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2. Blatt.

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iontag 17. November 1915.

Lokales.

Fulda, 17. Novcmier 1913. u---: Cäcilia-Konzert.

Das Konzertdrama „KaiserMaxundseine Jäger'', das gestern die Cacilia so glanzvoll zur Aufführung brachte. Herten wir hier zum ersten Male vor neun Jahren. E» war das erste Konzert nach der Wiedervereinigung der Cacilia mit der Liedertafel und somit auch das erste unter Leitung Leders. Für die Cacilia begann von da ab eine neue Blüten­periode, in der sie einen ungeahnten Aufschwung nahm.

Nach den glänzenden Aufführungen von Tinnels „Franziskus", Novowieskh's „Quo vadis" und Ver­dis „Requiem", die sämtlich sehr hohe Anforderungen an einen Chor stellen, war es ja keine allzuschwere Aufgabe, die gestern zu lösen war. Aber wie der trefflich durchaebildete Chor diese löste, daran konnte man seine volle Freude haben.

Der über 100 Mitglieder starke Chor weist ein Stimmenmaterial auf, um das uns manche Großstadt beneiden könnte. Sämtliche Stimmen, auch Tenor und Alt, bei denen es ost recht mangelt, sind sehr gut besetzt. Hierdurch ist eine Einheitlichkeit und Ausge­glichenheit vorhanden, wie man sie besser nicht fut- ben kann. Hinzu tritt die gründliche und sorgfältige Schulung unter der Leitung des Kgl. Musikdirektors Leber, der es versteht, die Mitglieder zur vollsten Hin­gabe an die edle Kunst zu begeistern.

Das Werk, ttas in dem Verlage von Alohs Maier dahier erschien, hat in der Zwischenzeit zahlreiche Auf- Lchrungen erlebt und allerorts großen Beifall gefun­den. Der Komponist hat als Text, tote zu seinen meisten größeren Tontoerken, eine Dichtung Rudolf Baumbach's gewählt. Man fühlt, daß sich hier zwei congeniale Naturen zusammenfanden. Doch darf man der Musik vor der, manchmal allzusehr ins süßliche verfallenden Dichtung, unbedingt den Vorzug geben. Aus den Tönen spricht ein reiches Talent mit großer Gestaltungskraft. Die süßen Klänge mit ihrer wei­chen, schönen Melodie und ungekünstelten Harmonie versetzen uns ganz ins Zauberland der Romantik. Prächtig ist die farbenreiche Instrumentierung, die in den vielen Tonmalereien zum Ausdruck kommt und uns bald zarte, duftige Frühlingsstimmung, bald die Sonnwendnacht mit ihrem geheimnisvollen Zauber, bald die Schrecknisse eines Ungewitters im Hochge­birge mit naturwahrer Detailmalerei schildert. Groß­artig angelegte Chöre, mit kontrapunktisch meisterhaft bearbeiteten Fugensätzen, wechseln mit Stellen zart- empsundener Lyrik. Beim Gewitterchor, dem wir­kungsvollsten, aber auch schwierigsten des Werkes, ent­faltete der Chor eine Wucht und Klangsülle, die mit dem wildtosenden Sturm der Instrumente des Orche­sters vereint, von imponierender Wirkung war. Auch her überaus stimmungsvolle Chor: „Die Tannen im Traum sich wiegen" mit dem leise verhallenden Schluß: „Die Nacht geht über die Höh'n" war eine Leistung, die an musikalischer Akkuratesse nichts zu wünschen übrig ließ. Bei allen Chören erfreute rythmifche Genauigkeit und ausdrucksvolle Phrasie­rung, auf die besonderer Wert beim Einstudieren ge­legt worden war. Bei den Rezitationen wußte der Chor bei voller Sprechdeutlichkeit den gesanglichen Charakter voll zu wahren. Auch den frischen Knaben­stimmen ein Wort des Lobes. Sie sangen mit kind­lichem Wohlklang ihren Part sicher und rein und ver­halfen dem Choral: „Gott sei Dank in aller Welt", der mit seiner Trompeten- und Posaunenbegleitung, in das sich weihevolles Gwckengeläute mischt, zu den schönsten Stellen des Werkes gehört, zu einer ergrei­fenden Wirkung.

Das Orchester bestand aus unserer, durch einige Geiger und Holzbläser verstärkten Artillerie- Kapelle. Die schönen Orchesterzwischenspiele, die vie­len Tönmalereie.r, besonders der effektvolle Gewitter­sturm mit seinen wildaufbrausenden Motiven, die ^Begleitung zu den Chören, überhaupt die ganze glanz­volle Instrumentierung des Konzertdramas wurde von den tüchtigen, trefflich geschulten Musikern mit schönster Abtönung den Chor wirkungsvoll unter­stützend, zu Gehör gebracht.

Wie immer hatte die Eäcilia eine sorgfältige Wahl bei denS o l i st e n getroffen. Es waren sämtlich neue Erscheinungen für uns, die wir gestern zu hören be­kamen. Geradezu ideal besetzt war die Partie der Marilene. Frln. Margarete W u t h aus Eisenach sang sich mit ihrer juaendfrischen, ganzvollen Sopran­stimme sofort in die Herzen der Zuhörer. Ihre gw- tzen Stimmittel, verbunden mit einer vollendeten Schulung, die sich in einer überaus leichtflüssigen To.1- entfaltung der Kantilene kundgibt, sowie der poetische Dust ihres Vortrags sind Eigenschafteft, die man selten so glücklich vereinigt findet und ihr eine große Zukunft versprechen. Auch der Hans Sachs des Herrn Franz Müller aus Darmstadt war eine prächtige Leistung. Der Sänger verfügt über einen lyrischen Tenor von großer Klangschönheit und Weichheit. Er sang seine dankbare Partie mit musikalischem Ge­schmack und lebenswarmer Empfindung, die beson­ders in der Arite: „Heimat, teure Heimat" und in dem reizvollen: „Behüt dir Gott auch deinen rosen- farbnen Mund" zur Geltung kamen. Mit einer sehr ausgiebigen und ansprechenden Baritonstimme sang Herr Karl Hugo Müller aus Eisenach den Sixt. Die starken Steigerungen, die der Komponist in die Partie des etwas wild und leidenschaftlich veranlag­ten Jägers gelegt hat, gaben ihm reichlich Gelegen­heit, seine temperamerrtvolle, lebendige Vortragsweise zum Ausdruck zu bringen. Sehr wirkungsvoll gelang den drei Stimmen das herrliche, fugenartig aufge­baute Terzett beim Sonnwendfest. Nicht so ganz be- friedigte Herr Otto Brömme, der die Partie des Kaisers Max sang. Es fehlt seinem, in der Mittel­lage recht wohlklingenden Organ an Tiefe und auch an Schulung. Die kleine Altpartie fand in unserer heimischen Sängerin Frau Kallmeher eine aus­gezeichnete Vertreterin. Sie sang mit gewohnter tech­nischer Sicherheit und gutem musikalischem Vortrag.

Das ganze Konzert war, wie wir es bei der Ca­cilia >nicht anders gewohnt sind, großzügig angelegt und glänzend durchgesührt. Es wirkten nahezu 200 Personen mit und dieser große Apparat versagte auch bei den schwierigsten Stellen nicht. Die Cäcilia kann

I mit großer Bcsriedigung auf diesen neuen Erfolg zu­rückblicken.

# Personalien. Versetzt wurde der Regierungs­baumeister Steche! von Königsberg i. Pr. als Vor­stand deS Hochbauamtes I in Marburg. — Dem Privatdozenten in der medizinischen Fakultät dcr Univ.rsität in Marburg Dr. Ernst Frey ist das Prädikat Profeffor beigelegt worden.

-t- Albertys-Magnus-Verein. Der Diözesanvor­stand des Albertus-Magnus-Bereins trat am Don­nerstag voriger Woche zu einer Sitzung zusammen, um über die für das Wintersemester eingelaufe- nen Gesuche zu entscheiden. Im Ganzen wurden 17 Beihilfen Jm Gesamtbetrag von 1800 Mk. be­willigt und zwar 8 Beihilfen ä 125 Mk, 5 ä 100 und 4 ä 75 Mk. Die Gesuche von 7 Studierenden, die seither von der Zentralstelle in Trier unterstützt worden sind, wurden wieder dorthin überwiesen, zwei erst im zweiten Semester stehende Bewerber mußten auf das nächste Jähr vertröstet werden. Nach den allgemeinen Statuten sollen erste und zweite Seme­ster noch nicht unterstützt werden. Die Zahl der Bitt­steller tft ohnehin schon verhältnismäßig sehr groß, und wenn nicht bestimmte Grenzen gezogen werden, müssen die Beihilfen gar zu klein ausfallen und tön" neu kaum noch als eine ersprießliche Unterstützung angesehen werde«. Der Diözesanvorstand toüÄe gern auch statt der Beihilfen von 75 Mk. solche von 100 Mark gegeben haben, es war aber nicht möglich, er ist so schon bis an die Grenze der Möglichkeit gegangen in der sicheren Erwartung, daß die noch rückständigen Beiträge der Ortsgruppe und Einzelmitglieder min­destens in der gleichen Höhe anfallen wie im vorigen Jahre und auch noch ein oder die andere außerordent­liche Gabe gebucht werden kann. Möchte man doch auch in 2 ejt a m e n t e n den Albertus-Magnus- Vcrein nicht vergessen. Der Albertus-Mag- nus-Verein leistet für den deutschen Katholizis­mus eine ganz bedeutsame Arbeit. In allen gelehrten Berufen sind die Katholiken der Gesamt­zahl der kathoKschen Bevölkerung nicht entsprechend vertreten. Der Hauptgrund dieser betrübenden Er­scheinung ist darin zu suchen, daß die deutschen Ka­tholiken zu arm sind, um ihre Kinder diesen kost­spieligen Berufen zuzuführen. Hier setzt die Tätigkeit des Vereins ein, um durch die Leistungsfähigkeit der Gesamtheit das zu ersetzen, was den einzelnen abgeht. Dadurch, daß er zugleich die Würdigkeit und Bedürftigkeit der Bewerber mit in Rechnung zieht, entspricht er allen billigen Anforderungen. Möchten doch besonders alle bessergestellten Katho­liken sich dem Albertus-Magnus-Verein anschließen. Wo keine Ortsgruppe besteht, schickt man seinen Bei­trag direkt an den Kassierer Herrn B a n k d i - reit0r Otto Göbel--Fulda. Es könnte üb­rigens noch an einer ganzen Reihe von Orten die Gründung von Ortsgruppen ermöglicht werden. I n diesem Jahr scheint aber leider keine einzige neue Gruppe sich zu melden, um so bedauerlicher ist es, daß auch die Beiträge der alten Ortsgruppen stellenweise Nachlassen. Hoffentlich geht diese Be­wegung auf der absteigenden Linie nicht weiter, son­dern nimmt recht bald und dauernd wieder die R i ch- tun g nach oben. Eine schon früher ge­gebene Anregung — daß alle katholischen Vereine sich in corpore durch einen entsprechenden Beitrag am Albertus-Magnus-Verein beteiligen, möchten wir ^ich heute wieder in Erinnerung brin­gen in der Hoffnung, daß sie diesmal Beachtung findet.

+ Geueralversamrnlmig des Elisabethdereins. Ta am Fest der hl. E - - "■* 25jährige Jubi­

läum des St. Lioba»Kre s-Siechenhauses gefeiert wird, fu u m Elisabeth-Verein seine Generalversammlung fchon gestern ab. Herr Dom­kapitular Herbener begrüßte den Hochwürdigsten Herrn Bischof, den Hochw. Herrn Generalvikar und die übrigen erschienenen Herren und feierte dann in einigen einleitenden Worten die Nächstenliebe, mit deren Verwaltung Gott der Herr das Weib vorzugs­weise belehnt habe. Die von ihm verlesenen Rechen­schaftsberichte der Hedwig« und der Lioba- Konferenzen gaben ein erfreuliches Bild der Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahr. Er dankte den Damen herzlich für alles, was sie an den Armen und Kranken und Kindern getan, die zwar hier nicht erschienen seien, die aber der Heiland ihnen einst vorführen werde. Pietätvolle Worte widmete er den in die Ewigkeit Geschiedenen, welche dem Ver­ein hochherzige Vermächtnisse zugewandt haben. Hier­auf erteilte er Herrn Pros. Dr. Richter das Wort za einem Vortrag über die Heiligsprechung der hl. Elisabeth.

Mit der Gründlichkeit des strengen Geschichtsforschers behandelte der hochw. Festredner sein an erbaulichen Zügen reiches Thema, wobei er seinem Zuhörerkreis auch die Kenntnis neuer für die Elisabethforschung wertvoller Quellen vermittelte, u. a. zwei interessante Privatbriefe einer Aebtissin von Wetter. Der vorgeführte Heilig- sprechungsprozetz beleuchtete klar, mit welcher Sorgfalt und peinlicher Exaktheit die Kirche bei der Prüfung aller Wunder und dem Verhör der eidlich vernommenen Zeu­gen borgeht. Anschaulich und lebendig war die aus den ältesten Originalaussagen geschöpfte Tatsachendarstel­lung und besonderes Interesse gewann sie noch durch den lokalen Einschlag in zwei Wunderberichten, die sich auf Bewohner unserer Nachbarschaft, auf einen blinden Knaben aus Schlitzenrod und auf ein lahmes Mägd­lein aus Buttlar beziehen. Die regen sBe#ie^*e@iu, welche die thüringischen Landgrafen zu Fulda hatten, und die urkundlich bezeugten Besuche des Gemahls un­serer lieben Heiligen bei verschiedenen Anlässen berech­tigen zu der Annahme, daß sie auch selbst den Boden unserer Stadt betreten habe. Wurde doch auch ein von ihr gefertigtes Meßgewand hier aufbewahrt, und von den Aebten an hohen Kirchenfesten angelegt. Alle Künste haben die große und liebenswürdige Heilige ver­herrlicht, aber am besten wird sie erfaßt und verherr­licht in der Nachahmung ihres Tugendlebens. Nicht in praktische Schlußfolgerungen sollte die Rede ausklingen, hätte doch die hl. Mission in diesem Betracht erst die reichsten Anregungen geboten, sie schloß mit dem Gedan. len, daß die Ebenbürtigkeit der Frau mit dem Manne nie einen so herrlichen Sieg gefeiert hat, als in einem Bilde weiblicher Heiligkeit, das die Kirche als Ideal der christlichen Frau zur höchsten Bewunderung und Nach­ahmung hinstellt; — ein Leben voll stiller Frauentugend,

das nur 24 Jahre zählte, durch die Kirche aber Jahr­hunderte und Jahrtausende nun fortwirkte.

Herr Tomkapuular Herbener dankte für den sehr lehrreichen Vortrag und ermahnte die Mitglieder, die hohe Vereinspatronin in ihren Werken nach­zuahmen und auf ihre Fürsprache das größte Ver­trauen zu sehen. Der Hochwürdigste Herr Bischof hielt eine ermutigende Ansprache, in der er zunächst eine schöne Stelle auZ dem Offizium des hl. Bonifatius in Beziehung auf die hl. Elisabeth, die wir immer noch nicht genug schätzen, - anwandc?. Der Vortrag habe gezeigt, wie die Kirche bei Heilig­sprechungen mit der strengsten Kritik vorgehe und daß wir deshalb das größte Vertrauen haben können. An einen Hinweis auf das den Katholiken entrißene Grab der hl. Elisabeth knüpfte unser Hochwürdigster Oberhirte die Aufforderung an die Frauen und Jung­frauen Fuldas, die Agitation für -den Bau einer in Marburg geplanten Kirche in die Hand zu nehmen, sei dies doch Ehrensache für die heutige Diözese Fulda, in deren Bezirk das Leben der hochgefeierten Heiligen sich vollzog. Die Versammlung empfing knieend den oberhirtlichen Segen und wurde wie immer mit Opfer und Gebet geschlossen.

(=) Zm Mutierhaufe der Barmherzigen Schwestern wurden heute 19 Jungfrauen in feierlicher Weise ein­gekleidet. 15 Novizinnen legten gleichzeitig die ersten heiligen Gelübde ab. Der Hochwürdigste Herr Bischof - nahm dir Feier unter zahlreicher Beteiligung der An­gehörigen der Schwestern vor. Ain vergangenen Samstag hatten 27 Schwestern die ewigen Gelübde abgelegt.

;; Kath. Frauenbund. Erfreulicherweise sind die Anmeldungen zum kath. Frauenbund recht zahlreich eingelaufen. Weitere Anmeldungen sind jedoch sehr wünschenswert. Deshalb sind Einziehungslisten im Damenzimmer der Volkslesehalle aufgelegt, auch nimmt die Vorsitzende des Zweigvereins wie seither Anmeldungen entgegen. Der jährliche Mit- gliedsbeitrag beträgt 2 Mk. Dafür erhalten die Mitglieder "kostenlos die Zeitschrift „Frauenland" und haben das Recht, die Zeitschrift „Die christliche Frau" zum jährlichen Preise von 3 statt 5 Mk. zu beziehen. Der Beitritt zum Zweigverein als zahlendes Mitglied verpflichtet nicht zur persönlichen Tätigkeit in dem Verein.

tr Wiederholung der Konstantinischen Feier. Auch die gestrige zweite Äbendunlerhaltung des katholischen Gesellenvereins stand unter einem guten Stern. Bis aufs letzte Plätzchen waren die Festräume besetzt mit erwartungsfrohen Gästen. Sänger und Spieler ernteten wiederum für ihre Darbietungen stürmischen Beifall und Bravorufe. Das lebende Bild »Der Triumph des Kreuzes* mußte mehrmals gezeigt werden. Der feftgebenbe Verein kann mit dem Ver­lauf seines 58. Stiftungsfestes sehr zufrieden sein.

[.] Mit Auszeichnung bestanden. Herr cand. rer. merc. Joseph Christian Hohmann von hier hat vor der Prüfungskommission der Handelshochschule in Köln das Diplom-Examen mit Auszeichnung be­standen.

/X Die nächste Vollversammlung der Landwirtschasts- fOmmer wird im Gegensatz früherer Jahre nicht im Dezember, sondern erst im Januar nächsten Jahres im Sitzungssaale des Ständehauses abgehalten werden. Anträge zu der Vollversammlung nimmt der Vor­sitzende, Herr Rittergutsbesitzer Maertens, noch ent­gegen.

-y- Krieger-Sanilätskolonue. Am Samstag abend beging die Krieger-Sanitätskolonne vom Roten Kreuz- Fulda ihr 30. Stiftungsfest. Unter den Ehren­gästen befanden sich u. a. Herr Landrat Freiherr von Doernberg. Dem Kameraden Franke-Kohlhaus wurde die für 15 jährige Dienstzeit vorgesehene Auszeichnung zu teil und Kamerad B. Bartel-Fulda, das einzige Mitglied, das auf eine 30jährige aktive Tätigkeit in der Kolonne zurückblicken kann, wurde durch ein kostbares Geschenk geehrt. Der Herr Landkrankcn- hausdirektor Dr. Gunkel wurde zum Ehrenmitgliede ernannt. Durch ernste und heitere Vorträge wurde in der militärisch disziplinierten Sanitätskolonne ge­zeigt, daß die Geselligkeit auch zu ihrem Recht kommt, daß auch treue Kameradschaft daselbst gepflegt wird. Für die hervorragenden Leistungen des Doppelquartetts der Gesangsabteilung des evangelischen Arbeiterver­eins unter Leitung des Kameraden Wittig dankte dcr auf diesem Gebiete sachverständige Kolonnenarzt Herr Dr. Schneider. — Zur Fortsetznng des Ans- bildungskursus findet die nächste Unterrichts­stunde am Mittwoch den 19. d. Mts. nachmittags 3 Uhr im Lindenhof statt. Es können sich zur Teil­nahme daran noch einige Personen daselbst beim Kolonnensührer Siebert melden.

./• Die monatlichen Durchschnittsbeträge der höchsten Tagespreise mit einem Ausschlag von fünf vom Hundert, die für die Vergütung der im Monat November 1913 verabreichten Fourage maßgebend sind, belaufen sich in den Kreisen Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern für den Zentner Hafer auf 8,66 Mk., Heu 3,05 Mk., Stroh 2,10 Mk.; in den Kreisen Marburg und Kirchhain für den Zentner Hafer aus 9,45 Mk., Heu 3,68 Mk. und Stroh 3,15 Mk.

T Rotlanduug eines bemannten französischen Luft­ballons. Gestern vormittag verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Kunde durch die Stadt, nahe bei Sickels sei ein Luftfahrzeug mit Besatzung verun­glückt. Mit Rücksicht auf bett feit mehreren Tagen herrschenden orkanartigen Sturm nebst Regengüssen sand das Gerücht vorerst wenig Glauben. Die Er­mittelungen ergaben, daß die Sache doch einigermaßen auf Wahrheit beruhte. In der Nacht zum Sonn­tag gegen 3 Uhr landete tatsächlich in der Nähe von Sickels ein großer Luftballon mit 2 Passagieren. Die Insassen begaben sich vormittags in unsere Stadt und bezogen in einem Hotel Quartier. Sodann meldeten sie sich bei der Polizeibehörde, wo sie von dem Vertreter des Polizcidircktors vernommen wurden. Es erfolgte eine eingehende Prüfung der mitgesührten Papiere. Diese waren in Ordnung. Spionageverbacht lag nicht vor. Die Rückkehr in die Heimat konnte deshalb gestattet werden. Wie wir erfahren haben, handelt es sich um zwei französische Luftschiffer, die Samstag nachm. gegen ch'e4 Uhr zu einem Weilflug inParts aufgc stiegen waren. Es war ein Rechts­anwalt und ein Bankier aus St. Cloud bei Pa is.

Durch den herrschenden Sturm wurden sie gegen ihre Absicht nach Osten getrieben und passierten die Grenze. Bei Sickels kamen sie in einen orkanartige Sturm mit heftigen Regengüssen, sodaß sie sich zu einer Notlandung entschließen mußten. Diese Landung war in Anbetracht des Fehlens jeglicher Hilfe bei dem gewaltigen Sturm überaus schwierig. Einige Teleciraphendräthe sind auch dabei in Stücke gegangen. Für diesen Schaden haben die kühnen Lnftschiffer das Postamt Fulda gestern noch ent­schädigt. Der Anker und einige Taue waren sehr mit Lehmboden beschmutzt. Der Ballonkorb nebst Lulle wurden gegen Mittag mittels Rollwagens nach hier gefahren und bei einem Spediteur untergebracht der heute die Verfrachtung vornimmt, während die Franzmänner bereits gestern nachmittag die Rückreise nach Paris antraten.

(:) Ouittnngskartenkontrolle. Sicherem Vernehmen nach findet in Kürze eine Revision der Quittung^ karten statt. Im Interesse der Arbeitgeber, besondere derjenigen, die mit der Entrichtung der Beiträge etwa noch im Rückstände sind, machen wir hieraus aufmerksam.

— Einkommen-Festsetzung. Gemäß § 46 des Kom­munalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 ist Las Reineinkommen der hessischen Staatseisenbahnunter­nehmung, soweit es der Besteuerung durch die ab­gabeberechtigten preußischen Gemeinden im Bereiche der oberhessijchen Eisenbahnen (Fulda, Großenlüder, Salzschlirf, Gelnhausen, Lieblos und Oberbimbach) unterliegt, für das Steuerjahr 1913 auf 46 372 Mk. festgesetzt worden.

11 Die rieutenlosen Fenster in den Eisenbahnwagen der preußisch - hessischen Strecken haben sich so gut bewährt, daß jetzt alle v-Zugwagen damit aus­gerüstet werden sollen.

[] Verhaftet wurde in Aschaffenburg ein schon häufig vorbestrafter Maurer aus Niederröderhöhe, der in der Nacht zum 21. Oktober in einer Waff en- handlung in der Bahnhofstraße einbrach. Die sieben Schußwaffen, die er dort gestohlen, wurden gelegentlich einer Haussuchung in der Wohnung beS Diebes in Frankfurt a. M. gefunden.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 16. Nov. 1913. In den in der Nacht zum 3. Juni durch das Hochwasser schwer beschädig­ten Orten und Fluren sind die Einwohner noch im­mer damit beschäftigt, die Spuren des Unglückes zu zu beseitigen. In K r a n l u k e n ist die Ortsstraße nunmehr ganz sertiggestellt, desgleichen in Schlei d, jedoch bedarf es noch einiger Arbeit, um die Wiesen und Flurwege erst ganz wieder herzustellen. , Das Entgegenkommen des weimarischen Staatsministe- riitms ist hier allgemein begrüßt worden.

* Dermbach, 16. Nov. 1913. Der Gemeinderat im benachbarten Orte Aschenhausen hat beschlossen, mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung der Bäder ein Volks - und Schulbad hier einrichten zu lassen. Die Kosten sollen ans dem Ertrag des Verkaufes bei früheren israelitischen Schule bestritten werden.

* Tiefenort, 16. Nov. 1913. Zur Bestreitung der Kosten für die elektrische Beleuchtungs-An­lage im hiesigen Orte haben die hiesigen Gemeinde- Behörden die Aufnahme eines Darlehns von 40,000 Mk. bei der Landeskreditkasse beschlossen. Das Kapital soll mit 4Vi Prozent verzinst und mit 53/t Prozent ge­tilgt werden.

Aus Oberheffen u. den Hess. Aemtern.

--- Marburg, 16. Nov. 1913. Ein Student, der in der vorletzten Nacht in der Barfüßerstr. an einer Laterne emporkletterte, um sie auszudrehen, stürzte ab und erlitt mehrere Rippenbrüche und einen Armbruch. Von Bekannten wurde er nach seiner Wohnung gebracht.

A Marburg, 16. Nov. 1913. Heute früh gegen 6 Uhr zog ein schweres Gewitter, mit Hagel, Sturmwind und starken Regengüssen verbunden, über das Lahntal. Die Lahn nebst ihren Nebenflüssen sind vielfach aus den Ufern getreten.

* Seigertshausen, (Kr. Ziegenhain), 16. Nov. 1913. Der Händler R. von hier wurde bei Neukirchen von dem Gendarmen abgefaßt, als er ein erlegtes junges Reh in feine Wohnung bringen wollte. R. kam zur Anzeige.

* Wabern, 15. Nov. 1913. Im Dorfe Hebel brannten Scheune, die umfangreichen Stallgebäude und zwei Schuppen des Gutsbesitzers Heimel nieder. 150 Schafe find in den Flammen umge­kommen. Auch wird ein Pferd und ein Ochse vermißt. Das Wohnhaus konnte gerettet werden. Der Brandschaden soll durch Versicherung gedeckt fein. ■

Handel und Industrie.

Berlin, 15. Nov. 1913. Schlechte Industrie- berichte, befonders vom Eisenmarkt, verstimmten die Börse. Auch die Ankündigung einer neuen Anleihe­ausgabe Preußens im nächsten Frühjahre bildete einen Grund der Verstimmung, zumal heute hierdurch ein neuer Kursdruck auf unserem Anleihemarkt aus- geübt wurde.

Gotterdienstordnung.

Dienstag, 18. November. Frauenberg. Nachm. von 2’A—4 Uhr Beichlgelegenheit für das Militär.

Ceciferrin

ausgezeichnet mit der goldenen Medaille auf der inter­nationalen Weltausstellung, Geut 1013.

Gibt den Schmach«» neue Kräfte, den Blutarme» neue» Klnt. den Schlaflosen erfrischende» Schlaf.

Die Nerve» werden b«r»higt und gekräftigt, das Au» sehe« wird frisch, die Augen klar.

Kinder, di- in der Entwickelung zurückgeblieben sind, und Mädchen in de» Jahre» der Keife finden in Leciferrin ein wertvolles Präparat, um das Blut zu bereichern und die Entwicke­lung z» befördern.

Preis W. 3.— die Flasche. Man achte beim Einkauf genau auf das Wort ,Keciserrm". In Apotheken, ganz sicher von: Aof-Apothek», Köwen-Apotheke und Engel-Apotheke in Lulda. 286

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