2. Blatt
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[] Die Hmterbliebenenversicherurig.
Die Erfahruogen de» ersten Jahres.
Mit dem Jahre 1912 sind die Bestimmungen des 4. Buches der neuen Reichsversicherungsordnung und damit jene über die Versicherung der Hinterbliebenen der Versicherten auf Grund der Invalidenversicherung inKraft getreten. Es liegt jetzt etwa die Erfahrung eines Jahres mit dieser neuen Versicherung vor, und da hat sich ergeben, daß die Kenntnis des Gesetzes in den Kreisen der Versicherten außerordentlich gering ist.
In beschränktöm Umfange gab es fchon vor Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung eine Versorgung von Hinterbliebenen, nämlich für solche, deren Ernährer einem Betriebsunfall erlagen. Eine allgemeine Einrichtung gleicher Art für alle Arbeiter fehlte indessen. Insofern ist in der Hinterbliebenenversicherung — im engsten Anschluß an die Invalidenversicherung und auf Grund einheitlicher Beitragsleistung für beide Versicherungszweige — etwas ganz, Neues geschaffen. Die Begründung zur Reichsversicherungsordnung leitet aus der Neuheit dieses Zweiges sozialer Fürsorge ab, daß die Leistungen der Versicherung — angesichts der Unübersetzbarkeit der Folgen der Einrichtung — in engen Grenzen zu halten seien und daß in ihnen lediglich eine bescheidene, für den Aufenthalt an billigen Orten eben ausreichende Unterstützung gewährt werden könnte. Auf dieser Grundlage wird die Hinterbliebenenversicherung folgendermaßen geregelt:
Die Hinterbliebenenversicherung gewährt Witwenrente an erwerbs unfähige Witwen, sowie Waisenrenten; ausnahmsweise auch Witwerrenten an erwerbsunfähige bedürftige Witwer bis zum Wegfall der Bedürftigkeit, wenn die verstorbene Frau den Unterhalt der Familie ganz oder überwiegend aus ihrem Arbeitsverdienst tzestritten hatte; auch die Kinder erhalten in diesem Falle bei Lebzeiten des Vaters Waisenrente. Witwen- und Witwerrente werden bis zur Wiederverheiratung, die Waisenrenten bis zum vollendeten 15. Lebensjahr gezahlt. Waisenrenten werden nach dem Tode des Vaters, an vaterlose Kinder auch nach dem Tode der versicherten Mutter, endlich auch an die Kinder ehever- lassener versicherter Frauen gewährt. Auch Enkeln, deren Lebensunterhalt Großvater oder Großmutter ganz oder überwiegend bestritten haben, wird nach der letzteren Tode im Falle der Bedürftigkeit eine Waisenrente zugestanden.
Die Witwenrente wird nicht neben der eigenen, persönlichen Invalidenrente der Witwe gewährt. Bezieht die Witwe schon eine Invalidenrente, so erhält sie nur die höhere der beiden Renten; das wird fast immer die Invalidenrente sein.
Witwenrente ist nicht das Witwengeld. Wohl zu unterscheiden von der Witwenrente ist das einmalige Witwengeld. Mährend die Witwenrente nämlich gewährt wird an die erwerbsunfähige Witwe, ohne Rücksicht darauf, ob sie selbst versichert ist oder nicht, erhält Witwen g e l d nur diejenige Witwe, die bis zum Tode ihres Mannes die Wartezeit für eigene Invalidenrente erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten hatte, gleichviel ob sie die Witwenrente erhält oder nicht; das Witwengeld ist eine einmalige Zahlung in Löhe des Jahres- betragcs der Witwenrente. Eine einmalige Zahlung stellt auch die Waisenaussteuer dar; diese wird gezahlt'in Höhe des achtfachen Monatsbetrages der Waisenrente an diejenigen Waisen, die das 15. Lebensjahr erfüllt haben und für welche die Waisenrente weglällt, aber nur unter der Voraussetzung, daß zu diesem Zeitpunkte die Mutter die Wartezeit für die eigene Invalidenrente erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten hat.
Wie hock ist die Witwenrente? Was die Berechnung der Witwen- und Witwerrenten sowie der Waisenrenten betrifft, so ist zunächst für jede Witwen- und Witwerrente ein Reichszuschuß von 50 Mark, wie bei der Invalidenrente, für jede Waisenrente ein solcher von 25 Mark ausgeworfen. Sier-u tritt dann als Anteil der Versicherungsanstalt bei Witwen- und Waisenrenten drei Zehntel, bei Waisenrenten für eine Waise drei Zwanzigstel, für jede weitere Waise ein Vierzigstel des Grundbetrages und der Steigerunas- sätze der Invalidenrente, die der Ernährer zur Zeit seines Todes bezog oder bei Invalidität bezogen hätte.
Me schon angedentet, sind für die nächsten Jabre die Witwen- und Waisenbezüae nur gerina: dos bat hauptsächlich darin seinen Grund, daß nach Artikel 69 des Einftibrungsgesetzes »ur Reichsversicherungsordnung bei Festsetzung der Be-üoe für die Steigerungs- sähe nur diejenigen Beiträge angerechnet werden dürfen, welche nach dem 1. Januar 1912 geleistet worden sind.
Die Bezüge werden sich aber von Iabr zu Jahr steigern, entfvrechend der Zahl der seit dem 1. Januar 1912 geklebten Marken.
totales.
Fulda, 18. November 1913.
# Personalien. Verliehen wurde dem bisherigen Bezirkskonfervator des Regierungsbezirks Kassel, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. v. Drach in Kassel der Kgl. Kronenorden 3. Klaffe, ferner dem Eisenbahnlokomoüvsührer a. D. Karl S t a m m zu Oberzwetzren im Landkreise Kassel das Verdienstkreuz in Silber, dem bisherigen Eisenbahnschrankenwärter Vitus Vogel zu Herolz im Kreise Schlüchtern das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze. t _
(;:) Die neueste Einwohnerzahl der Stadt Fulda. Die PersonenstandSaufnahme am 15. Oktober 1913 ergab 23226 Personen gegen 22879 im Vorjahr. Die Zunahme beträgt somit 347 Personen und zwar 300 Zivil- und 47 Militärpersonen.
Si Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Fulda. Die Wahl der Mitglieder des Vorstan- des und der erforderlichen Ersatzmänner wird in der am 13. Dezember, abends %9 Uhr im Ballhaussaale stattfindenden Ausschußsitzung vorgenommen. Es sind 9 Mitglieder des Vorstandes und 9 Ersatzmänner zu wählen Hiervon wählen die Arbeitgeber 3 Vorstandsmitglieder und 3 Ersatzmänner und die A r- beitnehmer 6 Vorstandsmitglieder und 6 Ersatzmänner. Die Wahlen sind geheim; gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Wahl- Vorschläge sind zwei Wochen vor der Wahl beim Kassenvorstand einzurrichen. Die Stimmabgabe ist an trie Wahlvorschläge gebunden; diese werden mit einer Ordnungsnummer versehen. Die Stimmzettel werden eine Woche vor dem Wahltag mit den Wahlvor- schjlägen den Wahlberechtigten zugesandt.
L- 3m Herz-IefU'Heim, der Krüppel-Heil-, Lehr- und Pflegeanstall der Barmherzigen Brüder, wird unser Hochwürdigster Herr Bischof am Freitag, den j 21. November an mehrere Insassen der Anstalt das
hl. Sakrament der Firmung spenden. Die Feier beginnt vormittags um 7 Uhr.
(::) Ta8 25 jährige Jubiläum deS Lioba-Kreisfiecheu- Hauses, das morgen, Mittwoch, den 19. November, begangen wird, finden unsere Leser in einem besonderen Gedenkblatt im dritten Blatt der heutigen Nummer gewürdigt.
Fk. Volksverein. Die Konferenzen und Versammlungen des Volksvereins für das katholische Deutschland, welche am Sonntag den 23. November in Fulda beginnen und an den folgenden Tagen in Großenlüder, Schmalnau, Hünfeld und Geisa stattfinden, ver- sprec^n sehr interessant zu werden. Die Tagesordnung ist solgende: 1. Referat: Soziale Zeitfragen und deren Behandlung im Volksverein. (Rektor Heinen-M.Gladbach.) 2. Stand und Entwicklung des Volksvereins in den betreffenden Dekanaten. 3. Tätigkeit und Erfolge des Bolksvcreinssekretariates Fulda. ‘ (Sekretär Frank.) 4. Freie Aussprache über die Referate, neue Hilfsmittel für unsere Winterarbeit, Versammlungen, Agitation, die Zusammenarbeit des Volksvereins mit allen übrigen Organisationen, die Frage der Binnenwanderung, die Fürsorge für die älteren Jugendlichen usw. In den Versammlungen wird Herr Rektor Heinen einen Vortrag halten über das Thema: „Der deutsche Katho- lizismus in den sozialen und religiösen Kämpfen der Gegenwart". Für Fulda ist umständehalber eine Aenderung im Programm vorgenommen worden in- sofern, als die Versammlung nicht abends, sondern nachmittags 4 Uhr im großen Saale des katholischen Gescllenhauses stattfindet. Die Konferenz schließt sich gleich an die Versammlung an. Diese Aenderung wird den auswärtigen Teilnehmern nicht unwillkommen sein, weil sie so die Bersammlnug besuchen und möglicherweise auch noch an der Konferenz teilnehmen können. Die wichtigen Beratungsgegenstände in der Konferenz und vor allem der äußerst zeitgemäße Vortrag in der Versammlung sollten unsere katholischen Männer von Fulda und Umgegend zu recht zahlreichem Besuch der Veranstaltung anspornen. An den sozialen Fragen der Zeit kann der katholische Mann, welchem Stande er auch angehört, nicht achtlos vorübergehender muß Stellung dazu nehmen und für seinen Teil zu ihrer Lösung beitragen. Wo könnte das zweckmäßiger geschehen, als im Bolksverein, der allen Ständen gegenüber den Standpunkt der ausgleichenden Gerechtigkeit vertritt. Aber auch die religiösen und sozialen Kämpfe der Gegenwart dürfen uns nicht gleichgültig lassen. Da ist es notwendig, daß wir die Geisteswaffen schärfen, die Stellung des Feindes und sein Vorhaben auskundschaften, um seine hinterlistigen Pläne rechtzeitig erkennen und abwetzren zu können. Der einzelne vermag das nicht, das lann, nur durch eine achtunggebietende Organisation, wie sie der Volksverein und unsere katholischen Standesvereine sind, geschehen. Diese Vereine gilt es also innerlich und äußerlich zu stärken und zu festigen, damit wir den aeschlossenen Schlachtenreihen der Religionsund Vaterlandsfeinde ein geschultes Leer überzeu- aungstreuer, mutiger, opfer- und kampfbereiter katholischer Männer entgeaenstellen können. Gelingt uns das, dann ist unser die Zukunft. Möae darum kein katholischer Mann von Fulda und Umgegend der Volksvereinsversammlung am kommenden Sonntag fernbleitzen. .
[.] Oberrealichule. Die am Samstag abend xxn Bürgerverein stottgebabte Versammlung ehemaliger Real- bezw. Oberrealschüler war nicht gerade zahlreich besucht, doch war die Stimmung für die 75. jährige Jubelfeier zuversichtlich und anaeregt. Es bandelte sich um den Bestritt ehemaliger Scküler zum Hauptausschusi. Voraelchlagen und gewählt wurden Herr Fabrikant Karl Rübiam (Vorsitzender!, Herr Lühn aus Hünfeld, Herr Kaufmann Mendel Wert- beim und für den seit einigen Jahren bestehenden Verein Fuldaer Oberrealschulabiturienten der an der Oberrealschule tätige Kandidat des höheren Lehr, amtes Herr Lucas. Die Herren nahmen die Wahl dankend an. Von den mancherlei dankenswerten Anregungen, die für die Feier selbst gegeben wurden, scheint bei dem jetzigen Stande der Vorbereitungen wohl die die beachtenswerteste zu sein, daß nun alle ehemaligen Schüler, jeder in seinem Kreise, die Werbetrommel rühren möchten, um eine nach vielen Hunderten zählende Beteiligung an dem 75jährigen Jubi- läum zu erzielen. Zunächst wird man nach den vorhandenen Listen festzustellen suchen, welche von den alten Schülern noch am Leben sind, damit jeher eine Einladung erhält.
Natnrheilverein. Am Sonntag abend feierte der Naturheilverein unter Beteiligung von 400 bis 450 Personen in Giesels Sälen sein 8. Stiftungs- fest. Nach einem mit Schwung und Begeisterung gesprochenen Festgedicht hielt der 1. Vorsitzende die Begrüßung?- und Festrede. Er schilderte die Ent. Wickelung des Vereins, der in 1905 gegründet wurde und beute rund 500 Mitglieder zählt. Den Schluß der Ausführungen bildete die Aufforderung zu weiterer eifriger Arbeit im Sinne der dem Volkswohl und der Volksgesundheit gewidmeten Vereinsbestrebungen.— Ein Lustspiel wurde recht gut gespielt und fand freundliche Aufnahme und allseitige Anerkennung. Auch die folgenden Vorträge von Gesangstücken und Gedichten ernster und heiterer Art hatten beisalls- freudige und dankbare Zuhörer. Der musikalische Teil der Veranstaltung wurde von der Feuerwehr- kapelle Fulda zu allgemeiner Zufriedenheit ausge- führt. Die Wiedergabe der Musikstücke bewies, daß die Bemühungen des fleißigen und tüchtigen Diri- genten, seine Kapelle zu vervollkommnen, nicht vergeblich waren. Das Fest nahm in allen Teilen einen würdigen und schönen Verlauf. — Am 1. Dez. wird Herr Chefarzt Dr. Buchholz. Schledehausen einen Vortrag über „Magen- und Darmkrankheiten" halten.
!! Versagte Genehmigung. Ter Minister für Handel und Gewerbe in Berlin hat der Firma A. I. Klebe hier die Genehmigung zum Trocknen von Tiersellen und zwar das Trocknen jeder Art von Tierfellen in der Fuchslocherschen Fabrik verboten. Tie Kosten des Rekurses fallen zu Lasten der Firma Klebe. Es bestanden gegen die Genehmigung der Häute- trocknerei Bedenken, da bei der ziemlich dichten Bebauung des Geländes in der Johannisstraße eine unzuläffige Belästigung der Nachbarn durch die unvermeidlichen übten Gerüche zu befürchten ist.
A Die Fleischbeschau in Hessen-Nassau. Im dritten Vierteljahr 1913 stellt sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: Pferde und andere Einhufer 566 (gegen 601 im zweiten Vierteljahr 1913), Ochsen 8523 (8063), Bullen 2283 (1747), Kühe 15 107 (14 681), Jungrinder (über 3 Monate alte', 12 628 (10141), Kälber (bis zu 3 Monate alte) 43 690 (48 458), Schweine 137 944 (135 098), Schafe 11521 (8404). Ziegen 1644 (4323), Hunde — (4).,
(!) Die Landung französischer Lustschiffer. Nicht nur bei Fulda find am Sonntag französische Luftschiffer gelandet, sondern nach vorliegenden Meldungen auch in der Pfalz bei Großbundenbach und in Württemberg bei Gerabronn. Sämtliche Freiballons waren am SamStag nachmittag in Paris aufgestiegen. Es handelte sich um die Wettfahrt von 8 Ballons; die Fahrt wurde zwischen dem Aero- Hub France und Klub Reuennais ausgetragen. Wie in Fulda so sind auch in den anderen Orten die Luftschiffer von den Behörden auf das Zuvorkommendste behandelt worden.
^Reue Amtsbezeichnungen hat der Eisenbahn- Minister eingeführt: Es haben künftig zu führen: die Maschinenwärter die Amtsbezeichnung „Maschinen- aufseher", die Maschinenwärter bei elektrischen An- lagen die Amtsbezeichnung „Maschinist" und die als Maschinisten bei elektrischen Anlagen angestellten Beamten die Amtsbezeichnung „Maschinenmeister".
# Arbeitsjubilar. Auf eine 25jährige Dienstzeit im städtischen Gaswerk kann heut« der Gasarbeiter Joseph Schell hier zurückblicken. Es wurden ihm von feiten seiner Mitarbeiter herzliche Glückwünsche und Geschenke dargebracht.
Reue Fernsprechanschlässe erhielten in Fulda unter der Nr. 138 E. Neuland, Baumaterialien- und Kohlengroßhandlung, Heinrichstraß, 13; Nr. 139 Hermann Falk« Nachf., G. m. b. H., mech. Weberei., Johannisstraße 5; Nr. 141 H. Fischer, Kolonialwarenhandlung, Leipzigerstraße 21; Nr. 307 Oskar Zolkos Ww, Handschuh-Spezialhaus, Artikel zur Krankenpflege, Gemüsemarkt 12; Nr. 532 Schunk <L Ebe, Kunstkohlenfabrik, Horaserweg 71; Nr. 533 Arthur Kayser, Fabrikant, Petersbergerweg 5; Nr. 234 Frhr. von Marschall, Oberleutnant, Sturmiusstraße 12; Nr. 535 Richard Ricken, Kartonnagensabrik, Künzellerweg 15.
L Ein Anschlußgleis an den Bahnhof Fulda beabsichtigen die Fuldaer Stanz-und Emallier« werke F. C. Bellinger auszuführen. Die polizeiliche Genehmigung zu diesem Bahnanschluß ist mit gleichzeitiger Vorlegung des Entwurfes bereits nachgesucht.
rt Schöffengericht. Der 20jährige Dienstknecht K. V. wird aus der Hast vorgeführt. Er hatte im September einem Kameraden auf dem Vorwerk Haimbach ein Paar Gamaschen gestohlen. Hierfür muß er zwei Wochen Gefängnis abbüßen. — Der 17 jährige Kaufmannslehrling L., ein Newyorker, der hier in einem Geschäfte tätig ist, hat sich wiederholt in der Handelsschule recht unangemessen benommen. Er erhielt deshalb ein polizeiliches Strafmandat über 6 Mark. Mit der Anrufung des GeriLtes hatte er kein Glück. Das Gericht verurteilte das Bürschchen zu 15 Mark Geldstrafe, zumal seinBe- tragen als Handelsschüler ein durchaus rüpelhaftes sei.
= Der Ausbrecher Müller, der vor sieben Wochen aus dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis ausgebrochen war und später in Halle wieder festgenommen wurde, ist heute hierher transportiert und im Amtsgerichts- gefängnis untergebracht worden. Besonder« Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen.
£) Das Schwurgericht in Hanau hat den 31jah- rigen Maurer und früheren Gemeinderechner Johann Möller aus Elm, der wegen Unterschlagungen im filmte angeklagt war, freigesprochen. Es handelt sich um 2 Beträge in Höhe von 2000 Mk., die der Angeklagte eingenommen, aber nicht rechtzeitig abgelegt hatte. Er bestritt jede Schuld und rechtfertigte Jem Verhaltene mit den Geld-Verhältnissen der Gemeinde Elm. .
X Ein Ladenkassen-Diebstahl wurde gestern abend in der Bäckerei K. in der Kanalstraße versucht. Der Dieb wurde jedoch noch im rechten Augenblick verscheucht. Er ist unerkannt entkommen.
s Warnung! Die „Nordd. Allg.-Ztg." schreibt: Ein „Pensionat" in Chaponost bei Lyon wendet sich in letzter Zeit anscheinend fortdauernd zur Beschaffung junger Mädchen nach Deutschland. Teils wird mitgeteilt, daß in dem Hause noch junge Mädchen als Pensionärinnen ausgenommen werden könnten, teils werden Dienstmädchen zur Hausarbeit gesucht. Nach den eingezogenen Erkundigungen ist der Mann, von dem diese Anerbietungen aus Chaponost ausgehen, übel beleumdet. Er steht im Rufe, Mädchen- h a n d e l zu treiben. Ein Pensionat ist von ihm oder seiner Frau nie betrieben worden. Es muß daher dringend vor dem Eintritt in das Haus gewarnt werden.' Wer auf ein ausländisches Stellenangebot eingehen will, wird im übrigen stets gut tun, zuvor bei dem örtlich zuständigen deutschen Konsulat nähere Erkundigungen einzuziehen."
L. Athletik. Nächsten Sonntag, den 23. November, findet von nachmittags 2 Uhr ab im Restaurant -Hohen- »ollern" die diekjährige Gau-Uebungsstunde des Maw- gaues im Deutfchen Athletenverband statt. Die Uebungs- warte und Preisrichter von ungefähr 25 Vereinen, bat unter auch die beiden hiesigen Athletenvereine „Viktoria" und Germania", nehmen an der UebungSstunde teil. Es ist das ein kleines Vorspiel zu dem im nächsten Frühjahr hier stattfindenden großen nationalen Athletenwettstreit. Sportintereffenten haben zu der Gau-Uebungsstunde freien Zutritt.
Ans dem Nachbargeblete.
--- Neuenberg, 16. Nov. 1913. Der von hier gebürtige Lehrer Anton Erb, zurzeit in Herne i. W. (früher Schletzenhausen, Kreis Fulda), hat vor der König!. Prüfungskommission in Münster i. W. am 13. d. M. die Prüfung für Lehrer an Mittelschulen in Religion und Englisch bestanden.
b Friedberg, 17. November 1913. Im hiesigen Stadtverordnetenkollegium befinden sich unter den 15 Stadtvätern bereits drei Schreinermeister. Für die am Dienstag angesetzte Stadtverordnetenwahl hat nun der Ortsgewerbeverein weitere drei Schreiner als Kandidaten ausgestellt, di« auch von anderen Körperschaften unterstützt werden. Wenn die Liste durchgeht, bann sitzen künftig unter den 15 Stadt- vätern 6 Schreinermeister, und die Garnisonstadt Friedberg hat die sicherste Gewähr, daß in ihr nichts mehr »aus dem Seim* gebt.
st. Höchst a. M., 16. November 1913. Zur Erinnerung an den heute vor 100 Jahren erfolgten Einzug des Feldmarschalls Blücher in Höchst und den darauf folgenden langwöchentlichen Aufenthalt des Helden in unserer Stadt hat der hiesige Altertumsverein eine Ausstellung veranstaltet, die eine Fülle von Blüchererinnerungen zeigt: Erlaffe, Briefe, Armeebefehle, Quartierlisten, Quartierscheine, Lieferzettel, Bilder, Karten usw. Viele dieser Sachen sind bisher nicht veröffentlicht worden und dürfen über die vor hundert Jahren in Nassau herrschenden Zustände manchen wertvollen Aufschluß bieten. Blücher steht hier um deswillen in besonders gutem und unvergeßlichem Andenken, weil er mit allen Mitteln die Bürgerschaft in Stadt und Land vor Gewalttätigkeiten jeglicher Art schützte.—.. ...——
♦ Nassau, 17. Nov. 1913. Beim Brückenbau Bal* buinftein wurden zwei Arbeiter von der hochgehen« den Lahn fortgerissen. Ein Arbeiter konnte gerettet werden; der andere, ein verheirateter Mann namens Bonzner au8 Köln, ist ertrunken.
0 Schmalkalden, 17. Nov. 1913. Heute fand diq Einweihung der neuen Knaben-Bürgere schule am Schloßgarten statt. Dem neuen Schulgebäude wurden viele wertvolle Geschenke überwiesen; darunter vom Kreisausschuß ein großes Kaiserbild in Oelfarben. Dem Weiheakt schloß sich ein Festmahl an und nachmittags folgte in der Schule bei Turnspielen eine Bewirtung der Schüft'.:. Das Schulgebäude umfaßt 18 Klaffenräume, von denen sofort 16 bezogen werden und ftostet rund 350,000 Mark. Dev Preis für den annähernd 10,000 qm großen Platz betrug 18,500 Mark. Das Hauptgebäude stellt sich einschließlich Heizungsanlage und Schulbad auf 240,000 Mark, die innere Einr.chtung auf 26,000 Mark. Fift Planierung, Herstellung und Umwehrung des Spielplatzes wurden 35,000 Mark aufgewendet. Das Gebäude bat eine Länge von 51,75 Meter; die Gesamthöhe des Hauptgiebels über Straßenkrone beträgt rund 31 Meter. Die Turnhalle ist 240 qm groß -, der Spielplatz ist 3700 qm groß. Der Entwurf des Gebäudes stammt vom Architekten I. W. Büttners dem auch di« Bauoberleitung oblag. Die Einrichtung der Schule ist auf allen Gebieten mit den modernsten Errungenschaften versehen.
vermischter.
♦ Tas große Los der preußischen Klassenlotterie ist bekanntlich in der einen Abteilung nach Köln gefallen. Die glücklichen Gewinner sind meistens Deine Handwerker und Arbeiter, sodaß d>e balge Million diesmal an die rechte Stelle gekommen fern dürfte.
♦ Todessturz zweier österreichi'cher Flieger. Eivr Meldung der „Ruskoie Slowo" zufolge siuo. zwei österreichische Flieger unweit der Bahft?anon B a b 11 s ch verunglückt. Der eine, namens Palmer- au| der Stelle tot. Der andere, namens jo
schwere Verletzungen erlitten, daß er raum mit dem Leben davonkommen dürfte. Die Flieger, die der 13. Traindivifion in Agram angehürten, waren dort am Morgen aufgeftiegen. !:
* Mann und Frau binnen wenigen Stunden ge. storben. Der Präsident der schwedischen Zweiten Kammer Freiherr Carl Carlsen Bonde und seine Ge-i
Amt Geisa und Umgebung.
;; Geisa, 17. Nov. 1913. Am vergangenen Sonntag beging der hiesige katholifcheJünglings-j Verein im Saale der „Linde" die weltliche Feier seines 1. Stiftungsfestes. Wie der Präses des Vereins in seiner Begrüßungsansprache hervorhvb, sollte tfiefe mi( Rücksicht auf das vaterländische Jubeljahr 1913 ein patriotisches Gepräge tragen. Und fo bildete denn auch den Mittelpunkt des Programms oas vaterländische Schauspiel: „Die Lützower" von Nev, in dem so schön Freud und Leid der Zeit vor 100 Jahren zum Ausdruck kommt. Die jugendlichen Spieler hatten sämtlich ihre Rollen gut einstudiert und entledigten sich derselben mit großem Geschick. Aber auch der Humor kam zur Geltung, namentlich im 2. Teil des Abends durch Vortrag eines Couplet und der beiden Lustspiele: „Die Perlen der Kompagnie" und „Der Geisterstudent", die zumteil stürmische Heiterkeit hervorriefen. Möge der Abend dazu Beigetragen haben, das Interesse für den so notwendigen Jünglingsverein zu stärken, den Jünglingen aber wieder neuen Mut und frische Zuversicht zu geben, zur Erreichung des Zieles des Vereins mitzu^ wirken. Eine Wiederholung der Aufführungen fin< bet nächsten Donnerstag, den 20. d. M., abends 8 Ühr statt. —;
Aus Gberheffen u- den Hess. Aemtern.
# Ziegenhain, 17. Nov. 1913. Ein auf dem nahen Schafhof seit kurzem beschäftigter polnischer Arbeiter hatte sich in der Wirtschaft am Bahnhof gestern abend sehr rabiat benommen und Herrn und Frau Groß derartig bedrängt, daß diese sich nicht mehr zu helfen wußten. In der Notwehr ergriff Herr Groß seinen Revolver und schoß auf den Angreifer 2 Kugeln ab, durch welche dieser schwel verletzt wurde, sodaß feine Aufnahme in dem Krankenhaus zu Hephata nötig wurde. — Infolge der Regengüsse der letzten Tage ist das Wasserdev Schwalm beträchtlich gestiegen. Es ist an vie-< len Stellen des Schwalmgrundes aus den Ufern getreten und hat weite Strecken überschwemmt.
[:] Neustadt, 17. Nov. 1913. Am gestrigen Mend hielt der V o l k s v e r e i n im Saale des Herrn Vom- schloß eine Versammlung ab. Namentlich dis Frauenwelt war zahlreich der Einladung gefolgt. Dis Feier des Konstantinischen Inbilaums sollte auch in unserer Gemeinde in würdiger Weiss begangen werden. Nachdem Herr Pfarrer E b e l dis Versammlung eröffnet hatte, erteilte er das Wort Herrn Benefiziaftn Krieg aus Fulda zu seinem zeitgemäßen Vortrage. In fesselnder Weise führte Redner die Lage des Christentums vor und nach dem Edikte von Mailand vor Augen. Wohl wenigen der äußerst zahlreich Erschienenen ist jemals die Wichtigkeit und Bedeutung dieses Regierungsaktes Konstantins so zum Bewußtsein gekommen, als nach den populären Darstellungen des Herrn Benefiziaten, Daher war es auch kein Wunder, daß die anderthalbstündigen Ausführungen dieses Volksredners das Interesse bis zur letzten Minute wachhielten, und dies umsomehr, als der Redner verschiedene Episoden aus der Zeit seiner früheren Wirksamkeit in hiesiger Ge- gend humorvoll zum Besten gab; Als ehemaliger Kaplan von Amöneburg hat er ja die Leiden und Freuden des „Kulturkampfes" am eigenen Leibe verspürt. Der nichtendenwollende Beifall am Schluffe seiner Darbietungen bewies aufs treffendste, daß Redner die richtigen Saiten der Herzen in Anschlag gebracht hatte. Sein warmer Appell an die Anwesenden zu treuer Anhänglichkeit an die Kirche und deren Oberhaupt wird gewiß nicht erfolglos verhallen und auch dem Bolksverein zugute kommen. Zur Verschönerung des Abends hatte sich die hiesige Jun g- frauen-Kongregation in den Dienst der guten Sache gestellt durch Vortrag einiger Lieder, Mit Genugtuung konnte darum der Leiter der Versammlung am Schluffe feststellen, daß er allen aus dem Herzen gesprochen hatte, als er denen fernen herzlichsten Dank aussprach, welche zum Gelingen dieses schönen Abends Kraft und Zeit zur Verfügung gestellt hatten. Der gemeinfchaftlichs Gasang des Liedes: „Großer Gott, wir loben dich", beschloß dick wirkungsvolle Feier.