Zuldaer Zeitung
Dienstag 18. November 1915
z. Blatt.
»tu» »<r Sel»«T Actiendrucerei in Seite.
Ausland.
A Der Atheismus der französischen Republik. Als vor einigen Tagen der Bischof von Chalons Mons. Marbeau die armen Opfer und Verwundeten der Eisenbahnkatastrophe von Melun besuchte, wurde ihm nahegelegt, sich un ausfällig zu entfernen, da der Besuch des Präsidenten der Republik Poincare angekündigt wurde- In dieser unpassenden Zumutung an den Bischof läßt sich am besten die ganze geistige Verfassung der Männer der dritten Republik gegenüber der Kirche und der Religion erkennen. Kirche und Staat sind getrennt in Frankreich; auch in anderen Ländern ist dies der Fall, aber dort kommen die Regierungen der Kirche trotzdem als einer gleichberechtigten moralischen Macht entgegen. In Frankreich hat der Staat einseitig diese Trennung durchgeführt, alles geraubt, was der Kirche an Eigentum verblieben war und ihr nichts gelassen als die Ehre, weil diese Ehre auch durch die brutalste Vergewaltigung nicht angegriffen werden konnte. Die Beraubten werden aber auch jetzt noch, mit der größten Brutalität verfolgt, und man hat die Stirne, einem Bischof in der Ausübung seiner priesterlichen Pflicht nahezulegen, er solle verschwinden, wenn der Ehef der Regierungsgewalt erscheint. Noch deutlicher erscheint das skandalöse Schauspiel, das die sranzoftschen Behörden auch bei Gelegenheit dieses schrecklichen Unglücks der Welt boten, wenn man erfährt, daß bei der offiziellen L e i ch en f e i e r der ersten Opfer von Melun die Kirche und ihre Diener völlig ausgeschlossen wurden. Das hat natürlich die Kirche nicht abgehalten, für die Opfer der Katastrophe zu beten und den Hinterbliebenen den Trost, den nur de Religion in solchen Fällen geben kann, zu spenden.
** Heber die Lage der Katholiken in Norwegen äußert sich der apostolische Vikar von Norwegen und Spitzbergen Msgr. Falize in einem Schreiben an den „Patriote" in Brüssel folgendermaßen:
Die weit größere Mehrzahl oer Norweger sind zwar Lutheraner; aber sie dürsten nach der Wahrheit und suchen sie eifrig und alle Jahre werden Hunderte von ihnen ergebene Söhne der Mutterkirche. Feinde der Kirch, sind fast unbekannt in Norwegen. Gan, un Gegenteil hat das norwegische Volk sowohl in seinen Gesetzen als in seinen Gebräuchen der katholischen Kirche, ihrem Oberhaupt, ihren Priestern, ihren Anstalten jeder Art beinahe unbeschränkte Freiheit gegeben, so unbeschränkt, daß jedes Land Europas es darum beneiden könnte. Wenn ich zuweilen die Angriffe, die unsere hl.
Kirche selbst in katholischen Ländern auszustehen hat, mit der Zuvorkommenheit des Königs, der Regierung und aller Autoritäten dieses protestantischen Landes uns gegenüber vergleiche sowie mit der Freundlichkeit des Volkes, die sich immer bewährt haben, so steigen mir Dankestränen in die Augen.
Aus dem Nachbargebiete.
k. Böckels, 17. Nov. 1913. Endlich sind die Ver- Handlungen über die Errichtung einer Schule für unseren Ort besser in Gang gekommen. Seither mutzten unsere Kinder mit denen von Wissels, Rex und andern Orten zusammen nach Margretenhaun zur Schule. Da die Schülerzahl dort in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat und die höchst zulässige Zahl für eine Klasse erheblich überschritten ist, hat unsere Gemeinde nunmehr erreicht, dah für die Kinder von Böckels, Wissels eventuell noch von Rex eine eigene Schule hier in Böckels errichtet werden" soll. Die Trennung von der Schule in Margretenhaun ist zu Beginn des neuen Schuljahres 1914/15 zu erwarten. Amtlicherseits hat schon eine Besichtigung der in Betracht kommenden Bauplätze für das Schulhaus stattgefunden.
;; Ulmbach, 16. Nov. 1913. Die Bewegung gegen den Mißbrauch des Alkohols hat auch in unserer Psarrei guten Boden gefunden durch die Einführung des Schutzengelbundes und die Errichtung einer Ortsgruppe des Katholischen Mäßigkeitsbunbes. „Die immer mehr um sich greifende Trunksucht," so sagt Kardinal Manning, „ist das größte soziale liebel, an dem die Welt krank darniederliegt; sie ist die offene Wunde, an der die menschliche Gesellschaft zu verbluten droht." Vorbeugen ist aber immer besser als Heilen, und darum ist die Gründung gerade des Schutzengel, bundes so sehr zu begrüßen. Es ist Pflicht der Eltern, ihre Kinder diesem Verein zuzuführen und seine Be- strebungen zu unterstützen, wie dies der Herr Ver- bandssekretär Knichel von der Zentrale heute morgen in einer Predigt den Erwachsenen ans Herz legte. Daß die Kinder selbst dem Verein das größte In- teresse und große Begeisterung entgegenbringen, da- »on sind wir nach dem Unterricht für die Kinder, der« heute nachmittag stattfand, überzeugt.
Zn der Schule der Leidenr.
251 Roman aus dem New-Iorker Leben.
Von Erich Friesen.
Die Hausmutter und die Wärterinnen gewinnen Felicie lieb und erleichtern ihr den Aufenthalt, soviel eS in ihrer Macht steht. Und Felicie selbst ist stets bereit zu helfen, zu trösten. Nie spricht sie von ihrem Gatten, nie von der Mutter, nie von der Vergangenheit — sie lebt und atmet nur in der Existenz Ihres kleinen Walter.
Eines Morgens, als Felicie sich über das Lager chres Kindes beugt, fährt sie erschrocken zurück.
Das Gesichtchen ist dunkelrot und aufgedunsen, die Stirn brennt wie Feuer! die Händchen krampfen sich zusammen.
Nur einen Blick wirft der Gefängnisarzt auf den kleinen Kranken; dann sagt er bestimmt: „Das Kind hat Gehirnentzündung."
„Wie?- Was sagen Sie?"
Ohne auf das entsetzte Gesicht der armen Mutter (u achten, wiederholt er ruhig:
„Das Kind hat Gehirnentzündung. Ich werd' chm etwas verschreiben."
Gleichgültig wie er gekommen, geht er wieder. In seinen Augen hat das Leben eines im Gefängnis geborenen Kindes wenig Wert. Vielleicht sind die Eltern gar noch froh, wenn die Bürde von ihnen ge- nommen ist. ...
Als er am Abend wiederkommt und das Kind untersucht, zuckt er die Achseln.
„Schwerer Fall von Gehirnentzündung. In diesem zatten Alter mehr als bedenklich. Machen Sie sich aus das Schlimmste gefaßt!"
Wortlos nimmt Felicie dos Kind in ihre Arme. Es schläft — schwer, unruhig. Zwei tiefrote Fieberslecke brennen auf innen Bäckchen.
Achselzuckend en'fernt sich der Arzt. Er hat doch nicht geglaubt, daß sie es gar so ruhig nehmen würde.
Saust legt Fr.icie ihr krankes jHrb in sein Veilchen. Dann neigt sir sich über den kleinen Körper und
* Bom Vogelsberg. 17. Nov. 1913. Am Samstag abend verschied in Schotten der langjährige erste Vorsitzende des Vogelsberger Höhenklubs (Gesamtverein), Oberamtsrichter N i s p e l, der seit über 20 Jahren dem Vorstände angehörte und als geborener Vogelsberger mit großem Geschick und Erfolg für seine Heimat gewirkt hat .
* Bebra, 17. Nov. 1913. Die Einwohnerzahl von Bebra beträgt nach der diesjährigen Personenstandsaufnahme 4345.
* Schlüchtern, 17 910b. 1913. Nachdem das von der Freifrau von Stumm zu Ramholz gestiftete neue Kreiskrankenhaus in Betrieb genommen worden ist, hat der Kreistag einstimmig beschlossen, unter dem Namen „Kaiser-Wilhelms-Jubiläum s- st i f t u n g" einen Freibettfonds zu gründen und 15 000 Mark als Grundstock hierzu aus dem Kapital- bestande des Kreises auszuwerfen. Die Zinser- traguisse sollen armen Kranken zugute kommen. Für die nächsten zwei Jabre sollen weitere 2500 Mark aus Ueberschüssen zu Dem Fonds geschlagen werden. Wie Landrat Dr. V a l e n t i n e r dem Kreistag rnit- teilte, hat der Fonds durch Private Zuwendungen schon jetzt eine Höhe von 27 350 Mark und wird in Kürze wieder eine Private Zuwendung von 5000 Maä erhalten.
* Langenselbold, 17. Nov. 1913. Am Samstag nachmittag fiel dem beim Neubau des Amtsgerichts beschäftigten Zimmermann Wilhelm Schäfer aus 10 Meter Höhe ein Mauerstein auf den Kopf. Schäfer erlitt einen Schädelbruch und mußte in das Landkrankenhcyrs nach Hanau verbracht werden.
* Neustadt a. d. S., 17. Nov. 1913. Im nahen Rödelmaier wurde der Auszügler Voltmuth sterbend aufgefunden. Durch Axthiebe war ihm der Schädel eingeschlagen worden. Als der Tat dringend verdächtig wurde der Schwiegersohn des Ermordeten, Hermann Zirk, in Haft genommen. Dieser stammt aus Oberstreu. Er wird als gewalttätiger, zu Exzessen neigender Mensch geschildert. Dem Mord durch Erschlagen scheint übrigens ein Vergiftungsversuch vorausgegangen zu sein. Der alte Mann klagte nach dem Genuß von Kaffee, den er abends zu sich genommen hatte und der ihm widerlich schmeckend vorkam, über Unwohlsein. Möglicherweise sollte mit der Beimischung in dem Getränk eine Betäubung des alten Volkmuth bezweckt werden, damit -w widerstandslos zu überwältigen gewesen wäre. Die Reste des Kaffees wurden von der Gendarmerie beschlagnahmt. Die Frau des Täters ist der Mitwisserschaft dringend verdächtig.
* Bad Kissingen, 17. Nov. 1913. Der zum Englischen Hof des Herrn Ch. L. Zapf gehörende gegenüber dem Hotel gelegene 1800 Quadratmeter große Bauplatz ging um 72 000 Mark an den Badearzt Dr. Hermann Norwitzky über.
♦ Schweinfurt, 17. Nov. 1913. Gestern schlug bei einem über die Stadt hinwegziehenden Gewitter der Blitz in die gefüllte Scheune der Restauration Zapf, aus welcher alsbald die hellen Flammen herausschlugen. Die Scheune brannte aus, ebenso teilweise das Dachpappenlager des Baumaterialienhändlers Wadenklee.
* Darmstadt, 17. Nov. 1913. Unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors- Geheimrat Fey in Darmstadt tagte hier der Hessische Sei ein für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt und K u n st p f l e g e. Zu der Versammlung, die aus allen drei Provinzen gut besucht war, waren eine Anzahl Kreisräte, Bürgermeister und sonsüge Freunde und Mitglieder des Vereins erschienen. Der Vorsitzende verbreitete sich in längeren Ausführungen über die Aufgaben des Vereins, die hauptsächlich in in der Erhaltung und Förderung der ländlichen Eigenart und der ländlichen Kultur besteht. Man will das Land gesund und lebensfähig erhalten, damit es ein nie versiegender Jungbrunnen für die Städte bleibe. Tie Landflucht müsse zurückgedrängt werden. Hierauf sprach Sanitätsrat Dr. Son - nenber qe r-Worms über die Verhinderung der Tuberkulose während der Kinderzeit mit besonderer Berücksichtigung ländlicher Verhältnisse. Daran anschließend sprach Prof. F r e n z e l über den Stand der Wohlfahrtspflege im Kreise Darmstadt. Dann wurde der Vorstand wiedergewählt und ein Kreisverband gegründet, zu deffen Vorsitzenden Geheimrat Fey gewählt wurde.
* Würzburg, 17. Nov. 1913. Der „Unter- fränkische Verein für Krüppelfürsorge" beschloß heute die Schaffung eines eigenen Krüppelheims für Unters ranken. Die Klinik des Pros. Dr. Riedinger mit Nebengelände wurde für 161000 Mk. angekauft.
* Paderborn, 17. Nov. 1913. Unter den ergreifenden Klängen des „Miferere" bewegte sich gestern
blickt mit großen, tränenlosen Augen in das fieberheiße Gesichtchen — lange, lange — —
Schon seit einer Weile wird sie von einem elend und verkommen aussehenden Weibe, das in sich zu- sammengesunken auf ihrem Lager hockt, beobachtet.
Jetzt nähert sich ihr das Weih. Die abstoßenden Züge zeigen einen eigenen Ausdruck von Teilnahme.
„Seien Sie froh, daß Sie das Wurm —" sie deutet mit dem abgezehrten Finger auf das schweratmende Kind — „so lange besaßen! Es hatte schon von der Geburt an den Todesblick!"
Felicie schreckt empor.
„Den Todesblick? Wie meinen Sie das?"
„Nun, so! Das Kind guckte immer so in die Welt hinein, als ob es nicht hierher gehörte, als ob es schon droben —" sie macht eine scheue Handbewegung nach oben — „mit seiner Seele wäre. Sehen Sie, ich versteh' mich drauf."
In Felicies Zügen geht eine eigentümliche Veränderung vor. Es ist. als ob etwas Entsetzliches durch ihre Seele ginge — etwas noch viel Entsetzlicheres, als die Angst vor hem Tode ihres geliebten Kindes.
Die Augen starr auf das Weib vor ihr gerichtet, fragt sie mit harter, wie in Entsetzen erstarrter Stimme:
„Sie sind im Gefängnis, weil Sie ein kleines, unschuldiges Wesen wie dieses töteten?"
Ein Schauer überfliegt den abgezehrten Körper der Frau.
Schweigend nickt sie.
„So sind Sie eine Mörderin."
„Ja, ja. Aber sprechen Sie nicht davon! Mein Leben würde ich darum geben, wenn ich es nicht getan hätte. Ach —"
„Geben Sie mir Ihre Hand! .... So!" Krampfhaft umklammern Felicies Finger die derbe, schmutzige Hand der Frau. „Wir sind Schwestern, Sie und ich. Ich habe Gott gebeten, noch ehe es gef en war, mein Kind zu sich zu nehmen — ich habe es mit meinen Gebeten getötet. Auch ich bin eine Mörderin. Wir beide sind gleich vor Gottes
I Angesicht!"
w
2435.42 *.t.
2452.3U Mk.
Mk.
1
3.
50.
11.
12. Zuschuß aus der Hauplkasse
2185.57 Mk.
Kinder-
meld
Einnahmen Ausgaben.
Ausgaben Einnahmen
7.
8.
231.62 Mk.
815.63 „
500.80 „
352.72 „
Krankenkost
150.—
105.75
95.—
75.—
. 25120 Mk.
. 87.40 .
. 235.45 „
. 19.75 ,
. 150.— . 50 — '* 438.60 . 150.— . 500.— . 100.— . 938 30
Von ungenannten Wohltätern . . . .
Von einem ungenannten Wohltäter . . Vom Hochwürd. Herrn Bischof Joseph Damian.......... •
folgendem:
Von der Stadt . .
Vom stad!pfarrlichen Mütterverem. .
Aus der Kircher'lchen Stiftung * . . Vom hochw. Herrn Prälat Dr. Frye Von einer Wohltäterin......
Dazu gab die Stadt
Ein ungenannter Wohltäter
Der Hauptkaffe wurde entnommen . .
51 Paar Schuhen im Werte von . . .
22 Anzügen und 12 Mädchenkleidern. .
Ausgaben:
1. 233'/- Pfund Fleisch.....
2. 3289 Piund Brot
3. 4950 Liter Milch.....
4. 2C7 Piund Kaffee
5 162 Ztr. Kohlen
6. Eier
Rechenschaftsbericht der Lioba-Konferenz.
Der Konserenz gehören 36 Damen als tätige Mitglieder an, durch welche im Laufe des Jahres an 53 Arme in allwöchentlicher Unterstützung folgendes
Außerdem schenkte ein edler Wohltäter 71 Flaschen Wein. Die Fuldaer Actiendruckerei stiftete ein« größere Anzahl Bonifatiuskalender und stellte allen vom Verein unterstützten Armen regelmäßig kostenlcs den ,Bonifatiutbo!en' zu. ,
Mehrere kranke und schwächliche Arme erhteltev von Mitgliedern des Vereins Kosttage. Für ein« Anzahl Kinder wurde Ausnahme in die Bewahrschul« erwirkt. Endlich machten sich noch vrele Damen ver« dient durch Nähen von Wäsche und Kleidungsstücken für die Armen.
Für die Seelenruhe zweier im Laufe des Jahres verstorbener Pfleglinge ließ der Verein je eine heilige Messe lesen.
Henrarraaend bewahrte
Nahrung.
Die Kinder gedeihen! vorzüglich dabei d. leiden nicht an
Verdauungsstörung.
Sie erhielten:
37 Paar Schuhe .....
14 Mädchenkleider
14 Knabenanzüge.....
Stoff zu Anzug und Unterkleider
Von Damen des Vereins wurden verschieden«
Kosttage gegeben. „ , . .
Eine der Erholung bebürfhge Kranke fand au! dem Hofe Hausarmen bei Schwarzbach liebevoll« kostenlose Verpflegung.
Von der Hedwig-Konferenz wurden zu Weißen. fonntag 35 Mädchen und 23 Knaben unterstützt
Rest 20.70 Mk.
Außerdem beschenkten die Damen aus eigenen Mitteln die Kinder in reichstem Maße. Einige wurden ganz gekleidet.
593.80 Mk.
Die Einnahmen fetzen sich zusammen aus
Als am Wend der Arzt kommt, um den Totenschein auszustellen, ist er höchst erstaunt, den kleinen Walter auf dem Wege der Besserung zu finden. >
„Ein reines Wunder!" murmelt er kopffchüttelnd und begibt sich zu einem andern Kranken.
Felicie aber sitzt selig lächelnd neben dem Lager ihres Kindes.
Ihre Lippen bewegen sich in stillem Dankgebet.
XVIII.
Kardinal-Fürstbischofs Dr. Kopp . . .
5. Aus der Kollekte der Sladlpfarrkirche .
—.37
35.10
539.65
22.—
36.05
143.20
276.40
20.—
37 —
vermischter.
* Eine gefährliche Scharlachepidemie ist in den Gelsenkirchen (Westfalen) benachbarten Orten Stop- penberg und S ch o n n e b e ck ausgebrochen. Dre Zahl der erkrankten Kinderbeträgt HO, von denen bereits 25 gestorben sind.
* Die Rente der Tänzerin. Eine interessante gerichtliche Entscheidung wurde in Toulouse gefällt. Die Tänzerin Lhgia d'Orna wurde vor einiger Zeit das Opfer eines Eisenbahnunfalls. Sie trug eine schwere Gehirnerschütterung davon, wurde infolgedessen wahnsinnig und mußte auf ihre Laufbahn verzichten. Für die Unglückliche wurde ein Prozeß auf Schadenersatz gegen die Eisenbahngesellschaft angestrengt und man verlangte 400 000 Francs. Das Gericht verurteilte die Eisenbahngesellschaft, der Tänzerin einen Schadenersatz von 50000 Francs, sowie eine lebenslängliche jährliche Rente von 3600 Francs zu zahlen.
* Prozeß gegen einen Räuberhauptmann. Vor dem Kriegsgericht in Jekaterinoslaw (Rußland) begann gestern die Verhandlung gegen den berüchtigten Raubmörder Feodor Kustsch. Seine Haupt- banbe zählt 76 Mitglieder. 507 Zeugen sind geladen. Kustsch hatte Nebenbanden in zahlreichen Städten Südrußlands organisiert.
Kaffenbestand vom 7. November 1912 . Sammelergebnis d. Generalversammlung Konferenzeinnahmen d. tätigen Mitglieder 4. Geschenk Sr. Em. des Hochw. Herrn
ein langer Leichenzug zum Ostfriedhofe, um dte sterblichen Üeberreste des Seminardirektors A. Schaaf (früher in Fulda) zur Erde zu bestatten. Dem Sarge voran gingen die Knaben der Seminar- Uebungsschule, die Schüler der Präparandie, tue Zöglinge des Lehrerseminars mit vielen prachtvollen Kränzen und das Lehrerkollegium. Dem Leichen- wagen folgten zunächst die Anverwandten, der Hoch- würdigste Herr Bischof Karl I o se P h in Begleitung des Hochwst. Herrn Wechbischofs Hahlmg und des Dompropstes Dr. Woker, Generalvikar Klein, Mitglieder des Domkapitels: es schloß sich an eine Abordnung des katholischen Studenten-Bereins „Thn- ringia"-Marburg (im K. V.), dessen Mitglied der. Ver- torbene war. Auch der Landgerichtsprasi- dentNordbeck, viele Geistliche, Lehrer und eine große Anzahl Leidtragender aller Stände gaben dem Heimgegangenen das letzte Geleite, ein Zeichen, welcher Hochachtung und Beliebtheit er sich erfreute.
. 614.50 Mk.
. 593.80 „
+ St. Elisabeth-Berein.
Rechenschaftsbericht der Hedwig-Konferenz.
Die Zahl der Mitglieder betrug 35, neu hinzu- getreten waren zwei Damen. Unterstützt wurden 55 Arme, von denen 4 starben. Der Verein ließ für ihre Seelenruhe hl. Messen lesen.
Einnahmen:
verteilt werden konnte:
1. 302 Piund Fleisch im Werte von . .
2. 6047 Pfund Brot „ „ „ • •
3. 2621 Liter Milch „ „ „ • •
4. 160 Pfund Kaffee und 594 Pfund Reis
5. 181) Suppenkarten
6. 572 Eier
7. 60 Ztr. Kartoffeln
8. 145 Ztr. Kohlen
9. Stoff zu Bettzeug •’••••••
10. Verschiedene kleinere Ausgaben . . ..
Einnahmen:
1. Aus der letzten Generalversammlung .
2. Von einem ungenannten Wohltäter
9.
10.
35.40 Mk
75.- „
20.- „
6.
7.
8.
Für Beitwäsche und Kleidungsstücke .
Verschiedene Ausgaben
Einnahme . . 2185 57 Mk.
Ausgabe . . 21,2.57 „
Ferner wurden 72 Erstkommunikanten, 31 Knaben und 41 Mädchen, unterstützt mit:
733.70 Mk.
. . 783.70 Mk.
. . 783.70 „
3. Von zwei Damen . . . .,•••■
4. Von Sr. Eminenz Herrn Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp .......
5. Vom Hochw. Herrn Bischof . . . .
6. Aus den wöchentl. Konserenzversamm- lungen
7. Legat des Herrn DuckS ......
8. Legat der Frau Weivemann . . . -
9. Legat des Herrn Wähler . ... .
10. Aus der Hauplkasse.......
347.50 Mk. 436,10 ,
783.70 Mk.
375.00 Mk.
150.00 „
25870 „
875.00 Mk.
100 00 .
87.50 , 50.00 „
2.00 „
614.50 Mk.
. 214.32 Mk . 418.61 „ . 843.— „
. 305.14 „ . 230.05 „
. 23.20 „ . 116 05 „
. 22.20 „
2172.57 Mk.
zu Tag.
Direlwr Furrer selbst denkt gar nicht daran, rn dieser Saison nach Newyork zurückzukehren. Weiter und weiter dehnt er seine Gastspiel-Tournee aus.
Barrington und Gerda Douglas sind nach wie vor die Hauptanziehungspunkte; besonders über Norberts künstlerische Leistungen sind Kritik wie Publikum des Lobes voll.
Zehn Monate sind etwa verflossen, seit Felicie Barrington wegen Scheckfälschung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war.
Norbert hat seine unglückliche Gattin nicht vergessen; aber die fünf mit ihr verlebten Monate un- geftörten Glücks versinken mehr und mehr hinter ihm wie ein schöner Traum. Glich nicht die kurze Zeit seiner Ehe einem Apriltag? Erst Sonnenschein; dann Regen, Gewitter und Sturm! . . .
Seit Monaten hat er nichts von ihr gehört.
Als sein Sohn geboren wurde, teilte man ihm die Tatsache kurz und amtlich mit, gleichzeitig mit dec Erlaubnis, ausnahmsweise an seine Frau schreib m zu dürsen. . ,
Er machte von dieser Erlaubnis Gebrauch; <ber der Bries blieb unbeantwortet.
Seitdem ist Felicie wie fortgewischt aus etnem Leben, das er jetzt ganz nur seiner Kunst wnht. —
An einem schönen Sonntagabend will Norbert seine Kollegin Gerda Douglas cussuchen.
"angsam schlendert er von -etner Warnung aus die kleinen, hinter knospei.dem Grün versteckten Billen entlang.
(Fottsetzung folgt.)
Rest W.- u ck.
Wie in den vergangenen Jahren, so wurden auch in diesem von einem langjährigen Wohltäter 20 Flaschen Wein geschenkt. Die Fuldaer Actiendruckerei ließ den Armen Kalender und Bonifatiusboten zu- tommen. In die Kleiderkammer, die seit einigen Jahren besteht, wurden Kleidungsstücke und Wäsche gegeben, jedoch entspricht sie lange nicht den Anforderungen, die an sie gestellt werden.
Sie sinkt neben dem Bettchen nieder und bedeckt das Gesichtchen mit beiden Händen.
Kopffchüttelnd entfernt sich die Frau.
Lange, lange verharrt Felicie in derselben Stellung. Ihre Schläfen hämmern, ihre Pulse fliegen. ...
Die Wärterin nähert sich ihr — Felicie sieht sie nicht —
Der Arzt rüttelt sie beim Arm — sie fühlt es nicht —
Draußen tobt der Sturm »um die hohen Gefängnismauern und raffelt an den vergitterten Fenstern — sie hört es nicht —
All ihre Gedanken wirbeln durcheinander. Sie meint, wahnsinnig werden zu müssen. Was tun, was tun, um Gott zu versöhnen, auf daß er sie nicht strafe, indem er ihr sündhaftes Bitten erfüQt und ihr das Kind sortnimmt!
Sie sinft in die Kniee.
„O mein Gott, mein Gott dort droben, höre mich!" fleht sie mit emporgestreckten Händen. „Strafe mich, wie Du willst. Aber laß mir mein Kind!" Laß mir das Einzige, was mir in meinem Unglück noch geblieben ist!"
Noch einige Augenblicke verweilt sie unbeweglich in derselben Stellung. Dann erhebt sie sich langsam.
Eine wundersame Ruhe ist über sie gekommen.
Still feilt sie sich neben das Bettchen und nimmt eines der kleinen, fieberheißen Händchen in die ihren.
Eine Stunde vergeht. Zwei Stunden vergehen.
Die Mutter am Bett ihres Kindes weist jede Nahrung zurück. Still fitzt sie da und wartet — wartet. . •
Inzwischen hat der Sturm sich gelegt; die Regenwolken sind geschwunden. Hell und klar erstrahlt die Sonne am tiefblauen Himmel, lugt oben durchs niedrige, vergitterte Fensterchen. spielt mit den blonden Löckchen des Kindes, daß sie wie Gold erschimmern und spiegelt sich in den gläubig emporgewandten Augen der jungen Mutter
Und Felicie fühlt, wie die Fieberhitze in dem kleinen Körper nachlätzt. Tie Atemzüge werden ruhiger, die fliegenden Pulsschläqe langfamer.
Einnahme . . 2452.30 Mk.
Ausgabe . . 2435.42 „
Uederschuß 16.88 Ml.
Aus denttNachlaß des Herrn Wähler . 100.—
Aus dem Nachlaß der Frau Kassierer
Weidemann.......... 500.—
Aus dem Nachlaß des Herrn DuckS . . 150.—
---- ' * . 384.70