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2. Blatt. Fuldaer Leitung. „“L,ws.

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+ Die Fleischnot eine Weltnot.

Von fachkundiger Seite wird uns geschrieben:

In einem Teste der freihändlerischen Presse wird bas Thema „Fleischnot" munter weiter geführt.^ Ter leitende Gedanke ist dabei offenbar der, den Schutz, den das deutsche Reich seiner Landwirtschaft zuteil werden läsft, demnächst durch den Reichstag gründlich äu durchlöchern. Wollte man diesem Gedanken ent­sprechen, so würde man einen Fehler begehen, der uns nur noch mehr in die Fleischnot hinein- treiben müßte. Denn die Fleischnot ist durchaus keine deutsche, sondern eine internationale Er- ftheinung.

Das geht schon daraus hervor, daß der Fleisch­bedarf der Welt sowohl im Ganzen wie im Verhält­nis gewachsen ist. Der Mehrbedarf im Ganzen er­gibt sich aus der Bevölkerungszunahme, ein Mehr­bedarf im Verhältnis ergibt sich aus der steigenden Wohlstandsentwicklung in allen Kulturländern der Erde. Die Viehhaltung der Erde hält aber mit die­ser Entwicklung nicht Schritt und in einer ganzen Reihe von Ländern ist ein direkter Rückgang im B i e h b e st a n d e zu beobachten.

So ist in den vielgerübmten Vereinigten Staaten von Nordamerika der Rindvicbbestand iin drei Jahren um fast 13 Millionen gefallen, der Schweinebestand allerdings um etwas mehr wie 13 Millionen gestiegen. Rechnet man ein Nähr- und Preisvcrhältms ' zwischen Rindvieh und Schweinen von nur 2:1, so ergibt sich der große Fehlbetrag von rund 6 Millionen Rindern im Viehbestände. Ruß­

land hat in drei Jahren einen Verlust von rund 2 Millionen Rindern bei einem Gewinn von rund

900 000 Schweinen zu verzeichnen. Auch hier ist durch die höhere Schweinehaltung die niedrige Rind- viehhaltnng längst nicht ausgeglichen. Dabei ist -ganz außer Betracht gelassen, daß die russische Be­völkerung jährlich um 1,37 (für drei Jahre um 4,11) Prozent und diejenige der Vereinigten Staaten um 1,90 Prozent (für drei Jahre nm 5,70) Prozent zu­nimmt. Aehnlich liegen gie Dinge in einer Reihe anderer Länder und dort, wo dies nicht der Fall ist, da ist die Vermehrung des Viehbestandes nur sehr geringfügig, sodaß eben nur der Mehrbedarf im eigenen Lande gedeckt werden kann.

Muß angesichts einer solchen, gewissermaßen die ganze Welt erfassenden Viehverminderung nicht der Fleischpreis st eigen? Oder glaubt man, daß ausgerechnet bei den Fleischvreisen die Preis- regclung durch „Angebot und Nachfrage" außer Kraft trete?

Wellte man in Deutschland den landwirtschaft­lichen Schutz durchlöchern, so würde vielleicht das eine oder andere Mal eine zufällige Verbilligung eintre­ten, grundsätzlich aber nur eine wesentliche Verteuerung eintreten, denn dann entfällt für die Landwirtschaft der Anreiz, die Viehproduktion weiter zu entwickeln. Damit wachsen dann die An­forderungen an den Weltnmrkt und die Preise neh­men dauernd eine Richtung nach oben. Zwischenzeitig hat sich eine weitere Abwanderung vom Lande und in Verbindung damit eine Vermehrung der Arbeits­losen in den Städten vollzogen und nun mangelt der Landwirtschaft das Menschenmaterial, um den, ver­lorenen Posten wieder einzuholen, und jetzt befinden wir uns erst recht in den Händen einer Fleischnot, aber auch des Auslandes.

Dieser Weg führt also nicht zum Ziel. Zum Ziele führt nur der Weg über die volle Produk­tion unseres Bedarfes im Fnlande. Ge­rade die gestiegenen Preise werden die Erreichung dieses Zieles ungeheuer beschleunigen, weil sie, zu höherer Viehhaltung anreizen. Zn der Verwirk­lichung dieses Anreizes liegt dann zugleich auch das Her ab geh en der Preise. Wenn nun demgegen­über behauptet wird, die deutsche Landwirtschaft sei gar nicht in der Lage, das deutsche Reich ausreichend mit Fleisch zu versorgen, so ist das durchaus unzu­treffend. Nach den Untersuchungen des Reichsschatz­amtes betrug nämlich in Deutschland der durchschnitt­liche Jahresverbrauch auf den einzelnen Einwohner berechnet 51,35 Klgr. Fleisch (ohne Geflügel und Wildbret). Setzen wir als Durchschnittspreis sür 1912 für das Kilo 1,40 Mk., so ergibt sich, daß bei 85 Millionen Deutschen der gesamte Fleischkonsum des deutschen Volkes im Jahre 1912 4 672 850 000

Mark betrug.

Um festzustellen, wieviel hiervon vom Inland herangezüchtet wurde, müssen wir den Einfuhrüber­schuß (Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr) be­trug im Durchschnitt 1912 rund 146'Millionen Mk.

Meines Feuilleton.

— Die menschlichen Blutkristalle im Dienste der Kriminalistik. Im menschlichen Leben sind in jung* ster Zeit neue ungeahnte Eigenschaften entdeckt wor­den.^ Daß das Haemoglobin, der rote Farbstoff des Blutes, unter geeigneten Umständen Kristalle ab­scheidet, weiß man schon seit fast dreiviertel Jahrhun­derten, aber wie wertvoll diese Blutkristalle für den Zoologen und besonders für den Kriminalisten unter Umstanden sein können, tft erst in neuester Zeit ent- deckt worden. Zwei amerikanische Gelehrte, Prof. Reichert, der Physiologe der Pennsylvania-Universität, und Prof. Brown, der den Lehrstuhl für Mineralo­gie und Geolog'" am selben Institute inne hat, haben hierüber umfangreiche Verftrche angestellt, die die Carnegie-Institution in Buchform veröff-nilicht hat. Die beiden Gelehrten haben zunächst M-thoden — übrigens ziemlich verwickelte — ausgearbeitet, nach denen man die Blutkristalle aus jedem Glut, auch wenn es schon geronnen ist, ausscheiden kann. Tie kristallographische Untersuchung hat denn ergeben, daß das Blut jcder Tierart besondere Blutkristalle liefert, die von allen anderen Blutkristallen verschieden sind. Nach dieser Methode kann man also in Kriminalfällen' wo man zwischen Tier, und Menschenblut nach ge- ringfügigen, längst eingetrocknetcn Blutspuren unter­scheiden ' soll, mit Hilfe des Mikroskops ein sicheres Urteil fällen. Noch reicher ist das Gebiet der An­wendbarkeit dieser Methode für den Zoologen. Brown und Reichert haben nämlich herausgesunden, daß die Blutkristalle verschiedener Tierarten um so verschie­dener sind, je geringer die Verwandtschaft ist, und um­gekehrt läßt sich nahe Verwandtschaft durch die Aehn- lichkeit der Blutkristalle nachweisen. Das ist auch schon Praktisch erprobt. Dabei hat sich z. B. ergeben, daß die Perlhühner, die man den.Haushühnern nahe­stehend glaubte, dem Strauß näher stehen, und ebenso hat diese Blutprobe ergeben, daß die Bären den See- löwen und Seehunden näher verwandt sind, als Wöl­fen, Hunden und Füchsen, neben die man sie gewöhn­lich in die Gruppe der Raubtiere stellt.

oder 3,13 Prozent des Fleischverbrauchs. Die deutsche Landwirtschaft hat also im Jahre 1912 fast 9 7 Prozent des gesamten deutschen Fleischverbrauchs gedeckt. Ist chr das aber gelungen, dann wird man ihr auch zumuten können, daß sie die restlichen drei Prozent auch deckt. N i ch t kann man der Landwirtschaft zumuten, daß re bei Versorgung des deutschen Volkes gewisser­maßen Geld zusetze, man wird ihr vielmehr den an­gemessenen Preis, d. h. einen Preis zubilligen müs- en, der die aufgewendeten Produktionskosten und einen kleinen Gewinn für eigene Arbeitsleistungen, Risiko und dergleichen umfaßt. Von der Zubilligung dieses angemessenen Preises wird es a b h ä n g e n, ob Deutschland aus eigener Kraft mit Fleisch ver­argt wird, oder an den Weltmarkt herantreten muß. Hierbei bedenke man wohl, daß heute gerade für die Fleischproduktion die Erzielung eines angemesienen Preises eine viel höhere Bedeutung wie etwa vor Jahrzehnten hat. In früheren Zeiten war nämlich die Viehhaltung zur Schlachtung für den Eigen­verbrauch viel gebräuchlicher wie heute. So fin­den wir heute in den Städten viel weniger Vieh als ruher. Ferner bat ein in früheren Zeiten sehr we- entlicher Produktionsfaktor für die Fleischvcrsorgung, der landwirtschaftliche Nebenerwerb, in ganz erheb­lichem Umfange an Bedeutung dadurch cingebübt, daß . er nicht in gleichem Umfange wie die Bevölkerung gewachsen ist. Während nämlich die Bevölkerung des deutschen Reiches von der vorletzten bis zur letzten Berufszählung um fast 20 Prozent zugenommen hat, haben die nebenberuflich in der Landwirtschaft selb­ständig Tätigen sich nur um 5,30 Prozent vermehrt.

Alles das muß man würdigen, wenn man ein klares Bild über die Preisgestaltung des Fleisches, über Fleischnot und Fleischproduktion sich verschaffen will. Daneben kommt noch in Betracht, daß sich der Geschmack der Bevölkerung von Tag zu Tag ver­feinert. Unter ein und derselben Bezeichnung ver­steht man oft schon nach 5 Jahren etwas ganz an­deres, und kann dann nachher durch einfache Preis­aneinanderreihungen aar nicht mehr dasselbe treffen. Trotzdem soll natürlich nicht geleugnet werden, daß die Preise gewachsen sind, um so weniger, je mehr selbst Städte daran helfen, daß die Preise in d>e Höbe schnellen, indem sie bie und da die städtischen Schlacht- und Viehhöfe als Ueberschußobjekte be­trachten. So erzielte z. B. die Stadt Berlin nach Berücksichtiguna der Verzinsung und Tilgung der ent­sprechenden Sckiulden und Vornahme von Abschrei­bungen und Rücklagen im Jabre 1910-11 einen Reinüberschuß von rund 662 000 Mk., Breslau einen solchen von 439 000 Mk.. Dresden von 204000 Mk., Hannover von 149 000 Mk., Maadeburg van 125 000 Mk. Köln von 136 000 Mk., Halle von 118 000 Mk., Straßburg von 440 000 Mk., Darmstadt von 127 000 Mk Mainz von 137 000 Mk., Elberfeld von 90 000 Mk' Metz von 218 000 Mk. und Regensburg von 103 000 Mk.

In diesem Zusammenhang gewinnt das Kapitel von der Fleischnot denn doch ein ganz anderes Ge­sicht, als man es vielfach zu erblicken glaubt. Aller­dings ist zuzugeben, daß der Verlauf der Viehzählun­gen hierzu manchmal verleiten kann. Es wird aber dabei übersehen, daß in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern infolge besserer Zucht des Durchschnittsgewichtes des einzelnen Viebstuckes bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung wesentlich z u« genommen bat und die Zeit bis zur Schlachtreife wesentlich abgekürzt wurde. Slber warum? Nun, weil wir eben mit dem Schutze unseres nationalen Viehbestandes und unserer Fleischproduktion auf dem richtigen Wege waren. Und einen solchen Weg ver­läßt man nicht ohne triftigen Grund. Erst recht dann nicht, wenn, wie es immer mehr und mehr den Anschein hat, das Preisniveau in Deutschland sich dem des Weltmarktes nähert. Das wird aber um so eher der Fall sein, je mebr es der Landwirtschaft gelingt, den deutschen Fleischkonsum vollständig zu decken.

Haften wir darum an unserer bewährten Wirt­schaftspolitik, an unseren! Zoll- und Seuchengesetz fest, geben wir der Landwirtschaft den Anreiz, aum die noch fehlenden drei Prozent zu produzieren, dann haben wir nicht nur die solideste Fleischversor- gung der Welt, sondern auch die Gesamtbevolkerung vor sebr bitteren E n t t ä u s ch u n g e n. die sonst un­ausbleiblich sind, bewahrt. Das ist dann tom- lich: Die Hebung der Fleischnot'.

— Allerlei Teegeschichten. Der Tee, das auch bei uns immer beliebter werdende Getränk, ist in China schon einige Jahrtausende bekannt und steht dort seit uralter Zeit in höchster Verehrung. Gibt es doch dort sogar eine „Teebibel", deren Entstehung man bis ins achte Jahrhundert n. Ehr. Muckfuhrt. Nach dieser Bibel muß man, um die herrlichen Eigcn- schafien des Tees voll würdigen zu können, sieben Tassen trinken. Die erste parfümiert nur den Miiud, die zweite vertreibt die Melancholie, bei der dritten be­lebt sich das Herz und der Geist erwacht, die vierte verursacht milden Schweiß, der die Traurigkeit vol­lends wegnimmt, die fünfte reinigt Blut und Kno­chen, die sechste macht genial, die siebente hebt hoch empor zum Vollgefühl der Seligkeit. Nun, so ganz stimmt die Sache vielleicht nicht, wenigstens nicht bei uns Deutschen, die wir gewohnt sind, den dustendcn Tee m''t Milch und Zucker zu verschönern oder gar mit Nurn zu „verdünnen" und so eher einen sic'Ien Grog Herstellen, der ja allerdings auch „selig sinninen kann. Auch der Engländer ist kein rechter Scetnn- ker, er nimmt ihn schon zum Frühstück und wurzt ihn mit Arrak, nur der Russe genießt ihn ohne Zutat und ißt Konfekt dazu. Wie es bei uns Kaffeekoche gibt, so gibt es in Japan und China Teemeister. Als im 15 Jahrhundert lange Kriege die Sitten des Zol­les verrcbwn, ordnete dort die Regierung die allge­meine Einführung des Tees als Volksgctränk an. um die Menfchen wieder sanfter zu machen . Bis dahin war der Tee nur das Getränk der Vornehmen, und noch heute wird in diesen Kreisen die Zubereitung des Tees geradezu zeremoniell vorgenommen, als handle es sich um eine verehrungswürdige Gottes­gabe. ftk-

— Bevorzugung einzelner Gläubiger beim außer­gerichtlichen Vergleich. Bei fast jedem außergericht­lichen Vergleichsvorschlag fordern einzelne Gläubiger für sich eine besondere volle Befriedigung. Dadurch scheitern oftmals alle Bemühungen. In Darmstadt bot ein Schuldner seinen Gläubigern 60 Prozent. Einer der Gläubiger, A., gab seine Zustimmung nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß auch keiner der anderen mehr als 60 Prozent erhalte, zwei andere Gläubiger, B, und C-, verlangten aber volle

Sofaks.

Fulda, 13. November 1913.

r Katholischer MäßigkritSbund.

Der weiteren Einführung des Schutzengel» Hundes, der Abstinenlcnvereinigung sür Kinder, galt die gestrige, im Saale der .Harmonie" abgehaltene Ber» ämmlung des Katholischen Mätzigkeil-bundes. Wie sehr man von der Notwendigkeit der Einführung dieses üngsten Zweiges der Mäßigkeitsbewegung in unserer Stadt überzeugt ist, zeigte der recht zahlreiche Besuch der Versammlung aus den Kreisen der Jugcnderzieher und Jugendfreunde.

Der Vorsitzende de? Katholischen Mäßigkeitsbundes ür die Diözese Fulda. Herr Pfarrer Gutberlet-Kämmer- zell, empfing die Beriammelten mit Worten herzlicher Begrüßung. Vor allem beqrüßle er den Hochwürdigslen Herrn Bischof und den Herrn Verbandsfekretär Joieph Knichel au8 Leutesdorf a. Rh., besten mehrtägige Tätig­keit in unserer Diözese für die Sache des Mäßigkeits­bundes bereits von großem Erfolge gewesen ist. Der Schutzengelbund ist von ihm in? Leben gerufen morden in Orb, Maberzell und Kämmerzell, und gestern nüh hat der Verbandsfekretär unter grobem Beifall im Lehrcriemlnar über die Mäßig'eitssache gesprochen.

„Alkohol und Jugenderziehung" so lautete da? Thema, das Herr Knichel gestern nachmittag in esselnden Ausführu--gcn behandelte: Die Jugend leidet zunächst unter dem iltlkoholmißbrauch der Erwachsenen. Das tit das traurige an der Alkohol rage, daß die Sünden der Väter an den Kindern gestraft werden bis ins vierte und fünfte Geschlecht. Die Jugend leidet ferner unter dem Alkohol, den sie selbil zu sich nimmt. Für ein Kind ist jeder Tropfen geistiger Getränke unter allen Umständen schädlich. Fast in allen Gegenden erhalten die Kinder geistige Getränke, was der Redner mit den betrübenden Ergebnissen der Statistik belegte. Im Alkoholaenuß der Kinder besteht zwischen Stadl Land kein Unterschied. Unsere Kinder trinken stark und in einer Weise, daß sie uns nicht mehr gleichgiltig sein darf. Ter Alkoholgenuß ichädigl Kö per und Geist der Kinder in hohem Mabe. Dis Kind verliert die Fähigkeit, seinen Geist auf eine bestimmte Richtun, zu konzentriecen; vor allem leibet das Gedächtnis. Die Lehrer müssen in der Schwe das Kreuz tragen, das eigentlich die Eltern tragen müssen. Der Alkohol verdirbt auch die Sittlichkeit des Kindes. Kinder, die Alkohol bekommen, werden früh­reif. Kinder, die Alkohol genießen, können sich auch nichts versagen. Wer aber das Leben meistern will, muß Ent­sagung gelernt haben. Im Kampf gegen das Laster des Alkohols muß bereits im ersten Lebensjahre des Kindes gewirkt werden durch die Erziehung. Es inuß die Forderung aufgestellt werden: Der Heranwachsenden Jugend keinen Tropfen 'Alkohol, selbst nicht in Form von Likörbonbons. Mit einem reinen Verbots ist es nicht zu erreichen, daß die Kinder keinen Alkohol ge­nieße», das kann nur erreicht werden durch eine gründ­liche und systematische Belehrung in Schule und Kirche. Bei manchen Unterrichtsfächern kann der Lehrer auf die Veiderblichkeit des Alkohols Hinweisen. Auch außerhalb der Schule müssen wir auf die Kinder einwirken, vor allem bei den Elteinabcnden. Bei Sch ilaucflügen dürfen die Kinder felbstverständlich auch keinen Alkohol trinken. Wir müssen die Austlärungsarbeit einsetzen bei dem Willen der Kinder, indem wir den Willen zu dem Ent- schluß wecken, keinen Alkohol zu genießen. Wir müssen die Kinder so begeistern, daß sie selbst warm werden für die Nüchternheitsbewegung. Um den Willen zu dem Ent- fchluß zu stärken, sich des Alkohols ,u enthalten, haben wir im Jahre 1897 den Schutzengelbund gegründet, der bereits 200000 Mitglieder umfaßt. Alle Kinder lönnen ihm beit eien, die sich verpflichten, keinen Alkohol zu genießen und täglich das Vercinegebel zu verrichten. Der Schutz­engelbund hat sich vorzügliy bewährt, vor allem durch die Treue der Kinder, mit der sie ihr Versprechen gehalten haben. Die schulentlassenen Kinder müssen wir anhallen, Abstinenten zu.bleiben, sie lernen so, sich etwas versagen und die Menschenfurcht besiegen. Die Mitglieder Les Schutzengelbundes sind Apostel der Mäßigkeit für die Erivachlenen, in ihm werden Kinder herangezogen, an denen wir, wa? alle Plärrer und Lehrer bestätigen, unsere Fieude haben können. Der Redner, ber die Beweis- und klebeizeugunaskrait seiner Worte durch eine Anzahl interessanter Bei piele aus dem Leben z>c erhöhen verstand, ermunterte die Versanimlung zu recht fleißiger Werbearbeit sür den Schutzengelbund. Er er­suchte, ihi> an allen Orten, wo et noch sehle, zu gründen. Der Schutzengelbund bewahrt seine Mitglieder vor lörper- lichem, geistigem und seelischem Elend. Aus ihm nehmen sie Idealismus, Selbstüberwindung, Seelenstärke und Opserwilligleit sür Andere mit, und das wird dem ganzen Volke, Staat und Kirche zum Segen gereicheii. ^Lebd. Beifall).

Der Vorsitzende fügte dem Tank der Versammlung eilige DanteLworte aii den Redner hinzu. Er teilte mit, daß Herr Verbandssekrelär Knichel drei Wochen in unserer Diözese verweilen werde. Der Herr Kceic- fchulinspetior habe erlaubt, daß während der pflichi- mäßigen Unterrichtsstunden Vorträge über die Schäden des Alkohoigenusses gehalten würben. Heule finden solche in Künzell unb Johannesberg statt.

An die Leitsätze deL Vortrages knüpfte sich eine rege Diskussion, die manche Äufktärmig brachte, und 6k lleberzeugung von der Notivendigkmr des Lchutzengel- bnnbeS besestigl haben Dur ne. Herr Lehrer Beirr

Befriedigung. Um den Vergleich durchführen zu können, kaufte ein Akkord-Vermittler diesen beiden Gläubigern die Forderung ab und zahlte ihnen den vollen Preis, nahm aber selbst mit nur 60 Prozent fürlieb, so daß der Akkord nun zustande kam. Der Gläubiger H. erfuhr diesen Sachverhalt und klagte für sich unter Hinweis auf die von ihm gemachte ^Be­dingung die ausgefallenen 40 Prozent ein. Das Oberlandesgericht wies jedoch die Klage zurück, da irgendein Anfechtungsqrund nicht vorliege, auch keine Arglist und auch kein Verstoß gegen die guten Sitten. Jedermann könne Forderungen aufkaufcn und damit machen, was er wolle. Der Schuldner habe ja anch gar nicht selbst die Gläubiger B und C voll be­friedigt, sondern für deren Forderungen auch nur 60 Prozent bezahlt, die übrigen 40 Prozent habe der Akkord-Vermittler aus eigenen Mitteln daraufgelegt. — Man sieht, es gibt überall Hintertüren, durch die man zum Ziele gelangen kann. rb.

— Ein biochemisches Experiment recht amüsanter Art, welches beweist, daß der Mensch Kohlensäure ausatmet, ist das folgende: man kaufe in einer Apotheke für 5 oder 10 Pfennige Kalkwasser. Das sieht ganz" klar wie reines Wasser aus, 'dennoch ent­hält es zirka 0,14 Teile Kalk gelöst. Bläst man nun die Atemluft aus dem Munde in das Kalkwasser — am besten durch einen Strohhalm oder kleinen Zerstäuber oder eine Glasröhre usw. —, so trübt sich alsbald die Flüssigkeit bis fast zu Milchiger Undurch­sichtigkeit. Bläst man immer weiter Lust hinein, so klärt sich nach und nach die Flüssigkeit und wird zu­letzt wieder vollständig klar. Ein Korkverschluß ist bei dem Erperiment nicht nötig. Der Vorgang ist so zu erklären: Tas Kalkwasser verschluckt begierig die in der Atemluft enthaltene Kohlensäure, es bildet sich nun kohlensaurer Kalk, der in Wasser fast un­löslich ist, sich also ausscheidet und dadurch die Trü­bung hervorruft. Bläst man nun immer mehr Luft in die Flüssigkeit, so nimmt schließlich auch das Wasser selbst die Kohlensäure auf, es entsteht kohlen­saures Wasser, und in solchem ist der kohlensaure Kalk nun wieder löslich, die Flüssigkeit wird somit wieder klar. nc-

Schmitt machte den vom Verbandssekretär sympathisch begrüßten Vorfchlag, das Eintrittsgeld von 10 Pi emsig lottfallen zu lassen und den Jahresbeitrag von 12 auf 15 Psg. zu erhöhen. Herr Kaplan Weidner- Bockenheim betonte die Notwendigkeit, den Schutzengelbund nament- lieh auch mit Rücksicht auf das nachfchulpflichtige Alter zu pflegen. Herr Pater Remigius 0. F. M. wies insbesondere auf die Pflicht der Eltern hin, den Schutz­engelbund zu unterstützen. Ihn einzuführen und zu er­halten sei, wenn man nur 'die nötige Begeisterung für die g sie Sache mitbnnge, nicht schwer. Sodann teilte der Herr Pater mit, daß am 23. Nov. im Stadtsaale eine große Versammlung statifinden werde, in der über die gemeinsame Arbeit des Kreuzbündnisses und des Mäßig- leitsbundes ein erfreuliches und hoffnungsfrohes Btld entworfen werde. ,

Herr Pfarrer Gutberlet bat nunmehr den Hoch- würdigsten Herrn Bftchot, einige Worte an die Versamm­lung zu richten und ihr den oderhirtlichen Segen zu erteilen.

Der Hochwürdigste Herr Bischof kam dieser Bitte nach, indem er seiner Freude über den anregenden Verlauf der Versammlung Ausdruck verlieh. Der Vor­trag des Herrn Verbandsoorsitzenden habe klar und anschaulich gezeigt, welch einen bedeutsamen Fnttor der Schutzengelbund in der Kindererziehung barfteUe, und die Aussprache die sich an den Vortrag schloß, habe be­wiesen, welch hoher Interesse die Veriammlung den Zielen und Ausgaben des SchutzengelbunDeS entgegenbringe. Heule vormittag habe der Herr Verbandsfekretär unter großem Beifall im Königlichen Lehrerseminar gesprochen, hier sei eine Anzahl Alumnen zugegen. Lehrerschaft undPriecterschaft müssen auch in der Al loh o l- rage zusammenarbeilen cBravo!) Der Hochwurdlgste Herr hofft, daß die Abstinenzbewegung in der Lehrer- ,chast und in der Priesterschcrst immer weitere Kreise er­fassen möge. Er würde es nicht ungern sehen, wenn au n im Priesterseminar sich eine Abstinentengruppe bilden möchte. iLebh. Beifall.) Se. Bischöflichen Gnaden prach ferner die Erwartung aus, daß Die heutigen 'An­regungen reiche Früchte tragen, auf daß der Schutz­engelbund, Den er Dem Schutze Gottes empfehle, immer mehr erstarke, und Geistliche und Lehrer in vereinter Tätigkeit im Schutzengelbunde mithelsen, ein neues willensstarkes Geschlecht zu erziehen. Hierauf erteilte Der Hochwürdigste Herr Der Versammlung feinen Segen,

Sie wird ein neuer Ansporn sein zu eifriger Weiter- arbeit für eine große und wichtige Sache.

# Personalien. Verliehen wurde dem Kantor, und Lehrer a. D. Heinrich Frischkorn zu Salmün- ter im Kreise Schlüchtern der Adler der Inhaber >es Königlichen Hausordens von Hohenzollern, dem Bahnwärter Reinhold Zehrfeld zu Ronshausen im Kreise Rotenburg a. F. das Allgemeine Ehrenzeichen, den Vorarbeitern Jakob Krien, Ludwig Rühl und Eduard Ulrich zu Kassel das. Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.

ik Semiiiardircktor Schaaf f. Aus Paderborn kommt die Nachricht, daß dort im Alter von 43 Jah­ren Scmiuardirektor Adam Schaaf verstorben ist. Er war von Ostern 1901 bis Ostern 1903 als Hilfs­lehrer, dann als Oberlehrer am hiesigen Kg l. Gvmnasium tätig. Darauf bekleidete er emrge Jahre das Amt des K r e i s s ch u l i n s p e k t o r s in Fulda. 1907 wurde er zum Seminardirektor ernannt. Er wirkte zunächst am Lehrerseminar in Werl dann in Paderborn. Direktor Schaaf stammte aus Camberq in Nassau. Dort hatte er auch, ehe er nach Fulda kam, mehrere Jahre das Rektorat der Camberger Lateinschule geführt. — Seine Laufbahn ist der beste Beweis für seine pädagogischen Fähig­keiten. Eine seltene Universalität des Wissens be­fähigte ihn, auf allen Gebieten des Unterrichts be­rufener Lehrer und Leiter zu fein. Dazu kam die Vertiefung, die das unterrichtliche Wirken durch den harmonifchen Charakter dieses Mannes erfuhr. Die meisten seiner Schüler sahen in ihm einen väterlichen Freund, der stets ihr Bestes wollte. Die ernste Lc- bensauffassung, das treue Bekenntnis eines vorwärts- strebenden, echt katholischen Mamies Ivar in ihm ge­paart mit einer liebenswürdigen Heiterkeit, einem glücklichen Erbteil seiner nassauischen Heimat. Möge dem so früh Heimgegangenen der Lohn für ein ge­segnetes Lebenswerk im Dienste der christlichen Er­ziehungsarbeit dort oben zuteil werden. R. i. p-

(!) Auszeichnung. Ihre Kgl. Hoheit die Frau Landgrästii von Hessen hat den Ingenieur Ferdinand Schneider hier durch Patent vom 18. Oft. 19lo zu Höchstihrem Hof-Elektrotechniker er cannt und dadurch berechtigt, das Wappen Ihrer Komgl. Ho'ieit über seine Geschäftslokate und aus >e>nen Rechn.iinaen zu führen.

(!) Dem Lbcrregierungsrat a. D. Fliedner, der. wie gemeldet, dieser Tage feinen 7 0. Gebu r t s- t a g in geistiger und körperlicher Frisch beging, sind aus diesem Anlaß besondere Ehrungen zuteil gewor­den. So wurde er durch ein ebenso kostbares wie sinniges Geschenk des Kreises Herrschaft ch ni a l- falben, dem er während seiner früheren Beamten­laufbahn 10 Jahre hindurch als Landrat vorgestanden hat, überrascht Die ihm von dem Kreisausschuß nebst einem Begleitschreiben überreichte Ehrengabe besteht in zwei Taselbänden „Die Bau- und Kunst - denkmäler des Kreises Herrschaft Schmalkalden . Die beiden Bände befinden sich in einer kunstvoll ausge-, statteten Ledermappe aus rotem Juchten., Tie auf diesem Etui befindliche Widmung fowie drei Wappen: das preußische, hessische und Henneberger.Wappen,, sind von Künstlerhand entworfen und auf weißem Schweinsleder gemalt. Auch haben sich die Kreisver­tretungen der Kreise Hünfeld und Fulda der landrätlichen Tätigkeit des Herrn Fliedner erinnert und ihm zu seinem 70. Geburtstage herzliche Begru- ßungstelegramme zugehen lasten.

•/. Der Volksvertin für das katbolffSe Deutschland versammelte'gestem seine hiesigen Vertrauensmänner rum Zwecke der Ausgabe des.Heftes 5 der Zeitschrift des Volks^erc ns. Die bekannten und beliebten Heftchen gelangen also demnächst durch hie Mrirauensnicinner in die Hände der Bi tglcedcr. Weiler wurde die Agitation für Die am 23. d. Mts. im Anfchlusie an die vom Volksvereins-Sekretariat vorbereitete Sonferem der Vertrauensmä ner und Ge- schäftsführer der verschiedenen Dekanate beabsichtigte Versammlung besprochen. Durch fleißige stVerde- arbeit und Verbreitung eines Flugblattes soll zam zahlreichen Besuch dieser Versammlung aufgerorDeit werden und man gibt sich der Hoffnung bin, haß b'c katholischen Männer und Jünglinge der Stadt Fulda aus Interesse für die Sache dem Rule folgen und Mann für Mann an dieser Versammlung tetlnebmen.

;: Die Kreisärzte der Provinz Hessen-Nassau hielten am Dienstag im Sitzungssaale der königlichen Regierung zu Kastel eine Versammlung ab, bei wel­cher wichtige Berufsfragen behandelt wurden.

(:) Wertsteuer ober Ertragssteuer? Der 17. Ver­bandstag der preußischen Hans- und Grutidbefiyer- vereine beschäftigte sich, wie berichtet, auch mit der R e- form des Kommunalabgabe ngesetzes. Interessant auch für Fuldaer Verhältnisse,„ wo bekanntlich eine Aenderung der Grund- und Gebäude- steuer von gewisser Seite erstrebt wird, ist das Re-