2. Blatt.
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268.
Doimerstag 20. November 1915.
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Reklamen« und Anzeigenteil.
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Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.
A Marburg, 18. Nov. 1913. Ein Student der Rechtswissenschaft, der vom Schöffengericht wegen nächtlicher Ruhestörung und versuchter Sachbeschädigung (Einwerfen von Fensterscheiben des Rathauses gelegentlich des Fa st nacklskra walls Marburger Studenten) zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, halte hiergegen Berufung eingelegt. Tie Strafkammer ließ es bei dem ersten Urteil. — Vor überfülltem Zuschauerraum verhandelte gestern bis in die Abendstunden hinein die Strafkammer gegen einen Einwohner aus Ockershausen, der durch Eingabe an da? LandratSamt den dortigen Bürgermeister beleidigt hatte. Die Verhandlung, in welcher wegen der verschiedenen Dorfgeschwätze" über den als grob geschilderten Bürgermeister eine Menge Zeugen vernommen wurde, endete damit, daß es bei dem ersten Urteil, welches auf 50 Mark Geldstrafe gelautet hatte, blieb.
* Marburg, 20. Nov. 1913. Tas Eisenbahnunglück, das sich am 22. Oktober v. I., abends gegen 9 Uhr, auf der Wohrabrücke bei Kirchhain ereignet, und bei dem die Schrankenwärterin Michaelis ihren Tod sand, beschäftigte das Gericht.
Anzeigen s
ßnd in der.» Fuld. Itg." voll slchtrem Srsslg
festgesetzt.
& Blühende Rosen im Freien sind jetzt — 5 Wochen vor Weihnachten — noch viel in den Gärten anzuttcffen. Mancher Gartenbesitzer kann noch einen hübschen Rosenstrauß zusammenstellen, für die jetzige Jahreszeit gewiß nichts Gewöhnliches. D.e Herrlichkeit wird freilich bald ein Ende haben; die gangene Rächt hatten wir bereits Reif.
Amt Geisa und Umgebung.
;; Geisa, 19. Roo. 1913. Am 17. Nov. batten sich 8 Herren vor der PrüsungS-Komission in Eisen- nach eingefunden, um ihre Meisterprüfung im Maler- und Anstreichergewerbe abzulegen. Tarunter befanden sich auch zwei Herren aus dem Eisenacher Oberland, Rudolf Diel aus Geisa und Joseph Trabert aus Ketten b. Geisa. Sämtliche Herren haben die Prüfung mit „gut" bestanden.
* Geisa, 19. Nov. 1913. Am 25. d. Mts. findet hier eine Gemeinderatswahl statt. Wie das Organ des Evangelischen Bundes, die „Eis. Ztg.", zu melden weiß, ist seitens der evangelischen Bevölkerung Registrator Kohlhas als Kandidat ausgestellt worden.
* Oechsev, 19. Non. 1913. Die Arbeiten auf Schacht Maricngarl sind bis auf westeres eingestellt worden. Auf Schacht Heiligenmühle arbeiten zur Zeit 45 Mann unter und 15 Mann über der Erde. Tas Wasser konnte dis jetzt noch nicht verdrängt werden. Der Zufluß beträgt zur Zeit 170 Liter in der Minute.
* Gerstungen, 19. Nov. 1913. Vom 1. Dezember ab ist Oberbahnhofsoorsteher Roßbach von hier nach Weimar versetzt.
alten Kaserne und belegte die Lehrerin mit groben Redensarten. Auch kam er der wiederholten Aufforderung der Lehrerin, daS Schulgebäude sofort zu verlassen, nicht nach. All das trug ihm eine Anzeige wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch ein. Der Amtsanwalt beantragte gegen den schon wegen Hausfriedensbruchs vorbestraften Angeklagten eine Gesamtstrafe von 14 Tagen Gefängnis. Tas Gericht erkannte auf Bitten de? Angeklagten auf eine Geldstrafe, aber aur eine sehr hohe. 150 Mark muß er zahlen, wenn er nicht für je 5 Mark einen Tag Haft absitzen will. — Weil s- sich gegenseitig mit einem Regenschirm und einer blechernen Kaffeeflasche geprügelt batten, wurden die Brüder, der Knecht W. Sch. und der Fabrikarbeiter E. Sch. zu je 10 Mark Geldstrafe Verurteilt. — Schließlich erschien der jüngst wegen seines Einbruchs im Mutterhaus in Untersuchungshaft sitzende 31jährige Joseph Bur- kardt von hier in Gemeinschaft mit dem 27jährigen Arbeiter H. vor dem Richter. B., der zahreiche, zum- teil schwere Vorstrafen hinter sich hat, wurde beschuldigt, zusammen mit H. am 2. August im Stift Wallenstein gebettelt und sich des Hausfriedensbruches und der Bedrohung schuldig gemacht zu haben. Einer wie der andere behauptete, davon nichts zu wissen. Sie wurden jedoch durch die drei Zeugen auf das Bestimmteste wieder erkannt. Unmöglich war cs, festzustellen, wer die damalige Bedrohung mit Totstechen ausgesprochen hat. Das Urteil lautete gegen Burkardt wegen gemeinschaftlichen Bettelns auf eine Haftstrafe von 4 Wochen und wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs auf 3 Monate Gefängnis, gegen H. wegen Bettelns auf 2 Wochen Haft und wegen Hausfriedensbruchs einschließlich einer noch zu verbüßenden Gefängnisstrafe von einer Woche, zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 2 Monaten und 5 Tage. Am 9. August bettelte vorgenannter Burkardt abermals im Sitft Wallenstein und bedrohte hierbei den Diener. Wegen dieser Bettelei erhält er noch besonders 4 Wochen und wegen Bedrohung, einschließlich der obigen 3 Monate z u s a rn- men 8 Monate Gefängnis.
(!) Tie Genehmigung zum Trocknen von Fellen in der früheren Fuckslocher'schen Fabrik an der Frank- furlerstraße ist, wie wir in ver letzten Nummer melden konnten, der Firma A. I. Klebe hier durch den Minister versagt worden. Wie wir ergänzend initteilen können, wurde der Firma Klebe das Salzen aller Sorten Haute genehmigt. Ter Magistrat hatte seinerzeit sowohl die Salzerei als auch die Trockuerei genehmigt. Die Trocknerri erstreckt sich nur auf einen kleinen Bruchteil des Umsatzes der Firma Klebe.
~ Besitzwechsel. Das Wohnhaus, Gemüsematki Nr. 3, (Best's Erben gehörig) ging käuflich in den Besitz des Gastwirts Joleph 'Müller hier, Inhaber des Restaurants »Zum schwarzen Adler", über. Der Kaufpreis soll ungefähr 12 500 Mk. betragen. Zurzeit ist man mit der Erbauung zweier neuer Läsen in diesem Hause beschäftigt.
-T- Tie Bereinigung ehemaliger 143er beschloß bei ihrer letzten Zulammenkunit an einem noch zu bestimmenden Tage eine kleine Weihnachtsfeier für Herrn nach echt militärischer Art zu begehen. Mit Rücksicht auf auswärtige Kameraden wurde der beginn der monatlichen Zusammenkünfte auf */i4 Uhr
Lokales.
Fulda, 20. November 1913.
+1 Das 25jährige Znbiläum im St. Lioba-KreiS- Sieelpnhause.
Die so überaus erhebend und schön verlaufene Festfeier muß als ein Glanzpunkt in der Anstalts- chronik verzeichne! werden. Slolz wehten die Fahnen von dem Gebäude, und Blumen, Laub und Fichten- grün war so verschwenderisch Aufgeboten, das alles im Hause von lieblich-sinnigem Schmucke überspannen sich zeigte. Hebet allen Türen prangten kleine Fähnchen, zumeist im bedeutungsvollen Silberglanze, ja vom Speicher bis zum Souteirain war kein Plätzchen un« geschmückt geblieben. Ja der Kape" - strahlte der Altar im blendenden Kerzenlicht mit dem beim sakramentalen Segen der herrliche Glanz der elektrischen Beleuchtung zusammenfloß. Unser Hochw. HerrrBischof Joieph Damian halte die Gnade, selbst den Festgotte-dienst zu hallen, zu dem neben dem vollzähligen Schutzvorstand der Herr Landrat ichthr. von Doernberg, Herr Oberbürgermeister Dr. Antonl mit Frau Gemahlin, Herr Geheimrat Dr. Raabe als Anstaltsarzt und andere zu dem Hauie in Beziehung stehenden Herren und Damen er- schienen waren. In ergreifenden Worten, welchen der Spruch zu Grunde lag: Vor allem habe die Liebe, Denn diese ist das Band der Vollkommenheit" feierte der Hochwürdigste Herr Bischof die Caritas.
Aus die Fragen: Wie erklärt sich das Geheimnis der staunenswerien Eniwickelung, welche daS so ganz klein und bescheiden angefangene Werk in dielen 25 Jahren seines Bestehens genommen hak's und was war hier die wirkende Lebenskraft's lautet die Antwort: die erbarmende Liebe, sie, die unter den göttlichen und menschlichen Bollkommenheiten die größte ist. Denn so groß auch die Allmacht, die Weisheit, die Gerechtigkeit Gottes, noch größer ist seine erbarmende Liebe. Auch den Menschen macht nicht vollkommen d,r hochentwickelte Geist, noch allein die sittlichen Tugenden der Klugheit, Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Siarlmut. Das Band der Boll- kommenheit ist die Liebe, jene Liebe, die sich ganz an Gott hingibt, mit der aber auch unzertrennbar verbunden ist die Menschenliebe. Erfindungen und Industrie, Volksbildung Entfaltung der bürgerlichen Freiheit und jene öffentliche Wohltätigkeit, die als Gese,etz hingestellt wird, dies alles ist nicht betätigt, der Menschheit das Glück zu geben. Nur die Caritas ist jene Macht, die Ausgleich schafft und die Klusk zwischen arm und reich, gebildet und ungebildet, überbrückt; sie, die im Menschen nur das Ebenbild Gottes erblickt. Von dieser erbarmenden Liebe waren alle erjüllt, die an der Entstehung und Weiterentwickelung der roobltätigen Anstalt mitgewirkl haben. Die ehrwürdigen Benediktinerinnen, deren banlbar gespendetes Almosen der erste Anstoß war, die edle Dame, welcher die zur Verwendung überwiesen« Gabe ihren gottgewollten Plan eingab, ferner bte anderen edlen Seelen, die sie dafür zu begeistern wußte, dann die hochherzigen, an der Spitze des Kreises stehenden Förderer, die unermüdlichen Barmherzigen Schwestern, bte edlen Priester vom Frauenberg, welche Trost und Frieden brachten, alle, alle, die sich Lei diesem Werk in den Dienst der Caritas gestellt, wurden nut eingeschloffen in den Danr, weichen der hohe Oberhirte nun im Namen der Pfleglinge aussprach.
Nach der ticfbewegendeit Ansprache, deren Gedanken- gang wir hier nur andeuten konnten, zelebrierte der Hochwürdigste Herr das hl. Meßopfer, das die Barm- herzigen Schwestern mit zweistimmigen Gesängen verherrlichten. Zuletzt erbrauste das von allen be- geistert gesungene Tedeum durch den lieblichen Ka- pellenraum.
Ein von den Schwestern serviertes Frühstück, das ihre Koch- unb Backkunst in's glänzendste Licht stellte, hielt alle Ehren- und Festgäste noch einige Stunden im Lwbahause fest. Herr Stadtrat Karl A r n d sprach namens des Schutzdorstandes herzliche Begrüßungs- Worte, die er zuerst in Ehrfurcht an den Hochwürdig- sten Herrn Bischof, dann an den Herrn Oberbürgermeister als Vertreter des durch Erfüllung seiner religiösen Pflicht am weiteren Verweilen verhinderten Herrn Landrats, sowie an alle anderen Erschienenen richtete. Herr Kreisdeputierter Oberbürgermeister Dr. Antoni feierte die Verdienste des jetzigen und früheren Schiltzvorstandes, insbesondere auch die der Familie Rang, ferner die der Mitglieder der Lioba-Konferenz, der Barmherzigen Schwestern und aller anderen edlen Wohltäter. Herr Amtsgerichtsrat R h t e l, der anstelle des verstorbenen Herrn Justtzrat Gegenbau r in dne Schutzvorstand eingetreten ist, richtete warme Worte der dankbaren Anerkennung an Herrn Geheimrat Dr. Raabe. Hierauf überreichte die Seniorin des Schutzborstandes, Frau Therese Reinhardt, den drei Jubilaren der Anstalt Jo- ftph,. Juliane und Katharina je ein schönes Kreuz als Jitbiläumsandenken. Das gelähmte Katharinchen Bosold aber sprach in einem ausdntcksvoll vorgetragenen Gedicht rührend den Dank der Pfleglinge aus. Namens der Gäste dankten Se. Bischöflichen Gnaden in herzlichen Worten für die herrliche Bewirtung.
Nachmittags 3 Uhr fand wie vor 20 Jahren, tote» ber eine Segensanbacht in ber Kapelle statt, ber eine erbauliche Ansprache bes hochto. p. Basilius vor- aufging über bas fromme, bas gute unb bas gekreuzigte Herz ber hl. Elisabeth. Der hochto. Herr Pfarrer Rubsam, ber einst als Domkaplan an'ber Eintoeihungsfeier bes St. Liobahauses tätigen Anteil genommen, toar nun vom Berg ber hl. Lioba herab- gelommen, um bte Anbacht zu halten unb bie vom Schutzvorstand gestiftete schöne Elisabeth st atue e i n z u to e i h e n Bei dem gemütlichen Kaffee, der dem kirchlichen Akt folgte, führte er in gedankenreicher Rede aus, wie die hl. Lioba auf dem Berge, too ihr Sarkophag steht, gleichsam ihr betrachtendes Leben und hier unten in dem Hause der Barmherzigkeit ihr tatenreiches Leben fortsetze. Dann dankte er auch im Namen der anderen Geladenen, aber wohl durch ernste Gründe am Erscheinen verhinderten geistlichen Herren und widmete dem Gedächtnis der "einst bei diesem Werke beteiligten, nun aber in die Ewigkeit Geschiedenen Pietätvolle Erinnerungsworte. — Einige Pfleglinge trugen humoristische Verse vor, von denen «sonders ein Originalgedicht in Fuldaer Mundart siwßen Beifall fand. Daß Küche und Keller auch den Pfleglingen an diesem herrlichen Festtage reiche Ge- uusse boten, bedarf nicht der Erwähnung. Alle Teilnehmer werden die schöne Feier in dankbarere Erin» nening bewahren.
0 Der Landesausschuß des Regierungs-Bezirks tritt am "liebsten Montaa den 24. November
vormittags 10 Uhr, im Ständchens zu Kassel zu einer mehrtägigen Sitzung zulammen.
(:) Billigeres Leuchtgas in Aussicht. Wie wir hören, hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, für da« Leucht-, Kraft- unb Kochgas der Stadtver- ordneten-Versammlung die Festsetzung eines Ein- heitspreises vorzuschlagen. Der Einheitspreis soll betragen für das Kublkm. 13 Pfg. Bisher waren bie Gaspreise: Leuchtgas 20 Psg., Koch- und Heizgas 13 Pfg. und Kraftgas 12P>g. Die Stadtverordneten- Vcrsammlung wird in ihrer Sitzung am 24. d. Mts. zu der Magistrats-Borlage Stellung zu nehmen haben.
Die Handwerkskammer für Knrhesien hat in ihrer letzten Vorstandssitzung die Gründung einer Sterb ekafse für selbständige Handwerker in Verbindung mit dem Verbände der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten beschlossen. Es soll mit dem Verbände ein entsprechender Vertrag abgeschlossen werden. Der Ehrenmeisterbrief wurde dem Tischlermeister Neuenroth sen. in Mendorf a. W. und dem Schuhmachermeister Wetzel in Calden aus Anlaß des 50jährigen Meisterjubiläums verliehen. Die Gesuche zweier Bautechniker um Gewährung einer Beihilfe zum Besuche der Kgl. Baugewerksschule in Kassel wurden vom Vorstande genehmigt und jedem ein Zuschuß von 75 Mk. gewährt. Dem Lehrlingsheim in Marburg wurde für das laufende Jahr ein Zuschuß von 100 Mk. bewilligt.
(!) Der Hessische tzandwerkerlag wird am 14. Dez. nachmittags 3 Uhr im kath. Gesellenhause in Fulda zufammentreten. ES sind an ihm bie Handwerker ans beiden Hessen beteiligt. Die Tagesordnung weift folgende Punkte auf: 1. Begrüßung und Eröffnung durch den Landesvorsihenden Malermeister 'Martin-Alsfeld (Oberheffen). 2. Vortrag des Bundesvorsitzenden Schneidermeisters Voigt-Berlin- Friedenau über »Schwebende Tagesfragen deS Handwerks". 3. Vortrag des Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. Werner-Butzbach über »Brennende Mstkel- standsfragen". 4. Vortrag des Herrn LavdtagS- abgeordneten Euler-Bensberg über »Unsere Ai fzaben im Landtag". 5. Verschiedenes.
— Vom Vorstand der Zwangsinnung für daS Handwerk der Schuhmacher zu Fulda wird uns geldlichen:
Es zweifeln viele daran und die Tatsachen schienen den Peffimisten Recht zu geben, daß das Schuhmacher- dandiverk noch gefunoen kann. Die Preise für die Reparalurarbeitcn haben sich ca. 50 Jahre auf derselben Höhe gehalten. Diese Tatsache beweist mehr als Worte es vermögen, daß bas Schuhmachethandwerk heute in einer unhaltbaren wirtschasllichen Lage sich befindet, denn jedes Kind weiß, baß in ben letzten 30 Jahren die Kosten bes Lebensunterhalte?, der Wohnung, Kleidung, sozialen Lasten |ür Kranken-, Invaliden- und Altersversicherung, Steuern, Gesellenlöhnen, Mietpreisen usw. ganz außergewöhnlich gestiegen sinb. Dazu kommt noch die außerordentliche Steigerung ber Lcderpreise in der jüngsten Zeit. Die Rohhäutepreise haben seit Mitte des vorigen Jahre? eine fortgesetzte Verieuerung erfahren. Es bildet sich eine förmliche Häuteiiol herau?. Die Preise stiegen ganz enorm bis zu 40 /». Eine Gegenüberstellung bet letzten Jahre zeigt sogar eine Preiserhöhung bis zu 70%. Unter diesen Umständen mußten auch die Preise für fertiges Leber entsprechend steigen. Kurzum die allgemeinen Geschäftsunkosten, die Materialpreise und die Löhne haben insgesamt eine ganz fotoffale Verteuerung der Erzeugnisse des SchuhmacherhandwerkS herbeigesührt. Es hätten dementsprechend auch die Preise für Reparaturen und fertige Arbeiten gestiegen sein muffen. Leider war dies nicht der Fall. Vielmehr sinb die Preise für Reparaturen gleichbleibead seit langen Jahren. Diese Tatsache hat die hiesige Schuhmacher- zwangsinnung verantaßt, bet Sache auf den Grund zu gehen. So hat eine von bet Jnnungsversammliing gewählte Kommission einen Mindestpreis tatif ausgearbeitet unb in einer kürzlich ftaitgct unbene» Versammlung wurde dieser Tarff einstimmig gutgehrißen. Der Tarif sieht nut eme ganz mäßige Erhöhung der Preise vor in Anbetracht der riesig gesteigerten Material- preise, Löhne und allgemeinen Geschäftsunkosten. Mit Recht bezeichnet der Tarif diese Preise als Mindestpreise v. h. als Preise, unter denen eine ehrliche und gute Arbeit nicht geliefert werben kann, wenn der Meister nicht wirtschaftlich zugrunde gehen soll. Nur so kann das Schuhmachethandwerk noch gesunden, indem eS bas liebel, unter bem es bisher zu leiden. Halle, an der Wurzel faßte und bie längst notwendig gewordene (5i Höhung bet Preise für iNeparaturcn beschlossen hat. In bet Tat, wenn dieser Beschluß einheitlich befolgt wird, dann wird auch das Schuhmachethandwerk wieder gesunden können, bann wird die Lust an der Arbeit wieder wach unb bet strebsame Meister ermutigt, seine Leistung m quadtuiver Hinsicht zu steigern. Damit wäre bte Vorbedingung zu einer neuen Blüte des Schuhmacher- handwerts gegeben. DaS ist für den Handwerker wie für den Konsumenten in gleichet Weise wertvoll und darum darf wohl erwartet werden, daß das fonsuinierende Publikum den berechtigten und im sozialen Interesse wunschenswerlen Vorwärtsstreben des Schuhmacher- handwerkes keine Schwierigkeiten entgegenstellen wird.
fc. Kaisermanöver 1914. In bet vergangenen Woche lief durch die Tagesblätler eine Notiz, dahingehend, daß 1914 Kaisermanöver zwischen dem 7. und 8. Armeekorps stattfindet. Die Kaisetparaden in Münster und Köln abgehalten werden. Aus dieser Nachricht wurde geschlossen, daß nur die genannten Armeekorps für die Kaisermanöver in Betracht kämen. Dies ist, wie wir sofort zum Ausdruck brachten, u n« richtig. Die Kaisermanöver 1914 gehen nn Bereich des 7., 8., 11. und 18. und des Königs. Bayerischen II. Armeekorps vor sich und zum Teil über die Gc- gend, in dem das 18. Armeekorps im Herbst 1913 geübt hat und zwar in dem Gebiet, daS begrenzt wird von der Linie F u l d a-Schlüchtern, Schlüchtern- Friedberg, Fulda-Gießen-Lahn. Der oberste Kriegsherr nimmt die Parade nur über das 7. und 8. Armeekorps ab, da die übrigen preußischen Korps, wie da§ 11. und 18., im Lause Der Zeit des öfteren vor dem Kaiser paradiert haben.
0 Elektrisches Läutewerk. Zur Feststellung der Schwingungen behuss Einrichtung eines elektrischen Läutewerkes am D o m erklangen am Dienstag nachmittag um V»2 Ubr die Glocken der Kathedrale.
In der Schösfengerichtssitzung am Dienstag hatte sich bet Werkzeugmacher W. B. hier wegen feines Benehmens gegen eine Lehrerin ber evangelischen Volksschule zu beranttoorten. Als seine 11jährige Tochter eine Strafarbeit machen sollte, ließ er ba4 nicht zu, schrieb vielmehr ber Lehrerin einen Brief mit beleibigenben Ausbrücken. Später erfuhr er, baß feine Tochter bie Strafarbeit nach Schluß bes Unterrichts in ber Schule machen müsse. Er lief toutentbrannt nach bem Klassenzimmer in ber
Als Angeklagter erschien der Lokomotivführer L. aus Gießen, ber beschulbigt toirb, bas Unglück herbeigesührt zu haben. Gelaben waren 18 Zeugen unb bici Sachverstänbige. Der Angeklagte behauptete, baß ihn keine Schuld treffe unb et an diesem Tage überbürbel gewesen fei. Die Strafkammer verurteilte ihn zv 2 Monaten Gefängnis.
* Kirchhain, 19. Nov. 1913. Bei den Stadt« verordnetenwablen wurde in der 1. Abteilung der Kaufmann D. Slrauß mit 9 von 16 abgegebenen Stimmen gewählt. In der 2. Abteilung erhielt bet Landwirt H. Hohl II 17 von 27 abgegebenen Stimmen und ist somit gewählt. In der 3. Abteilung wurde der Oberpostschaffner a. D. H. Kraft mit 43 Stimmen neu und Bäckermeister K. Boß mit 33 Stimmen wiedergewählt. — lieber das Vermögen des Inhabers der Fellhandlung Moses Rothschild hier, welcher anfangs d. MlS. sich aus Geschäftsreisen begeben halle, aber bis heute noch nicht zurückkehrte, ist Das Konkursverfahren eingeleitet worden. — MitdemAbbruch des alten Güterschtrppcn- ist begonnen worden. Die AdbruchSarbeiten werden von der Banfirma August Bieker hier vorgenommen. Gleichzeitig ist der neue Güterschuppen bem Gebrauch übergeben worden.
# Ziegenhain, 19. Nov. 1913. Heule nachmittag wurde ein-r der Veteranen »cn 1871/71, Brief- träger a. D. Peter Weimar, zur letzten Ruhestätte geleitet. Außer einem großen Gefolge geleitete der Kriegerverein die Leiche deS im 69. Lebensjahre Entschlafenen mit Musik zu Grabe und feuerte die üblichen Salven über das Grab deS Kameraden. — Der Landwirtschaftliche Kreisverein hält am Freitag seine diesjährige Sitzung im „Deutschen Haus" ab. Auf der Tagesordnung fleht neben anderen ein Bericht über die Kreisjungviehweibe in ber Struth unb baran anschließende Besprechung.
# Homberg, 19. Nov. 1913. Gestern verschieb in Neuenham ein Veteran von 1866 und 1870/71, der Landwirt Ko >rad Theiß im Alter von 71 Jahren.
[:J Neustadt, 19. Nov. 1913. Nach einer vorn Kommando des Inf.-Regts. Nr. 13 zu Münster in Wests, an das hiesige Bürgermeisteramt gelangten Depesche hat sich der erst vor vier Wochen eingetretene Rekrut I. G. von hier aus unbekannten Gründen erhängt. Was den sonst durchaus braven und ordentllchen Menschen zu diesem verzweifelten Schritte getrieben haben mag, ist unerklärlich. Wie ein Bries seines Hauptmanns an die Slutter des G. besagt, ist an dem Soldaten schon vor einigen Tagen ein gewisser Trübsinn bemerkt worden. — Die Agitation (heimlich und unheimlich) für Die heule in acht Tagen ilallfinDenve Stadlverordnetcn- ivahl ist schon sest tm Gange.
(—) Naumburg, 19. Nov. 1913. Heute sand die feierliche Einweihung unseres neuen St. Joseph-Kranken- und Schwesternhau- s e § statt. Mit Absicht war dazu das Fest ber heil. Elisabeth gewählt worben. Der Superior ber barmt). Schwestern, Herr Pros. Dr. Thielernann aus Fulba vollzog im Auftrage bes Hochwürbigsten Herrn Bischofs bie Weihe bes Hauses unb ber Kapelle. In ber Stabtpfarrkirche hielt er vor bem Hochamte die Festpredigt. Nach bem Hochamt zog bann bie ganze Gemeinbe in Prozession zum Krankenhause, um an bem feierlichen Weiheakte sich zu beteiligen. Bisher wohnten bie Schwestern tm städtischen Armenhause. Da bieses bett wachsenden Bedürfnissen des sich immer erweiternden Arbeitsfeldes ber Schwestern nicht mehr genügte, mußte an einen Neubau gebacht werben. Der unermüdlichen Tätigkeit bes Herrn Stabtpfarrers Martin ist es nun mit Hilfe zweier großen Wohltäter gelungen, bas Werk zu vollenben. Die verstorbene Witwe Frau Bovermann vermachte letztwillig ein größeres Legat für bett Neubau. Die Eheleute Prinz, bie über 40 Jahre in Amerika gelebt hatten unb vor mehreren Jahren toieber in bas alte Heimatstädtchen zurückkehrten, kauften bas Baugrunbftück unb' stifteten außerdem noch ein ansehnliches Baukapital. Ihnen sei auch hiermit noch einmal öffentlich ber ver- künblichste Dank ausgesprochen. Das Haus ist gebaut nach ben Plänen des verstorbenen Regierungsbaumeisters Kegel in Kassel, dessen Arbeiten nach bem Tobe bes Meisters Architekt Erneke in Kassel übernahm. Außer ber Schwesteritwohnung mit Kapelle ist ein geräumiaer Nähsal für junge Mäbchen vorgesehen. Das Ober- unb Dachgeschoß ist zur Aufnahme von Kranken unb Hofpitaliten bestimmt. Möge bas neue St. Josephsbaus eine Ottelle reichen Segens fiir bie Stabt unb feine nähere Umgebung werben. ___
Handel und Industrie.
H Berlin, 18. Nov. 1913. Trotz besserer Industrieberichte und der guten Lage des Geldmarktes blieb der Geschästsumfang an der Börse begrenzt. Der Verkehr beschränkte sich fast ausschließlich auf einige Auslandswerte, unter denen die türkischen Papiere sich vorteilhaft von den Ruffenwerten abhoben. Die Gelberleichterung, bie auch im Reichsbankausweis hervortrat, blieb auf das Börsengeschäft einflußlos. PrivatdiSkont unverändert.
§§ Kassel, 18. Nov 1913. Tie offene Handelsgesellschaft Kaiser u. E o., Maschinenfabrik unb Spe- zialsabrtk für Ttansportanlagen aller Art tote Drahtseilbahnen, Elektrohängebahnen, Hängebahnen, sowie Schlachthofemrichtungen, würbe heute in eine A k- tiengesellschäft umgewanbelt. Das Aktienkapital beträgt 1400 000 Mk.; außerdem ist die Ausgabe von 700000 Mk. fünfprozentiger Hypothekar-Obligationen vorgesehen, bix demnächst zur Zeichnung aufgelegt werden. Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates wurde ber nationalliberale Reichstagsabg. Rechtsanwalt Ernst Bafsermann aus Mannheim gewählt.
Erhältlich bei der Gasanstalt, M. Kalb u. Sohn und in allen besseren Installationsgeschäften.
Richte
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