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Fuldaer Zeitung

triqetw tfigfld) mtt Ausnahme 6er Sonn- und Relertage. ülertel- | jüyrllch«' Bezugspreis ohne Brlngertoljn und Bestellgeld In Zulda sowie auswärts 1.50 Mord. •••• Rototlonsöru» und Verlag der I L s Zuldoer flctienbrudterei In Hulda. Fernsprecher Nr. 9.

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Montag den 17. November 1913.

Crstes Blatt.

Nr. 266.

40. Jahrgang.

der

gen gewähren. Sollte die Regierung in ihrer

Einigkeit ist es, das Euer Mcjcstät auch

in

Katers

zu erkennen meint.

eise, wie ihre Seele er-

schlafft, verfallt rhr Körper. Von Tag zu Tag wird . sie die Gefäugnismauern, was'der Mangel an Un-

Ein unendliches Glücksgefühl durchbebt ihr Herz.

Inbrünstig faltet sie die Hände über dem grauen Bündel-, Ihre Augen tragen einen verklärten Aus­druck. Es ist, als ob ein Hauch ihres früheren tiefen Empfittdens über sie gekommen sei. —

Bon nun an erscheinen die Dinge um sie her Fclicen in extern neuen Licht. *

Sie ist nicht länger unglücklich. Was kümmern

Felicie blickt nieder auf das kleine rote Köpfchen mit dem Büschel blonder Haare am Schopf. Die Augen stnd weit offen — große blaugraue Augen, in welchen die junge Mutter das Ebenbild des Bi

Deutsches Netch.

** Ter König von Sachsen in München. König Friedrich August von Sachsen,

Ende der vorigen Woche als Gast des Königs Ludwig III. von Bayern in München weilte, folgte Samstag mittag einer Einladung der Stadt München und besichtigte das neue Rathaus. "Nach dem Rundgang durch das Rathaus wurde dem König ein Ehrentrunk gereicht. Oberbürgermeister Dr. von Borschl begrüßte den König als Verbündeten und Verwandten des Königs von Bayern, als treu zu Kaiser und Reich stehenden Bundesfürsten sowie als hochsinnigen und werktätigen Alpenfreund.

Bei der Galatafel, die am Abend in der Resi­denz stattfand, brachte König Ludwig III. einen, herzlichen Trinkjpruch auf seinen Gasts aus. Der König gedachte zunächst der patriotischen Gedenkfeiern, die im Reiche Heuer begangen worden sind. Kurze Zett nach der Feier in Kehlheim, sagte der König, die den deutschen Kämpfern der Befreiungskriege galt, erinnerte die Einweihmtg des Leipziger Denkmals an die Helden all' der Völker, die vereint mit den Deutschen jene gewaltige Schlachten geschlagen haben. Bei diesen beiden Festen sei sichtbar die unerschütter­liche Einigkeit zum Ausdruck gekommen, in der Deutschlands Für st en und Völker zu Kaiser und Reich flehen. „Das Gefühl dieser

Bayern die Herzen zu freudigem Willkomm entgegen­schlagen läßt." Zum Schluß bat der König den sächsischen Herrscher, die Ueberzeugung mit sich zu nehmen, daß das ganze bayerische Volk nut ihm eins sei in dem Wunsche des Segens für den KKnig von Sachsen, für sein Haus und für das arbeitsame, schöne und blühende Land Sacksen.

König Friedrich August hob in seiner Er­widerung hervor, daß König Ludwig daran erinnert habe, wie nach Begründung des Deutschen Reiches noch andere, unzerreißbare Bande die Häuser Bayerns und Sachsens verknüpften, und wie der König und er mit den deutschen Fürsten und Völkern in un­erschütterlicher Einigkeit zu Kaiser und Reich stünden. „Die herzlichen Beziehungen zwischen unseren Häusern und Staaten", sagte König Friedrich Augustj „die Wohlfahrt unseres großen deutschen Vaterlandes sorgfältig zu pflegen, wird auch fürderhin mein ernstes und eifriges Bestreben sein. Und zu hoher Befriedigung gereicht es mir, wie heute erneut bekräftigt wird, mit Eurer Majestät, meinem treuen Freunde und Bundes­genossen, eines Sinnes zu sein, sowie gleiche Ziele zu verfolgen." Der König von Sachsen schloß mit Worten warmen Tankes für den herzlichen Empfang, den er in München gefunden habe.

Beide Trinkfprüche machten durch die entschiedene nationale Rote, die in ihnen zur Geltung kommt, einen trefflichen Eindruck. Unmittelbar nach der Tafel ist der König von Sachsen abgereist.

» Berlin, 16. Nov. 1913. Der Kaiser ist am Samstag früh im Sonderzuge in Stiel eingetroffen. Aas dem Bahnhof war Prinz Adalbert anwesend. Es fand dann die Vereidigung der Rekruten statt, wobei der Kaiser eine Rede hielt. Am Rachmittag fuhr der Kaiser nach dem Rordostseekanal über die neue Prinz-Heinrich-Brücke, bestieg den Kanaldampfer Aegir, durchfuhr zum erstenmale die neuen Ostsee- Ichleufen, ließ sich durchschleusen, mit den neuen Schiebeloren hin- und herfahrcn, dampfte den Kanal bis Levensau hinauf und kehrte um 41/o auf das Wohnschiff „Kaiser" zurück. — Vizeadmiral von Ingenohl wurde zum Admiral und Chef derHochieeflotte befördert. — Der Großherzog von Oldenburg mußte sich aus seinem Gute Lensahn neuerdings einer Operation wegen seines heftigen G.'sichtsnervenleidens unterziehen. Durch diesen op rativen Eingriff sind die Gestchls- ichmerzen vorläusig beseitigt. Das Allgemeinbefinden des Patienten ist zufriedenstellend. — Eine Tagung des Bundesratsausschusses für auswärtige Angelegenheiten wird, wie verlautet, unmittelbar vor dem Beginn de? Reichstages am 25. November stattfinden.

Q Die Rclchsgefetzc sollen in Zukunft kürzer und prägnanter betitelt werden, als cs bisher Ser Fall gewesen ist, sodaß die Betitelung für den ge­wöhnlichen Sprachgebrauch keiner Veränderung und Abkürzung mehr bedarf. Dies dürfte zum ersten Male bei dem neuen Luswerkehrsgesetz in Erscheinung tre­ten, das amtlich diese Bezeichnung führt.

* Nene preußische Anleihe in sicht. Zu einer Nach­richt der .Franks. Ztgll über einen baldigen Geld­bedarf Preußens wird aus Großbankkreisen mitge­teilt, daß es sich voraussichtlich um einen Betrag von annähernd 500 Millionen Mark handeln dürste. Falls die Besserung der Geldmarktverhältnisse anhält, so nimmt man an, daß etwa im Februar des nächsten Jahres eine vierprozcntige Anleihe zur Begebung ge­langen wird. Das Geld wird in der Hauptsache von Eisenbahnneubauten in Anspruch genommen.

ht Forderungen des Neichspost-Elats für 1914. Der Postetat für 1914 fordert an neuen Stellen bzw. Beamten 1 vortragenden Rat im Reichspostamt, 2 Oberposträte, 17 Posträte, 8 Ober-Postimpelt-orcn, " '"^'"jreferenten, 1 Obcr-Postkassenkassiercr, 6 Bau- ''eb-rrrte, 40 Bürobcamle, 74 Postgehilfinnen, bei den Ober-Postdirektionen, 10 Unter beamte bei den Ober« postdirektionen, 10 llnterbcamte beim Postzeitungs- amte, 400 Land brieslräger. Weiter stehen zur An- totberung 257 neue Stellen zur Beförderung von Sekretären zu Obersekretären, Postmeistern u. f. w, 377 neue Stellen zur Befördern" i von charakterisier» Sekretären zu etatmäßigen ©ute'ären, 2817 i ue

Angesichts ter jüngsten Haltung der roten Frak­tion wird wieder die Frage auf die Tagesordnung kommen, ob überhaupt die Umsturzpartei auf den Fü­ßen der Gleichberechtigung behandelt und insbeson­dere zu solchen Prüfungsausschüssen zugezogen wer­den darf. Es ist besonders zu erwägen, wie weit man Leute von atimilttärischer Gesinnung und intecroi« tionaler Tendenz in militärische Angelegenheiten ein« weihen darf.

Das läßt sich aber als Zukunftssrage in Muße be­sprechen. Bor der Hand haben wir es mit der Dop­peltatsache zu tun, daß die Regierung die Sozialde­mokratie zur 9^1 tatbeit heranziehen wollte, die so­zialdemokratische Fraktion aber den ersten besten Vor­wand ergriffen hat, um sich der Arbeit zu entziehen und die Agitation desto kräftiger zu betreiben.

Ueberraschend und aufregend ist der Zwischenfall nicht. Ter agitatorischen Ausbeutung und Uebertrei- bung wären wir doch nicht entgangen, auch wenn Liebknecht in die Kommission gekommen wäre. Da­gegen ist Weiter nichts zu machen, als daß der Aus­schuß recht flott, tüchtig und sachlich arbeitet. An feinen Früchten wird man ihn erkennen.

Die RüstungskomMission hat am Freitag und Samstag vergangener Woche je eine Sitzung abgehalten und sich daun bis nach Neujahr vertagt. In her Haupffacke wurden Voiträge der Regicrungs- vertretcr über Rüstungslieferungen und über die Grundsätze und Methoden hierfür entgegengenommen sowie im Anschluß daran Fragen an die Regierungs­vertreter gestellt. Die Referate werden gedruckt und den Mitgliedern zum Zwecke der weiteren Frage­stellung zugänglich gemacht werden. Außerdem fft die Heranziehung von Sachverständigen geplant. Am Schluß der Verhandlungen soll auch über Wege und Möglichkeiten einer gesetzgeberischen Bekämpfung etwa vorhandener Mängel beschlossen werden.

Es wird sogar berichtet, daß die Regierung der sozialdemokratischen Fraktion angeboten habe, sie wolle Herrn Liebknecht als hervorragenden Sachver­ständigen gelten lassen und ihm die dauernde Teil­nahme an den Ausschußsitzungen gewähren. Sollte sich das bewahrheiten, so wäre die Regierung in ihrer 0Friedensliebe zu weit gegangen. Wollte man Herrn lebknecht nicht zu einem ordentlichen Mitglieds des Ausschusses machen, so durste man ihm auch keine Vorzugsstellung als außerordentliches ober gar als Ehrenmitglied anbieten. Ueberhaupt mußte die Re­gierung m all ihren Organen sich stets bewußt blei- bett, daß die Sozialdemokratie nicht eine Partei ist, tote die Positiven Parteien, und daß man sich auf V e r h a n b l u n g e n mit ihr in der Regel gar nicht, *to Notfälle nur mit der äußersten Vorsicht und Zu­rückhaltung emlassen soll

)n der Schule der Leidens.

8*1 Roman aus dem New-Yorker Leben.

Von Erich Friesen.

Auch heute sitzt der Geistliche wieder in der klei- nen Bette Fetteten gegenüber. Ihr Zustand hat sich mfofern geändert, als ihre Gleichgültigkeit einer ner­vösen Erregtheit gewichen ist. Zwar spricht sie auch letzt noch Nicht viel; ober oft schreitet sie stundenlang ruhelos ttt ihrer klemen Zelle auf und ab, den Kopf gesenkt, die Hande über der Brust gefaltet

In einem solchen unermüdlichen Spaziergang hat sie soeben der Eintritt des Geistlichen gestört Noch liegt die Rote der Erregung auf ihren schmalen Wangen.

„Wie geht es Ihnen, meine Tochter?"

Schweigend zuckt sie die Achseln.

„Sie bitrfen sich nicht ganz Ihrem Schmerz hin­geben. Es ist nickt recht!"

Wieder keine Antwort.

„Sie sollten beten, meine Tochter, und den All­mächtigen dort oben anflehen, daß er Ihnen Kraft gebe, die über Sie verhängte Prüfung in Geduld zu ertragen!"

«Ich kann Gott nur um eines bitten," murmelt sie kaum hörbar.

„Und das wäre —"

«Daß er mein Kind zu sich nimmt."

Traurig schüttelt der Geistliche den Kopf.

«Em solches Gebet wird Gott nicht erhören." habe " ^er ^Mgc Wunsch, den ich augenblicklich

Nochmals versucht der Geistliche, auf ihr Gewis­sen einzuwirken. . Er spricht von der Gnade Gottes, £?n<|eÜrCr vveudlichen Güte und daß selbst der größte Lerorecher, sofern et wahrhaft bereut, Gottes Vcr- zeihtutg sicher sei. ...

, .„Rvv'ä hört Felicie zu. Keine Muskel in ifrt fhCen umttg bewegt sich; es ist, als ob in ihr tot fei.

Der Geistliche schlägt andere Themen an. Vor allem tjt ihm Darum zu tun, diese erstarrte Seele zu I

•* Ler Rirstungsarisschutz ohne Sozialdemokraten.

Wie nicht anders zu erwarten war, ist das Er- stichen des Reichstanzlers um Benennung eines an­deren Genoffen anstelle des Herrn Liebknecht von der sozialdemokratischen Fraktion zur feierlichen Absage und zur Boykottierung des Rüstungsausschusses aus­genutzt worden.

Es kommt der roten Partei nicht auf die R e- formarbeit an. sondern auf die Agitati ort. Die Bewegung ist alles, sagt Bernstein; das Endziel ist nichts. Wäre Liebknecht in den Ausschuß aus­genommen worden, so hätte er dessen Beratungen zur Panama-Agitation benutzt. Wird er nicht ausgenom­men, nun gut, dann kann man^or den verschlossener Tüten erst recht lärmen und schelten. Aus dem Aus­schlüsse Liebknechts wird dann gefolgert, daß hier wirklich ein Panama vorliege, das von der Regie­rung und den bürgerlichen Parteien listig verdeckt werden solle.. Wie maus auch macht, gehetzt wird immer.

Vielleicht hätte der Reichskanzler das kleinere von zwei liebeln erwählt, wenn er trotz alledem einfach Herrn Liebknecht zugelassen hätte. Nachdem die Re­gierung sich anders entschieden hat, braucht man über die Zweckmäßigkeit nicht mehr zu streiten, sondern es handelt sich um die Rechtsfrage, ob die Regierung befugt war, von der Berufung Liebknechts abzusehen. Die Sozialdemokratie bestreitet natürlich diese Berech­tigung und matt eine Brüskierung des Reichstages an die Wand! im Wege einer Interpellation will man dem Reichskanzler zu Leibe gehen.

Damit wird nichts rechtes zu erreichen fein. Die Berufung des Ausschusses ist dem Reichskanz­ler übertragen worden; er hat versprechen lassen, daß die Wünsche der Fraktionen Berücksichtigung finden sotten, aber er hat sich nicht verpflichtet, unbesehen und unbedingt, jeden präsentierten Kandidaten zu berufen. Wenn er alle anderen vorgeschlagenen Ab­geordneten beruft und nur für Herrn Liebknecht einen Stellvertreter wünscht, so liegt darin keine Miß­achtung des Reichstages und nicht einmal eine Miß­achtung der sozialdemokratischen Fraktion. Denn Herr Liebknecht wird nicht aus irgend einem partei­politischen Grunde beanstandet, sondern nur wegen feiner eigenartigen persönlichen Stellung zu die­ser Sache. Er ist als Ankläger aufgetreten, und zwar als ein leiden fchaftlicher Ankläger; das mag toohl recht und gut fein, aber es ist schlecht vereinbar mit der richterlichen Tätigkeit, die der Ausschuß aus­üben sott. Wenn die Sozialdemokratie sachliche Zwecke verfolgte, so wäre es sicherlich besser, sie schickte zwei andere Genossen in das Richterkollegium und ließe Herrn Liebknecht weiter in voller Freiheit als De­tektiv und Staatsanwalt sich betätigen. Der Reichs­kanzler hat einen solchen Vorschlag zur Güte gemacht. Das war keine Brüskierung, sondern eine Freund­lichkeit.

sie magerer, verliert ihr Gesicht mehr die gesunde Farbe. •

Alle Gefangenen müssen arbeiten. Felieien hat man Nährarbeit überwiesen.

Aber selbst das bißchen Nähen fällt ihr schwer. Stundenlang hockt sie, über ein Stück Leinwand ge­beugt, die Nadel zwischen den abgezehrten Fingern, in der Ecke und stiert vor sich hin, oder sie murmelt selbstvergessen:

„Das Spiel ist ans! Das Spiel ist aus!"

Hat ihr Geist gelitten?

Der Gefängnisarzt fragt es sich oft besorgt. Mit Bangen sieht er der Zukunft entgegen.

XVII.

Auf einem säubern Lager der Krankenabteilung des Frauengefängnisses in Brooklyn liegt Felicie Varrington — todesmatt, mit geschlossenen Augen.

Neben dem Lager steht die Hausmutter, eine ro­buste, starkknochige Frau, und beobachtet die Atemzüge ihrer Schutzbefohlenen.

Jetzt öffnet Felicie die Augen.

„Frau Davis?"

«Za —!"

„Ich — ich möchte mein Kind fehen. Ist es ein Jungo ober —"

„Es ist ein Junge."

Und Frau Davis nimmt ein graufarbenes Bündel vom Lager nebenan und legt es der jungen Mutter in die Arme.

I erwecken. Sie dann auf den rechten Weg zu leiten, I wird ihm nicht schwer fallen.

I Und richtig — plötzlich kommt Leben in Felicies I gleichgültig starre Augen. Der Geistliche ha.t soeben geäußert, daß sie ihre Strafzeit abkürzen könne, wenn sie wolle.

„Wie das?"

Sie fragt es ungläubig, aber ersichtlich gespannt.

„Indem Sie sich ruhig und ohne Widerstand den Hausgesetzen fügen."

«Ich füge mich ja."

«Aber nur passiv. Aus freiem Willen, freudigen Herzens müssen Sie tun, was von Ihnen verlangt

„Und bann?"

„Tann werden Sie täglich eine Marke für gutes Betragen erhalten, und eine gewisse Anzahl solcher Marken berechtigt Sie zu früherem Verlassen des Ge­fängnisses."

«Ah

Zum ersten Mal zeigt Felicie ein gewisses In­teresse.

- Der Geistliche nimmt es mit Freuden wahr.

„Sie haben drei Jahre?"

Sie nickt.

„Wenn Sie sich in jeder Beziehung gut aufführen, ist es möglich, daß Sie bereits nach zweieinhalb Jah­ren das Gefängnis verlassen können."

„Noch über zwei Jahre!"

Felicies Kopf sinkt auf die Brust herab. Ihre ganze Natur sträubt sich dagegen, sich den strengen Gefängnisregeln geduldig zu fügen. Und lohnt es sich überhaupt, den Kampf mit dieser ungeberdigen Natur aufzunehmen, mit der Aussicht auf mehr als zwei Jahre Gefängnis? ...

Und wieder versinkt.sie in ihr früheres Schweigen.

Kopfschüttelnd verläßt der Geistliche die Zelle.

Fcttcie Barrington wird vorerst als Kranke be­handelt. Sie erhält reichlich Fleischnahrung und wird soviel wie möglich von den andern, meist rohen, un- gedttdelen Gefangenen ferngehalten.

Stellen zur Anstellung von Assistenten. Um»e. wandelt werden 30 Postämter 2. in Postämter 1 Kl 30 Postämter 3. in Postämter 2. Kl. und 30 Post, agenturen in Postämter 3. Kl. Die Namen der um« zuwandelnden Postämter sollen in dem Etat für 1914 erstmalig nicht enthalten sein. Neugeschaffen werden 200 Postanstallen.

+ Forderungen für Kamerun. Das Reichskolo­nialamt soll nach einem Berliner Blatt zufolge in die­sem Jahre mit besonders großen Forderungen für Eisenbahnbauten in den deutschen Schutzge­bieten hervortrete.1. Namentlich für Kamern sind umfangreiche Eisenbahnlinien vorgesehen. Diese For­derung soll, wie es heißt, von Gouverneur Ebermeyer im Reichstag persönlich vertreten werden. Während bisher von 80 Millionen Mk. Neubauten für die ge­samten kolonialen Eisenbahnen gesprochen wurde, nimmt man jetzt an, daß allein für Kamerun ein Be­trag angefordert werden sott, der 80 Millionen Mk.' übersteigen dürfte.

s Einmalige Teuerungszulage für Eisenbahn«» Ter preußische Eisenbahnminister hat einen Erlaß an. bte Direktion gerichtet, in dem er erneut Beträge für bedürftige und gering besoldete Angestellte zur Ver­fügung stellt. Die Zulagen, die alsbald zur Vertei-' lung gelangen sollen, sind als eine Art Winterzulage gedacht. In erster Linie sotten Unterbeamte mit un-' versorgten Kindern, ferner gering besoldete Beamte, an teueren Stationsorten bedacht werden. Unverhei-' ratete und kinderlose Beamte und solche, die ein @in=' kvmmen von 3000 Mk und mehr beziehen, werden ' von dieser Verfügung nicht betroffen. Im allgemein nen ist für eine Familie eine einmalige Zulage von 25 bis 50 Mk. in Aussicht genommen. |

(*) „Zentrumsherrschaft im Justizministerium." Vertreter der Anklage im letzten Krupp-Prozeß war Oberstaatsanwalt C h rz e s z i n s z k i und da diese Anklage aiischemend den Geschäftsinteressen gewisser Kreise unbequem kam, wurde er heftig angegriffen, ^er letzte Trumpf wurde ausgespielt, indem behaup­tet wurde, Oberstaatsanwalt Chrzeszinski sei „ledig­lich durch den Einfluß des Zentrums" auf seinen gegenwärtigen Posten berufen worden. Chrzeszinski chllte „mit einem hervorragenden Zentrumsführer, der auch eine bedeutungsvolle juristische Position ausfullt, sehr nahe befreundet" fein. Von letzterer Freundschaft ist, wie festgestellt wurde, bei allen in Frage kommenden Zentrumskreisen nicht das min­deste davon bekannt, ebenso wenig, daß irgend ein Sentruntsangebörigei sich bemüht habe, Herrn Chr- zcszmskin zu seinem gegenwärtigen Posten zu verhel-' fen, wie überhaupt der Name Chrzeszinski in Zen- trumskreisen vollständig unbekannt sei. Nunmehr stellt die „Kölln. Volksztg." noch fest, daß Chrzeszinski weder Katholik, noch irgendwelcher Zentrumsfreundschaft verdächtig ist. Er ist evangelisch, stammt aus einer ungemischt evangeliscken Ehe, und sein Vater ist der frühere evangelische Pfarrer Chrzeszinski von Cleve. Ober­staatsanwalt Chrzeszinski hat auch aus feiner streng evangelischen Gesinnung niemals ein Hehl gemacht. Alle die „Entrüsttrng", welche also aus diesem An­laß wegen der „Zentrumsherrschaft" oder der „Ne-' benregicrung des Zentrums" aufgeboten wird, ist völlig grundlos. Warum werden nur solche Märchen in die Welt gesetzt? Der Schluß ist immer eine Hetze gegen die Katholiken und das Zentrum. Die Sippe derjenigen, welche von möglichster Verhetzung der Protestanten gegen die Katholiken und gegen das Zentrum das Heil des Deutschen Reiches erwarten, schwillt augenblicklich immer mehr an. Da wird es notwendig sein, gegen' ihre Machinationen dauernd die Augen offen zu halten. ;

(*) Ein Paritätsstückchen. Bei der Wohl eines besoldeten Sladtratsmilgliedes in der westfälischen Industriestadt Herne gab in der Stadtverordneten-^ sitzuuq vom vergangenen Freitag der Stadtverordneten- •rr II. Illi i-TTTTir—n I !■■■■ ________________

terhaltung, was das Bewußtsein, daß sie eingefperrt. fft! Ein Blick in die Augen ihres Kindes, und ihr' Herz erbebt in reinstem Mutterglück.

Das kleine, weiche Gesichtchen streicheln, die win-i zigen Fmgerchen in die ihren nehmen, den leisen Atemzügen lauschen — und jeder andere Wunsch er-, stirbt ihr.

Selbst der Gedanke an die Trennung von dem. Gatten ist ihr jetzt nicht mehr so schrecklich. Sie hat das Kind — es braucht die Mutter. Hier ist ihr ' Platz. ...

Auf einem Gefängnis lastet gewöhnlich eine recht niederdrückende Atmosphäre. Lachen, Scherzen, Son­nenschein sind dort seltene Gäste. '

Felicie und ihr Kind bilden für alle, die mit ihnen in Berührung kommen, einen Lichtpunkt in dem dü- ftern Einerlei. ।

Die junge Mutter blüht auf unter diesem Son­nenstrahl des Glücks wie eine herrliche Rose, sodaß man bei ihrem Anblick ganz das graue Sträflings­kleid, das Finstere ihrer Umgebung vergißt. . . .

Und bald erregt auch die Schönheit des Kindes allgemeine Bewunderung.

Es ist ein eigentümliches Kind, der kleine Walter, mit einem überernsten Ausdruck in den großen, blauen Augen. Es schreit nie, es ist nie krank, es schläft die ganze Nacht hindurch. Und wenn es lächelt, dann ist es, als ob ein wärmender Sonnenstrahl die Gefängnismauern durchbrochen hätte und aus­leuchte in all den bleichen Gesichtern ringsum.

Ta das Kind der beständigen Wartung der Mut-! ter bedarf und in der Zelle nicht Platz für beide ist, beschließt der Gefängnisdirektor, Felicie in der Kra.i- tenabtcilung zu behalten.

Einen großen Teil des Tages berbringt sie mit dem Kleinen auf dem hochummauerten Gefängnis­hof. Ihr strahlendes Gesicht, das unschuldige Stam-. mein des Kindes bringen hinein bis in die Herzen selbst der verstocktesten Sünder. Jeder freut sich auf den täglichen Spaziergang im Gefängnishof, bloß um die beiden dort zu sehen. - '

> Fortsetzung folgt.)