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2. Blatt.

Druck »er Sulbeer liditnbnicerti in 5»!»«.

<*t* Fuldaer Zeitung»

JV2 270.

Samstag 22. November M3.

-t. Weltliche Jugendpflege.

Wir hatten kürzlich Veranlassung genommen, auf oas „Jahrbuch für Volks- und Jugend­spiele" hinzuweisen, dessen Inhalt zum Teil wenig­stens ein sehr bedauerliches Dokument für den Geist darstellt, der sich der weltlichen Jugendpflege bemäch­tigen will. --- Wir haben jetzt eine dreijährige welt­liche „Jugendpslege". Wenn man chre Entwicklung und ihre Tendenz betrachtet, so kommt man immer mehr zur Ueberzeugung, daß diese ganze moderne ’ Jugendpflege nichts anderes ist, als ein neuer ge­waltiger Ansturm des Liberalismus gegen die katho­lische Kirche.

Unter den interkonfessionellen Jugendvereinigun­gen nimmt der unter Leitung des Generalfeldmar­schalls von der Goltz stehende, besonders gegen die sozialdemokratische Jugendbewegung gegründete Jung­deutschlandbund eine hervorragende Stellung ein. Er soll, wie sein Vorsitzender kürzlich darlegte, „ein M i t- Helfer der in Preußen ins Leben gerufenen st a a t l i ch geförderten Jugend Pflege sein, um mit an der Erstarkung der Heranwachsenden Jugend zu arbeiten." Es haben sich besonders in Städten vielfach auch katholische junge Leute dem Bund angeschlossen, für den mit Nachdruck von allen „natio­nalen" Kreisen gearbeitet wurde, so daß auch man­cher Katholik in führender Stellung wohl oder übel dabei mitmachen mußte. Ja man stellte vielfach sogar an uns das Ansinnen, unsere kathol. Jugend- Organisationen, die wir in jahrzehntelanger mühe- und aufopferungsvoller, mustergiltiger Arbeit uns ge-' schaffen hatten, zugunsten der neuen Preiszugeben. Selbstverständlich wurde diese Zumutung glatt abge­lehnt. Die weitere Entwicklung hat gezeigt, daß die Befürchtungen, die man auf katholischer Seite gegen diese Neugründung hatte, sehr begründet waren. So wurde u. a. bei den Veranstaltungen des Bundes auf die kathol. Mitglieder vielfach gar keine Rücksicht ge­nommen und ^ihnen die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten an Sonn- und Feiertagen geradezu un­möglich gemacht. Nachdem Kardinal Kopp auf diese und andere Mißstände im Herrenhaus hingewiesen hatte, suchte die Leitung des Bundes einzulenken und es kam auch zwischen Jungdeutschland und den kon­fessionellen Jugendvereinen das bekannte Ueberein- kommen — auf dem Papier zu Stande, Generalfeld­marschall von der Goltz betonte auch auf der Berliner Tagung, „um mit den Jünglingsvereinen beider Kon­fessionen einträchtig arbeiten zu können, sei unbe­dingt erforderlich, auf die religiösen Pflichten der Jugend beim Ansetzen der Hebungen gebührend Rück­sicht zu nehmen." Ob das aber viel helfen wird, möch­ten wir bezweifeln. Es kann niemand aus seiner Haut heransfahren und diejenigen, die bei dieser weltlichen Jugendpflege und auch bei dem „Jung- .deutschlandbund den Ton angeben, stecken jedenfalls nicht in einer besonders katholikenfreundlichen Saut. Dafür liegt fetzt ein neuer von der „Rhein. Volks­zeitung" (Wiesbaden) mitgeteilter Beweis vor. Der „Junodeutschlandbund" gibt nämlich einen Bücher- .schatz für die deutsche Jugend" heraus, ein Bändchen trägt den schönen Titel „Mit Gott für König und Vaterland". Und in diesem Bändchen werden ge­radezu haarsträubende Dinge über die katholische Kirche erzählt. So heißt es auf Seite 15: „Ist der umgekehrte Weg der richtige, der Kirche und chren berufenen Organen a l l e i n d a s Nachdenken zu ü b e r l a s s e n , im übrigen sich durch gute Werke der allein feligmachenden Kirche würdig zu zeigen? Auch ein Weg, und zwar ein sehrbeauemer, aber ein Weg, der unfrei ,nacht ,u»d nur erst auf schweren Umweoen zum Ziele führt, wobei noch obendrein die Gefahr vorlieat. daß der Weg schon für das Ziel angesehen tvird." Wir waren bisher immer der Meinung — und auch die Pro- teflanten geben das zu — daß der Weg in der katho­lischen Kirche durchaus nicht „beguem" ist, wenigstens nicht beauemer, als in der vrotestantischen Kirche. Wir wenigstens haben noch nie jemand gesehen, der aus „Bequemlichkeit" zum Katholizismus übergetre- ten wäre, wohl aber haben wir häufig das Gegenteil angetrosfen.

Doch es kommt noch viel schlimmer. Zur Be­lehrung der katholischen und evangelischen Mitglie­der des Bundes schreibt der Verfasser folgendes (Seite 37):

„Kein Wunder, wenn unser Reformator in echt deutscher Kraft und Art dem das Evangelium verdunkelnden Katholizismus zugerufen hat: „Das Wort sie sollen lassen stakm!" In der evange« Irschen Kirche ist ja alles allein auf das Wort, das lebendige Wort Gottes gestellt. Welch ein großer Unter­schied tut sich in dieser Beziehung zwischen der katho- Irschen und evangelischen Kirche auf. Dort werden die Sinne gefangen genommen, das Auge wird pefesielt durch allerlei äußeren Prunk, buntgeschmückte Altäre, prunkende Gewänder, Heiligenbilder, brennende Kerzen duftender Weihrauch — ein glänzendes Schauspiel. Und in den evangelischen Kirchen wird das Her, auf die Höbe der Anbetung geführt allein durch die gläubige Vertiefung in die ewige Wahrheit des Wortes Gottes. Und das ist ganz im Geiste Jesu Christi und nach dem Willen Gottes."

Unglaublich und unerhört ist auch folgende Stelle:

„Der Katholik Peter Roiegger fordert zum Studium der Heiligen Schrift mit folgenden Worten auf: „Wo ist der Katholik, der auch nur einmal in seinem Leben die Bergpredigt gelesen hat oder die Reden Jesu beim letzten Mahle? Daher die auffallende Inferiorität der Katholiken im Vergleich mit den Protestanten. Denn bei dem fortwährenden Gebrauche der Heiligen Schrift in den Familien, den öffentlichen und privaten Schulen kennen diese den größten Teil der Geschichten des Alten und Neuen Testaments, den großen Heilsptan Gottes zur Erlölung und die kleinsten Tatsachen dieser durch Jesus Christus bewirkten Erlösung; dagegen die Katholiken wissen von alledem nichts oder beinahe nichts."

Der Verfasser schreibt: „Der Katholik P. Rosegger".

Der Schriftsteller Rosegger ist allerdings katho­lisch getauft und auch nicht offiziell aus der Kirche ausgetreten. Was aber von seinem „Katholizismus" zu halten ist, geht daraus hervor, daß er den Los-von- Rom-Leuten in seinem Sommersitz Krieglach eine Kirche gebaut und alle seine Kinder hat protestantisch werden lassen. Auch aus zahlreichen seiner Schriften spricht seine Katholikenfeindlichkeit. Entweder hat der Schreiber davon keine Ahnung oder er verschweigt es absichtlich; in beiden Fällen aber fehlt ihm jede Befähigung, als Lehrmeister aufzulreten. Kein Ka­tholik soll die Bergpredigt gelesen haben. Man saßt sich unwillkürlich an den Kopf, wenn man solche Tun m^eircu lieft. Jedes katholische Schulkind lernt rm frühesten Alter die Bergpredigt auswendig.

Selbstverständlich darf auch ein Angriff auf die Jesuiten und den politischen „H l t r a m o n t a n i s - m u s" nicht fehlen.

„Wie einst zu Luthers Zeit, haben wir auch heule noch Ursache genug, zu protestieren gegen mancherlei Angriffe und Uebergrifse- und darum auch die

Pflicht, die Augen offen zu halten vor dem Jesuitis- mus, der als Feind des kirchlichen Friedens Zwietracht jät, und vor dem Ultramontanismus, der sich jenseits der Berge die Pfeile für den politischen Kampf schärfen läßt. Aber wir suchen nicht den Kampf, sondern den Frieden. Wir wissen aus der Heiligen Schrift, daß uns als höchstes Gebot gegeben ist das Gebot christlicher Nächstenliebe."

Tas sind Angriffe, wie man sie beim Evan­gelischen Bund wohl gewohnt ist, die man aber von einem interkonfessionellen Jugendverein, dem auch Katholiken angehören und dem vielfach die katho­lischen Jugendvereine als solche angeschlossen sind, doch nicht für möglich halten sollte. Und die Nutz­anwendung aus diesem Fall! Es muß für uns Katholiken selbstverständlich sein, daß wir überall, auch auf dem Land, sofort unsere Jugend in konfessionellen Vereinen sammeln. Tenn was vom Jungdeutschlandbund in konfessioneller Beziehung gilt — trifft mehr oder weniger auf alle interkonfessionellen Jugend- und Sportvereinigungen zu. Die Leute, die darin den Ton angeben, sind nicht unsere Freunde, ja, wie der oben mitgeteilte Herzenserguß beweist, vielfach unsere Feinde. Wenn erst einmal in einer Gemeinde ein solcher „interkonfessioneller" Jugendverein, möge er heißen, wie er wolle, besteht, dann hält es sehr schwer, die Gefahren, die ein solcher Verein, der natür­lich weder unter der Leitung des Pfarrers steht, noch seinem Auffichtsrecht unterworfen ist, der Gemeinde bringen kann, ja muß, ein entscheidendes Gegengewicht entqegenzusetzen. Hier steht für die Zukunft der katho­lischen Sache unendlich viel auf dem Spiel, denn wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Möge man noch so viel über „konfessionelle Absonderung", über „katholische Klimmzüge" und „katholische Bauchwelle" 2C. spotten. Ein gebranntes Kind scheut's Feuer. Die Erfahrung hat in der kurzen Zeit, seitdem die moderne interkonfessionelle „Jugendpflege" an der Arbeit ist, gezeigt, daß uns Katholiken dabei die Stelle des Aschenbrödels zuqedacht ist. Dafür bedanken wir uns. Jugendpflege ist für uns Erziehungsarbeit, ein Teil der Seelsorge und darum muß die Religion Mittel- und Kernpunkt der ganzen Arbeit für die Jugend sein. Deshalb hat die katholische Kirche ein sach­liches, inneres Recht auf die I u g e n d p f l e g e. Die kathol. Kirche bat aber in Deutschland auch ein g e s ch i ch t l i ch e s R e ch t auf die Jugend pflege. Wir brauchen in dieser Beziehung nur an Kol- Ping zu erinnern, der schon vor mehr als 6 Jahr­zehnten im kathol. G e s e l l e n v e r e i n den ersten Jugendverein gegründet hat.

Wer nun hat von da ab diese Vereine immer mehr in moderne Vereine ausaebaut? Wer bat ein Heer von über 200 000 Jünglingen in Jugend­vereinen und 80 000 im Gesellenverein hinter sich? Wer hat wie die katholische Kirche selbst, ihre Priester und ihre Angehörigen, so viele Opfer für die katholischen Jugendvereine bis auf den beutigen Tag gebracht — z u einer Zeit, als für diese „Jugendpflege" noch keine Orden ii n b Titel zu verdienen waren, wie ein höherer Reqie- rnna^beamter auf dem Jubelfeste eines katholischen Gesellenvereins kürzlich sehr richtig bemerfte? Wir brauchen nicht die „helfende", vereini­gend e" und „ergänzende" Tätigkeit des Jung- deutschlandünndes und aitderen ähnlichen Organi­sationen. Wir halten es lieber mit dem alten Grund­satz: „S e l b st i st der Man n."

Wie erziele ich ein gutes Weihnachts­geschäft?

(Nachdruck verboten.)

Diese Frage wird gegenwärtig vielen Geschäfts­leuten Kopfzerbrechen bereiten. Die großen Geschäfte haben längst ihren „Schlachtplan" fertig und gehen zielbewußt der Hauptsaison des ganzen Jahres ent­gegen. Zu Weihnachten wird nachweisbar viel und gern gekauft. Jeder Geschäftsmann, der am allge­meinen Weihnachtssegen seinen Anteil haben will, wird es nicht dabei bewenden lassen, seine Läger zu füllen, um eine möglichst große Ausstellung seinen Kunden zeigen zu können, sondern er muß recht­zeitig darauf bedacht sein, daß seine Waren auch abgesetzt werden. Mit Persönlicher Tüchtigkeit und eisernem Fleiß gelangt man heute allein nicht mehr zu geschäftlichem Wohlstand, dazu ist der Konkurrenz, kamps zu scharf geworden. Durch moderne Hilfs­mittel und zeitgemäße Art der Empfehlung kann man seine persönlichen Kräfte schonen und sich Mit­arbeiter sichern, die die Klein- und Werbearbeit lei­sten und auf zweckmäßige Weise hochstehende ge- werbliche Leistungen ergänzen und den Absatz guter Erzeugnisse fördern. Hierzu muß man sich in erster Linie der modernen Reklame bedienen.

Die Berechtigung einer vornehmen und sachlichen Reklame ist heute von jedem weitblickenden Geschästs- und Privatmann anerkannt. Zugegeben, daß sie eine Erscheinung unserer Zeit ist, die, unrichtig ange­wandt, aufdringlich, ja abstoßend auf uns wirft, so kann damit die Notwendigkeit einer zweckmäßigen und methodischen Reklame an sich nicht bestritten werden. Die beste und am schnellsten zum Ziele füh­rende Reklame geschieht durch das Inserat in einer vielgelesenen Tageszeitung.

Durch die tägliche Lektüre einer Zeitung bilden ich gewisse Beziehungen zwischen dem Leser und dem ständigen Inserenten, die durch andere Reklamemittel niemals erreicht werden können. Zeitungsreklamc läßt sich infolgedessen wohl nachahmen, doch nie. mals übertreffen. Der Zeitungsleser erwar­tet nicht nur im redaktionellen Teile über alle Vor- kommnisse in der Welt unterrichtet zu werden, son. dern er will auch Anregung aus dem Inseratenteile eines Blattes schöpfen, sich über alles, was seinen persönlichen Bedarf betrifft, informieren. Der Wert einer intensiven Zeitungsreklame wird vielfach von den mittleren und kleineren Geschäftsleuten noch zu ehr unterschätzt: sie glauben, es genügt, wenn man einige Mole im Jahre vor den großen Festen in. eriert, während die dem Inserat innewohnende s u g- gestive Kraft erst mit der Häufigkeit des Er­scheinens wächst.

Die Wirksamkeit einer Anzeige hängt von verschic- deneir Umständen ab. Zunächst muß sie geschickt ab- qefaßt sein. Ein Inserat in mittlerer Größe soll nicht zu viel sagen wollen, sondern nur das, was cs vorzutragen hat, in ntarkauter Form zum Ausdruck bringen. Ferner spielt die Sahausführung eine große Rolle. Es ist nicht angängig, alles in großer Schrift zu setzen, sonst wirkt eine Anzeige monoton, man muß vielmehr versuchen, etwas Charakteristik in eine Anzeige hincinzulegen. Dies geschieht durch ein passendes Klischee, eine kräftige Schlagzeile, durch Verwendung von weißem Raunt. Weißen Raum?

Ten sollen wir bezahlen? Ja, mit Verlaub! Denn dadurch wird die Wirkung eines Inserats gehoben und der Blick des Beschauers auf die betreffende An­zeige gelenkt. Auch der Gruppierung von An­zeigen muß Beachtung geschenkt werden. In dieser Beziehung sollte man sich auf den Rat und den Ge­schmack der Zeitung bezw. deren Vertreter verlassen. Schließlich haben die doch das größte Interesse da­ran, daß ein Kunde zufrieden gestellt wird und auch Erfolg auf seine Anzeige hat.

Wie hoch die Zeitungsreklame von den führenden Firmen der Industrie eingeschätzt wird, darüber gibt der Anzeigenteil unseres Blattes den besten Aufschluß. Nichtsdestoweniger möchten wir nicht verfehlen, die Aeußerungen eines großzügigen Kaufmanns hier wiederzugeben, der seinen Auf­schwung zum größten Teil auf die Zeitungsreklame zurückführt: Rudolf Herzog, Berlin. Er äußerte sich dem Sinne nach wie folgt:

„Ms ich noch nicht (wetterte, war mein Absatz so gering, daß ich am betten mein Geschäft geschlossen hätte. Dann beschloß ich zu inserieren. DaS erste Jahr wandte ich 1000 Mark daran und erzielte einen Absatz von 30000 Mark. Im folgenden Jahre warf ich 30000 Mk. für Reklame aus und hatte einen Umsatz von mehreren hunderttausend Mark. Heute arbeite ich mit Millionen und mein Profit wuchs im gleichen Verhältnis. Meinen ganzen Besitz, meinen Ruf und meinen Umsatz verdanke ich nicht nur der soliden Grundlage meines Unternehmens, denn Tausende von Geschäftshäusern bedienen ihre Kundschaft ebenso gewissenhaft wie ich, sondern zu 99 Prozent meiner Zeitun g Sreklamr.«

Dieses Zeugnis spricht für sich selbst, ein Kom­mentar dazu hieße die Wirkung abschwächen. Nun ist allerdings ausgeschlossen, schlechte Waren durch eine gute Zeitungsreklame auf die Dauer abzusetzen. Deshalb muß das in einem Inserat Versprochene auch mit den Tatsachen in Einklang zu bringen sein. Ein Inserat kann sehr wohl guten Erzeugnissen einen guten Absatz verschaffen, niemals aber schlechte Waren gut machen. Im übrigen ist einem deraAigen Gebühren durch die verschärften gesetzlichen Bestimmungen betr. den unlauteren Wettbewerb sehr bald ein Riegel vorgeschoben. Dies bezieht sich auch auf die Art der Ankündigung.

Die Anschauungen, was in den W e i h n a ch t S- Ankündigungen erlaubt und was verboten ist, gehen ziemlich weit auseinander. Vor allem ist zu beachten, daß die Ankündigung eines Weih­nachts-Ausverkaufs jetzt unbedingt ver­boten ist. Bei jedem Ausverkauf muß der Grund angegeben werden, und jeder Nachschub ist strafbar. Die Bezeichnung „Großer Weihnachtsver- kauf" ist jedoch als zulässig zu betrachten und er­füllt schließlich denselben Zweck. Es führen ja so viele Wege zum Ziele.

Ms paffende und gesetzlich nicht zu beanstandende Ueberschriften gelten die folgenden: „Eerientage 95 Pfq„ 1.95 Mk., 2.95 Mk.« — .Vorteilhafte Kaufgelegenheit für Weihnachten" — „Extra-Berkaufstage der Firma XX" — „Propaganda-Tage zu billigen Preisen" — „Außer­gewöhnlich billiges Angebot für den Weihnachtsbedarf" — „Preiswerte Sonderangebote für den Weihnachtstisch" — „Ausnahme - Angebot für Weihnachtseinkäuse an 3 Tagen« — „Bemerkenswertes Spezial - WeihnachtS« Angebot" — „Sechs Kindertage" usw.

Man sieht aus diesen wenigen Beispielen, daß die Reklamemöglichkeiten unbegrenzt sind, felbft wenn man das verlockende Wort „Ausverkauf" nicht mehr anwenden darf. Ankündigungen wie „Großer Räu­mungs-Verkauf", „Ausverkaufspreise", „Totalver­kauf" und dergl. sind unzweifelhaft verbo­ten, da sie verschleierte Ausverkaufs-Angebote ent­halten.

Und nftn an die Arbeit! Bereite sich jeder Ge­schäftsmann auf die kommenden Wochen recht gut vor. Die Anforderungen, welche gerade zur Weihnachts­zeit an die Chefs und an das Personal gestellt wer­den. sind bekanntermaßen groß. Möge auch der klin­gende Erfolge alle befriedigen, möge ein jeder seinen gebührenden Anteil am bevorstehenden Weihnachts­segen haben.

totales.

Fulda, 22. November 1913.

Cäcilientag. Zum Gedächtnis der Patronin der Mastca sacra feierte heute am 22. November, dem Cäcilientag, morgens 7V* Uhr Herr Stadtvfarrer Gramm das hl. Meßopfer für die lebenden und ver­storbenen Mitglieder des stadtpfarrlichen Kirchen­chors. Zu Ehren der „Schützerin der hl. Weisen" sang der Kirchenchor mehr cre geeignete gemischte Cböre.

rm Die Provinz Hessen-Nassau im neuen statisti­sche» Jahrbuch. Das vor kurzem erschienene stati­stische Jahrbuch für das Deutsche Reich (1913, 34. Jahrgang), das seinem Inhalte nach wiederum er« weitert worden ist, bildet einen beachtenswerten Maß­stab für die Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse in beit einzelnen Staaten und Provinzen. Auch über die Provinz Hessen-Nassau enthält das Jahrbuch um­fangreiches Material. Was zunächst die Größe Hessen-Nassaus angeht, so steht 'Sie Provinz mit 15 702 Quadratkilometer Fläche an letzter Stelle un­ter den preußischen Provinzen. Seit 1871 hat sich die Bevölkerung Hessen-Nassaus um 58,6 Prozent vermehrt. Der Reichsdurchschnitt stellt sich auf 58,1 Prozent, für das Königreich Preußen beträgt er 62,7 Prozent. Wie in den meisten übrigen Provinzen überwiegt auch in der Provinz Hessen-Nassau die weibliche Bevölkerung. Nach dem Jahrbuch zählte die Provinz 1136 421 weibliche und 1084 600 männliche Personen, sodaß sich eine Gesamtbevölkerung von 2221021 ergibt. Im Durchschnitt wurden 1911 täg­lich rund 60 Ehen in der Provinz Hessen-Nassau geschlossen. Die Geburtenziffer betrug auf 1000 Einwohner gerechnet 25,8, (Reichsdurch­schnitt 29,5), während anderseits die Sterblich­keit, die in Schlesien bis zu 21,8 hinaufsteigt, sich auf 15,0 stellt. Der Reichsdurchschnitt ist für 1911 mit 18,2 ausgewiesen, in Preußen war die durch­schnittliche Sterbeziffer im Jahre 1911 18,1 auf 1000 Einwohner. Der Geburtenüberschuß stand 1911 mit 10,8 auf 1000 Einwohner etwas hinter dem Neichsburchschnitt (11,3). Auf 100 Geburten im Jahre 1911 entfielen 6,6 uneheliche gegen 22,2 in der Stadt Berlin. 8 preußische Provinzen stehen in dieser Hinsicht ungünstiger da als Hessen-Nassau. Nach der Ehescheidungsstatistik kamen im Jahre 4911 in Preußen auf 100 000 Einwohner 24,2 Ehesch ei- dun g e tt, in Hessen-Nassau 22,9. In der Selbst- mordstatistik stand die Provinz Hessen-Nassau mit 23,1 S e l b st m o r d e n auf 100 000 Einwohner int Jahre 1911 sowohl über dem Reichsdurchschnitt (21,7) wie dem Durchschnitt für Preußen (20,8). .Am be­sten schneidet die Provinz Hessen-Nassati bei einem Vergleiche mit den übrigen Provinzen bezüglich der Säuglin gsst erbliw k e it ab. Es würden im Jahre 1911 auf 100 Lebeudgelwrene nur 11,7 im er­sten Lebensjahre Gestorbene gezählt (Sachsen 23,3).

Keine Provinz hat ein so günstiges Ergebnis bezüg­lich der Säuglingssterblichkeit aufzuweisen, dabei ist zu berücksichtigen, daß die Säuglingssterblichkeit in­folge des heißen Sommers im Jahre 1911 überall ge­stiegen ist; im Jahre 1910 kamen in Hessen-Nassau auf 100 Lebendgeborene nur 10,1 im ersten Lebens­jahre Gestorbene. Betrachtet man die Landwirt­schaft der Provinz Hessen-Nassau, so ergibt sich, daß im Jahre 1912 die Erntefläche von Roggen 145 719 Hektar umfaßte, Weizen 64 686, Sommergerste 22 389, Kartoffeln 87 958, Hafer 150 819 und Wie- senheu 180 861 Hektar. Die Zahl der L a st- und Personenautos am 1. Januar 1913 betrug 3045, darunter waren 27 63 Kraftfahrzeuge, die vor­zugsweise zur Personenbeförderung Verwendung fin­den. Daß die Provinz Hessen-Nassau auch ein spar­sames Land ist, beweist die Höhe der in den öffent­lichen Sparkassen angelegten Spargelder. Am Schlüsse des Jahres 1911 beliefen sich die Sparein­lagen auf 468 Millionen Mark.

4- Kathol. Männer- und Arbeitervereine des Be­zirks Fulda. Sonntag, den 30. d. Mts., findet zu Neuhof im Saale der Möller'schen Wirtschaft die Versammlung sämtlicher Männer- und Arbeitervereine des Bezirks Fulda statt- Gegen 3 Uhr nachmittags ist beratende Sitzung der Präsides und der Delegierten der einzelnen Vereine. Abends 6 Uhr Festversammlung, zu der ein hoch­würdiger Herr als Redner gewonnen ist. An Mt einzelnen Vereine werden noch Einladungen ergehen. Selbstverständlich unterbleiben am 30. d. M. alle etwa geplanten Versammlungen in den einzelnen Orten, da namentlich auf die Anwesenheit der Vor­stände sicher gerechnet wird.

△ Totensonntag. Am morgigen Sonntag begeht die evangelische Kirche das sog. Totenfest.

(::) Submission. Gestern morgen 11 Uhr fand die Oeffnung der Offerten für die Schlosser- arbeiten am alten Rathaus statt. Die erste Submiffion wurde vom Magistrat als ergebnislos betrachtet. Danach fand eine engere Submission statt, die auch kein Ergebnis gehabt haben soll. Bei der gestrigen, der dritten Submission wurden folgende Angebote abgegeben: Trabert u. Sohn 2002,50 Mk., A. Böschen, A. Fleischmann, A. Kalb, Th. Helmke (die Submittenten der engeren Submission) 2257,75 Mark, Jos. Fleischmann 2262,50 Mark, Jos. Ney 2373,50 Mk., Cloos-Würzburg (Position 216—220) 2013 Mk., Karl-Aschaffenburg (Position 216—221) 3520 Mk., Florenz-Frankfurt (Position 216—221) 3520 Mk. Die Positionen von 221—227, welche die auswärtigen Firmen nicht ausgefüllt haben, betragen nach den Preisen der hiesigen Meister zirka 600 Mk. sodaß also bei Cloos-Würzburg 2613 Mk., Karl- Aschaffenburg 4120 und Florenz-Frankfurt 4120 Mk. herauskommen würden. Bei der ersten Submission gab die Schlosserinnung eine Forderung von 4260 Mk. ab. Von der ersten Submission kommen bei der jetzigen in Wegfall: 9 Oberlichtgitter ä 145 Mk. =i 1305 Mk. Die dann noch bestehende Differenz ent­fällt auf die Vereinfachung der Schaufensterlonstruftion, Veränderung des Eckladeneingangs, Wegfall einer Decke in demselben Eingang usw. — Heber das hier verbreitete Gerücht von einer Ueberforderung der hiesigen Schlossermeister bei der ersten Submission wird sich wohl jeder in anbetracht der Preise der aus­wärtigen Firmen, die bisher immer als billiger be­nannt wurden, nach dieser Submission sein Urteil bilden können.

W Die Weihnachtssenbungen betreffend. Die Reichspostverwaltung richtet auch in diesem Jahr an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachts- fenbungen halb z u beginnen, damit die Paket- massen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammenbrängen. Bei dem außerordentli­chen Anschwellen bes Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlichen Beförberungsfristen einzuhalten und name.itlich auf weite Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehmen, wenn bte Pakete erst am 22. Dezember ober noch später eingeliefert werden. Die Pakete sind dauerhaft zu verpacken. Etwaige auf bentj Verpackungsstoffe vorhandene ältere Aufschriften und Beklebezettel müssen beseitigt oder unkenntlich gemacht werden. Tie Benutzung von dünnen Pappkasten,' schwachen Schachteln, Zigarrenkisten usw. ist im eige-' nen Interesse der Absender zu vermeiden. Die Auf­schrift der Pakete muß deutlich, v ollst än- d i g und haltbar hergestellt fein. Kann die Auf­schrift nicht in deutlicher Weise auf das Paket selbst gesetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes w e i,ß e n Papiers, das der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier, dage­gen sind Formulare zu Postpaketadressen ungeeignet für Paketaufschriften. Bei in Leinwand verpackten Sendungen mit Fleisch und anderen Gegenständen, die Feuchtigkeit, Fett, Blut usw. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Der Name des Bestimmungsorts muß recht groß und kräftig gedruckt oder geschrie­ben sein. Die Paketaufschrist muß sämtliche Anga­ben der Postpaketadresse enthalten, also auch den Frankovermerk, bei Paketen mit Postnachnahme den Betrag der Nachnahme sowie den Namen und die Wohnung des Absenders, bei Eilpaketen den Vermerk, „durch Eilboten" usw., damit im Falle des Verlustes der Postpaketadresse das Paket doch dem Empfänger in gewünschter Weise ausgehändigt werden kann. Auf Paketen nach großen Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Paketen nach Berlin auch der Post- bezirk (C-, W., SO- usw.) anzugeben. Empfehlens­wert ist die Anbringung einer zweiten Aufschrift in-, nerhalb der Verpackung. Zur Beschleunigung des Betriebs trögt es wesentlich bei, wenn die Pakete frankiert aufgeliefert, d. h. die zur Frankierung erforderlichen 9)larlen schon vom Absender aus der Postpaketadresse ausgeklcbl toerben. Die Versendung mehrerer Pakete mittels einer Postpaketadresse ist für die Zeit vom 12. bis einschließlich 24. Dezember we­der im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland — ausgenommen Argentinien — gestattet. Nach Argentinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer Postpaketadresse versandt werden. Gemeinschaftliche Einlieferungsbescheinigungen über mehrere gewöhn­liche Pakete werden — abgesehen von Sendungen nach Argentinien — in der bezeichneten Zeit nicht ausgestellt.

! Luftverkehr. Gestern wurde, wie gemeldet, eine Flugmaschine in Künzell gesichtet. Aus Hünfeld liegt uns eine gleiche Meldung vor. Es handelte sich um die bemerkenswerte Luftreise Darmstadt- Berlin, die Major Siegelt, der Kommandant der westlichen Fliegerstationen, unternahm. Er war am Donnerstag abend von Straßburg kommend mit einem Detachement von drei Flugzeugen auf dem Luftwege in Darmstadt eingetroffen und übernachtete aus dem Darmstädter Flugplatz. Freitag früh sind die drei