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2. Blatt.

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<*t* Fuldaer Zeitung

JV» 262.

Nittvoch 12. November 1915.

Der katholische Frauenbund in Fulda.

Große Frauenversammlung im Stadtsaal.

Schon oft haben wir den weiten Stadtsaal gefüllt gesehen mit festlichen Scharen, hier und da konnte man auch schon davon sprechen, er sei üb er füllt gewesen, noch nie aber war er so bis auf die letzten Eckchen besetzt, nie saßen die Gäste so gedrängt, so Kopf an Kopf wie gestern abend, da der Katholische Frauenbund, Zweigverein Fulda, zu seiner großen Frauen.Veriammlung gerufen hatte. Und welch ein erhebendes Bewußtsein war eS, daß sich im einheit­lichen Geiste hier di» Frauen aller Stände ein Stelldichein gegeben hatten, daß hoch und niedrig schwesterlich geeint war: solche Versammlungen können nur aus dem Boden der allgemeinen, der katho­lischen Kirche gelingen. Doch die Frauen waren nicht allein. Die angesehensten Männer der katho- tischen Bürgerschaft aus Klerus und Laienstand waren erschienen, allen voran der Hochwürdigste Herr Bischof Joseph Dam ianus. An Zahl und an Art eine glänzende Versammlung, so gestand sich jeder, und ein Hauch freudiger Begeisterung für eine ideale Sache und die Frierstimmung himmelwärts gerichteter Gedanken lag von Anbeginn über dem festlichen Saale.

Auf dem Vorbau der Bühne, die reizend geschmückt war, hatten die weißgekleideten Schülerinnen der stadtpfarrlichen und dompsarrlichen Mäochen-Ober- klassen Ausstellung genommen. Weihevoll und mit inniger Beseeltheit erklingt ihr Lied: Mit dem Herrn fang alles an. Darauf betritt Fräulein Lehrerin Temme von der Stadtpfarrschule, die soeben noch den Dirigentenstab geführt hat, das Podium und bringt dem Katholischen Frauenbund zum Einzuge in die Bonifatiusstadt in schwungvollen und doch viel­sagenden Prologversen herzliche Willtommenwünsche entgegen. Mit dem katholischen Gruße leitet als­dann der geistliche Beirat des Fuldaer Zweigvereins des Frauenbundes, Domkapitular Herbener, die die Versammlung ein.

»Gelobt sei Jesus Christus" ist das rechte Wort, die Versammlung des katholischen Frauenbundes zu eröffnen. Ist doch Gottesliebe die Quelle, aus der das Wirken des Bundes seine Kraft erhält, ist doch GotteSehr» und des Nächsten Wohl das Ziel seines Strebens. In den letzten Jahren haben die General­versammlungen der Katholiken Deutschlands immer wieder den Ruf erhoben, daß die katholischen Frauen dem Frauenbünde beitreten möchten. Und nun ist die- ser Ruf auch in Fulda mit Begeisterung ausgenommen und ein Zweigverein inS Leben gerufen worden. Der kath. Frauenbund will dem Klerus Hilfe leihen bei der Arbeit an der sittlichen Gesunderhaltung des Volkes, er will aber auch den wirtschaftlichen Verhältnissen der Frauen sein Augenmerk schenken. Da bei all diesen Bemühungen an Gottes Segen alles gelegen ist, so hat der neue Zweigverein Fulda den heutigen Tag mit einem hl. Meßopfer eingeleitet. Und wie er so Gottes Segen erfleht und diese imposante Versammlung heute abend herbeigeführt hat, da ist es mir, als ob der allmächtige Gott über diesem Saale schwebte, v>n sich an diesem ergreifenden Schauspiele zu erfreuen. Gruß und Dank sei dem Hochwürdigsten Herrn Bi. s ch o f für sein Erscheinen gesagt. ES ist uns ein Zeichen dafür, daß er Vertrauen zu dem kath. Frauen, bunde hegt. Auch alle anderen Erschienenen heiße ich herzlich willkonimen. Mögen alle treue Gönner oder treue Mitglieder des Bundes werden und bleiben. Um über den Bund und seine Ziele Aufklärung zu geben, ist hier eine berufene Rednerin erschienen. Möge ihr Wort dazu beitragen, daß das jetzt gepflanzte junge ReiS zu einem mächtigen Baume wird, von dem Segen ausgcht für die katholische Kirche, für unsere katholische Stadt, für jede katholische Familie im einzelnen. Möge der Baunr stehen als ein hehres Erinnerungszeichen an das Jubehahr der durch Konstantin befreiten hl. Kirche und an die Gnadenzeit der hl. Mission in der Boni­fatiusstadt.

Der Bestall verhallt und die gefeierte Führerin der katholischen Frauenbewegung in Deutschland, Frl. Hedwig Dransfeld aus Werl, tritt an den Rednerpult.

Freudige Genugtuung erfüllt mich, daß eine solche geradezu glänzende Versammlung, wie sie unser Bund wohl kaum je gesehen hat, der Gründung des Fuldaer Zwergvereins den Rahmen gibt. Der katholische Frauenbund beglückwünscht sich, jetzt Fuß zu fassen in der Stadt des hl. Bomfatius, von dem einst der Gna­denstrom des Christentums über das weite deutsche Land geleitet worden ist, in der Stadt Fulda, die auch heute

,be" Zentralpunkt des deutschen Katholizismus Stadt konnte dem kath. Frauenbund, der heute 17 000 Mitglieder zählt in allen deutschen Gauen, ja sogar m den deutschen Kolonien, nicht verschlossen Dieioen.

.Wenn ich nun über die Ziele des Bundes reden soll, so ist das nicht schwer. Klar liegen sie zu Tage. Geändert haben sich die Pflichten, die der Frau

'"ar r früher war die Frau in dem Haushalte völlig m Anspruch geonmmen. Die Familie bedeutete eine wirtschaftliche Einheit. Aber mit dem Fortschreiten ieÜr .chnck - und der Oekonomik wurden nach und nach zahlreiche häusliche Arbeiten der Frau entwunden. Da. • rm Ir1-weibliche Bevölkerung immer mehr in das öffentliche Erwerbsleben hineingezogen worden.

Kleines Fenilletou.

— Wie man vor hundert Jahren trotz der da- maNaen traurigen Zeit säumige Steuerzahler mahnte, das klmot sehr viel höflicher als heutzutage. Im Iah/e l811ließ die Stadt Koblenz „Benachrichtigung gen" herstellen, die, da sie gedruckt sind, erkennen lassen daß man ihrer wie jetzt noch in größerer Auf­lage bedurfte, daß es also schon zu jener Zeit säumige Steuerzahler zur Genüge gegeben haben muß Aber die Form läßt auch wieder erkennen, daß man bc’- löblichen Ansicht huldigte, mit Höflichkeit weiter zu kommen und viel eher sein Ziel zu erreichen, als mit dem heutigen Kommandoton und der obligaten An­drohung „sofortiger Pfändung". Das interessante Koblenzer Kulturdokument hat folgenden Wortlaut: „Der Empfänger der direkten Steuern der Oberbür­germeisterei Koblenz benachrichtigt Sie hiermit, daß Sie in Entrichtung der verfallenen Steuern noch zu­rückstehen. Bei dem sehnlichen Wunsche, Ihnen alle Kosten und sonstige Unannehmlichkeiten zu vermeiden, welche über sämtliche Rückstände zu verhängen ihm amtshalber obliegt, erläßt er diese letzte Erinnerung mit der dringenden Einladung an Sie. sich des Schuö digen doch sogleich zu entledigen." Diese Mahnung ist von einem Her'u Lin; unterzeichnet. as. , ,— Das rote Wasser im Roten Meere. Jährlich fahren -:wa 280 000 Menschen durch das 'schmale Wasser zwischen Egypten und Arabien, aber wohl die jueyten derselben werden die Bezeichnung „Rotes Meer für ganz unbegründet halten. In der Tat ist nur verbaltnrsmäßig wenigen vergönnt, die rote >sarbe des Roten Meeres wahrzunehmen. In Wirk­lichkeit ist Nicht das Wasser selbst rot, sondern es erscheint nur gelblichrot, und zwar stets nur bei ganz stillem Wetter. Tann hat man den eigenartigen, un-

Schon, ja sogar von königlicher Bedeutung, ist das Wort: „Die Frau gehört in das Haus." Aber es galt in der Praxis nur solange, als die Frau im Hause eine volle Lebensaufgabe zu erfüllen hatte. Freiwillig hat die Frau das Haus Nicht verlassen. Aber sie ist hinaus- gedrängt worden. 9 Millionen Frauen stehen heute m der Erwerbsarbeit. Jede dritte Frau muß Geld verdienen. In den noch patriarchalischen Zustän. den der Klein, und Mittelstädte merkt man diese Vor. gänge und ihre Folgen zwar nicht so, spürt man we­niger von dem Kampfe, den die erwerbstätige Frau führen muß. Doch kann man auch hier beobachten, daß die Zeit der Frauen nicht mehr so völlig von den häus­lichen Arbeiten in Anspruch genommen ist. Und so ge­winnt die Frau eher Zeit als früher, an Freud und Leid des Vaterlandes, an dem Wohl und Wehe der heil. Kirche Anteil zu nehmen. So ist es denn auch überaus wichtig geworden, die Frauenwelt in die Fragen ein­zuführen, die unsere Zeit bewegen. Die katholische Kirche ist da mit einem guten Beispiele vorangegangen. Sie hat stets die Organisationen, die sich solche Zwecke setzten, unterstützt, hat gar manches, was den Frauen zugute kommt, in den Bereich der Aufgaben ihrer Ver. einigungen ausgenommen. Mit Dankbarkeit fei eS an. erkannt. Der Widerstreit zwischen früher und jetzt in der Lage der Frauen aber hat eine Bewegung hervor­gebracht, die Frauenbewegung. Solche Be­wegungen entstehen toüe Naturgewalten. Niemand kann sie zurückdämmen, aufhalten. Als Frauenbewe­gung bezeichnen wir das Streben, die Lage der Frau in Einklang zu bringen mit den Forderungen der Jetzt­zeit. Das Ziel hat die allgemeine Frauenbewegung in dem Augenblick ihres Entstehens nicht sofort klar er­kannt und auch heute ist die Einsicht in diese Frage noch nicht jedem gegeben. Die Frauenbewegung selbst aber ist jetzt so sehr in die gottgewollten Kreise ihrer Aufgaben hineingetreten, daß ihre Tendenzen unsere Billigung finden müssen. Die höchsten Stellen des Staates und der Kirche erkennen heute die Berechtigung der Frauenbewegung an. Eine Bewegung aber kommt erst zum blutvollen Dasein in der Schaffung einer Or­ganisation.

Als schon eine fast hundertjährige Geschichte der all­gemeinen Frauenbewegung vorhanden war, ist im Jahre 1903 auch der katholische Frauenbund auf den Plan getreten. Mußte man auch die Leistungen anderer Frauenorganisationen anerkennen, so schien es den Grün­derinnen des kath. Frauenbundes dringend notwendig, die Religion in die Mitte aller Bestrebungen zu setzen. Und der katholische Frauenbund hat in der Tat die hl. Religion zum Mittelpunkt all seiner Betätigung gemacht. (Bravo!) Auf dem Boden des Katholizis­mus, dieser weltüberwindenden Macht schien allein die Frau zu, jener Stelle geführt werden zu können, die ihr dienlich ist. Dabei hat sich allerdings der Frauen­bund nicht auf eine einsame Insel begeben, nein, er steht mitten in den Aufgaben der Zeit, des Lebens. Er will die Forderungen der kath. Frauenwelt, soweit es auf dieser Welt möglich ist, verwirklichen, stets jedoch im Einklang mit der Lehre der hl. Kirche. Mit der Existenz einer Frauenbewegung haben sich nach und nach alle abgefunden. Vor noch nicht langer Zeit glaubten allerdings manche, sie durch ein boshaftes Lächeln abtun zu können. Der Spott floß vielfach aus Unkenntnis der Sache heraus. Unkenntnis über die Frauenbewegung besteht auch heute noch. Man ver­mutet, die Bewegung wolle die Frau der Familie ent­ziehen, befürchtet, sie werde die wilde Bahn der eng­lischen Stimmrechtlerinnen betreten. In Wahrheit kann jedoch niemand deren tolles Treiben schärfer verurteilen als wir. (Bravo!) So hat denn auch der deutsche Episkopat u. die gesamte Geistlichkeit das Wirken des katholischen Frauenbundes anerkannt. Fast alle Bischöfe haben sich über den Frauenbimd günstig geäußert. „Wenn er nicht bestände, er müßte sofort gegründet werden." hat der Bischof von Paderborn ge­sagt. Und einen schönen Beweis hochherzigen Ver. haltens haben wir auch heute abend, da der Hochwür- digste Oberhirt dieser Diözese an unserer Versammlung teilnimmt. Im gesamten Frauenbund wird diese Ehre mit großer Freude und Genugtuung und mit tiefem Danke ausgenommen werden. (Bravo!)

Ein Wort über die äußere Organisation des Bundes. Die Zentrale ist in Köln, wo mehrere Sekretärinnen beschäftigt sind. Der Bund umfaßt jetzt 180 Zweigvereine. Die Spitze des Bundes ist der Zen. tcalvorstand, der auS 12 Frauen und dem geistlichen Beirat besteht. Er wird bestellt durch den Zentralaus. schuß, der sich aus den Vorsitzenden sämtlicher Zweig, vereine zusammensetzt. Eine weitere Instanz des Ver­bandes ist die Generalversammlung. Die nächste Ge- neralversammlung wird, hoffentlich unter reger Ve- teiligung Fuldaer Mitglieder, im kommenden Jahre in Hildesheim abgehallen werden.

Nun zu dem inneren Leben des katholischen Frauenbundes. Vierfach ist feine Aufgabe. Er will sein 1) der Träger des Zufammenschlus. fes der kath. Frauen. Frauenorganifationen sind bereits vor Entstehen des Bundes vorhanden ge­wesen. Da sind einmal die kirchlichen Vereini­gungen: Mütterberein und Jungfrauenkongregatio- nen. Ihnen ist es mit zu danken, daß die religiöse Gesinnung wie ein blutwarmes Geäder die katholische Frauenbewegung durchzieht. Der kath. Frauenbünd will diese kirchlichen Vereine nicht verdrängen und nicht ersetzen. Er würde es als Ideal betrachten, daß jede «rau diesen Vereinen angehört. Aber bei aller An- erkerniung dieser Vereinigungen bleiben zahlreiche Auf­gaben für den Frauenbund übrig, namentlich die Ein­wirkung auf die Maßnahmen der öffentlichen Organe Es gibt dann auch sozial-charitative Frauen- Vereine, in erster Linie der Elisabeth-Verein. Kei- ner dieser Vereine hat irgend eine Konkurrenz vom

vergeßlichen Eindruck, als fahre das Schiff durch ein Blutmeer. Dicht an der Küste und besonders an den Buchten ist das Wasser fast immer rot. Die Ursache ist eine mikrostopische Alge, eine überaus kleine Was- serpflanze, die oft in ungeheuren Mengen vorkommt, das Wasser undurchsichtig macht und sich schnell auf­löst und verfault, wodurch dann ein so schlechter Ge­ruch entsteht, daß selbst viele Fische absterben. Diese Erscheinung war schon den alten Egyptern bekannt; sie haben auch, wie in der Bibel bestätigt wird, zuerst die Bezeichnung Rotes Meer angewandt. vs.

— Allerlei Weisheit. Ein Adler kann zwanzig Tage ohne jede Nahrung leben, ein Kondor sogar bis zu vierzig Tagen. — Die Löwen haben die Eigentüm­lichkeit, beim Ausholen zu einem Schlage fast stets die linke Tatze zu benutzen. Auch die Hauskatzen heben beim Spiel meistens die linke Pfote hoch. — Wenn ein Koreaner auf der Straße seiner Frau be­gegnet, würdigt er sie keines Blickes und geht wie ein fremder an ihr vorüber. — 42 Prozent aller Straf­ten, die in deutschen Gefängnissen gesühnt werden, sind unter dem Einfluß des Alkohols begangen wor- den. — In der „guten alten Zeit" mußten Schiffe, die auf dem Main fuhren, allein auf der Strecke zwischen Bamberg und Mainz 33mal Zoll bezahlen! — In der Reichsbank in Berlin werden in der Zählklasse tagtäglich im Durchschnitt für 13 Millionen Mark Geldstücke aller Art verpackt. — Wenn man in den arktischen Regionen Wasser auf Eis gießt, so zerspringt dieses wie Glas. — In Australien lebt nur ein einziges Raubtier, der Dingo, das ist ein wilder Hund. vs.

— Bei den Schularbeiten. „Da? Rechnen fällt Ihrem Jungen wohl etwas schwer - ?" — „O nein, er tut sich ganz leicht - i nur alles falsch!"

kath. Frauenbund zu erwarten. Dagegen dürfen sie die Zuversicht haben, daß der Frauenbund die Mitglieder schult zur erfolgreichen Mitarbeit und zu dieser Mit­arbeit aneifert. Nicht darum darf es sich in erster Linie handeln, den Frauenbund um jeden Preis hoch zu bringen; über allem muß das Interesse der guten Sache sieben. Schließlich haben wir bereits Stan- desvereine. Mit diesen Organisationen fühlt sich der Frauenbund durch ein enges Freundschaftsband ver­knüpft. Jeder Zweigverein mutz diese Freundschaft mit den Standesveretnen herüber und hinüber pflegen. Namentlich mit dem Verein kath. Lehrerinnen müssen die Beziehungen im Interesse der Bildungsaufgaben des Frauenbundes aufs beste gehegt werden. In die­sem Sinne soll der katholische Frauenbund als der Trä­ger der allgemeinen Frauensache erscheinen. Er soll diese Sache vertreten auf dem Gebiete des Versiche­rungswesens, des ehelichen Güterrechts usw. Für die Lösung der genannten Fragen kann der Frauenbund logischer Weise die Berechtigung zur Vertretung aller katholischen Frauen in Anspruch nehmen. Zumal er alle Frauen in sich aufnimmt und jede Frau in un- serem Bunde zu den höchsten Aemtern zu gelangen vermag.

Der katholische Frauenbund will sein 2) ein Bil­dungsverein. Der Fürsorge für die Schulung und Bildung der Frauen soll die Verbandszeitschrift „Frauenland" dienen, die jedem Mitgliede kosten­los zugestellt wird und die wissenschaftliche Zeitschrift „Die christliche Frau", die zu ermätzigtem Abon­nementssatz bezogen werden kann. Der Kalender des Frauenbundes hat im Vorjahre eine Auflage von 200000 Exemplaren erreicht. Auch Flugblätter unterstützen die Bildungsaufgaben. Kürzlich ist ein solches Flugblatt über die Krankenkassenwahl, früher ein solches über die sozialdemokratische „Volksfürsorge", über die Be­rufswahl der Kinder, über den Charakter der Sozial- demckraOe erschienen und verbreitet worden. Die Bil- dungsarbeit erstreckt sich sowohl auf die Frauen der gebildeten Stände, als auch auf diejenigen des arbeiten­den Volkes. Erhebend ist es gerade, datz im kath, Frauenbünde die Frauen der hohen und höchsten Stände zusammenstehen. Der Frauenbund ist durchaus kein „Damenverein", wie man ihn Wohl spöttisch genannt hat. An einer Versammlung des Frauenbundes in München hat die jetzige Königin von Bayern, Maria Theresia, ebenso teilgenommen wie die Arbeiterfrau. Seine Bildungsziele fördert der Verein weiterhin in der Veranstaltung von Kursen, Vortragszyklen usw. Namentlich will er auch Aufklärung über das verderbliche T r!,e iben b eit Sozialdemo­kratie schaffen und ehrenvoll ist es für den kath. Frauenbund, datz er wiederholt von sozialdemokratischer Seite als einer der gefährlichsten Feinde der roten Internationale bezeichnet worden ist.

Der katholische Frauenbund hat die Absicht 3) Ar. beit zu leisten. Jede Konkurrenz mit anderen Vereinen ist habe1 jedoch ausgeschlossen. Ueberall da jedoch, wo noch Arbeit zu leisten ist, stellt sich der Frauenbund zur Verfügung. Der Bund spricht dabei immer wieder die Mahnung aus, datz die Frauen durch die Mitarbeit der eigenen Familie nicht ent­rissen werden dürfen. Die erste Pflicht gehört der eigenen Familie, den eigenen Kindern. Aber damit ist es noch nicht genug. Auch das arme und verlassene fremde Kind hat Anspruch auf die Fürsorge der Frau. Gegen Frauen, die wegen geselligen Verpflichtungen ihre häuslichen Aufgaben an zweite Stelle rücken, ist man in der Regel fehr nachsichtig. Man sollte es auch etwas mehr gegen Frauen sein, die ihre Arbeitskraft in den Dienst der Nächstenliebe stellen. Allerdings braucht nicht jedes Mitglied des Frauenbundes tätige Mitarbeit zu leisten. Eine Frau, die in der Familie sehr beschäftigt ist, tut genug, wenn sie durch ihre Mit­gliedschaft Grütze und Ansehen des Bundes stützt. Eine Aufgabe, die sich der Frauenbund und namentlich die jüngeren Mitglieder besonders gesetzt haben, ist die Unterhaltung von Jugendhorten. Sie haben den Zweck, Kindern, die nicht von den Eltern sorgfältig beaufsichtigt werden können, während der schulfreien Zeit ein Heim zu bieten, ihr Lernen und ihr Spiel zu überwachen. Zahlreiche weitere Arbeitsgebiete werden in der Literatur des Frauenbundes namhaft gemacht.

Zum 4) betrachtet der katholische Frauenbund die Interessenvertretung der kath. Frauen als feine Aufgabe. In einzelnen Fällen gehen die In­teressen der Frauen mit denjenigen der Männer nicht zusammen. Man hat daher wohl die Frauenbewegung eine Kampforganisation gegen die Männer genannt. Diese Auffassung mutz vom Standpunkte des kath. Frauenbundes zurückgewiesen werden. (Bravo!) Wir laden immer wieder die Männer zu unseren Veranstal­tungen ein, damit sie den Geist unserer Organisation kennen lernen können. Allerdings gibt es Interessen, die für Frauen andere sind als für die Männer. Wenn in neuester Zeit der religiöse Sinn wieder mehr zu Tage tritt, kann das eine äußerliche Erscheinung sein, der verschwommene Religionsanschauungen zu Grunde liegen uni) die mit einer grimmigen Kirchenfeindschaft zusammenfällt. Da müssen die Frauen eintreten im Interesse der kath. Kirche. Sind sie es ja auch ge­wesen, die in der schwersten Zeit in Frankreich der Kirche treu blieben und an den von den Männern ver­lassenen Altären im Gebete ausharrten und, wie es scheinen will bessere Zeiten für die Kirche im fchönen Frankreich erflehten. Auch in Deutschland gibt es Be­strebungen gegen die Religion, noch mehr gegen die Sittlichkeit. Das hl. Sakrament der Ehe will man un­tergraben durch d'e Preisgabe der ehelichen Treue. Eine neuethische Schule ist aufgetreten, die verwerfliche Anschauungen vertritt. Da hat jede katholische Mutter die Pflicht, zu toiffen, welche Anfechtungen und Ver­führung! n ihren Heranwachsenden Söhnen und Töchtern drohen. Cie muß die Kinder Hinweisen können auf die Mittel, katholische Lehre und Sitte zu bewahren. Denn wenn das Ehebaud gelockert werden sollte, dann werden es die Frauen sein, denen das schwerste LoS dadurch zu- fättt.. Weiterhin gilt es, für die Frau die Möglichkeit zu bieten, sich ehrliches Brot zu verdienen. Dabei mutz der Konkurrenz mit dem Manne möglichst die Spitze abgebrochen toerben. Auch geht jetzt der Staat dazu über, der Frau in der öffentlichen Arbeit Aemter zu übertragen. Die Arbeit der Frau ist da sehr am Platze. Hochstehende Männer haben das immer zuge­geben. Und auch in Fulda wird es wohl einmal da- hin kommen. Steht doch an der Spitze dieser Stadt ein Mann, dem ich namens des Frauenbundes herzlich danken muß für fein Verdienst um unsere Sache, ein Mann, dessen Namen in ganz Deutschland namentlich auf dem Gebiet- sozial-charitatiber Fragen mit höchster Achtung genannt wird. Er wird auch in Fulda den Frauen Plätze zu öffnen wissen, an denen sie ihre Kräfte Betätigen können, gleichwie in anderen Städten ge. schehen ist

Das sind die Ziele und Aufgaben des kathol. Frauen­bundes. Sollte einmal ein Augenblick kommen, da der Geist der Lauheit sich bemerkbar machen wollte, dann mochten doch alle an ein Wort denken, das in Turin über dem Tore eines Heimes für Kranke, Irren, Ge­fallene, Verbrecher und Unglückliche aller Art geschrie­ben steht und das auch jeder Arbeit des Frauenbundes als Losurg vorschweben soll: Die Liebe Christi drängt uns.

Mit warmen Worten dankt Domkapitular Her­ben er der Rednerin, die stürmischen Beifall geerntet hatte. Er gibt dann bekannt, daß folgende Damen in den Vorstand des Frauenbundes, Zweigverein Fulda, gewählt sind: Frau Oberbürgermeister Antoni als Vorsitzende, Frau Stadtrat Goebel als stellver­tretende Vorsitzende, Fräulein Else Schmitt als Schrift­führerin und Fräulein Fanny Schmitt als Kassen­führerin. Als Beisitzerinnen sind gewählt: Frau Stadlrai Arnd, Frau Oberförster Derichsweiler, Frau Fabrikvireklor Dur, Frau Stadtrat Neitzert, Frau

Geheimrat Raabe, Frau Fabrikant C. Rübsam, Frau Stadtrat Rich. Schmitt, Fräulein Krafft, Fräulein M. Raabe und Fräulein Lehrerin Schwarz. Damit ist der Zweigverein Fulda ins Leben gerufen. Zum Schluffe bittet der geistige Beirat des neuen Zweigvereins den Hochwürdigsten Herrn Bischof, der Versammlung den oberhirllichen Segen zu erteilen. Der Hochwürdigste Herr Bischof richtet darauf folgende Ansprache an die Versammlung:

Hochansehnliche Versammlung! Die Bundesvor­sitzende des katholischen Frauenbundes hat vorhin in so lichtvollen und überzeugenden Worten die Ziele und Ausgaben de? katholischen Frauenbundes bargelegt und auch so überzeugend die Bedenken verscheucht, die etwa gegen die Bildung eines Frauenbundes in Fulda er­hoben werden könnten, daß ich nicht umhin kann, mei­nen wärmsten und aufrichtigsten Dank auszusprechen. Der geistliche Beirat des Frauenbundes hat dann den Vorstand des neuen Vereins bekanntgegeben, somit ist soeben der Zweigverein Fulda konstituiert und ich stehe nicht an, diesem neu entstandenen Zweig an dem großen Baum des kath. Frauenbundes meinen herzlichen Glück­wunsch entgegenzubringen. Als vor einigen Monaten zum ersten Male an mich als Bischof die Frage herantrat, ob man auch in Fulda einen solchen katholischen Frauenverein bilden solle, da habe ich wohl zuerst einige Bedenken gehabt. Ich stellte mir vor, daß doch in Fulda so viele gut organisierte katholische Frauenvereine sind, die seit dem ersten Tage ihres Bestehens so Vorzüg­liches geleistet haben. Ich habe mir dann aber von den Herren und Damen die verschiedenen Bedenken lösen lassen und trage nun kein Bedenken, den Frauen, bund auch in Fulda als eine Notwendigkeit zu bezeich­nen. Ter Frauenbund will ja, so ist uns versichert worden, die bestehenden katholischen Organisationen nicht verdrängen; sie haben noch ihren Platz und sollen ihn weiter behaupten und der Frauenbund begrüßt ihre Ar- beit von ganzem Herzen. Was der Frauenbund will, das ist, die verschiedenen Organisationen, die soviele Berüh. rungspunkte haben, zusammen zu schließen zu einer gründ, lieferen, wirksameren Tätigkeit. Der Frauenbund will auch manche Lücke ausfüllen, ergänzen, eingreifen, wo die seitherigen Organisationen nicht ausreichen. Es ist ja ein Gebiet hervorgehoben worden, das in Fulda noch nicht bebaut ist, das ist der Kinderhort. Gewiß ein wich­tiges Arbeitsfeld für die Zukunft unserer Jugend. Als ich vor einigen Monaten in Kassel war, habe ich auch daS Haus des Kinderhorts besucht. Da fand ich viele Kinder, die dort unter Aufsicht einer treu katholischen Dame ihre Schulaufgaben machten. Sie finden dort auch ein gute» Glas Milch und ein gutes Stück Brot und haben auch Gelegenheit, der Erholung sich hinzugeben unter guter Aussicht. Ich meine, in Fulda kann das auch geschehen, wir haben so manche Kinder auch in Fulda, die in einem Kinderhort gesammelt werden könnten. Auch die Frage der Pflege der schulentlassenen Jugend tritt an uns heran; ich glaube, datz hier ja wohl viel geschehen ist und auch geschieht. Aber auch manches kann noch geschehen; und so wird hier der Frauenbund helfend und eigänzend eingreifen. Es ist mir ferner versichert worden, daß der Frauenbund in Fulda keine besondere Veranstaltung treffen, und keine Beschlüsse oder Pläne von Bedeutung fassen werde, ohne datz der Bischof davon in Kenntnis gesetzt wird. Das war der Ausdruck der treuen Ergebenheit gegen die heilige katholische Kirche, und so ist eS ja auch der Brauch bei allen katholischen Vereinen. Schon seit den Zeiten des hl. Märtyrers Ignatius, des dritten Nachfolgers des bl. Petrus auf dem Bischofsstuhle von Antiochien, gilt in der katholischen Kirche das Wort: „nihil sine epis- copo", nichts ohne den Bischof. Und wenn der katho- lische Frauenbunv diese Erklärung gegeben hat, dann kann der Bischof nur sagen: wir nehmen den katholischen Frauenbund als gleichberechtigtes Mitglied neben den anderen Organisationen FuldaS auf. So wünsche ich denn dem katholischen Frauenbund, Zweigverein Fulda, eine recht gesegnete Wirksamkeit. Ich finde eine glückliche Vorbedeutung für diese meine Hoffnung in der so imposanten Versammlung, Sie. heute abend zusammengetrettn ist. Es ist ein Bild, tote wir es ge. sehen haben in den Tagen der hl. Mission. Wie sie da dicht gedrängt saßen Frauen und Jungfrauen, Männer und Jünglinge, lauschend den Worten, begei- sternder Prediger, so haben Sie heute abend in laut« loser Stille zugehört den begeisternden Worten der Bundesvorsitzenden und ich bin überzeugt, datz diese Worte auf guten Boden gefallen sind, auf ein Erdreich, das 60- ja lOOfältige Frucht bringen wird. Es mögen vor allem recht viele Frauen und Jungfrauen ihren Namen einzeichnen in die Liste des Frauenbundes als zahlende, aber auch als arbeitende Mitglieder. Es schwebt mir da vor Äugen der erste katholische Frauenbund, der sich scharte um den gött lichen Heiland. Als er durch Judäa und Galiläa zog, begleiteten ihn die seligste Jungfrau Maria, seine Mut­ter, Maria Magdalena, Maria Salome und Maria, des Jakobus Mutter, und noch so manche andere, die vom Heiland Heilung ober Nachlassung der Sünden er­halten hatte. DaS war der erste katholische Frauenbund. Und an der Seite der Apostel finden wir auch treue katholische Seelen, wie Pttszilla und Tabitha. Und so mögen Sie denn, meine Damen, diesen ehrwürdigen Frauen der Urkircke nachfolgen und eifrige Mitglieder des katholischen Frauenbundes werden. Mögen Sie die Caritas in Fuldo noch weiter ausbauen, die Cari­tas, der der heil-ge Apostel Paulus das hohe Lied ge- sungen: Die Liebe ist geduldig, die Siebe ist nicht ehr­geizig, sie mcht nicht, was das ihrige, sondern was des anderen ist, die Liebe hört nicht auf, wenn auch die Wissenschaft aufhöri. Und so möge auch unsere Caritas unter dem Zusammenschlüsse des katholischen Frauen­bundes niemals aufhören! In diesem Sinne erteile ich gern meinen Bischöflichen Segen.

Die Versammlung kniet nieder und empfängt den bischöflichen Segen. Stürmische Beisallskundgebimgen folgen. Dann richten sich die Augen auf die Bühne. In klangvollen Versen pflegen dort die Genien der alten und der neuen Zeit Zwiesprache und da sie beide nur die Vorzüge ihrer Epoche für die Frauen­welt gelten lasten wollen, erscheint eine Engelsgestalt um zu vermitteln und jenes Frauenideal zu preisen, das mit den Aufgaben der Gegenwart die Frauen­tugenden der Vergangenheit zu vereinigen weiß. Als Vorbild edlen Frauenlebens aber wird Maria hinge- stellt, die Jungfrau und Gottesmutter. Zu ihren Ehren erscheint, während Sphärenmusik ertönt, das lebende Bild: Maria, die Helferin der Christen. Mit feinstem Geschmacke gestaltet, prangend im Ueberfluß der Farben und im jugendlichen Liebreiz der Darstellerinnen, reißt das Bild die Versammlung zu lautem Jubel hin. Und dann durchschallen noch einmal zur feierlichen Musik die Stimmen der Mäd­chenchöre den Saal in einem Lobgesang an die Him­melskönigin. Die Veranstaltung hat ihr Ende er­reicht.

Möge dem Lebensweg des Kacholischeu Frauen­bundes in Fulda stets die Kraft und der Glanz der gesttigen Versammlung zu eigen fein. Dr. I. K.

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An Ihre König!. Hoheit, die Frau Land- gräfin von Hessen, zurzeit in Frankfurt a. M. ist folgendes Telegramm gerichtet worden:

Euer Königlichen Hoheit dankt der Katholische Frauenbund, Zweigverein Fulda, gehorsamst für die huldvolle llebernahme des Protektorates und )entet aus der von etwa 1500 Frauen besuchten Äründungsoer- ämmlung ehrfurchtsvollen Gruß. Frau Antoni.