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wochen-Kun-schau.

[:] Fulda, 14. November 1913.

Der Reichstag tritt am 25. ds. Mts. zu seiner Qintertagung zusammen, und so gelangen jetzt in der Presse die Vorlagen zur Diskussion, mit denen der Reichstag im kommenden Winter sich zu befassen ha­ben wird. Im Gegensatz zu der großen und das all. gemeine Interesse restlos in Anspruch nehmenden Hommeriagung wird die Winterarbeit des Reichs­tags aller Voraussicht nach still und auch beschränkt sem. Außer der Erledigung des Etats harren des Reichstags nur kleinere Gesetzesvorlagen, sogenann- ter gesetzgeberischer Kleinkram. Nichtsdestoweniger find die zu beratenden Vorlagen für bestimmte Be­völkerungskreise von erheblicher Bedeutung; es braucht mit an den Entwurf zur Regelung der Sonntags­ruhe im Handelsgewerbe erinnert zu werden.

Nach vierzehntägiger Verhandlung ist nun endlich auch der zweite Krupp-Prozeß zu Ende gegan­gen und hat erneut den Beweis geliefert, daß wirklich kein Panama vorgelegen hat. Der Angeklagte Brandt ist zu 4 Monaten Gefängnis, die durch die Unter­suchungshaft für verbüßt erachtet werden und der Krupp'sche Direkwr Eccius zu 1200 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Dadurch sind die unleugbaren Ver­gehen, deren sich die Angeklagten schuldig gemacht ha­ben, gesühnt und eine Angelegenheit erledigt worden, die von der Sozialdemokratie gar zu gern zu einem die Militärverwaltung und die Firma Krupp kom­promittierenden Skandal aufgebauscht und ausgebeu­tet worden wäre. Was in dem ganzen Wust von Anklagen und Beschuldigungen als begründet und wahr sich herausgestM hat, ist nur die Tatsache, daß einige untergeordnete Organe auf unredliche Weise ausgehorcht worden sind und sich beschwatzen ließen. Liner gewisien Fahrlässigkeit und Nachlässigkeit muß man auch einige höhere Beamte der Firma Krupp beschuldigen, die es lange Zeit nicht für nötig hielten, sich über den Ursprung gewisser Nachrichten zu verge­wissern, deren Vertraulichkeit ihnen einleuchten mußte. Der Wunsch ist berechtigt, daß unsere Mili­tärverwaltung in Zukunft mit all ihren Lieferanten auf einfacherem Wege verkehrt, ihnen vor allem das Ergebnis von Submissionen nicht vorenthält, damit die betroffenen Firmen nicht in Versuchung kommen, auf Umwegen sich die Kenntnis des erwünschten Ma­terials zu verschaffen. Die Rüstungskommis- s i o n des Reichstags, die zur Prüfung der gesamten Rüstungslieferungen für Reichsheer und Marine sich jetzt gebildet hat und am 14. November ihre Arbeiten aufnnnmt, wird aus dem Krupp-Prozeß die erfor­derlichen Lehren zu ziehen haben und bei der Zu­sammensetzung dieser Kommission ist die Hoffnung auch berechtigt, daß in Zukunft die Vergebungen und Rüstungslieferungen der Militärverwaltung einheit- lich und zweckmäßig geregelt werden.

Recht unerfreulich war das vom Regierungsprä­sidenten in Schleswig erlaffene Verbot, das dem Polarforscher A m u n d s e n einen in Flensburg ge­planten Vortrag in norwegischer Sprache untersagte. Diese Maßnahme wurde nicht nur in den Blättern, die sich gemeiniglich mit der GrenzmarkenpoÄik der preußischen Regierung nicht befreunden wollen, ver­urteilt; auch Blätter, die sonst als regierungsfromm gelten, hielten mit einer scharfen Verurteillrng des Vorgehens des Regierungspräsidenten in Schleswig nicht zurück. Erfteulicherweise hat dann auch der preußische Minister des Innern die Aufhebung des Vortragsverbots angeordnet. Das preußische Mal­heur in seiner Grenzpolitik war dadurch noch nicht beendet, denn gleich darauf hat in der elsässischen Garnisonstadt Zabern em preußischer Leutnant durch sein allzu forsches Vorgehen die Bevölkerung dieser Stadt und Ihrer Umgebung in begreifliche Er­regung versetzt, sodaß zwischen einer Revolte und den Massenaufläufen der Zabernschen Bevölkerung ein wesentlicher Unterschied kaum besteht. Wie zufrieden würden wir sein, wenn die Preußischen Machthaber vom ersten bis zum letzten endlich einmal in der Be­handlung der Grenzvölker weniger preußischen Drill als gesunden Menschenverstand gebrauchen wollten.

In Frankreich ist im Kampfe der Partei Caillour gegen das Kabinett Barthou noch keine Ent­scheidung gefallen. Die Schulftage, Verhältnis zur Kurie, die Frage der praktischen Durchführung der dreijährigen Dienstzeit, endlich der Rückgang der französischen Staatsfinanzen, das alles sind Fragen, um die mit Leidenschaft und großer Hartnäckigkeit gekämpft werden wird. Es kann heute kaum zweifel­haft sein, daß im Laufe dieses Kampfes Herr Barthou und seine Getreuen unterliegen werden, eine Aus-

Unpelittfdje Seitläuse.

N. Berlin, 13. November 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Kürzlich ist in Berlin ein Mann, der einen ab­fahrenden Zug noch besteigen wollte, zerquetscht und in Stücke gefahren worden. Um ein paar Minuten Zeit zu sparen, hat der Mann sein Leben eingesetzt und verloren. Die unselige Hast fordert immer neue Opfer. Auch im Fluch der modernen Kultur. Tie Leute im Orient, die von der Kultur noch nicht be­leckt sind, halten an dem Wahlspruch sest: Immer mit der Ruhe! Wer langsam geht, kommt auch zum Ziel. Ost kommt er sogar schneller zum Ziel, als der Eilfertige, der unwrwegs swlpert oder sich verrennt oder gar einen ernsten Schaden leidet.

Als die Straßenbahnen und die Omnibusse noch die Pferde als Zugkraft benutzten, konnte ein geleit» tiger Mensch das Auf- und Abspringen während der Fahrt allenfalls noch riskieren. Aber bei der elektri­schen Betriebskraft darf man es nicht mehr wagen. Der Motor zieht zu schnell an, als daß man noch mit leidlicher Sicherheit sich in den bereits rollenden Wa­gen schwingen könnte, und während der Fahrt ist die Geschwindigkeit zu groß, um beim Absprmgen festen Fuß fassen zu können. Obendrein muß der Wage­hals, der außerhalb einer Haltestelle abspringt, auf einen Zusammenstoß mit Wagen oder Pasianten ge­faßt sein.

_ An vielen Orten ist das Auf- und Abspringen während der Fahrt polizeilich verboten. In Berlin mcht. Wahrscheinlich sagt man sich hier: Wer toll­kühn ist, wird sich an das Verbot nicht kehren, und fassen kann man ihn doch in der Regel nicht. Wenn ich Polizeipräsident von Berlin wäre, würde ich doch bai Verbot erlassen. Es ist doch immer eine kräftige Warnung für das Publikum und gibt auch dem Schaffner das Recht, den Wagehälsen entgegenzu­treten. ' -

Andererseits hat man vorgeschlagen, während der Fahrt die Türen der Wagen geschlossen zu halten oder eine Art Riegel anzubringen, der nur während der H-ltezttt das Aus- und Eiisteigen gestattet. Bei der Perfner Untergrund wäre vielleicht eine solche Ver­segelung mit elektrischer Betätigung möglich. Bei

sicht, welche schon aus dem Grunde von uns nicht bedauert wird, da uns der unruhige Ehrgeiz der heu­tigen Herren in Frankreich für den Weltfrieden wenig förderlich zu sein scheint.

Auf dem Balkan hat es wieder einmal ein kleines Zwischenspiel gegeben, das aber zu irgend­welchen Befürchtungen keinen besonderen Anlaß gibt. Tie Hindernisse, die von griechischer Seite der süd­albanischen Abgrenzungskommission fortgesetzt in den Weg gelegt wurden, veranlaßten Oesterreich-Ungarn und Italien zu einem energischen diplomatischen Schritt in Athen, wo man diese ernste Mahnung be- herzigte. Die griechisch-türkischen Verhandlungen stockten einige Tage, sind dann aber doch zu Ende geführt worden, nach ,tt feststand, daß vor dem end- Sältigen Friedensschluß kein Staat auf dem Balkan eld erhalten wird. Es ist auch ohne weiteres klar, daß alle Balkanstaaten, ohne jede Ausnahme, Ruhe gebrauchen, um die Wunden heilen zu lassen, die sie sich gegenseitig geschlagen haben.

In China sichert sich Juanschikai, der zielbe­wußte Präsident, die Vollmachten, die er braucht, um sein Land zur Ordnung und Ruhe zu führen. Die Mittel, die er hierbei wählt, sind freilich einfach: Juanschikai bediente sich des Staatsstreiches und er­ließ eine Manifestation, durch welche er die beständig mit Revolution drohende und die parlamentarische Arbeit hindernde oppositionelle Partei der Kuoming- tang auflöste und ihr die Mandate im Parlament aberkannte. Juanschikai soll die Einrichtung eines §entral-Berwaltungskongresses planen, dem je zwei ertreter der einzelnen Provinzen, vier Mitglieder des Kabinetts- ein Vertreter jedes Ministeriums und acht Mitglieder des Sekretariats des Präsidenten an­gehören sollen. Danach scheint das Parlament all­mählich aufgelöst und durch Häuser ersetzt zu werden, die entsprechend den Ansichten dieses Kongresses zu­sammengesetzt würden und der Regierung die völlige Entscheidung in allen wichtigen Fragen tn die Hand geben würden. Es hat den Anschein, daß man in China dieses eiserne Zugreifen des Präsidenten billigt. Bis jetzt erhob sich kern gefährlicher Widerspruch, und auch der Süden blieb ruhig.

den Straßenbahnwagen in Berlin scheint sie mir nicht durchführbar zu fein. Der Schaffner hat in dem großen und meist dichtgefüllten Wagen so viel zu tun. daß er nicht auch noch als Türschließer und Türöffner fungieren kann. Man darf den Betrieb nicht noch komplizierter machen. Das einzig durchschlagende Ab­hilfsmittel ist die Erziehung des Publikums zur Vor­sicht-

Hilfdir selbst in dem städtischen Verkehrsge­triebe! Das gilt auch besonders für die Leute v o m Lande und aus der Kleinstadt, die gelegentlich in der Großstadt Verkehren. Die erste Regel ist: H a st e n i ch t! Die Wagen laufen schnell, der Fuß­wanderer aber soll gehen und nicht laufen. Wer sich in Trab setzt, rennt in eine Gefahr. Im Laufen kann man nicht nach jeweiligem Bedarf anhalten oder ausweichen, und die Wagenführer, sowie die an­deren Fußgänger können auf den laufenden Menschen nicht dieselbe Rücksicht nehmen, wie sie es gegenüber dem gehenden Mitmenschen gewohnt sind. Besonders gefährlich ist das Laufen beim Ueberschreiten eines Straßendammes in einer verkehrsreichen Gegend, und da gerade fallen ängstliche Leute vielfach in Ga­lopp. Stoßen sie dann auf ein unvorhergesehenes Hindernis, so ist es manchmal zum Stoppen und Ausweichen zu spät oder sie rennen beim plötzlichen Ausweichen in eine neue Gefahr. Wer in feinem gewöhnlichen Schritt marschiert, kann im Bedarfs­fälle ruhig stehen bleiben, und das ist sehr oft das einzig richtig» Aushilfsmittel in der Bedrängnis. Um den stehenden Menschen können die Wagen her­umfahren; um den hin- und herrennenden Menschen nicht.

Tie Städte werden immer größer und der Straßenverkehr wird immer lebhafter. Daher ist es wohl gemeinnützig, wenn man kurz einige alte Regeln für die Ueberschreitung des Straßendammes wieder zusammenstellt. 1. Wähle zum Uebergang den kürze­sten Weg, senkrecht zur Straßenachse; bei einer Stra­ßenkreuzung geh nicht in der Diagonale, sondern über­schreite beide Straßen im rechten Winkel. 2! Auf der ersten Hälfte des Straßenüberganges richte das Äuge nach links, weil von dort die Wagen kommen. Auf der SOtitte des Straßendammes angekommen, sichere dich nach rechts, denn nun hast du mit den Wagen von rechts ru rechnen, 8. Wenn du hinter einem Wagen

+ Ein neuer Verband.

Vor einigen Tagen hat sich in Berlin eilt bedeutungsvoller Zusammenschluß von Grundbe- sitzerorganisatwnen vollzogen, der für die Zukunft wichtig werden kann. Der Schutzverband für deutschen Grundbesitz hatte einen Delegier­tentag tn die Reichshauptstadt einberufen, auf dem aller gegenteiligen Befürchtungen zum Trotz die st ä d t i s ch e n und ländlichen Grundbesitzer sich zusamntengeschloflen haben zur gemeinsamen Ver- tretung und Verteidigung ihrer gemeinsamen In­teressen.

Es ist für unsere Zeit von weittragender Bedeu­tung, daß sich politisch unabhängige wirtschaftliche Organisationen zur Wahrung gemeinsamer Inter­essen immer mehr zusammenschließen und unter Zurücksetzung alles Trennenden das Einigende in den Vordergrund schieben, um dies gegen gemein­same Gegner zu verteidigen. So haben wir kürzlich in Leipzig den Zusammenschluß wirtschaftlicher Or- ganifattonen der Landwirtschaft, des Handwerks und der Industrie erlebt und nun haben sich auch städti­scher und ländlicher Grundbesitz in einem großen Jnteressenverband geeint.

Der Schutzverband für deutschen Grundbesitz hatte sich im Mai dieses Jahres aus dem Verband zum Schutz des deuffchen Grundbesitzes und Realkredits gebildet und ihm gehören vom städtischen Grundbesitz korporativ u. a. bereits an: der Zentralverband der Hans- und Grundbesitzervereine Deutschlands mit etwa 200 000 Mitgliedern, der Zentralverband der Privatversicherung, der Verband öffentlicher Feuer­versicherungsanstalten in Kiel, der Verband der Maklervereme usw.; vom ländlichen Grundbesitz sind u. a. korporative Mitglieder geworden: Bauern­vereine aus West-, Süd- und Ostdeutschland mit insgesamt über 200 000 Mitgliedern, die Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer, der Rentei- verwaltungsverband für Westfalen und Nachbar­provinzen, der Verein zur Wahrung der Interessen des gebundenen Besitzes der Mark Brandenburg usw. Ter Beitritt anderer Organisationen steht bevor und zu diesen korporativen Mitgliedern kommen noch zahlreiche Einzelpersonen, offizielle Körperschaften, Verwaltungen usw. hinzu. Alle verfolgen das ge­meinsame Ziel: die Erhaltung des Privat­

eigentums und den Kampf gegen den Kom- munismus.

Der Verband will nirgends in die Rechte der ein- zelnen Organisationen eingreifen, vielmehr soll die­sen ihre volle Selbständigkeit und die Möglichkeit, ihre eigenen Interessen so zu vertreten, wie sie es für richtig erachten, völlig gewahrt bleiben. Nur das, was alle Glieder des Grundbesitzes eint, soll int Verbände wirksam und mit Nachdruck vertreten werden. Der Verband will eine rein w i r tschaft- l i ch e Organisation sein und jeder politischen Par- teibestrebung fernstehen. Das Wesen des Verbandes und die Art seiner Aufgaben bringen es aber schon mit sich, daß sein Schwerpunkt mehr nach rechts liegen muß und daß darum auch die rechtsstehenden Parteien sich eher mit dem Programm und den Be­strebungen des Schutzverbandes für den Grundbesitz, befreunden können, als die mehr linksstehenden Par­teien, denen ein Zusammenschluß von Stadt und Land an sich schon äußerst unbequem ist.

TaS Streben des Verbandes, die unselige und unheilvolle Entfremdung zwischen Stadt und Land zu mildern und schließlich zu überwinden, können wir nur begrüßen, wie wir überhaupt die Ziele des neuen Verbandes billigen können, soweit die Mittel und Wege, die zu ihrer Erreichung benutzt werden, von Einseitigkeiten fernbleiben und dem Allgemeininteresse des Volkes stets untergeordnet werden. Es wird besonders in den ersten Jahren einer klugen und besonnenen Führung bedürfen, da­mit der junge Verband sich nicht auf Wege begibt, auf denen Leute, die das Gesamtinteresse im Auge behalten, ihm nicht mehr folgen können.

ES ist begreiflich, daß die Besteuerung des Grundbesitzes eins der Hauptfchmerzenskmder des Schutzverbandes ist — und daß darum hier vorerst auch die größte Gefahr besteht, daß die Forderungen überspannt werden, obwohl ohne weiteres zugegeben werden kann, daß gerade auf diesem Gebiete eine gemeinsame Arbeit des Verbandes mit den Poli­tischen PaAeien dankbar und ertragreich sein konnte. Die diesbezüglich auf der Delegiertenversammlung aufgestellten Leitsätze verlangen, daß die Steuer aus dem Boden nach der Leistungsfähigkeit be­messen werde und wenden sich gegen die Steuer auf den sogen, unverdienten Wertzuwachs sowie gegen die starke Häufung der B esitzw e ch se l ab­gab e n.

Deutscher Keich.

* Keine Flucht vor dem Wehrbeitrag. Vor einiger Zeit wurde die Nachricht verbreitet, daß zahlreiche wohlhabende Personen, insbesondere Einheimische aus Elsaß-Lothringen, ausgewandert seien, um der • auf Grund des Wehrbeitraggesetzes demnächst statifinden- den Besteuerung zu entgehen. Im Zusammenhang mit allgemeinen Ausführungen über die Höhe des Wehrbettrags und die Art der Veranlagung zu dieser Steuer teilt nun die amtliche Straßburger Kar­re pondenz mit, daß tatsächlich an maßgebender Stelle keine Fälle einer Auswanderung des Wehrbertrags wegen bekannt geworden seien. Die anktliche Korre­spondenz macht dabei daraus aufmerksam, daß durch eine Verlegung des Wohnsitzes nach dem Ausland eine Befreiung vom Wehrbeitrag auch nicht erreicht werden würde, denn Reichsangehörige bleiben, wenn sie jetzt ins Ausland verztehen, beitragspflichtig. Be­freiung vom Wehrbeitrag erfolgt erst nach mehr als zweijährigem Aufenthalt im Ausland. Die Auswan­derung würde also nur den Versuch bedeuten, sich der Zahlung einer tatsächlich geschuldeten Steuer zu ent- zrehen. Das würde ihnen aber nur gelingen, wenn sie auch ihr gesamtes Vermögen nach dem Ausland gebracht hätten, eine Maßnahme, die wohl m den meisten Fällen schon wegen der damit verbundenen Verluste, die den Wehrbeitrag übersteigen würden, nicht ernstlich in Betracht kommen kann.

Ausland.

** Bevölkerungsabnahme in Dänemark. Wie in vielen anderen Ländern, macht sich neuerdings auch in Dänemark ein erheblicher Geburtenrückgang be­merkbar, der sich nicht bloß auf die bessergestellten Klassen, sondern auch auf die Arbeiterbevölkerung und sogar auf die ländliche Einwohnerschaft erstreckt. Im Jahrzehnt 1880 bis 1889 entfielen in Kopenhagen auf je 1000 verheiratete Frauen jährlich 229 Kinder, aber in 1900—10 nur 148, was einen Rückgang von 35 Prozent bedeutet. Auf dem Lande sank die Ziffer

den Tamm überschreitest, so sieh dich besonders um in dem Augenblick, wo du aus dem Schatten des Wagens heraustrittst; denn da kann dir leicht ein anderer Wagen in den Weg kommen, der vorher von dem ersten Wagen verdeckt war. 4. Geh' niemals rück­wärts. Auf deine rückläufige Bewegung sind die Wagenführer nicht gefaßt. Solltest du durchaus zum Rückzug genötigt sein, so mußt du dich erst vollständig umdrehen und" dich vergewissern, daß der Rückweg gangbar ist. 5. Laufe nicht, sondern gehe, und wenn du nicht mehr kannst, so stehe fest wie die Wacht am Rhein.

Die Gerichte haben entschieden, daß der Straßen­damm keineswegs dem Fuhrwerk allein gehöre, son­dern auch den Fußgängern. Das ist von großer Wich­tigkeit, da dadurch die Lenker der Gefährte angehalten werden, auf die Fußgänger dih größte Rücksicht zu nehmen. Vernünftigerweise sollen aber die Fußgän­ger den Fahrdamm nicht zum Spazierengehen be­nutzen, sondern sich nach Möglichkeit auf dem Bürger­steig halten; die Rücksichtnahme muß auf Gegenseitig­keit beruhen. Die Straßenbahnwagen, die auf Schie­nen laufen können nicht ausweichen. Daraus folgt, daß man auf den Bahngleisen sich nicht unnötiger­werfe aufhalten darf und beim Ueberschreiten des Dammes der Straßenbahn mit besonderer Vorsicht ausweichen muß

Die meisten Unglücksfälle wurzeln in der U eb er­eil u n g. Diese moderne Zeitkrankheit sollten wir uns abgewöhnen. Zeit ist Geld, aber in der Regel handelt es sich doch nur um ein bischen Kleingeld. Tie gesunden Gliedmaßen oder sogar schon die heile Klei­dung sind viel kostbarer. „Ich muß doch pünklich im Geschäft fein", sagt der Angehörige des neuen Mit­telstandes. Gewiß, mein Sohn; deshalb ist dir anzu­raten, daß du rechtzeitig von Hause fortgehst. Wenn du dein Aufstehen und dein Frühstück um ein paar Minuten beeilst, so brauchst du auf der Straße und auf den Bahnhöfen nicht den Wettrenner zu spielen. Tann kannst du ruhig und sicher deinen Weg abma­chen, und das ist sehr heilsam: sowöhl für deine Lunge (namentlich in der rauhen Jahreszeit) als auch für deine Nerven und schließlich auch für deine Knochen.

Wenn ich gesagt habe „nrern Sohn", so sollte damit das weibliche Geschlecht gar nicht ausgeschlossen fein. Leider ist die Kmnn -pation und Gleichberechtigung

von 243 auf 225 ober 8 Prozent. Auf den dänischen Antillen ist ebenfalls ein Rückgang eingetreten.

* Tie deutsche Militärmission in der Türker unter dem Generalleutnant Liman von Sanders wird 40 Offiziere zählen. Im Unterfchied zu der früheren vom Generalfeldmarfchall Frhr. von der Goltz geleiteten Mission bat sie, einer Konstantinopeler Meldung der „Berl. Ztg.' zufoge, offiziellen Charakter. Der Chef der Mission ist der Vorgesetzte der einzelnen Misstons- mitglieder und mit weitestgehenden Vollmachten aus­gestattet. Mit den Mannschaften wird sich die Mis­sion weniger befassen, umsomehr mit dem Offi­zierkorps, das von Grund auf umgeftaltet werden soll. Alle untüchtigen Elemente werden ans ihm entfernt werden. Die Zahl dieser Untauglichen, die jüngeren Offizieren Platz machen müffen, ist übergroß. Ein fronttüchtiger Nachwuchs soll in der vom Generalftldmarschall von der Goltz zu Pankaldr gegründeten Militärfchule in je dreijährigen Kursen herangebildet werden. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe der Mission ist die Reorganisation des G e> neralstabes, die gleichfalls von Frhr. von der Goltz bereits angebahnt worden war. Die weitaus schwierigste und wichtigste Aufgabe der Mission ist jedoch die Neuorganisation der Intendantur, bei der es vor allem darauf ankommt, dem gräuliche« Schmiergeldcrwesen ein Ende zu machen.

vermischtes.

* Ein Realschüler als Erfinder. Nach Blättev- melbungen hat der Schüler Weigl der 6. Klaffe bei Realschule in Weiden in der Oberpfalz, der Sohn eines verstorbenen Bahnschrankenwärters, eine hoch- bedeutsam» Erfindung mit einem Kuhlerber M a- schinengewehren gemacht. Die Erfindung soll bereits patentamtlich geschützt und der Kanonen­fabrik Krupp zur Prüfung und zum Ankäufe vor­liegen. Das französische Kriegsministerium soll bem jungen Erfinder bereits 250 000 Francs sofort uttb 250000 Francs in zehn Jahren für bie Ueberlassung der Erfindung geboten haben. Das deutsche Krregs- nrinisterium habe aber von der Erfindung noch kerne Notiz genommen. Wie weit die Sache auf Wahrhert beruht, muü dahingestellt bleiben.

* Die Blüte der Vereinsmeierer. In Trost­berg, einem oberbayerifchen Marktorte, war für den letzten Sonntag eine Zusammenkunft im Pfau­keller angckündigt, um die Gründung eines « v t tz- bar t v e r c i n s „in die Wege zu letten'. — Hoffent­lich folgen andere Orte diesem Beispiel rasch nach, denn wir haben noch lange nicht genug Vereine. Wer den Gedanken, einen Spi^bartverein zu gntn>.n, zuerst gehabt hat, bem gebührt ein Orben, weil er ben Vcreinsgrünbungsfpezialisten einen neuen zu erfolgreichem Wirken gewiesen hat.

Literarischer.

Das liebe I». Grundriß einer neuen Diätetik der Seele Bon Dr. med. Wild. Stekel Breis 3 Mark. Verlaa von Otto Salle in Berlin W 57

Es bnt r-moe gedauert, bis man eingeleben hat, daß die sogen»nnten Nervenkrankheiten Seelenkrankheiten und, Fetzt voll ieh sich eine große Wandlung, die weiften Neivenärne werden Seelenärzte. Mit diesen interessanten Problemen beschäftigt sich vorliegendes Buch. Stekel hat sich zur Ausgabe gestellt, die Erkebmsse und das Milieu des Neurotikers zu erforschen, rhm ferne krank­hafte Einstellung zur engeren Umgebung und jur ganzen Welt zu korrigieren, ihm feine unerfüllbaren Phantasten bewußt zu machen, ihn mit der Wirklichkeit auszusöhnen und ihn nach dem Erkennen zu belehren, zu fuhren unc zu weifen.

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Kopfschmerz 1

Wenn Sie Ihr Kind p gesund, munter und geisttg frisch sich ent- | wickeln sehen wollen, so geben Ste ihm Dr. g Hommel's Haematogen. Warnung! Man E verlange ausdrücklich den Namen vk. ksommelL

schon so weil vorgeschritten, baß man auch Mädchen und Frauen an dem Straßenrennen und an dem Stimm auf die Wagen sich beteiligen sehen kann Da- Auf- und Abspringen ist für die Weibtichkeit doppel. gefährlich, da die Röcke die Fußgymnasttk behindern. Trotzdem versuchen sich bie Damen tut waghalsigen Springen. Ich habe schon oft mein graues Haupt geschüttelt, wenn kurz vor der Haltestelle etn Dämchen vom Trittbrett springt. Und profitiert fte ba£>et. Ost gar nichts, im besten Fall aber Nicht etwa eine Minute, sondern nur ein paar Sekunden der sog. kostbaren Zeit. Und darum dieses Wagms?

Da kommen wir auf einen Punkt, der bet solchen Leistungen eine große Rolle IPjelt: man will nich bloß Zeit gewinnen, sondern auch Ehre. Der SpoA- kitzel meldet sich; die Eitelkeit treibt zu Wagnis- fen. Wenn jemand auf einen fahrenden Wagen ge­sprungen ist, so reckt er sich stolz in die Hohe und sein Auge geht fragend in die Runde: „Habt ihr gesehen, was ich geleistet habe? Schneidig was. Die felbst- qefällige Schncidigkeit ist auch ein Geschwür an bem modernen Kulturkörper. Sich aufspielen, den Gaf­fern imponieren, — das ist ein Genuß. Aber nicht etwa durch geistige Leistungen oder durch eine solide Arbeit imponieren; ach nein, das wäre rückständig und plebejisch. Irgendeine körperliche Leistung glan­zen zu lassen, das ist das höchste Streben und der Er­habenste Genuß eines neuzeitlichen Menschen, tote kann so wertlos und unvernünftig sein, wie ste will: wenn man nur bie Bewunderung von Kindern und Narren eiregt, so ist bie Seligkeit groß.

Immer toieber hört man die Klage, daß die Menschheit nervös werde. Die Schuld wird ge­wöhnlich auf den immer schwerer werdenden Kampf ums Dasein geschoben. Ob bie sog. Vergnügungen nicht viel mehr Schuld an der Neroenzerruttung ha­ben? Die wohlgeordnete Arbeitstätigkeit ist langst nicht so aufregend, als die Jagd nach allerhand 3et^ vertreib und Genüssen. Daraus ergibt sich bann auch eine falsche Zeiteinteilung, und die führt wieder zu dem Vasten und Rennen mit seinen Gefahren für du Nerven, das Herz und bie Knochen. Wer klug ist, bei hält es mit der Ruhe in seinen Freistunden unt sorgt vor allem für einen ausgiebigen Schlaf. Be richtiger Zeiteinteilung frimt man auch im gemessene, Schritt zum Ziel komme