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ihnen Bewunderung zollen, welche unter Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit und unter Aufopferung von Geld und Zeit sich in den Dienst der Schutzlosen, der Armen und Bedrängten gestellt haben. Aber die Not ist auch bei unS groß, das Elend, der Unglaube und dir sittliche Verworfenheit sind auch hier nicht unbekannt und treten immer schärfer hervor. Es müssne deshalb weitere Kreise für die Bekämpfung und Verhütung dieser Schäden gewonnen werden, damit die bestehenden Vereine eine immer umfassen­dere und segensreichere Tätigkeit entfalten können. Aber auch neue Gebiete des earitativen und sozialen Wirkens haben sich aufgetan und fordern zu erwei­tertem Schaffen auf. Es darf wohl nur an die bren­nenden Fragen der Einrichtung von Kinder­horten und der Fürsorge für bie schul­entlassenen Mädchen hingewiesen werden, um erkennen zu lassen, daß hier noch viel zu tun ist.

Es ist deshalb auch hier, ein Zweigverein des karhvl. Frauenbundes (Zentrale Köln) gegründet, dem schon eine große Anzahl Damen aus allen Ständen unserer Stadt beigetreten sind. Tie hochwürdige Psarrgeistlichkeit, mit denen die Mitglie­der des, Frauenbundes Hand in Hand arbeiten sollen, hat sich mit der Gründung des Zweigvereins durch­aus einverstanden erklärt und erhofft von demselben eine wesentliche Förderung des kirchlichen Lebens und der sozial-earitativen Bestrebungen. Der Hochwür- digsic Herr Bischof war ebenfalls von der Gründung hocherfreut und hat chr sein besonderes Wohlwollen und eifrigste Förderung versprochen. Er hat überdies sein Erscheinen zu der großen Frauen­versammlung am Dienstag den 11. November be­stimmt zugelagt. Auch in den höchsten Kreisen haben die Bestrebungen des Frauenbundes Anerkennung und Wohlwollen gesunden und hat deshalb Ihre Kgl. Hoheir btc Landgräfin von Hessen, geborene Prinzessin Anna von Preußen das Protektorat über den lnesigen Zweigverein des kathol. Frauen­bundes huldvollst übernommen.

Gestützt von den höchsten weltlichen und geistlichen Autoritäten wird es das Bestreben des hiesigen Zweigvereins sein, die Aufgabe, welche er sich selbst gestellt hat, zum Segen für unsere Stadt, für das Vaterland und für unsere hl. Kirche zu erfüllen. Hierzu -st es aber notwendig, daß alle Frauen und Jungfrauen ohne Ausnahme sich ihm anschließen und in ihm tätig sind, soweit es ihre Verhältnisse und ihre Kräfte 'gestalten. Keine darf zurückbleiben, wo es sich um die Förderung und Lösung der Fragen handelt, welcke das Frauengeschlecht berühren und be­wegen. Es muß für jede Frau und Jungfrau Ehren­sache sein, einer Organisation anzugehören, die von Frauen und für Frauen geschaffen ist.

# Personalien. Dem Oberzahlmeister Rübsam in Kastel ist der Charakter als Reckmungsrat verliehen worden. — Dem Bürgermeister Andreas Rüffrr zu Ahlersbach im Kreise Schlüchtern wurde da? all­gemeine Ehrenzeichen verliehen.

□ Verliehen. Dem Lehrer a. D. Eduard SchitHauer aus Oberufhausen ist der Sb:er der Inhaber des Kgl." HanSordenS von Hohenzollern verliehen worden.

♦♦ Eine regelmäßige Sitzung der Stadiverordneten- Versammlung findet atü Montag, 10. Nov. 1913, abends 7»/t Uhr statt. Außer über die Punkte, die bereits auf die Tagesordnung der letzten, dann aus­gefallenen Sitzung gesetzt waren, wird über folgende verhandelt: Verlängerung deS GashaNptrohrstraNges in der Edelzellerstraße und Bewilligung der Kosten (Weber); Fortbestehen des Vertrages mit dem KreiS« tierarzt bett, tierärztliche Untersuchung des Markt- viehes (Sunkel); Versicherung der Einwohner gegen die aus der Straßen-Reinigungspflicht sich ergebende Haftpflicht und Uebernahme der Versicherungsprämie auf den Etat (Singer). In geheimer Sitzung: Bericht über daS Gaswerk in den ver­flossenen 6 Monaten dcs Eta sjahres und Antrag aus Festsetzung eines GaSeinheitspreises (Weber u. ©immer).

(?) Tie neue Polizeiverordnung sür den Regierung;« bezirk Kassel über die Einreichung von Verzeich­nissen der Hausarbeiter vom 30. Oltober 1913 (R. A. Bl. S. 361) vervflichtet alle Gewerbe­treibenden, welche HauSarbeüer unmittelbar oder d urck Zwischenperlonen beschäftigen, Verzttchwsse bet HauSarbeiter gemäß dem Hausarbeitsgeietz vom 20. Dezember 1911 (R. G. Bst S. 976) einzureichen. Ver­zeichnisse müssen einreichen: Gewerbeunternehmer, Leiter von Zweigstellen der Betriebe, fd weit sie un­mittelbar Haukatbeiler beschäftigen, Zwischenmt ster für die von ihnen außerhalb der Arbeitsstätte mit Hausarbeit beschäftigten Personen und bie AuSgkber (Personen ohne eigne gewerbliche Arbeitsstätte) für diejenigen tzausarbeiter, welchen sie für Gewerbe­treibende HanSarbeit übertragen. Die Verzeicknifle müffen die Familien- und Vornamen, Arbeitsstätte nebst Wohnung, Straße und Hausnummer, die ge­naue Art der Beschäftigung derjenigen Personen ent­halten, welchen Hausarbeit übertragen wird, ober durch welche außerhalb der Arbeitsstätte des Ge­werbetreibenden die Uebertragung erfolgt. Tie Ver­zeichnisse sind alljährlich nach dem Stande der Heimarbeit am 1. Mai und 1. November bis zum 15. Mai oder 15. November dein zuständigen (Sc« werbeinspeltor und der zuständigen Ortspolizübehörbe in je einer Abschrift einzureichen. Dir Verzeichnisse sind ferner für jeden Stadt- und Landlreis ge­sondert anzulegen, die Namen sind nach dtn Ge> mehtben und innerhalb dieser alphabetisch auszu- sühren. Die Polizeiverordnung ist sofort in Kraft getreten. Die Unternehmer mit HauS- otbeitern haben die Verzeichnifle zum 15. N 6 o. d. IS. erstmalig eingureichen.-- .■ >

Fk. Sie Allg. Otftkfranftnkasse/ der Stadt Fulda hat dem Einspruch des Sozialen Ausschusses für Fulda und Umgegend gegen die Berechnung des Wahl- resnltateS der am 1. Oktober statlgefuNdeNeN AuS. schußwahl stattgeben müffen.' Damit ist anerkannt, daß die Berechnung der Kaste nicht richtig wert und daß die sozialdemokratische Lifte einen Vertreter zuviel erhalten hatte, der der Ltste deS Sozialen Ausschusses zukam-, Nachdem nun die Berechnung berichtigt worden ist, zeigt oaS Wahl­resultat denn doch ein anderes BW. Es entfallen auf den Zwölierausschuß 14, auf die sozialdemo­kratische Liste 5 und auf den Sozialen Ausschuß 21 Vertreter. Dieses Wahlergebnis ist insofern sehr erfreulich, als jetzt der Soziale Ausschuß in der Gruppe der Arbeitnehmer die a d s o l Ute M e hr h e i t hat, die et aller Voraussicht na.» demnächst auch int Vorstände erhallen wird. Da den Umständen nach anzunehmen ift, daß von den höchstwahrscheinlich zu Unrecht stzr ungiltig erklärten 111 Stimmen, zwei Drittel für den Wahlvorschlag des Sozialen Aus­schusses abgegeben waren, so wäre für diesen, wenn sein Einspruch sich auch dagegen gervendet hätte,-dar Wahlergebnis noch günstiger ausgefallen. Doch kayn

daS Ergebnis durchaus befriedigen, zumal die Liste deS Sozialen Ausschuffes 30 Stimmen mehr erhalten Hal als die beiden anderen Wahlvorschläge zusammen. DaS zeigt deutlich, daß dieser Ausschuß die Mehr­zahl der Wähler hinter sich hat. ES wäre zu wünschen, daß die christlich gesinnten Krankenkassen« mitglieder den Sozialen Ausschuß in feinen Bestre­bungen künftig noch mehr unterstützen würden, zumal von Anhängern des Zwölferausschuffes die Meinung vertreten wird, daß der Soziale Ausschuß etwas stark konfessionell sei, obwohl demselben Mit­glieder katholischer und evangelischer Kon­fession angeboren. Damit dürfte auch die Bezeich­nung des Zwölferausschufles als liberale und die des Sozialen Ausschusses als schwarze in der.Raffelet Allgemeinen Zeilung' eine Erklärung finden. Daß die an der Spitze des Zwölferausschufles stehenden Personen und auch ein Teil seiner Mitglieder solche Absichten nickt teilen, ist ohne weiteres anzunehmen, doch sollten sie, nachdem sie davon Kenntnis Haden, die nöligen Konsequenzen ziehen und sich mit gesin- nungSverwandlen Personen verbinden. Der übrige Teil deS Zwölferausschufles lönnte ja dann eine rassen- reine liberale Liste aufstellen. Eine zweite Richtung int chtistlichnationalen Lager wirb, wenn auch unbeabsichtigt, die Position der Sozialdemokraten stärken, wofür ja bestimmte Anzeichen schon vorhanden find. Daß bte sozialdemokratische Liste 194 Stimmen erhielt, eröffnet für Fulda immerhin schon eine betrübende Perspektive, zumal es sich hierbei nur üm de volljährigen Mitglieder der Krankenkafle handelte. Die eigentliche Anhängerschaft bet Sozial­demokratie in Fulda ist demnach noch größer. Diese gilt er also gemeinsam zu bekämpfen und ihr mit allsn erlaubten Mitteln den Weg. in unser Fuldaer Land zu verlegen. Das muß das Ziel fein, Welches die christlichen Arbeilet Fuldas zu gemeinsamer Arbeit zufammenführen sollte in dem Gedanken, daß der Kamps für Christentum und Vaterland geführt wird.

-iß AuS dem Apothekemvesen. Der Apotheken« besitzet Max Kühne in Kassel wurde zum pharma­zeutischen Bevollmächtigten für die amtliche Besichti­gung der Apotheken im Regierungsbezirk Kassel er­nannt.

§ AtbcilS-Jubilar. Der Abteilunosmeistet Joseph Waid et hier kann Henle auf eine 25jährige Tätig­keit in den Fuldaer Sian;- und Emaillierwerken F. C. Bellinger zmückbttcken.

4- SchnAnacher-Innung. Die jüngste Innung?« Versammlung der Schuhmacher war wieder seht gut besucht. Aus der reichhaltigen Tagesordnung, die unter Vorsitz des Herrn Obermeisters I. Fletschet glatt erledigt wurde, nennen wir die Einsetzung eines Gesellen-Aiisfchusses, eines Ausschusses für das Lkhr- klngSwesen und eines Gesellenprüfungsausschufles. Auf Einladung der Innung wird demnächst ein Fachmann einen Vortrag über die Neuordnung im Krankentaflenweseir hallen, ferner ein Mtlglied bet Innung einen Vortrag über eine der neuesten Wertmaschinen; diese wirb gleichzeitig praktifch vor­geführt werden. Weiter teilte der Obermeister mit, baß beabsichtigt ist, d,e Fonrnituten im großen Poften zu beziehen und an die Mitglieder zu verteilen. Ter neue Tarif ist im Druck he gestellt und gelangte an die Mitglieder zur Austeilung. Die noch fehlenden sind vom Obermeister zu. beziehen. Ferner machte der öbermelfter bekannt, baß Kalkulations« adenbe angeietzt seien und lud die iUitglieber zum regen, Besuche derselben ein. . ,

A Handels-Auskunftstellen für das Handwerk. Wie. mitgeteilt wird, ist die Errichtung besonderer Auskunftsstellest für das Handwerk bet den Hand­werkskammern geplant. Die Stellest haben sich ins­besondere mit handelspolitischen, handelswirtschaft­lichen und handelsrechtlichen Fragen zu beschäftigen.

(!)’ Die Theater-Direktion Robert Herrmann Ww., die während der Sommermonate in Fulda ga­stierte, hält sich zurzeit in Heiligenstadt auf. Wie hier, so hat sie auch dort dieser Tage die frivole - Operette, „Die keusche Susann g" zur Aus­führung gebracht. Wir haben seinerzeit von der Auf- suhrnng dieser musikalischen Glorifikation des Ehc- butt5 weder im Anzeigenteil, noch int redaklionellen Teile unseres Blattes Notiz genommen. Wir befol­gen diese Praxis, weil wir nickt durch die Brand­markung solcher Stücke bei gewissen Elementen in­direkt Reklame dafür machen wollen. Der an­ständige Teil der Bevölkerung wird im gegebenen Falle unser Schweigen richtig zu deuten wissen und die Folgerungen ziehen. Der kath. Bevöl­kerung in H e i I i g e n sl a d t ist jedoch jetzt der Betrieb des Herrmannschen Ensembles zu bunt ge­worden. In der „Eichsfeldia" erscheint folgende E t- klktuna: . . ,

Die beute im katholischen VeretnShause versommelien katholischen Männer, und insbesondere die Borlände katholischer Vereine, sprechen ihr lebhaftes Befremden darüber rtu8, daß in hiesiger Stadt in jüngster Zeit theatralische Darbietungen gegeben worden sind, welche ihre? der christlichen Sitte und dem sittlichen Empfinden zuwiderlaufenden Fnbatts wegen iu verwerfen sind. Sie mißbilligen, daß Aufführungen oeranffajtet werden, die da? Laster verherrlichen und bie Tugend verhöhnen. Sie sprechen die Erwartung aus, daß die hiesige Presse, wie es bisher »um Teil schon aetdrbrn ist, einmütig und rückhaltlos sittenne'-derbende Stücke ablehnr. 6 eilt gen« stadr, 6. Nov. 1913. Die Vorstände bet kathol. Scheine. , s

Wie die „Eichsscldia" dazu schreibt, mehren sich in .Heiligenstadt auch aus nichtkatholischen Kreisen d'e Stimmen einer entschiedenen Ablehnung fttten- loser Vühtiendarbietunaen. Uns wird aus Heiligen- statzt noch niilgeteilt, die Theaterdircktion Herrmann habe dort die Behauptung verbreitet, die „Keusche Susann-'" sei in Fulda, nachdem sich die Redak­teure der „Fuldaer Zeitung" und der Klerus von dem ungefährlichen, sittlich einwandfreien Eharakter des'Stückes überzeugt hätten, insgesamt 6mal unter starkem Jubel der Theaterbesucher in Szene ge­gangen Soviel Behauptungen, soviel Lügen. Jeder cvfenrt sie dafür und man braucht kein Wort darüber tu verlieren. Ausdrücklick wollen wir nur feststellen, daß damals unsere Redaktion nach Kenntnisnahme des Librettos den Geschäftsführer der Frau Herrmann nicht im Zweifel gelassen hat. welch vernichtendes Urteil sie über die auf eine schamlose Verspottung aller Ttio-.vd und Anständigkeit hinousgehende Obe­rer!? fälle- müsse. Diese Ansicht wurde dem He rn nt't oller Entschiedenheit klar gemacht und ihr durch die Ahleonuug der Anzeigen weiteren Nachdruck vec- l'then Wenn ibnt das noch nicht deutlich genug W:r soll es uns für etwaige künftige Fälle zur Lehre dienen. . ' • ■

;; Eine begrüßenswerte Einrichtung. Die hiesige Ortsgruppe des Kreuzbünbnifses, V. a. K, stellt, wie auS dem Inseratenteil ersichtlich ist, iHv VeremSzimmer Schülstraße 4 von Montag ab den Winter über als Eßraum den Personen, die wegen zu weiter Entfernung ihrer Arbeitsstätte von ihrer Wohnung nicht zu Hause essen können, wochentäglich

von 12—2 Uhr unentgeltlich zur Verfügung. Bereits im vorigen Joßre hatte das KreuzbünbniS das Zimmer zu biefem Zwecke geöffnet unb es würbe gern unb zahlreich benutzt. Es ist ja auch viel ange­nehmer, fein Mittagsmahl in einem behaglichen, ge­heizte» Zimmer einnehmen zu können als bei kaltem windigem ober regnerischem Wetter im Freien. Der Arbeiter hat nur rin Kapital unb bas ist seine Ge­sundheit. Zur Erhaltung und Förderung derselben st diese Einricklung sehr zu begrüßen.

<6? Zm Reichspostgebiet ist bie Zahl der Konto« Inhaber tm Postscheckverkehr Ende Oktober 1913 auf 84 388 gestiegen. lZugang im Monat Oktober 1021.) Auf btefen Postscheckkonten wurden tm Oktober ge­bucht 1632 Millionen Mark Gutschriften unb 1625 'Mill. Mk. Lastschriften. Das Gesamtguthaben ber Kontoinhaber betrug tm Oktober durchschnittlich 177,7 Millionen Mark.

.11" Der Bahnhosserweiterungsbau hat in der letzten Zeit wieder große Fortschritte gemacht. Namentlich erregt jetzt der Brückenbau an ber Edelzrllerstraße bie Aufmerksamkeit. Er würbe noch weiter vor- geschiitten sein, hätte nicht bet Streik bet Zimmeret Zeitverlust verursacht. Immerhin rechnet man ba- mit, daß gegen Ende November diese Brücke dem öffentlichen Verkehr übergeben werden kann. Ein Bagger ist bereits abmontiert und wirb in ben nächsten Tagen oerlaben werben. Auch bie Aplegung des neuen WcgeS von Koblhaus nach Edel- zell hat Fortschritte gemacht. Ueberschreitet man jetzt auf bem alten Weg ben Bahnkörper, fo sieht man, baß in jener Gegenb bereits das provisorische Gleis für die Linie Frankfurt—Bebra gelegt ift. Es müffen während bet Monate November unb Dezember btc ©rbarbeiten von biefet Stelle aus in bet Richtung nach Fulba ganz energisch betrieben werben, ba bieses tzauptgleiS voraussichtlich Anfang Januar n. I in Betrieb genommen wird. DaS Gleis für bie Rhön­bahn nach Gersfeld kommt zu jener Zeit separat, jenseits ber Bahn, nach Ebelzell hin zu liegen.

O Vor htm Schwurgericht in Hanau wirb sich am 13. unb 14. November bet Lanbivirt Knoth aus Kanppcn (Kreis Fulda) wegen Totschlags zu verant­worten haben. Am 15. Nov. hat sich der frühere Gemcinberechnet Müllet aus Elm wegen Amts- verbrechcn zu verantworten.

rt Tie Strafkammer konnte gestern bie Verhaub« hing gegen den des Diebstahls angeklagten 15 jährigen Schl, noch nicht zu Ende führen. Sckl. leugnete hartnäckig, bet Frau B. von Petersberg 70 Mk. aus der Gaststube bet Backmühle entwenbet zu haben. Daß ein Betrag von 34 Mk. bei bet Festnahme in seinem Besitz war, erklärte er mit einem Gelbfunb, Den er auf der Straße nach Böckels gemacht haben will. Zahlreiche Verbachtsgründe liegen gegen Schl, vor. Der Staatsanwalt hielt ihn für ben Dieb unb beantragte 6 Monate Gefängnis. Das Gerich! bezeichnete cs jedoch für erforderlich, daß Schl, durch erneu Wachtmeister in bie Schule nach Margrethen« Haun geführt wirb, um daS Schulmädchen zu be< zeichnen, welches nach feinen Angaben den Gelbfunb beobachtet haben soll. Diener Termin ist auf den 21. Nov. anberaumt. — Der Gastwirt I. M. hier war wegen Uebertretung ber Polizei«Vetorbnung betr. Feietabenbstunbe zur Anzeige gebracht aber vom Schöffengericht Fufba am 16. September sreigcsprochen worben. Gegen dieses Urteil hatte der Ämtsanwalt Berufung an bie Straftammer einge« legt. Der Staatsanwalt hielt eine Uebertretung für vorliegknb unb' beantragte eine Gelbstrafe von 9 Mk. Dir Lertsibiger bes Di. sowie bas Gericht waren jedoch ber Ansicht, baß ben Gästen eine kleine Frist nach Eintritt ber Feierabenbstunbe zum Austrinken gewahrt werben, müsse, außcrbem fei in bem zur Verhänblung stehenden Vorfälle bie Feicrabenbstunde ttür um eine Kleinigkeit übrfdjtitten worben. Xie Berufung todtbe verworfen unb ber Angeklagte frei« gesprochen. —Drei Bilderreisende samt dem Ober« reisenden einer Berliner Firma für Vergröße­rungen von Photographien hatten w verschiedenen Orten Bestellungen entgegengenommen ohne im Besitz eines Gewerbefckcines zu sein. Gegen das freispiechende Urteil des Schöffengerichts Hünfeld hatte b:e Slantsanwaltfchaft Berufung eingelegt. Die Strafkammer verurteilte die Angeklagien, bem Anträge be$ Staatsanwals gemäß, wegen Ueber« tretung ber Gewerbesteuer-Ordnung zu je 48 Man (SelbfhQfe rtfp. je 8 Tatzen Hast. — Dle Berufung veS Fabrikakbeilers P. R. hier gegen em Schaffen« gerichlsulteil Fulda wegen Beleidigung, wurde verworfen. Es bleibt bei der Strafe von einer Woche Gefängnis. .

l+l Nttwlver, Opernglas und Violine. Ern fonber- barer Kauz (ft oer 18jahtitze Furjorgezöglmg Karl Sadowa. Er stiehlt wie ein Rabe. Erst kürzlich Hai ihn die hiesige Strafkammer zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er mein unb bein nicht unterschoben konnte. Abermals hatte er sich jetzt vor ber Straf« tainmer wegen EigenlumSverbtechen zu verantworten. DaS Felb feiner diesmaligen Tätigkeit war Weiperts bei Sterbsritz gewesen. Zunächst hatte er dort einem Schuhmacher ein Paar Schuhe abgejdjroinbeU. Dann war er über bie Kommode eines Landwirts geraten unb 300 Mark in bar erbeutet. Auch einen Anzug hatte er einem Kleiberschrank entnommen unb schließ­lich noch einer Schublade ein Hernb. füllt biefem Diebesgut suchte er bie wirtliche Frankfurter Gegenb aus unb war batauf bedacht, das gestohlene Gelb mit Grazie zum Fenster hinauszuwerjcn Seine Einkäufe »uten ganz närrisch an. Er erwarb u. a. einen Revolver, ein Opernglas, eine Violine, bann einen hochnoblen Slockichirm, ein Fahrrad, mehrere Fahr- iabmäntel re. Das ganze Warenlager war gelteru auf bem GerichtStstche ausgebreitet. Auch 47,25 Mk. in Bar war bem Gauner wiener abgenommen worben, ber, als er skstgenommen werben sollte, sich einen falschen Namen ‘beigelegt hatte. Nock mit bem ge­stohlenen Anzug geschmückt, trat ber Angeklagte vor bie Schranken bes Gerichtes. Alles wirb ben Ge­schädigten wieder zugestellt werben. Die Ausbeute jür ben jungen Herrn Sadowa aber war mit Ein­rechnung der früheren Strafe eine Getängnisstrase von insgesamt 1 Jahr 4 Monaten wegen Betrugs unb Diebstahls. Wegen der Angabe des falschen Namens würbe noch eine Woche Hast zugelegt, bie als burch die UnteriuckungShaft verbüßt lern foU.

X Kältcschutzwagen auf der Eisenbahn. Aus der Linie Berlin-Halle,Eisenach--F u I d a-Franksurt am Blain verkehren auch in diesem Winter bis Ende März nächsten Jahres besonders gebaute G ü t er­wägen mit Dampfheizung, die dazu be­stimmt sind, frostempfindliche Eilstückgüter vor -Frost­gefahr zu schützen. Eilgüter, die in den Kalteschutz- wagen befördert werden sollen» müssen mit besonderen Frachtbriefen abgeliefert werden. Eine Gebühr für die Beförderung in den Kötteschutzwagen wird nicht ei,)n-Y? Eine neue Eisbahn im Schloßgarten. Vor einigen Tagen wurde auf dem Rondell zwischen dem

Zuldaer Zeitung.

2. Blatt.

Druck der $ilb«tt Udienbxvcttrei in 5nl»a.

M 259.

»amrtag 8. November 1913.

** Die AuSführungsbestimmungett zum Wehrbeitragsgesetz.

- In bet letzten Sitzung des Bundesrats wurden die LuSführungSbestimmungen zum Wehrbeittagsgesetz be­raten. Sie umfassen im ganzen 86 Aawgtaphen. Aus dem mnfangteichen Inhalt geben wir die für die Öffent­lichkeit bedeutungsvollsten Votfchtifien tn nachfolgendem

Die'Deklarationsfrist für den einmaligen Wehrbei. trag wurde auf die Zeit vom 2. bis 15 Januar kom. menden Jahres festgesetzt. Es können dafürjedoch auch andere Januartage gewählt werden Für Preußen ist die Zeit vom 4. bis 20 Januar bestimmt. Für kauf, männische und gewerbliche Betriebe kann die Dekla- rationspflicht bis zum 15. April verlängert werden. -In den Bundesstaaten, bte bisher keine Vermögenssteuer haben bis zum 30. April, aber; nicht länger. Auch Pri. vaten' kann unter Umständen eine Verlängerung ge- währt werden.

Die Abgabe der Bermögenserklärung ist nötigenfalls durch vorher anzudrohende Geldstrafen bis zu 500 Mk. »u erzwingen. Gleichzeitig mit der Straffestsetzung auf Grund des Gesetzes ist dem Säumigen eine ange. messens weitere Frist zur Abgabe der Vermögenser. klärung zu setzen. Die Eeldst'rafe knm solange wiederholt werden, bis der Beitragspflichtige seiner Berpflichtung nachgekommen ist. Die Vermögenserklä­rung des Ehemanns hat das Vermögen der Frau mit zu umfassen.

Die Berechnung des Vermögens. Ueber die Ermitt­lung des Bermögenswertes (Stand des Vermögens unb gemeiner Wert sejner einzelnen Bestandteile am 81. Dezember 1918) wird bestimmt, daß der gemeine Wett (Verkaufs- oder Verkehrswert) durch den Preis bestimmt wird, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Gegenstandes ohne Rück- sicht auf ungewöhnliche oder lediglich persönliche Der- hältnisse zu erzielen ist. Ueber die Ermittelung des EptragSwertes heißt eS: als Grundstücke zu dauernden land- oder forstwirtschaftlichen oder gärtnerU schen Zwecken sind solche nicht zu rechnen, deren ge­meiner Wert durch ihre Lage als Bauland oder als Land zu . Berkehrszwecken bestimmt wird. Grundstücke, die dem Luxus des Besitzers dienen, fallen nicht unter den Barographen des Gesetzes, wonach als Ertragswert das sünfundzwanzigfacke ihres Nein-ertrages gilt.

Heber den Wehrbettrag von Einkommen sind sehr schwierige Bestimmungen notwendig geworden. 11. a. Wird bestimmt, daß, wenn zwei Eheleute getrennte Einkommensteuer zahlen, von den Einkommen deS Ehe- manneS der Betrag einer bprozentigen Verzinsung des gsammengerechneten. abgabepflichtigen Kapitals der fegafien abzuziehen ist. Ist jedoch die Ehefrau neben dem Manne mit einem Einkommen von mehr als 5000 Mark veranlagt, so sind auch von ihrem Vermögen 5 % ftbzuziehen. Das zweite und das letzte Drit. t S l deS Wehrbeitrages kann ermäßigt werden, wenn daS Einkommen sich inzwischen um mindestens 40 % vermindert hat. Ist das Einkommen unter 3000 Mk. gesunken, so bleiben die beiden letzten Beitragsraten un- rthoben. Als Einkommen gilt das gesamte Ein. kommen einer Person, gleichviel, ob es in einem Bundesstaat steuerpflichtig ist oder nicht.

Bei Gesellschaften ist der Wehrbeitrag nur zu er. heben vom gesetzlich Reservefond usw., dagegen nicht von Erneuerungsfonds, Talonsteuerreserven unb dergl. Der VetmögenSerklärung ist die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung für das letzte Betriebsjahr beizufngen.

Beim Vorhandensein mehrerer wehrpflichtiger Söhne Wirb vorbebaltlich einer späteren weiteren Ermäßigung bestimmt, baß zunächst nur biejenigen, bie ihre gesetz­liche Dienstpflicht tm Heere ober Bei ber Flotte zur Zeit der Veranlagung bereits abgeleistet haben berücksichtigt werben. Der Antrag auf eine weitere Ermäßigung ist innnerhalb eines Jahres nach Ablei­stung der Dienstpflicht bei ber Veranlagungsbehörbe emzubringen.

totales.

Fulba, 8. November 1913.

== Ter Katholische Frauenbund.

Am Dienstag, den 11. November I. J„ wird, wie schon durch Inserat mitgeteilt wurde, der kath. Frau­enbund hier im großen Stadtsaale eine Frauen­versammlung abhalten.. Es dürfte vielleicht wünschenswert sein, schon jetzt einiges über die Ziele und Aufgaben des kath. Frauenbundes zur Orien­tierung und Aufklärung mitzuteilen. Die Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den letzten Jahr­zehnten hat die Frau mehr und mehr aus rein häus­lichem Kreise in das Erwerbsleben hinausgedrängt, eine Frauenbewegung ist entstanden, welche das Streben hat. die Entwicklung des Frauenlebens mit der Entwicklung der Zeitverhältnisse in Einklang zu bringen. Auch die kathol. Frauen und Jungfrauen können sich dieser Bewegung nicht entziehen Auch sie müffen die Aufgaben, welche das moderne Leben an sie stellt, zu lösen suchen, aber nicht wie es so vielfach geschieht, im modern-unchristlichen Sinn, son­dern auf dem Boden unferer hl. kathol Kirche an der Hand der Lehren und Gebote, welche Gott uns gegeben hat. Hier will der Frauenbund heftend, fördernd und anregend eingreifen, er will alle kath. Frauen und Jungfrauen umfassen und in sich aufnehmen, und die gemeinschaftliche Lösung der Frauenfrage im Sinne der katholischen Weltanschau­ung herbeisühren. Er will dabei aber nicht umstürz- lerisch vorgehen und das schon vorhandene Gute, das sich bewahrt hat. beseitigen und irgend etwas Neues dafür an die Stelle setzen, sondern er will die be­stehenden Einrichtungen und Vereine erhalten und schützen Er will sie zwar um sich sammeln und scharen, aber nur zu dem Zwecke, um sie zu stärken und ihnen, wenn es nötig ist, neue Hilfsmittel und Hilfskräfte zuführen. In einem Flugblatt, welches der kathol. Frauenbund her­ausgegeben hat, heißt es deshalb: „Der Anschluß (der einzelnen schon bestehenden Vereine an den Frauen­bund) bezweckt nur ein enges Zusammenhalten auf allen Gebieten, wo die katholische Weltanschauung es fordert, ein gegenseitiges Sichstützen und Sichergänzen und damit eine Verstärkung des Einflusses der Ein­zelvereine durch den Bund und umgekehrt des Bun­des durch die Einzelvereine". Die bestehenden Elisa- bethvcreinü, Müttervereine, Dienstboten- und Ar- beiterinnenpereinc, die Vereine kathol. kaufmännischer Gehilfinnen usw. sollen also alle unangetastet und selbständig bestehen bleiben und nur Förderung und Lchutz durch den Frauenbund erhalten.

Ferner soll der Frauenbund aber zur Ausfül­lung van etwa noch bestehenden Lücken in den sozial-earitativen Bestrebun­gen anregen und dafür sorgen, daß sich Frauen und Jungfrauen finden, welche bereit sind, auf solchen Gebieten des sozialen Se6en§'tätig zu sein, die bisher noch nicht in Angriff genommen waren.

Es fragt sich nun, ob auch für unsere Stadt eine folck>e -Organisation, ein Zusammenschluß der lat boll Frauen und Jungfrauen zu gemeinschaftlicher Tätigkett in dem angebeutetcr. Sinne erforderlich ist. Zweifellos ist hier schon viel auf dem Gebiete der karitativen und sozialen Fürsorge geschehen und man muß allen jenen Damen aufrichtig dankbar sein und