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Zul-aer Leitung

M 260.

Montag 10. November 1913

2. Blatt.

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totales.

Fulda, 10. November 1913.

# Personalien. Der Provinzialschulrat Liz. Albers ist dem Provinzialschulkollegium in Kassel Überwiesen worden.

A Anderweitige Abgrenzung der Rentamtsbezirke. Mit Genehmigung des Ministers für Landwirtschaft usw. sind von der Regierungs in Staffel die Reut- arntsbezirke im Regierungsbezirk Kassel nach Ein­ziehung der Rentamtssteuerstellen Kassel H und Fulda vom 1. April 1914 ab anderweitig abge­grenzt worden. Den bestehenden vier Rentamtsbe- zirken sind nunmehr zugelegt worden: dem Rentamt Kassel: die Kreise Hofgeismar und Wolfhagen; dem Rentamt Marburg: die Kreife Fritzlar und Homberg a. d. Efze; dem Rentamt Hanau: die Kreise Fulda und Gersfeld und dem Rentamt Rotenburg a. d. Fulda: die Kreise Hersfeld und Hünfeld.

(!) Tie Saison der Volksbildungsabende hat gestern glückhaft eingesetzt. Der Besuch der ersten diesjährigen Veranstaltung war gewaltig. Der große Stadtsaal war überfüllt. Die Zahl der Besucher, die mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mutzte, war fast ebenso grob als die derjenigen, die sich eines Sitz­platzes erfreuten. Herr Lehrer Burchard be- orühte namens des Vereins „Volkslesehalle" die Er­schienenen und machte gleichzeitig auf das reichhaltige Programm aufmerksam, das während der Winter­monate abgewickelt werden soll. Ein Genuh war es bann, den Chören zu lauschen, die der Männergesang­verein Winfridia in bewährter Meisterschaft vor- Jritg. Namentlich die Komposition des bekannten Ge­dichtes „Der Trompeter an der Katzbach" fand unter dem Dirigentenstabe des Herrn Musikdirektors Leber eine stimmungsvolle Wiedergabe und wurde mit stür­mischem Beifall ausgenommen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag des Herrn Rektors Kolke über „Die Befreiungskriege 1813—1815". Der Redner behandelte den Swff in durchaus volks­tümlicher Weife. Er kennzeichnete knapp die einzel­nen Ereignisse jener bedeutsamen Jahre, gab die Stimmung jener Tage durch eingestreute Gedichte wieder und belebte das Ganze durch die Einfügung bezeichnender Anekdoten. " Dankenswert war, daß er auch die Schicksale unserer Stadt Fulda während der Napoleonischen Epoche in den Rahmen seiner Dar­stellung einbezog. Sauber ausgesührte Lichtbilder un­terstützten den Vortrag. Das gemeinsame Lied '„Deutschland, Deutschland über alles" gab der Ver­anstaltung zum Schluffe noch einmal ein besonders patriotisches Gepräge. — Am 30. Nov. will der Aftikaforscher E i n w a l d über die deutschen Ko­lonien in Asrika sprechen.

iL Konstantinseier und Stiftungsfest. Zum 58. Male war es gestern dem katholischenG es eilen« verein vergönnt, sein Stiftungsfest zu feiern. Zahl­reich wte immer füllten Freunde und Gönner die Festsäle des Gesellenhospitiums. Erschienen waren auch der Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni und Herr Diözesanpräses Pfarrer Atz ert-Eckweisbach. Das Haus war ausverkauft, manche fanden sogar keinen Platz mehr. Präzis um 7 Uhr begann die Musikkapelle des dompfarrlichen Jünglingsvereins mit einer Ouvertüre, die beifällige Aufnahme fand. Nachdem die Sänger des Gesellenvereins den Chor »Laßt Jehovah hoch erheben" fein und exakt zum Vortrag gebracht hatten, begrüßte der Gesellenpräses, Herr Stadtkaplan Kräh, der das Fest arrangierte und leitete, die Festgäste und schilderte als Einleitung zum Festspiel in zwei packenden Bildern die Ver­folgung der Christen in den drei ersten Jahrhunderten und bewertete daran die Bedeutung des konstantini- schen Sieges an der milvischen Brücke und das Frei­heitsedikt von Mailand 313. Dem Wunsche des hl. Vaters folgend habe auch der Gesellenverein es unternommen, jene glorreichen Tage der Kirche in »Hymnen und Jubelliedern" zu feiern. Er schloß mit dem Wunsche, daß das Festspiel neue Liebe und Begeisterung für Christi Kirche in den Herzen aller Zuhörer wecken möge. An die Ansprache schloß sich ein von Mitglied Latsch wirkungsvoll vorgetragener Prolog. Nun folgte das Hauptzugstück des Abends, das fünfaktige Schauspiel von Werner und Mehler „Der Sieg des Kreuzes oder die letzten Stunden des Heidentums in Rom". Die Handlung spielt am Tage nach der Schlacht an der milvischen Brücke am 29. Oktober 313. Es war ein spannendes, Sinn und Auge fesselndes Bild, das an uns auf der Bühne vorüberzog. Die Spieler hatten durchweg ihre Rollen gut ersaßt, die Kostüme waren prächtig, die Bühnenausstattung sorgfältig ausgewählt und neuhergerichtet und so konnte es nicht fehlen, daß nach jedem Aktschluß starker Beifall die Darsteller, die mit seltener Meister­schaft spielten, lohnte. Das Pubklikum lauschte in lautloser Stille und wachsender Spannung. Nicht wenig zur Erhöhung der Wirkung trugen die von Herrn Lehrer Sauer, dem Dirigenten der Gesangs, abteilung des Gesellenvereins, komponierten Musik« und Gesangseinlagen im ersten und zweiten Akt bei, besonders der wuchtige Festgesang beim Einzug des Kaisers Konstantin in Rom. Ein farbenprächtige?, von Herrn Malermeister Wilhelm Wehner, der auch die Regie des Schauspiels übernommen hatte, gestelltes lebendes Bild „Das Kreuz auf dem Forum in Rom", schloß das Spiel wirkungsvoll ab. Während des Bildes, das mehrmals gezeigt wurde, erschallte von der Musikbühne herab das majestätische Beet- hovensche Lies „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Zur Beginn des zweiten Teiles traten noch einmal die Sänger auf, indem sie das liebliche „Nach den Bergen" von Heim vortrugen. Die Freunde eines guten Humors kamen in dem einaktigen Schwank „Der schwerhörige Peter" auf ihre Rechnung. Der Gesellenverein kann mit dem Erfolg des gestrigen Abends zufrieden fein.

[.] Tanktelegramm König Ludwigs HI. Auf das Glückwunsch, und Huldigungstelegramm, das ber hiesige Bayernverein anläßlich der Aushebung der Regentschaft in Bayern und der Königsprotla- mation an König Ludwig III. sandte, ist von Seiner Majestät Allerhöchst folgende Drahtantwort em- getroffen: ~

„An den Vorsitzenden der Bayernveremigung Fulda, Herrn Bäckermeiiier Anton WeiShaupl. München, 9.11. 13. 2,30 nachm. Für die treu empiundenen Glück­

wünsche zu meiner Thronbesteigung sage ich herzlichen Dank. Ludwig."

--- Kath. Frauenbund. Wir machen nochmals auf die große Frauenversammlung am Dienstag, 11. Nov., abends 8 Uhr aufmerksam. Alle Vorbereitungen, den Abend zu einem aufklärenden und genußreichen zu gestalten, sind getroffen. Frl. H. Dransfeld ist eine hervorragende Rednerin, die schon in vielen Städten über die Frauenfrage mit großem Erfolge gesprochen hat. Sie weiß nicht nur den Gegenstand ihres Vortrages klar und einleuchtend zu behandeln, sondern auch auf Gemüt und Herz einzuwirken, die Zuhörer hinzureißen und zu be- geistern. Auch daS kleine Fe st spiel, da- den Widerstreit der alten und neuen Zeit schildert, der durch die CaritaS versöhnt und ausgeglichen wird, wird Gefallen finden; ebenso das lebende Bild, daS Maria als Helferin der Christen darstellt. Ein Chor von 180 Mädchen der Obertiaffen der hiesigen katholischen Volksschulen wird einige ent« sprechende Lieder zu Gehör bringen und dadurch zur Verschönerung deS Abends beitragen. Es ist zu wünschen, daß der Besuch ein recht zahlreicher wird und wir machen nochmals besonders darauf aufmerk­sam, daß nicht nur Frauen und Jungfrauen, sondern auch die Männer an der Versammlung teilnehmen dürfen und herzlich willkommen sind. Am Tage der Versammlung findet, wie aus dem Inseratenteile ersichtlich ist, morgens 8 Uhr eine hl. Messe in der Marienkapelle des Domes statt, zu welcher auch die Nickttmitglieder eingeladen sind.

G. Katholischer MätzigkeitSbuud. Seit 5 Jahren besteht in der Diözese Fulda der kathol. Mäßigkeits­bund. Er zählt gegen 400 Mitglieder und hat an 54 Orten der Diözese Eingang gefunden. Der Schutzengelbund, ein Zweig des Mäßigkeits­vereins, zählt in der Diözese gegen 4000 Mitglieder. Im Monat November ds. Js. soll in der Diözese Fulda ganz besonders für die weitere Einführung dieses so segensreich wirkenden Kinderabstinenten. bundeS gearbeitet werden. Herr Verbandssekretär Jos. Knichel aus Leutesdorf a. Rh. hat sich zu diesem Zwecke unserer Diözese zur Verfügung gestellt und wird an verschiedenen Orten der Diözese Vor­träge über den Schutzengelbund halten. Mittwoch, den 12. d. M., nachmittags Vs4 Uhr, findet in der Harmonie eine Versammlung des Diözesan- Mäßigkeitsvereins statt, in welcher dieftr geist- liche Herr über „Alkohol und Jugenderziehung" einen Vortrag halten wird. Zu dieser Versammlung sind die katholischen Jugenderzieher und Jugend- freunde eingeladen. Dem Herrn Verbandssekretär Knichel geht der Rus eines guten Redners voraus. Als Wanderredner des Verbandes gegen den Alko- holismus für das kathol. Deutschland hat er schon an vielen Orten für die katholische Mäßigkeitsbewegung Begeisterung geweckt. In einer großen Versammlung gelegentlich des letzten Katholikentages zu Metz hat er eine sehr eindrucksvolle Rede gehalten übet „die besondere Pflicht der Katholiken zum Kampfe gegen den Alkohol". Die Erzieher und Erzieherinnen der Jugend haben aber die besondere Pflicht, die ihnen anvertrauten jugendlichen Schützlinge vor den Schäden der Alkoholmißbrauchs zu bewahren. Da die Herren Seelsorgsgeistlichen, die Herren Lehrer und Fräulein Lehrerinnen unserer Diözese sich dieser Pflicht und schweren Verantwortung bewußt sind, so werden sie recht gerne und recht zahlreich nächsten Mittwoch einen Vortrag anhören, in welchem die besten Mittel und Wege zu der gerade in unserer verweichlichten Zeit so dringend notwendigen Erziehung der Jugend zur Enthaltsamkeit und Selbstüberwindung angegeben werden sollen. Der Hochwürdigste Herr Bischof hat seine Teilnahme an dieser Versammlung zugesagt. ,

(::) Oberrealschule. Der Volksliederabend, mit dem im Dezember vorigen Jahres der literarische Verein der hiesigen Oberrealschule zum ernsten Male vor einen engeren Kreis der Oeffentlichkeit trat, wird den Besuchern noch in angenehmer Erinnerung sein; haben doch die Leistungen des jugendlichen Redners und feiner zur Mandoline und Gitarre Volkslieder singenden Kameraden vielen fteundlichen Beifall ge« lunben. Auch in diesem Jahre werden zu Aniang Dezember der literarische Verein und in Ver- btnbung mit ihm der Musikverein der Oberreal« schule durch Veranstaltung eines sogen, bunten Abends der Oeffentlichkeit Proben ihres Strebens bieten. Rezitationen, die Aufführung einer Szene aus Shake- speares Julius Cäsar, Orchester« und Solovorträge für Klavier, Geige und Cello, auch Lieder zur Mandoline und Gitarre werven von den strebsamen jungen Kunstliebhabern den Zuhörern in reicher Abwechslung vorgeführt werden. Der Magistrat hat seinen Wunsch, zur Pflege idealer Bestrebungen an unserer städtischen höheren Lehranstalt beizutragen, dadurch betätigt, daß er für die Aufführung den Stadtsaal zur Verfügung gestellt hat. Hoffentlich wird ein recht zahlreicher Besuch den beiden Vereinen von Oberrealichülern Lohn und Anerkennung ihres Strebens bringen.

§§ Der Zuckerrübenbau in der Provinz Heffen-Rassau hat weiterhin eine ganz erhebliche Steigerung erfahren. Die Anlieferungen von Zuckerrüben an die Zuckenfabriken dürfen als abgeschlossen angesehen werden; sie haben insgesamt 145188 Kilogramm betragen. D.'e Zuckerrüben in diesem Jahre waren kleiner und im Gewicht auch etwas leichter als im Vorjahr, sie haben aber durchweg wesentlich besseren Gehalt an Zucker aufweisen können. Insgesamt wurden in diesem Jahre 5313 Hektar mit Zucker­rüben angebaut gegen 5158 Hektar im Vorjahr und nur 4467 Hektar im Jahre 1911. Neben dieser er- fteulichen «Steigerung der Anbaufläche ist auch eine ansehnliche Steigerung des Ertrages für den einzelnen Hektar berechnet, zu verzeichnen, denn dieser Ertrag betrug im Jahre 1911 nur 16,50 Tonnen, ist dann auf 29,24 Tonnen im Jahre 1912 ge­stiegen und wurde jetzt mit 27,33 Tonnen ermittelt; dieser Rückgang um 1,91 Tonnen für den Hektar führt man in landwirtschaftlichen Kreisen auf den zu »affen und kalten Sommer und Frühherbst zurück; infolge der mangelnden Wärme konnte die Zuckerrübe sich nicht so recht entwickeln. Wie groß die Steigerung des Zuckerrübenbaues in der Provinz Hessen Nassau ist, dürste am besten aus Mengen Zuckerrüben hervor- geben, die zum Verkauf gelangten. Es waren dies

im Jahre 1911 nur 73707 Klgr., im Jahre 1912, dem bisher besten Erntejahre 150824 Klgr. und in diesem Jahre 145188 Klgr., wobei auch der durch den kalten Sommer hervorgerufene Rückgang der Erntemenge zum Ausdruck kommt.

X Landwirtschaftskammer. Aus ihrer diesjäh­rigen Herbstkonferenz am 1. Oktober hatten die Win- terschuldirektoren des Landwirtschaftskammerbezirks Kassel den Wunsch ausgesprochen, daß die Winter- schuldirektoren und Landwirtschafts­lehrer nach Möglichkeit zuden Maßnahmen auf tierzüchterischem Gebiete herange­zogen werden möchten. Diesem Wunsche hat der Vorstand der Kammer in seiner letzten Sitzung grund­sätzlich zugestimmt. — Weiter hat der Vorstand be­schlossen, die freiwillige Tub erkulosetil- gung für den Kammerbezirk einzurichten, wenn seitens des Staates zur Verbilligung des Verfahrens entsprechende Unterstützungen gewährt werden. Es soll bei dem Herrn Landwirtschaftsminister die Ge­währung einer größeren Staatshilfe unter Zugrunde­legung eines Satzes von 60 Pfennig pro Stück Rind­vieh, welches dem Verfahren angeschlossen ist, bean­tragt werden. Außerdem soll mit den Tierärzten des Bezirks in Verhandlungen getreten werden, ob und unter welchen Bedingungen sie bei der Tuberkulose­tilgung mi'tzuwirken bereit sind.

g Die Vorturnerstunde des Obersulda ■ Werragaues, welche gestern in der städtischen Turnhalle abgehalten wurde, war von 90 Vorturnern besucht. Die zahl« reichen ländlichen Vereine hatten die größte Zahl Tur­ner gestellt. Mit Freiübungen begannen die turne­rischen Hebungen; daran schloß sich eine Musterriege am Sprungtisch, welche der Turn- und Fechtklud Fulda vorführte. Der Verein rechtfertigte durch die Aus­führung seinen alten guten Ruf. Ein allgemeines Ge- räteturnen in 7 Riegen bildete den Schluß der Vor­turnerstunde.

= Vom Krankenautomobil. Welch geradezu dringendes Bedürfnis die Anschaffung eines Kranken­automobils für unsere Stadt war, beweist die Tat­sache, daß dieses für alle Arten von Krankentrans­porte eingerichtete Fahrzeug im Monat Oktober in 62 Fällen in Anspruch genommen wurde und eine Strecke von 1602 Kilometer durchlief.

=yÄ Feuer. Am Samstag nachmtttag brach in einer Werkstätte am Schweinemarkt Feuer aus. Durch das energische Eingreifen der Gesellen und anderer hilfsbereiter Personen gelang es, ein weiteres Um­sichgreifen des Feuers zu verhindern.

[] Verhaftet wurde gestern hier ein Knecht aus Nieder-Barnim, der im September dieses Jahres einem Kollegen auf der Domäne Haimbach ein Paar lederne Gamaschen gestohlen hatte. — Der am Samstag ge« melbeie Uhrendiebstahl wurde im Hause Nonnengasse Nr. 9 ausgeführt.

= lieber das Konzertdrama „Kaiser Max und seine Jäger", das die „CäcUia" mit großem Orchester und unter Mitwirkung erstklassiger Solisten am nächsten Sonntag im „Stadtsaal' zur Aufführung bringt, schreiben aus­wärtige Blätter: Mit dem Konzertdrama .Kaiser Max und feine Jäger' ist uns wiederhott eine Tonschöpfung auS der Hand deS Komponisten Thierfelber zuteil ge­worden, die gleich ihrer Schwester „Frau Holde" in der musikalischen Anlage durch das Borwiegen deS stark volkstümlichen, melodiösen Elements und durch eine reiche und außerordentlich plastische Instrumentierung vom Anfang bis zum Ende fesselt und bei der Natürlichkeit ihrer Ausdrucksmittel auch dem minder musikalisch gebildeten Hörer wirklichen Genuß und Er­quickung bereiten kann. Dazu der herrliche Baumbach'sche Stoff, der im Zusammenhang mit der alles lieblich malenden und mit mildem Glanze bestrahlenden Musik auf einige Stunden die rauhe Gegenwart vergessen läßt und uns versetzen, kann in eine glückliche Zeit, unter lebensfrohe, fromme Menschen, in eine schöne, sonnenbe­glänzte Welt, über welche die Reize des poetischen Volks- § landens ihren duttigen Zauberschleier gesenkt haben, in wahrhaft überströmender Fülle ergießt sich der melodische Quell aus der schöpferischen Tiefe seines Geistes. Sie sind so sehr und so unbedingt die Vibrationen einer schönen und großen Tonseele, diese musikalischen Land» schastebilder, Naturwunder an sich, daß sich unwillkürlich zwischen Schöpfer und Publikum eine Brücke spinnt, welche zu reinster und wärmster Verehrung, zur höchsten Bewunderung für dem sympatischen Schöpfer so viel echter und konzentrierter Musik führen muß. Wenn wir in diesem Werk die strengen Formen des Kontrapunktes, ber Nachahmung und der Fuge reich und mannigfaltig verwendet sinden, so tritt sie uns dabei nicht als die starre Form grüblerischen TiessinnS entgegen; auch diese Chöre sind voll blühenden Lebens, sie sind durchglüht von dem hohen und reinen Sinn für das Innerliche und geben ein klares Bild von dem herrlichen Können Thier« selders. Wollte ich alle die hochpoetischcn,von den wonnigen Schauern des nahenden Frühlings durchwehten Chöre ansühren; jene, auf die sich der ganze unwiderstehliche Zauber der Sommersonnenwende breitet; jene, die von dem reffen Segen des Sommers singen und zu sagen wissen; dann den unbeschreiblich schönen Chor im tiefen Tannenwald bei der von Busch und Ried und Farren umrankten Waldkapelle — ich würde kein Ende finden!

.j Frauen-Bortrag. lieber Blut armu t un d Bleichsucht, zwei Krankheitserscheinungen, die vor­wiegend beim weiblichen Geschlecht im KindeS- und Jungfrauenalter auftreten, wird Frl. Richter aus Kl.-Schmalkalden am kommenden Mittwoch in Giesels Saal einen Vortrag halten. Da Blutarmut und Bleich- sucht sehr häufig vorkommende liebel sind und da fie ost die Ursachen später auftretender ernster Frauenleiden bilden, so wird vielen Frauen Aufklärung darüber sehr erwünscht sein. In dem angekündigten Vortrag soll diese Aufklärung gegeben werden.

Hochwasserschäden von der Staatskasse getra» gen werden. Endlich soll auch den schwer geschädigten Bewohnern noch ein Steuererlaß aus Grunv- und Gewerbeeinkommen gewährt werden, Diese umfangreichen staatlichen Hilfsmaßnahmen werden allgemein mit Genugtuung anerkannt.

* Kicselbach, 10. Nov. 1913. Hier brach in der Sprengstoffabrik in einer Patronenwäfche e t n Brand aus, bei welchem sich ein Arbeiter Ver­letzungen zuzog. Der Betrieb konnte Wetter geführt werden.

Ami Geisa und Umgebung.

* Geisa, 10. Nov. 1913. Für'die durch das Un­wetter und die furchtbaren Ueberschwewrnungen in diesem Sommer schwer geschädigten Bewoh­ner des Eisenacher Oberlandes hat die Staatsregierung recht umfangreiche staatliche Hilfsmaßnahmen ergriffen. Schon gleich nach dem schweren Unglück überwies die Regierung dem Hilfs­komitee die Summe von 10 000 Mk. Auch ordnete sie die Abgabe billigen Bauholzes aus den Staats­forsten zum Wiederaufbau der zerstörten Gebäude an. Nunmehr hat sich das Staatsministerium auch noch be­reit erklärt, die bedeutenden Ko st en für die wo­chenlange militärische Hilfeleistung, die von dem Eisenacher Bataillon und dem 11. Pio° nier-Bataillon gewährt wurde, auf die Staatskasse zu übernehmen. Sodann sollen auch die nicht unbedeu­tenden Ko st en für die Abschätz ung der

Reklamen- und Anzeigenteil.

wie Stotts Emulsion hilft! jTÄrtCSMg xorae Während ihre Schwester etn kräftiges Mädchen war,8 blieb Anna mehr und mehr zurück, uno mankonw« selbst mit 19 Monaten bei rhr an Gehversuche noch mch denken. Als ich ihr aber auf Anraten der Hebamme eine Zeitlang Scotts Emulsion gab, konntetchesdemah. selbst nicht mehr glauben, daß em solcher Umschwung, wie der sich nun zeigende, möglich sei. Denn nach emtgev Flaschen stellte sich Anna auf ihre Bemchen, ihre Gesichts färbe wurde rosiger und ihre ganze Entwicklung.macht« so schnelle Fortschritte, daß fte ihr Schwesterchen bald einhRte. Heute geht sie so gut wie diese, tfi munteres Geschöpfchen, das unS durch feinen guten Appetit, ferne rote Bäckchen und sein frisches Aussehen viele Freude macht.

(ge,.) Frau Magdalene Buchschuster ibruishelm tn Schwaben, den «. Januar 1913.

Wie Scotts Emulsion den Kleinen im bud)- stäblichen Sinne auf die Beine hilft, ist wirklich staunenswert. Der Lebertran in Verbindung mit Kalk« und Nalron-Ealzen kräftigt Knochen und Muskeln und wird in dieser Form von den meisten Kindern mit Freude genommen.

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△ Marburg, 9. Nov. 1913. Unter Beteiligung von etwa 150 Vertretern aller Ortsvereine fand heute im großen Saale des Hotels Freidhof der diesiahr'.ge Verbandstag des Bezirksvereiiis Kas- seldeSVerbandesdeutfcherErsenbahn-. Assistenten statt. Eisenbahn-Betriebsingenieur T h i e r s ch-Marburg hielt einen fachtechnisches In-. tereffe ÜTefenben Vortrag über „Eisenbahn-Siche­rungswesen im Allgemeinen und Blockanlagen im Be­sonderen". Herr Schif ers-Köln sprach dann über I „Solidarität und Zersplitterung im Berbandsleben - Ein Antrag, als Mitglieder nur geprüfte Assistenten auszunehmen, fand Annahme. Als Ort der nächsten Tagung wurde Marburg gewählt. Landtagsabgeord­neter Prof. Bredt-Marburg und Reichstagsabgeord-. neter Rupp-Niederwalgern, welche den Verhandlun­gen beiwohnten, sprachen dem Verbände ihre Sym­pathien au§. „ . r

△ Marburg, 8. Nov. 1913. Im großen Saale des Restaurants Pfeiffer tagte heute unter dem Vor­sitze des Gutsbesitzers Kaiser aus Gffselberg die erste diesjährige Winterversammlung des land­wirtschaftlichen Kreisvereins Mar­burg. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils hielt Dr. Sprenger von der Landwirtschaftskam­mer in Kassel einen instruktiven Vortrag über „Wie­sen- und Weidewirtschaften", die er angelegentlichst empfahl. Landrat v. Löwenstein machte Mitteilungen über die wichtigsten Bestimmungen des neuen Was­sergesetzes, durch das 77 zum Teil schon über 100 Jahre'bestehende Gesetze aufgehoben werden.

* Kirchhain, 10. Nov. 1913. Das Baugrundstuck des Bauunternehmers H. Lang an der Brückenstraße ist durch Kauf in dä§ Eigentum des Herrn Karl Stern übergegangen. Der Kaufpreis soll 8 Mark pro Quadratmeter betragen. Herr Stern be- absichtigt auf dem Grundstück eine Billa zu errichten. — Infolge außerordentlichen Rückganges des ^affer- standeS in den Quellen der hiesigen Wasserleitung war an verschiedenen Tagen dieser Woche das W ast s e r s e h r k n a p p. Da jetzt der Hellborn bis nach hier geführt ist, wird der Anschluß desselben wohl in nächster Zeit bewirkt sein und der Mißstand damit beseittgt^werdm^ld, & 1913. Unser Kirchen­

bau', der zur großen Freude der Gemeinde un Ver­lauf des Sommers der Vollendung entgegengeiuhrt wurde, muß nun gegen Schluß der Arbeit noch di Verdrießlichketten des Baues erfahren. Der Tunn- helm, der weit in die Gegend ragt, entspricht leider nicht allen Anforderungen der Bauleitung Die Turmspitze steht 4V» Zentimeter aus dem Lot, uno der obere Teil gibt" außerdem noch der Bauleitung Anlaß zur Beanstandung. Schon wird die Frage des Abbruchs lebhaft besprochen. Bis ^ute ist, nachdem verschiedene Sachverständige chr Urteil abgegeben ha­ben, noch keine Einigung unter den Beteiligten er­folgt, so daß am letzten Ende noch em Prozeß m Aus­sicht steht. Eine friedliche Verständigung Ware drin­gend erwünscht und ließe sich bei beiderseitigem guten Willen wohl auch erzielen,

Handel und Industrie.

5> Berlin, 8. Nov. 1913. Die Börse eröffnete in guter Haltung und auch die Umsätze waren m«:.t« Zeit ziemlich lebhaft. Aber im wetteren Verlauft bröckelten die Kurse ab, es stellte sich vom Sck'sf- fahrtsmarkte (Paketsahrt -2 Proz., $?nfa -3 h Proz.) eine allgemeine Abschwächung em. Prwat diskont unverändert.

* Hofbranhaus Hanau vorm. G. PH. Nicolay. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, der Generalversamm­lung die Verteilung einer Dividende von 3y2 Proz. wie in den Vorjahren, in Vorschlag zu bringen.

Nur auf emöuß auf

überall