Fuldaer Zeitung
«rtcöcinJ tSgstch mit Ausnahme 6er Sonn- und Selertage. viertel- I iOhrUdjer Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda i fowte auswärts 130 Mark. •••• Rotationsörudt und Verlag der 1 s » julöoer fldltn6rudterei in Julia. Jemsprecher Nr. 9. s s
5 2 Wochen-veNage: s s 1 s s Monats-Vellage: z z Illustrierte Sonntagszeitung j Fuldaer Seschichtsblätter « Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, s
fln;tigen: Der Raum einer dnfpafflgen Cctonehdlt, 47 au. «reu, tujtci li Pta, Reklamen: Der Raum einer Coloneheile, 74 mm breit, kostet 40 pfg Sei Wiederholungen Rabatt $ür Osten- und Ruskunftonjelgen 20 Pf. extra. 3« Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für bas Beklagen oon Forderungen ist Suita. fln;eigen-flnnabme bis so Uhr eormlttags. u e Größere kn,eigen erbitten wir uns tags oorher. S tt
fir. 260«. erstes Blatt
Montag den tO. November 1913«
40. Zahrgang.
je* Das Ende des neuen KruPP- prozesseS.
Im Krupp-Prozeß wurde am Samstag der Angeklagte Brandt zu vier Monaten Gefängnis, der Angeklagte Eccius zu 1200 Mark Geldstrafe verurteilt.
Das Gewitter ist zu loben, wenn es eine gereinigte Luft hinterläßt. Die beiden sog. Krupp-Prozesse die vor dem Militärgericht im August und vor dem bürgerlichen Strafgericht in den letzten zwei Wochen stattgefunden, haben in der Tat ln ft reinig end gewirkt. Damit kann man sich trösten über die unangenehmen Begleiterscheinungen und Nachwirkungen dieses Berfahrens.
Was schon die Verhandlung vor dem Militärgericht erkennen ließ, hat die Verhandlungen vor dem Zivilgericht im vollsten Maße bestätigt: von einem „Panama" ist gar keine Rede und die angebliche „Korruption" beschränkt sich darauf, daß einige Feuerwerker und Zeugfeldwebel durch die Gefälligkeiten eines ehemaligen Kameraden sich haben verleiten las- feit, etwas mehr auszuplaudern, als ihnen erlaubt war. Tie gesamten Geldmittel, die zur Verführung dieser untergeordneten Beamten im Laufe mehrerer Jahre aufgewendet worden sind, berechnet das Gericht auf 1225 Mk. Die tief und weit gehende Untersuchung hat ergeben, daß kein Geheimnis der Landesverteidigung preisgegeben worden ist, daß weder die Sicherheit des Reiches noch auch die R e i ch s k a s s e irgendwelchen Schaden erlitten hat. Es handelt sich nur um Material, das die Firma Krupp im Konkurrenzkampf mit den anderen Lieferanten der Heeresverwaltung verwerten wollte. Bei diesem Wettbewerb hat man sich zu unerlaubten Mitteln verstiegen: dafür ist der Agent Brandt mit 4 Monaten Gefängnis, der Direktor Eccius wegen Beihilfe mit 12'JO Mk. Geldstrafe belegt worden.
Wenn in anderen Ländern einige untergeordnete Beamte durch, gute Worte und kleine Trinkgelder sich zu pflichtwidrigen, aber nicht staatsgefährlichen Gefälligkeiten verleiten ließen, so würde man dort gewiß von solchen „Menschlichkeiten" nicht ein so gewaltiges Aufheben machen, wie bei uns zu Lande. Es ist aber gut, daß gegen diese Mücken der ganze militärische, polizeiliche und gerichtliche Apparat in vollem Umfange in Bewegung gesetzt worden ist. Das war keine Kraftverschwendung, sondern das einzig richtige Mittel, um die Verleumdung zu hemmen und das Mißtrauen zu beseitigen.
Wer hat gut abgeschnitten bei diesem hochnotpeinlichen Verfahren?
Erstens die Militärverw altung und im Zusammenhänge damit die Regierung überhaupt. Von Anfang an sind die Behörden rücksichtslos in der Aufdeckung der Mißstände und der Verfolgung der Schuldigen vorgegangen. Ohne Ansehen der Person! Vom kleinen Feuerwerker bis zum großen Krupp-Direktor wurde jeder Verdächtige gleichsam mit Röntgenstrahlen untersucht. Die laut gewordene Ansicht, daß die Behörde sich der Firma Krupp gegenüber gebunden fühlte, ist durch die schlagendsten Tatsachen widerlegt worden. Ferner hat sich herausgestellt, daß nur einige untergeordnete Beamte, die ihrem ehemaligen Kameraden Brandt leicht zugänglich waren, der Versuchung erlegen sind. Das -Offizierkorps und überhaupt das Höhere Beamtentum steht völlig intakt da. Ja, die Tatsache, daß Brandl die erstrebten Nachrichten den Hilfsarbeitern „aus der Nase ziehen" mußte, zeigt gerade, daß die maßgebenden Beamten , auch gegenüber der Firma Krupp die Amtsverschwiegenheit Hewahrten.
Zweitens hat die deutsche Rechtspflege gut übgeschnitten. In den Einzelheiten des prozessualen Vorgehens ließe sich manches bemängeln, aber der Gesamt-Eindruck bleibt, daß die Rechtspflege ohne jeden Seitenblick auf die volle W a h r h e i t und die
Zn der Schule der Leidens.
18) Roman aus dem New-Norker Leben.
Von Erich Friesen.
Norbert schlingt den Arm um die Schultern seiner Frau und zieht sie zu sich empor. Dann geleitet er sie, die zarte Gestalt mehr tragend als führend, über die Bühne, an den Kulissen vorbei nach dem Konver- sasionszimmer.
Erregtes Stimmen-Durcheinander schallt ihnen entgegen.
Mit einem Ruck befreit Felicie sich aus dem sie umschlingenden Arm.
„Was — was ist das.für ein Geräusch?"
„Nichts, mein Lieb, nichts. Um des Himmels willen, Licy, sieh' nicht so entsetzt aus! Wir brauchen ja nicht ins Konversationszimmer zu gehen, wenn Du nicht willst. Kleide Dich schnell in Deiner Garderobe nm, und dann komm' nach Hause!"
Sie sagt nichts mehr. Schweigend läßt sie sich von Norbert den Gang entlang führen.
Die Türe nach dem Konversationszimmer steht halb offen. In der Mitte desselben hat sich eine kleine Gruppe gebildet. Ein vierschrötiger Mann in dunklem Ueberrock spricht heftig auf Direktor Furrer ein, der empört abwehrt. Ein anderer fremder Mann S etwas abseits, ohne sich an dem Gespräch zu hegen, aber aufmerksam zuhörend.
„Ich versichere Sie nochmals, mein Lieber, Sie irren sich", schallt soeben die ärgerliche Stimme des Direktors bis zu Norbert und Felicie herüber. „Privatangelegenheiten gehören auch nicht ins Theater. Also bitte, entfernen Sie sich!"
„Werd' ich schon tun. Aber erst geben Sie mir Frau Bürrmgwns Adresse!" lautet die insolente Entgegnung.
„Wozu?" .
„Das ist meine Sache. Ich bin ihr Vater und will ihre Adresse wissen."
Direktor Furrer schwankt.
unparteiische Gerechtigkeit hinarbeitete und dieses Ziel auch erreichte. Diese Bewährung unserer Rechtspflege ist erbaulich für das Inland und nützlich für die öffentliche Meinung des Auslandes.
Ungünstig abgeschnitten hat die Firma Krupp. Es ist hart, daß nicht bloß der übereifrige Agent Brandt, sondern auch ein Direktor verurteilt sowie ein Direktor wegen Verdachts der Mstbeteili- gung vom Eide ausgeschlossen worden sind. Alles das, weil man im Konkurrenzkampf gegen die anderen aufstrebenden Firmen zu bedenklichen Mitteln griff und dann, als die Gefährlichkeit des Brandt'schen Treibens zutage trat, nicht rechtzeitig den Entschluß zur Abstellung faßte. Es muß aber festgestellt werden, daß diese Schwächen und Fehler auf der kau f- m ä n n i s ch e n Seite des Betriebes liegen. Die Leistungsfähigkeit der K r n p p's ch e n W e r k st ä 11 e wird durch den Zwischenfall nicht berührt.
Sicherlich wird befürchtet, daß nicht bloß das Ansehen Krupps, sondern die Ehre der ganzen deutschen Industrie und infolgedessen die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in der Welt Schaden leiden könnten. Gewiß wird für Deutschland der Wettbewerb auf dem Weltmärkte durch solche Zwischenfälle, die draußen mißverstanden und anfge- honscht werden, weiterhin erschwert. Dagegen hilft kein Klagen, sondern nur verschärfte Anspannung der Kräfte. Und zwar in solider Arbeit. Denn die Erfahrung zeigt ja, daß mit hinterlistigen Kunstgriffen auf die Dauer nichts zu machen ist. Gut und billig, — das ist das entscheidende „Geheimnis".
Der Schaden für die deutsche Industrie wäre weniger groß, wenn nicht die Angelegenheit mit so riesigen Uehertreibunaen in die Oeffentlichkeit gebracht wäre. Die Mitschuld daran trifft den Abq. Liebknecht und die sozialdemokratische Presse. In ihrem blinden Haffe gegen Krnvp hat die Sozialdemokratie aus den mäßigen Verfehlunaen einzelner Leute einen Weltskandal zu machen versucht, dessen Nachwirkungen in fetter Linie die deutschen Arbeiter zn tragen haben.
Die sozialdemokratischen Hetzer haben schließlich am allerschlechtesten abgeschnitten.
Ein Gesckiwür ist ausgeschnitten worden: es war nicht sehr groß und nicht gerade bösartig. Es ist gründlich geschnitten worden: die Beule ist entleert. Da der Körper sonst gesunde Säfte hat, so fft bafd'ge Auskeilung zu erwarten.
Durch diese Erfahrung der Firma Krupp werden hoffentlich auch alle anderen Unternehmer, die im Konkurrenzkampf stehen, zur Gewiffenhaftigkeit und Vorsicht oufgemuntert. Ehrlich währt am längsten!
** Berlin, 8. Nov. 1913. In der Sitzung vom Samstag erhielt Justizrat Dr. v. Gordon, der Ber- teidiger des Angeklagten Eccius, das Wort zu seinem Plädoyer. Er kann es nichr fassen, daß der Oberftaats- anwalt gegen seinen Klienten eine fünfmonatige Gefängnisstrafe beantragt hat. Warum eine so vernichtende Strafe, obwohl Eccius doch mit der Sache nichts zu tun hatte? Welch Rechtsgut sei denn verletzt worden? Alle Sachverständigen stimmen darin überein, daß durch die Kornwalzer keinerlei Schaden angerichtet worden ist; im höchsten Falle seien vielleicht die Interessen der Konkurrenz verletzt worden. Wenn Eccius im Uebereifer für die Firma über die Grenzen des strafrechtlich Erlaubten hinausgegangen sei, die Firma Krupp werde diesen Mann, der ihr so treue Dienste geleistet hat, nicht fallen lassen. Der Verteidiger sucht den Nachweis zu führen, daß bei Direktor Eccius von einer Mittäterschaft ebensowenig wie von einer Mithilfe die Rede fein kann. Des längeren bemüht er sich auf Grund der Aussagen deS Herrn v. Metzen, die Unglaubwürdigleit dieses Zeugen nachzuweisen. — Mit kühler Sachlichkeit geht der Oberstaatsanwalt kurz auf die juristischen Ausführungen des Verteidigers ein. Er legt noch einmal den Begriff der Mittäterschaft in wenigen Worten dar und hebt hervor: Es ist die Firma Krupp, die durch die Hand des Eccius und
„Sagen Sie sie nicht, Herr Direktor!" warnt Gerda Douglas aus einer Ecke des Zimmers her.
Mit hämischem Grinsen wendet der Mann sich zu der Sprecherin.
„So so, meine feine Dame! Sie sind also auch mit im Komplott, he! Also — zum letzten Mal: ich will Frau Barringtons Adresse wissen, eher weich' ich nicht vom Fleck!"
Sein drohender Blick umfaßt sämtliche Anwesende und schweift dann zur halboffenen Türe hinaus aus den hellerleuchteten Gang
„Ha, da ist sic ja, das saubere Früchtchen!" lacht er plötzlich roh auf.
Schon ist er zur Tür hinaus. Wie mft eisernem Griff umspannt er Felicies Arm.
„Fort von ihr!" ruft Norbert mit Donnerstimme, den brutalen Angreifer zurückstoßend.
Thomas Mackay taumelt und würde zu Boden stürzen, wenn jener Mann, der vorhin dem Wortwechsel so lebhaft folgte, ihn nicht stützte.
„Das ist sie!" knirscht Thomas Mackay, heiser vor Wut. „Tun Sie Ihre Pflicht, Barns!"
Sofort nähert sich der Mann Felicien.
„Ich tierljafte Sie im Namen des Gesetzes, Frau Barrington. Sie haben einen Scheck gefälscht. Wollen Sie mir ruhig folgen?"
Eine Minute lang herrscht Totenstille. Niemand wagt, sich auch nur zu rühren.
Ueber Felicie ist es wie eine Erstarrung gekommen. Unheweglich, die Augen weit aufgerissen — so steht sie vor ihren Anklägern.
Plötzlich schwanft sie. Lautlos, wie eine geknickte Blume, bricht sie an des Gatten Brust zusammen.
„Pah!" macht Thomas Mackay verächtlich, in der Luft ein Schnippchen schlagend. „Alles Komödie! Ich kenne ihre Schliche und Tricks — ich, ihr Vater. Ich will Ihnen sagen, mein sehr ehrenwerter Herr Barrington —" er verbeugt sich ironisch vor Norbert — „welch nettes Pflänzchen Sie geheiratet haben! Ihr alle, hört gut zu!"
'Tiefe Stille. . , .
Norbert steht noch immer bewegungslos da,. das bleiche Köpfchen an seiner B*>ist zärtlich streichelnd.
den Mund des Brandt sich an die Militärpersonen herangemacht hat.
Hiernach erhalten die Angeklagten das letzte Wort. Brandt betont nochmals in wenigen Worten, daß er niemals die Absicht gehabt habe, feine Kameraden zu bestechen. Direktor Eccius, ein schwerleidender Mann, dem das Sprechen sichtbare Anstrengungen macht, gibt — ab und zu ersticken Tränen feine Stimme — einen kurzen Abriß seines Werdeganges. Nie habe ihn bloße Erwerbssucht geleitet. Er wollte stets entsprechend seinen Fähigleiten dem Gemeinwohl dienen. Darum trat er auch in den Dienst der Firma Krupp, der Firma, deren Wahlspruch fft: Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein.
Nach dreistündiger Beratung verkündete der Vorsitzende unter allgemeiner Spannung folgender Urteil
Der Angeklagte Brandt wird wegen fortgesetzter: Bestechung zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Im übrigen wurde Brandt sreigesprochen. Die Untersuchungshaft wurde ihm voll angerechnet.
Der Angeklagte Eccius wegen Beihilfe zur Bestechung unter Annahme mildernder Umstände zu 1200 Mark Geldstrafe.
Bei Brandt hat das Gericht angenommen, daß der Tatbestand der § 333 erfüllt sei, indem er mit Beamten in Verbindung getreten ist und die erlangten Nachrichten für Kornwalzer verbraucht hat. Bei Eccius hat das Gericht die Frage, ob er sich ebenfalls strafbar gemacht hat, verneint. Es ist jedoch der Ueberzeugung, daß Eccius e8 gewußt haben muß, daß Brandt Vorteile den Beamten zugewendet hatte, um sich für die Zukunft Nachrichten zu beschaffen. Er hat die Verwendung der Mittel gebilligt und erlaubt. Ist das aber der Fall, so ist er der Beihilfe schuldig.
Während Brandt, der auf fein Schicksal völlig gefaßt war, daS Urteil ruhig entgegennahm, senkte Direktor Eccius tiefer und tiefer den Stopf. Die Entscheidung ging ihm ersichtlich außerordentlich nahe.
Die Heisiscke OrSensgesetzgebung.
<? Darmstadt, 8, Nov. 1913.
Der Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer hat in seiner heutigen Sitzung mit allen Stimmen gegen die des natwnalliberalen Abg. Schönberger beschlossen, die Regierung zu ersuchen, alsbald dem Landtag eine Vorlage zugehen zu lassen, in welcher im Sinne des Antrags der Zentrumsfraktion eine Erleichterung in der Ordensgesetzgebung herbeigeführt werden soll.
Dieser Beschluß löst bei den Katholiken Hessens ein Gefühl der Genugtuung aus, weil er die Grundlage für eine Verständigung in der Ordenssrage gewährt. Seit vielen Jahren verlangen die Katholiken Hessens, daß die Beschränkungen, welche die noch bestehenden Kulturkampfgesetze gegenüber den kirchlichen Ordens- E" llschaften enthalten und die sie entweder völlig deren oder auf den Aussterbeetat setzen, aufgehoben werden.
Bei der in maßgebenden Kreisen herrschenden, auf konfessionellen Vorurteilen beruhenden Abneigung gegen das katholische Ordenswesen war eine Aktion in der Richtung einer gänzlichen Beseitigung der Ordensgesetze vorerst aussichtslos. Abg. Dr. Sch mitt hatte deshalb mit Unterstützung der Zentrumsfraktion auf diesem Landtag in einem Antrag an die Regierung das Ansinnen gerichtet, eine Vorlage an die Kammern gelangen zu lassen, welche Erleichterungen in Bezug auf die charitative, seelsorgliche und kran- kenpfleaende Tätigkeit der kirchlichen Orden bringt. Die Regierung zögerte zunächst in der Stellungnahme gegenüber dem ihr unbequemen Antrag. Sie mochte wohl glauben, daß bei der Zusammensetzung der Zweiten Kammer sich eine Mehrheit für die Anregung des Zentrums nicht finden werde und sie unterbreitete dem Landtag eine Denkschrift, in der sie nach einer Kritik des Antrags sich auf die Erklärung beschränkte, daß sie erst dann eine Vorlage dem Landtag unterbreiten wolle, wenn derselbe sich im Sinne "des Antrages Schmitt grundsätzlich für eine Revision der Ordensgesetzgebung ausgesprochen haben
„Zum Kuckuck auch! Warum redet Ihr nicht!" schimpft Thomas Mackay daher. „Habt doch sonst Sinn für derlei Sachen. Hört nur zu! Meiner Seel', warum rennt Ihr denn alle fort?"
Eine Handbewegung des Direktors, ein bittender Blick aus Gerdas "sprechenden Augen — ernst und schweigend verläßt das ganze Personal das Zimmer.
Ein Seufzer 8er Erleichterung hebt Norberts Brust. Behutsam läßt er Felicie auf den Boden niedergleiten und bespritzt ihr bleiches, ach, so totem bleiches Antlitz mit kaltem Wasser.
Bald schlägt sie die Augen auf. Ein Zittern überfliegt ihre Gestalt.
„Das Spiel ist aus!"
Mechanisch kommen die Worte von ihren Lippen. Ein langer, schmerzlicher Blick auf den Gatten —- dann erhebt sie sich mühsam und schreitet auf ihren Stiefvater zu.
„Ich bin bereit. Was hast Du mit mir vor?"
„Du kommst mit nach Newyork — heute noch!" Ein häßliches Lachen verzerrt sein Gesicht. „In Newyork hast Du das Verbrechen begangen, in Newyork sollst Du vors Gericht. Detektiv Barns, nehmen Six das Mädel fest! Keine Schonung, hören Sie? Haben Sie keine Handeisen bei sich? 's wär' sicherer. Die hat's hinter den Ohren — ich kenn' sie. Brennt Ihnen noch unterwegs durch."
„Nein, nein! Keine Handeisen!" In fast verzweifeltem Ton schreit Felicie auf. „Ich will mit Ihnen gehen, wohin Sie wollen. Nur nicht fesseln! Bitte, bitte, nicht sesseln!"
Norbert lehnt während der ganzen unerquicklichen Szene an einer Säule. Eine Art von Erstarrung ist über ihn gekommen.
Da — ein leises Geräusch an der Tür.
Gerda Douglas tritt ein.
Sie schreitet direkt auf Felicie zu. Mit kräftigen Armen, die schwankende Gestalt umschlingend, lehnt sie bereit gesenkten Kopf sanft an ihre Brust.
Bei diesem rührenden Anblick weicht die Erstarrung von Norberts Gliedern. Er macht ein paar Schritte nach feiner Frau hin.
werde. Man sieht, daß sie somit eine eigene Initiative in dieser den katholischen Volksteil so nahe berührenden Frage ablehnte und die Verantwortung zunächst der Zweiten Kammer überließ. Wir wollen heut« nicht nochmals näher daraus eingehen, daß die Denkschrift über das Wesen und die Bedeutung des Ordenswesens Ansichten enthielt, die in katholischen Krei' sen nicht nur Verwunderung erregten, sondern auch zumteil wie die Anzweifelung der nationalen Gesin- nttg einzelner Ordensgenossenschaften lebhaften Unmut hervorriefen. Für heute sei mit Genugtuung festgestellt, daß mit Ausnahme eines Nationalliberalen die Mitglieder sämtlicher Parteien des Ausschusses sich im Sinne des Zentrumsantrag e s enffchieden haben und damit Aussicht besteht, daß auch das Plenum der Zweiten Kammer sich für eine Revision der Ordensgesetzgebung demnächst aussprechen wird.
Gewiß wird die von der Regierung zu erwartende Vorlage nicht völlig mit den Ausnahmegesetzen gegen unsere kirchl Orden aufräumen und es werden die hefsischen Katholiken in der Zukunft weiterzukämpfen haben, bis sie in dieser Hinsicht mit den Katholiken Preußens und anderer Bundesstaaten gleichgestellt werden; immerhin besteht nach dem heutigen Beschluß des Gesetzgebungsausschusses die begründete Hoffnung, daß bald die Bewegungsfreiheit der katholischen Orden in Hessen einigermaßen erleichtert wird. Wenn die Frks. Ztg. vor einigen Tagen in einem Artikel über die hessische Ordensgesetzgebung davon zu erzählen wußte, wie- viele Niederlassungen religiöser Orden in den letzten Jahrzehnten in Hessen zu verzeichnen sind, so unterließ sie dabei festzustellen, daß es sich dabei um krankenpflegende Orden handelt, die mit chrer cari- tatiben Tätigkeit allen Konfessionen ohne Ausnahme unschätzbare "Dienste erweisen, daß aber seelsorgliche Orden darunter nicht zu verzeichnen sind. Aber darauf legen die Katholiken ebenfalls großen Wert und sie glauben verlangen zu dürfen, daß man auch diesen Bedürfnissen auf dem Wege der Gesetzgebung Rechnung trägt.
Die Katholiken Hessens zeigen sich in diesen für das religiöse Leben hochwichtigen Fragen nicht etwa unbescheiden, wie kulturkämpferische Organe es immer hinzustellen belieben, sondern sie verlangen nur ihr gutes Recht, das in anderen Bundesstaaten ihren Glaubensgenossen gesetzlich gewährleistet wird.
Deutsches Reich.
Die Eidesleistung König LndwigS III.
München, 8. Nov. 1913. Vor der heute im Thronsaale der Residenz vollzogenen Eidesleistung (bergt Nr. 259) sprach König Ludwig zu den Anwesenden folgende Worte:
Ich habe Sie hier als Zeugen einer bedeutungsvollen Handlung versammelt. Eine mit der Zeit fortschreitende und ihren Anforderungen entsprechende Entwicklung unseres Verfassungslebens ist allzeit Gegenstand der ernsten Sorge der Herrscher Bayerns gewesen. Es ist daher zu beklagen, daß nicht der Entstehung eines ZustandeS vorgebeugt worden ist, der als auf die Dauer unvereinbar mit dem monarchischen Gedanken und dem Staatswohl zu erachten ist. Nur die Erkenntnis, daß die Sorge für das Wohl der Monarchie und des Vaterlandes eine Beendigung dieses Zustandes dringend erheischt, hat in Mir den schweren Entschluß reifen lassen, den Schritt zu tun, der in diesem feierlichen Akte seinen Abschluß findet. Es hat Mich mit Befriedigung erstillt, daß es dem einmütigen Zusammenwirken Meiner Regierung und des Landtags gelungen ist, in verfassungsmäßiger Form die Wiederherstellung des Zustandes zu ermöglichen, der dem Gedanken der Erbmonarchie, dem Geiste der Bayerischen Verfassung und dem Empfinden des Volkes in gleicher Weise entspricht. Möge es Mir bcschieden fein, die erfreuliche kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung, die Bayern in den letzten Jahrzehnten genommen hat, in gemeinsamer Arbeit mit der Volksvertretung fort»
„Was — was bedeutet dies alles? Ich werbe boch wohl wissen bürfen, wessen man meine Frau beschulbigt!"
„Nameusfälschung! Betrug!" schreit Thomas Mackay toütenb.
„llrtb weshalb? Wenn Sie fürchten, meine Frau ober ich könnten berfuchen, bas Gesetz zu umgehen, so irren Sie. Wenn Sie wollen, schließen Sie die Tür ab! Das Zimmer hat keinen zweiten Ausgang. Und dann — dann kann ich ja wohl die Ursache dieses Auftritts ersahren!"
„Natürlich, zuerst müssen wir die Ursache wissen!" bekräftigt Gerda mit ihrer tiefen, wohlklingenden Stimme, sich zu Mackay wendend. „Sie sagen, Frau Barrington habe Namen gefälscht, Betrug begangen. — Wie, wann und wo soll dies geschehen sein? Beweisen Sie Ihre schwere Beschuldigung und vergessen Sie dabei nicht, daß die Dame einflußreiche Freunde besitzt, die für sie eintreten werden! Also Vorsicht und möglichste Eile, mein Herr!"
„Tata, werd's schon beweisen!" erwidert Mackay, aus den wider seinen Willen Gerdas bestimmte Worte Eindruck machen. „Kennst Du dies hier?"
Er zieht aus seiner Tasche ein schmutziges Portefeuille, öffnet es, entnimmt demselben ein zerknittertes Stück Papier und fuchtelt damit seiner Sties- wchter vor der Nase herum.
„Kennst Tu diesen Scheck?"
Heißes Rot steigt in Felicies Wangen.
„Ja", stammelt sie fast unhörbar, in Todesangst.
Jetzt tritt der Detektiv vor.
„Wir wollen die junge Dame nicht länger ouä- len", sagt er mitleidig. „Ich werde sie mit mir nack Newyork nehmen. Dort wird sich alles entschechen?
„Ja", fällt Gerda ein. „Und wir. ihr Gatte und ich, Werdern sic begleitens Bleib'.n Sic h?i ihr, Barrington! Das arme Kind fft w'r :rsftv:?ttert. Suchen Sie sie aufzurichten! -Ich fo" . .n ihre Wohnung, um warme Kleider für die Reift zu holen!"
Damit eilt sie davon,
(Fortsetzung folgt.)