das Pietd stieß sich die Deichsel in den Körper und verendete alsbald. — Am Samstag nachm. gegen 5 Uhr gingen die vor einem besetzten Krimper« wagen gescannten Pferde bei der Kaserne durch uid rasten im wilden Trabe die Leip igerstraße entlang. Das Gefährt kam erst zum Stehen, als beide Tiere zu Boden gestürzt waren.
• (!) Rote Söldlinge suchen soeben unsere Dörfer heim, um den „Landboum", den sozialdemokratischen Hetz«Kalender zu verteilen. Wir erhalten Zuschriften, wonach die „Genossen" gestern während der Kirchen« zeit vielfach am Werke waren, ihr Papier durch Türritze und Fensterspalten in die Wohnungen einzuschmuggeln. Ww gründlich sie dabei zu Werke gehen, beweist die uns aus einem nahen Dorfe mitgeteilte Tatsache, daß dort auch die Tütspalte einer „Bedürfnisanstalt" zum Einfallslor für tote „Weisheit" benutzt worden war. „Das kommt rote gerufen", sagt der Bauersmann, als et das Papier erblickte. Er hatte recht und durste andern für die Verwendung des „Landdoten" einen treffenden Wink gegeben haben.
-y- Feuer. In dem Arbeitsraum des Friseurs Happel in der Marktstraße brach Samstag vormittag ei» Balkenbrand aus. Tas Feuer wurde erst bemerkt, als bereits in dem darüber liegenden Zimmer aus dem Boden kleine Flämmchen emporzüngelten. Dem energischen Eingreifen der Hausbewohner gelang es, dem verheerenden Element Einhalt zu tun. Der Schaden beträgt immerhin über 100 Mark.
cP FußbaUsport Der bisher führende Verein des hessischen Kreises, Kasseler Fußballverein, erlitt gestern eine Niederlage mit 0:2 gegen Eintracht - Kassel. V. f. B. Gießen gewinnt gegen Sport-Kassel mit 1:0. — Das Länder-Wettspiel Deutschland - Belgien gewann in Antwerpen Belgien mit 6:2.
./• Hundeschau Wie aus dem heutigen Inseratenteil ersichtlich, geben sich nächsten Sonntag, den 30. Nov., die Kynologen aus der ganzen Umgegend im stöbt. Irrgarten ein Stelldichein, um ihre Hunde zur ^Begutachtung vorzuführen. Die Vorarbeiten für die vom „Verein der Hunde,teunde Fulda und Umgegend (E. B.)" vetan- italtet« Vorführung und Bewertung von Hunden aller Rassen sind nahezu beendet. Jedermann kann ausstellen und versäume fein Hundebesitzer die Gelegenheit, seinen Hund von einem zuftändigen Richter beurteilen zu lassen Die Hunde werden nach Rassen und Geschlecht getrennt gerichtet unö sind an kurzer Führerleine oder Kette an Den jugeteilten Plätzen zu halten. Das Richten erfolgt nach der Beguiachiungsform: „Vorzüglich", „Sehr gut", „Gut", „Genügend". Der Besitzer eines jeden mit der Note „VorzugUch" bis „Gut" prämiierten Hundes erhält kostenlos eine künstlerisch ausgeführte Urkunde sofort ausgehändigt. Standgeld wird nicht erhoben. Die Begutachtung beginnt pünlilich 2 Uhr. Es muß die Anmeldung der Hunde am Platze bis dahin bewirkt fern. Jeder Tierfreund unterstützte die Bestrebungen des Vereins zur Hebung einer reinrassigen Hundezucht durch feinen Besuch. Der Vorsitzende des Kynologischen Vereins, Herr Dentist August Walter, ist zu jeder Auskunft gerne bereit.
Au§ dem Nachbarqebiere.
* Hanau, 23. Nov. 1913. Einer schweren Urkundenfälschung usw. hat sich der jugendliche Hausbursche C. einer hiesigen Bijoutetiefabrik schuldig gemacht. Er fand in den Räumen der Postanstalt eine auf den Namen einer hiesigen Firma, von dem Geschästsburschen derselben fallen gelassene Postanweisung, die über 450 Mark lautete, fälschte
Amt Geisa und Umgebung.
* Ostheim, 23. Nov. 1913. Bei der Gemeinderatswahl errangen die bürgerlichen Parteien dank der alle Anerkennung verdienenden Einmütigkeit einen vollständigen Sieg.
* Frauensee, 23. Nov. 1913. Ein recht eigen- artiger Kitmesspaß wurde im benachbarten Springen fertiggebracht. Hat da eine biedere Ehefrau den Festtagsbraten, eine stattliche Gans, schön knusperig im Backofen gebraten und stellt sie zur Kühlung in einen Schrank im Hausflur. Ein gerade Vorbeigehenbet sieht bies (es wat des Abends) und benachrichtigt seine Helfershelfer. Während der eine die tüchtig im Hause schaffende Hausfrau nach dem und jenem fragt, heißt sein Kumpan die angenehm duftende Gans unterdessen mitgehen. In der nächsten Wirtschaft macht sich die lustige Gesellschaft an das „gefundene Essen" und bei Scherzen und Lachen wie kräftigem Pokulieren verschwindet die Gans. Aber. 0 Schreck, als der holde Ehegemahl bet Hausfrau heimkehrt unb in etwas sehr deutlicher Sprache vom Gänseschmaus erzählt, da ist der Schaden entdeckt. Der Hausherr hatte selbst g e- Holsen, seine eigene Gans als willkommenen Fund zu verzehren!
die Empfangsbescheinigung und hob den Betrag ab, den er für verschiedene Zwecke ausgab.
t Frankfurt a. M., 22. Nov. 1913. Heute mittag fand in dem zukünftigen Universitätsviertel die Grund st einlegung für das erste Uni- versitätsinstitut statt. An der bedeutungsvollen Feierstunde nahmen u. a. teil Prinz Friedrich Karl von Hessen als Vertreter der Kaiserin, General von Schenck, Regierungspräsident Dr. von Meister. Nach Ansprachen des ersten Direktors der Sencken- bergischen Gesellschaft, Geheimrats Dr. A. v. Wei n- berg und des Akademierektors Prof. Dr. Wachs- muth, die beide auf die Wichtigkeit des Unternehmens hinwiesen, fand die eigentliche Grundstein^ legung durch die Einmauerung einer Urkunde statt. Tie ersten Hammerschläge tat im Namen der Kaiserin Prinz Friedrich Karl von Hessen mit dem Göthe- wort: „Beharre, wo du stehst." Hieran reihten sich die Hammerschläge der übrigen Gäste. Mit dem „Gaudeamus igitur" fand die Feier ihren Abschluß.
vermischtes.
* Leichtsinnige Kreditgewährung- Die Spar- und Darlehnskasse des oberrheinischen Ortes W e r =» l a u befindet sich in schwieriger Sage. Erst kürzlich war bekannt geworden, daß ohne Kenntnis des Aufsichtsrates und der Generalversammlung dem Hutlederfabrikanten Ehr. Scherer nach und nach Kredite in Höhe von etwa 100 000 Mark gewährt worden sind. Schließlich mußte die Genossenschaft Werlau den Fabrikbetrieb selbst übernehmen. Die Genossenschaftler wollen gegen die Vorstandsmitglieder Re- greßklage erheben. • „
* Abnahmefahrt des ,L. 6". Das Luftschiff „8» 6" stieg mit den Mitgliedern der militärischen Abnahmekommission an Bord unter Führung von Direktor Dürr am Samstag vormittag 8 Uhr in Friedrichshafen zur Fahrt nach Gotha auf. Eine Stunde später überflog das Luftschiff Bieberach. Um 1 Uhr 15 Minuten landete „L. 6" im Luftschiffhasen zu Gotha, wo es fortan stationiert werden soll. _ Trotz ungünstiger und unruhiger Witterungsverhältnisse vollzog sich die Abnahrnefahtt zur vollen Zufriedenheit.
* Gegen den Kinobesuch Jugendlicher. Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Frhr. v. Rheinbaben, hat verordnet, daß vorn 1. Januar 1914 ab Personen unter 16 Jahren die öffentlichen Vorführungen der Kinematographentheater nach 8 Uhr abends auch in Begleitung Erwachsener nicht mehr besuchen dürfen. Auch nachmittags dürfen Kinder bis zu 16 Jahren nur solche Vorstellungen besuchen, die als „Familienvorstellungen" mit entsprechendem Programm von der Ortspolizeibehörde hierfür freigegeben sind.
* Ein Mitglied des Kaiserhauses zur Wertzu- wachssteuer verurteilt. Prinz Friedrich Leopold hatte ein zu seinem Fideikommiß Düppel Drei Linden gehöriges Gelände verkauft, und war zu einer Wert- zuwachssteuer von 140205 Mark veranlagt worden. Auf einen hiergegen erhobenen Einspruch hat der Potsdamer Bezirksausschuß zwar die Steuer auf 110 868 Mark ermäßigt, aber dahin erkannt, daß der Prinz grundsätzlich zur Zahlung der Steuer verpflichtet ist; von der Zuwachssteuer befreit sei nur der Landesherr oder dessen Gemahlin.
* Buchstäblich tot gelacht Hat sich in W 0 Isenbüttel, wie die „Brannschw. Landesztg." meldet, die Frau des Kesselschmieds Schacht. Auf der Karrenführerstraße glitt eine stark beleihte Frau, die neu, gierig einer anderen Frau nachaesehen hatte, , am Bordstein ob und kugelte in den Straßenkot. Dieser Vorgang reizte die Frau Schacht, die zu den Zeugen des Vorfalles zählte, derart zum Lachen, daß sie sich kaum beruhigen konnte. Als Frau Sch. schon ihre Wohnung betreten hatte, mußte sie noch immer lachen, und plötzlich fiel sie um und war tot. Ein Gehirn- oder Herzschlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht.
* Ausstellung für Gesundheitspflege Stuttgart 1914. In der an Naturschönheiten überaus reichen Haupt- und Residenzstadt Württembergs, Stuttgarts findet im nächsten Jahre von Mai bis Oktober eine Ausstellung für Gesundheitspflege statt. Die Ausstellung ist ein gemeinnütziges Unternehmen der Stadt Stuttgart unb sie wird in streng wissenschaftlicher Weise durchgeführt. Das Ausstellungsaelände liegt im Herzen der Stadt. Die Ausstellung hat den Vorzug für sich, daß die Hauptsache der Ausstellung, die Schau der wissenschaftlichen Gesundheitspflege vollkommen im Vordergründe steht und nicht durch die verschiedenartigsten Industrien erdrückt werden kann, wie das bei beit meisten Ausstellungen leider immer
Aus Gberheffen u- den heff. Aemiern'
;; Marburg, 23. Nov. 1913. Arn Feste der hl. Elisabeth veranstaltete der hiesige kath. Gesellenverem unter zahlreicher Beteiligung der ganzen Gemeinde eine Kolpingsfeier. Herr Lehrer Müller-Marburg hielt eine lehrreiche unb formvollenbete Rede über ,Folping und sein Werk". Unter passenden Deklamationen, Liedern und Gesangstücken, vorgetragen teils von Schulkindern teils von Mitgliedern des Gesellenvereins, verlief auch der übrige Teil der Feier in würdiger und anregender Weise. Möge das Andenken an den edlen Gesellenvater bei unseren kathol. Mitbürgern wieder neue Begeisterung wecken für den Gesellenverein und die anderen katholischsozialen Vereine.