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Fuldaer Leitung

JV2 ZÖV

Dienstag U. November 1915.

2. Blatt V»«k tat 3ttitc6tHä«rti ie 8*1*6.

rta-tverordneten-versammlrmg.

(!) Fulda, 11. November ISIS.

Au der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten- Persamuilung nahmen 27 Mitglieder des Kollegiums .teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister ^fcnc. Antoni vertreten. Außerdem waren erschienen der 1. Beigeordnete Halbleib, Regierungsreferendar Dr. *, Dewitz und der Stadtprobator Wahlgemuth.

Den Vorsitz führte der Stadtverord.-Vorst. Rang.

Bor Eingang in die Tagesordnung wird ein Schrei, ben der Schulärzte zur Kenntnis gebracht, wonach die Berichte dieser Aerzte zur Einsichtnahme für die Stadtverordneten 14 Tage lang aufliegen. Stv. Kapp äußert die Meinung, daß diese Berichte viel In. terefsantes bieten dürften und den Stadtverordneten zu eingehenderem Studium zugestellt werden sollten. Der Oberbürgermeister verspricht, eine Zirku- lation der umfangreichen Berichte bei den sich dafür interessierenden Mitgliedern in die Wege zu leiten.

Stv. Schwarz führt Beschwerde darüber. Laß er durch die Fluchtlinienplankmnmission von der Beratung über den Erwerb des Geländes für die verlängerte Josephstraße (Punkt 2 der Tagesordnung) ausgeschlos­sen worden sei, weil angeblich fein Interesse bei dieser Smhe mit demjenigen der Stadt im Widerstreit stehe. Er bestreite, daß ein solcher Widerstreit bestehe und könne auch der Kommission nicht das Recht zusprechen, den Ausschluß eines Kornmissionsmitgliedes zu verfügen. Dieses Recht stehe nur dem Stadtverordnetenvorsteher in. .der Plenarsitzung zu. Er wünsche eine Stellung­nahme der Versammlung. — Es ergreift niemand das Wort, worauf in die Tagesordnung eingetreten wird.

1. Wahl des Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertre- terS. Ta der bisherige Stadtverordnetenvorsteher- Stellvertreter Rang nach dem Ableben des Stadtver­ordnetenvorstehers Justizrat Gegenbaur an dessen Stelle gewählt worden ist, muß ein neuer Stellvertreter ge- wählt werden. Es erhalten Stimmen: Stv. Fritz 18, Prof. Vollmer 4, Eickenscheidt 3, Dux und Plappert je eine. Stv. Fritz ist damit gewählt. Er erklärt, die Wahl für die kurze Zeit der jetzigen Wahlperiode (Lis zur Jahreswende) anzunehmen.

2. Erwerb des Geländes für die verlängerte Jo. sephstrahe, Ausbau derselben und Bewilligung der Kosten, sowie Aufnahme eines Darlehns zur Deckung der Kosten. Diese Sache hat bereits am 18. August die Versammlung befchäftigt. Es handelt sich um Der- träge, die zwischen der Stadt und den Herren Birken, ruth und Plaut vorbereitet worden sind. Danach über­lassen die genannten Herren der Stadt das Gelände zum Ausbau der Josephstraße. Sie geben fernerhin der Stadt ein Darlehen in Höhe der Straßenbaukosten (11 200 Mk.), das vom Tage der Beendigung des Baues unverzinslich ist. Das Darlehen wird zurückerstattet in den Anliegerbeiträgen. Etwaige Ausfälle tragen die Herren Birkenruth und Plaut. Gegen diesen Vertrag haben die Herren Georg Schwarz und Stv. Anton Schwarz Einwendungen erhoben. Ihre Grundstücke liegen gleichfalls an der verlängerten Josephstraße. Da jedoch die Grundstücksbr'eite zwischen Park- und Joseph» straße nur 28 Meter beträgt, können sie von einer Auf- schließung des Geländes durch die verlängerte Joseph­straße keine sonderlichen Vorteile mehr für ihr fchon durch die Parkstraße aufgeschlossenes Terrain erzielen. Sie fühlen sich deshalb durch die Straßenbaulasten-Bei- träge. die ihnen drohen, unangemessen belastet. Sie wünschen, daß die Herren Birkenruth und Plaut die Straße selbst ausbauen, wodurch sich die Einziehung von Anliegerbeiträgen erübrigen würde. Einigungsverhand­lungen zwischen der Gruppe Schwarz und der Gruppe Birkenruth sind gescheitert. Der Berichterstatter Keil empfiehlt die Annahme des Magistratsantrages. Der Vorsitzende erklärt, daß er die Abweifuntz des Stv. Schwarz durch die Fluchtlinienplankommission wegen Jntcressen-Widerstreites für gerechtfertigt er­achte. Im Interesse des Stv. Schwarz liege eS, daß der Straßenbau unterbleibe, irrt Interesse der Stadt, daß die Straße in der vorgeschlagenen Weise gebaut werde. Sw. Schwarz ruft gegen diese Stellungnahme die Entscheidung der Versammlung an und entfernt sich. Stv. Adam sucht nachzuweisen, daß das Interesse der Gruppe Schwarz demjenigen der Stadt nicht wider­streite. Es widerstreite nur den Privatinteressen der Herren Birkenruth und Plaut. Die Gruppe Schwarz würde durch den Straßenbau ungebührlich belastet, da sie bereits die ganze Parkstraße gebaut und nun auch noch die Hälfte der Baukosten für die Josephstraße zah. len müßte, ebne dadurch Vorteile zu erlangen. Die Ver­sammlung stellt sich jedoch mit 16 Stimmen auf den Standpunkt, daß ein Widerstreit der Interessen der Stadt und des Stv. Schwarz vorliegt. Dieser Beschluß wird dem Stv. Schwarz mitgeteilt, worauf in Abwesenheit des Stv. Schwarz über den Vertrag verhandelt wird. Stv. Adam beantragt, daß im Falle der Genehmigung des Vertrags Anliegerkosten von den Herren Schwarz nur in dem Falle erhoben werden dürfen, Laß ein Zugang zu den Schwarzschen Grund« stücken nach der Josephstraße hergestellt wird. Der Oberbürgermeister: Entweder muß dann das gesanite Ortsstatut geändert oder die gewünschte Be­stimmung in den Vertrag mit Birkenruth ausgenommen werden. Beides scheint kein Ausweg. Immerhin wird sich ein Weg finden, die Gruppe Schwarz vor Unbilligkeit sicher zu stellen. Der Vertrag selbst liegt im höchsten Maße rm Interesse der Stadt. In der anknüpfenden Debatte wird die Anregung zur Revision des Ortsstatuts über die Llnltegerbeiträge gegeben. Da sich nach und nach in Inständiger Debatte die einzelnen Mitglieder von dem günstigen Charakter der Verträge für die städti­schen Interessen überzeugen, wird schließlich fast ein­stimmig die Genehmigung erteilt.

3. Beitritt der Stadt zu der Kommunalbank. Am 7. Juni ist bereits über die Kommunalbank verhandelt worden. In der Zwischenzeit hat sich die Finanz, k o m m i s s i o n mit der Vorlage beschäftigt und emp­fiehlt auf Grund ihrer Beratung dringend den Anschluß. Die Bank wird als Anstalt öffentlichen Rechtes ge­gründet, ist eine Aktiengesellschaft und soll der Aufsicht der preußischen Regierung unterstehen. Sie soll der Förderung des Kommunalkredits dienen. Aktionäre werden die Kommunen usw. sein. Der Beitritt würde für die Stadt Fulda eine Aufwendung von 22 000 Mk. nötig machen. Sie würde dadurch zwei Aktien in Höhe von je 10 000 Mk. erwerben. Der Probator empfiehlt den Beitritt, da auch der Stadt Fulda in neuester Zeit Quellen zur Deckung außerordentlicher Bedürfnisse fehlen. Die früher. herangezogene Sparkasse ist nicht mehr imstande, unsere Bedürfnisse zu befriedigen, wie sie auch Hhpothekengelder kaum noch geben kann. Ihr würde durch die zahlreichen Depositenkassen usw. gegen früher pu viel Einlagen entzogen. Stv. Trabert findet es sonderbar, daß die Städte, die alle Geld nötig haben, jetzt Geld bezahlen wollen, um Geld zu bekom­men. (Heiterkeit.) Der Antrag auf Beitritt zu der noch zu zu gründenden Bank wird angenom­men.

4. Acusterung des Magistrats auf den Beschluß der Stadtverordneten-Bersammlung wegen anderweitiger Re­gelung der Grundsteuer. Auf den kürzlich gefaßten Beschluß, der Magistrat möge noch vor der kommenden Etatsbcratung an eine anderweitige Regelung der Grundsteuer "herantreten, ist eine Antwort -des Ma. gistrats ergangen. Der Magistrat ist danach bereit, in die anderweitige Regelung der Grundsteuerordnung eiuzutreten. Nur ist es ihm unmöglich, schon vor der Etatsberatung die Angelegenheit zu erledigen, da er und dis beteiligten Ressorts mit Arbeiten überlastet sind. Der Berichterstatter Stv. Schwarz hat dagegen nichts ein­zuwenden. Stv. Adam bittet, eine Frist bis zum 1. Juli zu setzen. Der Oberbürgermeister erklärt, daß die Einhaltung dieser Frist möglich sein werde.

5. Kenutuisgabe der Angelegenheit wegen Schaffung votr Jiolicrräumen für mit ansteckenden Krankheiten be­

haftete Personen. Die Ortskrankenkasse Fulda hat sich beschwert, baft das hiesige Ständische Landkrankenhaus in mehreren Fällen mit ansteckenden Krankheiten behaf. tete Personen (zumeist Scharlachkranke) abgewiesen hat Aus Beschwerde hat der Landeshauptmann einen Ent. scheid mitgeteilt, wonach die Gemeinden für die Unter­bringung solcher Kranken zu sorgen haben. Demgegen­über ist der Magistrat der Ansicht, daß auf Grund früherer Stiftungen das Landkrankenhaus zur Aufnahme dieser Kranken verpflichtet ist. Der Referent Fritz stellt den Antrag, die Stadtverordneten mögen dem Magistratsstandpunkt beitreten. ES fei vorgekommen, daß ein scharlachkrankes Dienstmädchen im Auto­mobil nach Hanau gebracht werden mußte, nur weil die Ansteckungsgefahr in der Familie zu groß war und hier keine Aufnahme gewährt wurde. Der Ober- bürgermeister: Für den Fall eines Ausbruchs einer Epidemie muß allerdings die Stadt für Unter. Bringung sorgen. Dafür stehen auch Baracken des „Ro- ten Kreuz" in Bereitschaft. Aber beim Auftreten ein« zelner Fälle von ansteckenden Krankheiten, wie sie ab und zu Vorkommen, entstehen Schwierigkeiten. Es ist ein Jsoliergebäude im Landkrankenhaus vorhanden. Dieses Gebäude ermöglicht jedoch infolge unpraktischer Einrichtung nicht die Trennung nach verschiede­nen ansteckenden Krankheiten. Der Direktor nimmt deshalb nur Diphtheritiskranke auf, weil bei diesen Operationen nötig werden können. Hingegen lehnt er Scharlachkranke ab, da Operationen hierbei nicht nötig werden. Würden gleichzeitig Scharlmh. und Diph. therrtiSkranke ausgenommen, so wäre eine Uebertra. gung dieser Krankheiten unter den einzelnen Insassen untereinander zu befürchten. Damit der Magistrat die durch frühere Stiftungen begründeten Ansprüche auf Schaffung ausreichender Verpflegungsmöglichkeiten im Landkrankenhaus mit Nachdruck bei den entsprechenden Instanzen geltend machen kann, tritt die Versammlung einstimmig auf seine Seite.

6. Bereitstellung eine» Kredits zur Beschaffung von Multiplex-Fernzünder«. Die Erledigung dieses Punk­tes war bis zur Vorlage des Vertragsmusters zwischen Gaswerk und Konsumenten ausgescht worden. Der Gaswerks-Direktor hat nunmehr das Muster vorgelegt Die Magistratsvorlage will dem Gaswerk 10 000 Mark zur Beschaffung von Fernzündern zur Verfügung stellen, um die noch bestellten 200 Anlagen auszuführen und die Kosten von 200 bereits ausgeführten Anlagen zu bestreiten. Neber die Güte dieser Apparate sind die Ansichten noch sehr geteilt. ES werden von der einen Seite Beweise für die Zuverlässigkeit, von der anderen gegenteilige Fälle angeführt. Der Oberbürger­meister meint aus eigener vierjähriger Erfahrung feststellen zu können, daß die elektrische Fernzündung und die Multiplex-Gasfernzündung gleichwertig seien. Es entbrennt darüber eine endlose Redeschlacht. Als Stv. Trabert in eine grundsätzliche Erörterung der Frage eintritt, welchen Schicksalen Neuerungen aus- gesetzt seien, zu diesem Behufe die ruhmreiche Geschichte des Kurfürstentums Hessen heraufbeschwört und die Geister der Abgeordneten Bär und Wolf zitiert, machen energische Schlußrufe dem Vortrag der interessanten Episode ein vorzeitiges Ende. Die 10000 Mk. werden bewilligt.

7. Beschlußfassung über die Giltigkeit der stattgesu«, denen Stadtverordneten-Ersatzwahlen. Die anstelle der Herren Breitenborn und Dr. Schulte gewählten Herren Fabrikant Rübsam und Schreiner Rühl wurden, da Einsprüche nicht erhoben worden sind, als giltig ge. wählt erklärt.

8. Verlängerung des GaShauptrohrstrangeS in der Edelzellerstraße und Bewilligung der Kosten. Die Firma Stern (Lackfabrik) hat um Verbesserung der Bel euch, tung auf der oberen Edelzellerstraße ersucht. Die bis. herigen Petroleumlampen reichen nicht mehr aus, zumal zur jetzigen Zeit des BahnofserweiterungSbaues. Fünf Gas-Kandelaber sollen an der Straße aufgestellt werden. 3725 Mk. werden an Kosten entstehen. Entnommen werden die Gelder dem Erweiterungsfonds. Die Stv. Weber und Su n k e l halten die Ausgaben für drin, gend notwendig. Stv. Fritz führt die gleiche Notwen­digkeit für die Beleuchtung der Straße an der Blumen­mauer ins Feld. Die Versorgung der Edelzellerstraße mit -Gas wird Betet lügt

Einige Punkte werden von der Tagesordnung aB. gesetzt.

Schluß der öffentlichen Sitzung 11.15 Uhr. ES folgt eine kurze geheime Sitzung von nur formeller Be­deutung.

totales.

Fulda, 11. November 1913.

!* Ein Gruß an den Kath. Frauenbund [ Zweigverein Fulda.

In Cem Artikel der „Fuldaer Zeitung" über den Kathol. Frauenbund am vorigen Samstag war auch die Rode von der Fürsorge für schulentlassene Mäd­chen in unserer Stadt. Es ist Wohl nicht uninteressant, darüber Näheres zu erfahren. Dem Frauenbund und seinem verehrlichen Vorstande kann es zur Orientie­rung dienen und zugleich zur Ermutigung, weil man erkennen wird, daß auf dem Gebiete der weiblichen Jugendpflege nicht gerade von vorn angefangen zu werden braucht.

Was die katholischen Arbeiterinnen angeht, so wurde schon vor 28 Jahren für diese ein Verein gegründet, der durch die Bemühungen seines Vor­standes, der Barmherzigen Schwestern und mehrerer opferfreudigen Damen sich schön entwickelt hat. Als die vom Muiterhausc zur Verfügung gestellten Räume sich zu klein erwiesen, wurde durch Herrn Richard Müller das Josephsheim geschaffen, das mit zu den schönsten Anstalten seiner Art in Deutschland zählt, ein herrliches Denkmal der tätigen Fürsorge jenes Mannes und derer, die ihn dazu angeregt ha­ben, für die Arbeiterinnen. Wie im Mutterhause wurde auch hier neben der Pflege der Religion und der geselligen Unterhaltung die so dringend notwen­dige banswirtschaftliche Ausbildung der jungen Ar­beiterinnen nicht vergessen. Wiederholt wurden Kurse für Kochen, Nähen, Bügeln usw. veranstaltet. Der Verein zählt gegenwärtig 150 Mitglieder. Um jetzt nach der Mission die nicht geringe Zahl derer, die ihm noch fern sieben, zum Eintritt zu bewegen, wurde bei den hiesiger- Fabrikherren eine Umfrage gebalten, die in. liebenswürdiger Weise beantwortet wurde, so­daß in der nächsten Zeit mit der Werbearbeit begon­nen werden kann.

Ebensolange wie der Verein für Arbeiterinnen, besteht der für Dienstmädchen. Der hochver­diente 'ei. Professor Schick hatte für ihn das Ma­ri e n h e i m begründet, das nach seinem Tode von dem Mutierhause der Barmherzigen Schwestern mit nicht geringen finanziellen Opfern erhalten worden ist. Der Verein der. sich im allgemeinen in der glei­chen Weise betätig., wie jener der Arbeiterinnen, zählte vor de> Mission 200 Mitglieder. Durch die lebhafte Agitation, die während dieser für ihn ver­anstaltet wurde, ist die Zahl fast um das Doppelte gestiegen.

Für die kath. kaufmännischen Gehil- fi n n c n wurde vor vier Jahren ein Verein ins Lebeil gerusen, ben an den großen Kölner Verband angeschlössen, vor allem auch die Förderung der be­rufsmäßigen Ausbildung anstrebt und zu dem Ende Kurse m Buchführung, Korrespondenz und Rechnen veranstaltet hat. Eine gute Bibliothek und die so

wichtige Sparkassen-Einrichtung fehlen ihm nicht. Er zählt jetzt 73 Mitglieder und umfaßt nach den an­gestellten Erhebungen zwei Drittel aller hiesigen ka­tholischen kaufmännischen Gehilfinnen.

Die I u n g s r a u e n k o n g r e g a t i o n , die Jahrzehnte hindurch hier so segensreich gewirkt hat, ist nunmehr nach Pfarreien geteilt und wird, wie dies bei dein Jünglingsverein der Fall gewesen ist, sich ohne Zweifel nach der Trennung noch mehr ent­saften. A

Es ist also, wie gezeigt wurde, schon manches Gute auf dem Gebiete der weiblichen Jugendpflege geleistet worden. Aber noch mehr muß erreicht wer­den. Darum begrüßen mit dem hochw. Pfarrklerus auch die diese,» nicht angehörenden geistlichen Vor­stände der weiblichen Vereine den kathol. Frauenbund Zweigverein Fulda auf das herzlichste und bringen ihm ihre ungeteilte Sympathie entgegen. Sie hoffen von ihm Anregung und treue Mitwirkung, um von Stadt und Kreis finanzielle Unterstützung zu emp­fangen, um geeignete Persönlichkeiten für Vorträge und für Abhaltung praftischer Kurse zu gewinnen, vor allem auch, um bei der Werbearbeit Ersolg zu haben. Gott fegne den katholischen Frauenbund!

# Personalien. Der frühere Provinzialschulrat Leist in Kaffel, dem in Seminarkreisen das beste Andenken bewahrt wird, ist zum Geh. Reg.-Rat und Vortragenden Rat im Kultusministerium ernannt worden. — Verliehen wurde dem Kreistierarzt, VeterinSrrat Ludwig Schnepel zu Rinteln der Königliche Kronenorden 3. Klaffe, dem Gemeinde, rechner, Rentner Martin Kaiser zu Bebra im Kreise Rotenburg a. F., das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens. , , „

(!) Seine» 70. Geburtstag feierte gestern der frühere Landrat unseres Kreises, OberregierungSrat a. D. Fliedner in Kaffel. Nach 10jähriger Tätigkeit als Landrat in Schmalkalden übernahm er am 23. September 1891 die Verwaltung des Landratsamtes in Fulda, von wo er nach kurzer Zeit zur Heber« nähme der Leitung der Regierungsabteilung für Kirchen« und Schulwesen nach Kaffel berufen wurde,

_l. Prüfungstermin. Zur Abhaltung der Wissen­schaftlichen Prüfung der Lehrerinnen (Oberlehre­rinnenprüfung) in Berlin hat der Minister Termin auf Mittwoch, den 22. April 1914, vornnt- taqs 9 Uhr, im Gebäude der Kgl. Augustaschule, Klcinbcerensträße 16/19 in Berlin, anberaumt. Die Meldung zu dieser Prüfung sind spätestens bis zum 22. Dezember d. I. — und zwar seitens der im Amte stehenden Bewerberinnen durch die vorgesetzte Dienst­behörde, seitens anderer Bewerberinnen unmittelbar — an den Kultusminister einzureichen.

♦ UnterhaltSnachwetS für Einjähng.Freimllige. Der Kriegsminister und daS Ministerium des Innern haben in einem gemeinsamen Erlaß eine Bestimmung getroffen, nach der der Unterhaltungsnachweis beim Nachsuchen der Berechtigung zum Einjährig - Frei« willigen. Dienst eine Erleichterung erfährt. Es soll künftig bei jungen Leuten, die vor dem 17. Lebens- jähre die Berechtigung nachsuchen, die Vorlage eines Mlitärdienstversicherungsscheines nebst Quittung über die letzte Prämie ebenfalls als Unterhaltungsnachwers genügen. Allerdings muß der Versicherungsbeitrag beim Eintritt ins Heer fällig sein, was nachzuweffen ist. Bei den Fußtruppen genügt eine Versicherung auf 1800 Mark.

& Zur MouatSversammlung deS Gartenbanvereins gestern abend in der Harmonie hatten sich 87 Mit­glieder eingefunden, ferner waren erschienen die Schüler der Landwirtschaftlichen Winterschule mit ihren Lehrern. Herr Lehrer A g r i e o l a - Künzell hielt einen mehr als halbstündigen Vortrag über „D,e wichtigsten Krankheiten der Obstbäume und deren Heilung, ferner über die Feinde des Obstbaumes und deren Bekämpfung".

Die Krankheiten der Obstbäume haben tn sehr ver. schiedenen Ursachen ihren Grund: von äußeren Verun. reinigungen, ungenügendem Standort, unpassendem Boden, ungünstiger Witterung, verkehrter Behandlung, äußerlicher Beschädigung, Verletzung durch Insekten. Dte Wurzelfäule kommt von stehendem Grundteasser oder zu großer Zufuhr von Jauche her. Der Brand wird durch äußere Verletzungen der Rinde, Frost, Ueber» flutz oder Mangel an geeigneter Nahrung hervorgerufen. Der Krebs wird verursacht durch zu tiefes Pflanzen, feuchten Boden, Mangel an mineralischem Dünger. Der Gummifluß der Steinobstbäume rührt von zu spä­tem Bescheiden her, Mangel an Nährstoffen oder un­richtiger Düngung mit Jauche. Die Stammfäule entsteht durch Eindringen von Feuchtigkeit bei großen Astteunden. Die Gelbsucht wird hervorgerufen durch Fehlen von Eisen int Boden und zu hohem Grund- teasserstand. Die D a r r f u ch t entsteht in zu magerem und trockenem Boden. Als Feinde des Obst­baues wurden bezeichnet Hasen und Rehe, die Rinder auf der Weide, deshalb Schutz der Bäume mit Drahtgitter; die Wühlmaus, die man durch Kalziumkarbid vertilgt; die Drossel, die die Schma. rotzerpflanze, die Mistel, weiterverschleppt; der Mai­käfer, der das Laub der Bäume kahl abfrißt und den man bei seinem Auftreten frühmorgens abschütteln muß; der Apfelblütenstecher, ein kleiner schwarz, brauner Rüsselkäfer, der im Frühjahr seine Eier in die Bkütenknospen legt und dadurch ganze Obsternten ver­nichtet; der Ringelspinner, der als Schmetterling irrt Juli erscheint und seine Eier ringelförmig um die dünnen Zweige legt; die Eier sind, ehe im Frühjahr die Raupen auskriechen, leicht zu vertilgen; der Frost, s p a n n e r, ein gefährlicher Schmetterling, dem selbst der Frost nichts schadet; durch Anlegen von Klebegürtel um die Obstbäume kann man ihm erfolgreich zu Leibe rücken. Auch die Apfelgespinstmotte, der Goldafterspinner, der Baumweißling, der Wcidenbchrer sind Schädlinge des Obstbaues. Nicht zu vergessen sind die Läuse: die Blutlaus, die Blattlaus, die Schildlaus. Gegen die erstere geht jetzt da? Kgl. Landratsamt in dankenswerter Weise scharf vor. Ein schlimmer Verderber ist leider der Mensch selbst, indem er lKinder und Erwachsene) beim Pflücken des Obstes die Äeste und Zweige abbricht und die Blu­tenknospen beschädigt, vielfach ist es auch rohe Zerstö­rungswut, die scharf bestraft werden sollte.

Der Vortrag sand allieitiges Interesse und der Vorsitzende Herr Rentner Sell sprach Herrn Aaricola den Dank der Versammlung aus. Es wurde dann auf das Spritzen der Bäume vom Gartenbauverein aus, das diese Woche beginnt, aufmerksam gemacht. Diese Bespritzung ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Vernichtung der Obstbaumschädlinge. Es konnte über günstige Erfolge berichtet werden. Anmeldungen zum Bespritzen der Bäume nimmt Kunstgärtner Ries sen. entgegen. Es wurden noch kleinere Fragen besprochen, gegen 90 Blumenstöcke verlost und die nächste Monats« Versammlung auf den 8. Dezember festgesetzt.

Zur Beseitigung von häufig vorgekommenen Nnzuträglichkeiten wird darauf hingewiesen, daß die grünen Zollinhaltserklärungen, die den, Paketen und Wertkästchen nach dem Auslande für die Zwecke der deutschen Warenverkehrsstatistik beizufügen sind, in allen Teilen deutlich und leicht leser. ch ausgesiillt und in deutscher Sprache abgefaßt sein müllen.

::: Kaninchenzucht. In der letzten Monatsversamm­lung des Kaninchenzuchtvereins gab der Vorsitzende die Pachtung eines 21600 Quadratmeter großen Ackergeländes bekannt. Die Bestellung desselben wird einer besonderen Ackerbaukommffsion übergeben. Es ist geplant, die Hälfte mit Halmfrucht und Klee zu bestellen, die andere Hälfte wird in kleineren Parzellen zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse an die Mitglieder abgegeben. Ausgenommen wurden wieder 4 neue Mitglieder, zur nächsten Versammlung sind weitere 6 Herren angemeldet. Am Schluffe wurden von einem Mitgliede noch einige nützliche Winke über die Felloerwertung gegeben.

O Hundeschau! Zur Förderung der Zucht rem« rassiger Hunde veranstaltet der Verein der Hunde- sreunde Fulda und Hmgegend (eingetr. Verein) am Sonntag, den 30. November im städtischen Jrraarun bezw. Reithalle (Schloßgarten, Eingang Schloßstraße neben der Polizeiwache) für alle Hundebesitzer von Fulda und Umgegend eine Begutachtung ailet Hunderassen unter dem vom Kartell der stammbuch- führenden Spezialklubs anerkannten Richter, H?rrn Ernst Prößler aus Frankfurt a. M. Die Prämi­ierung und Verabfolgung der Diplome geschieht kostenlos. Alle diesbezüglicheu Anfragen sind an den Vorsitzenden des veranstaltenden Vereins, Herrn Dentist August Walter, zu richten.

△ Dir Dächer zu prüfe«, ist letzt von Wichtigkeit. Nur eine kleine Oeffnung oder Spalte laßt Regen oder Schnee in reichiichem Maße eindringen und be« fördert dir Näffr und Fäulnis in den Räumen. Eine rrchtzeitigrAusbesserung erspart einen größeren Schaden, da dir Fäulnis immer weiter frißt. Auch die Gesimse sind einer Untersuchung zu unterziehen, da sie kleine Riffe durch den Frost vergrößern und/ ganze Stücke herabfallen.

Amt 6ei|a und Umgebung.

* Geisa, 10. Nov. 1913. Für die Ueberschwemmten' im Eisenacher Oberland steuerten die Einzelvereine des Verbandes ländlicher Genossenschaften für Thüringen 1767,65 Mk. bei, welche Summe dem Ausschuß übermittelt werden soll, der von der Großh. Staatsregierung mit der Verteilung der eingegangeneu Gaben beauftragt worden ist.

* Zillbach, 10. N»v. 1913. Bei der am 8. No­vember stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde de, seitherige Gemeindevorstand Rich. Meerguth mit 96 gegen 2 Stimmen auf weitere 12 Jahre wieder- gewählt.

♦ Oechsen, 10. Nov. 1913. Zur Zeit wird auch der letzte Teil des Dorswassers in Eisen- beton überbrückt. Nun wird der Verkehr tnbet früher so engen Straße nicht mehr gestört. Anderer- seits ist eS freilich schade, daß das schöne Dorsbild mit dem munter stießenden Bach nun für immer ver- Ichwindet. Die zwei schönen Bäume am „Mühlberg" bleiben aber hoffentlich als Wahrzeichen der ehemalige»' Brücke stehen.

Aus Sb«rh«ffen u. ben h«ff. Aemtern.

♦ Marburg, 9. Nov. 1913. Der Vorstand des Kgl. Hochbauamtes I hier, Regierungsbaumeister S ch i n d o w s k i, ist nach Münster i. W. versetzt zur Projektierung und Ausführung der medizinischen Institute und Kliniken der dortigen Universität. —. Dem ordentlichen Professor der philosophischen Fakul, tat Dr. Trölisch wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen.

* Ziegenhain, 10. Nov. 1913. Unsere Stadt läßt jetzt an der Straße neben dem Elektrizitäts-, werke eine Wage errichten, wodurch einem allge, mein fühlbaren Bedürfnis abgeholfen wird.

* Homberg, 10. Nov. 1913. Am Mittwoch wird hier die Generalversammlung des Obst- u. Gartenbauvercins für den Kreis Homberg ab- gehalten. U. a. findet ein Vortrag nebst Besprechung statt über das Thema: „Unser Obstgarten im Jahre 1913/

t Mendorf (Kr. Kirchhain), 10. Nov. 1913. Zur weltlichen Feier des 1600jährigen Jubiläums der Befreiung der Kirche durch Kaiser Konstantin versammelten sich gestern abend die hiesigen Männer und Jünglinge im Decher'schen Saale. Der Fest­redner, Herr Kaplan Wohlgemuth aus Amöne­burg, verstand es, durch seinen Vortrag über die Schicksale der Kirche im Laufe der Jahrhunderte seine Zuhörer mit Liebe und Begeisterung für die Kirche zu erfüllen. Der Kirchenchor und die Gesangs­abteilung des Arbeitervereins St. Joseph stellten sich durch treffliche Liederspenden in den Dienst der guten Sache.

* Wabern, 9. Nov. 1913. Heute nacht gegen 1 Uhr verhaftete Geudarm Schaake von hierauf der hiesigen KirmeSfeier den seit einigen Tagen von seinem Truppenteil, 8. Komp. Jnf.-RegtS. 167, deser­tierten Musketier Ernst Heicke.

# Fritzlar, 10. Nov. 1913. Gestern abend beging die hiesige katholische Gemeinde die weltliche Feier des konstantinischen Jubiläums unter regster Beteiligung der katholischen Einwohner» schäft Fritzlars. Eingeleitet wurde die in allen Sei» len gelungene Feier durch zwei Darbietungen fettens des Streichorchesters der hiesigen kgl. Präparan-en- anstalt (Ouvertüre von Auber und Intermezzo sin-! fonico von Mascagni), das unter der bewährten Lei­tung des Herrn Präparandenlehrers B e n l Vortreff­liches bot. Im Mittelpunkt der Darbietungen stand, die Festrede des Herrn Pfarrers Schlitt-Mardorf) der ein anschauliches Bild von der Geschichte des Fest- ereignisies und seiner großen Bedeutung entrollte. Nach einem sehr beifällig aufgenommenen Solo für Klavier und Violine von Seitz und einer erneuten Darbietung des Orchesters der Präparandie (Nordische Klänge v. Ganne) schloß die Feier mit drei lebenden Bildern, deren jedes eingeleitet wurde von einer ent­sprechenden Deklamation. Die Bilder, deren Idee war Verfolgung, Befreiung und Steg des Christen­tums, waren arrangiert von Frl. Lehrerin Schulte und machen der kunstsinnigen Veranstalterin alle Ehre Tie katholische Gemeinde Fritzlar hat Grund, allen, die den gelungenen Abend geschaffen haben, herzlich zu danken.

Handel und Industrie.

Berlin, 10. Nov. 1913. Zunächst wirken an der Börse anregende Verkehrs- und Jnduftrienach- richten befestigend. Die gute Stimmung fdjlägt aber um, als die stramme Richtung der fremden Wechsel­kurse die Befürchtung von Goloabfluffen auskoinmen läßt. Gleichzeitig wird die pülitftche Lage in Mexiko, sowie die Einsendung italienischer Kriegsschiffe nach der Levante ungünstig gedeutet. Die anfä »glichen Kurssteigerungen gehen zu« großen Teil wieder ver­loren, und die Börse schließt in unsicherer nervöser Haltung.